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Aufregung um zwei Schokoladenhäschen

Oma Ina sitzt in ihrem Ohrensessel im Wohnzimmer und strickt an einem Schal für ihre Enkelin Nina. Die Kleine hockt im Schneidersitz auf dem Teppich und blättert in ihrem Bilderbuch. Plötzlich hält sie inne und schaut die Oma an.
„Du Oma, hast du dich als Kind auch immer auf Weihnachten gefreut?“, will sie wissen.
„Aber sicher! Ich wollte doch unbedingt den Weihnachtsmann sehen und außerdem gab es dann immer ein neues Kleidchen für meine Puppe oder ein neues Möbelstück für mein Puppenhaus.“
„Ich freue mich auch auf Weihnachten und den Weihnachtsmann möchte ich unbedingt sehen. Aber…“, die kleine Nina stockt, bevor sie dann hinzufügt: „Du kennst doch den Willi, den Nachbarsjungen.“
Oma nickt. „Der ist dieses Jahr schon in die Schule gekommen, oder?“
„Ja und der hat erzählt, dass es gar kein Christkind und auch keinen Weihnachtsmann gibt. Er hat über mich gelacht und gesagt, dass ich vom Baum der Dummheit gefallen wäre.“
„Da täuscht sich der kluge Willi aber!“, erhebt die Oma Einspruch. „Ich habe ihn nämlich als Kind ganz genau gesehen und sogar mit ihm gesprochen.“
Nina bekommt ganz große Augen und fordert die Großmutter auf:
„Bitte Oma Ina erzähl mir davon!“
„Du weißt doch, dass ich eine Zwillingsschwester habe, die Isa.“
Nina steht auf und rutscht auf Omas Schoß, damit ihr auch nichts von dem entgeht, was die Großmutter zu berichten weiß:
„Die Eltern einer Klassenkameradin hatten eine Schokoladenfabrik. Um sie herum wimmelte es nur so von Schokolade in den verschiedensten Formen und Geschmacksrichtungen.“
„Oh, ist das toll!“, ruft Nina begeistert aus. Ich würde mir den Bauch mit Schokolade vollstopfen, bis es nicht mehr ginge.“
„Ach, das kann ich mir nicht vorstellen!“, lacht Oma Ina. „Sicher, es wäre gelogen, wenn meine Klassenkameradin nicht gerne diese Köstlichkeit gegessen hätte. Aber das, was man ständig haben kann, ist auf einmal gar nicht mehr so begehrenswert. Das ist im Leben mit vielen Dingen so, auch mit Schokolade. Das kannst du mir wirklich glauben. Manchmal aß das Mädchen wochenlang kein einziges Stückchen und zog sogar eine Karotte oder einen Apfel dieser Leckerei vor.“
Nina schaut ihre Großmutter zwar etwas ungläubig an, aber sie möchte sie nicht unterbrechen.
„Die Eltern der Klassenkameradin luden regelmäßig Schulklassen zur Besichtigung in die Fabrik ein. Auch kurz vor Weihnachten war es wieder soweit.“
„Und da kam auch der Weihnachtsmann vorbei?“, will Nina wissen.
„Nein, den haben wir erst später persönlich getroffen“, berichtet die Großmutter. „Nachdem ich einen langen Brief an ihn geschrieben hatte.“
„Welchen Brief denn? Was stand da drin?“
„Na, lass mich erst einmal weiter berichten“; bittet Oma Ina. „Meine Zwillingsschwester Isa und ich standen bei der Besichtigung ein bisschen abseits von der Gruppe. Wir haben die Gelegenheit genutzt und uns zwischen den Regalen umgesehen. Und da haben wir etwas ganz Seltsames erlebt. Es war uns so, als riefe jemand unsere Namen. Wir sahen allerdings niemand. Das Stimmchen war so zart gewesen, dass es nicht von einem Erwachsenen und auch nicht von einem anderen Kind stammen konnte.“
Nina rutscht inzwischen völlig aufgeregt auf dem Schoß der Großmutter herum.
„Als wir die Rufe nach uns wieder hörten, erkannten wir auch woher sie kamen. Im Regal links neben uns standen zwei kleine Skihasen. Als wir uns direkt vor sie stellten, flüsterten sie:
‚Bitte, bitte helft uns! Man will uns einschmelzen und zu Weihnachtsmännern umarbeiten. Bitte, bitte rettet uns!‘“
„Das ist ja schrecklich, – bestimmt habt ihr sie gerettet!?“
„Wir konnten nicht, denn genau in diesem Moment stand der Lehrer schimpfend vor uns und war tüchtig sauer, dass wir uns von der Klasse entfernt hatten.“
„Oh, die armen Skihäschen!“, sagt Nina sichtlich gerührt. „Dann sind sie doch eingeschmolzen worden!?“
„Wir haben uns zu Hause sofort beraten, was wir tun könnten, um die Schokoladenhäschen zu retten. Ja, und so habe ich dem Weihnachtsmann einen langen Brief geschrieben, dass er sich doch bitte um die Rettung der Beiden kümmern möge. Am nächsten Morgen war der Brief verschwunden. Wir glaubten fest daran, dass dieser von Engeln geholt und dem Weihnachtsmann überbracht wurde. Er hat uns allerdings nicht geantwortet.“
„Och!“
„Als dann der Weihnachtsabend kam, waren meine Schwester Isa und ich ganz traurig. Meine Eltern konnten gar nicht verstehen, warum wir uns nicht so recht auf die Bescherung freuten. Gerade als unser Vater die Lichter am Weihnachtsbaum anzündete, klopfte es lautstark an unserer Haustür.“
Nina hält sich erschrocken die Hand vor den geöffneten Mund, denn die Großmutter hatte von dem Kind unbemerkt beim Erzählen mit der Faust auf die Tischplatte geschlagen.
„So sind wir damals auch erschrocken. Wir konnten uns gar nicht mehr rühren und standen wie erstarrt mit dem Blick zur Tür da. Mein Vater ging dann zum Öffnen zur Haustür. Und da stand er. Der Weihnachtsmann höchstpersönlich. Uns hatte es zunächst auch noch die Sprache verschlagen, aber unsere Mutter forderte uns auf artig ein Gedicht aufzusagen, was wir dann auch ein wenig stotternd gemacht haben.“
„Und das war wirklich der echte Weihnachtsmann?“, will Nina wissen, denn ein bisschen zweifelt sie doch.
„Aber sicher!“ Großmutters Stimme klingt fast ein wenig empört.
„Er hat sich für das Gedicht bedankt und jedem von uns ein kleines Säckchen und einen Schokoladenweihnachtsmann überreicht. Isa hatte ihren ganzen Mut zusammen genommen und ihn gefragt, ob er unseren Brief erhalten hätte.“
„Und?“
„Nichts und! Er lachte nur laut sein ‚Hohoho!‘ und meinte er müsse schnell zu den anderen Kindern, die auch auf ihn warten würden.“
„Schade, dann sind sie wohl tatsächlich eingeschmolzen worden. Das ist aber eine traurige Geschichte, Oma. Also hat der Willi doch recht. Es gibt einfach keinen Weihnachtsmann.“
Nina springt von Oma Inas Schoss und will zu Mutter in die Küche gehen, aus der herrlicher Plätzchenduft kommt.
„Willst du den Schluss der Geschichte nicht hören?“
Nina ist erstaunt, denn sie hatte nicht gewusst, dass die Geschichte noch weiter geht.
„Isa und ich hatten keine rechte Freude an den Geschenken des Weihnachtsmannes und auch die beiden Säckchen hatten wir achtlos zur Seite gepackt. Erst als wir schon in unseren Betten kuschelten und Mutter uns Gute Nacht sagen wollte, legte sie uns die Säckchen auf die Bettdecke.
‚Ich denke, der Weihnachtsmann wäre sehr traurig, wenn er wüsste, dass ihr nicht einmal hineinschaut!‘, hatte sie gesagt.
So taten wir ihr den Gefallen. Isa zog einen Apfel, ein kleines Schaukelpferd und ein Puppenkleid heraus. Ich hatte eine Orange, eine kleine Lokomotive und auch ein Puppenkleidchen darin. Achtlos legten wir alles beiseite. Dann kam auch Vater ins Zimmer und meinte: ‚Draußen vor der Haustür habe ich etwas in der Ecke stehen sehen. Kommt doch einmal mit!‘ Wir sind dann extra noch einmal aufgestanden und tatsächlich stand in der Ecke der große Sack des Weihnachtsmannes.“
„Der richtige Weihnachtsmann hätte doch nie seinen Sack vergessen!“, empört sich Nina.
„Das kann man vermuten, aber in dem Sack waren die beiden Skihäschen, die uns glücklich anlächelten!“

 

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Eile mit Weile

Menschen eilen geschwind von Ort zu Ort,
haben für den Nächsten kaum ein Wort,
haben keine Zeit zum Verweilen,
denn sie müssen sich beeilen.

Morgens schnell zur Arbeit fahren,
Mittagessen unter Menschenscharen,
vom Einkauf bepackt mit Waren,
wie soll man da noch Ruhe bewahren.

In Straßen und Geschäften sich drängen
Menschen, die sich in alle Ecken zwängen.
Überall herrscht nur noch Trubel,
wo bleibt die Freude und der Jubel?

Mensch, bleib stehen und halte inne,
das kann nicht sein in des Lebens Sinne.
Vieles wird nicht besser durchs Beeilen,
Gutes braucht Zeit,- auch zum Verweilen.

Auch ein Lächeln und ein liebes Wort,
schafft Vertrauen, Freundschaft hier und dort.
Zeit für Mensch, all das Tun und Streben,
gibt Kraft und den Sinn für das Leben.

 

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Verdammt lang her!

Wenn der Vater mit dem Sohn…

Auf großer Fahrt

Wir waren jetzt nicht gerade auf großer Fahrt, nur auf einer kleinen, bei der mir die große Fahrt einfiel. Klingt irgendwie kompliziert, oder? Ist es aber eigentlich gar nicht. Um Euch das zu erklären, fange ich am besten von vorne an. Nein, ich zäume das Pferd von hinten auf und somit fange ich bei unserer Fahrt am letzten Freitag nach Berlin an:
„Wir haben ganz vergessen etwas zum Trinken mitzunehmen“, meint mein Mann, während er den Blinker auch schon nach rechts setzt, um auf den Parkplatz abzubiegen. „Spring doch bitte mal rein und vielleicht haben sie auch noch von den leckeren belegten Baguette.“
So komme ich ein paar Minuten später wieder voll beladen heraus. Da ich keine Tasche dabei habe, balanciere ich alles auf meinen beiden vor dem Körper verschränkten Armen. Jetzt ist allerdings guter Rat teuer, denn ich habe keine Hand mehr frei, um die Autotür zu öffnen. Von meinem Göttergatten kann ich auch keine Hilfe erwarten, denn er bemerkt mein Kommen anscheinend gar nicht, da er in ein Telefongespräch vertieft ist. Mir bleibt nichts anderes übrig, als eine der Flaschen auf das Autodach zu stellen. Und genau in diesem Moment erwischt mich die Erinnerung. Sie hat mich vollkommen fest im Griff und lässt mich auch nach dem Einsteigen nicht mehr los. Ich will sie unbedingt loswerden, aber dazu muss ich sie jemand mitteilen. Nur gut, dass Peter sein Telefonat noch vor der Weiterfahrt beendet und mir damit die Gelegenheit für mein dringendes Mitteilungsbedürfnis bietet.
„Ich habe doch eben gerade die Flasche auf dem Autodach abgestellt. Das hast du doch sicher gesehen.“
„Nö! Wieso, was ist daran so interessant?“, fragt er mich und fährt auf die Autobahn auf.
„Das hat mich an meine Kindheit erinnert.“
„Upps! Und schon hast du wieder eine neue Geschichte.“
„Könnte sein“, grinse ich vor mich hin. „Willst du solange warten oder soll ich dir meine Erinnerung gleich erzählen?“, frage ich ihn hoffnungsvoll.
„Ich denke, es wird besser sein, wenn du mir alles jetzt und sofort erzählst, denn sonst platzt du noch. Das merke ich dir doch an!“
Mein Mann scheint mich gut zu kennen, denn er hat mit seiner Vermutung genau ins Schwarze getroffen.
„Also,“ hole ich tief Luft. „Meine Eltern und ich sind doch in meiner Kindheit jedes Jahr nach Rottach-Egern an den Tegernseer gefahren und haben dort die Großtante und die Oma meines Vaters besucht. Genauer gesagt: Tante Ritsch und meine Oma-Ur. Da wir die Strecke über Nürnberg gefahren sind und dies für uns so ziemlich die Hälfte der Fahrt bedeutete, machten wir immer auf dem Rastplatz Nürnberg-Feucht eine Pause. Und jedes Mal erzählte meine Mutter mir die selbe Geschichte.“
„Die du mir jetzt zum Besten gibst!“, erkennt mein Peter vollkommen richtig.
„Ich war ein kleines Mädchen mit langen Zöpfen, die ich noch nicht selbst flechten konnte. Wir waren mitten in der Nacht losgefahren und ich wurde sozusagen direkt aus dem Schlaf gerissen. Ich hatte also ungekämmt auf dem Rücksitz Platz genommen, wo ich vermutlich auch noch ein bisschen weiter geschlafen habe. Somit war ich sichtlich verwuschelt. Meine Mutter kämmte mir auf dem Rastplatz die langen Haare und machte mir wieder zwei schöne Zöpfe. Immerhin sollte ich chic und ordentlich vor unsere Verwandtschaft treten.“
„Ich verstehe aber noch nicht so ganz den Zusammenhang mit der Flasche von vorhin“, wundert sich Peter.
„Ganz einfach. Sie hat die Bürste auf das Autodach gelegt und sie komplett vergessen. Erst auf der Autobahn ist es ihr wieder eingefallen. Mein Vater hat zwar bei der nächsten Möglichkeit angehalten und nachgesehen, aber von der Bürste fehlt bis zum heutigen Tag jegliche Spur. Wahrscheinlich ist sie schon auf dem Rastplatz beim Ausparken von uns unbemerkt vom Dach gerutscht.“
„Wahrscheinlich!“, pflichtet mir mein Mann bei. „Aber ich kann deine Geschichte noch toppen.“
Da ich nicht weiß, worauf er hinaus will, entfacht er natürlich meine Neugierde.
„Du kennst doch P., meinen ehemaligen Arbeitskollegen.“
Da ich schweigend nicke, führt er gleich seine Erzählung weiter aus.
„Als wir an der Uni gemeinsam promoviert haben, kam er eines Tages mit einem total verbeulten Aktenordner zur Arbeit. Auf unsere Nachfrage hin, was er denn angestellt hätte, erklärte er uns, dass er in der Hektik des Gefechtes versehentlich seine Aktentasche überfahren hatte. Diese hatte er auch hinten auf das Auto gelegt, vergessen und als sie beim Rangieren und Rückwärtsfahren herunter rutschte, geriet sie unter die Räder.“
„Hihi, so schnell geht es!“, lache ich. „Und schon hat sie mich wieder geküsst!“, füge ich hinzu.
„Wer hat dich geküsst?“, will Peter nun leicht verwirrt wissen.
„Na, die Muse!“

 

Kopflos

Heute melde ich mich nur mal ganz kurz. Die Muse habe ich weggeschickt, denn für sie fehlt mir momentan einfach die Zeit. Sie ruht sich ein bisschen aus.  Ich habe ihr versprochen, dass sie sich schon sehr bald wieder austoben darf.

Bestimmt kennt Ihr das auch, wenn der Kopf mit anderen Dingen voll ist und man sich ein bisschen kopflos fühlt.

Es gibt so vieles zu erledigen und zu organisieren.

Das bedeutet, dass man sich voll und ganz den Dingen widmen und sich in sie versenken muss. Dann ist alles auch ruckizucki erledigt.

Danach schenke ich der Muse wieder meine Zeit.

Ich freue mich schon darauf, wenn sie mich küsst und ich für Euch eine neue Geschichte schreibe. Dann fühle ich mich auch nicht mehr kopflos.

Ich bin mir sicher, dass ich noch vor dem Wochenende die Muse wieder willkommen heißen kann.

Bis dahin seid herzlich gegrüßt und vielleicht habt Ihr noch Lust ein paar andere Geschichten von mir zu lesen:

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Pit Struwwel und Franz Stroh

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Ungebetener Besuch

Heute bin ich einmal die Geschichtenerzählerin. Für alle die mich noch nicht kennen, darf ich mich kurz mit meinem Namen vorstellen: Lottchen.
Ich bin die einzige Katze hier im Hause und ohne eingebildet zu wirken, kann ich behaupten, dass ich allseits beliebt bin. Und das nicht nur bei meiner Menschenfamilie, sondern auch bei allen Nachbarn. Ich bin immer herzlich willkommen. Als Dankeschön lege ich dem einen oder anderen auch gerne mal ein kleines Geschenk vor die Tür. Ich bin mir allerdings nicht immer so sicher, ob sie sich wirklich darüber freuen und es zu schätzen wissen. Neulich zum Beispiel habe ich beobachtet, was der Nachbar mit meinem Geschenk gemacht hat.
„Schaut mal, was uns Lottchen gebracht hat. Wollt ihr es haben?“, rief er lachend über den Gartenzaun zu Frauchen und Herrchen rüber. Dann entsorgte er mein Geschenk in der Mülltonne.
Aber ich schweife vom Thema ab, denn ich wollte eigentlich von einem Gast in meinem Zuhause berichten, der immer wieder herein kommt. Mein Frauchen hat mal erzählt, dass sie einen Spruch über einen ungeliebten Besucher gehört hat. Wenn ich mich richtig entsinne, dann lautete er folgendermaßen:
„Wenn du ihn vorne zur Tür rausschmeißt, dann kommt er hinten wieder zur Tür rein.“
Fast genauso ist es mit Dreibein, von dem mein Frauchen ja auch schon mal berichtet hat. Nur verhält es sich mit Dreibein so, dass er zur Hintertür herein kommt und vorne zur Haustür wieder rausgeworfen wird. Ihr meint, das sei unhöflich?! Dann kennt ihr meinen Dreibein nicht.
Im Grunde genommen ist er ja auch manchmal mein Freund. Die Betonung liegt auf manchmal. Im Sommer kommt er oft und holt mich zu einem kleinen Streifzug ab. Hin und wieder lässt er sich auch einfach nur neben mir nieder und wir dösen ein bisschen in der Sonne.
Immer jedoch, wenn er vorbei kommt, frisst er aus meinem Napf. Meistens stört mich das gar nicht, aber der Kerl ist so verfressen, dass er sich den Bauch oft auch zu voll schlägt. Dann kotzt er es mir einfach wieder vor die Füße und verschwindet. Das hat er auch schon mal bei uns im Keller gemacht und ich bekam dann den Ärger. Das ist doch echt ein starkes Stück. Aber das Größte hat er sich neulich geleistet.
Ich lag wieder einmal so schön gemütlich auf meinem Sessel in der Diele. Ja genau, mein Sessel. Sonst sitzt dort nämlich niemand, nur manchmal das Herrchen und dann darf ich auf seinen Schoß.
Ich döste also so vor mich hin, da hörte ich ganz leise ein Tapsen. Ich blinzelte. Und was sah ich? Dreibein schlich sich gerade durch den Flur in Richtung Küche.
„Er weiß genau, dass dort immer ein Fressnapf für mich steht“, dachte ich. Das war mir aber jetzt so etwas von egal. Ich wollte nur weiter schlafen und träumen. Doch dann hörte ich Geräusche aus der Küche, die mich doch etwas verwunderten und mich dazu auch noch neugierig machten.
„Schau mal, wer da ist!“, meinte mein Herrchen zu Frauchen.
„Ach, hallo Dreibein! Bist du auch schon wieder da?!“, fragte mein Frauchen. „Du bist ein kleiner Nimmersatt. Pass auf, dass du dich nicht überfrisst!“
„Pah!“, dachte ich. „Der ist doch schon wieder an meinem Futter. Hoffentlich kotzt er nicht gleich.“
Und dann hörte ich ein Fauchen. Und ein mir fremdes Fauchen. Ich fragte mich, ob da noch eine Katze in der Küche war. Das machte mich jetzt aber mehr als nur neugierig. Also verließ ich leise meinen Ruheplatz und schlich mich auf Samtpfoten in die Küche. Ihr werdet es nicht glauben, denn auch ich traute meinen Augen nicht: Herrchen und Dreibein fauchten einander an.
„Wieso fauchst du ihn an?“, fragte Frauchen verwundert und sprach damit die Frage aus, die auch ich mir stellte.
„Ich blase ihn an und fauche ein bisschen, denn ich habe gelesen, dass man so zeigt, wer der Mächtige ist. Er hat zu kapieren, dass er mich gar nicht erst anfauchen soll. Ich bin der Mächtigere.“
„Du brauchst nicht zu fauchen, Herrchen“, sage ich. „Der ist sowieso feige und haut gleich wieder ab.“
Leider hörte mich Herrchen nicht und so fauchten die Beiden sich an.
Mir wurde es hier doch zu gefährlich und ich zog ab. Einer handfesten Auseinandersetzung wollte ich nicht beiwohnen und vielleicht dadurch auch noch zwischen die Flanken geraten. Nein, auf gar keinen Fall!
In der Diele, wo die alte Nähmaschine (In die Jahre gekommen) steht, ließ ich mich nieder. Hier war ich in Sicherheit und konnte das Geschehen trotzdem genau verfolgen.
„Lass mal!“, hörte ich Frauchen sagen. „Ich weiß schon, wie er wieder den Weg nach draußen findet.“
Sie stellte sich ganz dicht hinter Dreibein und dieser ging ein paar Schritte vor. Wieder stellte sie sich hinter ihn und er ging vorwärts. So marschierten die Zwei in Richtung Haustür, die Frauchen öffnete, Dreibein über die Schwelle humpelte, sich dann hinsetzte und sie aus großen Augen ansah.
„Dieser verfressene Kerl!“, überlegte ich. „Der will jetzt auch noch Leckerlies. – So geht das aber auch nicht. Immerhin bin ich hier die Katze im Haus und Frauchen und Herrchen sind meine Bediensteten. Also gehören mir die Leckerlies“, ließ ich ihn wissen.
Blitzschnell huschte ich aus meinem sicheren Versteck und tapste auch durch die Türöffnung nach draußen.
„Jetzt will ich doch mal sehen, wer hier was bekommt!“, fauchte ich ihm zu und schaute dann mein Frauchen mit großen bittenden Augen an.
Was soll ich sagen? Es funktionierte. Frauchen gab zuerst mir ein paar Krümelchen und dann legte sie auch für Dreibein etwas hin. Doch der schien inzwischen die Lust verloren zu haben.
Er fauchte kurz zu mir ein „Na warte, ich komme wieder!“ und schon war er verschwunden.
„Undankbarer Kerl! Kommt ungebeten hier herein, frisst mein Futter und verschmäht dann auch noch die Leckereien, die man ihm freundlicherweise anbietet“, dachte ich.
„Wo willst du jetzt hin?“, rief ich ihm noch nach.
„Drüben zu den Nachbarn, die haben auch immer ein paar Leckerbissen für mich!“
„Warte! Ich komme mit!“

 

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Filmreif

Gestern ist mir etwas passiert, das muss ich einfach loswerden. Irgendwie war es witzig, aber auf eine gewisse Art auch peinlich. Mir zumindest. Und bestimmt ist mir auch die Röte ins Gesicht getreten.
Ich sag  ja immer, das Leben schreibt die besten Geschichten. Man braucht sie gar nicht lange zu suchen, sie kommen einfach auf uns zu. Nur erkennen muss man sie.
„Ich muss dir unbedingt was erzählen. Das hat sich gerade beim Einkaufen ereignet.“
„Hast du wieder einmal ein Tänzchen im Supermarkt (Tänzchen gefällig?) vollführt?“
„Nein, ich stand ganz still.“
„Jetzt machst du mich aber neugierig! Erzähl doch einfach und spann mich nicht so lange auf die Folter!“
„Also gut. Ich habe meine Mutter zum Frisör gebracht und wollte dann noch einige Erledigungen machen.“
„Oh bitte, zähl nicht alles auf, was du eingekauft hast.“
„Quatsch, ich hatte noch gar nichts eingekauft und auch fast noch nichts im Einkaufskorb liegen.“
„Hast du jemand getroffen, den wir noch aus unserer Schulzeit kennen?“
„Nein, diesmal leider nicht!“
„Und?!“
„Dann lass mich doch einfach reden und unterbrich mich nicht ständig mit deiner Fragerei.“
„Okay!“
„Ich ging also in einen Drogeriemarkt und stand noch relativ nahe an der Eingangstür. Während ich die Dinge in dem ersten Regal betrachtete und schon das Thema Weihnachtsgeschenke im Hinterkopf hatte…“
„Da kam dir eine grandiose Idee…“
„Nein! Ich verspürte ein Bedürfnis.“
„Welches Bedürfnis? Hattest du Hunger oder Durst?“
„Jetzt frag doch nicht so doof! Ich hatte das Bedürfnis einen gewissen Ort aufzusuchen.“
„Aha!“
„Ich wusste, dass es dieses kleine Örtchen in dem Markt gibt, aber auch, dass die Tür immer verschlossen ist.“
„Jetzt brauchtest du also den Schlüssel!“
„Richtig! Der Kandidat hat 100 Punkte!“
„Aber bisher ist noch nichts passiert.“
„Stimmt! Das kommt ja jetzt auch noch!“
„Mmmh! Wird ja auch Zeit, ich hab nämlich noch was zu tun!“
„Kannst du dich noch an diese ganz bestimmte Fernsehwerbung erinnern?“
„Ich habe in meinem Leben schon so viel Werbung über mich ergehen lassen, bestimmt war auch diese mit dabei. Ich weiß nur nicht, welche du gerade meinst.“
„Also pass auf, dann merkst du es schon! Wo genau war ich jetzt stehen geblieben?“
„Vor dem Regal in der Nähe der Eingangstür!“
„Ja und ich sah mich nach einer Verkäuferin um. Gleich vor dem nächsten Regal kniete auch eine, die die Ware einsortierte.“
„Und die gab dir dann den Schlüssel?!“
„Immer langsam mit den jungen Pferden. So schnell ging das alles nicht!“
„Ich dachte, es wäre ein dringendes Bedürfnis gewesen!“
„Jetzt lenk mich nicht ab! Lass mich einfach erzählen! Ich fragte also nach dem Schlüssel.“
„Und wo ist jetzt das Problem? Sie konnte ihn nicht finden?“
„Doch! Sie war sehr freundlich und hilfsbereit, obwohl sie ja gerade beschäftigt war und ihre Arbeit nicht unterbrechen wollte.“
„Aha!“
„Und dann machte sie dasselbe wie die Kassiererin damals in der Fernsehwerbung.“
„Welche?“
„Hör doch einfach zu! Dann fällt es dir wie Schuppen von den Augen!“
„Na gut! Ich lausche!“
„Sie meinte, dass ihre Kollegin, die den Schlüssel hätte, gerade hinten im Laden wäre. Und bevor ich noch in diese Richtung gehen und die besagte Kollegin befragen konnte, brüllte die vor dem Regal kniende Verkäuferin durch das gesamte Geschäft, so dass es auch alle Kunden laut und deutlich vernehmen konnten:
‚Erna! Kannst du mal schnell die Toilette aufsperren! Die Dame muss ganz dringend auf die Toilette!‘ “
„Jetzt weiß ich, welche Werbung du meinst, die mit den …“

 

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Zwischen Kampf und Unterhaltung

 

 

Halloween

Meine heutige Geschichte ist zum Teil erfunden, aber in ihr steckt auch ein wahrer Kern. Diese wahre Begebenheit ereignete sich vor mehr als zwei Jahrzehnten im Hause eines Ehepaares, das uns jedes Jahr im Herbst zu einem köstlichen Abendessen in geselliger Runde einlud. Sie hatten bereits einen siebzehnjährigen Sohn, der eines Tages auf eine seltsame Idee kam …
Kurz und gut, ich habe nun um diese uns erzählte Begebenheit eine Professor-Konfusi-Geschichte gesponnen:
„Heute ist es sehr ungemütlich draußen. Richtiges Halloweenwetter!“, sagt Frau Konfusi zu ihrem Mann als sie beim Essen sitzen.
„Ja, es hat die ganze Nacht, einschließlich heute Vormittag gestürmt und geregnet“, bestätigt Professor Konfusi seiner Gattin. „Es ist das geeignete Wetter um einige unliebsame Dinge im Haus zu erledigen.“
„Und woran hast du dabei gedacht?“, erkundigt sie sich.
„Unser Keller bedarf wieder einmal einer gewissen Ordnung. Es haben sich im Laufe der Jahre so viele unnötige Sachen angehäuft, die könnte man mal entsorgen.“
„Das ist eine hervorragende Idee. Ausmisten ist immer gut. Lass uns gleich nach dem Mittagessen damit anfangen.“
Frau Konfusi ist noch etwas skeptisch, denn eigentlich wirft ihr Mann nicht gern Dinge weg. Er meint immer, man könne dies und das noch eines Tages gebrauchen. Seltsamerweise erweist sich diese Einstellung oftmals als richtig. Erst neulich suchten sie die ausgediente alte elektrische Kaffeemühle, die sie leider beim letzten Sperrmüll entsorgt hatten.
„Siehst du, man soll eben nichts wegwerfen“, hatte Professor Konfusi gesagt.
„Und ausgerechnet er will nun den Keller entrümpeln“, überlegt Frau Konfusi und schüttelt gedankenverloren den Kopf. Sie wird jedoch aus ihren Gedanken gerissen, als es an der Wohnungstür klingelt. Es sind Marco und dessen Vater, die anscheinend schon von den Plänen des Professors wissen. Marco meint nämlich forsch:
„Der Trödeltrupp meldet sich zur Stelle. Von uns aus kann die Entrümplung losgehen. Bestimmt haben Sie einige ungeahnte Schätze unten im Keller lagern.“
„Du scheinst zu viel fernzusehen!“, schmunzelt der ältere Herr. „Aber lasst uns anfangen, bevor ich es mir anders überlege!“
„Da ihr mich ja nicht braucht, nehme ich die Einladung von Oma Schmidt an und mache mir mit ihr und Marcos Mutter im Café Bohne einen netten Nachmittag“, ruft Frau Konfusi den Dreien nach, die bereits auf dem Weg durch das Treppenhaus nach unten sind. „Ein Weibernachmittag hat auch was“, fügt sie in Gedanken hinzu.
Die drei Männer räumen im Keller hin und her, sichten jede noch so geringe Kleinigkeit und sortieren aus, was weggeworfen werden kann und was man behalten will.
„Sollte einer von euch etwas gebrauchen können, dann darf er es sich selbstverständlich nehmen“, erklärt Professor Konfusi großzügig. „Außer es handelt sich um ein ganz persönliches und unersetzliches Erinnerungsstück.“
„Ich hätte da schon was“, gibt Marco sofort zu verstehen. Er deutet in eine Ecke und zieht damit alle Blicke in diese Richtung.
„Was willst du mit dem alten klapprigen Ding? Das dürfte schon nicht mehr ganz heil sein und steht auch nicht mehr richtig.“
„Wenn Sie es nicht behalten wollen, dann … Ich habe da nämlich so eine Idee!“
„Ich frage mich, was das soll. Dein Zimmer ist schon die reinste Rumpelkammer“, gibt ihm sein Vater mürrisch zu verstehen.
„Ich will es mir doch nur ausleihen und bringe es ganz sicher dann auch zum Sperrmüll. Versprochen!“
Marcos Vater zuckt mit den Schultern und wendet ich einem alten Röhrenradio zu, das er gerne wieder zum Leben erwecken würde.
„Das wäre etwas für meinen Hobbykeller!“, gibt er den beiden anderen zu verstehen.
„Ich bin dann mal kurz weg“, erklärt Marco, schnappt sich das gewisse Etwas und schleppt es schnaufend die Treppen nach oben. Eine halbe Stunde später erscheint er wieder im Keller und verrichtet fröhlich pfeifend seine Arbeit.
Am Abend treffen sich alle mit Ausnahme von Oma Schmidt noch auf ein Gläschen Wein bei Marcos Eltern.
„Ich hau jetzt ab!“, erklärt Marco und setzt sich eine Affenmaske auf. „Heute ist doch Halloween und ich will mit ein paar Kumpels um die Häuser ziehen.“
„Um zehn bist du aber wieder da“, gibt ihm sein Vater zu verstehen. „Morgen ist Schule!“
Marco winkt und ist auch schon zur Wohnungstür raus.
„Ich hol mal eben das Fotoalbum aus dem Schlafzimmer“, sagt Marcos Mutter. Zwei Minuten später tönt ein gellender Schrei durch die Wohnung. Alle springen wie von der Tarantel gestochen auf und hechten zum Schlafzimmer, aus dem der Schrei kam. Als Marcos Vater die Tür aufreißt, sieht er seine Frau vor dem Bett stehen. Sie krümmt sich vor Lachen und deutet auf die zurückgeschlagene Bettdecke.
„Schaut euch das mal an! Dieser Marco hat nur Flausen im Kopf. Ich frage mich, wo er das Ding wieder aufgetrieben hat.“
Herr Konfusi und Marcos Vater treten näher an das Bett heran, bevor sie sich vielsagend ansehen. Vor ihnen liegt nämlich Marcos Errungenschaft von der Entrümplungsaktion.
Frau Konfusi ist ebenfalls näher gekommen und mit vorgehaltener Hand flüstert sie:

„Ein Skelett!“

 

 

Jetzt ärgere ich mich aber…

Mit meiner Mutter war ich irgendwann Anfang des Jahres in einem Hörakustiker- und Optikergeschäft. Dort entdeckte ich ein Brillenetui.
„Schau mal!“, sagte ich zu meiner Mutter. „Das ist echt chic. Das gefällt mir!“
„Ja, ein wirklich elegantes Teil“, bestätigte auch meine Mutter.
Nachdem ich es nach allen Seiten gedreht und gewendet hatte, erstand ich es und freute mich sehr darüber. Es war von der Außenseite mit  schwarzem Kunstleder überzogen, das wie Schlangenleder wirkte. Die Innenseite war mit Samt ausgefüttert.
Leider ist Chic nicht immer mit guter Verarbeitung verbunden, denn schon nach geraumer Zeit ging es entzwei. Ich muss allerdings alle Schuld von mir weisen, denn ich habe es sicherlich pfleglich behandelt. Trotzdem löste sich eines Tages eines der Seitenteile, – ein kleines Dreieck.
„Ach, das kann ich Dir wieder einkleben“, versprach mir mein Mann, der schon auf dem Sprung zu einem Termin war. „Ich habe den entsprechenden Kleber. Lass es mal in Deiner Küche liegen, – ich muss jetzt weg…“
Und dabei blieb es auch, – sprich: Das Etui blieb samt Dreieck liegen. Nach ein paar Tagen räumte ich es weg. Naja, nicht ganz weg. Ich steckte das Dreieck in das Etui und .…
Das ist mittlerweile schon einige Zeit her. Ich erinnere mich nur noch daran, dass ich das Etui eines Morgens wieder in den Händen hielt und entdeckte, dass das besagte Dreieck fehlte.
„Schade!“, dachte ich damals. „War nur eine kurze Freude. Was soll ich jetzt noch damit?“ …

Heute Morgen beim Aufstehen hat der Tag ganz normal begonnen. Auch der restliche Tag ist einfach nur vom Alltag geprägt gewesen und es gibt bisher keine außergewöhnlichen Vorkommnisse. Mittlerweile ist es Abend geworden. Ich entschließe mich den Inhalt meiner Handtasche auszuräumen, die ich seit langer Zeit wieder einmal benutzt habe und jetzt wieder zurück in den Schrank räumen will.
„Ach“, denke ich. „Da ist also mein kleiner Kamm, den ich immer so gerne für unterwegs mitgenommen habe. Nun gut, jetzt habe ich also einen Kamm und die kleine Bürste, die ich neulich als Ersatz gekauft habe. Alles prima Utensilien für die Handtasche.“
Ich weiß ja, dass meine Taschen jeweils einem Bermudadreieck ähneln, denn in ihnen verschwindet ständig etwas. Also durchsuche ich auch immer die Ecken und Innentaschen. So auch heute. Im Grunde genommen sieht die Tasche völlig leer aus und ein Blick in die Zwischenfächer bestätigt es mir. Das Innenfutter ist schwarz, das sollte ich vielleicht noch erwähnen. Die darin befindlichen Gegenstände sollten sich also gut davon abheben, … es sei denn sie sind ebenfalls schwarz und relativ klein.
Tja, das ist wohl der Grund. Möglicherweise ist es innere Eingebung, purer Zufall oder einfach auch nur Routine. Jedenfalls lasse ich meine Hand durch die Innentasche gleiten und halte plötzlich etwas in der Hand. Ein kleines schwarzes gleichschenkliges Dreieck.
Kurzzeitig kommt in mir Freude auf, als ich dieses besagte Fundstück zwischen meinen Fingern hin und her drehe. Ich weiß genau wozu es gehört. Ihr wisst es sicherlich auch.
„Schön, dass es wieder da ist. Peter muss es mir unbedingt sofort einkleben“, beschließe ich.
Doch da gibt es ein kleines Problem.
„Wo zum Kuckuck hab ich nur das Etui hingetan?“
Ich renne im Haus treppauf und treppab und suche an unterschiedlichen Stellen, wo ich es verwahrt haben könnte. Nichts!
Plötzlich springt mein Kopfkino an:
Ich halte das Etui in der Hand, öffne den Mülleimer in unserer Küche und …..,
…. dann bricht der Film ab, meine Erinnerungen verlieren sich.

Jetzt ärgere ich mich aber. Ich bin nun wirklich kein Mensch, der übereilt Dinge entsorgt.
„Da entschließe ich mich schon einmal etwas wegzuwerfen und dann passiert mir das. Ich könnte mich selbst ohrfeigen. “
„Führst du Selbstgespräche?“, fragt mein Mann und kommt aus dem Wohnzimmer. „Ach ja, das klebe ich dir morgen ein!“, erklärt er mir, indem er auf das kleine schwarze Dreieck in meiner Hand deutet. „Leg es mal in die Küche.“
„Soweit waren wir ja schon einmal“, gebe ich leicht pampig zurück. „Das hat sich jetzt allerdings erübrigt, weil ich das Etui weggeworfen habe.“
„Man soll eben nichts wegwerfen!“, zuckt er grinsend mit den Schultern und marschiert nach oben in Richtung Badezimmer.
Jetzt ärgere ich mich aber noch mehr. Frustriert gehe ich ebenfalls die Treppe hoch, um mich dort auf dem Absatz wieder umzudrehen und nach unten zu springen.
„Eine Möglichkeit gibt es noch!“, rufe ich nach oben.
Ich will mich einfach nicht damit abfinden, das Etui entsorgt zu haben. Zumal ich mich wirklich über diesen Kauf gefreut hatte.
Im Arbeitszimmer meines Mannes stehe ich nun vor dem Schrankteil, in dem er seine Ersatzbrillen aufbewahrt. Ich hole dreimal tief Luft, immerhin ist dies meine letzte Chance den vermissten Gegenstand zu finden. Ansonsten ist er wohl tatsächlich schon längst in der Müllverbrennungsanlage gelandet.
Was soll ich sagen?:
Das Dreieck, samt Etui liegt inzwischen auf meinem Küchentisch und wartet auf die Klebung,-  morgen gleich nach dem Aufstehen. Dieses Versprechen habe ich erhalten.

Allerdings ist meinem Göttergatten gerade eben noch eingefallen, dass er schon in aller Herrgottsfrühe einen Termin beim Zahnarzt hat …

 

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Frau Fröhlich und Herr Trüb

„Grüß Gott! Ich bin Frau Fröhlich und wohne ganz oben auf dem Berg im schönen Bayernland. Umgeben von Wiesen und Wäldern genieße ich die bayrische Natur und mein Leben.
Ich bin so, wie schon mein Name verrät, – eine richtige Frohnatur. Immerzu habe ich ein Lächeln auf den Lippen und am liebsten würde ich den ganzen Tag singen.
Gekleidet bin ich natürlich wie eine echte Bayerin. Am liebsten trage ich mein Dirndl und einen feschen Hut habe ich auch auf dem Kopf. Er schützt mich vor der Sonne, damit ich keinen Sonnenstich bekomme.
Mir geht es richtig gut, wäre da nicht mein Nachbar. Er ist ein echter Griesgram. Er scheint immer schlecht gelaunt zu sein, selbst die Sonne kann ihn nicht aus dem Haus locken.
Eigentlich sieht er in seinen kurzen Lederhosen recht adrett aus, zu denen er ein weißes Hemd, eine rote Krawatte und Kniestümpfe trägt. Mit seinem Hütchen wird er zum feschen Bayer. Wir könnten eigentlich ein nettes Pärchen abgeben, aber mit ihm kann man ja nicht einmal reden. Sobald ich nach draußen gehe, weil ich ein nettes Gespräch mit ihm suche und die Sonne vom Himmel lacht, verschwindet er wieder nach drinnen. Manchmal denke ich schon fast, ich hätte eine ansteckende Krankheit. So verhält er sich jedenfalls, wenn ich auch nur die Nasenspitze nach draußen stecke.
Wir müssen gezwungenermaßen miteinander auskommen. Das ist nicht immer leicht, wie ihr euch vorstellen könnt. Und oft ist es auch anstrengend. Doch wenn wir uns an gewisse Regeln halten, dann kann jeder sein Leben leben und wir haben keinen Streit.“

„Jetzt muss ich mich aber auch mal zu Wort melden. Ich bin Johann Trüb und der Nachbar der flotten jungen Dame von nebenan. Wir teilen uns ein Haus, sie wohnt links und ich rechts. Sie kommt immer lächelnd vor die Tür und ich würde sie gerne kennenlernen. Das ist aber gar nicht so einfach. Sie scheint mich nämlich für einen schlecht gelaunten Menschen zu halten, der ihre gute Laune gefährden könnte. So zieht sie es immer vor, drinnen zu bleiben, wenn ich draußen bin und mir die schöne Natur ansehe. Dabei würde ich doch so gerne ein kleines Schwätzchen mit ihr halten und sie davon überzeugen, dass ich gar kein so übler Kerl bin. Anscheinend will sie das aber nicht. Neulich erst habe ich mich ganz still in meiner Wohnung verhalten. Als ich ihre Schritte hörte, die in Richtung Tür gingen, wollte ich auch zur Tür eilen. Vor lauter Aufregung konnte ich mich aber plötzlich nicht mehr bewegen. Ein anderes Mal hörte ich gleichzeitig mit meinem Hinaustreten, dass sie sich wieder in ihre Wohnung zurückzog und sich die Tür schloss. Das macht mich schon ein bisschen traurig. Ich frage mich, warum sie mich so meidet. Ich habe mir noch nie etwas zu Schulden kommen lassen und bin eigentlich ein recht verträglicher Typ. Nur das weiß sie ja nicht, weil wir noch nie miteinander geredet haben.“

„Heute habe ich den Griesgram von nebenan beobachtet, als er draußen vor der Tür stand. Eigentlich sieht er gar nicht so unfreundlich aus. Ob ich ihm unrecht tue? Vielleicht ist er im Grunde genommen ganz nett. Aber er dreht sich nicht einmal um und vorgestellt hat er sich mir auch noch nie, obwohl wir schon so lange nebeneinander wohnen. So langsam werde ich neugierig und es würde mich schon interessieren, wie er tatsächlich so ist.“

„Fast jeden Tag sehe ich sie. Sie sieht wirklich nett aus. Es muss schön sein mit ihr befreundet zu sein. Wenn sie nur nicht so schüchtern wäre und immer versuchen würde ein Zusammentreffen zu vermeiden.“

„Ich frage mich, was passiert ist. Schon eine ganze Woche habe ich ihn nicht mehr gesehen. Hoffentlich ist ihm nichts passiert. Er wird doch nicht krank sein?! Ich mache mir Sorgen.“

„Oh, ist sie hübsch anzusehen. Ich könnte ihr stundenlang zusehen. Am liebsten würde ich zu ihr hinaus gehen, aber ich kann nicht. Irgendetwas hält mich hier drinnen.“

„Ob ich ihn morgen wiedersehen werde? Ich vermisse ihn.“

„Ob sie mich schon vermisst hat? Immerhin war ich jetzt schon eine ganze Weile nicht mehr vor der Tür. Morgen werde ich wieder hinausgehen. Vielleicht habe ich Glück und treffe sie doch einmal.“

„Oh, er ist wieder da! Ich freue mich. Ich habe richtig Herzklopfen, so freue ich mich ihn zu sehen. Was ist nur mit mir los? Er könnte mir doch vollkommen gleichgültig sein. Sollte ich mich in ihn verliebt haben? Das kann doch nicht sein. Er interessiert sich doch gar nicht für mich.“

„Ich könnte ohne sie nicht mehr leben. Sie ist inzwischen ein Teil meines Lebens geworden. Ich glaube, ich bin in sie verliebt. Aber sie ist unerreichbar für mich. Ich sehne mich mit jeder Faser meines Herzens nach ihr.“

„Ich bin mir sicher, eines Tages wird sich mein Wunsch erfüllen. Er und ich werden gemeinsam vor dem Haus stehen und uns unsere Liebe gestehen.“

„Könnte ich ihr nur mein Herz schenken. Ich würde alles dafür tun mit ihr vereint vor dem Haus zu stehen und ihr meine Liebe zu erklären…“

 

„Mama, Mama! Unser Wetterhäuschen ist kaputt. Die Sonnenfrau und der Regenmann stehen beide vor der Tür. Schau nur wie glücklich sie aussehen. Bestimmt sind sie froh endlich einmal gemeinsam draußen zu sein!“

 

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Goldener Herbst

Endlich ist er da: Der goldene Herbst, so wie ich ihn liebe. Keine Kälte, keine Nässe und auch kein Nebel. Purer Sonnenschein. Ich weiß, er wird heute nur für wenige Stunden bleiben, denn wie gesagt, es ist ja schon Herbst. Ich kann nicht anders, ich muss diese Zeit nutzen und Sonne tanken. Außerdem ist es Sonntag und mir läuft die Arbeit sowieso nicht weg.
Also mache ich mir eine Tasse Tee, gehe hinaus in unseren Garten und setze mich auf einen der beiden Liegestühle, die genau für solche Gelegenheiten noch nicht im Gartenhaus verstaut sind. Ich richte ihn mir aus und recke mein Gesicht der Sonne entgegen, deren Strahlen mich sanft an der Nase kitzeln. Die Augen geschlossen, lausche ich der Stille, die eigentlich keine ist. Aus der Ferne klingen Kirchenglocken und aus unseren Bäumen dringt sogar noch ein zartes Vogelgezwitscher zu mir herüber.
„So kann es bleiben“, denke ich mir und blicke mich in unserem Garten um.
Mein Mann kommt mit einer Tasse Kaffee in der Hand zu mir und lässt sich auf dem zweiten Liegestuhl nieder.
„Unser Garten gefällt mir“, sagt er und ich nicke stumm als Bestätigung.
„Ich werde nachher die Tulpenzwiebeln einsetzen, die ich mir gestern besorgt habe“, überlege ich in Gedanken. Oder sollte ich es doch laut gesagt haben? Mein Mann meint nämlich: „Hie und da muss ich noch ein bisschen was wegschneiden und den einen oder anderen Busch wieder in Form bringen.“
„Womit wir beim Thema „Arbeit“ wären“, durchzuckt es meine Gedankengänge und ich erhebe mich, weil mir mein voller Mülleimer in der Küche eingefallen ist.
Als ich meinen Müll zur Tonne trage, sehe ich aus den Augenwinkeln, dass sich mein Mann die Gartenschere gegriffen hat.
„Hey!“, ruft es plötzlich. „Warum musst du ausgerechnet hier entlang gehen?“
„Igitt!“, rufe ich aus und versuche es abzustreifen. „Ich hasse das!“
„Ich auch!“, erklingt es von irgendwo her.
Ich drehe mich um, kann aber niemand sehen. Wieder versuche ich es abzustreifen und weil ich es so ekelig finde, schüttelt es mich.
„Ich habe mir so viel Mühe gegeben!“, höre ich. „Und dann kommst du daher!“
Inzwischen ärgere ich mich über mich selber, denn es ist nicht das erste Mal, dass es mir an dieser Stelle passiert ist. Somit sollte ich es doch mittlerweile wissen, – zumindest, dass die Gefahr besteht, dass …
„Weißt du überhaupt, wie lange es gedauert hat, bis ich damit fertig war. Immerhin war ich kurz vor der Vollendung.“
Ich kratze mich am Kopf und werfe meinen Müll in die Tonne. Bevor ich um die Ecke gehe, höre ich schon wieder diese Stimme:
„Zumindest entschuldigen könntest du dich bei mir!“
Jetzt platzt mir aber der Kragen und ich schreie heraus:
„Wer sich bei wem entschuldigen sollte, das ist noch die Frage! Du solltest es bei mir tun. Immerhin habe ich jetzt den Ärger.“
„Und was ist mit meinem Ärger? Ich muss jetzt wieder von vorne beginnen. Auf meine Entschuldigung kannst du lange warten! Dankbar solltest du mir sein!“
„Dankbar? Ich? Dir?“
Ich schnappe nach Luft, um meiner Empörung Ausdruck zu verleihen. Auf dieser Welt kann man sich nur noch wundern.
„So eine Unverschämtheit!“, murre ich.
„Aber sicher solltest du es tun. Früher hätten sich die jungen Mädchen gefreut, weil sie dann glaubten, dass ihnen eine baldige Hochzeit bevorsteht.“
„Ich freue mich aber nicht. Ein junges Mädchen bin ich nicht mehr und verheiratet bin ich außerdem auch schon!“, blaffe ich zurück.
„Mit wem redest du hier eigentlich?“, will mein Mann wissen, als er auf mich zukommt. Doch bevor ich antworten kann, zupft er mir lachend etwas aus dem Haar.
„Ja, ja, der Altweibersommer mit seinen Spinnweben im Haar! – Die arme Spinne ärgert sich bestimmt, dass du ihr Netz zerstört hast, das sie mit mühevoller Arbeit gewebt hat.“

 

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Herbstliche Kinderwelt

 

Mama, Mama, ich will nach draußen!
Ach Kind, dort ist nur Regen und Wind.
Bitte, lass uns mit dem Wind um die Ecken sausen.
Mama, komm doch bitte ganz geschwind!

Dann brauchen wir Stiefel und Regenjacken,
die uns gegen Kälte und Nässe schützen,
denn der Wind bläst tüchtig mit seinen dicken Backen.
So werden uns nützen auch Schal und Mützen.

Mama, Mama, ich will doch patschen
und froh in die großen Pfützen springen.
Wenn das Wasser dann spritzt, will ich klatschen,
hüpfen, lachen und ein Liedchen singen!

Mama, Mama, ich will mich bewegen,
aufwirbeln unter dem Baum das Laub,
in mein Körbchen all die bunten Blätter legen.
Bitte, bitte Mama es mir erlaub!

Mein Kind, ich freue mich sehr,
wenn leuchten deine Augen so froh!
Papa kommt mit einem Drachen noch hinterher.
Den lassen wir dann steigen sowieso!

Mama, Papa schaut am Himmelszelt,
mein Drachen ganz hoch oben fliegt!
Er sieht herab auf uns und meine Kinderwelt,
lustig er sich im Winde wiegt.

Mama, Papa, danke für diesen Tag!
Mein Herz schlägt wild vor lauter Glück,
weil ich fröhlich bin und euch so sehr mag
und ihr schenkt mir eure Liebe zurück.

 

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Auch das bin ich

Als ich neulich in einer Buchhandlung stöberte, entdeckte ich ein Buch, das mein Interesse weckte. Ich griff  danach, blätterte es durch und erstand es.  Inzwischen hat es einen Platz in meinem Arbeitszimmer. Es handelt sich um „Das Buch der fast vergessenen Wörter“ von Petra Cnyrim*. Sie erklärt und zeigt den Ursprung bestimmter Wörter auf. Manche davon sind ganz verschwunden, andere sind im Begriff vergessen zu werden.
Schon beim Durchblättern kamen Erinnerungen in mir hoch und eine Idee entstand: Ich möchte meinen Namen (Astrid Berg) auf solche Wörter und meine damit ganz persönlichen Erinnerungen durchforsten. Also lasst Euch überraschen, was dabei herausgekommen ist.

A

 

Als Kind trug ich im Winter einen Anorak und raste in einem Affenzahn auf meinem Schlitten den Hügel hinunter. Heute saust man vielleicht in einer mit Fell gefütterten Windjacke, in einer Skijacke oder in einer mit Daunen gepolsterten Kapuzenjacke… den Schneehang hinunter, aber keinesfalls in einem stinknormalen Anorak.
Da ich 1960 geboren bin, war es in meiner Generation üblich, dass man im Laufe seines Weges zum Erwachsenwerden mit der Aussteuer ausgestattet wurde. So bekam ich zum Beispiel von meinen beiden Patentanten zu Weihnachten, Ostern, Geburtstagen, Kommunion, Firmung und zu allen passenden Gelegenheiten Geschenke, die für meine Aussteuer bestimmt waren. Sie schenkten mir silberne Löffel, Gabeln, Messer, Bettwäsche, Handtücher, Geschirrtücher etc. . Damit sollte gewährleistet sein, dass ich bei der Hochzeit schon notwendige Utensilien zum gemeinsamen Hausstand beisteuern konnte.
Die Großtante meines Mannes setzte gewissermaßen diese Tradition fort. Sie schenkte mir vor unserer Hochzeit  ebenfalls Handtücher, Geschirrtücher und Gästehandtücher.
Mal ganz ehrlich, wir besitzen viele davon noch. Besonders von den Geschirrtüchern gibt es noch etliche. Ich musste mir bisher noch keine neuen anschaffen. Die Handtücher entsprechen weder unserem heutigen Geschmack, noch passen sie zu unseren Vorstellungen. Aber sie finden noch vielfältige Verwendung, zum Beispiel in der Garage.

S

 

Jedes Jahr zum 30. Oktober, am Weltspartag, marschierte ich als Kind mit meiner Sparbüchse zur Bank und zahlte mein gespartes Geld ein.
Sonntags zog man mir mein Sonntagskeidchen an und meine Mutter machte den Sonntagsbraten. Da ich ein schlechter Esser war, nannte man mich auch manchmal einen Suppenkasper.
Später in der Schule machte ich einen Schreibmaschinenkurs, den übrigens auch noch unser Sohn als Vorbereitung auf die Computerarbeit in der 10. Klasse belegte. Meine beiden Examensarbeiten (1. und 2. Staatsexamen) schrieb ich damals auf einer Schreibmaschine. Allerdings nutzte ich hierfür eine elektrische Schreibmaschine, was schon ein enormer Fortschritt war und für mich einen gewissen Luxus bedeutete.

T

 

Stellt Euch vor, damals gab es  Telefonzellen und man führte seine Telefongespräche noch räumlich abgegrenzt von den anderen Menschen, die sich auf der Straße befanden. Das hatte den Vorteil, dass nicht alle Umstehenden lautstark mitbekamen, was man der Freundin, dem Freund oder anderen Gesprächsteilnehmern am Ende der Leitung mitteilte. Ich erinnere mich, dass der Anruf bei der Telefonauskunft kostenlos war und wir manchmal unsere Späße mit dem Fräulein am anderen Ende machten.
Zwar betankte ich mein Mofa und später mein Auto immer selbst, aber trotzdem lernte ich in meiner Kindheit und Jugend noch die Existenz eines Tankwartes kennen.
Aber warum sollten wir denn immerzu nur mit dem Auto fahren? Bewegung war angesagt. Dafür erfand man den Trimm-dich-Pfad. Und wenn man abends müde vor dem Fernseher eingeschlafen war, dann wachte man möglicherweise erst beim Testbild wieder auf. Ich habe dieses Testbild noch genau vor meinem geistigen Auge.

R

 

Mein Mann beschwert sich, wenn Studenten statt eines wissenschaftlichen Taschenrechners einfach den im Handy integrierten Taschenrechner benutzen. Wie sich doch die Zeiten ändern. Obwohl wir auch schon zu Schulzeiten mit dem Taschenrechner fleißig rechnen mussten, lernten wir noch den Gebrauch des Rechenschiebers kennen. Ich gebe zu, dass ich ganz schön aufgeschmissen wäre, wenn ich jetzt dieses Gerät bedienen müsste. Im Gegensatz zu der heutigen jungen Generation, die keinerlei Vorkenntnisse bezüglich eines Rechenschiebers hat, könnte ich mich sicherlich wieder einarbeiten und das einst Gelernte aus meinem Gedächtnis hervor kramen.

I

 

Wie viele Kinder hörte und las ich gerne Märchen. Im Studium belegte ich sogar ein Seminar zu diesem Thema und mein Erstes Staatsexamen schrieb ich dann auch über Märchen. Wie jeder weiß, begegnete Rotkäppchen dem bösen Wolf. Damals bezeichnete man ihn auch mit dem Namen „Isegrim“. Heute taucht diese Bezeichnung höchstens noch im Kreuzworträtsel auf, – wenn überhaupt.

D

 

In meiner Kindheit machte man noch Dauerlauf. Heute joggt man, geht walken oder läuft einen Marathon, nur Dauerlauf macht niemand mehr.
Wir bezahlten mit der DM (Deutschen Mark) und sprachen von einem Dutzend, wenn wir zum Beispiel zwölf Brötchen etc. meinten.

 

B

 

Mein Großvater mütterlicherseits war Frisörmeister, den man damals als Barbier bezeichnete. Ganz verschwunden scheint dieses Wort jedoch noch nicht zu sein, denn auch in unserer Stadt gibt es heute wieder einen Barbier.
Auch den Begriff „Butterberg“ lernte ich kennen und wusste, dass es einen Überschuss an Butter gab. Das erfuhr ich in den siebziger Jahren als Kind mal so nebenbei, als ich mit meiner Mutter freitags zum Wocheneinkauf ging.
Wenn sich zwei Bengel tüchtig stritten, so konnte es schon mal passieren, dass der eine vom anderen eine Backpfeife erhielt und dann beleidigt mit seinem Bonanzafahrrad davon fuhr. Mein Mann kaufte sich vor ein paar Jahren eine Art „Retro-Bonanzafahrrad, bei welchem der Reifen des Hinterrades ebenso wie beim amerikanischen Original einen größeren Durchmesser hat. So erinnert das Bonanzafahrrad an eine Harley Davidson.

E

 

Wir drückten damals unsere Überraschung oder Verwunderung ganz einfach mit einem einzigen Wort aus: „Eiderdaus!“ Wir sammelten beispielsweise emsig Autogrammkarten und hielten manche super genauen Menschen für Erbsenzähler. Auch das bargeldlose Bezahlen kannten wir schon, allerdings nutzten wir hierfür den Eurocheque. 

R

 

Ich kann mich noch genau an den roten Reisewecker erinnern, den meine Tante besaß. Er war sehr handlich und man konnte ihn sozusagen zusammenklappen.
Und mit Rollschuhen konnte ich ziemlich gut laufen. Wir trafen uns draußen auf der Straße in unserem Wohngebiet, auf der kaum Autos fuhren und dann liefen wir damit um die Wette. Ich weiß noch, dass eines Tages eine Schulfreundin hinfiel und sich den Arm brach. Und vor noch gar nicht allzu langer Zeit überlegte ich, ob ich es noch einmal versuchen sollte. Die Geschichte hierzu könnte Ihr gerne nachlesen: Wenn es dem Esel zu wohl ist…

G

 

Kennt ihr noch den Kaugummiautomaten, den wir nur mit einem Groschen füttern mussten, damit er uns eine Kaugummikugel herausgab? Überhaupt konnte man für einen Groschen in meiner Kindheit noch einige Dinge kaufen, zum Beispiel einen Lutscher oder Brausestangen zum Lecken.
Auch spielten wir in der Pause Gummitwist mit ausgedienten und aneinander geknoteten Gummis. Das machte riesigen Spaß.

Und ebenso viel Freude hat mir gerade die Erinnerung an fast oder ganz vergessene Dinge und Wörter gemacht, die in meiner Kindheit und Jugend noch total selbstverständlich waren.

Sie gehören zu mir, wie mein Name an der Tür.

 

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*Petra Cnyrim, Das Buch der fast vergessenen Wörter, riva Verlag München, 2. Auflage 2017

Herbstgedanken

Schon ist es wieder soweit,
angebrochen ist nun des Herbstes Zeit.

Schickt zum Himmel die Gedanken,
um uns für die reiche Ernte zu bedanken.

Herbst kommt mit goldenem Licht
oder versperrt mit Nebel uns die Sicht.

Sonne, Sturm, Nebel und Regen,
bunte Blätter auf Bäumen und Wegen.

Vorbei ist des Sommers Schwüle,
alles Leben sich einstellt auf die Kühle.

Kürzer und dunkler die Tage,
der Schirm als Begleiter,-keine Frage.

Kinder in die Pfützen springen,
bunte Blätter, Kastanien nach Hause bringen.

Drachen am Himmel schweben
und Spinnen fleißig ihre Netze weben.

Kommt und genießt das Leben,
denn auch der Herbst kann viel geben.

Tauscht ein den Sonnenschein,
gegen besinnliche Ruhe bei Kerzenschein.

Sucht die gemütliche Geselligkeit,
stimmt Euch ein auf die vierte Jahreszeit.

 

 

 

Nebel

Ich stehe am Fenster und blicke hinaus. Nebelschwaden liegen sanft über der Wiese. Es ist Herbst, man kann es nicht mehr leugnen. Mit meiner Zeitung und einer Tasse Tee setze ich mich gemütlich an den Küchentisch. Automatisch greife ich nach meiner…
Und schon ist sie da, meine kleine Nebel-Erinnerungsgeschichte:
Es ist schon ziemlich lange her. Unser Sohn war noch ein kleiner Junge, vielleicht sogar noch ein Baby. Wir wohnten zur Miete in einem Zweifamilienhaus in Darmstadt. Die Vermieter hatten ihre Wohnung unten und wir die gleiche Dreizimmerwohnung oben.
Unser Sohn wurde von dem älteren Paar behandelt, als wäre er das Enkelkind. Er durfte alles. Seine Schaukel und später sein Basketballkorb hingen im Hof, sein Sandkasten und der Swimmingpool hatten ebenso ihren Platz im Garten und ein kleines Beet durfte er auch bearbeiten. Wir fühlten uns dort rundum wohl und hatten einen regen Kontakt zu unseren lieben Vermietern. So war es auch selbstverständlich, dass wir uns gegenseitig zu den Geburtstagsfeiern einluden.
Ich weiß nicht mehr, wer Geburtstag hatte, aber es war zumindest einer der Beiden. Alle Gäste, die ebenso wie die Vermieter schon in den Siebzigern waren, kannten uns und es war eine lustige Runde.
So saßen wir am Nachmittag bei Kaffee und Kuchen. Die Unterhaltung war angeregt und es wurde viel gelacht. Eine der älteren Damen sprach über ein allseits beliebtes Thema, – das Wetter. Dieser Gesprächsstoff kann mitunter sehr ergiebig sein.
„Schade, dass es heute kein so richtig schöner und sonniger Tag geworden ist“, meinte sie und machte sich einen Klecks Sahne auf ihren Kuchen.
„Wieso?“, fragte ein anderer Gast kopfschüttelnd. „Besser kann es doch schon fast nicht mehr sein.“
Die Gastgeberin bestätigte dies:
„Man sah schon heute Morgen, dass es wieder richtiges Sommerwetter werden würde und jetzt strahlt die Sonne vom blauen Himmel.“
„Naja“, entgegnete die ältere Dame etwas skeptisch. „Als ich heute Morgen mit meinem Fahrrad unterwegs zum Bäcker war und auch als ich vor einer halben Stunde hierher fuhr, sah es gar nicht so gut aus.“
Fragende Gesichter rund um den Kaffeetisch sahen sie an. Jetzt war unweigerlich Erklärungsbedarf notwendig und der Gastgeber forderte sie zum Weitererzählen auf:
„Das musst Du uns unbedingt näher erläutern!“
„Es war so trüb und dunstig draußen, dass ich nur ganz schlecht sehen konnte. Schaut doch nur“, wies sie die Anwesenden mit einem Blick zum Fenster hin. „Es ist sogar nebelig und auch hier im Zimmer ist es nicht richtig hell und klar. Man könnte meinen, es wäre schon Herbst.“
Wiederum erntete sie verwunderte Blicke, die ihr aber nicht aufzufallen schienen. Genüsslich aß sie ihren Kuchen weiter.
Plötzlich erhob sich mein Mann und ging freundlich lächelnd zu ihr hin. Da ich mit meiner Tischnachbarin in ein Gespräch vertieft war, konnte ich nicht verstehen, was er zu ihr sagte. Aus dem Augenwinkel bemerkte ich allerdings, dass er kurz darauf das Zimmer verließ und erst nach ein paar Minuten wieder erschien. Abermals führte ihn sein Weg direkt zu der älteren Dame. Jetzt war nicht nur meine Aufmerksamkeit geweckt. Inzwischen waren alle Gäste verstummt und saßen mit offenen Ohren und aufgerissenen Augen da.
Mein Mann reichte der älteren Dame etwas, das ich zunächst nicht erkennen konnte, da er mit dem Rücken zu mir stand. Allerdings hörte ich seine Worte klar und deutlich:
„So, ich habe Ihre Brille geputzt und jetzt dürfte auch der Nebel verschwunden sein!“
Ein freudiges und zugleich überraschtes Strahlen breitete sich über ihrem Gesicht aus, als sie durch ihre glasklare Brille schaute.

 

 

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