Erdachtes & Erzähltes, Kurzgeschichten
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Herr und Frau Kürbis

Neulich traf ich Herrn und Frau Kürbis. Sie hatten sich gerade an einer Tankstelle ein ruhiges Plätzchen für ihre Rast gesucht. Sie packten ihren Proviant aus und ließen es sich schmecken. Dabei kamen sie ins Gespräch. Ich wurde Ohrenzeuge dieses Gesprächs und muss sagen, manchmal verstand ich nur Bahnhof. Irgendetwas schien bei diesem Gespräch schief zu laufen. Irgendwie haben die Zwei sich nicht richtig zugehört, folglich auch nicht richtig verstanden und ständig aneinander vorbei geredet, so vermutete ich jedenfalls. 

Es dauerte eine Weile, aber dann verstand ich, was hier passierte. Ich musste an das Teekesselspiel denken, das wir als Kinder gerne gespielt haben. Durch die Doppeldeutigkeit mancher Wörter entstand ein heilloses Durcheinander und das Gespräch entgleiste derartig, so dass niemand mehr zu kapieren schien, worum es eigentlich ging. Oder sollte hier etwa eine absichtliche Irreführung vorliegen?

Die Beiden haben gerade jeder ein leckeres Wurstbrot verspeist, da greift sich Frau Kürbis an das Dekolleté. Sie steht auf und sucht den Boden rund um den Tisch mit ihren Augen ab.
„Ohje“, sagt sie. „Der Anhänger ist weg!“
Inzwischen ist sie völlig aufgelöst und bittet ihren Mann um Hilfe.
„Such doch mal mit, bitte!“
Herr Kürbis blickt von seiner Zeitschrift auf und weiß anscheinend überhaupt nicht, was seine Frau von ihm will.
„Hast du deine Brille nicht auf?“, fragt Herr Kürbis. „Dort drüben steht er doch. Genau da, wo wir ihn vorhin hingestellt haben. Da brauch ich gar nicht erst zu suchen.“
Frau Kürbis versucht ihrem Gatten zu erklären, was sie meint:
„Ach Klaus, mein Kreuz!“, stößt sie mit tränenerstickter Stimme hervor.
„Hast du Rückenschmerzen?“, bedauert er sie, steht auf und streicht ihr sanft und mitfühlend über den Rücken.
„Nein, nein, ich meine doch meinen goldenen Kettenanhänger, du weißt doch den vom Bruder Pedro.“
Herr Kürbis hat nur mit halben Ohr zugehört, da er die Plakette am Nummernschild des Anhängers inspiziert hat und ihm vermutlich plötzlich aufgefallen zu sein scheint, dass er noch in diesem Monat mit dem Wohnanhänger zum TÜV muss. Daher wirkt er jetzt etwas verwirrt:
„Welcher Bruder, du hast doch nur eine Schwester, die mit dem alten Bullen.“
„Aber Klaus, was redest du da?!“ Frau Kürbis ist sichtlich erschrocken. „Sind das etwa schon Alterserscheinungen bei dir? Meine Schwester hat doch keinen Bauernhof und daher auch kein altes Rindvieh“, korrigiert sie ihn.
„Das verstehe ich jetzt aber nicht.“ Die Verwunderung ist nun offensichtlich auf Seiten von Herrn Kürbis.
„Klar hat sie keinen Bauernhof, aber ihr Mann ist doch ein Bulle mit dem ich mich über die Blüten unterhalten habe, die er bei dieser Iris gefunden hat.“
„Klaus du wirst immer wunderlicher. Meine Schwester hat zwar einen Polizisten als Mann und viele blühende Blumen im Garten, aber keine einzige Iris. Das solltest du eigentlich wissen, zumal wir meiner Schwester immer bei der Gartenarbeit helfen. Vielleicht meinst du das Veilchen von ihrem Mann.“
„Echt? Sie hat ein Veilchen von ihm? Jetzt hat sie nicht nur einen Bullen, sondern auch noch einen Boxer“, grinst Herr Kürbis voller Schadenfreude, dem inzwischen das Gespräch Spaß zu machen scheint.
Frau Kürbis hat in diesem seltsamen Gespräch jetzt vollkommen den Faden verloren.
„Sie hat keinen Boxer, nur seit Kurzem einen Kater! Hab ich dir das noch nicht erzählt?“
Frau Kürbis ist sich anscheinend im Moment selbst nicht ganz sicher, ob sie ihrem Gatten von dieser neuen Errungenschaft ihrer Schwester schon berichtet hat. Aber dieser zieht wohl seine eigenen Schlüsse aus dem Bericht seiner Frau.
„Na, wenn sie einen Kater hat, dann hat sie sicher vorher einen ganz schönen Brand gehabt und jetzt brummt ihre Birne und sie ist blau“, schlussfolgert Herr Kürbis.
Vollkommen irritiert blickt Frau Kürbis auf den Vogel, der sich gerade neben ihrer Bank niedergelassen hat und fragt ihren Gatten kopfschüttelnd.
„Wer ist blau? Die Taube?“
„Taub ist sie auch noch? Und das bei ihren Schweineohren“, schüttelt Herr Kürbis verwundert und lachend den Kopf.
„Du meinst ihren legendären Bienenstich!“, berichtigt Frau Kürbis ihren Mann, der sogleich ein unsagbares Verlangen nach diesem köstlichen Kuchen zu verspüren scheint und ihr vorschlägt:
„Lass uns weiterfahren und in einem gemütlichen Café einkehren!“
„Ach, nein, mir ist der Appetit vergangen und ich habe keinen Bock mehr“, erklärt Frau Kürbis sichtlich erschöpft von diesem Gespräch.
„Ich verstehe dich nicht, meine Liebe, vorhin hast du ein Kreuz vermisst und jetzt sagst du es sei ein Bock“, wundert sich Herr Kürbis kopfschüttelnd.
„Ach Klaus, du hast mir mal wieder überhaupt nicht zugehört!“, entrüstet sich Frau Kürbis verärgert.
„Doch, doch meine Liebe und schau mal: Dort auf dem Tisch liegt dein Kreuzanhänger.“
Er streicht ihr zärtlich über die Hand und erklärt ihr lächelnd: „Sei mir nicht böse, es war alles nur Spaß. Mir saß einfach der Schalk im Nacken und das Spiel mit den Wörtern ist einfach zu schön.“

 

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23 Kommentare

  1. Liebe Astrid,
    hab vielen Dank für diese nette und lustige Geschichte von Herrn und Frau Kürbis. Sie hat mir sehr gut gefallen. So kann man die Worte missverstehen. 🙂

    Einen schönen Tag und liebe Grüße, Margot.

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Margot,
      mir haben die Beiden auf dem Parkplatz sehr gefallen, denn sie sehen so lustig aus. Also habe ich nach etwas gesucht, was zu den Beiden passen könnte und da kam mir das Teekesselspiel in den Sinn. Man kann mit Sprache so schön spielen und gerade die Doppeldeutigkeiten sind für lustige Missverständnisse besonders geeignet.
      Ich freue mich, dass Dir Herr und Frau Kürbis mit ihrer seltsamen Unterhaltung gefallen haben.
      LG und einen angenehmen Nachmittag und Abend
      Astrid

  2. Herrlich! Ich lache liebe Astrid. Ja so ist es mit der Doppeldeutigkeit der Wörter, da kann man schon mal verzweifeln oder herzlich lachen.
    Da hattest Du eine geniale Idee und das Bild dazu ist einfach so schön!
    Liebe Grüße in den nass-kalten Nachmittag von Kerstin.

    • Astrid Berg sagt

      Danke, liebe Kerstin.
      Nicht umsonst heißt es :“Deutsche Sprache – schwere Sprache“ 😉 bei diesen Doppeldeutigkeiten haben manche Muttersprachler schon ihre Schwierigkeiten, wie mag es dann Menschen gehen, wenn sie noch nicht perfekt die deutsche Sprache mit all ihren Feinheiten beherrschen?!
      LG und einen schönen Abend
      Astrid

  3. Liebe Astrid, sei herzlich gegrüßt.
    Da hast Du dir ja eine tolle Geschichte um die Beiden herum gebastelt.
    Ich kann kaum noch meinen Blog am Laufen halten. Für das Lesen und Kommentieren der Blogbeiträge meiner Blogfreunde ist auch selten Zeit.
    Ich wünsche Dir einen guten Abend, tschüssi Brigitte

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Brigitte,
      schön wieder von Dir zu lesen. Ich hoffe, es geht Euch gut. Du scheinst allerdings viel Arbeit zu haben, deshalb freue ich mich umso mehr, dass Du Dir die Zeit genommen hast bei mir vorbei zu schauen.
      LG und ebenfalls einen guten Abend
      Astrid

  4. Martina sagt

    Das war wirklich eine fantastische Unterhaltung und ein Satz kam mir besonders bekannt vor, und zwar dieser: „Ach Klaus, du hast mir mal wieder überhaupt nicht zugehört!“ Lach! LG Martina

    • Astrid Berg sagt

      Ja, so sind sie , die lieben Männer. Hören nur mit halben Ohr zu und verstehen dann nicht, wovon man spricht 😉
      Mir haben die Beiden auf dem Rastplatz der Tankstelle so gut gefallen, ich musste ihnen einfach ein Gespräch „andichten“ 🙂
      Ich schicke Dir LG und wünsche Dir einen schönen Abend
      Astrid

    • Astrid Berg sagt

      Danke, liebe Anna-Lena.
      Die deutsche Sprache hat viele Tücken. Es wäre sicherlich interessant zu wissen, was bei einem Übersetzungsprogramm in eine andere Sprache herauskommen würde. Sollte man vielleicht mal ausprobieren 😉
      LG
      Astrid

  5. Hallo Astrid, Zeit mal wieder vorbei zu schauen, das Bild ist ja herrlich und die beiden verschmitzten fröhlichen Gesichter passen zu der lustigen Unterhaltung.
    Es herrlich wie du mit der Sprache spielst, musste mehrmals schmunzeln.
    Wünsche dir noch einen schönen Tag, LGLore

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Lore,
      das Spiel mit der Sprache macht echt Freude und die beiden Kürbisköpfe haben regelrecht zu einer lustigen Unterhaltung eingeladen 😉
      LG
      Astrid

  6. Liebe Astrid, sooo schön, das Foto und Dein Wortspiel. Muss gleich mal schauen, wie das Spiel noch einmal ging. Erinnere mich so schwach. Herzliche Grüße Eva

    • Astrid Berg sagt

      Hallo liebe Eva,
      das Spiel macht Kindern und Erwachsenen Spaß, sollte aber auf die entsprechende Sprachkompetenz angepasst sein.
      Es gibt zwei oder mehr Gruppen oder auch Einzelkämpfer, wie man möchte. Ein Spielleiter umschreibt ein Wort mit zwei Bedeutungen, z.B. „Bank“. „Man kann darauf sitzen, aber auch Geld einzahlen.“ Je nachdem, wer zuerst das Wort gefunden hat, erhält einen Punkt.
      Das wäre doch auch mal was für einen gemütlichen und lustigen Abend mit Freunden, oder?!
      LG
      Astrid

  7. Hallo Astrid,

    auf was Du so alles kommst 🙂 mir jedenfalls hat die Geschichte von Frau und Herr Kürbis sehr gut gefallen 🙂

    Liebe Grüße
    Björn 🙂

    • Astrid Berg sagt

      Hallo Björn,
      ich freue mich, dass die Beiden und ihr Gespräch Dir gefallen haben. Ich habe sie gesehen und sofort war das Bedürfnis in mir erwacht, mit ihnen etwas Lustiges anzustellen. Da kam mir der Einfall mit dem Teekesselspiel nur recht.
      LG und einen schönen Abend bei einer Tasse Tee und vielleicht sogar bei einem Spiel
      Astrid

    • Astrid Berg sagt

      Aber man sollte immer vorsichtig sein, mit wem man diese Wortklauberei betreibt. Manche Menschen haben dafür nicht das richtige Quäntchen an Humor.
      Ich wünsche Dir einen schönen gemütlichen Abend
      Astrid

      • Astrid Berg sagt

        Hallo Harald,
        gerade heute habe ich mich gefragt, wie es Dir wohl gehen mag.
        Übrigens, das mit den Wortspielchen kann ich mir gut vorstellen. So wie ich Dich kenne, hast Du einen Riesenspaß dabei. Außerdem hast Du dieses Spielchen schon immer gemocht, oder 😉
        Sei herzlich gegrüßt und in drei Wochen bin ich wieder kurz in der alten Heimat
        Astrid

  8. Harald sagt

    Manchmal mache ich auch solche Wortspiele mit meinen Kunden. Ist total lustig. Naja, meistens, mit unter können sie mir nicht folgen 😉
    Liegt sicher an mir.
    Liebe Grüße aus der alten Heimat

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