Für Kinder, Kurzgeschichten
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Was wird nur aus mir?

Ich kann mich nur noch wundern. Man hat mich hier einfach abgelegt. Ich habe keine Ahnung warum und was das soll. Außerdem bin ich hier alleine. Naja, nicht ganz alleine. Es sind noch eine Menge anderer da, aber trotzdem fühle ich mich verlassen.

„Hallo!“, rufe ich und hoffe, dass mich jemand hört. „Wo ist eigentlich meine zweite Hälfte?“
Das ist nämlich mein bester Freund, ohne den ich nicht leben kann. Wenn er fehlt, ist meine ganze Existenz und meine Berufung hinfällig. Ich bin dann ein Nichts. Keiner wird mich jemals wieder beachten.
„Hallo?“, rufe ich noch einmal. „Gebt mir bitte meinen Kameraden wieder.“
Alle anderen um mich herum sind plötzlich nicht mehr still. Um mich bricht Tumult aus. Jeder hat etwas zu berichten.
„Uns geht es genauso wie dir!“
„Von Zeit zu Zeit verlässt uns einer!“
„Man munkelt, man habe seine zweite Hälfte wieder gefunden und Beide vereint.“
„Andere verschwinden auf Nimmerwiedersehen.“
„Manche gehen zurück zu ihrem Partner und später schicken sie ihn manchmal sogar alleine zu uns.“
Das alles macht mich ziemlich nervös. Meine Zukunft steht also auf einem unbeschriebenen Blatt. Ich frage mich ernsthaft: Was wird aus mir? 
Hinzu kommt noch eine andere Tatsache. Ich spüre seit geraumer Zeit, dass mit mir irgendetwas nicht stimmt. Ich fühle mich unwohl. Tja, und dann bin ich in mich gegangen und habe herausgefunden, dass ich eine ziemlich große Verletzung habe. Vielleicht soll mir ja geholfen werden. Das hoffe ich zumindest. Aber was man hier von den anderen so hört, ist nicht gerade aufbauend und das macht mich schon ziemlich fertig. 
„Früher hat man einem wie dir sofort geholfen!“
„Heutzutage allerdings ist das nicht mehr so sicher, denn es gibt genügend andere, die unverletzt sind.“ 
„Die können dich und deinen Kumpel mühelos ersetzen.“
„Sie behaupten, dass sich der Aufwand nicht mehr lohnt.“
Das alles scheint eine wirklich trübe Aussicht zu sein. Doch, wie sagt man so schön? Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und so hoffe ich doch auf ein Happy End.
Ob es ein gutes und fröhliches Ende wird oder vielleicht ein vernichtendes Ende, kann zu diesem Zeitpunkt noch niemand sagen. Beide Möglichkeiten lassen jedoch ziemlich auf sich warten und ehrlich gesagt, so langsam werde ich ungeduldig.
Doch plötzlich vernehme ich Stimmen. Sie kommen nicht von den anderen, die mit mir auf dieses „Was-auch-immer“ warten. Diese Stimmen gehören einem kleinen Mädchen und dessen Mutter.
„Mir ist sooo langweilig. Ich weiß nicht, was ich machen soll“, jammert die Kleine.
„Na, da müssen wir uns aber schnell etwas einfallen lassen“, meint die Mutter und denkt angestrengt nach.
„Ich glaube, ich hab da eine Idee!“, tönt es auf einmal ganz dicht neben mir und eine Frauenhand greift nach mir. „Schau, was ich hier habe…“
„Was will ich denn mit dieser blöden alten Socke?“, fragt das Mädchen enttäuscht. „Und ein Loch hat sie außerdem auch noch!“
„Warte mal ab, was wir daraus zaubern! Du wirst staunen!“, tröstet die Mutter und nimmt mich mit ins Wohnzimmer.
Jetzt wird an mir gezogen, gebogen und gedreht, geklebt und genäht. Ich weiß gar nicht, wie mir geschieht.
„Hilfe!“, will ich gerade ausrufen, da jubelt das kleine Mädchen:
„Oh, ist der süß!“
Bevor ich mich versehe, hat sie mich geschnappt, plappert munter auf mich ein und bewegt mich hin und her. Mir wird schon fast schwindelig, da stürmt sie mit mir zu ihrem Vater und meint:
„Schau mal, was wir aus einer alten Socke gemacht haben! Darf ich vorstellen?! Das ist Strumpfienrich!“
Zum Glück kommen wir an einem Spiegel vorbei und ich schiele schnell mal hin. Ich habe mich ja selbst nicht mehr wiedererkannt. Ich kann mein Glück fast nicht fassen. Aber es kommt noch besser. Nach ein paar Tagen gesellt sich noch eine Strumpfiene zu mir. Ist das nicht ein tolles Happy End?!

 

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