Beitrag, Dies & Das und sonst noch Was, Dies & Das und sonst noch Was 2016, Gedichte
Kommentare 16

Die zwei Alten

 

Schaut nur, wo wir sind gelandet,
neben Müll und Zigaretten gestrandet.
Undank, so sagt man, ist der Welten Lohn,
man erntet nur noch Spott und Hohn.

Einst wir waren neu, chic und fein,
kosteten gar manchen großen Schein.
Bewundernde Blicke wir erhielten von allen Seiten,
standen im Regal trotzdem ganz bescheiden.

Eines Tages dann kam er vorbei,
der unser Herr von nun an sei.
Sportlich und fit, er war von Statur,
ihm fehlten die passenden Schuhe nur.

Umschlossen seine Füße geschmeidig und weich,
so dass er uns zu lieben begann sofort und gleich.
Stolz und glücklich schaute er uns an,
wir sollten ihn begleiten jetzt und dann.

Stets und alle Zeit wir ihm zu Diensten waren,
vor Blasen und Schwielen konnten ihn bewahren.
Auf Schritt und Tritt wir haben ihn begleitet,
damit er auch ja keine Qualen erleidet.

So manche Narben und Schunden,
Schrammen, Löcher und auch Wunden
haben wir in all den Jahren leider erhalten,
doch wir haben uns immer treu und fair verhalten.

Eines Tages war es dann endgültig soweit,
vorbei war unsere schöne und prachtvolle Zeit.
Keiner uns noch eines Blickes würdigte
und unser Herr neue Schuhe benötigte.

Fortan lagen wir nur noch nutzlos rum,
was uns machte traurig und stumm.
Dann nahm man uns mit Gewalt,
alt, kaputt und nutzlos man uns schalt.

In den Müllcontainer warf man uns geschwind,
weil wir nur noch lästig und außerdem Unrat sind.
Jetzt sind wir schmutzig, alt und müde noch dazu,
also gönnt uns einfach uns’re wohlverdiente Ruh.

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Tim’s Wunsch

Goldglöckchen

Ich hab‘ da eine kleine Macke

16 Kommentare

  1. Liebe Astrid,
    wenn ich dieses Gedicht lese, erinnere ich mich an meine ersten Wanderschuhe. Vor vielen Jahren habe ich sie von meiner Tante bekommen, sie hat sich neue gekauft. Es waren ausgelatschte lederne braune Schuhe, aber sie waren noch sehr gut erhalten. Und sie waren super bequem, nichts drückte, nie habe ich Blasen an den Füßen bekommen. Viele Kilometer bin ich mit ihnen gelaufen.
    Und – es kommt wie es kommen muss – eines Tages musste ich mich doch von ihnen trennen.
    NEIN – nicht wirklich.
    Sie dienten lange Zeit im Garten, bepflanzt mit bunten Blumen.

    Viele Grüße
    Traudi

    • Astrid Berg sagt

      Hast du noch ein Foto von diesen bepflanzten Schuhen? Sieht bestimmt gut aus.
      Übrigens, die Schuhe gehörten einem Unbekannten. Ich habe das Foto auf Teneriffa geschossen, wo sie einfach in einem unbepflanzten Blumenkübel lagen. Das ist aber schon ein paar Jahre her und erst jetzt kam mir die Idee zu dem Gedicht.
      LG
      Astrid

      • Nein, leider habe ich kein Foto. Damals – es mögen so um die 30 Jahre her sein – habe ich noch nicht so viel fotografiert. Eigentlich schade.
        LG Traudi

  2. Liebe Astrid; das ist eine ganz wundervolle Geschichte die Du da wieder geschrieben hast. Wundervoll in einem Gedicht verpackt hast du sie und ich habe es begeistert gelesen.
    Ja, so ist das mit den Dingen und leider nicht nur mit materiellen Sachen die ausrangiert werden…
    Ganz liebe und anerkennende Grüße zu dir von Celine

    • Astrid Berg sagt

      Aber so sind die Schuhe des Unbekannten, der sie einfach achtlos auf Teneriffa entsorgt hat, doch noch irgendwie zu Ehren gekommen.
      LG
      Astrid

  3. wunderschön deine Geschichte..
    und etwas wehmütig..
    die Schuhe können einem Leid tun..
    waren soo lange gut genug..
    vielleicht werfe ich deswegen nicht gerne etwas weg 😉
    liebe Grüße
    Rosi

    • Astrid Berg sagt

      Ich habe keine Ahnung, wem diese Schuhe einst gehörten. Ich habe einfach ein Foto gemacht, als ich sie damals auf Teneriffa sah und ahnte noch nicht, was daraus entstehen würde. Erst jetzt haben sie mich zu dieser kleinen Geschichte in Gedichtform animiert. Irgendwie scheint alles irgendwann einen Sinn zu machen. 😉
      LG
      Astrid

    • Astrid Berg sagt

      Das passiert wohl auch nicht jedem Paar Schuhe, dass sie in einem Gedicht verewigt werden :-))) , aber das alte Foto, das ich damals auf Teneriffa gemacht habe, hat mich dazu motiviert.
      LG
      Astrid

  4. Liebe Astrid, schön hast Du das geschrieben! Ich habe auch so olle Wanderschuhe, wirklich, die sind so verbraucht, aber trennen mag ich mich nicht. Liebe Grüße Eva

    • Astrid Berg sagt

      Die Schuhe haben noch nicht einmal uns gehört. Wir fanden sie auf Teneriffa in einem unbepflanzten Blumenkübel. Ich habe einfach mal ein Foto davon gemacht und das ist mir neulich wieder in die Hände gefallen.
      LG
      Astrid

  5. aha….gar nicht deine habe ich nun aus all den KOmmentaren und Antworten herausbekommen, zu schade, auch ich hätte nämlich /wären sie dir oder deinem Liebsten/ den Vorschlag gemacht sie als Blümentöpfle umzuwandeln, aber siehe da, auch so haben sie ein Gesicht bekommen,
    durch dein Gedicht
    das prachtvoll gelungen…
    es ist, als führten sie Selbstgespräche:))
    schöne Idee…
    herzlichst Angel

    • Astrid Berg sagt

      Vielleicht sollte ich meinen Schuhschrank mal durchforsten. Bestimmt findet sich das eine oder andere Paar mit dem ich vielleicht diesen Vorschlag aufnehmen könnte.
      Liebe Abendgrüße
      Astrid

  6. Ein tolle Geschichte welche man auch einem Menschen
    zuschreiben könnte nicht nur den Schuhen, wie vielen alten Menschen geht es so immer fleissig gearbeitet ,treu an des Chefs Seite und im Alter
    wird man abgeschoben und ist nutzlos, verbraucht …man wird nicht mehr gebraucht und landet unter der Brücke oder man fristet ein
    armseliges Leben ….so meine Geschichte die den Schuhen gleicht !

    Herzlich grüsst dich
    Margrit

    • Astrid Berg sagt

      Ja, liebe Margrit, Du hast recht. Auch einem Menschen kann es so ergehen. Ein bisschen doppeldeutig sollte meine kleine Geschichte auch sein.
      Liebe Grüße zum Abend
      Astrid

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.