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Opa und das Glasengelchen

Ganz aufgeregt erzählt Luisa ihren Traum, als alle gemeinsam beim Frühstück sitzen.
„Das war aber ein schöner Traum“, meint Opa Kurt, „und auch eine Erklärung, warum das Engelchen dort im Schnee gelandet ist.“

Da fällt Luisa ein, dass ja der Großvater ihr auch eine Geschichte erzählen wollte.

„Da wirst du dich noch bis heute Abend gedulden müssen“, erklärt dieser allerdings. „Ich habe Oma versprochen mit ihr einkaufen zu gehen. Sie möchte sich für Weihnachten ein neues Kleid kaufen und da braucht sie mich als Berater.“

„Och, bitte Opa, du kannst es doch jetzt beim Frühstück erzählen“, bettelt Luisa.

„Also, da hat Luisa recht und ehrlich gesagt, bin ich inzwischen auch neugierig geworden“, gesteht die Großmutter. „Die Geschäfte haben den ganzen Tag geöffnet, da können wir uns jetzt ruhig noch ein paar Minuten Zeit lassen.“

„Da bin ich wohl überstimmt“, willigt Opa Kurt ein, kratzt sich nachdenklich am  Kopf und beginnt zu erzählen:

„Ihr wisst ja alle, dass inzwischen die Vorbereitungen im himmlischen Weihnachtsland auf Hochtouren laufen. Es wird gebastelt, gemalt, verpackt, gebacken und gewerkelt. Aber es gibt auch noch andere Aufgaben, die Engel übernehmen…“

Oma und Enkeltochter sind gespannt, was der Großvater nun weiter berichten wird. Die Großmutter lässt sogar das benutzte Frühstücksgeschirr auf dem Tisch stehen und lauscht schweigend ihrem Mann.

„Die beiden Engelchen Angela und Angelina sind Schwestern, genauer gesagt, sie  sind eineiige Zwillinge. Sie sehen sich so ähnlich, dass jeder sie schon mal verwechselt hat. Dabei gibt es ein ganz winziges Merkmal, das die beiden unterscheidet, allerdings weiß das nur der Weihnachtsmann.“

„Weißt du es auch, Opa?“, will nun Luisa wissen.

„Naja, er hat es mir mal verraten“, grinst der Großvater. „Wenn ihr mir versprecht, es nicht weiterzuerzählen, dann kann ich es euch verraten.“

„Ehrenwort!“, ruft Luisa aus und auch die Großmutter erklärt, dass kein Sterbenswörtchen über ihre Lippen kommt.

„Auf der Nase von Angela befindet sich eine klitzekleine Sommersprosse, allerdings muss man schon sehr genau hinschauen, um das überhaupt zu sehen.“

„Ich habe sogar zwei Sommersprossen auf der Nase“, ruft Luisa stolz aus und deutet auf ihre Nasenspitze.

„Manchmal malt sich Angelina einen kleinen Punkt auf die Nase, damit sie den Weihnachtsmann ein bisschen ärgern kann. Heute allerdings nicht. Sie ist zusammen mit ihrer Zwillingsschwester in der Himmelswerkstatt und bastelt fleißig Weihnachtssterne, als der Weihnachtsmann herein kommt. Er blickt in die Runde und geht dann zielstrebig auf die Zwillinge zu, denn er braucht einen zuverlässigen Engel für eine ganz besondere Aufgabe. Sowohl auf Angela als auch auf Angelina ist trotz allen Unfugs immer Verlass, auf Angela vielleicht noch ein kleines bisschen mehr. Deshalb entscheidet er sich für Angela. Da der Weihnachtsmann schon ein bisschen schlecht sieht und nun zum Auseinanderhalten der Zwillinge nach der Sommersprosse suchen muss, setzt er nun seine Brille auf. Tja, und was soll ich sagen, mit diesem Hilfsmittel findet er den besagten Punkt sofort und ruft den betreffenden Zwilling zu sich.“

Der Großvater bittet nun erst einmal seine Frau um eine weitere Tasse Kaffee und legt eine kleine Pause ein. Luisa ist schon ganz ungeduldig und rutscht auf ihrem Stuhl hin und her.

„Was der Weihnachtsmann allerdings nicht bemerkt hat, ist die Tatsache, dass sich der Fleck nicht auf der Nasenspitze des Engels befindet, sondern auf seiner Brille. So kommt es, dass er den anderen Engel zur Erde schickt, um dort eine sehr wichtig Mission zu erfüllen.“

„Also hat er nun Angelina zur Erde geschickt“, folgert die Enkeltochter und der Großvater bestätigt es durch sein Nicken.

„Ihr könnt es Euch vorstellen, dass Angelina mächtig stolz ist, als der Weihnachtsmann sie zum Schutzengel erklärt. Sie soll ein ganz bestimmtes Mädchen beschützen und ihr immer zur Seite stehen. Allerdings kommt Angelina nicht dort an, denn sie hat sich irgendwie verflogen. Außerdem werden ihre Flügel langsam müde, sie kann kaum noch fliegen. So muss sie sich sozusagen zu einer Notlandung entscheiden und lässt sich in den Schnee fallen.“

„Ja, aber …“, beginnt Luisa, doch der Großvater deutet ihr an, dass sie einfach nur zuhören soll.

„Angelina weiß, dass sie nun warten muss, bis dieses Mädchen zu ihr kommt, sonst kann sie ihre Mission nicht erfüllen. Weil sie aber vermutlich bis dahin erfrieren würde, verwandelt sie sich in einen Glasengel.“

Luisa springt begeistert von ihrem Stuhl auf und holt den Glasengel aus ihrem Zimmer:

„Dann ist das Angelina und mein Schutzengel“, ruft sie voller Freude aus.

 

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