Kurzgeschichten, Professor Konfusi-Geschichten
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Gesprächsstoff

Frau Konfusi steht im Schlafzimmer und wendet und dreht sich vor dem großen Spiegel, als ihr Mann ebenfalls den Raum betritt. Sie trägt ihr neues Sommerkleid und begutachtet gerade ihr Spiegelbild.
„Na meine Schöne!“, schmeichelt ihr Professor Konfusi. „Bist du zufrieden mit dem, was du siehst? Ich bin es jedenfalls. Das Kleid steht dir hervorragend.“
„Meinst du nicht, dass es etwas zu bunt ist?“
„Nein ganz und gar nicht. Zum Sommer gehören Farben.“
Frau Konfusi lächelt ihren Mann dankbar an und dreht sich noch einmal um die eigene Achse, bevor sie zufrieden nickt:
„Du hast recht. Ich bin ja noch nicht scheintot, also kann ich auch farbenfroh und munter durch die Welt marschieren.“
„Und wo willst du jetzt hinmarschieren, wenn ich dich fragen darf?“, will ihr Gatte wissen.
„Na zu meinem Kaffeekränzchen, aber das habe ich dir doch schon heute Morgen beim Frühstück erzählt.“
„Mmmh!“, brummt sich Professor Konfusi in seinen Bart und wühlt in der untersten Schublade seines Schrankteils. „Ich möchte nur wissen, wo meine neue Strickjacke hin ist. Gestern Abend habe ich sie dort auf den Stuhl gelegt und heute ist sie verschwunden. Bestimmt hast du sie wieder irgendwo hingeräumt und ich kann sie jetzt nicht finden.“
„Mein lieber Mann“, holt Frau Konfusi Luft, „ich habe sie nicht verräumt, sondern gewaschen und sie hängt zum Trocknen auf einem Bügel im Hauswirtschaftsraum. Das habe ich dir ebenfalls heute beim Frühstück mitgeteilt.“
„Aha!“
Frau Konfusi verlässt das Schlafzimmer und geht zur Garderobe, um ihre Handtasche zu holen. Ihr Gatte folgt ihr auf Schritt und Tritt, was sie etwas misstrauisch werden lässt.
„Ist noch etwas, womit ich dir im Moment behilflich sein kann?“, fragt sie ihn lächelnd.
„Ja, ja. Da war doch so ein Notizzettel in der Jackentasche. Den wirst du doch nicht mitgewaschen haben?“
„Du weißt doch, dass ich vor dem Waschen immer alle deine Taschen auf Schrauben, Kulis, Zettel und Kleingeld durchforste.“
„Mmmh,- und wo ist er jetzt?“
„Ich habe dir doch gesagt, dass ich ihn auf deinen Schreibtisch gelegt habe.“
„Den brauche ich nämlich jetzt ganz dringend. Da steht eine wichtige Telefonnummer darauf. Wo sagtest du, dass er liegt?“
„Auf deinem Schreibtisch! Sag ich doch!“
„Ach ja, ich hab im Moment so viele Dinge im Kopf, da hab ich das wohl überhört“, entschuldigt sich Professor Konfusi.
„Ach, besorge uns doch bitte eine Flasche Sekt für heute Abend“, bittet ihn seine Frau und greift nach dem Türdrücker.
Bevor Professor Konfusi in Richtung seines Büros geht, wendet er sich nochmals seiner Frau zu:
„Willst du weg?“
Doch das hört seine Frau nicht mehr, weil bereits die Wohnungstür ins Schloss gefallen ist. Professor Konfusi, der zwar gefragt hat, aber mit seinen Gedanken schon wieder bei seinem aktuellen Forschungsauftrag ist, hätte die Antwort sowieso nicht wahrgenommen. Er setzt sich an seinen Schreibtisch, greift sich den Notizzettel und tippt die dort vermerkte Telefonnummer seines Kollegen ein. Er ist ganz in seiner Wissenschaftswelt abgetaucht und bemerkt daher auch nicht, dass die Stunden vergehen. Erst als er ein Klopfen an der Bürotür hört, taucht er aus dieser Welt wieder auf und sieht verwundert zu seiner Frau, die im Türrahmen steht.
„Ich bin wieder da!“, verkündet sie vergnügt.
„Du warst weg?“, fragt er sie, setzt seine Lesebrille ab und reibt sich seine Augen.
„Ja, stell dir vor, ich war bei unserem Kaffeekränzchen“, langsam wird Frau Konfusi etwas ungeduldig.
„Hast du dich über irgendetwas geärgert?“, wird ihr Gemahl nun skeptisch, da ihm der seltsame Tonfall in der Stimme seiner Frau aufgefallen ist.
„Ist schon gut, – halb so wild. Aber bist du gut voran gekommen?“
„Ja, der Antrag für das neue Forschungsprojekt ist erstellt. Jetzt wollen wir hoffen, dass alles genehmigt wird.“
Professor Konfusi schaltet seine Schreibtischlampe aus und geht zu seiner Frau in die Küche. Sie deckt dort gerade den Abendbrottisch, legt Lachsscheiben auf eine Servierplatte und gibt Toastbrot in den Toaster.
„Oh es gibt Lachs! Lecker. Da brauchen wir nur noch ein Fläschchen Sekt dazu!“
„Genau und den solltest du doch besorgen! Darum habe ich dich doch vor ein paar Stunden noch gebeten!“
„Oh, das muss ich wohl überhört haben!“, unschuldig zuckt Professor Konfusi mit den Schultern.
„Trotzdem machen wir uns jetzt einen gemütlichen Abend und du erzählst mir ein bisschen von eurem Kaffeekränzchen. Ich bin ganz für dich da und lausche andächtig deinen Worten“, verspricht er seiner Frau. „Ihr habt euch bestimmt viel zu erzählen gehabt!“
„Das kann man schon sagen, jedenfalls ging uns der Gesprächsstoff nicht aus!“, bestätigt seine Gemahlin und will zum Erzählen ansetzen.
Doch ihr Mann kommt ihr zuvor.
„Weißt du, was ich neulich gelesen habe? Und zwar hat eine Untersuchung ergeben, dass Frauen viel mehr reden als Männer.“
„Ach nein! Das kann gar nicht sein!“, versucht Frau Konfusi diesem Untersuchungsergebnis zu widersprechen.
„Doch, doch!“, beteuert ihr Gatte. „Weil ihr lieben leidgeprüften Frauen nämlich immer alles mehrfach zu uns sagen müsst“, sagt er schelmisch und zieht eine Flasche Sekt hinter seinem Rücken hervor.

 

 

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12 Kommentare

  1. Hallo liebe Astrid,
    *lach* genau deshalb wird uns Frauen nachgesagt das wir viel schnacken 🙂

    Das ist wieder eine schöne Geschichte und ich musste mehrfach schmunzeln.
    So ergeht es mir auch schon mal… mein Mann ist in seiner Arbeit so vertieft das er oft nicht hört oder vergisst was ich gesagt habe und dann meint er, ich hätte ihm das nicht gesagt *lach*

    Einen schönen Tag wünsche ich Dir…
    Liebe Grüße
    Biggi

    • Astrid Berg sagt

      Hallo liebe Biggi,
      mir geht es auch oft so. Mein Mann und unser Sohn haben die Fähigkeit alles um sich herum auszublenden, wenn sie in eine Arbeit vertieft sind. Da dringt meine Stimme oft nicht zu ihnen durch 🙂 .
      Hab ein schönes Wochenende
      Astrid

  2. Oh, das ist ja wie im richtigen Leben – in MEINEM richtigen Leben.
    Und was das viele Reden der Frauen betrifft. Wir MÜSSEN es doch! Weil die Männer nie zuhören. 😉
    Das hört sich jetzt ziemlich gelästert an. Aber wir nehmen es mit Humor. 🙂

    Viele Grüße
    Traudi

    • Astrid Berg sagt

      Ja, ja wir armen Frauen ;-). Unsere Männer „zwingen“ uns doch förmlich zum Vielreden 🙂
      Hab ein schönes Wochenende
      LG
      Astrid

  3. Hallo Astrid, endlich habe ich mal wieder Zeit zu lesen und zu schreiben. Prof. Konfusi ist ja immer ein ziemlicher Schelm. Das mag ich an ihm. LG Tanja

    • Astrid Berg sagt

      Danke, liebe Tanja. Ich war die letzte Zeit auch etwas am Bloggen und Kommentieren gehindert, da mein Laptop einen Displayaustausch hatte und ich mit dem iPad gearbeitet habe. Das war manchmal ganz schön ungewohnt.
      Oh, ja, Professor Konfusi hat sich tatsächlich zu einem kleinen Schelm und manchmal auch zu einem liebenswerten Schlitzohr entwickelt. Ich möchte ihn nicht mehr missen.
      LG
      Astrid

  4. Wir Frauen reden doch oft gegen die Wand und haben das Gefühl, dass die Männer gar nicht zuhören. Und Männer behaupten das von den Frauen.
    Liebe Abendgrüße von Kerstin.

    • Astrid Berg sagt

      Wir haben wohl alle unsere kleinen Fehler,- unabhängig vom Geschlecht 😉 .
      Ich schicke Dir liebe Wochenendgrüße
      Astrid

  5. Musste jetzt schmunzeln, obwohl ich deine Geschichten ja freihaus bekomme, habe ich sie nochmals gelesen, sie ist einfach schön.
    Mir ging es mit meinem Chef so . Wenn ich ihm etwas berichtete sah er mich stumm an und ich wiederholte mich dreimal, was mich furchtbar ärgerte und ich mir soooo blöd vorkam (grinsen)
    Eigentlich bin ich vorbei gekommen um die Bilder vom verzauberten Garten anzusehen und vor allem mal wieder einen lieben Gruß dazu lassen.
    Wünsche dir einen schönen Tag und freue mich immer wenn in meiner E_Mail eine deiner wunderschönen Erzählungen erscheint.
    Ich bin ja im Moment nicht so fleißig, hoffe aber, da die Hitze wieder erträglich ist, das dasauch meine Lebensgeister wieder weckt. LGLore

    • Astrid Berg sagt

      Ja, ja, die Männer triften mit ihren Gedanken immer ganz schnell wieder in andere Dimensionen ab 🙂 und hören dann nicht, was wir Frauen sagen. 🙂
      Ihr hattet wohl in Süddeutschland besseres Wetter, als wir hier in Brandenburg. Ich bin von diesem Sommer noch nicht richtig überzeugt. Irgendwie war er bisher wie ein ewiger April, mal so und mal so.
      Schön, dass Du Dich immer mal meldest. Ich weiß, dass Du meine Beiträge fleißig liest und freue mich immer wenn Du schreibst.
      Viele liebe Grüße
      Astrid

  6. ohhh hihi
    das ist ja ein richtiges Schlitzohr..
    der Herr Professor 😉
    eine wunderbare Geschichte
    man sagt es eher mir nach dass ich nicht zu höre
    und ich könnte schwören dass mir keiner was gesagt hat 😀
    liebe Grüße
    Rosi

    • Astrid Berg sagt

      Da kannst Du aber gut abschalten :-). Ich gestehe, dass ich auch manchmal meine Umgebung ausblende, damit ich mich besser konzentrieren kann und dann passiert es eben, dass man etwas überhört 😉 .
      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
      Astrid

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