Alle Artikel in: Kurzgeschichten

Besuch vom Nikolaus 

Fabi, der eigentlich Fabian heißt, kuschelt sich in sein Bettchen. Die Mutter erzählt ihm die Geschichte vom Nikolaus, dem Bischof von Myra. Das tut sie schon zum gefühlten 50sten Mal. Auch im Kindergarten sprechen alle vom Nikolaus, der nun bald kommen soll. Der kleine Junge freut sich riesig und am Abend des 5. Dezembers stellt er seine Nikolausstiefel vor die Wohnungstür, in der Hoffnung, dass der gute alte Mann auch Gaben für ihn dabei hat.  „Wenn ich groß bin, will ich auch Nikolaus werden und alle beschenken“, gesteht er der Mutter und zaubert ihr damit ein Lächeln ins Gesicht. Sie gibt ihm einen Gutenachtkuss und streichelt ihm zart über seine braunen Haare. „Bestimmt träumt Fabi heute Nacht vom Nikolaus“, meint sie zu ihrem Mann. „Sein Berufswunsch ist es neuerdings nämlich auch Nikolaus zu werden.“ „Da hätte ich eine Idee“, erklärt dieser seiner etwas verwundert schauenden Frau. „Ich muss nur mal schnell noch meinen Bruder anrufen.“ Am nächsten Tag rennt Fabi ständig zur Tür, um nachzusehen, ob schon etwas in seinen Stiefeln steckt.  „Nichts drin!“, sagt er …

Herbstbesuch

Klara möchte wieder einmal eine ganze Woche allein mit ihren Großeltern verbringen. Opa Werner und Oma Tina holen sie am Freitag mit dem Auto ab. Klara ist ganz aufgeregt, denn bei den Großeltern auf dem Land gibt es immer so viel zu entdecken und zu erleben. Das letzte Mal haben sie gemeinsam eine Kutschfahrt unternommen. Doch jetzt schnappt sie erst einmal ihren großen Teddy und nimmt auf dem Rücksitz Platz, während Oma Tina die Reisetasche in den Kofferraum packt und Opa Werner sich hinter das Lenkrad setzt. Dann geht die zweistündige Fahrt los. „Du wirst bald sehen, wie wunderschön und kunterbunt der Herbst auf dem Land ist“, meint Opa Werner kurz bevor die ersten Nebelschwaden auftauchen. Noch ist Opa guter Dinge, denn er glaubt daran, dass sich der Nebel gleich wieder auflöst und sie die Herbstsonne am Himmel erstrahlen sehen. Leider hat er sich darin gründlich getäuscht. Je näher sie sich ihrem Heimatort nähern, umso dichter wird der Nebel.  „Das ist ja wie in der Waschküche“, gibt der Großvater missmutig von sich und schaltet die …

Zu alt!?

Sie stehen am Bahnhof, direkt am Gleis, wo die alten Züge sind.  „Gerne sind wir damit gereist“, sagt der Eine. Dieser kann seine Sehnsucht nicht verbergen. „Damals waren wir noch jünger und hübscher. Inzwischen haben wir Falten, Flecken und Kratzer.“ „Müde sind wir geworden, das Reisen ist zu beschwerlich“, meint der Andere. Beide schweigen und hängen ihren Erinnerungen nach. „Die gute alte Zeit, damals hat man Euch noch gebraucht“, sagt ein Spaziergänger, der vor den Beiden stehen bleibt. „Euch will niemand mehr auf Reisen mitnehmen, aber ihr habt noch nicht ausgedient, wie man sieht. Die Blumen geben Euch neuen Glanz!“   Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen: Auf Reisen Ärger mit dem verflixten kleinen Ding In den Schuhen des Anderen    

Hallo Goldener Herbst!

Ich muss dir sagen, genauso lieb ich dich: Wenn die Sonnenstrahlen kitzeln mich, dann muss ich spazieren in der schönen Natur. Du bringst mich zum Staunen auf meiner Tour. So wie du, beherrscht keiner das Farbenspiel: Wenn alles gemischt und von nichts zuviel, dann das richtige Quantum Schatten und Licht. Du bist schöner und bunter als jedes Gedicht. Gelb- und Rotgolden, so leuchtest nur du: Wenn die Sonne kommt auch noch hinzu, dann schmücken bunte Blätter Strauch und Baum. Goldener Herbst, du bist wie ein schöner Traum. Ich muss dir sagen, ich bin so traurig: Wenn du gehst, wird das Wetter schaurig, dann gibt es heftige Stürme und auch Regen. Du begleitest uns nicht mehr auf unseren Wegen. Dann muss ich dir sagen, lebe wohl und ade: Wenn du gehst, ist kahl Wald und Allee, dann beginnt die dunkle Jahreszeit. Doch noch ist Goldene Herbsteszeit!!! Ich danke für diese Farbenpracht Dir, denn du bist wahrlich eine schöne Zier. Du weckst in der Natur alle Lebensgeister, Goldener Herbst, darin bist du ein Meister.   Vielleicht möchtet …

Das ist ja zum Verrücktwerden

Es ist ein ganz normaler Tag. Nicht ganz, denn wir warten auf Handwerker, die uns wieder einmal versetzt zu haben scheinen. Mein Trockner ruft mich piepsend und ich öffne dessen Luke. Bis dahin ist meine Welt noch in Ordnung. Doch das soll sich schlagartig ändern.  Ich will meine Wäsche aus dem Trockner ziehen und habe plötzlich nur noch ein einziges Knäul vor mir. Ich traute meinen Augen nicht, schließe sie und öffne sie wieder. Das Knäul liegt tatsächlich in der Maschine. Ich ziehe es heraus und es plumpst in meinen Wäschekorb. „Oh nein!“, entfährt es mir verärgert und eindeutig zu laut. „Was ist denn passiert?“, kommt die Frage meines Mannes aus dessen gegenüberliegenden Arbeitszimmer. „Ein Bettbezug hat die gesamte andere Wäsche eingewickelt und verschlungen“, antwortet ich. „Dann hast du wohl den Reißverschluss nicht zugemacht? Einfach alles ausschütteln, da muss man sich doch nicht aufregen.“ „Soweit die Theorie“, gebe ich schnippisch  zurück. „Der Reißverschluss ist geschlossen, aber der Bettbezug hat sich um alles herumgewickelt und sich dann mehrfach in alle möglichen Richtungen verdreht. Das ist der …

Vom Winde verweht

Ich bin Laubinchen, ein Blatt. Vielleicht bist du mir schon einmal begegnet. Auf jeden Fall kennst du meine Schwestern und Brüder. Wir sind nämlich eine sehr große Familie. Wenn wir alle versammelt sind, nennt man uns Laub. Wir wohnen auf den Laubbäumen und sind im ganzen Land verteilt. Wenn der Baum groß und kräftig ist, also sozusagen schon ausgewachsen, dann hängen bestimmt 100 000 meiner Schwestern und Brüder an ihm. Obwohl es von uns so viele gibt, die sich auch noch alle ähneln, ist trotzdem jeder von uns einzigartig.  Im Frühjahr, wenn es langsam wärmer wird und die Sonne ihre wärmenden Strahlen zur Erde schickt, dann brechen wir aus den Blatthöckern heraus und lassen den einst kahlen Baum ergrünen. Die Menschen freuen sich dann und sagen, dass die Natur wieder erwacht. Im Herbst, wenn wir dann unser Grün gegen Gelb, Braun und Rot austauschen, erfreuen wir die Menschen wieder mit unserer Farbenpracht. Wenn wir unseren Farbstoff Chlorophyll abgebaut haben, dann dauert es nicht mehr lange und und wir fallen zu Boden. Der Baum ist dann …

Des einen Freud, des anderen Leid

„Was kochst du, Oma?“, ruft Klein Anna in die Küche. „Na, was gibt es heute wohl?“, fragt Kai-Uwe, den jeder den Professor nennt, weil er Klassenbester ist und alles weiß. „Heute ist doch…“ „Hab ich einen Bärenhunger!“, schneidet ihm Opa das Wort ab. „Was gibt es?“ „Schau doch auf dem Kalender nach“, schlägt Kai-Uwe vor. Erstaunt blicken alle Augen auf ihn, während Oma eine Schüssel hereinträgt. „Jippi, Nudeln!“, jubelt Anna.  „Was sonst, am Tag der Internationalen Nudel“, erklärt Kai-Uwe. * „Oh, nein!“, stöhnt Opa. „Nudeln! Die fallen mir ständig von der Gabel. Da isst man sich ja hungrig!“     Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen: Die kleinen Beißerchen Purzel Ein Tässchen Kaffee gefällig?   *Der 6. Oktober gehört zu den kuriosen Feiertagen: International Noddle Day siehe auch: https://www.kuriose-feiertage.de/international-noodle-day/  

Was so alles passiert ;-)

Tina und Ina verbringen ein paar Tage am Mittelmeer. Am Abend sitzen sie gemütlich auf der Hotelterrasse.  „Ich gehe zur Toilette. Bitte bestelle uns Rotwein“ fordert Tina ihre Schwester auf. Als sie zurückkommt, hat sie Tränen in den Augen. „Was ist passiert?“, fragt Ina erschrocken. „Warum weinst du und hältst Deinen Arm hinter dem Rücken versteckt?“ Tinas Antwort wird immer wieder von ihrem eigenen Lachen unterbrochen. „Ich … wollte… die Bluse…  Freudentränen kullern über Tinas Wangen. „…mein Uhrenarmband… der Stoffgürtel… ich hänge fest!..“ „Was würdest du ohne mich machen?!“, lacht nun auch Ina und befreit ihre Schwester aus der misslichen Lage.   Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen: Das Wiedersehen Anton Zwiegespräch  

Das Erlebnis mit dem Schwein

Als die Mutter Tom nach dem Urlaub in den Kindergarten bringt, wird dieser freudig von der Erzieherin Liane begrüßt:  „Schön, dass du wieder da bist. Nachher darfst du uns von deinen Erlebnissen berichten.“ „Ich hatte ein Schwein im Zimmer“, sprudelt es sofort begeistert aus dem Jungen heraus. „Beinahe wäre die Vase kaputt gegangen, aber das Schwein war ja da.“ „Urlaub auf dem Bauernhof?“, fragt Liane. „Nö, Mallorca“, entgegnet Tom und vergrößert damit Lianes Verwirrung. Jetzt muss die Mutter laut lachen. „Tom hatte einfach nur Schwein, dass sein Ball nicht die Vase getroffen hat. Ein Glücksschwein sozusagen,“ klärt sie das Missverständnis.

Die Schiffsfahrt

Die vierjährigen Zwillinge, Ines und Jens, verbringen mit den Großeltern das Wochenende am See. Beide tragen Matrosen-T-Shirts, als alle an Bord eines Ausflugsschiffes gehen. Jauchzend beobachten sie vom Oberdeck die Wellen und die Möwen. Als sie das Schiff wieder verlassen, dürfen die Beiden ein kleines Dankeschön für dieses schöne Erlebnis in ein Kästchen werfen. „Oma, was machen die Matrosen und der Kapitän mit dem Geld?“, fragt Ines. „Sie kaufen Farbe, zum Streichen des Schiffes“, lautet die Antwort. „Das denkst du“, flüstert Opa, denn sie hat nicht gehört, was er gehört hat: „Das reicht bestimmt für einen Kasten Bier!“

Was ist das denn?

Ines und ihr Mann Hannes haben sich beide für heute Nachmittag frei genommen, weil sie einige Erledigungen in der Stadt machen müssen. Inzwischen ist fast alles abgearbeitet, nur noch der Hosenkauf von Hannes steht auf dem Plan. Da dieser gar keine Lust darauf hat, unterbreitet er Ines einen Vorschlag: „Lass uns doch dort drüben in dem Cafe noch gemütlich einen Kaffee und ein Stückchen Kuchen genießen.“ „Du willst dich wohl um den Hosenkauf drücken?“ „Ich doch nicht“, zwinkert ihr Hannes zu. Da Ines ansonsten nichts gegen eine kurze Pause einzuwenden hat, suchen sie sich im Außenbereich des Cafés ein gemütliches Plätzchen. Gerade haben sie ihre erwählten Leckereien serviert bekommen, schaut Hannes seine Frau an und runzelt die Stirn. Ines fasst sich instinktiv an die Nasenspitze. „Habe ich einen Pickel auf der Nase oder warum schaust du mich so seltsam an?“ „Das nicht gerade, aber was ist das denn?“ „Was denn und wo überhaupt?“ „Dein Gesicht. Das fällt mir jetzt erst auf“, spricht Hannes immer noch in Rätseln. „Ich sehe aus wie immer, habe mich geschminkt …

Hat Astrid denn kein Schmuckkästchen?

Diese Frage stellte vor mehr als zwanzig Jahren die Tochter einer Bekannten. Das kleine Mädchen dachte, ich würde immer meinen gesamten Schmuck am Leibe tragen, denn das kannte sie von ihrer Mutter, die eher selten Schmuck trug, nicht. Ganz so schlimm war und ist es allerdings nicht, aber ich konnte und kann meine Liebe zu Schmuck nicht verleugnen. Und die begann schon im zarten Kindesalter. Bei unseren alljährlichen Besuchen bei meiner Omaur (sprich: Uroma, von der ich schon an anderer Stelle berichtet habe) in Rottach – Egern, lernte ich mit ungefähr zwei oder drei Jahren auch deren Schwester kennen. Von ihr ging für mich eine derartige Faszination aus, dass ich sie nie mehr vergessen sollte. Diese Frau war über und über behangen mit Schmuck. An ihr glitzerte und klimperte sprichwörtlich alles. Sie trug an jedem Finger einen oder teilweise sogar mehrere Ringe, mehrere Armbänder und Ketten. Von den Ohrringen und der Uhr ganz zu schweigen. Ich konnte meinen Blick von dieser Frau gar nicht abwenden, dies fiel auch meinen Eltern auf. Von diesem Zeitpunkt an, …

Hi, hi, … ;-)

„Wir verreisen nie ohne Paul“, erzählt der ältere Herr der Nachbarin. „Einmal stellten wir am Abend im Hotel fest, dass er noch im Auto war. Ich holte ihn, betrat mit ihm auf dem Arm den Aufzug und grüßte eine Fremde, die sich bereits dort befand. Sie fragte, in welche Etage ich wolle. Ich schaute Paul an und meinte: ‚Wir wollen in den zweiten Stock.‘ Ihren grinsenden Blick  erwiderte ich mit einem freundlichen Lächeln. Paul, den ich anstupste, nickte heftig.“ „Wer ist Paul?“ „Moment!“ Kurz darauf steht er mit Paul im Arm am Gartenzaun. Die Nachbarin streichelt lachend den grünen Krokodilshund.                 Vielleicht möchtet Ihr das noch lesen: Klammeräffchen und Co Auf großer Fahrt Mr. Stoneman’s friend  

Er sieht rot

Während meines Studiums flog ich für einige Wochen nach England, um Land und Leute kennenzulernen. Am Londoner Bahnhof fragte ich einen jungen Mann, wo der Zug nach Bournemouth abfahren würde. Hilfsbereit nahm er mir sofort den Koffer ab und ging voraus. Ich fürchtete zwar er würde mit diesem flüchten, aber er führte mich zum betreffenden Gleis.  Schmunzelnd fragte er mich nach meiner Lieblingsfarbe. Meine Antwort hätte ich mir sparen können, denn ich stand mit rot gestreifter Bluse, roter Hose und roter Jacke vor ihm und meinen rotkarierten Koffer trug er in der Hand. Leider weiß ich nicht mehr, welche Schuhe ich trug. Rot?!     Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen: Farbenspiel Der Rhododendronpark Wie aus dem Malkasten   *Das Beitragsbild zeigt die Mecklenburgische Bäderbahn Molle, die zwischen Kühlungsborn und Bad Doberan fährt.