Kurzgeschichten
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Au Backe

Es ist Freitag, kurz vor der Mittagszeit. Die Tür zum Büro meines Mannes steht offen und so bekomme ich sein Telefonat mit, zumindest das, was er sagt. 

Als er das Telefongespräch beendet, beginnt er herzhaft zu lachen. Ich betrete nun sein Arbeitszimmer und sehe ihn stirnrunzelnd an.

„Was war denn das für ein seltsames Gespräch?“, will ich von ihm wissen.

„Ach das war unser Installateur. Er will doch am Montag kommen und sollte mir ein paar Maße durchgeben.“

„Aha?! Und das ist so lustig?“, wundere ich mich.

„Naja, eigentlich nicht, aber ich hatte das Gefühl mich mit einem Ausländer zu unterhalten, der die deutsche Aussprache ganz schlecht oder besser gesagt, überhaupt nicht beherrscht.“

Anscheinend sieht mein Mann die Fragezeichen in meinen Augen, denn er steckt plötzlich jeweils einen Zeigefinger in den rechten und linken Mundwinkel und zieht damit seinen Mund in die Länge. Gleichzeitig beginnt er zu sprechen. Ich muss an den Witz vom Breitmaulfrosch denken und beginne zu grinsen.

„Ich verstehe kein Wort“, lasse ich ihn wissen.

Mein Mann wiederholt seine Vorführung, aber wiederum verstehe ich keine Silbe, halte mir aber inzwischen den Bauch vor Lachen.

„Genauso ging es mir, deshalb dachte ich auch, ich hätte es mit einem Ausländer zu tun. Allerdings hat sich mein Gesprächspartner dann wohl besondere Mühe gegeben, denn mit detektivischem Spürsinn erkannte ich doch unseren Installateur und verstand auch zumindest die Maße und auch seine bruchstückhaften Informationen.“

„Ich kapiere das aber immer noch nicht ganz. Warum hat er so seltsam gesprochen, am Donnerstag, war seine Aussprache einwandfrei und Deutsch ist seine Muttersprache“, gebe ich zu bedenken. „War er betrunken?“

„Nein, aber er hat momentan ein anderes Problem, das ebenfalls gewisse Sprachorgane zeitweilig beeinträchtigt. Besonders seine Zunge ist hiervon betroffen. Das hat er uns auch am Donnerstag erzählt, ich hatte es nur schon wieder vergessen.“

Jetzt fällt bei  mir der Groschen und ich stelle mir Peters Gesprächspartner vor, was in mir erneutes Lachen hervorruft.

„Wahrscheinlich hat er außerdem noch eine dicke Backe“, meine ich, nachdem ich mich wieder beruhigt habe. Bevor ich weiterspreche, puste  ich wie zur Verdeutlichung des Gesagten meine  rechte Wange auf. „Das bleibt wohl nicht aus, wenn man einen Zahn gezogen bekommen hat.“

„Er muss scheinbar gerade erst vom Zahnarzt gekommen sein. Ganz schön mutig, dann gleich einen Anruf anzunehmen.“

„Und dann wird auch noch über ihn gelacht.“, bedauere ich nun unseren Installateur. Wie heißt es doch so schön?!: ‚Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen!’“

„Der Arme!“, sagen wir nach einer Weile fast gleichzeitig. Mitfühlend greift sich jeder von uns instinktiv an die Wange.

 

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3 Kommentare

  1. Liebe Astrid, herzlichen Wochenendgruß.
    Zahnweh möchte man nicht haben. Die Zange kann nur von einem groben Zahnarzt sein. Mein Zahnarzt ist sehr sanft bei der Behandlung.
    Habe Gott sei Dank keine Probleme.
    Alles Gute, tschüssi Brigitte.

  2. Hallo liebe Astrid,
    ich kann mich erinnern, als sich meine Tochter vor etlichen Jahren alle vier Weisheitszähne auf einmal ziehen ließ. Sie sah aus wie ein Hamster (ein goldiger 🙂 ).

    Hab ein schönes Wochenende
    Liebe Grüße
    Traudi

  3. jaa..
    die Zähne..
    sie tun weh wenn sie kommen
    und auch wenn sie gehen 😉
    gut wenn man sich trotzdem verständlich machen kann 😉

    liebe Grüße
    Rosi

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