Weihnachten & Ostern
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Weihnachtsmann Willi

Willi, der Weihnachtsmann stapft durch den verschneiten Winterwald… 

Eigentlich sollte so die Geschichte beginnen, aber hier ist kein verschneiter Winterwald und auch Weihnachtsmann Willi kann ich nirgends entdecken. Irgendetwas stimmt hier nicht.

Der Kalender zeigt an, dass es Dezember ist und sogar der dritte Advent ist schon vorüber. Zu dieser Zeit sollte es schneien und auch der Weihnachtsmann müsste im Grunde genommen unermüdlich seine Arbeit verrichten. Aber wo ist er nur? Keiner hat ihn bisher gesehen. Irgendetwas muss wohl passiert sein. Das hat es noch nie gegeben und wenn er nicht bald auftaucht, wird Weihnachten wohl ausfallen müssen.
Die Kinder sollten in den warmen Stuben sitzen und fröhlich ihre Weihnachtslieder singen, aber auch sie merken, dass etwas anders ist als sonst. Eine große unerklärliche Traurigkeit hat sich im ganzen Land ausgebreitet.
„Ich glaube Weihnachten fällt dieses Jahr aus“, hört Micha seinen Onkel Ben sagen.
„Das glaube ich langsam auch“, antwortet Tante Gertrude. „Vermutlich hat er verschlafen, denn sonst hätte man doch schon einmal was von ihm gehört oder ihn gesehen.“
Was, der Weihnachtsmann soll verschlafen haben? Das kann doch gar nicht sein. Micha wundert sich sehr. Bisher hat er sich nie Gedanken gemacht, ob ein Weihnachtsmann überhaupt schläft. Aber Tante Gertrude wird es schon wissen und Micha fragt sie deshalb:
„Wann wacht er denn immer auf?“
„Normalerweise ist er am ersten Advent schon munter und beginnt seine Geschenke einzupacken und manchmal verteilt er auch schon ein paar davon. Man hört ihn dann, wenn er mit seinem Sack auf dem Rücken polternden Schrittes durch die Straßen marschiert und an den Türen klopft, um eingelassen zu werden. Aber dieses Jahr erzählen die Menschen im ganzen Land, dass er noch niemand aufgesucht hat.“
Tante Getrude macht ein nachdenkliches Gesicht und auch Onkel Ben legt die Stirn in tiefe Falten.
„Hat der Weihnachtsmann denn keinen Wecker?“, will Micha wissen.
„Eigentlich braucht er keinen. Er fällt nach Weihnachten in einen tiefen und wohlverdienten Schlaf“, erklärt Onkel Ben. „Und dann schläft er das ganze Frühjahr, den ganzen Sommer und den ganzen Herbst durch. Wenn dann die Tage wieder kürzer und die Nächte länger werden, dann fängt er langsam an wach zu werden.“
„Und dieses Jahr ist er nicht aufgewacht?“, erkundigt sich Micha.
Onkel Ben zuckt ratlos mit den Schultern und auch Tante Gertrude schaut sorgenvoll umher.
„Ist er vielleicht tot?“, fragt Micha mit tränenerstickter Stimme. „Die Schildkröte von Papa ist nicht mehr aus dem Winterschlaf aufgewacht, weil sie einfach gestorben ist.“
„Nein, nein!“, sagt Onkel Ben ganz bestimmt und Tante Gertrude fügt erklärend hinzu:
„Weihnachtsmänner sterben nicht. Aber wenn sie schon ziemlich alt sind und vom vielen Arbeiten müde geworden sind, dann kann es passieren, dass sie verschlafen. Und wenn sie vergessen haben einen Weihnachtsmannlehrling einzuarbeiten, dann muss in dem Jahr Weihnachten ausfallen.“
„Ist das schon einmal passiert?“
Micha wird es immer ängstlicher zumute.
„Ja, man erzählt sich, dass es ein einziges Mal vor vielen hunderten von Jahren vorgekommen ist. Seither aber niemals wieder“, weiß Tante Gertrude zu berichten.
„Aber, wo ist der Weihnachtsmann denn? Jemand muss ihn doch aufwecken oder einen Weihnachtsmannlehrling finden. Wollen wir ihn nicht suchen gehen?“
Micha ist total aufgeregt und will schon seinen Anorak vom Garderobenhaken nehmen, um nach draußen und auf die Suche zu gehen.
Nicht nur Micha und seine Familie suchen den schlafenden Weihnachtsmann. Nein, das ganze Land ist in Aufruhr und jeder, der laufen kann, ist auf der Suche. Weihnachten ohne den Weihnachtsmann ist undenkbar. Auch das Christkind braucht ihn, denn er ist immer eine große Hilfe für das Christkind. Doch, was soll man machen? Niemand weiß wo er stecken könnte. So herrscht auf der Erde, aber auch im himmlischen Weihnachtsland die helle Aufregung. Sowohl oben als auch unten schmiedet man Pläne, wie man ihn finden kann.
„Egal, wo er steckt“, sagt einer der Engel oben im Himmel, „ er muss erst einmal geweckt werden, dann ergibt sich alles von selbst.“
„Papa und Mama stellen sich immer einen Wecker, damit sie nicht verschlafen“, stellt Micha unten auf der Erde fest. „Wenn der Weihnachtsmann keinen Wecker hat, dann wacht er doch viel zu spät auf.“
„Der Junge hat recht“, meint der Pfarrer. „Wir müssen ihn wecken. Wozu haben wir eine neue Glocke gekauft?!“
Ja, das ist die Idee! Sie lassen einfach die Glocken läuten. Das kann man bis zum Nachbardorf hören. Und auch dort fangen die Glocken an zu läuten. Und im nächsten Dorf auch und in der Stadt gibt es sogar gleich zwei Kirchen, die ihre Glocken erklingen lassen. So kommt es, dass plötzlich im ganzen Land die Kirchenglocken läuten.
Das hören auch die Engel im Himmel und sie beginnen zu singen:
„Süßer die Glocken nie klingen, als zur Weihnachtszeit …“
Irgendwo auf einem Berg, im tiefen Wald, dort wo ihn niemals ein Mensch finden könnte, dringen die Glockenklänge und der Gesang der Engel an die Ohren des Weihnachtsmann Willi und kitzeln ihn wach. Verschlafen reckt er seine müden Glieder und öffnet langsam erst ein Auge und dann auch noch das zweite Auge. Es ist dunkel, nur der Mond steht am Himmel und die Sterne funkeln zu ihm hinunter. Sie funkeln so wunderschön wie sie es nur in der Weihnachtszeit tun. Der Weihnachtsmann schaut in diesen Sternenhimmel, hört die Glocken klingen und die Engelein singen und bekommt einen Riesenschreck.
„Ohje, ich habe verschlafen!“ Ich muss mich sputen! Die Menschen warten auf mich!“
Er lässt einen lauten Pfiff ertönen, um seine Rentiere zu rufen. Auch sie haben noch geschlafen, kommen aber jetzt gehorsam herbei. Schnell spannt er sie vor den Schlitten und entschwebt mit ihnen direkt ins himmlische Weihnachtsland, – in die Engelswerkstatt. Dort wartet man schon aufgeregt auf ihn und lädt sofort all die großen und kleinen Geschenke auf den Schlitten.
Weihnachtsmann Willi sitzt schon auf seinem Schlitten, doch bevor er den Rentieren das Kommando zum Loslaufen gibt, winkt er einen der Engel herbei und ernennt ihn zum Weihnachtsmannlehrling.
„Komm und spring auf! Dieses Jahr wirst du alles lernen, was ein Weihnachtsmann wissen muss. Nächstes Jahr übernimmst du meine Aufgaben und ich werde dich ein letztes Mal begleiten, dann bist du der Weihnachtsmann. Ich bin schon alt und müde. Diesmal ging noch einmal alles gut, Weihnachten wird pünktlich stattfinden. Aber der Zeitpunkt ist für mich gekommen, einem Jüngeren meinen Posten als Weihnachtsmann zu übertragen.“
Weihnachtsmann Willi nimmt die Zügel in die Hand, schnalzt mit der Zunge und ab geht die Fahrt durch den Sternenhimmel hinab zur Erde, wo die Menschen ihn sehnsuchtsvoll erwarten.
Auch Micha ist glücklich, denn Weihnachten ist gerettet. Fröhlich blickt er aus dem Fenster, während es draußen zu schneien begonnen hat.
Und wenn er ganz genau hinsieht, kann er ihn sehen:

Willi, der Weihnachtsmann stapft durch den verschneiten Winterwald…

 

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10 Kommentare

  1. Liebe Astrid, wieder so eine nette Geschichte.
    Wenn die 5. Kerze brennt, dann hast du Weihnachten verpennt. Das passt doch hierzu, lach.
    Glockenklang ist immer was himmlisches.
    deine Bärbel

    • Astrid Berg sagt

      Es stimmt, liebe Bärbel, dieser Spruch passt zur Geschichte. Fast wäre es dem Weihnachtsmann passiert, doch der Glockenklang in Verbindung mit dem Engelsgesang hat ihn doch noch rechtzeitig geweckt.
      Ich bedanke mich für Deinen Besuch auf meiner Seite und Deinen lieben Kommentar.
      LG
      Astrid

  2. Eva V. sagt

    Liebe Astrid, gut, dass er noch rechtzeitig aufwachte. In Deiner Geschichte gibt es auch rechtzeitig Schnee zu Weihnachten, was ich in diesem Jahr fur recht bezweifele. Liebe Grüße Eva

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Eva,
      da wären bestimmt viele Kinder traurig gewesen, wenn der Weihnachtsmann nicht rechtzeitig aufgewacht wäre. Das darf nicht sein!
      Den Schnee werden wir bestimmt noch bekommen, nur eben nicht an Weihnachten. Heute haben wir statt Schneefall nur Regen und es wird gar nicht hell.
      LG
      Astrid

  3. Du schreibst so schöne Kindergeschichten.
    Schnee zu Weihnachten wird wohl ein Traum bleiben, eher wachsen die Krokusse…

    LG Anna-Lena

    • Astrid Berg sagt

      Ja, auf den Schnee müssen wir diese Weihnachten wohl verzichten. Bei uns regnet es heute sogar.
      Danke für Dein großes Lob zu meiner Geschichte.
      LG
      Astrid

  4. Christine R. sagt

    Lebe Astrid,
    das ist eine sehr hübsche Weihnachtsgeschichte! Ich selber hätte zwar nichts dagegen, wenn der Weihnachtsmann mal verschlafen und Weihnachten damit ausfallen würde . aber ich fürchte, mit dieser Meinung stehe ich ganz allein! Naja – und die Kinder wären schon seeeehr enttäuscht. Viele Erwachsene aber auch!
    Für die meisten ist es also ein Glück, dass der Weihnachtsmann gerade noch rechtzeitig aufgewacht ist. Nur wird er in diesem Jahr wohl mit der Kutsche oder einem LKW anreisen müssen – Schnee ist ja weit und breit nicht in Sicht…
    Ich wünsche Dir und Deinen Lieben ein wunderschönes Weihnachtsfest und sende Dir liebe Grüße.
    Christine

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Christine,
      ja dieses Jahr muss der Weihnachtsmann die Kufen seines Schlittens gegen Räder austauschen. Hoffentlich ist nicht alles so verdreht, dass es weiße Ostern gibt.
      Ich bin zwar kein Kind mehr, aber ich wäre auch enttäuscht, wenn der Weihnachtsmann Weihnachten verpasst hätte. Naja, es ist ja noch einmal gut gegangen.
      Liebe Weihnachtsgrüße und ein frohes Fest
      Astrid

  5. Ja – das ist wohl eine oft gestellte Frage. Was macht der Weihnachtsmann, wenn Weihnachten vorbei ist? Wo wohnt er? Als Kind haben wir diese Fragen auch gestellt und meine Mutti erzählte auch immer, dass der Weihnachtsmann tief im Wald wohnt, im Sommer schläft, im Winter wieder aufwacht.
    Möge es auch dieses Weihnachten so sein, damit sich alle Kinder freuen können. Nur leider fehlt noch Schnee.
    Liebe Grüße von Kerstin.

    • Astrid Berg sagt

      Vielleicht kommt der Schnee dann im Neuen Jahr mit dem Osterhasen 😉
      Ich denke, alle Anzeichen sprechen momentan dafür, dass der Weihnachtsmann noch rechtzeitig aufgewacht ist. Welch ein Glück! 🙂
      LG
      Astrid

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