Dies & Das und sonst noch Was
Kommentare 17

Wenn es dem Esel zu wohl ist…

Ihr kennt sicherlich alle diesen Ausspruch: 

„Wenn es dem Esel zu wohl ist, dann geht er auf das Eis tanzen.“

Nein, heute kommen keine Redewendungen dran, sondern die nackte Wahrheit. Und dann will ich auch gleich weiterhin offen und ehrlich sein: Der Esel bin ich!
Ich hatte die Wahl: Fahre ich mit nach Berlin oder…? Ich habe mich für das ODER entschieden. Leider!
Der Tag vor fast zwei Wochen war schön, es ging mir gut und ich freute mich auf ein Päckchen, das die Postbotin an diesem Tag bringen würde.

Ich war echt glücklich, als ich sie auspackte. Inlineskater besitze ich schon lange, aber ich wollte wie früher mal wieder Rollschuhe haben, also mit 4 Rollen, jeweils 2 nebeneinander. Super!

1200px Rollschuhe JPG
Stimmt, super! Aber irgendwie waren dann doch die Rollen schneller als ich und so saß ich irgendwann auf meinem Allerwertesten.
„Super dämlich!“, dachte ich, bis ich auf einmal den Schmerz im ungeschützten Handgelenk verspürte.
Lange Rede, kurzer Sinn: Heute schreibe ich über den Gipsverband:

1200px Gipsverband JPG

Dieser wurde vor 134 Jahren, also 1851 von Antonius Mathijsen erfunden. Er war der Sohn eines Chirurgen und wurde dann wohl selbst auch Arzt, der später im Dienste der niederländischen Schiffsmarine stand. Bei der Verarztung der Soldaten musste er immer wieder als Chirurg Arm- und Beinbrüche behandeln, was ihn auf die Idee mit dem Gipsverband brachte. Dieser Verband hatte eine größere Belastbarkeit und damit auch Haltbarkeit als die bis dato üblichen Schienenverbände, die mit Ton und Lehm hergestellt wurden.
Laut meinen Internetrecherchen* hatte der belgische Militärarzt Louis Seutin bereits einen sogenannten Kleisterverband erprobt, der aus Schienen, Stärke und Leinenbinden bestand. Allerdings hatte er den Nachteil der zweitägigen Trocknungszeit. Der Verband aus Gips und Baumwolle von Mathijsen trocknete jedoch schneller. Ich konnte mich selbst überzeugen, wie schnell er trocknet. Allerdings braucht er zum Durchhärten ca. 24 Stunden, so wurde es mir von meinem Chirurgen berichtet.
Als Mathijsen dann ein Jahr später damit an die Öffentlichkeit ging, begann der Siegeszug des Gipsverbandes.
Der Vorteil und damit verbunden auch das Leidwesen dieses Verbandes für dessen Träger ist jedoch die Unbeweglichkeit und Starrheit. Nachteile des Gipsverbandes und der damit einhergehenden Ruhigstellung sind die Thrombosegefahr, die mögliche Versteifung des Gelenks, Abbau der Muskelmasse und eventuelle Beeinflussung der Durchblutung.
Der gut am Arm oder Bein haftende Gips ist schnell angelegt und wie ich in einigen Wochen merken werde, auch schnell wieder abgenommen. Heutzutage geht das Anlegen des Gipsverbandes noch schneller, da das Umwickeln der entsprechenden Gliedmaßen mit Gipsbinden relativ unkompliziert ist. Anschließend wird alles noch befeuchtet und fertig ist das chice Teil.
Während über ein Jahrhundert dieser Gipsverband die gängige Behandlungsart für Knochenbrüche war, wird diese konservative Methode heutzutage nur noch bei kurzzeitigen Fixationen wie z. B. bei Zerrungen, Prellungen unkomplizierten und nicht verschobenen Knochenbrüchen angewandt. Auch Sehnen- und Bänderrisse werden mit dem Gipsverband behandelt, der zur Schmerzlinderung und Ruhigstellung beiträgt. Meist entschließt man sich bei Frakturen für die operative Methode. Hierbei werden die Knochenteile mithilfe von Metallteilen fixiert.
Ich hoffe, dass mir eine Operation erspart bleibt. Laut meinem behandelnden Chirurgen darf ich mich in drei Wochen  auf einen gipslosen Arm freuen. Das kommt insgesamt einer Ruhigstellung mittels Gips von 5 Wochen gleich, da ich schon knappe 2 Wochen eine Gipsschiene hatte. Die war notwendig, da mein Arm ja in Folge des Bruches erst angeschwollen war und dann wieder abschwellen musste.  Leider war mein Chirurg ein sehr schlechter Verhandlungspartner, als ich bezüglich der Tragedauer meines Gipsverbandes einen Vorstoß wagte.
Zu sagen bleibt nur noch, dass dies der erste Gipsverband meines Lebens ist und ich hoffe, auch der letzte.
Ich habe außerdem Glück im Unglück, denn es betrifft mein linkes Handgelenk und ich bin Rechtshänder. Aber man kann es fast nicht glauben, wofür man alles die linke Hand benutzt. Das merkt man erst, wenn man sie nicht benutzen kann.
Als Erstes habe ich ausprobiert, ob ich noch meinen Laptop bedienen kann. Es klappt! Ich tippe inzwischen ganz fix mit dem Mittelfinger der rechten Hand und die Hochstelltaste kann ich einwandfrei mit dem Mittelfinger der linken Hand betätigen. Alles gut, alles super! Ich hoffe nur, dass ich das Zehnfingersystem nicht verlerne! Auf jeden Fall geht mein Blog ungehindert weiter.

1200px Tippen JPG
Außer Autofahren klappt alles! Und ansonsten muss ich mir jetzt eben von Peter oder von Timos Freundin die Fingernägel lackieren lassen. Meine gute Laune lasse ich mir jedenfalls nicht verderben. Ich bin ja selbst schuld und wie schon gesagt: „Wenn es dem Esel zu wohl ist, geht er auf das Eis tanzen“ oder er geht Skaten.

 

 

 

* vgl. auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Gipsverband (Stand: 15.4.15)

17 Kommentare

  1. Martina sagt

    Ach herrje, du Ärmste! Gut, dass du nicht mit der Sache haderst, denn alle ‚wenn‘ und ‚hätte‘ ändern jetzt nichts mehr. Hoffentlich hast du keine Schmerzen und wirst ihn bald wieder los, den ‚blöden‘ Gips, der natürlich echt wertvoll ist und kein bisschen blöd. Die Geschichte erinnerte mich an meine Schwiegermutter, die ‚im hohen Alter‘ – lach – plötzlich auf die Idee kam, Schlittschuhe zu laufen. (Konnte ich doch früher, verlernt man doch nicht!) Auch sie hat sich das Handgelenk gebrochen. Damals lebte ihre Mutter noch und wir bekamen alle einen Maulkorb verpasst: Erzählt ihr bloß nicht die Wahrheit! – Gute Besserung! Martina

    • Astrid Berg sagt

      Hallo Martina,
      schön, dass Du vor „im hohen Alter“ nicht noch das Wörtchen „auch“ gesetzt hast 🙂
      Danke für Deine guten Wünsche, zum Glück ich habe keine Schmerzen und mir geht es prima. Lieber habe ich jetzt diese Erfahrung gemacht, als im „hohen Alter“ 🙂
      Übrigens: Auch meine Mutter fragt mich andauernd, ob ich irgendwelche Schmerzen habe, – als Mutter macht man sich halt immer Sorgen um sein Kind, egal wie alt es ist.
      Ganz liebe Grüße
      Astrid

  2. Oh je, dann erst einmal Gute Besserung von meiner Seite. Keine Sorge, 10Fingerschreiben verlernt man nicht. Die nächste Anschaffung sind dann ja wohl ordentliche Gelenkschoner 😉
    LG Eva

    • Astrid Berg sagt

      Danke für Deine guten Wünsche.
      Übrigens Gelenkschützer habe ich ja, ich hatte sie nur nicht an. Wie das halt immer so ist … 🙂
      Außerdem: Mein Arzt meinte heute, dass ich ruhig probieren kann, ob es trotz Gips mit dem 10 Fingerschreiben funktioniert. Könnte gehen, aber der Gips ist ziemlich schwer, also behalte ich wahrscheinlich bis zum 15. Mai noch meine gewählte Methode bei.
      LG
      Astrid

  3. Hilfe! Sport ist Mord – ich war noch nie sportlich, hatte in der Schule immer eine 3 auf dem Zeugnis. Mir reichen meine Hunderunden und Rad fahren. Auf solche Abenteuer auf Rädern würde ich mich heut nicht mehr einlassen, dafür fühle ich mich zu alt und zu ungelenkig.
    Ich wünsche Dir, dass alles ganz schnell heilt und Du keine zu großen Schmerzen hast.
    Viele Abendgrüße von Kerstin – ich habe Dich auch in mein Blogroll aufgenommen, musste ich mal wieder aktualisieren.

    • Astrid Berg sagt

      Danke Kerstin für Deine guten Wünsche. Eigentlich bin ich ja auch der Meinung, dass Sport Mord ist. Ich werde es für die Zukunft auch beherzigen. Ich bin froh, dass es so ausgegangen ist, hätte ja auch schlimmer kommen können. Mein Chirurg meinte, dass Skaten zur Zeit dem Fußballspielen in Bezug auf Verletzungen den Rang abläuft.
      LG
      Astrid

  4. Oh weia, das tut mir leid, liebe Astrid,
    ich habe es auch versucht Inliner zu fahren. Aber nach den ersten unbeholfenen Versuchen habe ich es dann wieder aufgegeben. Schreiben kann man ja (etwas eigeschränkt) mit einer Hand, aber Klavier spielen oder Gitarre, das geht nicht und einen langen Ausfall kann ich mir gar nicht erlauben. Es siegte also die Vernunft und ich bin immer noch „unsportlich“.
    Alles Gute dir und liebe Grüße
    Regina

    • Astrid Berg sagt

      Danke Regina,
      ich denke mal, dass auch bei mir die Vernunft siegen wird. Die Unvernunft hat mir jetzt ja erst einmal bis zum 15. Mai einen Gipsarm beschert. Den Kindern hält man immer Predigten… man sollte sich vielleicht auch daran halten.
      Egal, schlechte Laune verleiht mir das jedenfalls nicht!!! Die Sonne scheint und das kann ich auch mit Gips genießen.
      LG
      Astrid

  5. Christine R. sagt

    Liebe Astrid,
    ich leide mit Dir … ich kenne das aus eigener Erfahrung. Ist zwar schon 9 Jahre her, aber da habe ich alte Eselin mich tatsächlich aufs Eis gewagt – auf Schlittschuhen. Mit dem gleichen Ergebnis wie Du: Fraktur des linken Handgelenks. Und nicht nur das – ich habe gleich ganze Arbeit geleistet, hatte kaputte Sehnen und und und … Kurz und gut, mir ist die OP nicht erspart geblieben. Seitdem habe ich einen halben Baumarkt im Arm. Schrauben, Scharniere und solches Zeug. Als ich die Röntgenbilder gesehen habe, musste ich furchtbar lachen. Mein Arm sah aus wie ein zusammengeflickter Kleiderschrank …
    Aber er funktioniert wieder. Dank eines sehr engagierten und „gnadenlosen“ Physiotherapeuten.
    Meine Schlittschuhe hat mein Mann gleich am nächsten Tag in der Mülltonne entsorgt. Mit über 50 fällt man halt nicht mehr so fluffig wie mit 30 …
    Ich wünsche Dir gute Besserung – und behalte Deinen Humor. Du weißt ja – Humor ist, wenn man trotzdem lacht!
    Liebe Grüße
    Christine

    • Astrid Berg sagt

      Hallo Christine,
      da hat es Dich wohl schlimmer getroffen als mich. Ich bin gar nicht so schlimm gefallen, nur auf meinen Allerwertesten. Nur dumm, dass ich mich mit dem linken Handgelenk abgestützt habe. Aber meinen Humor habe ich nicht verloren, denn ich kann mir vorstellen, dass ich sicherlich ein Bild für die Götter abgegeben habe.
      LG
      AStrid

      • Christine R. sagt

        Ja, schlimmer als der Absturz selber ist das Gefühl – mein Gott, was werden die Leute jetzt denken… DAS kenbe ich nur zu gut!

  6. Natürlich bin ich eine mitfühlende Seele, aber das hält mich nicht vom Grinsen ab. Wie du sicher schon bemerkt hast, ich habe eine blühende Fantasie und sehe dich so vor mir, wie du voller Freude losfährst und dann Autsch!
    Siesht du deshalb habe ich jedem Sport abgeschworen, denn ich war und bin schon immer der geborene Angsthase.
    Am besten gefallen mir die roten Fingernägel, die einfach super zu dem blütweißen Gips passen. (schmunzeln)
    Ich wünsche dir auf alle Fälle gut Besserung und es ist schön, dass du trotzdem schreiben kannst und dein wunderbarer Humor nicht gelitten hat.
    Wünsche dir ein schönes Wochenende, LGLore

    • Astrid Berg sagt

      Ja Lore, auf meine lackierten Fingernägel möchte ich nicht verzichten. Ein bisschen Chic sollte doch sein 🙂
      Eigentlich bin ich ja auch ein Angsthase, seltsamerweise in diesem Fall jedoch nicht. Aber was soll es: Aus Erfahrung wird man klug, – hoffe ich zumindest 🙂
      Ich freue mich immer sehr über Deine netten Kommentare, denn die Art wie Du sie schreibst, ist sehr herzlich. Danke.
      LG
      Astrid

  7. Oh nein, das tut mir leid für Dich. Ich hoffe, die Schmerzen sind aushaltbar. Aber ich muss schon sagen: Schicke Rollschuhe!!! Die gefallen mir gut. Eine gute Mischung zwischen Nostalgie und Chic. Ich hatte als Kind auch welche und bin damit unsere Straße runtergebrettert. Fahren konnte man das nicht nennen. Fasziniert haben mich im Fernsehen die Rock’n Roll Tänzer auf Rollerskates. Das war in den 80ern mal echt angesagt. Hätte ich auch gern gekonnt. Aber alles kann man im Leben halt nicht erleben. Ich wünsch Dir gute Besserung!!! LG Tanja

    • Astrid Berg sagt

      Hallo Tanja,
      ich finde die Rollschuhe auch sehr schön, deshalb habe ich mich ja auch so gefreut. Leider waren die Rollen super schnell. Peter meinte, dass die Rollschuhe gefährlicher seien als Inliner, was ich mir nicht vorstellen konnte. Scheint aber so zu sein.
      Schmerzen habe ich keine, nur halt den Gips, ich hatte vorher noch nie einen Gips. Ist auch eine Erfahrung, – muss sich aber nicht wiederholen.
      Danke für Deine guten Wünsche
      LG
      Astrid

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.