Kurzgeschichten
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Die Erleuchtung

Frustriert sitze ich vor meinem Lap. Ich will eigentlich eine Geschichte schreiben. Heute Nacht, ich war kurz vor dem Einschlafen, da war sie klar und deutlich. Ich hatte sie sogar schon richtig ausformuliert, – Wort für Wort. Allerdings fand dies nur in meinem Kopf statt und anscheinend schlief ich darüber ein. 

„Was ist denn mit dir los?“, fragt mein Mann, der mich mit hängendem Kopf vor dem leeren Bildschirm sitzen sieht.

„Es ist weg. Einfach nicht mehr da.“

„Oh je, ist dein Laptop abgestürzt?“, erkundigt er sich mitfühlend.

„Nö“, antworte ich. „Der funktioniert ganz prima. Aber mein Hirn lässt mich gerade im Stich.“

Misstrauisch beäugt er mich. „Hast du Kopfschmerzen?“

„Die könnte ich bekommen, wenn mir nicht sofort die Geschichte wieder einfällt, die ich mir vor dem Einschlafen überlegt habe. Sie ist einfach weg, so als wäre sie nie da gewesen.“

„Ach, da fällt dir schon wieder was ein. Wenn es nicht die Geschichte ist, dann ist es eben eine andere. Du machst das schon.“ Nach einer Weile fügt er hinzu:

„Ich muss jetzt mal in die Garage und dort ein bisschen aufräumen“, sagt er und ist auch schon verschwunden. Ich sitze wieder allein vor meinem Laptop. So langsam kommen in meinem Kopf Bruchstücke der Erinnerung hoch.

„War da nicht was mit einer Lampe?“, frage ich mich insgeheim und tippe auf meiner Tastatur herum:
‚Neulich in einem Cafe. Sie hatten Pendelleuchten über den Tisch gehängt…Das wäre an sich ja auch kein Problem gewesen, aber bedingt durch die Abstandsregeln in der Coronazeit hatten sie einzelne Tische entfernt und die anderen ein wenig verrückt. Es kam, was kommen musste…’

„Nein“, sage ich laut zu mir. „So geht das nicht und so hatte ich es mir heute Nacht vor dem Einschlafen auch nicht gedacht. Da war doch noch irgendeine Pointe!? Verflixt! Das wird heute nichts mehr.“

Total enttäuscht klappe ich meinen Laptop zu und will die ganze Sache einfach vertagen, da wird die Tür aufgerissen und mein Mann kommt herein. Er hält sich die Hand an den Kopf und stöhnt leise auf.

„Hast du mal eine Kopfschmerztablette für mich?“, fragt er sichtlich genervt. „Es ist jetzt schon zum gefühlten 50sten Mal passiert…“

Ich runzele die Stirn, denn mir erschließt sich nicht ganz worum es geht, öffne aber unseren kleinen Notfallsmedizinschrank, der hinter der Küchentür hängt.
Trotz Kopfschmerzen ist meine bessere Hälfte sehr redselig. Während ich ihm ein Glas Wasser und die gewünschte Schmerztablette reiche, klagt er mir sein ganzes Leid:

„Mir brummt total der Schädel. Kannst du dich noch an die kleinen Pendelleuchten neulich im Kaffee erinnern? Obwohl sie eigentlich nicht zu übersehen waren, habe ich mir bestimmt mindestens 4mal den Kopf gestoßen…“

Ich muss schmunzeln, sage aber nichts.

„… die waren aber noch harmlos im Gegensatz zu den Petromaxlampen in der Garage… das tut echt weh.“

Jetzt kann ich mir es nicht verkneifen zu erwähnen: 

„Die hast du aber selber aufgehängt und solltest daher auch wissen, wo sie hängen.“

„Normal schon…, aber wenn man so in seine Arbeit vertieft ist… Bestimmt habe ich schon tausend Beulen am Kopf… Schau doch mal nach!“

Ich kann meinen Mann allerdings beruhigen. 

„Keine einzige Beule…, du hast eben einen Dickschädel,…vielleicht solltest du die Petromaxlampen dahingehend mal untersuchen!“ grinse ich.

„Sag mal?“, will er nun wissen. „Ist dieses Grinsen in deinem Gesicht etwa Schadenfreude?“

„Nein, nein!“, beteuere ich ganz schnell und klappe meinen Laptop wieder auf. „So etwas käme mir doch nicht in den Sinn. Ich dachte nur: So hatten wir jetzt gerade beide unsere ganz eigene Erleuchtung.“

 

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13 Kommentare

  1. hihi
    ich muss sagen..entweder träume ich nicht oder ich erinnere mich nicht
    aber wenn dann war es meist wirres Zeug..
    allerdings habe ich am Tag oft Gedanken im Kopf
    und wenn ich sie aufschreiben will sind sie weg 😉
    vielleicht sollte man dann ein Diktiergerät haben und gleich speichern ..

    liebe Grüße
    Rosi

    • Astrid Berg sagt

      Ich habe manchmal auch das Gefühl, dass ich nur selten träume. Anscheinend aber doch, denn mein Mann erzählt mir oft, dass ich seltsame Laute von mir gebe.
      LG
      Astrid

  2. Liebe Asttrid,
    ja, da war sie, die Pointe 😂…
    Mir geht es vor allem mit Träumen so, die ich beim Erwachen in der Nacht noch klar und deutlich vor mir sehe, und am nächsten Morgen sind sie verschwunden. Mein Mann erzählt mir an fast jedem Morgen seine wirklich umwerfend phantasievollen Träume, aber bei mir herrscht nur noch gähnende Leere. Wenn ich spätabends im Bett noch irgendwelche Ideen habe oder mir etwas für den nächsten Tag vornehme, stehe ich mittlerweile auf und notiere mir diese Einfälle, denn ich kann meistens nicht einschlafen, wenn ich sie mir krampfhaft zu merken versuche. Wir sollten uns wirklich Schreibzeug zum Bett legen!
    Herzliche Rostrosen-Novemberwochenend-Grüße
    Traude
    https://rostrose.blogspot.com/2020/11/herbstzeit-2020-und-ein-paar-gedanken.html

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Traude,
      auch ich kann mich recht selten noch an meine Träume erinnern. Das ist echt schade. Manchmal denke ich, dass ich fast nie träume, aber das kann wohl nicht sein.
      Ich wünsche Dir einen schönen Abend.
      Astrid

  3. O ja das kenne ich von mir auch mitten in der Nacht habe ich so was auch ob eine Geschichte oder ein Bild malen und dann beim aufstehen da war doch was und es kommt mir nicht mehr in den Sinn. Dieses Aha Erlebniss ist verschwunden, nur das Gefühl das war grossartig bleibt. Gnaz früher bin ich auf gesprungen und sass am Pc abe rheute mache ich es nicht mehr. Ich sage das soll nicht sein*zwinker* .
    Lieben Gruss Elke

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Elke,
      ein herzliches Willkommen auf meinem Blog.
      Ich finde es immer ärgerlich, wenn man es nachts im Kopf schon alles ausformuliert hat und am nächsten Morgen all die schönen Sätze weg sind😉. Aber mich deshalb nachts an den Laptop setzen, möchte ich auch nicht. Dann wäre für mich nämlich eindeutig die Nacht vorbei.
      LG
      Astrid

  4. Moin liebe Astrid,
    das kenne ich auch 😆
    Bei mir ist es meist wenn ich nachts wach werde und schwer wieder einschlafen kann. Dann grübel ich und gehe den morgigen Tagesablauf durch „was willst du alles machen“
    Und weil ich es mir nicht aufschreibe, denn wenn ich das Licht an mache kann ich erst recht nicht mehr einschlafen 😁 ist es beim aufstehen wieder weg.
    Aber dann grübel ich, es lässt mir keine Ruhe, aber meist fällt es mir wieder ein wenn ich nicht mehr daran denke.

    Hab einen schönen Sonntag.
    Liebe Grüße
    Biggi

  5. Liebe Astrid,
    morgens, noch bevor ich aufstehe, kommen mir die tollsten Ideen. Beispielsweise was ich heute in meinen Blog schreiben werde. Ich lege mir in Gedanken schon den Text zurecht. Aber wenn ich dann vor meinem PC sitze, ist fast alles weg.
    Auch mit meinen Ideen, was ich noch alles nähen möchte. Da hätte ich gleich Lust, aufzuspringen und zu beginnen.
    Ich weiß auch nicht. Irgendwie im Laufe des Tages hat dieser Eifer nachgelassen.

    Viele liebe Grüße
    Traudi

    • Astrid Berg sagt

      Vielleicht liegt das an der Entspannung. Krampfhaftes Grübeln bringt meistens nichts.
      Ich habe zwar immer Notizblock und Stift auf dem Nachttisch liegen, aber manchmal ist man dann doch vor dem Aufschreiben eingeschlafen.
      Auch verwerfe ich gar manche Idee während des Tages. Da scheinen wir ähnlich zu „ticken“. 😉
      LG und ein schönes Wochenende für Dich und Deine Familie.
      Astrid

  6. Da hattet ihr beide eure Erfahrung mit Lampen 🙂 Wenigstens kam noch die Erleuchtung 🙂
    Geht mir auch manchmal so. Nachts fällt mir was ein, tags ist es weg. Dann grübelt man und grübelt, bis es wieder einfällt. Eher hat man keine Ruhe.
    Liebe Grüße ins Wochenende von Kerstin.

    • Astrid Berg sagt

      Meist tritt die Erinnerung dann ein, wenn man aufhört darüber zu grübeln und an ganz andere Dinge denkt oder tut.
      Dann macht es ganz plötzlich „Klick“😀und man erinnert sich wieder.
      Ein schönes gemütliches Wochenende wünscht dir
      Astrid

    • Astrid Berg sagt

      Wahrscheinlich passiert dies genau im Übergang von der Wach- zur Schlafphase. 😊
      Ich wünsche Dir einen schönen restlichen Mittwoch.
      Astrid

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