Kurzgeschichten, Meine Plauderecke
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Badewannensinfonie

Es ist einer jener kalter Winterabende, an denen ich mir Badewasser einlasse. Ein paar Spritzer vom Schaumbad müssen auch noch hinein. „Warum eigentlich?“, frage ich mich.

„Na, weil es so schön duftet, aber vor allem, weil es, wie der Name schon verrät, so wunderschön schäumt. Als Kind hat man sich damit schnell mal einen weißen langen Nikolausbart gezaubert oder sich eine weiße Schaumperücke aufgesetzt“, denke ich so vor mich hin und muss lächeln.

Auf einmal sind sie alle wieder da. Die Badewannen meines Lebens. Natürlich nicht alle, aber diejenigen, die mich in meinen unterschiedlichen Lebensphasen begleitet haben. Es ist schon seltsam auf welche Gedanken man kommt, wenn man entspannt und vom Alltagsstress abschaltet.
Mein erstes Exemplar war ein rosa Plastikwännchen, das meine Mutter auf den Küchentisch oder einen Stuhl stellte und in dem ich mit viel Freude platschte. „Bestimmt war auch ein kleines Entchen oder ein Schiffchen mit im Wasser“, male ich mir gedanklich alles aus. „Nachher muss ich unbedingt in dem alten Fotoalbum nachsehen“, nehme ich mir vor. 
Ich erinnere mich an die Wanne im Badezimmer meines Opas. Nicht, weil sie besonders hübsch war, sondern weil in ihr auch meine langen Haare gewaschen wurden. Mit einem Waschlappen vor den Augen erwartete ich ängstlich den Wasserstrahl, der mir das Shampoo aus den Haaren spülen sollte. „Das war einfach nur schrecklich“, erinnere ich mich. „Bitte nimm das!“, hatte ich meine Mutter damals gebeten und ihr ein Kännchen von meinem Puppengeschirr gereicht, damit die Wassermenge, die über meinen Kopf lief, nicht so groß war. Aber ich merkte sofort, dass meine Mutter schummelte, denn in einem solch kleinen Kännchen konnte unmöglich derartig viel Wasser sein. 
„Auch Bazi hatte eine eigene Badewanne“, fällt mir da ein. Bazi war der Hund meines Opas und der wurde in einer Zinkwanne gebadet. „Soweit ich mich erinnere war er kein großer Fan von dieser Zeremonie“, sage ich im Stillen und lasse mein Kopfkino weiterlaufen.
„Die Wanne in meinem Elternhaus war ganz modern und ebenfalls wieder in einem zarten Rosa“, mache ich gedanklich jetzt einen Sprung. Samstags war bei uns Badetag und ich setzte mich immer in die leere Wanne. Erst dann ließ ich das Wasser zulaufen, weil ich nicht in das heiße Badewasser steigen wollte. „Und dann ging das Konzert los!“, kichere ich leise in mich hinein. Obwohl ich noch nie besonders gut singen konnte, schmetterte ich los. Anscheinend dachte ich, dass mich hier niemand hören würde. Aber mein Gesang schallte mit Sicherheit durch das ganze Haus und ich wundere mich noch heute, dass sich niemand beschwert hat. „Vielleicht hatte der Fernseher, der unten im Wohnzimmer lief, meinen Singsang übertönt oder meine Eltern überhörten einfach geflissentlich meine falschen Töne“, überlege ich.
In meiner Studentenbude gab es keine Badewanne, aber dafür dann in unserer ersten gemeinsamen Wohnung. Dort unterließ ich allerdings das Singen. 
„Ich wollte mich ja nicht vor meinem Peter blamieren, denn im Gegensatz zu mir, ist er musikalisch“, erinnere ich mich. 
Tja und in unserer nächsten Wohnung, kam dann wieder ein Plastikwännchen zum Einsatz. Nicht für uns, sondern für unser Baby. Dieses Wännchen hatte weder die Farbe rosa noch blau, es war einfach nur weiß  und befand sich auf einem Gestell, das auf unserer Badewanne aufgesetzt wurde. Das erste Mal badete meine Mutter unseren kleinen Sohn darin. „Weil ich zu feige war“, gestehe ich mir ein. „Ich traute mich nicht so recht und befürchtete, ich könne etwas falsch machen.“ 
„Bist du eingeschlafen?“, ruft mein Peter plötzlich zu mir hoch.
„Nein, nein!“ 
Ich lasse das Badewasser aus und denke, dass in unserer Eckbadewanne genügend Platz für mehrere Enkelkinder wäre. 
„Ich habe nur ein bisschen mit offenen Augen geträumt“, rufe ich meinem Mann zu und lausche dem gurgelnden Geräusch des ablaufenden Wassers.

 

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10 Kommentare

  1. Liebe Astrid,
    nicht lädt mehr zum Träumen und natürlich zum entspannen ein, wie ein feines Bad.
    Die Zeremonie des Wassereinlaufens etc. versetzt einen direkt in die eigene Vergangenheit.
    Als Kind hattest Du ja offensichtlich wirklich viel Spaß am Platschen!
    Liebe Grüße und ein angenehmes Wochenende,
    herzlichst moni

    • Astrid Berg sagt

      Es ist schade, dass ich mich an meine ersten Badefreuden nur noch mithilfe des Fotos erinnern kann. Allerdings bin ich mir fast sicher, dass das Wännchen noch irgendwo bei meiner Mutter auf dem Dachboden rumsteht. 😊
      LG
      Astrid

  2. wie entzüüüückend liebe Astrid, das liest sich – so toll“ wenns net kitschig wär, würde ich `s sogar herzerweichend nennen…dazu die alten Bilder!!!!! und ich höre immer wieder: schmeiss weg..schmeiss weg! ich denke gar nicht daran, denn es lassen sich solche wunderhübschen lebendigen geschichten hervorragend unterstreichen und untermalen, noch lebendiger werden, als sie so schon sind…
    ein Glück – jaha…dass es die alten Fotos noch bei einigen Bloggern und Menschen gibt die nicht NUR auf minimalistisch aus sind sondern auch an altem hängen und ihnen die Ehre geben.
    es muss einem natürlich etwas bedeuten! ist die Voraussetzung…
    ich danke dir für die lebendige Geschicht, auch , – wenn es etwas nervig ist jedesmal wenn ich kommentiere, die Adresse jedes Mal erneut ausfüllen zu müssen, andere Seiten “ merken sich dies…
    aber egal das ists mir wert…..Grüß dich, – der Schnee ist übrigens weg..lacht…..herzlichst angelface…

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Angelface,
      manchmal muss man etwas wegwerfen, aber alte Fotos sollte man immer behalten. Sie dokumentieren doch unser Leben, sind so etwas wie Zeitzeugen und erinnern an Dinge, an die man sich vielleicht ohne sie nicht erinnern würde oder könnte.
      Liebe Abendgrüße
      Astrid

  3. Liebe Astrid,
    deine Badewannenerinnerungen gefallen mir sehr, zumal ich selber eine begeisterte Badewannenliegerin bin 🙂 Auch von mir gibt es übrigens süße Badewannen-Babyfotos. Leider gab es in der Wohnung einer Eltern nur diese Babywanne, in die ich bald nicht mehr passte, und auch in meiner ersten kleinen Wohnung war nur eine Duschtasse. Aber ich nahm mir fest vor, eines Tages wieder eine Wanne zu haben. Als ich dann in die größere Wohnung meiner verstorbenen Oma umziehen konnte, baute ich die große Küche in Eigenregie so um, dass ein Badezimmer mit Wanne hineinpasste. (Davor hatte es nur ein WC mit Dusche gegeben.) Und auch hier im Haus gab es von Anfang an eine Wanne. Als es darum ging, unser Bad zu renovieren, dikutierten wir, ob eine Wann wirklich noch notwendig / zeitgemäß ist, aber letztendlich entschidden wir us doch wieder dafür. Es ist einfach herrlich entspannend. Und übrigens, wir haben zwei (Öko-) Quietscheentchen für die Wanne ;-))!
    Herzliche Rostrosengrüße nach meiner Blogpausen-Verlängerung ;-),
    Traude
    https://rostrose.blogspot.com/2020/01/blogpause-beendet-jetzt-aber-wirklich.html

    • Astrid Berg sagt

      Ein Bad in der Wanne ist herrlich entspannend und irgendwie immer etwas Besonderes. Daher haben wir zwei kleinere Badenzimmer mit Dusche und ein größeres Badezimmer mit einer Eckbadewanne die auch einen Duschbereich besitzt.
      Einen gemütlichen Abend wünscht Dir
      Astrid

  4. Da fällt mir gleich der „Badewannentango“ von Peter Alexander ein. 🙂
    Welch schöner Beitrag zu den verschiedenen Badewannen, liebe Astrid.
    Da muss ich gleich mal nachdenken, in welchen Badewannen ich schon entspannte Stunden verbracht habe.
    Viele liebe Grüße
    Traudi

    • Astrid Berg sagt

      Manchmal springt
      bei einem Foto das Kopfkino an und Erinnerungen werden aus dem hintersten Teil des Gedächtnisses wieder hervorgekramt 😀. Dinge, die man fast vergessen hatte, sind plötzlich wieder präsent.
      Liebe Abendgrüße sendet Dir
      Astrid

  5. Solche Erinnerungen haben sicher viele von uns liebe Astrid.
    Bei uns war früher freitags Badetag. Ich wollte immer als letzte baden, damit ich Zeit hatte zum Träumen. „Badusan“ hieß das Pulver, welches ins Wasser gestreut wurde und nach Tannennadeln duftete.
    Der Ofen wurde Stunden vorher angezeizt und mit der Hand konnte man fühlen, wie das Wasser warm wurde.
    Im letzten warmen Wasser wurde die schmutzige Arbeitswäsche vom Vater eingeweicht, bevor sie in die Waschmaschine kam. Da gab es noch Halbautomaten und eine Schleuder dazu.
    Auch heute noch liege ich gern im heißen Wasser, verteile den duftenden Schaum und träume vor mich hin 🙂
    Liebe Grüße von Kerstin.

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Kerstin,
      ich danke Dir für die schönen Erinnerungen, die Du auf diesem Wege mit uns teilst.
      Den typischen Duft von Badeschaum, der nach Tannennadeln riecht, habe ich auch noch in der Nase. Vielleicht ist das der Grund, warum ich andere Düfte bevorzuge 😉.
      Liebe Grüße
      Astrid

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