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Kleidersammlung

 

Heute möchte ich es einmal wagen
und sozusagen ein As im Ärmel haben.
Ob ich es kann aus dem Ärmel schütteln,
daran wage ich zu rütteln.

Alles unter einen Hut zu bringen,
wird mir dies in meinem Gedicht gelingen?
Es kann nicht mehr als in die Hose gehen,
so sag ich mir, ihr werdet es schon sehen.

Gut, ich gebe es ja schon zu,
ich bekomme Fracksausen im Nu.
Ich werde einfach darauf vertrauen,
dass mir niemand wird den Frack verhauen.

Auf die Socken mache ich mich,
zu betrachten unsere Sprache an sich.
Ihre Redewendungen sind hier zu nennen,
die wir wie aus der Westentasche kennen.

Nicht um Kopf und Kragen reden,
niemals jemand auf den Schlips zu treten,
nicht sein Mäntelchen hängen nach dem Wind,
so lernt es schon jedes Kind.

Niemand unter dem Pantoffel stehen will,
oder gar an Mutters Rockzipfel hängen will,
nicht aus den Puschen kippen oder sich ducken,
um nicht am Ende dumm aus der Wäsche zu gucken.

Sich in kein Korsett zwängen lassen,
etwas mit Samthandschuhen anfassen,
sich einfach nicht in die Hose machen,
auch keinen Fleck ins Hemd machen.

Weil in der Kasse kein Überschuss,
mancher den Gürtel enger schnallen muss.
Ein anderer greift tief in die Tasche hinein,
weil er ein Schürzenjäger will sein.

Pantoffelheld in Spendierhosen,
vielleicht ein Schürzenjäger mit roten Rosen,
eine Plaudertasche oder eine Schlafmütze,
Kleidung ist auch für Sprache nütze.

Dies ist ein alter Hut nur?
Geht ganz gewaltig über die Hutschnur?
Reißt niemand mehr von den Socken?
Unsere Sprache ist keineswegs trocken.

Unter die Haube kommen,
oder vielleicht eins auf den Hut bekommen,
jemand wie die eigene Westentasche kennen,
soll ich noch mehr Beispiele nennen?

Sprache kann lebendig sein,
man braucht keine Plaudertasche zu sein.
Doch jetzt möchte ich mich bequemen
und eine Mütze voll Schlaf nehmen.

 

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Anton

Im Garten meines Opas

 

Oma Schmidt braucht Hilfe

Oma Schmidt ist nun schon eine recht betagte Dame und sie wohnt im Erdgeschoss der Villa, in der auch Professor Konfusi mit seiner Frau lebt. Bestimmt erinnert Ihr Euch. Frau Konfusi schaut immer ein bisschen nach dem Rechten bei ihr und der Professor ist auch jederzeit gerne bereit ihr zu helfen. Abgesehen von ihrer Arthrose im Knie, ist die alte Dame noch recht fit, auch wenn ihr Knie bei jedem Schritt schmerzt.
Da gleich um die Ecke ein kleiner Supermarkt ist, kann sie auch ihre Einkäufe noch weitestgehend alleine erledigen. Es dauert eben alles ein bisschen länger und auf dem Weg zum Geschäft muss sie auch mehrmals stehen bleiben, um zu verschnaufen und ihrem Knie eine kleine Erholungspause zu gönnen. Aber sie möchte niemand zur Last fallen und so beißt sie die Zähne zusammen und marschiert auch heute los.
Draußen ist es kalt, aber trocken und nicht glatt. In ihrer neuen mit Fell gefütterten Jacke ist sie warm angezogen und auch ihre Winterstiefel schenken ihren Füßen eine wohlige Wärme. Sie zieht einen Einkaufstrolly hinter sich her, in den sie dann ihre Errungenschaften packen kann. Viel braucht sie ja nicht, aber einen Liter Milch will sie mitnehmen. Als sie vor dem Kühlregal steht, überlegt sie kurz, ob sie die Flasche oder den Tetrapack wählen soll.
„Ach, war das doch früher in meiner Kindheit so schön“, überlegt Oma Schmidt, „da hat man die Milch noch in der Milchkanne geholt. Außerdem gab es keinen Verschluss, mit dem man erst kämpfen musste, bevor man ein Glas Milch trinken konnte.“
Die alte Dame entscheidet sich dann zwei Liter Milch zu kaufen, einmal in der Flasche und einen Liter im Tetrapack.
Brot braucht sie noch und ein kleines Glas Gurken und ein Glas Marmelade, ein Päckchen Käse und Kaffee. Kurz vor der Kasse fällt ihr Blick auf ein Scherenset, bestehend aus einer großen Schere und zwei kleineren. Es ist ein Sonderangebot und obendrein kann man mit der größeren Schere angeblich auch noch den Drehverschluss von Wasserflaschen öffnen.
„Das ist echt praktisch und sieht auf den aufgedruckten Bildern kinderleicht aus“, denkt sie sich und greift sogleich danach, um es in ihren Einkaufswagen zu legen.
„Guten Tag, Frau Schmidt!“, grüßt die nette Verkäuferin an der Kasse, die Oma Schmidt schon seit vielen Jahren kennt. „Haben Sie gesehen, heute gibt es auch Salatgurken und Tomaten im Angebot.“
„Ach ja“, meint Oma Schmidt. „Auf einen leckeren Gurkensalat hätte ich schon Appetit. Ja, das mache ich mir heute.“
So marschiert Oma Schmidt mit ihren Einkäufen wieder nach Hause. Dort angekommen, trifft sie mit Marco zusammen, der ihr den Einkaufstrolly abnimmt und vor die Wohnungstür stellt.
„Danke Marco, früher haben mir die drei Stufen bis zu meiner Wohnung keine Probleme bereitet, aber inzwischen ist alles beschwerlich geworden.“
„Mach ich doch gerne! Tschüss, ich hab ganz viele Hausaufgaben auf und muss nachher noch zum Fußball!“, ruft der Junge ihr zu und stürmt die weiteren Treppenstufen hoch.
Jetzt will Oma Schmidt sich den Gurkensalat machen. Doch als sie die Salatgurke in die Hand nimmt, sieht sie, dass diese tatsächlich in eine Folie eingeschweißt ist. Sie zupft an dieser Ecke und an jener Ecke, aber die Folie umschließt die Gurke so fest, dass sie mit ihren alten zittrigen Fingern keine Chance hat diese zu entfernen. Verärgert legt sie die Gurke zur Seite und beschließt sich einen Pudding zu kochen. Sie stellt die Milchflasche vorsichtig auf den Tisch und versucht den Schraubverschluss zu öffnen.
„Ich hab überhaupt keine Kraft mehr“, ärgert sie sich nun über sich selbst. Aber zum Glück hat sie ja noch die Milch im Tetrapack.
„Da brauche ich nur die Lasche zu ziehen“, sagt sie zu sich selbst. „Verflixt!“, ruft sie aus, als sie die Lasche abreißt und die Milch auf dem Tisch verschüttet.
Aber immerhin kann sie sich jetzt einen Pudding kochen. Sogar ein bisschen Schlagsahne kann sie sich dazu machen, denn im Schrank hat sie noch einen kleinen Tetrapack mit Schlagsahne stehen. Diesen muss sie nur noch öffnen.
„Dafür kann ich jetzt eine meiner neuen Schere benutzen“, überlegt sie, greift in ihren Einkaufstrolly und zieht eine durchsichtige Plastikverpackung heraus. Die alte Dame dreht und wendet die Verpackung, kann aber nirgends eine Lasche zum Öffnen finden.
„Wie soll ich denn dieses Ding auf bekommen?“, fragt sie sich verwundert.

Genau in diesem Moment klingelt es an ihrer Haustür. Herr und Frau Konfusi stehen davor.
„Wir wollen gerade zum Metzger fahren und wollten nur fragen, ob wir Ihnen vielleicht Würstchen mitbringen sollen“, erkundigt sich Frau Konfusi.
„Gut, dass Sie kommen, ich bin gerade am Verzweifeln“, entgegnet Oma Schmidt ohne auf die Frage von Frau Konfusi einzugehen.
„Nur ruhig Blut! Was gibt es denn für ein Problem? Vielleicht können wir Ihnen ja helfen“, meint Professor Konfusi in seiner ruhigen Art.
„Ich werde noch verrückt mit diesen ganzen Verpackungen“, stöhnt Oma Schmidt. Alles ist immer irgendwie eingeschweißt oder man muss an einer Lasche ziehen, die zwar abreißt, aber trotzdem die Packung nicht öffnet oder durch den Ruck alles verschüttet geht. Sogar Salatgurken verpacken sie neuerdings in Plastik und man ist schon verhungert, bevor man diese überhaupt entfernen kann.“
Oma Schmidt ist mehr als nur verärgert, aber Herr und Frau Konfusi kommen nun in die Wohnung und können die alte Dame auch beruhigen. Nach und nach erzählt sie, womit sie sich gerade abquält.
„Das ist ja wohl ein Witz“, wundert sich Professor Konfusi als er die Plastikverpackung mit den Scheren in der Hand hält. „Man kauft Scheren, doch bevor man sie benutzen kann, muss man eine Schere haben, um sie aus der Verpackung zu bekommen. Wer hat sich denn so etwas einfallen lassen?“
„Alles ist neuerdings so verpackt, dass man erst eine Anleitung oder ein anderes Hilfsmittel braucht, um es zu öffnen. Und wenn man es dann doch irgendwie auf bekommt, hat man die Hälfte vom Inhalt verschüttet. Kann man die Verpackungen nicht so machen, dass jeder damit zurecht kommt? Auch alte Leute!“, schüttelt Oma Schmidt den Kopf und kramt in einer ihrer Schubladen. Zum Glück findet sie dort noch ihre alte Schere. Nachdem Professor Konfusi damit die Scherenverpackung zerschnitten hat, öffnet sie mit Hilfe einer neuen Schere den Schlagsahne-Tetrapack.
„Dankeschön“, freut sich Oma Schmidt. „Was würde ich nur ohne Sie machen?! Vielleicht könnten Sie mir noch das Marmeladen- und das Gurkenglas öffnen. Mir fehlt die Kraft dazu.“
„Nichts zu danken!“, sagt Professor Konfusi und dreht die beiden Gläser auf. „Aber sagen Sie, Oma Schmidt: Wenn Sie so leckere Schlagsahne machen, sollen wir nachher nicht Kuchen mitbringen?“
„Ach“, fällt der alten Dame ein. „Ich habe doch gestern einen Apfelstreuselkuchen gebacken. Ziehen Sie doch Ihre Jacken aus und nehmen Sie Platz. Wir trinken jetzt erst einmal ein Tässchen Kaffee und essen ein Stück Kuchen.“
„Das ist eine gute Idee!“, sagen Herr und Frau Konfusi fast wie aus einem Munde.
Frau Konfusi deckt den Tisch, Oma Schmidt schlägt die Sahne und holt den Kuchen. Erst als die beiden Frauen Platz nehmen, fällt ihnen auf, dass Professor Konfusi immer noch in der einen Ecke der Küche steht.
„Willst du dich denn nicht hinsetzen?“, fragt Frau Konfusi ihren Mann.
„Ja schon“, entgegnet er verzweifelt und zieht und zerrt an dem Reißverschluss seiner Jacke. „Ich komme nur nicht aus meiner Verpackung heraus.“

Diese Geschichte verlinke ich mit Traudes Aktion ANL: http://rostrose.blogspot.de

 

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Eiskalt

Professor Konfusi

Große Aufregung in der Villa

Tickt ihr noch richtig?

Es ist Samstagabend und wir wollen uns mit unseren Freunden Conny und Peter treffen. Wir gehen dorthin, wo es Gerümpel und Kostbarkeiten gibt, nämlich auf einen Flohmarkt. Zu dieser Jahreszeit ist es immer ein ganz besonderes Erlebnis, denn es handelt sich um einen Nachtflohmarkt, der in den Messehallen stattfindet.
„Bestimmt sind Frank und Regina auch da. Die beiden lieben solche Flohmärkte auch“, sage ich, ziehe meinen Mantel an und öffne auch schon die Haustür. Draußen hat es gerade begonnen zu schneien und glatt ist es obendrein, doch die Hauptstraßen sind zum Glück frei. Somit steht unserer Unternehmung nichts im Wege.
„Ich rufe gleich mal Conny an“, teile ich meinem Peter mit und zücke auch schon mein Handy.
„Macht Euch keinen Stress, wir fahren auch gerade erst los“, teilt mir diese mit. „Wir finden uns dann schon.“
So ist es auch. Kaum haben wir die große Halle betreten, teilen wir uns auf, gehen also sozusagen getrennte Wege. Schon nach wenigen Schritten kommt eine Frau auf mich zu.
„Hallo Astrid. Schön, dass ihr auch da seid.“
„Hallo Regina. Habt ihr schon etwas gefunden?“
„Ich noch nicht und Frank kauft hoffentlich auch nicht die ganzen Stände auf“, meint sie mit einem Zwinkern.
„Das hoffe ich von Peter auch“, pflichte ich ihr bei, danach läuft jeder für sich weiter. Wir wissen auch ohne Worte, dass wir schon bald in der einen Ecke der Halle zusammen sitzen werden und gegenseitig unsere erstandenen Kostbarkeiten bewundern werden. Das machen wir immer so.
Eine Reihe weiter treffe ich auf Peter und Conny. Wohlweißlich hat Peter schon einen Rucksack auf dem Rücken, in den er seine Fundstücke packen kann. Dieser sieht allerdings noch ziemlich leer aus, aber noch ist ja nicht aller Tage Abend, wie man so schön sagt.
Da sehen wir auch schon meinen Mann zwei Reihen weiter.
„Na, Peter scheint schon etwas ergattert zu haben“, grinst mir Conny’s Peter zu. „Er hat nämlich schon eine Tüte in der Hand.“
„Oh je!“, rufe ich aus. „Wir könnten doch schon selbst einen eigenen Flohmarkt veranstalten. Wenn ich die Sachen hier so betrachte, dann gibt es davon schon Einiges bei meiner Mutter und bei uns. Für mich habe ich das Jahr 2017 als persönliches Jahr des Ausmistens deklariert. Erst heute habe ich eine riesengroße Tüte mit Jacken und Westen aussortiert.“
„Von meinen Sachen aus dem Keller und der Garage wird nichts weggeworfen“, sagt mein Mann, der plötzlich neben uns auftaucht. „Kleidung kannst du von mir aus aussortieren, aber auf keinen Fall Werkzeug oder irgendwelche Ersatzteile.“
„Was hast du denn in deiner Tüte“, will ich wissen und schon hängen vier Köpfe über der geöffneten Tüte. „Ein Auto!“, rufe ich aus und verdrehe die Augen.
„Aber was für eins!“, klingt Conny’s Peter begeistert. „Ein Jaguar E – Baujahr 1961!“
„Seit wann spielst du mit Modellautos? Du sammelst doch richtige Oldtimer“, fragt Conny.
„Ich habe gerade viel, viel Geld gespart, weil ich den Jaguar nur als Modell gekauft habe. Außerdem kann irgendwann das Enkelchen damit spielen. Also habe ich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen“, erklärt mein Peter.
Unsere Wege trennen sich dann wieder und jeder stöbert durch die Reihen. Zuerst sitzen Regina, mein Peter und ich am Rande und betrachten das Treiben. Regina und ich haben dieses Mal nichts gefunden. Auch Frank gesellt sich zu uns, er hat allerdings einen Wecker mit zwei Glocken. Ich erzähle ihm gleich meine Erfahrungen aus meiner Studentenzeit mit einem solchen Wecker und empfehle ihm diesen am besten auf eine Glasplatte zu stellen.
„Dann sitzt du hundertprozentig senkrecht im Bett, wenn er läutet“, grinse ich.
„Was liegt denn hier alles rum?“, wollen Conny und Peter wissen, die jetzt hinzu kommen. Interessiert betrachten sie unseren Nachbartisch.
„Das sind meine Errungenschaften“, verkündet mein Mann ganz stolz.
Neben dem Jaguar liegen vier schöne, alte und gerahmte Grafiken, die irgendjemand vor langer Zeit per Hand erstellt hat.
Wir plaudern und lachen und freuen uns, dass wir wieder einmal einen schönen gemeinsamen Abend verleben, da meint Frank plötzlich:
„Ich muss noch an den einen Stand dort drüben gehen. Dort, wo es die vielen Uhren gibt. Die Frau wollte mir nämlich eine schenken.“
„Hast du wieder einmal deinen Charme spielen lassen?“, frage ich ihn.
„Ach, nein!“, wehrt er sofort ab. „Das Glas der Uhr ist kaputt und die Frau will alle Uhren loswerden, denn sie hat anscheinend ziemlich viele, auch zu Hause noch.“
Kurz darauf kommt Frank mit einer schönen und funktionsfähigen Uhr zurück, die man auf eine Anrichte stellen kann und erntet selbstverständlich unser aller Begeisterung.
„Und die hast du geschenkt bekommen?“, frage ich ungläubig.
„Ja, du siehst doch, das Glas ist kaputt. Die Frau verkauft sowieso alle Uhren nur für ein paar Euro.“
„Ich gehe da jetzt auch mal hin, denn ich habe dort vorhin ebenfalls eine schöne Uhr gesehen. Vielleicht ist sie ja noch da“, erklärt uns Conny und macht sich auf den Weg.

Sie kommt ein paar Minuten später zurück und hält eine etwas kleinere Version in der Hand. Sie soll ihren Platz im Flur des Hauses von Conny und Peter finden. Aber damit nicht genug! Conny’s Peter läuft schon begeistert in Richtung des Uhrenstandes und kommt tatsächlich mit noch einer weiteren Uhr der gleichen Art zurück. Nachdem sich Frank und Regina verabschiedet haben, erhebt sich auch noch mein Peter und richtet seine Schritte so aus, dass er ebenfalls an dem besagten Stand ankommt. Gefolgt von Conny’s Peter, der ihm den Weg weist, damit er den Uhrenstand auch ja nicht verfehlen kann.
„Ich ahne schon, was jetzt kommt“, sage ich zu Conny.
„Ich auch!“
Aber wir ahnen es nicht, denn meistens kommt es anders als man denkt. Auch in unserem Fall. Mein Peter erscheint mit einer noch größeren Uhr und Conny’s Peter hält strahlend ebenfalls noch eine weitere Uhr in der Hand. Insgesamt sind jetzt Peter und Conny stolze Besitzer von drei Uhren, bei uns beziffert es sich zum Glück nur auf eine einzige.
„Tickt ihr noch richtig?“, entfährt es mir und ich betrachte die beiden Männer mit ihren Errungenschaften etwas skeptisch.
„Ja, klar!“, erklärt Conny’s Peter trocken. „Die funktionieren alle noch!“

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Gerümpel und Kostbarkeiten

In die Jahre gekommen

Ach du liebe Zeit!

 

 

Karl und Pingy

Karl ist Tierpfleger. Er arbeitet in einem großen Zoo und kümmert sich um die Pinguine. Inzwischen ist er kurz vor der Rente, aber er kann sich ehrlich gesagt ein Leben ohne seine geliebten Pinguine nicht mehr vorstellen. Über vierzig Jahre kümmert er sich mittlerweile schon um diese niedlichen Tierchen. Mehrere Generationen dieser Tiere hat er inzwischen schon miterlebt, denn die Lebenserwartung der Kaiserpinguine beträgt gerade mal zwei Jahrzehnte, während die Zwergpinguine nur sechs Jahre zu erwarten haben.

Karl ist immer traurig, wenn einer dieser Pinguine über die Regenbogenbrücke geht, aber er ist überglücklich, wenn sich Nachwuchs eingestellt hat. Diese Tiere sind sein Ein und Alles. Geheiratet hat er nie.
„Sie sind meine Familie“, so pflegt er immer zu sagen.
Mit den Jahren hat er sogar die „Sprache“ der Pinguine verstehen gelernt. Oft sitzt er einfach nur bei ihnen und erzählt ihnen Geschichten. Die lieben Tierchen scharen sich dann um ihn, wie die Zuhörerschaft um einen Vortragenden. Er erzählt ihnen von seinem kleinen Häuschen am Waldrand, seinem Garten und den Tieren, die dort leben oder aus dem Wald zu ihm auf die Wiese kommen.
Die Pinguine lieben Karl, denn er ist gut zu ihnen. Sie laufen ihm nach und freuen sich, wenn er ihnen Futter bringt. Er darf sie sogar streicheln und manchmal schwimmt er mit ihnen um die Wette. Das ist dann natürlich eine große Attraktion in dem Zoo und die Zuschauer applaudieren kräftig. Der Zoodirektor lässt Karl gewähren, denn dieses Schauspiel ist inzwischen schon im ganzen Land bekannt.
„Karl und seine Pinguine bringen dem Zoo gute Besucherzahlen ein“, hat der Zoodirektor erst neulich in einem Zeitungsinterview gesagt.
Einer der jungen Pinguine hat es Karl besonders angetan. Es ist Pingy, ein kleiner vorwitziger Kerl. Er folgt Karl auf Schritt und Tritt und hat schon mehrmals versucht mit ihm am Feierabend durch die Tür zu schlüpfen. Doch Karl hat immer gut aufgepasst und so ist es Pingy noch nie gelungen mit Karl den Zoo am Abend zu verlassen.
Eines Tages im Winter erzählt Karl von seinem verschneiten Garten und dem zugefrorenen Teich, auf dem die Kinder aus dem Ort mit den Schlittschuhen ihre Runden drehen. Da erwacht in Pingy abermals die Sehnsucht die Welt außerhalb des Zoos kennenzulernen. Er schließt die Augen und beginnt einen Plan zu schmieden, wie ihm dies endlich gelingen könnte.
„Der Rucksack!“, so denkt er, „Das ist die Lösung!“
Er sieht Karls Rucksack in einer Ecke stehen und zu seiner Überraschung ist dieser ganz weit offen. Schnell schlüpft Pingy hinein und versteckt sich unter einem Schal und einer Mütze, die sich darin befinden. Es dauert eine halbe Ewigkeit bis der Rucksack endlich angehoben wird.
„Hoffentlich schaut Karl nicht hinein und entdeckt mich“, denkt der kleine Pinguin.
Seltsamerweise hat er sogar Glück, denn Karl schnappt sich nur den Rucksack und wirft ihn sich auf den Rücken.
„Das war aber nicht sanft“, hätte Pingy beinahe gerufen, doch er verkneift es sich schnell. Der kleine Pinguin wundert sich zwar, dass Karl weder Schal noch Mütze zu benötigen scheint, aber seine Aufregung lässt nicht zu, dass er daran noch weitere Gedanken verschwendet.
Karl verlässt mit raschen Schritten den Zoo und schwingt sich auf sein Moped. Er muss schnell nach Hause, um sich umzuziehen, denn am Abend will er zu seinem Kumpel Nils, der Pfleger im Eisbärengehege ist. Sie wollen gemeinsam mit Achim, der im Kassenhäuschen des Zoos arbeitet, eine Runde Skat spielen. Das tun sie jeden Mittwoch, seit nun fast dreißig Jahren.
Als Karl auf seinem Moped durch die Straßen düst, muss er gehörig aufpassen, denn es ist glatt. Die Nachrichten haben sogar Blitzeis gemeldet.
Karl wundert sich allerdings, dass ihm heute so viele Menschen freundlich zuwinken. Er ahnt nämlich nicht, dass aus seinem Rucksack ein kleiner Pinguin mit einer Mütze auf dem Kopf und einem Schal um den Hals heraus schaut.
Zu Hause angekommen, wirft er seinen Rucksack auf die Gartenbank, springt schnell ins Haus und unter die Dusche. So kann Pingy unbemerkt aus dem Rucksack schlüpfen und in den Garten marschieren. Er hat auch sogleich den Teich gefunden, der verlassen im Mondlicht vor ihm liegt. Und noch etwas liegt da. Ein Paar klitzekleine Schlittschuhe.
„Wie kommen die denn hierher?“, fragt Pingy und blinzelt hinauf zum Mond. „Ob mir die Schlittschuhe die kleine Mondfee geschickt hat?“
Der Mond scheint plötzlich noch ein bisschen heller zu leuchten, so als wolle er Pingys Frage mit einem strahlenden Lächeln beantworten.
Pingy schnallt sich schnell die Schlittschuhe an und dreht Runde um Runde auf dem kleinen Teich. Es ist herrlich und er jauchzt vor Vergnügen.
„Ist das Leben schön! Ich komme mir vor wie in einem Traum!“, ruft er immer wieder begeistert aus.
So fährt er bis ihn die Müdigkeit überfällt und plötzlich wie durch einen Zauber die Schlittschuhe unter seinen Füßen verschwunden sind. Mit letzter Kraft schafft er es noch in Karls Rucksack zu kriechen. Glücklich kuschelt er sich in den weichen Schal.
„Guten Morgen, liebe Pinguine!“, ruft Karl seinen geliebten Tieren zu, zieht seine Mütze über beide Ohren und wickelt seinen Schal noch einmal mehr um den Hals. „Es gibt Frühstück!“
Karl sieht den kleinen Pingy, der sich verschlafen die Augen reibt.
„Na Kleiner, hast du schön geträumt?“
„Oh ja, das habe ich“, antwortet Pingy.
In Gedanken fügt er jedoch noch die Frage hinzu:
„Oder war es vielleicht gar kein Traum? Aber schön war es auf alle Fälle.“

 

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Fräulein Langhals

Im Land der Affen

Vom Hundertsten ins Tausendste

Wir haben die Mütter wieder nach Hause gebracht und sind gerade alle in der Wohnung meiner Schwiegermutter. Alle, das sind mein Mann, meine Schwiegermutter, meine Mutter, ein Bekannter von uns und meine Wenigkeit.
„Ach, ist der aber süß!“, rufe ich entzückt aus und betrachte den kleinen Pinguin, den meine Schwiegermutter als Weihnachtsdekoration auf dem Tisch stehen hat. Ich nehme den drolligen Pinguin, der mit Schal und Mütze ganz winterlich bekleidet ist, stelle ihn auf den Sessel und zücke mein Handy, um ihn zu fotografieren.
„Willst du in deinem Blog eine Geschichte über den Pinguin schreiben?“, fragt mich Roland, unser Bekannter. „Vielleicht, – so nach dem Motto: Ein kleiner Pinguin bei Glatteis.“
Ich zucke mit den Schultern und sage: „Keine schlechte Idee. Apropos, Glatteis! Peter und ich waren in der elften oder zwölften Klasse, als es bei uns in der Stadt Blitzeis gab. Plötzlich waren die Straßen total vereist. Ich kann mich erinnern, dass manche sogar mit Schlittschuhen unterwegs waren. Ich glaube, wir Schüler durften schon früher aus der Schule nach Hause und ich habe gerade noch den letzten Bus nach S. erreicht, danach sind wegen des Glatteises keine Busse mehr gefahren. Peter hat sogar eine Schulkameradin, die mit der Bahn nach Hause musste, versucht mit seinem Moped zum Bahnhof zu fahren. Sie kamen allerdings nicht weit, dann lagen sie da. Nicht einmal, nicht zweimal, nein mehrmals! Die Schulkameradin zog es vor lieber vorsichtig den Weg zu Fuß zurückzulegen.“
Inzwischen ist Roland keineswegs mehr am Pinguin und auch nicht am Glatteis interessiert, sondern stellt mir nur die Frage:
„Peter hatte damals ein Moped?“
Gedankenverloren nicke ich, denn ich erinnere mich gerade in meinem Kopfkino, dass Peter damals mehrmals hingefallen ist. Die letzten Meter bis zu seinem Zuhause musste er sogar das umgekippte Moped den Berg nach oben ziehen, während er selbst auf dem Bauch lag. Doch ich werde aus meinen Gedanken gerissen, denn Rolands Neugier an Peters Moped ist geweckt.
„Von welcher Marke war denn Peters Moped?“
„Oh“, antworte ich etwas verstört. „Es war ein … Es fällt mir gerade nicht ein.“
Als ich Rolands enttäuschtes Gesicht sehe, rufe ich meinem Mann, der sich in einem anderen Zimmer befindet, quer durch die Wohnung zu:
„Welches Moped hattest du noch mal?“
„Ich hatte ein Yamaha- Moped!“, schallt es zurück.
„Wieviel ccm?“
„50 ccm! War aber frisiert! Lief schon ganz schön flott!“, kommt es aus der hintersten Ecke von Peter.
„Ach“, sagt Roland. „Ich wusste gar nicht, dass Yamaha Mopeds gebaut hat. Ich kann mich nur erinnern, dass man damals Herkules und Kreidler gefahren hat.“
Jetzt mische ich mich wieder ein, denn ich kann auch noch etwas zum Besten geben.
„Ich habe zwar kein Moped gefahren, aber ich habe zu meinem fünfzehnten Geburtstag damals ein Mofa bekommen. Es war eine Vespa.“
„Aha, eine Vespa!“, sagt Roland. „Eine italienische Marke.“
„Ja, das hatte sogar eine Fahrradfunktion.“
„Wie das?“
„Naja, wenn man zum Beispiel keinen Sprit mehr hatte, konnte man es wie ein Fahrrad tretend fortbewegen. Das war aber total schwer.“
Und schon wieder tauchen neue Bilder vor meinem geistigen Auge auf:
„Ich war damals mit ein paar Leuten aus der Clique beim Ludwigsbrünnchen zum Grillen in der dortigen Grillhütte. Ich weiß nicht, ob du das Ludwigsbrünnchen kennst?“, richte ich meine Frage an Roland, der allerdings den Kopf schüttelt.
„Macht nichts“, tröste ich ihn. „Ist oben im Hohen Vogelsberg. Auf jeden Fall ging mir abends bei der Rückfahrt der Sprit aus. Also musste ich diese sogenannte Fahrradfunktion nutzen, was mich erstens kaum voran und zweitens vollkommen außer Puste brachte.“
Da mir Roland schweigend zuhört, erzähle ich weiter:
„Einer aus der Clique ist dann neben mir her gefahren und hat mich mitgezogen. Streckenweise konnte ich mich auch rollen lassen, da wir ja auf dem Rückweg waren und es bergab ging.“
„Das war schon toll, die Zeit mit Moped und Mofa“, bestätigt nun auch Roland. „Man hat dadurch ein großes Stück Unabhängigkeit gewonnen. Bist du auch in die Schule mit dem Mofa gefahren?“, will er nun wissen.
„Ab und zu, aber mit dem Mofa waren die zu überbrückenden fünfzehn Kilometer ja eine halbe Tagesreise“, zwinkere ich ihm lachend zu. „Ich habe dann doch den Schulbus vorgezogen oder bin mit dem Auto gefahren.“
„Wohl aber erst mit 18 Jahren und mit Führerschein“, korrigiert mich Roland.
„Richtig, aber davor bin ich mit meinem Freund mitgefahren, der war nämlich zwei Jahre älter und hatte ein Auto.“
„Aha“, meint Roland, aber auf diesen Kommentar gehe ich jetzt nicht ein, denn ich will ganz andere Dinge erzählen. Meine Gedanken sind nun viele Jahrzehnte zurück gewandert. Ich sehe mich auf dem Mofa durch unsere Stadt düsen.
„Ich war das erste Mädchen aus der Clique, das ein Mofa hatte. Die anderen zogen dann aber nach, so dass wir drei Mädchen mit motorisiertem Untersatz waren. Es war schon eine schöne Zeit, an die ich auch gerne zurück denke. Damals hat man sich einfach auf das Mofa gesetzt und ist eine Runde durch die Stadt gefahren. Irgendwo und irgendwann hat man ganz sicher einen aus der Clique in der Stadt getroffen, z.B. vor der Eisdiele. Man hat sich hingestellt und ein bisschen miteinander gequatscht und siehe da, auf einmal sind auch noch andere aus der Clique dazu gekommen und im Nu waren wir vier oder fünf.“
„Ihr redet über die Mofa- und Mopedzeit?!“, stellt Peter fest, als er ins Wohnzimmer kommt.
„Ja und nein“, entgegnet Roland. „Eigentlich unterhalten wir uns gerade über diesen kleinen Pinguin hier.“
„Und was hat der mit meinem Yamaha-Moped zu tun?“, fragt Peter irritiert und dreht und wendet den eingemummten Pinguin hin und her.
„Das ist ein süßer Kerl, nicht wahr?!“, meint jetzt meine Schwiegermutter, die jetzt ebenfalls das Wohnzimmer betritt. „Als ich ihn in einem Geschäft gesehen habe, hat er mir gleich gefallen und ich habe ihn sofort gekauft.“
„Und der soll jetzt in einer deiner Geschichten mein Yamaha-Moped fahren?“, fragt mein Mann grinsend.
„Nein, ich glaube eher Schlittschuhe“, versucht Roland aufzuklären.
„Ihr seid früher oft Schlittschuhe gelaufen“, erzählt meine Mutter, die gerade aus der Küche kommt und nur noch die letzten Worte aufgeschnappt hat. „Sogar auf dem Stausee, bis es dann verboten wurde. Ich habe damals auch auf den Schlittschuhen gestanden. Später wurde dann ein extra Teich zum Schlittschuhfahren angelegt.“
„Na“, sage ich, „jetzt haben wir ja ein tolles Brainstorming gemacht, indem wir vom Hundertsten ins Tausendste gekommen sind. Mal sehen wann und welche Geschichte ich daraus mit dem Pinguin kreiere“, lache ich.

 

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Hallo, ich bin’s!

 

Ich war ein kleines süßes Würmchen.
Nicht das, mit dem Schirmchen auf dem Türmchen.
Nein, ich einst in einem saftigen Apfel saß,
den Mariechen in der Schule als Frühstück aß.

Doch oh Schreck, als sie mich plötzlich fand,
ich mich ganz schnell im Mülleimer wiederfand.
Ich kroch von oben nach unten und hin und her,
dort ich leck’re Sachen fand, die schmeckten sehr.

So wuchs ich heran und war kein Würmchen mehr,
war nun ein großer Wurm, der zog in der Welt umher.
Eines Tages ich kam an ein Regal hoch und breit.
Tausend Bücher standen drin, sah ich schon von weit’.

Eine große schwarze, runde Brille man mir schenkte.
Fortan sie meine Blicke auf alle Buchstaben lenkte.
Ich las mich durch jedes einzelne Buch und lernte viel,
denn schlau zu werden, das war mein absolutes Ziel.

Von Bücherregal zu Bücherregal ging ich auf die Reise.
Mit der Zeit wurde ich nicht nur schlau, sondern weise.
Alle mich nun nur noch den Bücherwurm nannten
und immer neue Bücher zum Lesen mir sandten.

Soll ich Euch heute was verraten, liebe Leute?
Es ist kein Geheimnis, Lesen macht richtig Freude.
Wer dies für sich erkennt, hat niemals Langeweile,
sondern liest immerzu und genießt Zeile für Zeile.

Komm auch du herbei und werde zum Bücherwurm,
denn Lesen macht Spaß bei Sonne, Regen oder Sturm.
Nimm doch einfach an diesen guten Rat von mir
und das Lesen wird eröffnen immer neue Welten dir.

Seite für Seite treibt es dich voran, ob spannend oder traurig,
manchmal interessant, lustig und beschwingt oder schaurig.
In diesem Sinne wünsche ich dir viel Lesevergnügen
und dem ist wahrlich nichts mehr hinzuzufügen.

 

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Jetzt geht’s erst richtig los

 

Wollen wir es mal ganz nüchtern betrachten,
vorbei, vorbei ist nun Weihnachten.
Tage zuvor die Hektik und das Gerenne,
Besinnlichkeit man darin nicht erkenne.

Noch schnell hat man dies und das besorgt,
dass man auch sei mit allem versorgt.
Zwei Tage ohne jegliche Einkaufsmöglichkeit,
in Angst und Schrecken versetzt diese Angelegenheit.

Hunger und Durst könnte in dieser Zeit plagen,
niemand soll über zu wenig Geschenke klagen.
Gerannt wird von einem zum anderen Ort
gekauft, geschleppt und verpackt in einem fort.

Die Werbung sagt: Nimm drei, zahl nur zwei,
schnell, sonst ist die Rabattaktion vorbei.
Nach Weihnachten gibt es nichts mehr,
ein jeder sich denkt,- so ungefähr.

Nun ist vorbei die schöne Weihnachtszeit
und der Handel hält neue Ware bereit.
Hier ein Sonderpreis, dort saftige Rabatte,
vom Computer bis hin zur Krawatte.

Onkel, Tante, Sohn und Tochter sich bekennt,
ihnen allen nicht gefällt das Präsent.
Drum gibt es allerorts die Information,
dass existiert eine große Umtauschaktion.

Und schon wieder ist sie um uns herum entfacht,
die berühmte nachweihnachtliche Schlacht.
Alle hetzen und rennen, um zurückzubringen,
umzutauschen und neue Sachen heimzubringen.

Jedermann sollte nun glauben und denken,
alle nun glücklich sind mit ihren Geschenken.
Niemand braucht mehr zu laufen
und alles Nötige und Unnötige kaufen.

Doch kaum ist die Umtauschaktion rum,
ist die Werbung gar nicht dumm.
Prospekte kommen direkt ins Haus geflogen,
bunt wie ein schöner großer Regenbogen.

Schlussverkauf, Prozente, alles muss raus,
wecken Wünsche wohl in jedem Haus.
Was man vorher nicht gebraucht,
ist nun als unbedingt notwendig aufgetaucht.

So wechselt ein Kaufrausch den anderen ab,
macht alle am Abend müde und schlapp.
So kann es einfach nicht mehr weitergehen,
das ist nicht schwer zu verstehen.

Doch bevor das Jahr geht zu Ende,
bevor das Kalenderblatt sich wendet,
das Neue gebührend begrüßt werden will
und das geht keineswegs leise und still.

Ein Feuerwerk soll erstrahlen am Himmelszelt,
damit es wunderbar erhellt unsere Welt.
Man kauft Raketen, Böller und Knaller auch
sie enden am Himmel in Schall und Rauch.

Welcher Kaufrausch soll nun der nächste sein?
Werden wir wieder einfach schlittern hinein?
Fasching, Ostern oder auch der Muttertag,
die Werbung wird uns sagen, was ein jeder mag.

Wir sehen und verstehen es sicherlich alle,
tappen dann doch in die Werbungsfalle.
Wahrlich: Jetzt geht’s erst richtig los,
denn das Angebot ist einfach grenzenlos.

 

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Ohje, das fängt ja gut an!

Mein drittes Weihnachtsfest

Ich wusste eigentlich, dass ich ein Foto besitze, das mich als kleines Kind vor dem Weihnachtsbaum zeigt. Was mir nicht mehr im Gedächtnis war, ist die Tatsache, dass darauf auch noch andere Dinge zu sehen sind. So habe ich mich riesig gefreut, als mir neulich dieses Foto in die Hände fiel. Ich dachte mir, ich muss es Euch unbedingt zeigen, denn es gibt Einiges dazu zu erzählen:

Wir, das sind meine Eltern und ich, wohnten damals am Rande der Stadt in unmittelbarer Nähe eines Sägewerkes. Wenn ich mich recht entsinne, gab es in diesem Gebiet nur wenige Häuser, aber viele Kinder. Eigentlich war es ein bisschen wie Bullerbü. Wir waren immer draußen oder steckten sonst irgendwie zusammen. Ringsherum waren große Wiesen und Felder. Im Sommer pflückten wir Blumen und im Winter spielten wir im Schnee. Soll ich Euch noch etwas verraten? Wir spielten manchmal sogar in dem großen Haufen Sägemehl. Das müsste doch eigentlich fürchterlich gejuckt haben, so denke ich jetzt.

Ich erinnere mich gerne an diese Zeit zurück. Ich hatte eine schöne Kindheit. Wegen der Entfernung und weil meine Mutter kein Auto hatte, weil mein Vater damit zur Arbeit nach Frankfurt fuhr, konnte ich leider keinen Kindergarten besuchen. Aber mir fehlte nichts, denn die Kinder waren ja da. Ich war zwar ein Einzelkind, aber von morgens bis abends mit Kindern zusammen. Was will man mehr?

Dort feierte ich also viele Jahre mit meinen Eltern Weihnachten. Das Foto stammt aus dem Jahre 1962. Ich war also genau zweieinhalb Jahre alt. Meinem Gesicht nach zu urteilen, hatte ich keinerlei Lust mich fotografieren zu lassen und brav sitzenzubleiben. Wahrscheinlich wollte ich mich viel lieber mit meinen neuen Spielsachen vergnügen.

Seht ihr die Tolle auf meinem Kopf und die Zöpfe. Das war damals eine ganz modische Frisur, mit der sich wohl heute kein Kind mehr nach draußen trauen würde. Da meine Mutter Faltenröcke liebt, trug ich selbstverständlich zum Fest einen Faltenrock mit einer weißen Strumpfhose. Die Farbe des Rockes weiß ich nicht mehr, aber dafür kann ich mich an die Geschenke erinnern. In der Hand halte ich ein dickes, fettes, rosa Plastiksparschwein, das mich viele, viele Jahre begleitet hat. In späteren Jahren muss es wohl einmal „operiert“ worden sein, denn es trug auf der Unterseite ein großes Pflaster. Unter dem Verband verbarg sich ein langer Schnitt. Warum wohl? Bestimmt könnt Ihr es erraten.

Vor mir liegt mein großer, dicker, fetter, gelber Teddy, den mir eine Tante meiner Mutter aus der „Ostzone“ (wie wir damals sagten) geschickt hatte. Er erhielt von mir den Namen „Chruschtschow“.  Diesen hatte ich bei meinen Eltern aufgeschnappt und er gefiel mir anscheinend. Stolz erzählte ich auch immer jedem, der es wissen wollte, den Namen meines Teddys. Dies hatte allerdings auch Erklärungen meiner Eltern zur Folge, wie sie mir später erzählten, da die fragenden Personen sehr verwundert schauten. Auf jeden Fall liebte ich diesen Teddy sehr und habe ihn später einmal sogar mit ATA ( Scheuerpulver) sauber geschrubbt, was zur Folge hatte, dass er tüchtig staubte.

In der Schachtel neben mir, befindet sich mein Puppengeschirr. Das Kännchen spielt in meiner Kindheit auch eine besondere Rolle. Ich liebte das Haarewaschen überhaupt nicht und schrie jedesmal um Hilfe, wenn das Wasser über meinen Kopf lief. So erklärte ich meiner Mutter, dass sie doch bitte das kleine Kännchen nehmen und damit das Wasser über meinen Kopf schütten solle, um das Shampoo auszuwaschen. Naja, da hat dann wohl meine Mutter ein wenig geschummelt, denn ich merkte schon, dass die Wassermenge kaum in dieses kleine Kännchen gepasst hätte. Aber sie beruhigte mich immer wieder.

Seht Ihr die Struwwelliese? Oh, wie oft habe ich mir dieses Buch vorlesen lassen! Und ich habe es heute noch. Es liegt gut verwahrt in einem Schrank auf dem Dachboden, wo sich die Bilder- und Kinderbücher unseres Sohnes befinden.

Neben der Schachtel steht ein Auto. Ja, ich hatte schon damals ein Auto. Ich glaube es war ein Ford (oder ein Opel?). Mein Vater war KFZ-Meister und das Töchterchen sollte auch ein Auto zum Spielen haben. Doch am liebsten spielte ich mit Puppen… Es sieht so aus, als hätte mir damals das Christkind auch noch ein typisches Mädchenspielzeug  gebracht, denn hinter mir schaut neugierig ein Püppchen hervor.

Und Möbel für meine Puppenstube scheinen auch noch dabei gewesen zu sein. Anscheinend war es das Schlafzimmer und die Kücheneinrichtung. Soweit ich mich erinnere hatte mein Puppenhaus auch nur zwei Zimmer, – Küche und Schlafzimmer. Und Dach hatte es auch keines. Naja es war eben kein luxuriöses Haus, aber es war vollkommen ausreichend. Es muss ja nicht immer gleich eine Villa sein.

Habt Ihr schon den für die damalige Zeit typischen Aschenbecher auf drei Beinen entdeckt? Den hat wohl mein Vater bekommen. Und meiner Mutter hat das Christkind vermutlich ein Küchengerät gebracht. Ich kann ganz klein den Namen „Krupps“ auf der Kiste erkennen, auf der ich sitze. Meine Mutter hatte einen Handmixer von Krupps, daran erinnere ich mich. Ob er in diesem Karton war? Ich sollte unbedingt mal nachfragen. Vielleicht weiß sie es noch.

Und noch etwas fällt mir auf: Das Lametta am Weihnachtsbaum. Wer hängt heutzutage noch Lametta an den Baum? Das war auch eine ganz schöne Arbeit, wenn man es ordentlich machen wollte. Später, als ich wusste, dass meine Eltern den Weihnachtsbaum schmückten und die Geschenke besorgten, durfte ich das Lametta an den Baum hängen. Ich habe Faden für Faden einzeln angehängt.

Und eine elektrische Lichterkette hatten wir schon damals, denn echte brennende Kerzen waren zu gefährlich. Ich glaube bei meinem Opa gab es sie aber noch. Und in der Anfangszeit, als ich gerade meinen Mann kennengelernt hatte, waren sowohl echte als auch elektrische Kerzen am Baum. Daneben stand immer ein Eimer mit Wasser.

Man sollte sich die alten Fotos tatsächlich ganz genau ansehen, denn man kann so viel darauf entdecken. Und das Erinnern macht großen Spaß. Ich hoffe auch Euch hat mein kleiner Ausflug in das Jahr 1962 gefallen.

 

Ich wünsche allen meinen Lesern ein  frohes und schönes Weihnachtsfest. Für das Jahr 2017 wünsche ich Euch alles Liebe und Gute und vor allen Dingen Gesundheit.

Ich bedanke mich für Eure Treue und die vielen lieben Kommentare. Ich freue mich auch weiterhin auf unsere gegenseitigen Besuche. Auch den vielen stillen Lesern sage ich ein herzliches Dankeschön.

Eure Astrid Berg

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Kindheitserinnerungen

Lilly, Milly und der freche Billy

An den Namen erkennt man ja schon, dass Lilly und Milly Mädchen sind. Zu ihnen gehört allerdings noch ihr Bruder Billy, der immerzu allerlei Flausen im Kopf hat. Die drei sind nicht nur Geschwister, sondern Drillinge. Seit Sommer besuchen die drei Kinder die erste Klasse der Grundschule. Lilly und Milly haben stets viel Spaß miteinander, denn sie gleichen sich nicht nur wie ein Ei dem anderen, was oftmals zu lustigen Verwechslungen führt, sondern sie verstehen sich auch prächtig. Billy hingegen ist ein kleiner Filou und ziemlich vorlaut und manchmal auch ein bisschen altklug. Er hat pausenlos irgendwelche Streiche im Kopf und seine Lieblingsbeschäftigung ist es, die beiden Mädchen zu ärgern. Deshalb wird er von allen immer nur „der freche Billy“ genannt.
„Wir wollen noch ein Weihnachtsgeschenk für unsere Eltern basteln und dafür müssen wir noch einmal kurz in den Dorfladen gehen, um ein bisschen Klebstoff, Farben und Glanzpapier zu besorgen. Kommst du mit? Du kannst doch mit uns basteln. Wir haben sogar schon eine prima Idee“, schlägt Lilly vor.
„Wir müssen uns auch beeilen, dass das Geschenk bis heute Abend fertig ist, denn immerhin ist heute schon Heiligabend. Weihnachten steht ja quasi schon vor der Tür, wie Mama heute beim Frühstück gesagt hat“, erklärt Milly.
„Pah, was juckt mich Weihnachten“, entgegnet Billy frech. „Und das Basteln ist nichts für mich, so was kommt überhaupt nicht in die Tüte. Vielleicht wenn Weihnachten und Ostern zusammenfallen, dann könnte ich mich dazu herablassen etwas zu basteln.“
„Du bist doof!“, ruft Milly verärgert. „Weihnachten und Ostern fallen nie zusammen.“
„Doch, doch!“, beteuert Billy ernst. „Am Sankt Nimmerleinstag ist das so!“
Die beiden Mädchen werden jetzt doch ein wenig unsicher und so fragt Milly vorsichtshalber noch einmal nach:
„Wann genau ist dieser Sankt Nimmerleinstag denn?“
„Schaut einfach mal im Kalender nach. Und wenn es dort nicht steht, dann steht es vielleicht in den Sternen“, antwortet der Bruder und grinst wie ein Honigkuchenpferd.
„Ach, du bist gemein, immerzu musst du uns veralbern!“ Milly ist ein bisschen beleidigt. „Deshalb bekommst du sicher dieses Jahr auch keine Geschenke vom Christkind.“
„Haha, das haut ja den stärksten Eskimo vom Schlitten. Ihr glaubt auch noch an das Christkind!“ Billy hält sich den Bauch vor Lachen. „Ihr seid wohl vom Baum der Dummheit gefallen! Hihi, vom Weihnachtsbaum, hihi!“ Billy fühlt sich richtig gut und freut sich wie ein Schneekönig, wenn sich die beiden Schwestern ärgern. Es macht ihm einfach riesigen Spaß die Mädchen zu verschaukeln.
Während die beiden Mädchen am Nachmittag basteln, die Mutter das Essen vorbereitet, ist der Vater verschwunden. Angeblich muss er dem Christkind behilflich sein, das die Geschenke nicht alleine schleppen kann.
„Da lachen ja die Hühner“, denkt sich Billy. Aber irgendwie ist er doch neugierig, was dort wohl hinter der verschlossenen Tür im Wohnzimmer so vor sich geht. Er schleicht sich schon mal an die Tür heran, doch die Mutter bemerkt ihn und sofort ruft sie ihm zu, dass er dort nichts zu suchen hat. Aber in einem unbemerkten Moment gelingt es ihm dann trotzdem ein wenig an der Tür zu lauschen. Seltsame Klänge dringen an sein Ohr. Ein Rascheln und ein leises Flüstern und ein ganz zartes Läuten von kleinen Glöckchen. Letztes Jahr hat Billy vor der Wohnzimmertür sogar ganz feine weiße Härchen gefunden, wie eine kleine Locke sahen sie aus.
„Das ist Engelshaar!“, hat der Vater damals gesagt. „Das hat wohl das Christkind verloren!“
„Ja, damals hab ich das auch noch geglaubt“, denkt Billy. „Aber jetzt bin ich doch schon ein großer Schuljunge und das ist doch alles Kinderkram, diese Sache mit dem Christkind!“, denkt sich Billy. „Ich will einmal durch das Schlüsselloch schauen, dann sehe ich ja, ob es ein Christkind gibt oder nicht.“
Vorsichtig hält er nach der Mutter und den Schwestern Ausschau, aber niemand ist zu sehen. Alle sind beschäftigt und befinden sich irgendwo im Haus.
„Jetzt kann ich die Gunst der Stunde nutzen und dann weiß ich es sicher, was es mit dem  Christkind auf sich hat.“
Billy drückt das rechte Auge zu und presst das linke Auge auf das Schlüsselloch.
„Ah!, entfährt es ihm vor Schreck.
Das, was er sieht erschreckt und überrascht ihn gleichzeitig. Eigentlich sieht er gar nichts und doch etwas. Er wird regelrecht geblendet. Ein großes Licht erstrahlt in dem Raum, aber es blendet, so dass er nichts als weißes Licht erkennt. Und seltsam, er verspürt einen leichten Hauch. Er hat das Gefühl, dass sich etwas direkt vor seinem Auge bewegt hat, allerdings ohne dass er es erkennen oder sehen kann. Ihm läuft es eiskalt den Rücken hinunter. Billy wendet sich geblendet und erschrocken von dem Schlüsselloch ab. Fast ehrfürchtig geht er einen großen Schritt rückwärts. Als er auf seinen Arm blickt, erkennt er, dass dieser überzogen ist mit einer Gänsehaut.
„War das das Christkind?“, durchfährt es ihn.
Der Vater hatte im vergangenen Jahr auf das Drängen der Kinder hin erzählt:
„Das Christkind ist ganz und gar von Licht umgeben.“
Billy ist durcheinander. Sollten Milly und Lilly mit ihrem Glauben an das Christkind doch Recht haben? Er hat sie vorhin ausgelacht, doch jetzt ist er unsicher geworden.
„Irgendetwas Geheimnisvolles geht da drinnen vor sich!“, denkt er gerade, als die Mutter mit Lilly und Milly die Treppe herunter kommt.
„Was machst du denn da?“, fragt Lilly fast erschrocken. „Du darfst nicht hinein schauen. Das ist streng verboten.“
„Du vertreibst doch das Christkind!“, ruft nun auch Milly aus.
„Komm mit in die Küche“, sagt die Mutter. „Wir machen uns eine heiße Schokolade und ich lese euch noch die Weihnachtsgeschichte vor. Das Christkind ist bestimmt bald fertig.“
„Billy bekommt sowieso nichts, weil er immer so gemein ist zu uns und außerdem glaubt er nicht an das Christkind“, erklärt Milly.
„Naja“, gibt Billy kleinlaut zu. „Ich hab’ es ja nicht so gemeint.“
„Was?“, will nun Lilly genau wissen. „Die Sache mit dem Ärgern oder die mit dem Christkind?“
Billy zuckt mit den Schultern und geht mit gesenktem Blick in die Küche. Irgendwie fühlt er sich nicht ganz so wohl in seiner Haut. So richtig kann er sich dann auch nicht auf die Geschichte konzentrieren.
Plötzlich ertönt ein intensives Glockenläuten aus dem Wohnzimmer und der Vater ruft:
„Schnell, schnell kommt herein! Vielleicht könnt ihr noch kurzen Blick auf das Christkind erhaschen. Es ist gerade hier zum Fenster hinaus. Seht ihr, dort am Himmel…? Schade, jetzt ist es weg!“
Billy betritt ganz vorsichtig und fast andächtig das Wohnzimmer, wo der geschmückte Weihnachtsbaum in einem strahlenden Glanz steht. Darunter liegen die eingepackten Geschenke. Doch diese erregen im Moment nicht Billys Aufmerksamkeit. Sein Blick heftet sich auf einen Punkt auf dem Fußboden, – genau auf eine Stelle vor seinem rechten Fuß. Dort liegt ein Büschel weißes Engelshaar. Billy bückt sich und hebt die Locke auf.
„Eine Locke vom Christkind!“, denkt er und steckt es schnell und heimlich in seine Hosentasche.

 

 

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Die Begegnung

Der große Tag

Vielleicht erinnert Ihr Euch noch an die kleine Schutzengelschülerin Felicita. Sie langweilte sich so sehr in der Schule und wollte doch so gerne ganz schnell ein richtiger Schutzengel sein. Deshalb bat sie den Mann im Mond um Hilfe und er konnte ihr sogar ein bisschen helfen. Doch in die Schule gehen, musste sie trotzdem noch – ein ganzes Jahr lang.

Inzwischen ist sie ein ganzes Stück gewachsen und hat alle Prüfungen in der Schutzengelschule mit Bravur bestanden. Heute nun ist es endlich soweit. Der große Tag ist da. Sie hat ihr schönstes Kleid angezogen, das lange weiße Kleid mit den goldenen Punkten und Bordüren. Ein goldener Reif ziert ihr Haar, das in langen blonden Locken bis zu ihren Schultern reicht. Felicita tritt aufgeregt von einem Fuß auf den anderen. Zuerst erhält sie ihr Schutzengelzeugnis und ein dickes Lob der Lehrerin:
„Du bist meine beste Schülerin und wer dich als Schutzengel bekommt, kann ganz beruhigt sein.“
„Dankeschön“, sagt Felicita und senkt bescheiden ihren Blick.
„Mit Freude überreiche ich dir heute nun auch den Engelsstab mit dem goldenen Stern an der Spitze“, sagt die Lehrerin in feierlichem Ton. „Jetzt bist du endlich ein richtiger Schutzengel und darfst einen Menschen auf der Erde beschützen. Denk daran, das ist keine leichte Aufgabe und manchmal muss man einen Menschen auch erst überzeugen, dass es uns Schutzengel gibt und er uns braucht.“
Felicita ist unendlich stolz und strahlt über das ganze Gesicht.
„Wissen Sie denn schon, wen ich beschützen soll?“, fragt sie die Lehrerin schüchtern.
„Nein, liebe Felicita, das weiß ich nicht. Oh, mir fällt gerade ein, dass ich euch noch das Wichtigste von allem mit auf den Weg geben muss“, gesteht die Lehrerin.
„Hört mal alle gut her!“, wendet sie sich an alle Schutzengelschüler, die heute ihr Abschlusszeugnis und ihren Engelsstab erhalten. „Eigentlich wird euch euer Schützling nicht zugeteilt, sondern ihr erwählt ihn selbst.“
Jetzt bricht Unruhe unter den Schülern aus.
„Wie soll das gehen?“
„Was müssen wir tun?“
„Wie finden wir diesen Menschen?“
„Müssen wir das ganz alleine tun?“
Alle fragen und rufen durcheinander und sind total aufgeregt. Wie konnte die Lehrerin dies nur vergessen? Oder durfte sie es erst jetzt verraten? Wahrscheinlich muss es solange ein Geheimnis bleiben, bis auch alle Prüfungen bestanden sind und jeder den Engelsstab erhalten hat. Die Engel überlegen hin und her und schließlich schauen sie die Lehrerin mit fragenden Augen an.
„Nacheinander darf jetzt jeder von euch durch das lange Fernrohr blicken und die Menschen solange beobachten, bis jeder einzelne Schutzengel seinen Schützling gefunden hat“, erklärt sie nun.
„Ich will zuerst!“
„Nein, ich bin zuerst an der Reihe!“
„Lass mich doch vor!“
„Halt! Halt“, ermahnt die Lehrerin ihre Absolventen. „Schaut auf euren Stern am Engelsstab. Erst wenn er leuchtet, dann darf der betreffende Engel an das Fernrohr heran treten und seine Auswahl treffen.“
Felicita steht ganz artig da und wartet geduldig ab, bis sie endlich an der Reihe ist und durch das Fernrohr zur Erde blicken darf. Doch dann reißt sie ihre blauen Augen ganz weit auf, damit ihr nichts entgeht und sie den Menschen findet, der nur sie braucht und für den sie bestimmt ist. Wenn sie diese Person sieht, dann wird sie sofort wissen: Hier ist jemand, der meine Hilfe braucht und den ich ein Leben lang beschützen werde.
Ihr Blick fällt in eine Konditorei.
„Oh, was gibt es hier leckere Sachen!“, denkt Felicita. „Aber ich darf mich nicht von meiner eigentlichen Aufgabe ablenken lassen. Ich muss mich gut konzentrieren, sonst kann ich meinen Schützling nicht finden und das wäre furchtbar.“
Ein kurzer Moment vergeht und dann ist es passiert.
„Da!“, ruft sie plötzlich aus. „Da ist der Mensch, den ich von nun an beschützen werde!“
Filicita stellt das Fernrohr etwas schärfer ein und jetzt kann sie alles ganz genau sehen. Sie sieht eine junge Frau und einen jungen Mann. Beide stehen vor der Kuchentheke und bewundern die leckeren Torten. Während der Mann sich für ein Stück Obsttorte mit Sahne und einen Milchkaffee entscheidet, wählt die junge Frau eine Portion von der Eierlikörtorte und einen Tee aus. Felicita sieht wie der Mann mit Kaffee und Kuchen an einem runden Tisch in der hinteren Ecke des kleinen Cafés Platz nimmt. Die Frau stellt ihren Kuchenteller auf ein Tablett und die Bedienung reicht ihr auch noch das gefüllte Teeglas auf einem Unterteller. Felicita hält die Luft an, denn die ganze Angelegenheit sieht etwas wackelig aus. Die Untertasse und das Teeglas gehören definitiv nicht zusammen. Schon bei den ersten Schritten der Frau beginnt das mit Tee gefüllte Glas verdächtig zu wackeln und zu wanken.
„Pass auf!“, ruft Felicita der jungen Frau zu, doch diese kann sie nicht hören. Auch hat diese anscheinend noch nicht bemerkt, dass das Glas immer mehr ins Wackeln gerät. Jetzt ist dringend Felicitas Hilfe gefragt. Aber was soll sie nur tun? Wenn das Glas umkippt, wird sich die Frau an dem kochenden Tee verbrühen. Blitzschnell denkt Felicita an all das, was sie in den vielen Jahren in der Schutzengelschule gelernt hat. Und jetzt weiß sie auch, was sie tun muss.
Schnell ist der kleine Schutzengel Felicita unsichtbar an der Seite der jungen Frau. Sie tippt ihr sachte mit dem Engelsstab auf die Schulter. Die junge Frau zuckt ein wenig, denn anscheinend hat sie etwas gespürt. Plötzlich fällt wie durch Zufall ihr Blick auf das Glas. Sie versucht es auszubalancieren, damit es nicht umkippt. Doch eigentlich ist es schon fast zu spät, denn das Wackeln des Glases steigert sich. Felicita muss noch etwas anderes unternehmen. Schnell blickt sie sich im Raum um. Der Freund der jungen Frau sitzt zu weit entfernt und hat von alledem nichts bemerkt. Aber einige Schritte weiter sieht Felicita einen älteren sympathischen Herrn an einem anderen Tisch sitzen. Diesen berührt der kleine Schutzengel ebenfalls mit dem Engelsstab, woraufhin dieser die junge Frau erblickt und die Gefahr erkennt. Felicita eilt zurück zu ihrem Schützling und dann geht auf einmal alles ganz schnell.
Die junge Frau gerät in Panik, da das Glas immer mehr ins Wanken gerät. Felicita dirigiert sie behutsam und unsichtbar in Richtung des älteren Herrn. Dieser erhebt sich spontan, während die junge Frau wie durch eine innere Eingebung schnurstracks auf ihn zuläuft. Der Herr eilt ihr mit ausgestreckten Armen zwei Schritte entgegen und ergreift geschickt mit beiden Händen das Teeglas.
Nicht nur die junge Frau atmet erleichtert auf, sondern auch Felicita, denn sie hat soeben ihre erste Bewährungsprobe bestanden. Nun kennt sie ihren Schützling, die junge Frau, an deren Seite sie nun als Schutzengel tätig sein darf. Sie wird ihr Bestes tun, um sie bei kleinen und großen Gefahren zu beschützen. Und manchmal wird die junge Frau einen unerklärlichen Hauch oder ein zartes unsichtbares Berühren verspüren. Das ist dann Felicita, die sie auf all ihren Wegen begleitet und beschützt.

Ich wünsche uns allen jederzeit und auf all unseren Wegen einen Schutzengel an unserer Seite.

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Auch Männer und Frauen sind manchmal …

Einige von Euch wissen ja, dass mein Mann Universitätsprofessor ist und zusätzlich im Rahmen eines Austauschprojektes einmal im Jahr an einer renommierten Universität in Bangkok unterrichtet. Das ist auch der Grund, warum wir die letzten drei Wochen wieder einmal in Bangkok und Abu Dhabi verbracht haben. Selbstverständlich habe ich Euch von dort auch wieder etwas mitgebracht. Heute ist es eine Geschichte über … Ach, ich will nicht zuviel verraten…
Das Wochenende haben wir am Golf von Thailand verbracht und fahren noch ein bisschen in der Gegend herum, bevor wir die Rückfahrt nach Bangkok antreten.
„Hast du nicht Lust irgendwo einen Kaffee zu trinken?“, frage ich als Teetrinkerin meinen Göttergatten. Allerdings liegt der wahre Grund meiner Frage in einem anderen Bedürfnis begründet. Na, ihr wisst schon, das Bedürfnis, das auch kleine und größere Prinzessinnen heimsucht.
Mein Mann, der immer für ein Tässchen Kaffee zu begeistern ist, springt auch sofort darauf an, scheint aber auch den wahren Anlass meiner Nachfrage zu vermuten.
„Na klar, wir gehen einfach da drüben in das Hotel, dort ist alles sauber und ordentlich.“
Während wir vor dem Hotel parken, fällt mein Blick auf ein Gebäude nebenan. Nicht das Gebäude selbst erweckt mein Interesse, sondern der Name der in großen Buchstaben darauf prangt: „Die Schokoladenfabrik“ (Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob es in deutscher oder englischer Sprache geschrieben stand) . Zielstrebig marschiere ich darauf zu, denn im Nu hat mich ein anderes Bedürfnis ereilt.
„Das ist ja interessant“, sage ich und studiere eingehend die aufgestellten Informationstafeln. „Lass uns mal reingehen!“
Da auch das Interesse meines Mannes geweckt ist, machen wir uns auf die Suche nach dem Eingang. Es stellt sich heraus, dass es ein Café ist, das wohl einer Schokoladenfabrik anderenorts angegliedert ist. Obwohl hier nur ein kleiner Teil der Köstlichkeiten produziert wird, kann man zusehen, wie Frauen hinter Glas Köstlichkeit aus Schokolade herstellen, beziehungsweise diese damit verzieren.
Hier scheint es im Moment alles zu geben, was mein Herz begehrt. Nach meinem Besuch auf den besagten Örtlichkeiten, lassen wir uns auf der Terrasse nieder, genießen den Ausblick auf das Meer und geben einer freundlichen jungen Dame unsere Bestellung bekannt. Beide erhalten wir unseren Göttertrank: Mein Mann seinen Kaffee und ich selbstverständlich eine Tasse heiße Schokolade. Ich will gerade meinen ersten Schluck nehmen und hebe meine Tasse hoch.
„Huch!“, sage ich und stelle die Tasse nochmals zurück auf die Untertasse. „Das ist ja echt toll!“
Und wieder hebe ich meine Tasse hoch. Bisher habe ich noch keinen einzigen Schluck getrunken, da ich von einer anderen Sache total fasziniert bin. Eigentlich ist es ein Nichts. Um genauer zu sein ein kreisrundes Loch. Dieses befindet sich auf meiner Untertasse.
Mein Peter schaut inzwischen auch interessiert auf meine Untertasse, die einen kreisrunden Ausschnitt in der Mitte hat, genau dort, wo man die Tasse abstellt. Er ahnt, welcher Wunsch in meinem Herzen entflammt ist.
„Wir können ja mal fragen, vielleicht verkaufen sie uns eine Tasse!“
„100 Baht!“, nickt die Bedienung, die allerdings sehr schlecht Englisch spricht und versteht.
„Dann nehmen wir sechs Stück!“, gibt mein Mann der jungen Dame zu verstehen.
Diese eilt davon und ein junger Mann erscheint an unserem Tisch, der jedoch unseren Wunsch zunichte macht. Anscheinend hatte die Bedienung das Getränk gemeint. Zum Glück können wir alles aufklären, denn sechs Tassen heiße Schokolade wären jetzt doch etwas zuviel für mich gewesen.
Als ich mein köstliches Getränk genossen habe, kann ich es nicht lassen, die leere Tasse umzudrehen und nach einer Aufschrift auf der Unterseite zu suchen. Hier werde ich auch fündig: „Indexlivingmall“ kann ich dort lesen, was mir aber jetzt noch nicht viel sagt. Aber das liebe gute Internet macht es ja möglich, uns immer und überall Auskunft einzuholen. Also erfrage ich die Zugangsdaten und schwuppdiwupp bin ich bei Tante Google.
„Schau mal“, sage ich zu meinem Mann. „Hier muss es irgendwo diese Mall geben. Bestimmt kann man die Tassen dort kaufen…“
„Wir fahren jetzt aber nicht hier rum und suchen diese Mall. Wir müssen eigentlich heute Abend schon wieder in Bangkok sein“, zerschmettert mein Göttergatte meinen schönen Traum.
Ob bewusst oder unbewusst, auf jeden Fall halte ich auf der Rückfahrt die Augen offen. Und glaubt es mir oder nicht, aber es ist noch keine halbe Stunde vergangen und ich rufe aus:
„Dort drüben ist die Mall!“
„Sollen wir umdrehen?“, erkundigt sich mein Peter bereitwillig und nachdem ich heftig mit dem Kopf nicke, ist auch schon der nächste U-Turn der unsere.
Ja, und so landen wir in der besagten Mall, wo ich auch sogleich zur Porzellanabteilung marschiere, – gefolgt von meinem Mann.
„Da stehen sie ja!“, freue ich mich und betrachte die Tassen, Teller, Milchkännchen, Zuckerdosen und Kannen.
„Wieviel brauchst du?“, fragt mein Mann.
„Mindestens vier sollte man schon haben und die Teekanne dazu auch noch.“
Kaum habe ich dies gesagt, steht auch schon ein Verkäufer vor uns. Während er alles in einem Karton verpackt, ändere ich meine Meinung:
„Sechs Stück sind aber besser!“
Also wird die betreffende Anzahl eingepackt und wir gehen zügig in Richtung Kasse.
„Wie sollen wir das alles heil nach Deutschland bekommen?“, beginne ich nun unser Unternehmen zu bezweifeln.
„Das kriegen wir schon hin!“, sagt mein Mann und verschiebt das Problem damit auf später.
Und wie das so ist, stehen kurz vor der Kasse noch bestimmte Verführungen. Mein Mann bleibt auch sogleich schlagartig stehen, während ich schon mit dem Geschirr zum Bezahlen gehe.
„Halt!“, ruft Peter plötzlich. „Der will auch noch mit!“
Als ich ihn etwas ungläubig anschaue, meint er nur: „Der hat mich mit seinen großen Augen so angeschaut, als wolle er sagen: Bitte, bitte nimm mich mit! Ja, und da konnte ich eben nicht widerstehen. Der kommt jetzt einfach auch noch mit.“
Wir verbringen noch eine ganze Weile auf dem Parkplatz, denn mein Mann nimmt plötzlich das grüne Stofftier aus der Plastiktüte und lässt es zu mir sprechen.
„Das ist aber lieb von euch, dass ich mit euch kommen darf. Ich bin auch immer ganz brav und ihr dürft mit mir kuscheln!“
Ich muss lachen und beim Anblick des keinen grünen Krokodils muss ich an den Krokodilshund von Frau Schlotterbeck ( „Räuber Hotzenplotz“) denken.
„Der ist echt süß“, sage ich und bin schon ein bisschen neidisch. „Gab es da noch mehrere?“
„Ja, da lagen noch einige rum!“
„Kannst du mir nicht auch noch einen holen?“, frage ich jetzt ganz spontan, denn der kleine grüne Kerl schaut mich so süß aus seinen schwarzen Knopfaugen an, dass ich förmlich dahin schmelze.
Als hätte mein Mann nur darauf gewartet, dreht er sich um und geht zurück in die Mall, um ein paar Minuten später mit einer riesigen Plastiktüte wieder zu erscheinen. Ich bin total perplex und frage entgeistert:
„Was hast du denn noch alles gekauft?“
Peter öffnet die Tüte, so dass ich einen Blick auf den Inhalt werfen kann. Ich kann gar nicht glauben, was ich da sehe! Noch einmal drei kleine grüne Krokodile.
„Für wen sind die denn?“
„Mal sehen! Irgendwann wird es ja auch mal Enkelkinder geben, hab ich mir so gedacht. Dann sind wir auf alle Fälle schon mal vorbereitet“, erklärt er mir lächelnd.
Auf der Rückfahrt nach Bangkok überlegen wir die ganze Zeit, welche Namen die Stofftiere bekommen sollen: Paul und Paulinchen haben wir die beiden getauft. Paul sitzt die ganze Fahrt über auf dem Schoß meines Mannes und Paulinchen bei mir.
Ja, so ist es eben:

Auch Männer und Frauen sind manchmal wie kleine Kinder.

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Same, same, but different (Teil 2)

Hallo Taxi

Babette und der Schneemann

 

 

Es drücken sich Tobi und Toni an der Scheibe die Nasen breit,
der Raum ist erfüllt von Jubel und Heiterkeit.
Sie singen im Chor gar laut: „Juhu, es schneit, es schneit!!!
Bald nun ist die liebe Weihnachtszeit.“

Mit Jacke, Schal und Mütze sie hinaus auf die Straße geh’n,
dort lassen sie sich die Flocken um die Nase weh’n.
Im Garten dann die Schneeballschlacht entfacht,
wie herrlich, welche Freude der Schnee doch macht.

Sie lachen und tanzen mit den Flocken um die Wette,
und landen vor der Haustür der alten Babette.
Geschreie und Gejohle erweckt diese aus ihrem Mittagsschlafe,
Ihr ahnt es schon, dies wird nicht bleiben ohne Strafe.

Tobi und Toni dicke Kugeln für einen Schneemann rollen,
Babette sich aus dem Bette erhebt mit Grollen.
Im Nachthemd sie durch die Wohnung schleicht,
verärgert über Lärm und Radau sie die Tür erreicht.

Ein Ende sie will diesem Toben nun schlagartig setzen
und den Hund auf die Störenfriede hetzen.
Tobi und Toni flüchten vor dem Gespenst im Hemd
und Waldi sie freudig verfolgt, weil er die Beiden kennt.

Babette schimpft und wettert hinter den Dreien her,
der Ärger plagt sie nun noch mehr.
Ein greller, lauter Pfiff ertönt aus ihrem Mund:
„Komm zurück, du dummer Hund!“

Tobi und Toni verstecken sich hinter einem Strauch,
warten ab bis Babettes Ärger ist verraucht.
Als erneut ein Schnarchen ertönt aus dem Haus,
sie schleichen leise aus ihrem Versteck heraus.

Sie haben eine Idee, zu besänftigen die alte Babette,
holen die Weihnachtskiste mit Kugeln und Kette.
So schmücken die beiden Kinder,
den Schneemann mit Schal und Zylinder.

Augen, Nase, Mund und fertig ist des Schneemanns Gesicht,
der hoffentlich Babette mit seinem Lächeln besticht.
Girlande und Glöckchen die Tür nun schmücken,
das muss doch auch Babette entzücken.

Tobi und Toni an der Türe die Klingel jetzt drücken
und sich hinter den Holzstapel verdrücken.
Babette erscheint, reißt die Arme zuerst in die Lüfte
und stemmt sie dann in die Hüfte.

Sie erblickt den Schneemann und den Weihnachtsschmuck,
dreht sich um mit einem Ruck.
In Babettes Gesicht kein Ärger mehr steht,
dieser ist auf einmal wie weggeweht.

Babette mit einem glücklichen Lächeln ruft jetzt aus:
„Kinder kommt aus dem Versteck heraus!
Ich habe Kuchen und heiße Schokolade,
auch Kekse mit feiner Marmelade!“

So nimmt der Kinder Entschuldigung Babette herzlich an,
sie auch nicht mehr böse sein kann.
Die Kinder aber sind mit Rücksicht auf Babettes Schlaf bedacht,
nicht zu stören diesen bei Tag und Nacht.

Zwischen Babette und den Buben eine Freundschaft entsteht,
die hoffentlich noch viele Jahre besteht.
Rücksicht und Freundlichkeit ist die Zauberformel dafür,
denn sie öffnen jede Herzenstür.

 

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*Das Beitragsbild habe ich in Bangkok in einem Supermarkt von einem Verkaufsstand abfotografiert. Der Künstler ist mir unbekannt.

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Vielleicht erinnert Ihr Euch noch an Weihnachtsmann Willi. Letztes Jahr hat der alte Weihnachtsmann doch tatsächlich verschlafen und es herrschte große Aufregung unter den Menschen auf der Erde, aber auch im Himmel bei den Engeln. Doch Willi konnte geweckt werden und alles ging gut aus. Er hat sogar einen Weihnachtsmannlehrling ernannt, der ihm ein wenig geholfen hat. Dieses Jahr soll dieser noch einmal mit Willi die Aufgaben eines Weihnachtsmannes erledigen und ab nächstem Jahr ist dieser Lehrling dann selbst der Weihnachtsmann.
Man sollte denken, dass jetzt alles in Ordnung sei und alles seinen geregelten Gang geht. Weit gefehlt, denn schon wieder ist im Himmel die größte Aufregung und alle Engel sind ratlos, was zu tun ist.
„Habt Ihr schon gehört?: Der Weihnachtsmannlehrling Rudi ist krank. Ihm geht es total schlecht“, sagt ein kleines Engelchen zu der restlichen Engelschar in der Himmelswerkstatt.
„Was hat er denn?“
„Wie können wir ihm helfen?“
„Ohje, er soll doch dem Weihnachtsmann helfen und ihn dann für die nächsten hundert Jahre ablösen.“
„Der Weihnachtsmann Willi schafft das nicht alleine und Weihnachten darf nicht ausfallen. Stellt Euch all die vielen traurigen Kinder vor, die schon sehnsüchtig auf den Weihnachtsmann warten!“
Alle reden plötzlich durcheinander und keiner weiß einen Rat, wie dieses schwerwiegende Problem zu lösen ist. Da meldet sich der kleine Engel wieder zu Wort:
„Rudis Bart ist schon ganz lang gewachsen, seine Engelsflügel sind verschwunden und er sieht auch sonst schon aus, wie ein richtiger Weihnachtsmann, aber er hat ganz starke Bauchweh. Er meint allerdings, dass er in drei Tagen bestimmt wieder fit ist und seine Arbeit machen kann.“
„Solange kann der Weihnachtsmann Willi aber nicht warten. Er schafft es sonst nicht die Geschenke zu allen Kindern zu bringen. Jetzt ist wirklich guter Rat teuer“, meint die Chefin der Himmelswerkstatt verzweifelt.
„Ich hätte da so eine Idee…“, mischt sich das kleine Engelchen wieder ein.
Alle Blicke richten sich auf diesen Engel.
„Ich könnte doch die drei Tage dem Weihnachtsmann helfen!“
„Du?“
„Du hast doch gar keine Ahnung und bist noch nicht einmal in die Lehre gegangen.“
„Du bist doch nur für das Binden der Geschenkbänder zuständig. Und jetzt willst Du dem Weihnachtsmann Willi helfen?“
„Nein, nein! Das ist keine gute Idee!“
„Wer traut sich denn diese schwierige Aufgabe zu?“, fragt die Chefin in die Runde.
Alle Engel senken ihre Blicke und schütteln den Kopf. Niemand traut es sich zu.
„Tja, dann muss wohl Weihnachten dieses Jahr doch ausfallen.“
Alle sehen ganz traurig aus, doch der kleine Engel meldet sich noch einmal zu Wort:
„Mir macht es wirklich nichts aus. Ich traue mich auch. Bitte, bitte, lasst mich doch dem Weihnachtsmann Willi helfen. Ich habe immer alles von hier oben beobachtet und weiß genau, was ich tun muss. Es ist doch nur für drei Tage und dann ist Rudi, der Weihnachtsmannlehrling bestimmt wieder fit. Bitte!“
„Na gut. Was bleibt uns denn sonst anderes übrig. Du bist zwar noch zu klein, aber besser ein kleiner Helfer, als gar kein Helfer“, sagt die Chefin der Himmelswerkstatt. „Wo bekomme ich nur so einen winzigen Weihnachtsmannanzug her, damit der kleine Kerl auf der Erde nicht friert?“, überlegt die Chefin weiter. „Ach ja, da gab es doch mal ein Püppchen, das einen solchen Anzug trug.“
Sie lässt diesen Anzug bringen, schneidet eigenhändig zwei Schlitze für die Engelsflügel hinein und reicht ihn dem winzigen Engel.
„Dann beeile Dich und wecke den Weihnachtsmann, sonst verschläft er auch dieses Jahr wieder. Er ist einfach schon zu alt und zu müde für diesen Job!“
Und so macht sich der Kleinste aller Engel auf den Weg zum Weihnachtsmann, der im Winterwald ganz versteckt hinter der dicken alten Eiche liegt. Sein Schnarchen ist so laut, dass sich die Äste des Eichenbaumes biegen. Zum Glück dämpft der Schnee die Schnarchgeräusche und verhindert damit, dass sie an das menschliche Ohr dringen.
„Hallo Weihnachtsmann Willi! Aufwachen! Es wird Zeit die Geschenke an die Kinder zu verteilen!“
„Was? Wie? Wo?“, fragt der Weihnachtsmann verwirrt und blickt den kleinen Engel an.
„Wer bist du denn?“, erkundigt er sich schlaftrunken und reibt sich die Augen.
„Dein Gehilfe!“
„Erzähl keinen Blödsinn oder bist du etwa der Weihnachtsmannlehrling Rudi? Dann sahst du aber letztes Jahr noch ganz anders aus. Vor allen Dingen warst du kein solcher Winzling. Und überhaupt, wo ist dein Bart und wieso hast du noch die Engelsflügel. Da kann doch etwas nicht stimmen.“
„Rudi ist krank. Deshalb soll ich ihn drei Tage oder so vertreten. Ich bin Klein-Herbert. Also, was soll ich zuerst machen?“
Willi, der Weihnachtsmann kratzt sich am Kopf und runzelt die Stirn. Er überlegt, was er mit diesem Winzling wohl anfangen kann, aber dann brummt er in seinen langen weißen Bart:
„Pack alle Geschenke auf den Schlitten, die die Engel bereits aus der Himmelswerkstatt herunter gebracht und dort hinten aufgestapelt haben! Ich spann schon mal die Renntiere vor den Schlitten!“
Klein-Herbert läuft so schnell los, um die Pakete zu holen, dass er gleich nach den ersten Schritten über seine eigenen Füße fällt, weil sein Weihnachtsmannanzug doch noch ein wenig zu groß ist. Bäuchlings landet er mit dem Gesicht im Schnee.
„Brrr!“, kichert er und wischt sich den Schnee aus dem Gesicht.
Weihnachtsmann Willi schüttelt den Kopf und denkt sich: „Das kann ja noch lustig werden mit diesem kleinen Kerl! Eine große Hilfe wird er wohl nicht sein!“
Nachdem sich Klein-Herbert aufgerappelt hat, schnappt er sich fröhlich das kleinste Päckchen. Es ist federleicht, deshalb wirft er es sogleich pfeifend in die Luft, um es wieder aufzufangen und wieder hochzuwerfen.
„Halt!“, ruft Weihnachtsmann Willi aus. „Was machst du denn da? Siehst du nicht den roten Punkt?“
„Wo? Ach ja, da!“, das Engelchen dreht das Paket hin und her und meint nur: „Ist wohl besonders eilig, oder?“
„Nein! Das bedeutet, dass man das Päckchen nicht werfen darf, weil etwas Zerbrechliches darin ist. Also pass gefälligst auf!“
Und wieder kann der Weihnachtsmann nur den Kopf schütteln über Klein-Herbert. Dieser versucht jetzt alles genau richtig zu machen und hält zuerst nach dem roten Punkt Ausschau, bevor er das nächste Päckchen in die Luft wirft.
„Hörst du jetzt bitte mit dem Unfug auf und konzentrierst dich auf deine Arbeit!“, ermahnt ihn Willi abermals.
„Entschuldigung, Entschuldigung! Soll nicht mehr vorkommen!“, beteuert das kleine tollpatschige Engelchen und versucht stöhnend, aber vergeblich ein riesiges Paket auf den Schlitten zu hieven. Das Gewicht drückt ihn dabei so tief in den Schnee, dass er bis zu den Schultern darin versinkt. Willi bleibt nichts anderes übrig, als ihm das Packet abzunehmen und den mit den Armen zappelnden Herbert aus dem Schnee zu ziehen.
„Pass mal auf, dort drüben sind kleine Säckchen mit Nüssen und Schokoladenweihnachtsmännern drin. Die sind nicht schwer, die schaffst du mit links“, schlägt Willi vor und in Gedanken schiebt er noch hinterher: „Wozu sonst könnte ich diesen kleinen Tollpatsch gebrauchen. Meine letzte Tour habe ich mir auch anders vorgestellt, – nicht so arbeitsintensiv für mich. Ich wollte sie richtig genießen und alles andere dem Weihnachtsmannlehrling überlassen.“
Klein Herbert läuft geschwind zu den Säckchen und nimmt sogleich zwei in jede Hand. Immer wieder rennt er hin und her und verrichtet seine Arbeit. Zufrieden lächelt Weihnachtsmann Willi in sich hinein, denn er glaubt nun die richtige Aufgabe für Klein-Herbert gefunden zu haben. Er selbst muss eben die schweren Pakete schleppen. Nachdem ihm von der harten Arbeit die Schweißtropfen auf der Stirn stehen und es verdächtig ruhig um ihn herum geworden ist, blickt er sich nach Klein-Herbert um. Diesen findet er schließlich in einer Ecke sitzend vor. Der Mund ist schokoladenverschmiert, seine Hand liegt auf seinem Bauch und seine Augen sind geschlossen.
„Ja, was ist denn hier los?“, ruft Willi entrüstet aus. „Du sollst die Schokolade doch nicht essen!“
„Schlagartig reißt Klein-Herbert die Augen auf und beginnt sich stotternd zu entschuldigen:
„Ich,.., ich hab doch nur… die waren alle schon ein bisschen kaputt…“ Und als er das fragende Gesicht von Willi sieht, fügt er mit gesenktem Blick noch hinzu: „…nachdem mir ein paar Säckchen runtergefallen sind.“
Weihnachtsmann Willi kann nicht anders, aber er muss sich ein Schmunzeln verkneifen.
„Komm her und setz dich hinten auf den Schlitten, unsere Fahrt geht los!“
Als sie dann so mit dem Schlitten dahingleiten und die Glöckchen der Rentiere klingeln, jauchzt Klein-Herbert vor Freude und ruft Willi zu:
„Darf ich hierbleiben, auch wenn der Weihnachtsmannlehrling Rudi keine Bauchschmerzen mehr hat und zu dir kommt? Das macht nämlich soooo viel Spaß mit dem Schlitten zu fahren!“
Weihnachtsmann Willi hat den kleinen Tollpatsch inzwischen schon so sehr ins Herz geschlossen, dass er ihm diese Bitte nicht verwehren kann.
„Wer weiß, vielleicht wächst Klein-Herbert ja noch ein bisschen und wird in hundert Jahren als Rudis Nachfolger ein fleißiger Weihnachtsmann“, denkt er schmunzelnd und schnalzt, damit die Rentiere ein bisschen schneller laufen.

 

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Was das Christkindlein bringt

Am Wochenende ist schon der 1. Advent. Kinder, wie die Zeit vergeht.

Ich denke, jetzt sollten doch auch bald alle Wunschzettel geschrieben sein. Vorletztes Jahr hatte ich Euch meinen Brief an das Christkind gezeigt, den ich einst  als Grundschülerin geschrieben habe. Jetzt habe ich in einem alten Schulheft von mir einen Text gefunden, den ich wohl 1968 in der 2. Klasse irgendwo abgeschrieben habe. Vielleicht stand er an der Schultafel, aber möglicherweise auch in unserem Schulbuch und vermutlich sollten wir ihn aus Übungszwecken abschreiben. Dies habe ich auch fein säuberlich gemacht, wie man sieht.

Es handelt sich um ein altes Weihnachtslied. Die Melodie stammt von Carl Reinecke (1824-1910). Und viele Jahrzehnte später hat Klein-Astrid dieses Lied abgeschrieben. Ist das nicht schön?!!!
Leider konnte ich nicht in Erfahrung bringen,  von wem der Liedtext stammt. Vielleicht weiß es jemand von Euch.

Waren das die Wünsche der Kinder zur damaligen Zeit? Haben sich die Wünsche verändert?

Na, ein Püppchen, eine Flöte, Legosteine und ein Buch habe auch ich mir als Kind gewünscht. Ich denke, auch im Zeitalter der Handys und Computer sollte es doch noch Kinder geben, die solche oder ähnliche Wünsche äußern.  Oder, was meint Ihr dazu?

Ich habe den Text damals weihnachtlich verziert, indem ich ihn mit Tannenzweigen, Kugeln und brennenden Kerzen umrandet habe. Schaut her, ich habe ihn für Euch mitgebracht:

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Ich wünsche Euch allen einen schönen und gemütlichen 1. Advent und schicke Euch meine liebsten und besten vorweihnachtlichen Grüße.

Astrid

 

 

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