Weihnachten & Ostern
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Felicita und der Mann im Mond

Der Mann im Mond sitzt gemütlich in seinem Schaukelstuhl und macht ein Nickerchen. Die Nacht war lange und er hat die ganze Nacht auf die Erde hinunter geschaut. Jetzt sind ihm die Augen zugefallen.

Ganz oben in der Schutzengelschule herrscht im gleichen Moment große Aufregung. Felicita ist nämlich nicht zur Schule gekommen. Die kleinen Engelchen, die noch viel lernen müssen, um richtige Schutzengel zu werden, suchen überall nach ihr. Aber sie können sie nirgends finden. Sie ist einfach spurlos verschwunden. Da kommt die Lehrerin auf eine Idee.
„Bestimmt ist sie auf der Himmelsleiter hinunter zum Mond gestiegen. Lasst uns mal zur Himmelsleiter laufen und hinunter schauen.“
Als sie dort ankommen, finden sie einen Brief. Er liegt direkt neben der Himmelsleiter.
„Macht Euch keine Sorgen“, steht darin. „Ich muss nur mal schnell zum Mann im Mond. Morgen bin ich wieder zurück!“
Jetzt sind die Lehrerin und die anderen Schutzengelschüler beruhigt, denn der Mann im Mond ist ein guter Freund von ihnen. Manchmal machen sie einen Klassenausflug zu ihm und dann erzählt er ihnen viele Geschichten. Er hat schon viel erlebt und gesehen, denn er blickt jede Nacht nach unten auf die Erde.
„Hört ihm gut zu“, hat dann die Lehrerin immer gesagt. „Er ist ein weiser Mann, von dem man viel lernen kann.“
Felicita ist die beste Schülerin in der Schutzengelklasse und sie besucht den Mann im Mond manchmal auch alleine. Heute muss sie ganz dringend mit ihm sprechen, denn sie hat ein großes Problem. Doch bevor sie zu ihm geht, sitzt sie ganz lange auf der Mondsichel und grübelt vor sich hin.
„Wenn es doch bloß nicht so langweilig wäre in der Schule. Sie kann und weiß doch schon alles. Sie hatte gehofft, dass sie schon im Neuen Jahr als Schutzengel arbeiten dürfe. Aber die Lehrerin hat gesagt sie müssten noch das letzte Kapitel in der großen dicken Schutzengelfibel durcharbeiten. Das würde noch ein ganzes Jahr dauern und erst dann wären sie richtig ausgebildete Schutzengel und würden jeder ein Menschenkind zugeordnet bekommen, das sie beschützen dürfen.
„Ich kann doch schon alles. Alles was in der Schutzengelfibel steht, habe ich doch schon gelesen. Auch das letzte Kapitel!“, meckert Felicita laut vor sich hin und lehnt sich gelangweilt in der Mondsichel zurück.
„Was war denn das? Diese Stimme kenne ich doch?“
Der Mann im Mond ist aufgewacht und glaubt eine Stimme gehört zu haben.
„Felicita, bist du das?“, fragt er und öffnet seine Haustüre.
„Ja, ich ich bin hier!“, ruft Felicita und winkt dem alten Mann zu.
„Komm doch rein in meine gute Stube! Ich mache dir eine heiße Schokolade.“
Das lässt sich Felicita kein zweites Mal sagen, denn der Mann im Mond macht die himmlischste heiße Schokolade, die man sich nur erträumen kann.
„Sag mal“, will der alte Herr wissen. „Hast du heute keine Schule?“
Felicita senkt schuldbewusst ihren Blick und schaut auf ihre Füße.
„Doch, aber es ist soooo langweilig. Ich kenne die Schutzengelfibel doch schon in und auswendig. Ich kann dir jedes Wort sagen, so oft habe ich sie schon gelesen.“
„Aber die Schule schwänzen, das geht gar nicht“, sagt der Mann im Mond. Er versucht ja streng zu klingen, kann sich aber ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen. Er kennt Felicita seit ihrer Geburt und er weiß, dass sie manchmal etwas vorwitzig ist. Sie ist aber auch das schlauste und klügste Engelchen, das er je kennengelernt hat.
„Mach dir keine Gedanken. Ich habe ihnen einen Brief geschrieben. Sie wissen, dass ich bei dir bin!“, sagt sie beschwichtigend. „Kannst du mir nicht helfen? Ich will doch jetzt schon ein richtiger Schutzengel sein. Und ich kann das auch. Das weiß ich, denn manchmal habe ich schon heimlich probiert und es hat immer geklappt“, erklärt Felicita dem Mann im Mond.
„Das kann ich nicht, denn ohne dein Abschlusszeugnis aus der Schutzengelschule darfst du nicht als Schutzengel arbeiten.“
Jetzt ist Felicita beleidigt und verzieht verdächtig ihr Gesicht.
„Gleich wird sie weinen“, denkt der Mann im Mond.

Das mag er nun gar nicht. Er will nicht, dass auch nur eines der kleinen Engelchen traurig ist und große Engelstränen weint.

„Nein, ich muss mir da etwas überlegen“, beschließt er.
„Jetzt trink erst mal in aller Ruhe deinen Kakao. Mir wird schon etwas einfallen, wie ich dir helfen kann. Aber in die Schule musst du trotzdem weiter gehen. Nur gegen die Langeweile kann ich bestimmt etwas tun!“, erklärt er Felicita. „Lass mich nachdenken!“
Er legt seine Stirn in tiefe Falten und zieht ganz kräftig an seiner Pfeife. Felicita hingegen setzt sich ganz still in eine Ecke und schlürft ihre heiße Schokolade.
„Ich hab’s!“, ruft der Mann im Mond plötzlich aus und schaut das Engelchen strahlend an.
Felicita setzt sich vor den Schaukelstuhl und schaut den alten Mann erwartungsvoll an.
„Weißt du“, beginnt er. „Ich beobachte die Menschen ja schon so viele Jahrtausende. Sie haben oftmals viele Sorgen und Probleme.“
Felicita nickt, denn das weiß sie aus der Schutzengelfibel.
„Dadurch können sie manchmal das kleine Glück, das ihnen jeden Tag begegnet nicht sehen“, erzählt der Mann im Mond weiter. „Diese kleinen Glücksmomente verschwinden in der großen Hektik, gehen zwischen der Arbeit und den Sorgen der Menschen verloren. Die kleinen Glücksmomente sind da, aber die Menschen sehen sie einfach nicht.  Sie stecken in den kleinen Dingen, zum Beispiel, wenn morgens die Sonne durch die Rolladenschlitze scheint oder die Bäckersfrau ihnen ein freundliches Guten Morgen entgegen ruft, ihnen der Postbote zuwinkt, ein kleines Kind sie anlächelt oder ein Vogel im Baum fröhlich vor sich hin zwitschert.“
„Ja, oder wenn ein Regenbogen nach dem Gewitter am Himmel steht, ein Kätzchen am Straßenrand sitzt oder vielleicht ein Glückspfennig auf der Straße liegt“, ergänzt Felicita. „Ich weiß genau, was du meinst!“
„Schau mal durch mein Fernrohr!“, der Mann im Mond reicht dem kleinen Engel das große Fernrohr und Felicita schaut nach unten auf die Erde.
„Was siehst du?“, fragt der alte Mann.
„Da ist eine Frau, die gerade Wäsche im Garten aufhängt. Ja, und jetzt setzt sich ein Schmetterling auf die Wäscheleine!“
„Gut! Und jetzt kommt deine Aufgabe. Du musst die Frau ein wenig streicheln, so dass sie den Schmetterling sieht, sich darüber freut und diesen kleinen Glücksmoment spürt. Hast du das verstanden?“
Felicita ist begeistert: „Das ist toll! Das mache ich! Das schaffe ich auch neben der Schule und den Hausaufgaben. Ich streichele die Menschen, damit sie das kleine Glück für einen Moment sehen und sich freuen. Ich schenke ihnen sozusagen die Glücksmomente!“
Freudig lächelt der Mann im Mond das kleine Engelchen an und winkt ihm zu, als es die Himmelsleiter wieder nach oben steigt.
Ich wünsche uns allen, dass Felicita auch uns jeden Tag im Neuen Jahr ein bisschen streichelt, damit wir die kleinen Glücksmomente des Lebens sehen.
Ich habe mir vorgenommen jeden Abend einen dieser Glücksmomente in einem Satz aufzuschreiben.

Ich wünsche Euch einen guten Rutsch ins Neue Jahr, bleibt schön gesund und habt viele, viele dieser kleinen und großen Glücksmomente.

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12 Kommentare

  1. Liebe Astrid, wieder eine Story, die berührt.
    Ein kluger kleiner Engel, den die Schule langweilt.
    Der Mann im Mond als Helfer, sehr schön.
    Danke für deine lieben Wünsche, Felicita möge auch mir beistehen.
    Komm du auch gut ins Neue Jahr 2016 und alles Gute dafür
    deine Bärbel

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Bärbel,
      ich bin mir sicher, dass Dein Schutzengel gut auf Dich aufpasst!
      Auch ich wünsche Dir einen guten Rutsch ins Neue Jahr, das nur Gutes für Dich bringen möge!!!
      LG
      Astrid

  2. Martina sagt

    Eine wunderbare und seeeehr berührende Geschichte, liebe Astrid! Jeden Abend einen Glücksmoment zu notieren, ist eine sehr gute Idee. Mal sehen, ob es mir auch gelingt! Ich freue mich auf weitere Geschichten aus deiner Feder im neuen Jahr und wünsche dir ebenso ein glückliches und zufriedenes Jahr 2016! Wir lesen uns! Martina

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Martina,
      auch ich wünsche Dir ein gesundes, gutes und zufriedenes Neues Jahr. Komm gut hinein!
      Ich freue mich auf unsere gegenseitigen Besuche.
      LG
      Astrid

  3. Liebe Astrid, heute war Felicitas hier und hat mich sogar auf einige Glücksmomente aufmerksam gemacht. Die Geschichte ist wunderschön, vielen Dank und liebe Grüße
    Regina

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Regina,
      ach wie schön, dass Felicia auch Dich gestreichelt hat. Ich freue mich, dass Dir die Geschichte gefallen hat.
      Komm gut in das Neue Jahr, bleib gesund und ich freue mich auch weiterhin auf unsere gegenseitigen Besuche.
      LG
      Astrid

  4. Oh ja, wünschen wir uns alle viele kleine Glücksmomente. Es ist eine sehr schöne Vorstellung, dass uns die Engel durchs Leben begleiten. Ich habe dieses Jahr viele Engel geschenkt bekommen. Gebastelt, aus Glas, aus Stoff, aus Keramik. Sie alle sitzen in meinem Arbeitszimmer auf dem Tisch um ein Teelicht herum und schauen mich an.
    Mögen sie auch Dich im neuen Jahr immer berühren!
    Viele Grüße von Kerstin.

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Kerstin,
      auch ich wünsche Dir viele kleine und große Glücksmomente im Neuen Jahr. Übrigens ich mag Engel auch sehr gerne und habe ebenfalls viele kleine Figuren, aber auch Schmuckanhänger. Ich trage immer einen Schutzengel bei mir.
      LG und alles Liebe und Gute für das Neue Jahr!!!
      Astrid

  5. Liebe Astrid, eine wunderschöne Geschichte, ich möchte ganz oft von Felicita gestreichelt werden. Astrid, falls wir uns nicht mehr Lesen, wünsche ich Dir und Deinen Lieben einen guten Rutsch ins Neue Jahr. Alles Liebe Eva

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Eva,
      komm gut in das Neue Jahr bleib schön gesund und ich wünsche Dir viele kleine und große Glücksmomente in 2016.
      Danke, dass Du immer wieder bei mir vorbei kommst! Ich freue mich noch auf sehr viele gegenseitige Besuche und einen regen Austausch.
      LG
      Astrid

  6. welch eine entzückend geschriebene kleine Geschichte!!!!
    der Mann im Mond, ein kluger Mann, der den zukünftigen kleinen Schutzengeln vieles beibringen kann und du weißt erfrischend davon zu erzählen.
    Hoffentlich sehen wir alle diese kleinen Schutzegel wenn sie uns tags und auch nachts beschützen, uns lehren das es Glücksmomente gibt die man wenn man zu schnell durchs Leben huscht, nicht erkennen kann…
    ich hab mich gefreut sie zu lesen…
    herzlichst Angelface

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Angel,
      ich begrüße Dich recht herzlich auf meiner Seite und freue mich, dass Dir diese kleine Schutzengelgeschichte gefällt. Wir alle brauchen Schutzengel, die uns beschützen und auch auf kleine Glücksmomente aufmerksam machen. Wir Menschen sind nämlich manchmal sehr achtlos.
      Wenn Du gerne bei mir eine wahre Schutzengelgeschichte lesen möchtest, dann schau doch mal auf meiner Seite unter „Danke, lieber Schutzengel“ nach.
      LG
      Astrid

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