Für Kinder, Kurzgeschichten
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Anton

Sabine, genannt Bienchen, ist mit ihren Eltern am Meer. Genauer gesagt am Mittelmeer, auf einer Insel. Bienchen ist erst 5 Jahre und dies ist ihre zweite Reise zum großen Wasser, wie sie das Meer nennt. Heute sind sie auf Besichtigungstour. Das ist ein bisschen langweilig, denn sie spielt am liebsten am Strand und baut mit ihrem Paps Burgen oder plantscht mit Mama und Papa im seichten Wasser.

Während ihre Eltern die Aussicht bewundern, schleckt sie ein Eis und sieht sich nach interessanteren Dingen um. Doch hier ist nicht viel. Sie sieht eine kleine Kapelle, ein paar Felsen, das Meer und den Himmel über ihnen. Doch dort vorne huscht etwas um die Ecke. Ein kleines Kätzchen. Sie läuft ihm entgegen, in der Hoffnung, dass es sich streicheln lässt. Dabei verliert sie ihren inzwischen leeren Eisbecher. Achtlos lässt sie ihn liegen.
„Hey, du da!“, hört sie auf einmal jemand rufen. „Was soll das denn?“
Sie dreht sich erschrocken um, kann aber niemand erkennen. Doch dann hört sie die leicht verärgerte Stimme schon wieder.
„Haben deine Eltern dir das nicht beigebracht?“
„Was?“, fragt sie ein bisschen ängstlich zurück und blickt sich irritiert um. „Wo bist du überhaupt?“
„Dreh dich ein Stückchen nach links, dann siehst du mich. Ich bin nicht zu übersehen!“
„Aber warum versteckst du dich jetzt vor mir, denn ich sehe niemand.“
„Ich bin ja auch kein Niemand!“, dröhnt es zurück.
„Wer bist du denn? Und komm endlich raus!“, fordert Bienchen den Unbekannten auf. Langsam wird es ihr unheimlich zumute und gerade als sie zu ihren Eltern zurücklaufen will, da sieht sie ihn.
Tatsächlich, er ist eigentlich nicht zu übersehen. Groß und rund mit vielen gelben und grünen Streifen steht er da und scheint sie anzulächeln.
„Na also, hast du mich endlich entdeckt!“, klingt es zu Bienchen herüber.
„Du kannst sprechen?“
„Ja, nur leider hören mich nicht alle Menschen. Viele sind zu unsensibel oder achtlos. Sie wollen mich weder hören, noch sehen. Außerdem, wer gibt sich schon mit einem Mülleimer ab?!“, sagt der gelb-grüne Kerl jetzt mit trauriger Stimme.
„Wieso?“, Bienchen tritt näher und plappert fröhlich darauf los. „Du bist doch sehr hübsch. Ich mag dich!“
„Dann gib mir doch bitte auch ganz schnell was zu essen, ich bin soooo hungrig!“
Bienchen läuft rasch zu ihrem Eisbecher zurück und bringt ihn zum Mülleimer. Sie stellt sich auf die Zehenspitzen und öffnet den Deckel, um den leeren Eisbecher einzuwerfen.
„Dankeschön!“ klingt es fröhlich zurück.
Bienchen wirft einen flüchtigen Blick zu ihren Eltern. Diese stehen unweit der kleinen Kapelle und beobachten eine Hochzeitszeremonie, die dort zufällig stattfindet. Schnell winkt Bienchen ihren Eltern zu. Die Hochzeit interessiert sie im Moment überhaupt nicht. Sie hat hier eine viel interessantere Bekanntschaft gemacht.
„Warum stehst du hier so alleine rum?“
„Oh, ich fühle mich nicht einsam. Ich habe den besten Platz mit der schönsten Aussicht auf das Meer. Und die Sonne wärmt mich jeden Tag. Die Katzen kommen oft und holen sich bei mir ihr Fressen ab, das die Menschen nicht mehr wollen und bei mir entsorgen. Manchmal fliegt auch eine Möwe über mich hinweg und lässt etwas zu mir herunterfallen.“
Sabine kichert, denn sie weiß, was die Möwe da fallen lässt.
„Mama sagt, das bringt Glück!“

Nach einem kurzen Moment des Schweigens macht sie vor der Tonne einen Knicks und stellt sich vor:
„Ich bin Sabine und wie heißt du eigentlich oder soll ich dich nur Mülleimer nennen?“, will sie wissen.
„Gestatten: Anton, mein Name!“, erwidert der Gelb-Grün-Gestreifte.
A wie Abfall,
N wie Nutzloses,
T wie Taschentücher, Tüten, Tageszeitungen, Trinkflaschen,
O wie Obstschalen, Ohrenstäbchen,
N wie Nussschalen,….“

„Bei uns darf man nicht alles in eine Tonne werfen“, erklärt Bienchen. „Wir haben eine Tonne für Plastik, eine für Papier, eine für Obst- und Kartoffelschalen, die Mama Biotonne nennt, eine für den Restmüll und am Parkplatz nebenan steht noch eine für Glas.“
„Du bist aber ein schlaues Mädchen“, lobt Anton sie. Hier bei uns bin ich alleine für Alles zuständig, aber vielleicht bekomme ich ja bald auch ein paar Kumpels, die mir bei der Müllsammlung helfen“, erwidert Anton. „Das wäre nicht schlecht, denn manchmal bin ich so voll, dass alles aus mir herausquillt und auf die Erde fällt.“
Sabine nickt und hebt ein Kaugummipapier von der Erde auf, um es Anton zu schenken.
„Sabine! Komm wir wollen weiter!“, ruft es in diesem Moment.
„Gleich!“, ruft das Mädchen zurück und schließt den Deckel der Tonne.
„Tschüss Anton! Ich werde oft an dich denken!“
Als Sabine eine Woche später mit ihren Eltern zu Hause die Urlaubsfotos betrachtet, da entdeckt sie die gelb-grün gestreifte Abfalltonne ganz klein auf einem der Bilder.
„Hallo Anton!“, ruft sie der Tonne in Gedanken zu. “Schön, dich kennengelernt zu haben!“

 

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12 Kommentare

  1. Liebe Astrid, oh wie schön Deine Geschichte über Anton. So richtig toll für kleine Mädchen und Buben, um den Müll richtig zu entsorgen. Diese Erziehung ist so wichtig, wenn man sieht, wie alles vermüllt wird. Liebe Grüße Eva

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Eva,
      ich dachte mir, dieser Mülleimer sieht soooo sympathisch aus und er gefällt bestimmt auch Kindern. Auf einmal war sie da, die Kindergeschichte. 😉
      Ich schicke Dir liebe Sonntagsgrüße
      Astrid

  2. eine ganz entzückkkkkkende Aufwachgeschichte, liebe Astrid,solche kleine „Geschichten“ die absolut kindgerecht lehrhaft sind, sollten in der Vorschule beispielsweise den Kindern spielerisch vorgelesen werden, oder auch schon im Kindergarten! So lernt man durchs reine zuhören er- kennen was wichtig ist
    aufmerksamkeit, behutsamkeit mit anderen, hinsehen und handeln…
    anton – ein Name den man sich merken soll, will, möchte….
    anton ist ungeheuer wichtig, nicht nur für die Kinder, sondern auch – für uns!
    danke ich hab hab sie ausgesprochen gerne gelesen…
    herzlichst Angelface…
    (sone sollte es öfters geben!)

    • Astrid Berg sagt

      Hihi, da ist wohl die Grundschullehrerin in mir mal wieder mit mir durchgegangen 😉
      Hab Dank für Deine lieben Worte und sei herzlich gegrüßt
      Astrid

  3. Ich bin ganz hin und weg – ein Mülleimer, der Anton heißt wäre ja schon nicht zu toppen – aber nein, bei dir kann er auch noch sprechen!! Ach, könnten doch alle Mülleimer dieser Welt sich so mitteilen, wie Anton – aber vielleicht können sie, nur wir Menschen hören nicht hin. So wird es sein! Aber das Bienchen hat ihn gehört – und du warst heimlich dadei, um uns davon zu erzählen!! Vielen, vielen Dank für diese anrührende Geschichte! LG Martina

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Martina,
      ich habe ihn mir angeschaut und schon wusste ich, das ist Anton. Kein anderer Name hätte besser zu ihm gepasst. Warum? Keine Ahnung, er sieht einfach aus wie Anton. Und: Ich habe es ganz deutlich gehört, wie er mit Bienchen sprach. Die Beiden haben sich gut verstanden 😉 .
      Ich schicke Dir liebe Grüße und hoffe, dass das Leben Euch momentan nicht allzu große Bürden auferlegt.
      Astrid

    • Astrid Berg sagt

      Da kann ich Dir beipflichten, liebe Bärbel. Den Mülleimer „Anton“ habe ich übrigens auf Rhodos entdeckt und fotografiert.
      LG
      Astrid

  4. Liebe Astrid,

    diese Geschichte findet in meinem Herzen natürlich gleich einen ganz besonders groooßen und guten Platz, handelt es sich doch um eine Art „Umweltmärchen“ und somit um ein Thema, das mich besonders bewegt. Meiner Meinung nach eignet sich dein Post aus diesem Grund außerdem gut als Beitrag für ANL! Also, wenn du willst, ab 15.10. gibt’s ein neues Linkup! J

    Hab eine schöne Woche!

    Alles Liebe von der Traude

    http://rostrose.blogspot.co.at/2016/10/schwarz-wei-rot-ringel.html

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Traude,
      gerne kann meine kleine Anton-Geschichte ein Beitrag für ANL sein. Allerdings muss ich Dir gestehen, dass ich mich noch nicht damit auskenne, wie ich diesen verlinken kann. Vielleicht kannst Du mir ja behilflich sein und sagen, was ich tun muss.
      LG
      Astrid

  5. Christine R. sagt

    Hallo Astrid,
    diese Geschichte ist toll – man sollte in jedem Mülleimer eine Lautsprecheranlage installieren (so wie bei manchen Robotern, die Kinder in der Stadt ansprechen), damit der Müll nicht immer überall herumfliegt. Und wer nicht hört, müsste von hinten eins mit dem Besen übergebraten kriegen!
    Mich ärgert so oft der Abfall in der Stadt, auf den Straßen, die klebenden Kaugummis unter den Schuhsohlen, oder die leeren Kaffeebecher, die einfach achtlos fallen gelassen werden… Dein ANTON wäre eine gute Erziehungsmaßnahme. Und nicht nur für Kinder!
    Liebe Grüße
    Christine

    • Astrid Berg sagt

      Hallo liebe Christine,
      ich musste ja ein bisschen schmunzeln über Deinen Vorschlag bezüglich der Lautsprecheranlage in Mülleimern. Aber wer weiß, vielleicht wäre es ja die Lösung.
      Ich wundere mich auch oft, dass man irgendwo einfach mal Pappbecher oder -tüten einer bestimmten Fastfoodkette findet, die jemand nur achtlos entsorgt hat. Schrecklich!
      Manchmal muss man aber auch wirklich suchen, um einen Mülleimer zu finden oder man muss den Müll sogar mitnehmen, um ihn dann zu Hause zu entsorgen. Aber ihn einfach in die Gegend zu werfen, das käme mir nie in den Sinn. Ich finde das einfach schlichtweg nur unmöglich. Das Bewusstsein zur richtigen Müllentsorgung und damit auch zum Umweltbewusstsein muss man den Kindern schon früh anerziehen, dann klappt das auch im Erwachsenenalter.
      LG
      Astrid

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