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Die Abenteuer des kleinen Matz

Piep und Matz sind zwei kleine Zwillingsmäusekinder, die mit ihren Eltern in einem Mauseloch, also ihrer Mäusewohnung leben. Diese befindet sich in einem schönen Garten nicht weit von der Gartenlaube entfernt. Piep und Matz sind ganz klein und müssen noch viel lernen. Deshalb dürfen sie nur gemeinsam mit ihren Eltern nach draußen in die große weite Welt.
„Ihr Zwei bleibt schön zu Hause und wartet bis Papa und Mama zurück sind. Wir gehen auf Futtersuche und bringen Euch gleich was Leckeres mit“, sagt der Vater streng zu den beiden Mäusekindern.
„Ihr wisst ja, dass es draußen ganz gefährlich ist und es auch eine Katze in dem Garten außerhalb unserer Mäusewohnung gibt. Seid schön artig und macht, was der Papa gesagt hat“, ermahnt die Mutter.
Piep und Matz piepen ein
„Jawohl, liebe Eltern!“
in ihrer Mäusesprache und kuscheln sich aneinander. Hier unten ist es schön warm und ihr Nestchen bietet ihnen Schutz und Behaglichkeit. Die Beiden fühlen sich sicher und entschwinden auch gleich in das Land der süßen Träume. Während Piep von einer großen Katze träumt, die ihn als einen leckeren Happen verschlingt, sieht Matz ein großes Stück Käse in seinen Träumen. Piep schrickt mit einem lauten Piep auf und zittert vor Angst.
„Nein, nein! Bitte, bitte lass mich wieder frei und zerbeiße mich nicht mit deinen Zähnen!“, schreit er voller Angst und reißt ganz plötzlich die Augen auf. Sein Herz bubbert wie wild und seine Augen sind riesengroß. Er stupst den schlafenden und schmatzenden Matz an, damit ihn dieser vor der grauenvollen Katze beschützen soll.
„Was ist denn?“, fragt dieser ganz mürrisch. „Ich hatte gerade ein leckeres Stückchen Käse direkt vor meiner Nase. Ich wollte in dem Moment reinbeißen, als du mit deinem Geschrei angefangen hast. Das ist ganz schön gemein!“
„Die Katze wollte mich doch fressen“, verteidigt sich Piep.
„Papalapap! Hier ist keine Katze! Ruhe jetzt!“ Matz ist richtig böse, denn mittlerweile knurrt auch sein Magen ganz heftig. Vielleicht kann er ja noch einmal einschlafen und einfach weiter träumen. Er versucht es und drückt die Augen so fest zu, wie er nur kann. Aber sein Magen knurrt und knurrt und lässt ihn nicht mehr in das Land der Träume entschwinden.
Wenn doch endlich Papa und Mama mit den versprochenen Leckereien kommen würden. Aber bisher regt sich nichts, obwohl die Eltern nun schon eine gefühlte Ewigkeit weg sind.
„Ich gehe jetzt nach oben und halte mal Ausschau nach Papa und Mama“, sagt Matz zu seinem Zwillingsbruder.
„Nein, bleib hier!“, ruft Bruder Piep erschrocken aus. „Du hast doch gehört, was unsere Eltern gesagt haben. Wir sind noch zu klein und draußen lauern große Gefahren!“, warnt Piep.
„Ich will doch auch nur aus dem Mauseloch raus schauen“, beruhigt ihn Matz. „Das ist ganz ungefährlich.“
„Aber komm sofort wieder. Wenn Papa und Mama dich erwischen, dann ist aber ganz schön was los. Dann bekommst du bestimmt für den Rest der Woche Hausarrest“, ermahnt Piep den kleinen Matz.
Doch das hört der Zwillingsbruder schon nicht mehr. Er ist längst oben angekommen und blinzelt der Sonne entgegen. Von den Mäuseeltern ist weit und breit nichts zu sehen. Stattdessen sieht er tatsächlich ganz viele Leckereien. Auf dem Gartentisch auf der Terrasse steht eine tolle Sahnetorte. Dem kleinen Matz läuft das Wasser nur so in seinem winzigen Mäusemund zusammen.
„Soll ich oder soll ich nicht?“, überlegt er einen Moment. „Wenn ich flink genug bin, dann kann ich mir schnell einen süßen Happen von der Torte holen. Und einen zweiten Happen für meinen Bruder Piep auch noch.“
Matz sieht sich noch einmal kurz um und erkennt keinerlei Gefahr. Weder Mensch noch Tier sind zu erkennen.
„Ach, was soll es“, beschließt er. „Ich bin in Null Komma Nichts wieder hier und keiner bemerkt von meinem kleinen Ausflug etwas. Piep wird wird mich schon nicht verraten, denn er bekommt ja auch ein Stückchen Torte“, überlegt der kleine Matz weiter.
Schwuppdiwupp ist er draußen auf der Wiese und rennt in Richtung Terrasse.
„Stopp!“, erschallt plötzlich ein lauter Warnruf und Matz erstarrt.
Zwei große grüne Augen blicken ihn an und eine Schnauze kommt verdächtig nahe.
„Wohin des Weges, du kleiner Hosenscheißer?“, fragt ihn eine braun getigerte Katze.
„Ich, …ich… hab so großen Hunger und da dachte ich…“
„Du hast hier gar nichts zu denken. Das ist mein Revier und Hunger hab ich übrigens auch. Und zwar auf kleine Mäusekinder wie dich!“, schallt es zu Matz hinüber.
„Bitte, bitte, tu mir nichts!“, piepst er total erschrocken zurück. „Ich bin doch noch so klein und wusste nicht, dass das dein Revier ist.“
„Ein bisschen klein bist du tatsächlich. Gerade genug für einen hohlen Zahn“, überlegt die Katze.
„Ja und ich schmecke auch gar nicht gut“, versucht Matz seinem Feind glaubhaft zu machen.
„Das überlass mal ruhig mir. Was mir schmeckt, das werde ich doch wohl besser wissen als du!“, kontert die Katze. Aber ich überlege mir das noch, ob ich dich jetzt sofort fresse oder dich einfach ziehen lasse.“
„Ach ja, bitte. Ich komme auch nicht mehr in dein Revier! Versprochen!“, beteuert Matz ganz hoffnungsvoll.
„Lass uns ein bisschen Nachlauf und Verstecken spielen“, schlägt nun die Katze vor und gibt Matz mit ihrer Tatze einen Schups. „Ich liebe es nämlich mit kleinen Mäuschen zu spielen!“
Entsetzt macht Matz einen Satz nach vorne und rennt so schnell, wie ihn seine kleinen Füßchen tragen können. „Hoffentlich ist das kein Trick!“, überlegt er, doch da kommt ihm die Katzenpfote schon wieder verdächtig nahe.
„Ich muss versuchen, so schnell wie möglich mein Mauseloch zu erreichen“, schießt es ihm durch den Kopf.
„Glaub nur nicht, dass du mich austricksen kannst. Ich lasse dich sowieso nicht in dein Mauseloch!“, warnt die Katze und sperrt ihr Maul verdächtig weit auf. Sie rennt hinter Matz her, um dann aber plötzlich vor ihm zu stehen und ihm den Weg zu versperren.
Matz rennt mal links, mal rechts, mal vor, mal zurück. Inzwischen ist er voller Panik und weiß weder ein noch aus.
„Mama! Papa!“, schreit er. „Helft mir doch!“
Doch die Eltern sind noch nicht von ihrem Ausflug zurück und sein Bruder Piep kann ihm sowieso nicht helfen, außerdem hört er ihn auch gar nicht. Matz ist ganz alleine auf sich gestellt. Das Knurren in seinem Magen ist auch verstummt, denn dieser ist anscheinend genauso verängstigt, wie Matz selbst.
Schon wieder schlägt die Katzentatze nach dem kleinen Mausekind und hätte ihm fast mit dem kräftigen Hieb den Garaus gemacht. Matz zittert und bibbert und kann sich auf einmal gar nicht mehr rühren.
„Gleich ist es vorbei“, denkt er gerade noch, da spürt er etwas über sich. Es wird dunkel um ihn herum und plötzlich geht alles ganz schnell. Etwas greift nach ihm und hebt ihn hoch und dann verlassen Matz die Sinne. Er wird einfach ohnmächtig.
Als er wieder zu sich kommt und die Augen öffnet, sieht er zwei Augen und spürt, dass jemand zärtlich über seinen kleinen Körper streicht.
„Bin ich jetzt im Mäusehimmel?“, denkt er sich.
Doch dann bemerkt er, dass ihn eine Menschenhand vor dem Verderb gerettet hat und ihn nun direkt vor seinem Mauseloch absetzt.
„Lottchen verschwinde und lass das arme Mäuschen in Frieden!“, ruft dieser Mensch der Katze zu und zu Matz sagt er: „Lauf ganz schnell hinein, dann kann dir das Lottchen nichts mehr tun.“
Matz rennt um sein Leben, immer weiter die Gänge entlang nach unten zu seiner Mäusewohnung.
„Da bist du ja endlich!“, ruft ihm Piep entgegen. Wo warst du denn so lange? Die Eltern werden gleich kommen.“
„Das erzähle ich dir später, jetzt muss ich erst einmal verschnaufen“, sagt Matz, kuschelt sich zu seinem Zwillingsbruder und ist auch schon eingeschlafen.
„Schau nur, wie gehorsam unsere beiden Kinder sind und wie friedlich sie schlafen“, sagt die Mäusemutter ganz stolz zu ihrem Mäusemann, als sie mit den Leckereien zurück sind.

 

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Ein Tag mit Hindernissen

Heute ist ein Tag, der besser zum November passen würde, als zum Spätsommer. Wolkenverhangen, trüb und regnerisch. Schon am Morgen als Lara die Augen aufmacht, hat sie schlechte Laune. Ihr Schlaf war unruhig gewesen. Sie hat schlecht geträumt. Lauter wirres Zeug, an das sie sich jetzt nicht mehr erinnern kann.

„Das war jetzt also meine erste Nacht in meiner neuen Wohnung?“, fragt sie sich mürrisch. „Was man in der ersten Nacht träumt, das soll sich angeblich erfüllen. Das kann doch nur schief gehen hier. Außerdem kenne ich in dieser Stadt keine einzige Menschenseele, außer Ludmilla Labermann. Und die habe ich gestern schon zur Genüge genossen.“
Lara hätte sich einen anderen Start in den neuen Tag und in ihr neues Leben gewünscht.
„Vielleicht war alles ja eine Schnapsidee“, überlegt sie laut. „Aber das Jobangebot des Verlags ist einfach fantastisch und ich freue mich riesig auf meine neue Tätigkeit. Und so habe ich mich halt spontan entschlossen in die Großstadt zu ziehen. Ich habe keine Ahnung, ob diese Entscheidung nun richtig oder falsch war.“
Lara entschlüpft dem warmen Bett, um sogleich über ihren alten Teddy zu stolpern. Im Bad entgleitet ihr dann auch noch der Handspiegel und zersplittert auf den Fliesen.
„Sieben Jahre Pech“, durchfährt es Lara. „Das fängt ja gut an!“
Jetzt braucht sie erst einmal eine Tasse Kaffee. Schluck für Schluck weckt dieser wieder ihre Lebensgeister und Lara lässt ihren Blick in der Wohnung umherschweifen.
„Gemütlich ist es geworden. Gut, dass meine langjährigen Freunde aus der alten Heimat so tatkräftig geholfen haben. Ich werde sie alle sehr vermissen.“
Björn hatte sogar seinen Cousin mitgebracht, der eigentlich zu Besuch bei ihm war und noch nie etwas mit Lara und deren Freunden zu tun hatte.
Lara muss schmunzeln, als sie an ihn denkt.
„Ein lustiger Typ. Und gut sieht er obendrein noch aus, dieser Markus Richter“, muss sie sich eingestehen. „Selbst die komische Schiebermütze steht ihm gut.“ Lara muss bei dem Gedanken laut auflachen.
Ihr Lachen wird allerdings von einem Kurren übertönt, das eindeutig nicht von einem Hund stammt. Laras Magen meldet sich zu Wort und so öffnet sie den Kühlschrank, um allerdings festzustellen, dass dort gähnende Leere herrscht. Außer einem Stückchen Käse, das eher ein Mäuschen satt machen würde, als eine erwachsene Frau, ist nichts darin.
„Auch das noch! Na, da werde ich mich wohl in diesen scheußlichen Regen hinaus wagen müssen.“, sagt sich Lara frustriert.
Als sie ihre Jacke und den Regenschirm aus dem Gaderobenschrank holt, entdeckt sie am Haken die Schirmmütze.
„Ach, da hat er doch glatt seine chice Mütze vergessen, der Markus Richter. Er wird sie vermissen.“
Da Lara weder Adresse noch die Telefonnummer von Markus hat, nimmt sie sich vor, später Björn anzurufen. Vielleicht kann sie die Mütze dann per Post an den Eigentümer schicken. Doch jetzt muss sie unbedingt etwas gegen ihren Hunger tun.
Obwohl ihre neue Wohnung relativ zentral gelegen ist und die nächste Einkaufsmöglichkeit sich nur ein paar Straßenecken weiter befindet, steigt sie wegen des Wetters in ihr kleines Auto. Doch wie sollte es heute auch anders sein?! Der Wagen springt einfach nicht an. So läuft Lara nun zu Fuß die Straßen entlang. Aber schon nach wenigen Schritten ärgert sie sich erneut, denn der Regen wird immer stärker.
„Muss es jetzt eigentlich auch noch wie aus Kübeln schütten?“, fragt sie sich verärgert.
Der Regenschirm kann die vielen dicken Tropfen nur noch mehr schlecht als recht abhalten. Hinzu kommt noch ein sich aufbäumender Wind aus der entgegengesetzten Richtung, der ihr die Nässe ins Gesicht treibt und tüchtig am Schirm rüttelt. Auf den Schirm konzentriert, tapst sie mit ihren Turnschuhen auch noch in die nächste große Pfütze.
„Igitt!“, ruft sie laut und verärgert aus, während sie bis zu den Knöcheln im Wasser steht. „Jetzt hab ich auch noch nasse Füße!“
Lara ist inzwischen noch endlos scheinende 100 Meter vom Supermarkt entfernt. Gerade tritt eine junge rothaarige Frau aus einem Gebäude heraus, hält einige Sekunden inne und blickt sich um.
Als Lara an ihr vorbeimarschieren will, kommt ihnen eine weitere junge Frau entgegen. Lara und die Rothaarige weichen automatisch nach links und rechts aus, um der Entgegenkommenden den Weg freizugeben. Just in diesem Moment rast auf der Straße ein weißer BMW an ihnen vorbei. Da der Fahrer seine Fahrweise nicht den Wetterverhältnissen angepasst und die tiefe Pfütze am Straßenrand nicht umfahren hat, spritzt das Regenwasser fontänenartig hoch und unterzieht alle drei Frauen von oben bis unten einer Dusche. Laut schimpfend wie die Rohrspatzen stehen sie auf dem Gehweg.
„Das darf ja wohl nicht wahr sein! Das gehört bestraft!“
„So eine Frechheit! Hat der denn keine Augen im Kopf?“
„Idiot! Blödmann! Mistkerl!“
Doch der Autofahrer hört weder das Schimpfen der drei Frauen, noch scheint er bemerkt zu haben, was er angerichtet hat.
Nachdem die erste Wut und Empörung über ein derartig flegelhaftes Benehmen verraucht ist, schauen sie sich gegenseitig an. Plötzlich bricht eine der beiden fremden Frauen unvermittelt in schallendes Gelächter aus. Sie deutete in die Runde und meint nur: „Wir sehen aus wie begossene Pudel!“
Die beiden anderen folgen ihrem Fingerzeig. Wenn auch zunächst etwas zögerlich, doch letztendlich lachen sie alle Drei.
„Klara Weingärtner, mein Name!“, sagt die Zuerstlachende und streckt den anderen die Hand zum Gruß hin.
„Sarah Teubert!“
„Lara Parker!“, stellen sich die Frauen gegenseitig vor.
„Ich wohne hier“, erklärt die rothaarige Klara. „Wollen wir nicht hoch in meine Wohnung gehen, uns trocken rubbeln und auf den Schreck und zur Aufwärmung eine Tasse Tee trinken?“
Die drei Frauen sind sich auf Anhieb sympathisch und als Lara zwei Stunden später zum Supermarkt marschiert, hat der Regen nachgelassen. Die Sonne lässt sich wieder blicken und am Himmel steht ein Regenbogen. Auch Laras Laune hat sich merklich gebessert und sie hofft, dass ihre heutige Pechsträhne endlich beendet ist.
Vor ihrem neuen Zuhause angekommen, glaubt sie ihren Augen nicht zu trauen, denn ein weißer BMW parkt direkt hinter ihrer alten Rostlaube.
„Na, der kann jetzt aber was von mir zu hören bekommen!“, beschließt Lara und marschiert schnurstracks auf den Wagen zu. Kurz bevor sie den BMW erreicht, wird die Fahrertür aufgerissen, ein junger Mann entsteigt dem Wagen und ruft ihr zu:
„Lara! So ein Zufall!“
Schlagartig bleibt Lara stehen.
„Entschuldige bitte, aber ich habe gestern meine Schirmmütze bei dir liegen lassen!“
Das Wörtchen „abschichtlich“ verschluckt der junge Mann wohlwissentlich.

Ach du liebe Zeit!

Erschöpft lässt sich Lara auf den Sessel plumpsen. Sie schließt die Augen und denkt erleichtert:
„Geschafft! Das war die letzte Umzugskiste!“
Sie ist fertig und kann es kaum glauben. Ein bisschen Stolz mischt sich zu den Gefühlen der Freude und Erschöpfung. Na klar, sie hat auch Helfer gehabt. Gute Freunde gingen ihr die letzten Tage zur Hand und unterstützten sie tatkräftig. Das Auspacken der Umzugskisten wollte sie jedoch alleine bewältigen. Am Anfang machte es ja auch noch Spaß, aber sie hat wohl die Anzahl der Kisten unterschätzt und den Kleinkram, den sie zu Tage förderte ebenso. Aber jetzt ist es endlich geschafft. 

Als sie einen Blick zum Fenster hinaus wirft, stellt sie fest, dass es ein herrlicher Spätsommertag ist, den man nicht drinnen verbringen sollte. Schnell hüpft sie unter die Dusche, schlüpft in eine saubere Jeans und eine weiße Bluse, zieht ihre Pumps an und macht sich auf den Weg zur Altstadt. Dort sucht Lara sich in einem hübschen Straßencafe einen unbesetzten Tisch in der Sonne. Sie genießt die vermutlich letzten wärmenden Sonnenstrahlen dieses Sommers ebenso wie das Treiben um sie herum. Sie lächelt zufrieden in sich hinein. Allerdings nur bis Lara sie entdeckt.
Ach du liebe Zeit!“, denkt sie. „Ist das nicht Ludmilla Labermann?! Na hoffentlich sieht sie mich nicht.“
Lara rutscht merklich auf ihrem Stuhl ein wenig nach unten und richtet ihren Blick gebannt auf ihre Kaffeetasse, so als würde sie selbst dadurch unsichtbar.
„Sie wohnt ja auch in dieser Stadt“, erinnert sich Lara. „Das hatte ich ja total vergessen.“
Ludmilla Labermann ist eine ehemalige Klassenkameradin, die früher ihrem Namen alle Ehre machte. Sie laberte den ganzen lieben langen Tag und niemals stand ihr Mund still. Selbst im Unterricht nicht. Richtige Freunde hatte sie eigentlich nicht, aber Ludmilla selbst hatte dies nie bemerkt. Sie fühlte sich schon immer zu Höherem geboren und glaubte eine große Schauspielkarriere vor sich zu haben.
Das letzte, was sie von Ludmilla wusste, war die Tatsache, dass sie mit einem Jungen aus der Parallelklasse ging, der ebenfalls sehr gesprächig war.
„Wie hieß er nur gleich?“, überlegt Lara angestrengt. „Ach ja, Horst Redner oder so ähnlich.“
Doch plötzlich wird Lara in ihren Gedanken unterbrochen, denn zu ihr dringt eine schrille weibliche Stimme:
Ach du liebe Zeit! Das ist ja Lara! Bist du’s oder bist du’s nicht?“
„Mist!“, hätte Lara fast ausgerufen, aber stattdessen nickt sie und blickt direkt in Ludmillas Gesicht. Diese steht aufgedonnert mit Hut vor ihr und strahlt sie aus ihrem pausbackigem Gesicht an, wie ein Honigkuchenpferd.
„Was machst du denn hier?“, fragt Ludmilla, wartet aber keine Antwort von Lara ab, sondern plappert munter weiter. „Naja, das war ja eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis wir uns wieder einmal über den Weg laufen mussten. Ach, das ist ja jetzt schon ewige Zeiten her, dass wir uns gesehen haben. Das waren noch Zeiten! Man müsste jetzt alle Zeit der Welt haben, um das Rad der Zeit zurückzudrehen und über die guten alten Zeiten zu plaudern. Wir sollten uns zu gegebener Zeit einmal treffen, ich stehe nämlich total unter Zeitdruck im Moment. Aber was soll’s! Man muss die Zeit nutzen und darf keine Zeit verlieren.“
Mit diesen Worten zieht Ludmilla den Stuhl heran und lässt sich gemütlich an Laras Tisch nieder. Lara, die bisher noch nicht zu Wort gekommen ist und in deren Kopf sich inzwischen schon alles zu drehen beginnt, öffnet den Mund, um die ehemalige Klassenkameradin zu begrüßen. Allerdings bleibt es bei dem guten Vorsatz, denn Ludmilla ist schon wieder schneller und erzählt einfach weiter.
„Was wollen wir auf bessere Zeiten hoffen, ich nehme mir jetzt einfach die Zeit und wir unterhalten uns ein bisschen. Kinder, wie ich mich freue! Wie doch die Zeit vergeht! Es müssen ja jetzt schon bestimmt acht Jahre her sein, dass wir gemeinsam die Schulbank gedrückt haben. Ja, das kann hinkommen, denn ich bin ja jetzt schon seit sieben Jahren verheiratet. Nein, nein, nicht mit Horst. Von dem habe ich mich schon bald nach unserem Schulabschluss getrennt. Der hat mir zuviel geredet, da bin ich ja gar nicht zu Wort gekommen. Und außerdem ist er gar nicht mit der Zeit gegangen, das war mir zu langweilig. Er hat ja an unserer Trennung ziemlich geknabbert, aber die Zeit heilt alle Wunden. Naja, alles hat eben seine Zeit! Man muss nur die Zeichen der Zeit erkennen und das habe ich getan und habe mich halt von ihm getrennt. Mit ihm wäre ich der Zeit immer nur hinterher gehinkt. Tja und schwuppdiwupp hat man seine beste Zeit hinter sich. Nein, nein, das wollte ich nicht, immerhin habe ich keine Zeit zu verschenken!“
Ludmilla hebt während des Redens ihren Arm und ruft der Bedienung zu: „Einen Milchkaffee für mich, bitte!“ Und schon setzt sie ihren Redefluss ungehindert fort:
Die Zeit war einfach reif und als ich meinen Emil getroffen habe, da haben wir wahrlich keine Zeit verschwendet und sofort geheiratet. Damit haben sich dann auch für mich die Zeiten geändert. Die Saure- Gurken-Zeit war vorbei. Wir führen ein tolles Leben, dem Zeitgeist entsprechend, wenn du verstehst was ich meine.“
Lara versteht gar nichts, sie würde am liebsten aufstehen und sich verabschieden. Nur leider bietet ihr Ludmilla keinerlei Gelegenheit zur Verabschiedung, sie hat sie ja noch nicht einmal begrüßen können. Also denkt sie sich: „Kommt Zeit, kommt Rat!“, und sitzt sozusagen ihre Zeit ab.
Ludmilla geht richtig in der Gesprächsführung auf und erzählt weiter und weiter:
„Was machst du denn so beruflich? Wolltest du nicht Lektorin werden? Naja, ich habe meine Pläne geändert. Die Schauspielerei hätte mich doch nur immer wieder von meinem Emil getrennt und er braucht mich doch so sehr und so schenke ich ihm meine Zeit. Du musst wissen, er hat eine Firma und da ist meine Hilfe gefragt. Wir investieren sozusagen  unsere Zeit.“
Ludmilla holt tatsächlich kurz Luft, doch Lara ist inzwischen so erschöpft, dass sie die Gelegenheit verpasst und weiter schweigsam bleibt.
„Ach, die Zeit vergeht doch tatsächlich wie im Fluge! Ich habe mir für heute Nachmittag einen zeitlichen Rahmen gesetzt und meine Zeit erlaubt es leider nicht diesen zu überschreiten. Deshalb muss ich mich jetzt leider von dir verabschieden. Es war nett mit dir geplaudert zu haben. Das sollten wir von Zeit zu Zeit wiederholen. Ich melde mich zu gegebener Zeit bei dir. Du stehst doch sicherlich im Telefonbuch?! Es ist jetzt aber höchste Zeit, ich muss gehen!“
Ludmilla erhebt sich tatsächlich und wendet sich zum Gehen. Bevor sie jedoch den Tisch verlässt, muss Lara noch eine dringende Frage loswerden:
„Darf ich dich noch etwas fragen?“ sagt Lara schnell, doch wieso sollte Ludmilla dieses Mal darauf eingehen?!
„Tschüss, ich muss weg! Mir läuft sonst die Zeit davon!“, ignoriert Ludmilla wie erwartet die Frage der ehemaligen Klassenkameradin.
„Was ist eigentlich…?
Die Zeit drängt!“, sagt Ludmilla eilig und geht schon.
„… dein Mann von Beruf?“, beendet Lara die Frage, obwohl sie schon alle Hoffnung auf eine Antwort aufgegeben hat.
Ludmilla dreht sich ein letztes Mal um und winkt grinsend. Im Weitergehen ruft sie Lara nur noch zu:
„Uhrmacher! Was dachtest du denn?!“

Gedankenverloren

Gedankenverloren stehe ich am Fenster, blicke hinaus.
Es ist einfach nur ein Graus.
Dieser Regen und die Nebelschwaden,
eindeutig meiner Laune schaden.

Ich lasse wehmütig meine Blicke schweifen
und muss es einfach nur begreifen.
Wieder neigt ein Jahr sich dem Ende zu
und die Natur begibt sich zur Ruh’.

Hat doch erst gestern die Sonne vom Himmel gelacht,
die bunten Blätter zum Leuchten gebracht.
Heute nun ist es kalt und nass schon den ganzen Tag,
dass weder Mensch noch Tier vor die Türe mag.

Der Herbst ständig wechselt sein Gesicht,
stiehlt uns immer mehr das Tageslicht.
Dann wieder erstrahlt er leuchtend in allen Farben
und überschüttet uns mit seinen Gaben.

Es fegt durch die Bäume geschwind
des Herbstes kalter Wind.
Er rüttelt und schüttelt sie tüchtig alle,
damit jedes einzelne Blatt nach unten falle.

Die Kinder stopfen mit Kastanien sich die Taschen voll,
das Rascheln der Blätter finden sie toll.
Lassen ihren Drachen im Winde steigen,
tanzen glücklich im Blätterreigen.

Sie stapfen mit ihren Füßen in die Pfützen,
sind bekleidet mit Stiefeln und Mützen.
Sie haben ihre Freude zu jeder Jahreszeit,
spielen und lachen bei jeder Gelegenheit.

Drum will auch ich nicht traurig und undankbar sein,
sondern genießen des Herbstes Schein.
Toben dann Sturm und Regen vor der Tür,
suchen daheim Wärme Mensch und Tier.

Wir geben einander Liebe und Geborgenheit,
egal ob es stürmt oder schneit.
Wir schenken uns gemeinsame Zeit,
genießen bei Kaffee und Kuchen des Herbstes Behaglichkeit.

So schließe ich nun mit dem Herbst meinen Frieden,
und lerne auch ihn zu lieben.
Auch diese kühlere Jahreszeit hat gute Seiten,
die jedermann Freude bereiten.

Verloren in den Weiten hatten sich meine Gedanken,
ich weise sie zurück in ihre Schranken.
Nun des Tages Werk ich nehme wieder auf,
so ist eben des Lebens Lauf.

 

 

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Elisa und Luise

Jetzt haben wir schon bald den 11. November. Für mich persönlich ist und bleibt es der Sankt Martinstag. Die Kinder verbinden mit ihm den Martinsumzug mit Laternen und mancherorts auch mit einem Sankt Martin auf dem Pferd, der mit einem Bettler seinen Mantel teilt. Selbst wenn die Geschichte vom Bischof von Tours nicht allen bekannt ist, ist diese Tradition doch noch weit verbreitet. Bei den Erwachsenen denken viele an die Martinsgans und treffen sich zum Gänseessen. Ich esse ebenfalls gerne Gänsebraten, doch ich muss auch an die vielen armen Gänse denken, die ihr Leben für den Gaumenschmaus der Menschen lassen müssen oder sogar nur deshalb gezüchtet werden.
Meine heutige Geschichte widme ich all diesen armen Gänsen:

Elisa liebt die Spaziergänge im Herbst. Wenn die Blätter sich bunt färben, selbst wenn sie von den Bäumen fallen und auch wenn der Wettergott zu weinen beginnt, hält sie nichts mehr im Haus. In wetterfester Kleidung dreht sie ihre tägliche Runde. Früher war ihr Mann an ihrer Seite, doch inzwischen ist sie alleine unterwegs, genießt die Natur und hängt ihren Gedanken nach.
Heute marschiert sie weiter als gewöhnlich. Ihr Weg führt sie bis an den Rand des Nachbardorfes. Noch bevor sie die ersten Häuser erreicht, kommt sie an einer großen Wiese vorbei. Schon aus der Ferne hat sie ein Schnattern vernommen.
„Es hört sich an, als ob es Gänse wären“, überlegt sie.
Und tatsächlich nach der nächsten Biegung sieht sie einen Hof vor einem schon fast zerfallenen Haus. Der Hof ist umzäunt und inmitten befinden sich schnatternde Gänse.
„Das müssen wohl hunderte sein“, denkt Elisa. „Ich werde mal näher heran gehen und mit meinem Fotoapparat ein paar Bilder schießen.“
Sie läuft auf die Umzäunung zu und das Schnattern wird immer lauter und aufgeregter. Die Gänse laufen alle aufgeregt durcheinander und Elisa befürchtet schon, dass sich gleich die Haustür öffnen wird und eine erboste Männerstimme ihr zuruft, sie möge doch endlich verschwinden, damit sich die Gänse wieder beruhigen. Doch niemand erscheint.
„Ich will euch doch nicht stören“, ruft sie den Gänsen zu. „Lasst mich nur schnell ein paar Fotos von euch machen.“
Ihre Bitte geht in dem Geschnatter unter und so macht sie ein paar Aufnahmen und geht wieder zurück nach Hause.
Am nächsten Tag will sie gleich nach ihrem Mittagsschläfchen die Fotos auf ihrem Computer ansehen.
„Ach, die armen Gänse“, sagt Elisa kaum hörbar. „Sie kennen noch nicht ihr Schicksal. Jede einzelne von ihnen wird erst in einem Ofen landen und dann auf Tellern.“
Elisa vergrößert die Aufnahme und betrachtet gedankenverloren die Gänseschar. Plötzlich fällt ihr Blick auf eine einzelne Gans. Sie steht genau dort am Zaun, wo Elisa ihre Fotos gemacht hat. Diese Gans scheint zu ihr hochzublicken. Elisa zoomt die Gans noch weiter heran.
„Seltsam“, flüstert Elisa fast andächtig. „Es sieht aus, als wolle sie mir etwas sagen und ihre Augen sehen traurig aus. Arme kleine Gans!“
Elisa klappt mit einem großen traurigen Seufzer den Laptop zu. Doch der Blick dieser kleinen Gans lässt sie nicht mehr los. So beschließt sie am nächsten Tag noch einmal zu dem Haus mit den vielen Gänsen zu marschieren. Sie will den Gänsen in die Augen schauen. Zu ihrer eigenen Beruhigung, denn sicher war ja alles nur Einbildung.
„Nie und nimmer kann eine Gans mit einem derartig bittenden Blick einen Menschen anschauen. Elisa, du spinnst! Du bist zu lange allein, sonst würdest du nicht auf solche absurden Gedanken kommen.“
Trotzdem kann sie am nächsten Tag dem Drang nicht widerstehen direkt zur Gänsewiese zu marschieren.
„Oh“, ruft sie entsetzt aus. „Das sind ja nur noch die Hälfte!“
Tatsächlich hat sich die Gänseschar deutlich verkleinert. Elisa lässt ihren Blick über die Tiere schweifen und versucht deren Blicke aufzufangen. Es ist unmöglich. Die Tiere zeigen keinerlei Interesse an ihr. Sie zupfen an den Grashalmen, suchen nach Essbarem, laufen kreuz und quer oder liegen einfach nur rum.
„Siehst du Elisa“, tröstet sie sich selbst. „Es war alles nur Einbildung!“
Gerade als sie sich wieder umdrehen und weggehen will, fällt ihr Blick direkt vor ihr auf die Erde. Dort steht sie wieder. Elisa und die kleine Gans sind nur durch den Zaun getrennt. Und wieder wirft die Gans ihr einen bittenden Blick zu, so als wolle sie ihr sagen:
„Bitte, bitte, hol mich hier raus.“
Elisa kniet sich und streckt ihre Hand, auf der ein kleiner Brotkrumen liegt, durch den Maschendrahtzaun. Ganz vorsichtig, als wolle sie Elisa nicht wehtun, nimmt die Gans mit ihrem Schnabel das dargebotene Futter auf.
„Ich kann dich nicht rausholen“, erklärt Elisa. „Aber ich komme morgen wieder und besuche dich.“
Elisa stellt sich, dreht sich ruckartig um, läuft strammen Schrittes nach Hause und schimpft innerlich mit sich selbst:
„Elisa, du wirst alt und sonderbar. Das war reiner Zufall und sonst nichts.  Alles andere ist Blödsinn!“
Trotzdem wiederholt sich in den nächsten fünf Tagen das gleiche Schauspiel. Immer wieder steht diese eine Gans vor Elisa und sieht sie flehend an. Auch die Gänseschar wird immer kleiner. Und an diesem Tag scheint in dem Blick der Gans noch mehr Traurigkeit zu liegen. Auf das Versprechen von Elisa am nächsten Tag wieder zu kommen, glaubt sie in dem Gänseblick die traurige Botschaft lesen zu können:
„Das ist vielleicht zu spät. Wer weiß, ob ich morgen noch da bin!“
Elisa gibt der Gans, die sie inzwischen auf den Namen Luise getauft hat, noch einen Brotkrumen, dann rennt sie davon so schnell sie ihre Füße tragen können. Weit kommt sie nicht, denn schon nach wenigen Metern ist sie außer Puste.
„Elisa, du bist eben keine zwanzig mehr. Und jetzt lass endlich diesen Blödsinn. Du warst doch sonst immer ein Realist und hast dir nichts eingebildet. Also hör endlich damit auf.“
Elisa will sich noch ein letztes Mal umdrehen und dann nie wieder hierher kommen. Genau in diesem Moment zupft ihr etwas am Hosenbein. Luise, die kleine Gans war durch ein Loch im Zaun geschlüpft und hinter ihr hergelaufen und nun steht sie vor Elisa und wirft wieder ihren Blick nach oben.
„Komm mit!“, sagt Elisa und läuft zurück zur Gänsewiese. „Los, komm!“
Doch die Gans will nicht mehr zurück gehen, sie bleibt einfach stehen und harrt der Dinge, die kommen.
„Luise komm! Ich will dich nicht zurückbringen, aber ich muss doch für dich bezahlen!“
Doch Luise, die Gans, bleibt hartnäckig stehen. So läuft Elisa alleine zurück, klopft an der Haustür und tritt ein. In der Küche sitzt ein altes Mütterchen.
„Na endlich“, sagt diese. „Ich dachte schon, Sie kommen nie.“
„Wie?“, fragt Elisa verwundert. „Ich …, ich wollte die Gans bezahlen!“, stottert sie verlegen.
„Nehmen Sie die Gans einfach mit. Sie brauchen nichts zu bezahlen, denn die Gans hat Sie auserwählt. Und nun gehen Sie schon und pflegen Sie sie gut. Sie ist für Sie bestimmt und wird Ihnen Glück bringen, solange Sie für sie sorgen.“
Genau in diesem Augenblick reißt das Klingeln an der Haustür Elisa aus ihren Träumen. Vor der Tür steht ihre Freundin Luise.
„Na, hast du ein Mittagsschläfchen gemacht? Ich wollte dich nicht stören“, sagt sie entschuldigend. „Aber, ich wollte dich einladen. Wenn du Lust hast, dann komm doch morgen Abend zu uns zum Gänseessen?“

 

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Herbstimpressionen

Wieder einmal habe ich meine Festplatte nach Fotos durchforstet. Dieses Mal war ich auf der Suche nach Bilder, die in die dritte Jahreszeit passen. Ich bin fündig geworden und so möchte ich heute mit Euch ein bisschen kreuz und quer durch die Gegend spazieren. Dabei werden wir dem Herbst begegnen. Er hat viele unterschiedliche Facetten, die es zu entdecken gilt. Kommt einfach mit…

Vor uns liegt eine lange Straße, gesäumt von Bäumen, die schon Herbstlaub tragen. 1200px-dsc04119

Im Sonnenlicht erstrahlt die Natur im Herbst ein letztes Mal in ihrer vollen Pracht, bevor schon bald alles kahl und trüb erscheinen wird.1200px-dsc03424

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Bunte Blätter ranken an Mauerwänden hoch und werden zum krönenden Schmuckband.1200px-dsc03980

Am Wegrand steht ein Fliegenpilz, rot und leuchtend.1200px-dsc04151

Auch ein Wildschwein treffen wir inmitten von bunten Blättern an.1200px-dsc07105-kopie

Kastanien fallen von den Bäumen, liegen am Wegrand und warten darauf von Kinderhänden aufgesammelt zu werden.1200px-dsc03815

Ein Erntewagen ist geschmückt  mit Maiskolben und…1200px-dsc06849

… ein anderer wartet im Sonnenlicht auf seinen Einsatz.1200px-dsc04138

Vielleicht wird er mit Holz beladen,…1200px-dsc04141

…das dann im Kamin knisternd verbrennt und…1200px-dsc03377

uns wohlige Wärme schenkt.1200px-dsc03397

Gemütlich lassen wir uns neben dem Kätzchen auf dem Sofa nieder und…1200px-dsc03379

genießen mit einer Tasse Tee den Herbst.1200px-_DSC3865

Ich wünsche Euch ein schönes Herbstwochenende und bedanke mich für Eure treuen Besuche und die vielen lieben Kommentare.

 

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Der Knuddelhund erzählt…

Hallo! Ich bin der ehemalige Knuddelhund meines Herrchens. Naja, heute nicht mehr, da knuddelt er lieber seine Freundin, aber als mein Herrchen noch ein kleines Kind war, da stand ich hoch im Kurs bei ihm. Wie ich zu ihm kam und alles andere rund um meine Persönlichkeit das will ich Euch nun erzählen. Also stellt Euch einfach mal vor, wir sind im Jahre 1995:
Ich bin ein kleines blaues Hündchen mit langen Schlappohren und einem süßen weißen Schnäuzchen. Eines meiner Schlappohren ist rosa und das andere blau. Ich habe weder einen Namen, noch ein Herrchen oder ein Frauchen. Es ist Montag, der 30. Oktober 1995 und bekanntlich ist an diesem Tag Weltspartag. So hat man mich zu einer der vielen Sparkassen gebracht. Genauer gesagt, ich liege unter einem Sparkassentresen in Darmstadt und harre mit anderen Stofftieren auf das, was auf uns zukommen wird. Unser aller Zukunft ist ungewiss. Werden wir denn ein gutes Herrchen oder Frauchen finden oder werden wir zwar mitgenommen, aber dann einfach in einer Ecke des Kinderzimmers verschwinden? Niemand kann es uns sagen. Also ergeben wir uns brav unserem Schicksal.
Immer wieder geht die Eingangstür auf und ich höre Kinderstimmen und das Klappern von Münzen, die aus den verschiedenen Sparschweinen und Spardosen kullern. Hin und wieder greift eine Hand unter die Theke auf die Ablage, wo ich mit den anderen Schicksalsgefährten liege. Ich bin inzwischen von dem Geklimpere und dem Gemurmel schon ein wenig eingeschlafen und schlummere so vor mich hin. Plötzlich dringt eine Jungenstimme an mein Ohr und lässt mich die Augen und Ohren aufsperren. Die Stimme klingt symphatisch und so lausche ich:

„Guten Tag!“
„Hallo T.! Na hast du uns auch dein Sparschwein mitgebracht?“
„Ja, das ist ganz schön schwer“, sagt der Junge.
„Da wollen wir doch mal sehen, was drin ist“, meint die Bankangestellte und schon höre ich die Münzen klimpern.
Es vergeht eine kleine Ewigkeit, bis alles Kleingeld aus dem Schweinchen gezählt ist, doch dann sagt die Frau von der Sparkasse:
„Weil du so schön fleißig gespart hast, wollen wir dich auch dafür belohnen.“
Die Hand kommt wieder zu uns unter die Theke und greift sich ein Stofftier, das neben mir liegt. Jetzt rufe ich ganz laut, denn die Stimme des Jungen hat mir gefallen und ich möchte mit ihm nach Hause gehen.
„Hallo, hallo!!! Ich bin auch noch da. Ich will zu dem Jungen!“
Anscheinend hat mich die Bankangestellte gehört, denn die Hand greift nun auch nach mir und befördert mich ebenfalls nach oben auf die Theke. Jetzt sehe ich den Jungen, der neben einer anderen Frau steht, die anscheinend seine Mutter ist.
„Schau mal hier darfst du dir etwas aussuchen!“, fordert die Bankangestellte den Jungen auf.
Der Junge schaut schüchtern zu seiner Mutter, doch die ermuntert ihn:
„Nimm einfach das, was dir am besten gefällt!“
Ich belle in den freundlichsten Tönen, damit er mich hört und mich auserwählt. Allerdings fängt jetzt auch das andere Stofftier an sich bemerkbar zu machen. Also versuche ich es mit Bitten und Betteln.
„Bitte, bitte, nimm mich doch mit! Du gefällst mir und ich werde dir immer ein treuer Freund sein! Bitte, bitte!“
Ich glaube er hat mich gehört, denn er sagt zu seiner Mutter:
„Das blaue Hündchen gefällt mir am besten. Darf ich es haben?“
Anscheinend haben die Bankangestellte und die Mutter genickt, denn schon umfasst mich die Kinderhand und hebt mich hoch.
„Danke!“, sagt der Junge und drückt mich an sich.
„So, nun habe ich also ein Herrchen“, denke ich mir und schmiege mich an ihn.
„Das Hündchen ist ganz weich“, strahlt der Junge und nimmt mich am Abend auch gleich mit in sein Bettchen.
Mein neues Zuhause ist perfekt. Ich fühle mich hier pudelwohl. Nur Namen habe ich immer noch keinen, aber da will mir der Zufall zu Hilfe kommen.
Schon bald nimmt mich der Junge mit auf eine lange Reise. Seine Mutter wird nämlich Patentante eines französischen Jungen. Also geht es in Richtung Paris zur Taufe. Dort angekommen, empfängt uns nicht nur die französische Familie, sondern auch ein kleiner Hund. Und der ist echt! Er bellt uns erst einmal an. Mein Herrchen findet ihn aber total süß und ich werde schon ein bisschen eifersüchtig. Außerdem kann ich kein Wort verstehen, denn sie sprechen alle nicht meine Sprache. Aber auch mein Herrchen versteht nichts. Der Vater des Patenkindes kommt zu meinem Herrchen und zu mir. Er deutet auf den echten Hund und meint: „Jona!“
Danach deutet er auf mich und fragt: „Quel est son nom?“
„Er möchte wissen, wie dein Hundchen heißt“, erklärt die Mutter meinem Herrchen.
Jetzt bin ich aber gespannt, denn ich weiß meinen Namen ja auch noch nicht. Mein Herrchen zuckt erst mit den Schultern, doch dann beginnt er zu strahlen und meint: „Jonas!“
Von diesem Moment an heiße ich also Jonas. Gut, der Name gefällt mir und ich bin glücklich endlich nicht mehr ein namenloses Etwas zu sein. Ich habe es wirklich gut getroffen. Mein Herrchen liebt mich abgöttisch und knuddelt mich ganz viel. Das hat natürlich Folgen, wie sich jeder vorstellen kann. Eines Tages meint die Mutter meines Herrchens nämlich:
„Dein Jonas sieht gar nicht gesund aus. Er ist so dünn geworden. Ich glaube wir müssen ihn operieren.“
Sofort rennt mein Herrchen davon und holt seinen Arztkoffer. Nun werde ich erst einmal mit dem Stethoskop abgehört und dann gibt mir mein Herrchen eine Spritze in meinen Allerwertesten.
„Autsch!“, rufe ich aus. „Das pikst aber!“
Doch kaum habe ich das gesagt, da schlafe ich auch schon ein. Während ich von einem schönen saftigen Knochen träume, wird mein Bauch aufgeschlitzt und man stopft mich mit alten Socken aus. Ich merke aber zum Glück nichts davon. Als ich wieder aufwache, ist mein Bauch wieder zugenäht. Man sieht noch nicht einmal eine Narbe. Aber ich bin jetzt wieder wie neu. Kugelrund und weich bin ich jetzt und fühle mich richtig wohl.
„So“, sagt die Mutter. „Jetzt ist dein Jonas wieder gesund.“
Mein Herrchen drückt mich an sich und wir beide sind einfach nur glücklich. Sehr viel Jahre lang.
Ihr ahnt es sicher schon. Heute liege ich in einer kleinen Kiste auf dem Dachboden, zusammen mit anderen Utensilien aus den Kindheitstagen meines Herrchens. Diese Kiste hat mein Herrchen zum 18. Geburtstag von seiner Mutter geschenkt bekommen. Er hat sich damals sehr gefreut mich wiederzusehen, obwohl ich mittlerweile schon in die Jahre gekommen bin und etwas abgegriffen aussehe. Das ist nun schon viele, viele Jahre her.
Ich weiß, dass er mich nicht vergessen hat. Eines Tages, so hat er mir versprochen, wenn er selbst kleine Kinder hat, holt er mich wieder vom Dachboden aus meiner Kiste. Dann werden sie mich bestaunen und mein Herrchen wird Geschichten über mich erzählen.

 

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Ein dreifach Hoch

Du bist ein lustiger Geselle und so schön kunterbunt.
Groß und breit ist dein immer lachender Mund.
Deine Nase, so rund und rot, genau mitten im Gesicht.
Dein strahlender Blick mich heute noch besticht.

In Kindheitstagen, du hingst über meinem Bett an der Wand,
warst mein Spielgefährte, wenn ich zog an deinem Band.
Ein guter Freund bei Tag und auch bei Nacht,
hast mit wachem Blick meinen Schlaf bewacht.

Ohne Unterlass konntest du hüpfen und springen,
wann immer ich es befohlen, sollte der Sprung dir gelingen.
Du machtest deine Kunststücke ohne Ruh und Rast,
mal langsam und manchmal voller Hast.

Du hast mich gemacht froh und munter,
durch dich wurde meine Welt heller und bunter.
Noch heute zauberst du mir ein Lächeln ins Gesicht,
voller Dankbarkeit widme ich dir deshalb dieses Gedicht.

Dreimal hoch lebe mein kleiner Hampelmann,
denn wir waren ein wahrlich prima Gespann.
Du bist und bleibst, das ist doch sonnenklar,
ein für alle Zeit, meiner Kindheit großer Star.

 

 

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Pit Struwwel und Franz Stroh

Pit steht am Rande des Stoppelfeldes. Er ist eigentlich ein lustiger Geselle. Schon sein Aussehen ist kunterbunt. Er trägt eine braune Hose mit bunten Stoffflicken und einen grünen Mantel, der ebenfalls einige Flicken enthält. Um seinen Hals ist ein orangefarbenes Tuch geschlungen und auf seinem Kopf thront ein schwarzer Schlapphut mit einem grünen Band.

Meist hat Pit gute Laune, doch heute ist er alles andere als gut drauf, wie man landläufig so sagt. Seine Stimmung ist auf dem Tiefpunkt angekommen. Warum? Naja, erstens weil er hier fast alleine in der gottverlassenen Gegend herumsteht und zweitens, weil es in Strömen regnet. Der dritte Grund für seine schlechte Laune sind die immer weiter sinkenden Temperaturen. Normalerweise würde er gar nicht mehr hier draußen stehen, sondern wäre in der Wärme und hätte ein Dach über dem Kopf.

„Ich frage mich, warum sie mich hier einfach stehen lassen und sich keiner um mich kümmert“, überlegt er. „Das war noch niemals so. Jedes Jahr haben sie mich abgeholt.“
Pit blickt sich mürrisch in der Gegend um. Sein Blick sucht jemand. Dort drüben, am Rand des anderen Ackers, steht sein alter Kumpel Franz. Er trägt einen braunen Schlapphut, allerdings mit einem orangefarbenen Band. Sein Halstuch ist blau und sein roter mit Flicken bedeckter Mantel reicht bis auf die Erde.
„Hey Franz!“, ruft er hinüber. „Du bist ja auch noch da! Ist es dir auch so bitterkalt?“
„Und wie!“, schallt es zu Pit herüber. „Ich bin schon ganz unterkühlt und vom Regen auch noch fast durchgeweicht. Lange halte ich es hier nicht mehr aus.“
„Wir müssen uns was einfallen lassen“, schreit Pit.
„Ich überlege ja schon die ganze Zeit“, antwortet Franz. „Aber mir will einfach keine Idee kommen. Wir werden abwarten müssen und wenn uns nicht bald jemand hier errettet, dann werden wir uns wohl den Tod holen.“
Pit nickt und pflichtet seinem Kumpel zu, danach versinken beide wieder in ihren Gedanken. Sie zittern und bibbern und versuchen den vielen dicken Regentropfen standzuhalten.
Es dauert nicht lange, da kommt ein kleines Kätzchen vorbei. Es versucht vor der Nässe in Pits Hosenbein Schutz zu suchen.
„Darf ich mich ein bisschen bei dir aufwärmen?“, fragt es schüchtern und schmiegt sich ganz dicht an Pit. „Ich bin nämlich wasserscheu!“
„Mach nur!“, sagt Pit. „Aber viel wird es dir nicht bringen, denn meine Kleidung ist schon ganz durchgeweicht.“
„Wieso steht ihr denn hier so rum, wie bestellt und nicht abgeholt?!“, will das Kätzchen wissen. Übrigens, ich bin Kitty.“
„Gestatten, ich bin Pit und mein Kumpel dort drüben ist Franz. Wir sind hier schon den ganzen Sommer über, tun unsere Arbeit und eigentlich sollten wir noch vor dem schlechten Wetter abgeholt werden, aber sie haben uns vergessen.“
„Das ist aber gemein“, meint Kitty. „Ihr habt doch den ganzen Sommer über gute Arbeit geleistet und jetzt sind sie so undankbar und denken nicht mehr an euch. Vielleicht kann ich euch helfen!“
„Du?“ fragt Pit erstaunt.
„Du bist doch nur ein kleines Kätzchen, wie willst du uns denn helfen. Ach lass nur, wir sind verloren, das müssen wir einfach begreifen“, ruft Franz, dem der Wind die Worte des Kätzchens hinüber getragen hat.
„Ich komme wieder!“, gibt Kitty den beiden traurigen Gesellen zu verstehen. „Haltet durch!“  Und schon läuft sie über das Feld in Richtung Dorf.
Als sie auf dem Bauernhof angekommen ist, auf dem auch ihre Eltern wohnen, erzählt sie ihnen sofort von Pit und Franz.
„Kitty, wir sind viel zu klein und schwach. Wir können nicht helfen.“
„Aber die beiden sterben doch sonst!“ Kitty weint, denn sie mag die beiden Gesellen.
„Dann lass uns mal zu den Kühen gehen. Die sind groß und stark und bei ihnen im Stall könnten Pit und Franz auch wohnen“, schlägt Kittys Papa vor.
Die drei Katzen marschieren in den Stall, wo ganz viele Milchkühe stehen und muhen.
„Wir brauchen eure Hilfe“, sagt Kittys Mama und gemeinsam erzählen sie die Geschichte von Pit und Franz.
„Muh!“, ruft die Anführerin der Kühe. „Das ist ja ein schlimmes Schicksal und die Beiden tun uns ja auch leid, aber wir können nicht helfen. Unsere Euter sind voller Milch, wir müssen gemolken werden. Außerdem sind wir hier eingesperrt und angebunden. Wir können nicht weg.“
Kitty wird immer trauriger und macht ganz große Augen, die sich verdächtig mit Wasser füllen. Als die Kühe das sehen, werden sie ganz unruhig und muhen alle durcheinander. Sie beratschlagen, ob es eine Lösung für dieses verzwickte Problem gibt.
„Ich hab’s!“, ruft plötzlich Milly, die dritte Kuh von links. „Geht zum Hofhund Bello! Der darf frei herumlaufen, ist stark und kann euch bestimmt behilflich sein!“
Kaum hat Milly ausgesprochen, da rennen die drei Katzen auch schon zur Stalltür hinaus und quer über den Hof.
„Bello! Bello! Bello!“, rufen sie dem großen Hund entgegen.
„Was macht ihr für ein Getöse! Haut ab, ich will meine Ruhe und kann keine Katzen gebrauchen.“
„Aber wir brauchen dich!“, sagt Kitty und bleibt ein Stückchen von Bello entfernt sitzen. „Ach lieber Bello, nur du kannst uns helfen!“, schmeichelt sie sich bei dem Hofhund ein.
„Ich soll euch kleinen Fellnasen helfen?! Haha!“
„Nein, eigentlich nicht uns, sondern Pit und Franz!“, schnurrt Kitty und auch ihre Eltern miauen in den schönsten Katzentönen, die jedes Herz erweichen können.
„Wer zum Kuckuck sind denn Pit und Franz?“ Bello ist neugierig geworden und hört nun den Ausführungen der Katzen zu. „Führt mich zu ihnen!“, befiehlt er als sie geendet haben.
So kommt es, dass Kitty als Anführerin voraus läuft, gefolgt von ihrer Mama und ihrem Papa und hintendrein marschiert Bello.
Als sie bei den beiden traurigen Gesellen angekommen sind, springt Bello zunächst zu jedem von ihnen und hebt erst einmal sein Bein. Das tut er jedoch aus Freude, denn die Beiden gefallen ihm. Er mag sie auf Anhieb und willigt ein, ihnen zu helfen. Er zerrt an Pits Hosenbein.
„Hey, lass das! Du zerreißt doch meine gute Hose!“, beschwert sich dieser.
„Das ist auch meine Absicht, denn ich brauche ein Stück deiner Hose!“, gibt Bello ihm zu verstehen.
„Untersteh dich!“, wehrt sich Pit abermals, doch seine Worte werden von dem Sturm verschluckt, der plötzlich aufzieht. Ein tüchtiger Windstoß fegt den Hut von Franz von dessen Kopf. Bello springt schnell hinüber, schnappt sich den Hut und läuft zurück zum Bauernhof.
Dort sucht er sein Herrchen, den Bauer Schmidt. Zum Glück findet er ihn ziemlich rasch. Er ist gerade beim Füttern der Hühner.
„Was schleppst du denn da an?“, fragt der Bauer verdutzt und nimmt den Hut aus Bellos Maul. „Seltsam, was ist das denn für ein Schlapphut?“, überlegt Bauer Schmidt und dreht den Hut gedankenverloren in seinen Händen.
Bello bellt ganz laut sein Herrchen an und springt immer wieder ein Stückchen vor und zurück.
„Willst du, dass ich mit dir komme? Willst du mir etwas zeigen?“
Bauer Schmidt greift sich seine Jacke, setzt sich selbst den Schlapphut auf und folgt dem Hofhund über die Felder. Doch plötzlich sieht er die beiden traurigen Gesellen und weiß, was sein treuer Bello von ihm möchte.
„Ach!“, sagt er. „Euch habe ich ja ganz vergessen.“
Schnell greift er sich Pit und dann klemmt er sich auch noch Franz unter den Arm. Eilig bringt er die beiden Gesellen auf den Hof und weist ihnen einen Platz zum Trocknen in einer Ecke des Kuhstalls zu.
Am Abend kommen Bello, Kitty und deren Eltern bei den Vogelscheuchen Pit und Franz vorbei. Die Beiden haben strahlende Gesichter aufgesetzt und begrüßen ihre Helfer mit einem freundlichen Hallo und einem großen Dankeschön.
„Das war Rettung in letzter Minute. Der Sturm hätte uns jetzt noch den Garaus gemacht. Habt Dank, liebe Freunde!“, rufen sie glückselig im Chor.
Als Bauer Schmidt das Hoflicht löscht, hört er aus dem Stall das Muhen der Kühe, das Miauen der Katzen, Bellos freundliches Bellen und das Lachen der beiden Geretteten. Und wer genau hinhört, vernimmt auch noch das aufgeregte Gackern der Hühner, die die frohe Botschaft von Pit und Franz’ Rettung ihrem Hahn erzählen.

 

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Der Lümmel aus der letzten Bank

Da ich mich ja nun auch von meinen Sommererinnerungen an Rhodos verabschiede und endlich hier im Herbst ankommen muss, kommt mir die folgende Geschichte gerade recht. Sie ist wie ein kleiner Brückenschlag von einer Jahreszeit zur nächsten. Es ist eine Kindheitserinnerung meines Mannes, die er mir auf der Insel zum wiederholten Male erzählte. Warum sie ihm gerade im Sommerurlaub auf Rhodos wieder einfiel, kann ich Euch jetzt noch nicht verraten. Allerdings wird Euch diese Logik spätestens am Ende meiner Geschichte einleuchten. Also lasst Euch überraschen:

Mein Mann hatte während seiner frühen Schulzeit schon einige Flausen im Kopf. Ich bin froh, dass dies unser Sohn nicht geerbt hat, jedenfalls sind mir keinerlei Klagen der Lehrer bekannt. Meine Schwiegereltern hingegen erfuhren bei Elternversammlungen gar manchen Unsinn ihres Sohnes. Wer hätte damals gedacht, dass aus ihm einmal ein Universitätsprofessor werden würde? Weder seine Eltern, noch seine damaligen Lehrer.
„Ach ja, der Herbst und das Blättersammeln“, sagt mein Mann leicht verträumt, als wir durch die Hotelanlage spazieren.
„Wirst du jetzt melancholisch?“, frage ich stirnrunzelnd.
„Nö, das nicht, aber mir fällt da nur gerade etwas aus meiner Schulzeit ein.“
Ich schweige fein still, denn noch ahne ich nicht, worum es geht.
„Ihr Grundschullehrer wollt doch immer, dass die lieben Schülerlein im Herbst Blätter sammeln.“
„Ja, da kann man ganz tolle Projekte gestalten. Egal, ob in Kunst oder Biologie oder…“
Mein Mann lässt mich gar nicht erst ausreden, sondern erzählt munter weiter.
„Jahr für Jahr immer wieder und einmal wurde es mir zu bunt…“
„Wie? Deine Blätter waren dir zu bunt?“, frage ich verwirrt.
„Ach Quatsch, meine Blätter doch nicht. Die waren alles andere als bunt.“
Inzwischen habe ich eine leise Ahnung, um welche Schandtat aus seiner Kindheit es sich handeln könnte. Immerhin sind wir schon seit 37 Jahren zusammen und da hat man sich schon viel erzählt. Ich lasse ihn aber weiter erzählen, denn ich liebe diese Geschichten.
„Ich hatte einfach keine Lust Blätter zu sammeln. Zuerst jedenfalls und dann habe ich es schlichtweg vergessen oder vielleicht auch verdrängt. Keine Ahnung. Auf jeden Fall stand ich morgens im Schulhof mit meinen Kumpels zusammen und sie fragten mich beiläufig, ob ich denn auch meine Blätter mit hätte…“
„Natürlich hatte Klein-Peter keine!“, lache ich.
„Mhmh!“, nickt mein Mann grinsend. „Als ich in der Stunde dann verlegen auf meinem Stuhl hin und her rutschte, fragte mich der Lehrer, ob ich auf die Toilette müsste. Ich nickte und durfte gehen.“
„Ja und?“
„Als ich wieder ins Klassenzimmer kam, hatte ich meine Blätter dabei.“
„Wieso? Warst du schnell am Schulhof sammeln?“, will ich wissen. Ich bin leicht irritiert. Sollte ich die Geschichte doch noch nicht kennen? Das wäre eigentlich recht unwahrscheinlich, aber immerhin möglich.
„Nein! So weit musste ich gar nicht erst gehen“, erklärt er mir geheimnisvoll.  „Auf alle Fälle war ich so was von froh, als ich zurück ins Klassenzimmer kam.“
„Dein Lehrer hat sich wohl gefreut, als er sah, dass selbst du deine Hausaufgaben, nämlich das Blättersammeln, ordentlich erledigt hattest?!“
„Freude ist gar kein Ausdruck dafür!“, sagt mein Mann todernst.
Ich hingegen kann mich nun nicht mehr vor Lachen halten, denn ich weiß inzwischen ganz genau, um welche Geschichte es sich handelt. Ich habe vor Lachen regelrecht Bauchschmerzen und japse nach Luft.
„Los, erzähl weiter!“
„Als ich so den Gang entlang schlenderte, der übrigens menschenleer war, da fiel mein Blick auf etwas, das ganz hinten in einer Ecke stand.“
„Ja?!“, sage ich und gestikuliere, damit er weiter erzählt.
„Da stand ein Gummibaum mit schönen Blättern. Die waren zwar nicht bunt, sondern grün, aber groß waren sie. Das hatte den Vorteil, dass ich nicht so viele benötigen würde, um mein Blatt damit zu bekleben. Also entblätterte ich den Gummibaum ein bisschen und steckte die Blätter unter meinen Pullover.“
„Oh nein, der arme Gummibaum!“
„Stimmt, es tat ihm wohl weh, denn er „blutete“!“
„Und?“ Ich will wissen, wie es weiter ging.
„Na, nichts und!“, sagt mein Mann. „Als der Lehrer sah, was ich da versuchte auf mein Zeichenblatt zu kleben, kam er sofort angerauscht. Erst fragte er mich scheinheilig, woher ich diese Blätter hätte. Dann rauschte er zur Tür hinaus, warf einen Blick um die Ecke und kam wieder herein gerauscht. Danach brach das Donnerwetter über mich herein. Das erste. Das zweite sollte später noch folgen.“
„Hihi!“, lache ich schadenfroh.
„Da brauchst du gar nicht lachen. Ich wurde verdonnert eine neue Pflanze zu besorgen. Das tat ich auch, indem ich heimlich mein Sparschwein leerte und eine Pflanze kaufte. Irgendwie tat mir die Sache ja auch leid.“
„Richtig so!“, pflichte ich dem Lehrer und Peters schlechtem Gewissen bei.
„Der Lehrer hat sich auch mächtig gefreut und ich dachte schon, damit wäre die Sache ein für alle Male erledigt.“
„War es nicht?“
„Nein, selbstverständlich nicht! Es war nur so eine Art ‚Ruhe vor dem Sturm‘. Das zweite Donnerwetter sollte noch folgen.“
„Von den anderen Lehrern?“
„Nein, von denen nicht“, sagt mein Mann und gönnt sich eine kurze Atempause. Wohl auch um die Spannung zu steigern, bevor er weiter spricht: „Allerdings war schon bald Elternabend angesagt und der Lehrer erzählte die Geschichte meinen Eltern. Da war was los, als sie heimkamen, kann ich dir sagen!“
„Das kann ich mir vorstellen. Hast du Stubenarrest bekommen?“
„Das weiß ich nicht mehr, aber der Donner klingt mir noch in den Ohren.“
Tja und weil Schadenfreude bekanntlich die schönste Freude ist, laufen mir mittlerweile die Tränen vom Lachen über die Wangen. Als ich sie wegwische und wieder klar sehen kann, erkenne ich auch, warum Peter gerade in diesem Moment diese wohl einzigartige Schulgeschichte eingefallen ist. Wir stehen vor einer Vielzahl von riesigen Gummibäumen, die in der Wärme und dem Klima von Rhodos draußen in der Hotelanlage wachsen und prächtig gedeihen können.
Ich schnappe mir also mein Handy und mache sofort ein paar Fotos von den Blättern, denn ich dachte mir, dass Euch diese Geschichte bestimmt gefällt. Also habe ich sie Euch mitgebracht.

 

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Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht!

Nachdem ich Euch neulich einige Fotos von unserem Urlaub auf Rhodos gezeigt habe, möchte ich Euch heute wieder einmal eine Geschichte erzählen. Ihr könnt es mir wirklich glauben, es ist nicht geflunkert. Wir hatten tatsächlich dieses Erlebnis auf der schönen griechischen Insel. Ich sage nur: Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht! Oder passiert so etwas nur uns?
Es ist einer der letzten Abende auf Rhodos. Die Luft ist warm und es ist bereits dunkel. Wir haben gerade unser Abendessen eingenommen und überlegen, was wir jetzt tun sollen.
„Lass uns noch ein bisschen mit dem Auto auf der Insel umherfahren“, schlägt mir mein Mann vor. „Morgen müssen wir den Wagen wieder abgeben, also ist jetzt die beste Gelegenheit ihn noch einmal zu benutzen.“
„Okay und hast du eine Idee, wo unser abendlicher Ausflug hingehen soll?“, erkundige ich mich.
„Wir fahren einfach drauf los und irgendwo werden wir schon landen.“
Dieser Vorschlag gefällt mir und so setzen wir uns ins Auto und los geht die Fahrt. Wir landen in einem Ort, in dem wir bereits vor zwei Jahren schon einmal waren. Hier flanieren ebenfalls Urlauber an den unterschiedlichen Geschäften, Bars, Restaurants und Hotels vorbei.
„Die Souveniers und der ganze Krimskrams ist doch in jedem Ort der gleiche“, sagt Peter. „Da müssen wir nicht wieder irgendeinen Mist kaufen.“
Er hat absolut recht, denn hier gibt es nichts, was man wirklich gebrauchen kann oder was wir unbedingt haben müssten. Also nehmen wir uns vor, einfach nur die Straße entlang zu spazieren und eventuell irgendwo für einen Drink einzukehren, wozu es allerdings nicht mehr kommen soll. Bereits nach ungefähr hundert Metern, erblickt mein Göttergatte nämlich einen Laden, der dann doch seine Aufmerksamkeit erregt. Auch ich bin nicht abgeneigt dieses Geschäft zu besuchen und ein wenig umherzuschnüffeln.
Hier gibt es Gemälde. Sicherlich sind es keine kostbaren Gemälde und auch nicht von namhaften Künstlern, aber schauen kann man ja mal.
„Vielleicht finden wir ja etwas für unsere Diele oder den Treppenaufgang zum oberen Stockwerk“, überlege ich laut, während mein Peter schon einige Bilder unter die Lupe nimmt.
„Schau mal, wie gefällt dir dieses Bild?“, fragt er mich plötzlich und ich stelle mich zum Betrachten des Gemäldes neben ihn.
„Nicht schlecht und es würde auch farblich gut passen“, erkläre ich. „Allerdings müssten wir uns noch einen geeigneten Bilderrahmen beschaffen, denn es ist schon recht groß. Und denk bitte daran, dass wir mit unserem Gewicht schon am Limit sind“, gebe ich zu bedenken.
„Das ist ja wohl kein Problem“,entgegnet mein Mann. „Das Bild wiegt ja nichts und den Rahmen kaufen wir eh in Deutschland.“
Wir betrachten das Gemälde noch einmal ausgiebig, das übrigens eine Tänzerin abbildet, und entschließen uns dann für den Kauf.
Und damit nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Allerdings ist es nicht das Gemälde, das zur allgemeinen oder besser gesagt, zu unserer Verwirrung beiträgt, sondern…

Aber lasst mich einfach weiter erzählen:
Der Verkäufer und Peter schreiten zur Bezahlung. Mein Mann zückt seine Kreditkarte und legt sein Portemonnaie auf den Verkaufstresen. Das Einschieben der Karte in das Kartenlesegerät ist kein Problem, doch dann meint der griechische Verkäufer: „PIN!“
„Brauche ich dabei nicht, nur unterschreiben muss ich!“, erklärt Peter und gestikuliert dabei, so dass der Verkäufer zufrieden und freundlich nickt. Dann kommt er allerdings mit einer Schere und will den Zettel, den das Gerät ausspuckt durchschneiden. Allerdings wird er dabei etwas unsicher und greift zum Telefon.
Mein Mann und ich sehen uns verwirrt an, aber er erklärt dann in gebrochenem Deutsch: „Bruder kommt, er weiß.“
Wir wissen es auch, aber irgendwie ist der Verkäufer verunsichert und will nichts falsch machen. Innerhalb von zwei Minuten steht der Bruder da, schneidet den Zettel durch und erklärt auf griechisch vermutlich genau das, was auch wir schon wissen. Nämlich, dass man beim Bezahlen mit der Kreditkarte ohne PIN einfach nur unterschreiben muss. Das ist übrigens auch der Grund, warum mein Mann immer lieber mit Kreditkarte bezahlt und nicht mit der EC-Karte. Er kann sich einfach die PIN nicht merken, wie ihr ja schon aus einer früheren Geschichte wisst.
Okay, jetzt klappt also auch die Bezahlung, der Bruder geht wieder, der Verkäufer rollt uns das Bild zusammen und steckt es in eine Tüte, die er uns überreicht. Peter steckt die Kreditkarte wieder in seine Geldbörse, nimmt diese und den Autoschlüssel vom Tresen und steckt beides in seine Hosentaschen. Wir verabschieden uns und fahren wieder freudig zu unserem Hotel zurück. Immerhin haben wir gerade ein schönes Andenken an unseren Rhodosurlaub erstanden.
Am Hotelparkplatz angekommen, erklärt Peter:
„Ich räume gleich alles aus dem Auto und schaue nach, dass wir nichts im Wagen vergessen haben, dann geben wir gleich den Schlüssel an der Rezeption ab.“
Soweit, – so gut!
Als wir zwei Schritte vom Wagen entfernt sind, frage ich: „Hast du das Auto auch zugesperrt?“
„Ach, ich glaube, das hab ich jetzt vergessen.“
Mein Mann greift in seine rechte Hosentasche, um den Schlüssel herauszunehmen. Während er auf den Schließer drückt, fummelt er mit der anderen Hand an seiner linken Hosentasche herum.
„Was ist los?“, frage ich verwundert.
Keine Ahnung!“, sagt er und zieht einen Autoschlüssel aus der linken Hosentasche.
„Wo kommt der denn her? Wieso hast du zwei?“
„Das frage ich mich jetzt auch! Ich hab‘ keine Ahnung!
Ratlos stehen wir da und schauen sprachlos auf die  Schlüssel in der rechten und linken Hand meines Mannes.
Der Schlüssel in seiner rechten Hand gehört zu einem Fiat, also zu unserem Mietwagen. Der Schlüssel in seiner linken Hand gehört allerdings zu einem Lancia. Doch wie kommt er in die Hand meines Mannes und wem gehört der Lancia?
„Lag der im Auto? Gehörte er vielleicht dem Vormieter dieses Wagens?“ Peter zuckt ratlos mit den Schultern. „Keine Ahnung!
„Ist der vielleicht in der Tüte mit dem Bild gewesen? Die ist nämlich vorhin vom Sitz gefallen. Vielleicht hast du ihn aufgehoben und beim Autoaufräumen in die Hosentasche gesteckt.
Peter zuckt mit den Schultern: „Keine Ahnung!“
„Oder lag der auf dem Tresen und du dachtest, es sei dein Schlüssel?“
Peter zuckt mit den Schultern.
Keine Ahnung“, sagt mein Mann nun zum fünften Mal an diesem Abend. „Ich kann es mir beim besten Willen nicht erklären.“
Wir schauen auf die Uhr. Inzwischen ist es schon nach Mitternacht. Also hat es keinen Zweck zurückzufahren und in dem besagten Geschäft nachzufragen. Wir gehen zur Hotelrezeption, wo ein Grieche dahinter und ein Grieche davor steht. Wir erklären unser Problem und zeigen unseren Kassenbon vor, in der Hoffnung dass dort irgendein Name oder eine Telefonnummer vermerkt ist. Tatsächlich wird der Herr von der Rezeption fündig und ruft auch sofort bereitwillig an, allerdings meldet sich nur ein anderes Hotel.
„Jetzt ist guter Rat teuer“, sage ich und werfe sofort die Frage hinterher: „Was machen wir denn jetzt?“
Der Grieche vor dem Rezeptionstresen, der übrigens deutsch spricht, mischt sich ein und erkundigt sich, was wir gekauft haben und, ob wir das Geschäft beschreiben können. Dies versuchen wir. Danach zückt dieser Mann sein Handy und wählt eine Nummer. Wir verstehen kein Wort des Telefonats, aber zum Schluss erklärt er, dass er ungefähr wisse, wo wir das Bild gekauft haben und morgen gehe jemand zu dem Verkäufer und frage nach, ob ihm ein Autoschlüssel fehle. Das beruhigt uns.
Auf unser Nachfragen am nächsten Morgen an der Rezeption weiß keiner irgendetwas von irgendeinem Schlüssel. Seltsam. Ein Blick hinter den Tresen lässt meinen Mann jedoch erkennen, dass der Schlüssel achtlos zwischen Bleistiften, Notizzetteln, Radiergummis und anderen Utensilien liegt. Leider lässt sich nichts Weiteres in Erfahrung bringen. Doch am Abend treffen wir wieder den besagten Griechen ( der am Abend zuvor vor dem Tresen stand) und dieser erzählt uns, dass der Schlüssel tatsächlich dem Verkäufer gehöre. Dieser habe aber noch einen Ersatzschlüssel. Alles sei kein Problem und überhaupt sei er am nächsten Tag in dem besagten Ort und bringe dem Mann seinen Autoschlüssel. Wir sollen uns keine Sorgen machen, denn alles sei gut.
Wir sind echt froh, dass sich alles so gut geregelt hat und auch alles scheinbar recht unkompliziert gesehen wird. Allerdings weiß mein Mann bis heute nicht, wie dieser Schlüssel in seine Hosentasche kam.

Keine Ahnung!„, ist alles, was er dazu sagen kann.

 

 

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Ein Traum in Blau-Weiß

Heute möchte ich Euch ein bisschen an unserer letzten Reise teilhaben lassen. Wie Ihr ja wisst, waren wir auf Rhodos. Griechenland ist einfach ein Traum in Blau-Weiß. So jedenfalls habe ich diese griechische Insel empfunden. Schaut Euch die Fotos an und Ihr werdet mir sicherlich zustimmen. Vielleicht können die Fotos ein wenig dafür entschädigen, dass zur Zeit bei uns der Himmel alles andere als blau ist.

Das Städtchen Lindos hat es uns besonders angetan. Schon von Weitem wirkt es einfach nur traumhaft. Die weißen Häuser schmiegen sich in die Landschaft ein und stechen vom blauen Himmel und vom blauen Meer ab.1200px-dsc09543

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Auch die Schiffe auf dem blauen Meer wirken wie weiße Farbtupfer.1200px-dsc08509

Egal, ob es sich hierbei um kleine und …1200px-dsc09401große Schiffe oder …1200px-dsc08774flotte Flitzer handelt.1200px-_dsc4482

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Aber auch die Therme von Kalithea erstrahlt in einem reinen Weiß und hebt sich gegen den strahlend blauen Himmel ab.1200px-_dsc4792

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Auf der gesamten Insel findet man kleine Kapellen oder Kirchen und Klöster, die mit ihren Kreuzen oder Türmen in den Himmel ragen.1200px-_dsc4743

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Diese wunderschöne kleine Kirche haben wir in einem unscheinbaren Ort entdeckt. Sie ragt zwischen einfachen weißen Häusern heraus. Da sie richtig von diesen Häusern eingeschlossen und umringt ist, war es mir nicht möglich sie komplett von unten bis oben auf dem Foto einzufangen. Außerdem konnte ich sie nur von einer Seite aus, ohne die störenden Stromleitungen in ihrer Pracht auf das Foto bannen.

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Wenn es schon so viele Kirchen auf dieser relativ kleinen Insel gibt, so gibt es doch sicherlich auch viele Hochzeiten.

Wir haben zwei Hochzeitspaare angetroffen. Ein Brautpaar sahen wir in Kalithea und ein anderes am Strand von Rhodos Stadt: Ein Traum in Weiß vor einer blauen Kulisse.1200px-_dsc4617

Na, habe ich in Euch ein bisschen das Fernweh geweckt? Ich würde nur allzu gerne wieder in die Sonne flüchten. Aber vielleicht hat der Wettergott ja doch noch ein Erbarmen mit uns und schickt uns auch in diesem Herbst noch ein paar Sonnenstrahlen. Schön wäre es auf jeden Fall.

 

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Sommerabschiedsgruß

Da ich erst Sonntagnacht von Rhodos zurückgekommen bin, wo ich einen strahlend blauen Himmel und ein tolles blaues Meer zurückgelassen habe, fiel mir jetzt der deutliche Herbstanfang in Deutschland doch etwas schwer. So musste ich nun auch für mich innerlich Abschied nehmen vom Sommer. Daher war es mir ein Bedürfnis, dies mit diesem Gedicht zu tun und noch einen Sommerabschiedsgruß in die Runde zu schicken.

Ich stehe hier und mein Blick schweift umher,
oh, wie ich liebe Sonne, Strand und Meer.
Blau bis zum Horizont, wo Himmel und Meer sich küssen,
oh, wie werde ich dies alles hier vermissen.

Still und leise seufze ich tief in mich hinein,
ach, könnt’ ich doch nehmen alles mit nach Daheim.
Ich dank dem Himmel für Ruhe, Frieden und der Blüten Duft,
atme ein, die mit Glück durchströmte Luft.

Des Sommers unvergleichbar strahlenden Glanz,
schließe ich in meinem Herzen ein, voll und ganz.
Obwohl innerlich eine leise Ahnung von Herbst mich umweht,
die Erinnerung an eine Zeit voller Wärme und Freude mit mir geht.

Daraus erwächst auch in der kalten Jahreszeit,
in mir Dankbarkeit, Hoffnung und Zufriedenheit.
Wenn dann des Herbstwindes Hauch mir flüstert zu,
fühl ich mich gut und lieb auch ihn im Nu.

Deshalb denk ich: Mensch sei gerecht,
auch die kalte Jahreszeit hat ihr Recht.
Hauptsache in deinem Herzen die Sonne scheint,
egal, ob der Himmel lacht oder weint.

Ade lieber Sommer, willkommen Herbst, ich nun sage,
es gibt keinerlei Grund für mich zur Klage.
Du entschädigst mich mit des Baumes bunten Blättern,
auch wenn jetzt die Temperaturen stark nach unten klettern.

Selbst der Winter kann mich nicht mehr schocken,
fallen doch vom Himmel die herrlichen weißen Flocken.
Wenn dann mit der Frühlingssonne die Natur wieder erwacht,
schon bald mir der erste strahlende Sommertag fröhlich entgegen lacht.

 

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Anton

Sabine, genannt Bienchen, ist mit ihren Eltern am Meer. Genauer gesagt am Mittelmeer, auf einer Insel. Bienchen ist erst 5 Jahre und dies ist ihre zweite Reise zum großen Wasser, wie sie das Meer nennt. Heute sind sie auf Besichtigungstour. Das ist ein bisschen langweilig, denn sie spielt am liebsten am Strand und baut mit ihrem Paps Burgen oder plantscht mit Mama und Papa im seichten Wasser.

Während ihre Eltern die Aussicht bewundern, schleckt sie ein Eis und sieht sich nach interessanteren Dingen um. Doch hier ist nicht viel. Sie sieht eine kleine Kapelle, ein paar Felsen, das Meer und den Himmel über ihnen. Doch dort vorne huscht etwas um die Ecke. Ein kleines Kätzchen. Sie läuft ihm entgegen, in der Hoffnung, dass es sich streicheln lässt. Dabei verliert sie ihren inzwischen leeren Eisbecher. Achtlos lässt sie ihn liegen.
„Hey, du da!“, hört sie auf einmal jemand rufen. „Was soll das denn?“
Sie dreht sich erschrocken um, kann aber niemand erkennen. Doch dann hört sie die leicht verärgerte Stimme schon wieder.
„Haben deine Eltern dir das nicht beigebracht?“
„Was?“, fragt sie ein bisschen ängstlich zurück und blickt sich irritiert um. „Wo bist du überhaupt?“
„Dreh dich ein Stückchen nach links, dann siehst du mich. Ich bin nicht zu übersehen!“
„Aber warum versteckst du dich jetzt vor mir, denn ich sehe niemand.“
„Ich bin ja auch kein Niemand!“, dröhnt es zurück.
„Wer bist du denn? Und komm endlich raus!“, fordert Bienchen den Unbekannten auf. Langsam wird es ihr unheimlich zumute und gerade als sie zu ihren Eltern zurücklaufen will, da sieht sie ihn.
Tatsächlich, er ist eigentlich nicht zu übersehen. Groß und rund mit vielen gelben und grünen Streifen steht er da und scheint sie anzulächeln.
„Na also, hast du mich endlich entdeckt!“, klingt es zu Bienchen herüber.
„Du kannst sprechen?“
„Ja, nur leider hören mich nicht alle Menschen. Viele sind zu unsensibel oder achtlos. Sie wollen mich weder hören, noch sehen. Außerdem, wer gibt sich schon mit einem Mülleimer ab?!“, sagt der gelb-grüne Kerl jetzt mit trauriger Stimme.
„Wieso?“, Bienchen tritt näher und plappert fröhlich darauf los. „Du bist doch sehr hübsch. Ich mag dich!“
„Dann gib mir doch bitte auch ganz schnell was zu essen, ich bin soooo hungrig!“
Bienchen läuft rasch zu ihrem Eisbecher zurück und bringt ihn zum Mülleimer. Sie stellt sich auf die Zehenspitzen und öffnet den Deckel, um den leeren Eisbecher einzuwerfen.
„Dankeschön!“ klingt es fröhlich zurück.
Bienchen wirft einen flüchtigen Blick zu ihren Eltern. Diese stehen unweit der kleinen Kapelle und beobachten eine Hochzeitszeremonie, die dort zufällig stattfindet. Schnell winkt Bienchen ihren Eltern zu. Die Hochzeit interessiert sie im Moment überhaupt nicht. Sie hat hier eine viel interessantere Bekanntschaft gemacht.
„Warum stehst du hier so alleine rum?“
„Oh, ich fühle mich nicht einsam. Ich habe den besten Platz mit der schönsten Aussicht auf das Meer. Und die Sonne wärmt mich jeden Tag. Die Katzen kommen oft und holen sich bei mir ihr Fressen ab, das die Menschen nicht mehr wollen und bei mir entsorgen. Manchmal fliegt auch eine Möwe über mich hinweg und lässt etwas zu mir herunterfallen.“
Sabine kichert, denn sie weiß, was die Möwe da fallen lässt.
„Mama sagt, das bringt Glück!“

Nach einem kurzen Moment des Schweigens macht sie vor der Tonne einen Knicks und stellt sich vor:
„Ich bin Sabine und wie heißt du eigentlich oder soll ich dich nur Mülleimer nennen?“, will sie wissen.
„Gestatten: Anton, mein Name!“, erwidert der Gelb-Grün-Gestreifte.
A wie Abfall,
N wie Nutzloses,
T wie Taschentücher, Tüten, Tageszeitungen, Trinkflaschen,
O wie Obstschalen, Ohrenstäbchen,
N wie Nussschalen,….“

„Bei uns darf man nicht alles in eine Tonne werfen“, erklärt Bienchen. „Wir haben eine Tonne für Plastik, eine für Papier, eine für Obst- und Kartoffelschalen, die Mama Biotonne nennt, eine für den Restmüll und am Parkplatz nebenan steht noch eine für Glas.“
„Du bist aber ein schlaues Mädchen“, lobt Anton sie. Hier bei uns bin ich alleine für Alles zuständig, aber vielleicht bekomme ich ja bald auch ein paar Kumpels, die mir bei der Müllsammlung helfen“, erwidert Anton. „Das wäre nicht schlecht, denn manchmal bin ich so voll, dass alles aus mir herausquillt und auf die Erde fällt.“
Sabine nickt und hebt ein Kaugummipapier von der Erde auf, um es Anton zu schenken.
„Sabine! Komm wir wollen weiter!“, ruft es in diesem Moment.
„Gleich!“, ruft das Mädchen zurück und schließt den Deckel der Tonne.
„Tschüss Anton! Ich werde oft an dich denken!“
Als Sabine eine Woche später mit ihren Eltern zu Hause die Urlaubsfotos betrachtet, da entdeckt sie die gelb-grün gestreifte Abfalltonne ganz klein auf einem der Bilder.
„Hallo Anton!“, ruft sie der Tonne in Gedanken zu. “Schön, dich kennengelernt zu haben!“

 

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