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Unsere persönliche Ostergeschichte

Meine Mutter erzählt besonders zu Ostern gerne eine Begebenheit aus ihrem Leben, in der beinahe ein Fall eingetreten wäre, den eigentlich keiner für sehr wahrscheinlich hält. Den dazu passenden Spruch, zitiert man jedoch sehr häufig. Spätestens am Ende dieser Geschichte werdet ihr wissen, welche Redewendung ich meine. (Aber nicht schummeln, sonst verderbt Ihr Euch die Freude!!! )

Man mag es nicht für möglich halten, doch in unserer Familie wäre beinahe ein Ereignis eingetreten, das die kalendarische Abfolge des Jahreskreises auf den Kopf gestellt beziehungsweise durcheinander gebracht hätte. Doch meine Mutter wusste dies in letzter Minute noch zu verhindern.
„Du warst damals noch ziemlich klein“, beginnt sie zu berichten und schaut mich dabei an. „…vielleicht so eindreiviertel Jahre alt. Wir waren die ganze Woche über alleine, weil Papa in Frankfurt gearbeitet hat und nur an den Wochenenden zu uns nach Hause kam. Unser gemeinsames Zuhause war eine Zweizimmerwohnung mit einer großen Wohnküche.“
Ich nicke, denn ich kann mich noch sehr genau an diese Wohnung und das gesamte Wohnumfeld erinnern, in dem ich die ersten sechs Jahre meines Lebens verbracht habe. In der besagten Küche stand auch ein Sofa, auf dem ich immer gesessen habe (Das Sofa in der Küche). Überhaupt erinnere ich mich an viele Dinge aus dieser Zeit meiner Kindheit, die ich manchmal „Mein persönliches Bullerbü“ nenne.
„Damals hatten wir noch keine Zentralheizung, sondern in der Küche stand ein Herd, der mit Holz und Kohle befeuert wurde und auf dem man auch kochen konnte. Im Wohnzimmer befand sich ein kleiner Ölofen. Meistens haben wir uns in der Küche aufgehalten, weil es in der Küche immer warm war. Das Wohnzimmer wurde nur an den Wochenenden beheizt, wenn Papa da war oder wenn einmal Besuch kam. Es war eben die gute Stube, die nicht für den täglichen Gebrauch bestimmt war, so wie das heutzutage ist. Der Fernseher stand zwar im Wohnzimmer, aber man hat damals noch nicht so viel ferngesehen wie heute. Später als du schon etwas größer warst und das Sandmännchen sehen durftest, habe ich nur die Wohnzimmertür geöffnet, den Fernseher angeschalten und als die Sandmännchensendung nach ein paar Minuten zu Ende war, wurde der Apparat wieder ausgeschalten.“
„Ja und dann musste ich ins Bett gehen“, erinnere ich mich. „Ich habe noch genau das blaue Stühlchen vor Augen, auf dem ich damals immer gesessen habe.“
Bis hierhin hat mein Mann andächtig mit zugehört, doch jetzt scheint er etwas nicht zu verstehen, denn er richtet an uns stirnrunzelnd eine Frage:
„Und warum fällt dir das jetzt ausgerechnet kurz vor Ostern ein?“
„Alles, was Mutti gerade erzählt hat, sind die Voraussetzungen dafür, dass man die ganze Geschichte versteht“, erkläre ich meinem Mann.
Ich habe nämlich im Gegensatz zu ihm einen gewissen Vorteil. Ich kenne die Geschichte bereits. Nicht, dass ich mich tatsächlich daran erinnern könnte, aber meine Mutter hat sie mir schon öfter erzählt.
„Also noch einmal kurz zum Verständnis: Die Küche war beheizt und das Wohnzimmer blieb kalt“, fasst meine Mutter zusammen.
„Weihnachten hatten wir selbstverständlich einen Weihnachtsbaum im Wohnzimmer stehen. Astrid hat ganz große Augen gemacht, als sie den Baum mit den brennenden Kerzen, den bunten Kugeln und dem Lametta gesehen hat. Normalerweise wird der Weihnachtsbaum nach dem sechsten Januar abgeräumt und entsorgt, das macht ihr doch auch immer so. In dem besagten Jahr gab es allerdings zwei Gründe, warum wir dies nach dem Dreikönigstag noch nicht gemacht hatten. Zum einen, weil er Astrid so gut gefallen hat und zum anderen, weil der Baum immer noch wunderschön grün war. Er hat einfach nicht genadelt, weil die Zimmertemperatur dies begünstigt hat. So vergingen die Tage und der Januar ging zu Ende. Im Februar stand er noch ebenso schön da, als wäre er gerade erst dekoriert worden. Irgendwie haben Papa und ich ihn gar nicht mehr richtig wahrgenommen oder seine Existenz im Wohnzimmer war schon gewissermaßen selbstverständlich. Hinzu kam wie gesagt, die Tatsache, dass wir uns nicht viel im Wohnzimmer aufhielten. Die Tage und Wochen vergingen, plötzlich war es März, dann April und Ostern stand vor der Tür.“
Ich sitze inzwischen grinsend da. Auch meine Mutter und mein Mann haben jeder ein Lächeln auf den Lippen. Allerdings hat es bei allen einen anderen Grund: Meine Mutter lächelt, weil sie die Bilder der weiteren Geschichte vor ihrem geistigen Auge sieht. Ich jedoch grinse, weil ich die nun folgende Erzählung der Ereignisse schon kenne und meinem Mann steht die Vorfreude auf den Ausgang der Geschichte ins Gesicht geschrieben.
„Mittlerweile habe ich mich gar nicht mehr getraut, den Weihnachtsbaum aus der Wohnung nach unten in den Hof zu tragen. Wir haben damals noch auf Miete gewohnt und die Vermieter lebten mit im Haus, in der Wohnung unter uns. Ich habe mich richtig geschämt, dass wir immer noch einen Weihnachtsbaum hatten. Jetzt war guter Rat teuer. Ich wusste mir nicht mehr anders zu helfen, als zu einer etwas ungewöhnlichen Methode zu greifen.“
„Die erstaunten Gesichter hätte ich gerne gesehen, wenn du an Ostern mit einem Weihnachtsbaum im Hof erschienen wärest“, sagt mein Mann. „Aber erzähl weiter! Was hast du gemacht?“
„Ich habe den Weihnachtsbaum endlich abdekoriert und in die Küche geschleift. So langsam aber sicher hat er auf dem Weg dorthin ziemlich alle Nadeln verloren. Das Gerippe habe ich dann in der Küche zersägt und alles im Ofen verbrannt.“
„Ihr hättet ihn doch stehen lassen und einfach die Ostereier unter dem Baum verstecken können. Das wäre sicherlich ein schönes Foto geworden, das ich mir jetzt im Familienalbum hätte ansehen können“, mische ich mich nun ein. „Schade!“
„Dann gäbe es auch endlich ein Datum für den Tag, an dem Weihnachten und Ostern zusammenfallen und Du hättest Geschichte geschrieben“, sagt Peter.
„Das habe ich auch so“, freut sich meine Mutter, „Familiengeschichte! Astrid bringt sie noch zu Papier, damit sie nicht in Vergessenheit gerät und mein Enkel seinen zukünftigen Kindern erzählen kann, was seine Oma so alles angestellt hat.“
„Was soll ich erzählen? Und was hat Oma angestellt?“, fragt unser Sohn, der gerade die Küche betritt.
„Das kannst du gleich nachlesen“, sage ich, greife zu meinem Laptop und beginne zu schreiben:

„Unsere persönliche Ostergeschichte“

und in Gedanken füge ich hinzu:

„Als Weihnachten und Ostern auf einen Tag fielen.“

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Die Mausefalle

Jeder von Euch kennt sicherlich das alte Sprichwort „Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen…“*. Einige von Euch wissen auch, dass mein Mann und ich vor Kurzem erst von einer Urlaubsreise zurück gekommen sind. Und da haben auch wir selbstverständlich auch etwas zu erzählen.

So stehen wir gerade am Nachbarzaun, bedanken uns für die gute Betreuung unserer Katze und plaudern ein bisschen aus dem Nähkästchen, wie man so schön sagt.
„Es war richtig schön“, schwärme ich. „Wir hatten traumhaftes Wetter bei wirklich sommerlichen Temperaturen, sind viel gelaufen und haben es uns gutgehen lassen.“
Wir berichten von einer Schiffsfahrt und den Delphinen, die wir gesehen haben und vom Karneval auf Teneriffa, den wir rein zufällig miterlebt haben.
„Auf Teneriffa waren wir noch nicht, allerdings schon auf einer anderen kanarischen Insel“, berichtet uns die Nachbarin. „Vielleicht fliegen wir auch mal dort hin.“
„Nehmt auf alle Fälle eine Mausefalle mit“, rät mein Mann, woraufhin die Nachbarin lachen muss.
„Wieso? Gibt es da eine Mäuseplage?“, will sie interessiert wissen und schaut uns etwas entgeistert an.
Auch ich bin zunächst etwas verwirrt von dem Ratschlag meines Gatten, ahne aber dann doch worauf er abzielt.
„Nein Mäuse gibt es dort sicherlich nicht mehr als bei uns. Mir ist jedenfalls keine einzige Maus begegnet“, mische ich mich nun ein.
„Aber du musst schon zugeben, dass eine Mausefalle sehr hilfreich gewesen wäre“, richtet sich Peter an mich.
„Nun erzählt schon endlich!“, fordert unsere Nachbarin uns auf. Anscheinend haben wir sie mit unseren Andeutungen neugierig gemacht.
„Es war abends, wir hatten gerade gegessen und wollten noch einen kleinen Spaziergang machen. Allerdings kamen wir nicht weit“, beginne ich nun zu erzählen.
„Genau bis um die nächste Ecke“, erzählt Peter weiter. „Da stand plötzlich ein Typ vor uns, als hätte er nur auf uns gewartet. Es war ein recht unauffälliger und unscheinbarer Mann, der mir einfach einen Flyer in die Hand gedrückt hat und uns etwas von einem Tanzabend erzählt hat.“
„In seinem Redefluss begann er auf einmal seitlich an Peters kurzer Hose zu zuppeln, als wolle er den Schwung des Tanzens demonstrieren. Irgendwie fand ich es seltsam, abgesehen davon, dass ich es überhaupt nicht mag, wenn man derartig vertraut von fremden Menschen angegrapscht wird. Dann ging alles blitzschnell. Mir fiel Peters seitliche Hosentasche auf und mir schoss ein Gedanke durch den Kopf. Fast gleichzeitig ermahnte ich meinen Mann panikartig, dass er aufpassen sollte.“
Lebhaft übernimmt nun Peter die weitere Berichterstattung:
„Ich weiß nicht, ob ich Astrid’s Worte überhaupt wahrgenommen habe oder selbst eine innere Eingebung hatte, auf jedenfalls griff ich automatisch an meine Gesäßtasche. Und siehe da, diese war leer. Meine Gedanken überschlugen sich förmlich in meinem Kopf. Ich wusste genau, dass ich kurz zuvor mein Portemonnaie dort hineingesteckt hatte. Im selben Moment, in dem ich den Verlust meiner Geldbörse festgestellt hatte, packte ich mit der anderen Hand nach dem Mann. Ich bekam ihn an der Hand zu fassen und drückte ihm mit festem Griff die Finger nach hinten um und setzte ihn damit außer Gefecht. Gleichzeitig entriss ich ihm mit der anderen Hand meine Geldbörse, die er mir tatsächlich entwendet hatte.“
„Das ging alles blitzschnell!“, bestätige ich nun und lobe die Reaktion meines Mannes. „Peter hat einfach toll reagiert!“
„Ich habe ihn erst einmal tüchtig beschimpft, weil ich total wütend und gleichzeitig auch verärgert auf mich selbst war. Ich hätte nämlich niemals gedacht, dass mir so etwas passieren könnte.“
Unsere Nachbarin hört uns gebannt zu, doch wir erzählen voller Aufregung weiter.
„Nachdem ich meine Geldbörse wieder hatte, habe ich ihn wieder losgelassen und dann haben wir erst den zweiten Mann bemerkt, der etwas abseits stand. Er hielt eine braune Plastiktüte in der Hand und hat uns zugesehen. Mir war sofort klar, dass er dazu gehörte.“
„Wahrscheinlich hätte er das Portemonnaie übernommen und in seine Plastiktüte gesteckt und wäre damit entschwunden. Die sind ja ganz clever, zumindest in dieser Hinsicht“, stelle ich meine Überlegungen an.
„Habt ihr die Polizei alarmiert?“, will die Nachbarin wissen.
„Ja, aber erst später. Es war ja niemand zu sehen. Seltsam,“, erinnere ich mich, „nicht einmal Touristen habe ich wahrgenommen. Telefonnummer von der Polizei hatten wir ja auch keine, also ließ Peter die zwei Typen ziehen, die sich auch ganz schnell aus dem Staub machten. Wohlgemerkt in entgegengesetzte Richtungen, so als hätten sie tatsächlich nichts miteinander zu tun. Nachdem wir uns einigermaßen wieder von dem Schreck erholt hatten, beschlossen wir mit unserem Mietwagen ein bisschen die Straßen abzufahren. Und da haben wir sie wieder gesehen.“
„Sie standen in einer Seitenstraße“, berichtet Peter. „Dort haben sie mit zwei anderen Typen zusammen gestanden. Einer von ihnen hat einen Plan gezeichnet. Anscheinend haben sie den nächsten Treffpunkt ausgemacht. Das war eine richtige Bande. Wir sind dann in das nächstliegende Geschäft gegangen und haben den Verkäufer gebeten die Polizei zu alarmieren. Er konnte deutsch und spanisch sprechen, so dass wir ihm alles genau berichten konnten und er es weiter geleitet hat.“
„Ihr habt ja eine richtige Gangstergeschichte erlebt“, staunt die Nachbarin. „Und wurden die Diebe gefasst.“
„Das möchte ich bezweifeln“, sage ich kopfschüttelnd. „Nachdem die Polizei erst nach einer Dreiviertelstunde eingetroffen ist und alles zu Protokoll genommen hat, waren die Gauner selbstverständlich schon über alle Berge. Wir hatten ja noch einmal Glück gehabt, aber irgendwelche ahnungslosen Touristen haben sie sicherlich an diesem Abend und den folgenden noch beklaut.“
„Ich hatte zwar nur 50 Euro im Portemonnaie, das wäre verschmerzbar gewesen“, gibt Peter zu. „Aber die ganze Rennerei, die man dann hat, um die Ausweisdokumente wieder zu bekommen, wäre ärgerlich gewesen. Und noch dazu im Ausland, wenn man die Sprache nicht beherrscht.“
Die Nachbarin nickt zustimmend, doch dann scheint ihr noch etwas auf dem Herzen zu liegen, denn sie meint:
„Eines verstehe ich aber immer noch nicht. Was hat das alles mit der Mausefalle zu tun?“
„Das ist doch logisch“, antwortet mein Göttergatte. „Im nächsten Urlaub stecke ich mir eine Mausefalle in die Gesäßtasche. Was meinst du, wie sich der Dieb darüber freut und ich mich dann erst!“
Man kann förmlich Peters Schadenfreude an seinen Gesichtszügen ablesen und auch wir müssen bei der Vorstellung lachen.

 

 

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* Matthias Claudius (1740 – 1815)

Mr. Stoneman’s friend

Ich traf Mr. Stoneman durch Zufall auf einer Sonneninsel im Atlantik. Er lag dort faul am Strand und sonnte sich. Bis zu diesem besagten Tag hätte ich nicht im Entferntesten gedacht, dass mir einmal die Ehre zuteilwerden würde seine Bekanntschaft zu machen, zumal mir bis dato auch noch nie etwas von seiner Existenz zu Ohren gekommen ist. Aber das Schicksal geht manchmal seltsame Wege, führt zusammen und trennt aber auch wieder. Trotzdem bin ich froh seine Bekanntschaft gemacht zu haben und ich muss sagen, dass ich ohne ihn nicht da wäre, wo ich heute bin.

Zum Zeitpunkt unseres Kennenlernens war ich ein Niemand, verloren unter vielen Gleichgesinnten. Allein die Tatsache in seiner Nähe zu sein, war ein Glückstreffer, der meinen weiteren Lebensweg bestimmen sollte. Zuvor war mein Leben nicht immer einfach gewesen, es gab viele Höhen und Tiefen und verlief ziemlich planlos. Ich erwartete nichts mehr vom Leben und glaubte nicht mehr daran, dass das Leben mir noch bessere Tage bescheren sollte. Ich würde in alle Ewigkeit irgendwo vor mich hinexistieren. Doch das Zusammentreffen mit Mr. Stoneman gab mir wieder Hoffnung, die sich auch erfüllen sollte, allerdings anders als gedacht.
Wer das Foto von Mr. Stoneman genau betrachtet, kann mich sogar entdecken. Ich befinde mich in der äußersten linken Ecke und bin einer der drei unscheinbaren Steine.
Einst war ich Bestandteil eines gewaltigen Felsens im Atlantik. Dieser Fels trotzte allen Naturgewalten, egal ob es sich um Stürme, unwetterartige Regengüsse, den Himmel durchzuckende Blitze oder riesige Wellen handelte, die ihn zu zerstören drohten. Die Jahrhunderte vergingen, doch dann kam der Tag, an dem die Naturgewalten siegten. Der Fels wurde durch ein Seebeben in seinen Grundfesten erschüttert und verlor an Substanz. Gestein bröckelte ab und fiel ins tiefe dunkle Meer. Auch ich brach von dem Fels ab. Viele Jahrhunderte lag ich in den Tiefen und wurde vom Meer überspült. Weitere Seebeben kamen und gingen. Ich wurde weiter und weiter gespült und meine Form veränderte sich. Ich wurde kleiner, runder und glatter geschliffen. Fische und Schiffe schwammen über mich hinweg. Ich ahnte nicht, dass ich mich nach vielen weiteren Jahrhunderten in der Nähe einer Atlantikinsel befand. Bei einem gewaltigen Sturm, der ein erneutes Seebeben auslöste, wurde ich kurz vor die Küste gespült. Inmitten von vielen anderen tausend und abertausenden von Steinen wurde ich immer wieder durchgerüttelt. Bedingt durch die Wellen prallte ich mit den anderen Steinen zusammen und landete nach einer halben Ewigkeit am Strand. Inzwischen war ich nur noch handtellergroß. Ich war keine besondere Schönheit, schlicht und einfach nur ein grauer Stein. Ich glitzerte nicht im Sonnenlicht und war mehr als nur unscheinbar. Doch das Schicksal meinte es gut mit mir.
Wie ich schon bald erkennen sollte, war ich auf einer Urlaubsinsel gestrandet. So kam es, dass eine Familie mit einem etwa fünfjährigen Jungen den Strand entlang spazierte.
„Mir ist langweilig und mir tun die Füße weh“, hörte ich den Jungen zu seinen Eltern sagen.
„Ich hab da eine Idee“, meinte der Vater zu dem Jungen, um ihn von seinen schmerzenden Füßen und der Müdigkeit abzulenken. „Du musst aber ganz viele große und kleine Steine sammeln, aus denen wir dann etwas bauen.“
Der Junge war sofort Feuer und Flamme und sammelte in seinem Eimerchen ein paar Steine. Auch mich legte er in seinen Eimer, allerdings ohne mir große Beachtung zu schenken. Vater und Mutter trugen ebenfalls Steine zum Sandstrand und legten sie an einer Stelle ab.
„Was wollen wir bauen?“, fragte der Vater, „Einen Turm oder wollen wir nur eine Sandburg bauen und die Steine als Mauer benutzen?“
„Nein!“, sagte der Junge entschieden. „Ich will, dass wir einen Steinmann bauen.“
Tja, was soll ich lange erzählen? So entstand Mr. Stoneman. Für mich hatte man allerdings keinerlei Verwendung. Mr. Stoneman war auch ohne mich vollkommen und perfekt. Achtlos ließ man mich mit zwei anderen Steinen einfach links liegen. Eigentlich war ich zufrieden und schloss mit Mr. Stoneman eine wunderbare Freundschaft. Doch das Schicksal hatte noch etwas anderes mit mir vor.
Viele Menschen marschierten an Mr. Stoneman vorbei und bewunderten ihn. Niemand beachtete mich. Doch das sollte sich ändern, als ein Studentenpärchen unweit von uns auf einer Bank saß. Ich konnte ihre Unterhaltung hören, denn der Wind trug die Worte zu mir herüber.
„Unser Geld geht langsam zur Neige“, sagte die junge Frau. „Wenn wir unsere Reise nicht abbrechen wollen, sollten wir uns überlegen, wie wir ein bisschen Geld verdienen können.“
„Du hast recht. Lass uns Ideen sammeln!“, pflichtete der junge Mann seiner Freundin bei.
„Ich hab’s!“, rief er plötzlich aus.
Leider konnte ich seine Worte jetzt nicht mehr verstehen, da sich der Wind gedreht hatte und sie nun in eine andere Richtung trug. Doch ich sollte seine Idee sozusagen am eigenen Leib erfahren. Ein paar Minuten später hob mich nämlich die Frau auf und betrachtete mich eingehend. Sie warf mich mit ein paar anderen ausgewählten Steinen in ihren Rucksack. Hier herrschte ein heilloses Durcheinander. Ich konnte allerdings nicht erkennen, was alles so herum lag, denn es war sehr dunkel in diesem Rucksack.
Nach einer kleinen Weile wurde ich mit den anderen Steinen ausgepackt und neben einen Pinsel und mehrere Farbtöpfe gelegt. Nun fing die Frau an mich zu bemalen. Sie malte eine Landschaft, bestehend aus einem Berg, dem Meer, Palmen auf einer Wiese und einem kleinen weißen Haus. Auch die anderen Steine wurden derartig verziert. Nachdem wir alle in der Sonne getrocknet waren, wurden wir wieder im Rucksack verstaut. Am nächsten Tag breitete man uns auf einer Decke in der Fußgängerzone aus.
„Schau mal, die sind aber hübsch!“, rief plötzlich eine Frau aus und kam auf uns zu.
„Wollen wir uns ein kleines Mitbringsel mit nach Hause nehmen?“, fragte ihr Mann. „Schau mal dieser hier ist doch sehr hübsch und würde sich sicherlich auf der Fensterbank oder sogar in einem Blumentopf sehr schön machen.“
Der Mann nahm mich in die Hand und reichte mich nach ausgiebiger Betrachtung an seine Frau weiter, die mich ebenfalls als hübsch befand. Für ein paar Münzen kauften sie mich dem Studentenpärchen ab und schon wurde ich wieder in eine Tasche gesteckt. Dieses Mal war es die Hosentasche des Mannes. Von dort wanderte ich auf einen Tisch in einem Hotelzimmer, danach in einen Koffer, der zuerst im Laderaum eines Flugzeuges und danach im Kofferraum eines Autos verstaut wurde. Als ich wieder aus dem Koffer heraus genommen wurde, befand ich mich in einem anderen Land. Jetzt legte man mich mal da hin und mal dort hin, bis man meinen endgültigen Platz fand. Nun liege ich unter einer wunderschönen grünen Zimmerpflanze. Ich bin angekommen, rundum glücklich und freue mich meines Lebens. Und das habe ich alles nur meiner Freundschaft mit Mr. Stoneman zu verdanken. Ohne ihn wäre ich sicherlich nicht das, was ich heute bin, – ein wunderschöner Stein an einem Ehrenplatz.

 

 

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Felicita und der Mann im Mond

Tänzchen gefällig?

Diese eine Sache passiert mir in gewissen Abständen immer wieder. Man könnte fast schon von einer Regelmäßigkeit sprechen. Man denkt an nichts und zack ist es passiert. Hinterher lachen alle Beteiligten herzlich und schon ist es wieder vorbei. Bis zum nächsten Mal. Es kann jederzeit und nahezu an jedem beliebigen Ort passieren, an dem sich mindestens zwei Menschen befinden.
Warum ich gerade jetzt davon berichte, wollt Ihr wissen? Na, weil es eben im Moment schon wieder passiert ist und das gleich mehrmals hintereinander. Ich spreche in Rätseln? Dann will ich für Euch dieses Rätsel auflösen:
„Ich fahre mit dem Auto mal schnell durch die Waschanlage“, ruft mir mein Gatte zu, indem er den Kopf in die Küche steckt.
„Wenn du noch einen kleinen Moment Zeit hast, dann komme ich mit. Ich muss nämlich noch ein paar Einkäufe machen.“
So machen wir es dann auch. Während mein Göttergatte dafür sorgen will, dass unser Auto wieder im Hochglanz erstrahlt, dafür sich aber erst einmal mit dem Wagen in einer Schlange anstellen muss, gehe ich zum gegenüberliegenden Supermarkt. Auf meinem Weg zu den Einkaufswagen, die in einer Ecke des Parkplatzes abgestellt sind, krame ich in meiner Handtasche nach einem Plastikchip, den ich für die „Entfesselung“ des Einkaufswagens benötige. Da meine Handtasche einerseits alles und anderseits nichts beherbergt, also das reinste Bermudadreieck ist, in dem alles verschwindet, werde ich auch nicht gleich fündig. So laufe ich zwar langsam, aber stetig weiter, während ich in meiner Handtasche herum wühle. Mein Blick ist konzentriert auf den Inhalt meiner Tasche gerichtet.
„Wo ist dieses Ding denn nur?“, frage ich mich fast schon verzweifelt. Als ich auch noch den Reißverschluss der inneren Seitentasche öffne, halte ich das gesuchte Teil endlich in der Hand.
„Na also, ich wusste doch, dass ich einen Chip habe“, sage ich in Gedanken zu mir selbst.
Strahlend nehme ich während des Laufens das besagte kleine runde Ding aus meiner Tasche und hebe den Blick wieder in meine Laufrichtung. Abrupt bleibe ich stehen, denn ich werde am Weitergehen gehindert. Vor mir steht ein Mann, der genau in die mir entgegengesetzte Richtung laufen will. Irgendwie sind wir uns in den Weg geraten, er befindet sich sozusagen auf meiner Bahn. Wer jetzt auf wen zugelaufen ist, entzieht sich meiner Kenntnis, da ja meine Aufmerksamkeit abgelenkt war.
„Entschuldigung“, sage ich trotzdem höflich.
„Kein Problem!“, meint er. „Ist ja nichts passiert.“
Freundlicherweise möchte ich ihm aus dem Weg gehen und trete einen Schritt rechts zur Seite. Genau im selben Moment tritt er einen Schritt nach links. Wieder stehen wir uns genau gegenüber und bilden jeweils für den anderen ein Hindernis. Jetzt wiederum mache ich einen Schritt nach links und er einen Schritt nach rechts. Nicht nur, dass inzwischen wieder jeder an seiner Ausgangsposition steht, auch sonst hat sich nichts an unserer Lage geändert. Wir stehen uns immer noch im Weg. Verlegen lächeln wir uns an, um es noch einmal zu versuchen. Also mache ich einen Schritt nach rechts und er einen nach links.
„Entschuldigung“, sage ich nun zum zweiten Mal, kann mich aber kaum noch vor Lachen halten.
„Bleiben Sie mal ganz ruhig stehen“, fordert mich der fremde Herr ebenfalls lachend auf. „Nicht bewegen, ich gehe jetzt nämlich einfach rechts an Ihnen vorbei.“
„Okay! Das könnte klappen“, grinse ich und bleibe tatsächlich wie angewurzelt stehen.
„Schönen Tag noch!“, rufe ich dem Herrn zu, nachdem wir nun wirklich und wahrhaftig aneinander vorbei gekommen sind.
„Ihnen auch!“, antwortet er. „Er hat zumindest schon lustig angefangen.“
Jetzt kann ich meinen Weg ungehindert fortsetzen, schnappe mir einen Einkaufswagen und marschiere durch die Reihen des Supermarktes. Wie immer oder zumindest meistens habe ich meinen Einkaufszettel zu Hause auf dem Küchentisch liegen gelassen. Deshalb muss ich mich jetzt auch konzentrieren, um nichts zu vergessen und alles in den Wagen zu packen, was ich unbedingt einkaufen muss. Während ich also mit höchster Aufmerksamkeit die Regale durchforste und meine grauen Zellen auf Hochtouren arbeiten, schiebe ich meinen Einkaufswagen den Gang entlang. Ich bemerke nicht, dass eine Frau mit ihrem Einkaufswagen direkt auf mich zukommt. Sie hat im Gegensatz zu mir ihren Einkaufszettel nicht zu Hause vergessen, sondern ist total in diesen vertieft. Gerade noch rechtzeitig bemerken wir uns gegenseitig und können einen direkten Zusammenstoß nur vermeiden, indem wir sofort stehen bleiben oder ein Ausweichmanöver starten. Wir entscheiden uns gleichzeitig für das letztere Verfahren. Und so geht es wieder los: Ein Stückchen mit dem Wagen nach rechts drehen, während mein Gegenüber ein wenig nach links auszuweichen versucht. Da so auch kein Vorbeikommen gewährleistet ist, bewegen wir uns spiegelbildlich weiter, das heißt, sie macht einen Schritt nach rechts und ich nun einen Schritt nach links bei gleichzeitigem Bewegen des Einkaufswagens. Ich kann nicht sagen, wie oft wir diese Schrittfolgen üben, aber irgendwann schiebt jemand seinen Einkaufswagen rechts an mir vorbei, so dass ich keinen Schritt in diese Richtung machen kann und still stehen bleibe. Dies gibt meinem Gegenüber die Chance letztendlich links an mir vorbeizuziehen.
„Geschafft!“
Wir lächeln uns verlegen an und setzen unseren Weg und unseren Einkauf fort. Nach ein paar Schritten steht plötzlich mein Mann vor mir, der mich anscheinend gesucht hat.
„Ich bin noch nicht fertig“, erkläre ich ihm. „Es dauert noch ein Weilchen.“
„Kein Wunder“, meint er grinsend. „Wenn du hier auch andauernd irgendwelche Tänzchen vollführst.“
An meinem ratlosen Gesicht erkennt er anscheinend, dass ich nur Bahnhof verstanden habe. Also fügt er eine Erklärung hinzu:
„Ich habe dich schon draußen auf dem Parkplatz mit dem Mann Tanzschritte üben sehen und jetzt hier drinnen auch noch mit der Sekretärin eines Kollegen. Du solltest Tanzlehrerin werden, immerhin legst du eine flotte Sohle auf das Parkett.“

 

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Fräulein Tussnelda

Ich möchte Euch heute eine kleine Persönlichkeit vorstellen, die ich neulich getroffen habe. Sie saß bei meiner Schwiegermutter auf dem Sofa und kam mir ein bisschen verloren vor. Ich setzte mich zu ihr und betrachtete sie ein Weilchen, doch dann kam ich mit ihr ins Gespräch. Sie wurde recht redselig und so ließ ich sie ganz einfach ein bisschen aus ihrem Leben plaudern. Vielleicht möchtet Ihr dem Gespräch lauschen:
„Guten Tag“, sagte ich. „Ich habe Sie schon öfter hier gesehen, doch leider hatten wir nie die Gelegenheit uns vorzustellen und uns zu unterhalten. Ich bin die Schwiegertochter von Frau B.“
„Das ist aber nett von Ihnen, dass sie mich ansprechen. Ich habe sie ebenfalls schon oft gesehen, doch leider haben sie noch nie das Wort an mich gerichtet. Das passiert sowieso nie. Das letzte Mal habe ich mich vor vielen, vielen Jahren hier mit einem kleinen Mädchen unterhalten, aber auch nur ein paar Worte. Die Menschen sind sehr schweigsam mir gegenüber.“
Das Fräulein senkte den Blick und schwieg für einen kurzen Moment, doch dann sprach sie weiter.
„Entschuldigen Sie bitte, ich habe mich ja noch gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Tussnelda. Ich bin, wie man so schön sagt, eine ‚Hochwohlgeborene‘. Mit meinen Eltern wohnte ich als Kind in einem Schloss mit vielen Bediensteten. Ich trug immer feine Kleider und mir wurde jeder Wunsch von den Augen abgelesen. Ich hielt mich nur in der besten Gesellschaft auf und alle verneigten sich vor mir und meinen Eltern.“
Ich konnte sehen, wie ein paar Tränen in ihren Augen funkelten. Die Erinnerung an ihre Vergangenheit schien zu schmerzen.
„So wuchs ich zu einem Fräulein heran, das die Nase etwas zu hoch trug. Damit will ich sagen, dass ich mir auf meine Herkunft ziemlich viel einbildete, hochnäsig und eingebildet wurde. Nichts war gut genug für mich. Nur das Beste und Teuerste wollte ich haben. Meine Eltern versuchten mir zu erklären, dass dies nicht gut für mich wäre, doch auf mein Drängen und tränenreiches Bitten hin, erfüllten sie mir doch schweren Herzens jeden Wunsch.“
Gebannt lauschte ich ihren Worten und fragte mich, wie sie wohl auf das Sofa meiner Schwiegermutter geraten war. Doch ich konnte nicht lange meinen Überlegungen nachhängen, denn Fräulein Tussnelda wischte sich eine Träne ab und erzählte weiter.
„Eines Tages jedoch passierte das Unfassbare. Es begann mit der Krankheit der Schlossherrin, an der sie verstarb. Ihr Mann vernachlässigte nach dem Tod seiner Frau die Arbeit, kümmerte sich weder um das Schloss noch um die Ländereien. So kam, was kommen musste: Das Schloss wurde versteigert. Meine Eltern und ich mussten das Schloss ebenfalls verlassen und selbst konnten wir uns den kostspieligen Lebensstil nicht mehr leisten. Kummer und Gram ließen auch meine Eltern kurz hintereinander sterben.“
Fräulein Tussnelda musste mit ihrer Erzählung innehalten, denn die Erinnerung übermannte sie derart, dass sie ihr Gesicht hinter ihren Händen verbarg. Ich konnte sie leise schluchzen hören. Sanft strich ich ihr über die Schulter, um mein Mitgefühl zu demonstrieren. Dies schien ihr gutzutun, denn sie ließ ihre Hände in den Schoß fallen, suchte in ihrem Täschchen nach einem Taschentuch, das übrigens ihr Monogramm trug, und wischte sich damit die Tränen ab. Nachdem sie tief Luft geholt hatte, berichtete sie weiterhin aus ihrem Leben.
„Jetzt war ich ganz alleine. Zunächst glaubte ich, dass allein meine Herkunft mir meinen Lebensunterhalt sichern würde. Doch die Menschen scherten sich nicht darum, dass ich eine Hochwohlgeborene war und in einem Schloss aufgewachsen war. Mein Stolz und meine Hochnäsigkeit brachten mir nur Verachtung und keinerlei Freunde ein. Nachdem ich alle meine Habseligkeiten, meinen Schmuck und meine schönen Kleider verkauft hatte, denn von irgendetwas musste ich ja leben, wurde mir klar, dass ich für meinen Lebensunterhalt würde arbeiten müssen. Zunächst zierte ich mich ein wenig, mich mit dem gemeinen Volk abzugeben, aber mir blieb nichts anderes übrig. Dann traf ich Grete, die meine Freundin wurde. Sie war ebenfalls alleine und mit ihr gemeinsam ging ich auf Arbeitssuche. Doch niemand wollte uns. Naja, wir sahen ja nicht gerade vertrauenserweckend aus. Das Leben in Armut hatte uns inzwischen gezeichnet. Da wir nur noch das besaßen, was wir auf dem Leib trugen, waren unsere Kleider nicht mehr sauber und schön und unsere Haare nicht gestylt. Die Menschen begannen uns zu verachten.“
Fräulein Tussnelda sank in sich zusammen, doch plötzlich begann sie zu strahlen.
„Wir saßen gerade an eine Hauswand gelehnt, als ein älterer Herr mit Spazierstock vorbei kam. Er blieb stehen und betrachtete uns wohlwollend. Er schien unser Leid zu erkennen, denn er nahm uns mit. Er hübschte uns auf, wusch unsere Kleider und setzte uns auf ein Schränkchen in seinem Wohnzimmer. Leider währte unser Glück nicht lange, denn er verstarb schon nach wenigen Wochen an einem Herzinfarkt. Danach kamen die Nachlassverwalter und wir wurden zusammen mit seinen Möbeln und Habseligkeiten verkauft. Grete und ich wurden auseinandergerissen. Ich habe nie wieder etwas von ihr gehört. Ich selbst landete in einem Antiquitätenladen, wo ich einfach achtlos auf einem Sessel platziert wurde.
Menschen gingen ein und aus, doch niemand wollte mich bei sich aufnehmen. Außerdem sah ich schon wieder etwas zerzaust aus.“
Langsam verstand ich wie Fräulein Tussnelda zu meiner Schwiegermutter gekommen war, doch ich wollte ihr nicht ins Wort fallen.
„Eines schönen Tages kam eine elegante Frau mit einem Herrn in den Laden und sah sich interessiert um. Sie erstanden ein paar Dinge und die Dame entdeckte auch mich. Sie erkannte meine verborgene Schönheit und verhandelte mit dem Besitzer des Antiquitätenladens.“
So ungefähr hatte ich mir das gedacht. Ich nickte Fräulein Tussnelda aufmunternd zu, um auch noch den Rest ihrer Lebensgeschichte zu hören.
„Ihre Schwiegermutter war sehr gut zu mir. Sie wusch mich, meine Haare und meine Kleider. Sie machte mich wieder chic und ich durfte mir einen Ehrenplatz aussuchen. Ja, so bin ich hier auf dem Sofa gelandet, denn von hier aus kann ich das ganze Geschehen beobachten. Gut, es spricht eigentlich niemand mit mir, aber daran habe ich mich gewöhnt. Ich bin glücklich hier zu sein, geachtet, geliebt, versorgt und gepflegt zu werden. Was soll man sich auf seine alten Tage mehr wünschen?!“
Ich lächelte Fräulein Tussnelda zu, bedankte mich für ihre ausführliche Erzählung und strich ihr sanft über das immer noch faltenlose und sehr vornehme Gesicht.
„Ich habe zu danken“, erwiderte sie. „Sie haben mich sehr glücklich gemacht.“
Nach diesen Worten verstummte sie. Ich habe sie niemals mehr sprechen gehört. Immer wenn ich mich neben sie setze, huscht ein leichtes Lächeln über ihr Gesicht und sie zwinkert mir heimlich zu. Doch niemand außer mir kann dies sehen.

 

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Heiße Liebe

Ich bin gespannt, ob es Euch auch so ergeht. Frau Konfusi jedenfalls liebt sie und kann oftmals nicht widerstehen. Wenn sie sie erblickt, dann entflammt ihr Herz und sie kann nicht anders, als ihnen ihre Liebe zu schenken. Doch manchmal hat sich alles auch als eine Art Hassliebe entpuppt. Das kann dann ganz schön schmerzen.
„Ich muss mal kurz in die Stadt und ein paar Erledigungen machen“, ruft Frau Konfusi ihrem Mann zu, der gerade in eine wissenschaftliche Veröffentlichung vertieft ist. „Ich nehme den Bus und bin zum Abendessen wieder zurück!“
Ganz sicher ist sich Frau Konfusi nicht, ob ihr Mann sie richtig verstanden hat oder ob er überhaupt etwas mitbekommen hat. Es kommt nämlich nur ein kurzes
„Okay!“
aus seinem Arbeitszimmer. Es könnte sich auch auf den Inhalt der Veröffentlichung bezogen haben. Aber Frau Konfusi bleibt keine Zeit mehr zum Nachhaken, denn schon in wenigen Minuten fährt der Bus vorne an der Straßenecke ab. Also schlüpft sie schnell in Jacke und Schuhe, schnappt sich noch ihre Tasche und schon klappt die Wohnungstür von außen zu.
Im Bus macht sie sich dann doch ein wenig Gedanken, ob ihr Mann mitbekommen hat, dass sie zum Einkaufen in die Stadt fährt.
„Ach egal!“, denkt sie. „Er wird schon merken, wenn ich nicht da bin und außerdem haben wir noch gestern Abend darüber gesprochen, dass ich heute in die Stadt fahren will und mich mit Brigitta zum Einkaufen treffe.“
Brigitta ist eine langjährige Freundin von Frau Konfusi und sie braucht heute unbedingt einen weiblichen Rat. Übernächstes Wochenende sind Herr und Frau Konfusi nämlich zur Geburtstagsfeier von Marcos Eltern eingeladen. Sie feiern ihren achtzigsten Geburtstag. Naja, eigentlich sind sie im Abstand von einer Woche jeder erst vierzig geworden, also zusammen achtzig Jahre. Das wollen sie allerdings ganz groß feiern. Sie haben alle Freunde und Verwandte in ein Schloss eingeladen und haben ausdrücklich um elegante Kleidung gebeten. Naja und zu diesem Anlass braucht Frau Konfusi natürlich ein neues Kleid und den Rat ihrer Freundin.
„Hallo meine Liebe, da bist du ja!“, freut sich Brigitta und umarmt Frau Konfusi herzlich. „Wollen wir erst einen Kaffee trinken oder hinterher?“
„Lass uns lieber erst nach einem Kleid Ausschau halten!“, beschließt Frau Konfusi und die beiden Freundinnen ziehen auch sogleich los.
Nachdem sie in der ersten Boutique nicht fündig geworden sind, muss sich Frau Konfusi jetzt allerdings zwischen zwei sehr schönen Kleidern entscheiden.
„Welches würdest Du denn nehmen?“, fragt sie ihre Freundin. Diese schüttelt jedoch auch etwas ratlos den Kopf.
„Sie stehen Dir beide hervorragend.“
„Darf ich ihnen einen Rat geben?“, fragt die Verkäuferin und deutet auf das Kleid mit den Perlen am Ausschnitt. „Das ist sogar heruntergesetzt, weil es noch aus der letzten Saison ist.“
„Ach, dann willst du es wohl loswerden“, denkt Frau Kofusi und weiß plötzlich, was gegen das Kleid spricht.
„Macht es mich nicht um die Hüften etwas fülliger?“, richtet sie ihre Frage an die Freundin.
„Jetzt, da Du es sagst, fällt es mir auch auf“, bestätigt Brigitta.
Frau Konfusi geht in die Kabine zurück und kommt mit einem zufriedenen Lächeln mit dem anderen Kleid wieder heraus.
„Das nehme ich!“, beschließt sie.
„Das steht Ihnen auch ausgezeichnet!“, erklärt nun die Verkäuferin. „Ich hätte mich auch für dieses Kleid entschieden.“
„Aha!“, entschlüpft es Frau Konfusi und ihrer Freundin wie aus einem Munde.
„So und jetzt gönnen wir uns noch einen Kaffee und ein Stückchen Torte!“, beschließt Brigitta.
Auf dem Weg zum Cafe kommen sie an mehreren Geschäften vorbei und plötzlich beleibt Frau Konfusi wie angewurzelt vor der Auslage eines Schuhgeschäfts stehen.
„Ich habe gar keine Schuhe,- jedenfalls nicht für das Kleid!“
Das Entsetzen steht Frau Konfusi regelrecht im Gesicht geschrieben.
„Ich kann doch dazu keine platten Treter anziehen!“
„Nein, dazu brauchst Du elegante Schuhe mit Absätzen, sonst wirkt das Kleid doch gar nicht. Komm, lass uns hineingehen und die passenden Schuhe aussuchen“, schlägt die Freundin vor.
„Ich glaube, ich habe sie schon gefunden!“ Frau Konfusi deutet auf ein paar beige Schuhe mit Absätzen. „Die würden mir gefallen!“
Fünf Minuten später bringt die Verkäuferin die besagten Schuhe zum Anprobieren.
„Oh, ich habe schon lange keine Schuhe mit Absätzen mehr getragen, aber früher, da hatte ich nur solche Schuhe!“, sagt Frau Konfusi und schlüpft hinein. „Hoffentlich kann ich damit auch gehen!“
Und sie kann es!
„Die sind toll!“, ruft sie begeistert aus und spaziert durch die Reihen.
„Willst Du noch ein paar andere probieren?“, fragt Brigitta.
„Nein! Ich will die oder keine! Ich habe mich regelrecht in die Schuhe verliebt. Die muss ich unbedingt haben!“
Nachdem die beiden Freundinnen das Schuhgeschäft verlassen haben und bei Kaffee und Kuchen sitzen, kann es Frau Konfusi kaum erwarten, ihrem Mann das Kleid und die Schuhe vorzuführen.
„Ich bin wieder da“, strahlt sie und steckt ihren Kopf in das Arbeitszimmer ihres Mannes, der immer noch am Schreibtisch sitzt und über seiner Veröffentlichung grübelt.
„Ach, Du warst weg?!“, meint er stirnrunzelnd.
„Ja und ich habe mir auch etwas Schönes gekauft! Ein tolles Kleid und super schöne Schuhe!“
Da Herr Konfusi die Begeisterung seiner Frau bemerkt, erhebt er sich und ermuntert sie, ihm doch die beiden Sachen zu zeigen:
„Mach doch mal Modenschau!“
Das lässt sich Frau Konfusi nicht zweimal sagen und schlüpft sofort in das Kleid und in die Schuhe.
„Chic! Das steht Dir hervorragend. Und die Schuhe! Ach, was habe ich eine elegante und schöne Frau!“
Frau Konfusi strahlt. „Ja, ich liebe diese Schuhe!“
„So, so?!“, meint ihr Gatte nur.
„Ich muss sie zwar noch ein bisschen einlaufen“, gesteht sie nun. „Sie zwicken ein wenig. Komisch, vorhin im Geschäft haben sie einwandfrei gepasst. Naja, sind eben noch neu, da ist das manchmal so.“
Ruckzuck ist das übernächste Wochenende und die große Geburtstagsfeier der Nachbarn. Die Feier ist einmalig und das Essen vorzüglich. Anschließend gibt es ein lustiges Programm und dann darf getanzt werden.
Inzwischen kommen Herr und Frau Konfusi von der Feier müde nach Hause.
„Oh, was tun mir meine Füße weh!“, stöhnt Frau Konfusi.
„Das kommt vom vielen Tanzen“, lächelt ihr Mann.
„Nein, das kommt von den blöden Schuhen!“, schimpft seine Gattin und wirft sie in die Ecke. „Ich hasse sie!“

 

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Biergartenerlebnis

Unser märchenhaftes Erlebnis

 

Nie gedacht…

Ich hätte es nie gedacht,
früher hab ich darüber gelacht,
aber ich brauch dich,
du bist unentbehrlich für mich.

Ich hätte es nie gedacht,
früher hab ich darüber gelacht,
bin verloren ohne dich,
bist eine große Hilfe für mich.

Ich hätte es nie gedacht,
früher hab ich darüber gelacht,
ging der Faden doch,
einfach durch des Nadels Loch.

Ich hätte es nie gedacht,
früher hab ich darüber gelacht,
waren sie doch groß,
sah alle Buchstaben ganz famos.

Ich hätte es nie gedacht,
früher hab ich darüber gelacht,
ich und meine Pupille
brauchen unbedingt heute eine Brille.

Ich hätte es nie gedacht,
früher hab ich darüber gelacht,
es sind der Dinge zwei,
die ich haben muss immer dabei.

Ich hätte es nie gedacht,
früher hab ich darüber gelacht,
ohne dich und ihn,
ich kann nicht zum Einkauf zieh’n.

Ich hätte es nie gedacht,
früher hab ich darüber gelacht,
Einkaufszettel noch so klein,
muss unbedingt in meiner Tasche sein.

 
Ich hätte es nie gedacht,
früher hab ich darüber gelacht,
es ist gar nicht ärgerlich,
ändern doch die Zeiten für alle sich.

 
Ich hätte es nie gedacht,
früher hab ich darüber gelacht,
auch heut hab ich gelacht,
wie seltsam ich damals hab gedacht.

 

 

 

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Familienausflug

Atemberaubend

Eigentlich hatte er nicht alleine hierher gewollt. Seine Liebste sollte mit ihm in die Stadt der Liebe reisen. Doch leider hatte sie ein lukrativer Auftrag, den sie unmöglich hätte ablehnen können, daran gehindert. 

„So ist das eben im Leben“, hatte sie beim Abschied mit Tränen in den Augen zu ihm gesagt. „Selbständig bedeutet einfach ‚selbst und ständig‘ und genau aus diesem Grund muss ich auf die geplante Reise verzichten.“
„Ich werde alles absagen“, hatte er ihr zum wiederholten Male mitgeteilt, aber sie hatte darauf bestanden, dass er sich in den Flieger setzte und nach Venedig flog.
Ja, und so war er nun das Wochenende, das nur ihnen gehören sollte, allein in dieser schönen Stadt. Mindestens drei Brautpaare hatte er schon gesehen. Gerne hätte er ihr hier in romantischer Atmosphäre einen Heiratsantrag machen wollen, doch es war alles anders gekommen, wie so oft im Leben.
Heute Abend nun würde sein Flieger zurück gehen und er wollte nur noch einen kurzen Rundgang machen. Ein paar Fotos und ein paar Eindrücke sammeln, von denen er seiner Liebsten zu Hause berichten konnte.
So stieg er die Stufen der Rialtobrücke hinauf. Oben angekommen, sog er die warme Luft tief ein, blickte auf den Canale Grande und genoss den Blick. Gerade fuhr eine Gondel mit einem Paar unter der berühmten Brücke hindurch, so dass er einen wunderschönen Schnappschuss machen konnte. Er würde seiner Liebsten dieses Foto schenken, als Gutschein für einen ganz spontanen Ausflug nach Venedig. Dann würde alles passen, es wäre einfach nur der perfekte Zeitpunkt.
„Wir werden alles nachholen“, beschloss er, „auch den Heiratsantrag.“
Langsam und in Gedanken versunken stieg er die Stufen der berühmten Brücke wieder hinunter.
Und dann passierte es.
Er sah sie und sein Herz begann sofort höher und schneller zu schlagen. So hatte er sich sie immer vorgestellt. Wie angewurzelt blieb er vor ihr stehen und sah sie einfach nur sprachlos an. Sie verkörperte für ihn das Ideal.
„Atemberaubend!“, so durchzuckte es seine Gedanken. „Und geheimnisvoll!“
Sie war eine stolze und zugleich schüchtern wirkende Schönheit.
Sie liebte Gold, das sah man auf den ersten Blick. Kopf und Hals waren mit einem goldigen Etwas umhüllt, das er nicht zu beschreiben vermochte. Selbst ihr Gesicht war mit feinem Goldstaub bedeckt und gab ihrer Blässe einen anmutigen Glanz. Die ebenfalls mit einem Hauch von Gold bedeckten Lippen luden zum Küssen ein. Er vermochte ihr nicht zu widerstehen. Der Anblick fesselte ihn, so dass er sie immer noch reglos betrachtete.
„Ich muss sie besitzen“, sehnte sich alles in ihm nach dieser Schönheit. „Sie muss mit mir kommen.
Er streckte seine Hände nach ihr aus, um sie an sich zu reißen und sie voll und ganz in seinen Besitz zu nehmen.
„Niemand darf sie mir wegnehmen,- koste es, was es wolle!“
Niemals zuvor hatte er etwas so sehr begehrt wie diese geheimnisumwitterte Schönheit, – …

 

 

 

… – diese goldverzierte venezianische Maske.

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Herzlichen Glückwunsch

Frühlingsgruß

Wenn alle anderen sich noch scheuen,
dann will ich Euer Herz erfreuen.
Es ist noch überall weiß oder kalt
und das Jahr ist noch gar nicht alt.

Hab in meinem Zwiebelstübchen geschlafen,
hinter dem Haus, tief unter dem Rasen.
Der erste Sonnenstrahl hat mich gelockt,
hab so lange unter der Erde gehockt.

Neugierig wollt ich die Welt besehen
und prachtvoll vor Euch stehen.
Kein Blümelein ist zu sehen weit und breit,
ich wollt Euch sagen, es ist bald soweit.

Da steh ich nun auf weiter Flur allein,
mit nickendem Köpfchen und auf einem Bein.
Mein weißes Kleid ich angezogen hab’
die grünen Bänder, die Natur mir gab.

Ein bisschen stolz darf ich wohl sein,
denn ich läute ihn nun leise ein,
begrüßt mit mir meinen Liebling,
den langersehnten Frühling.

Zu diesem Gedicht hat mich ein  Text aus meinem alten Schulheft motiviert. Ich fand mein Geschreibsel und meine Zeichnungen so niedlich, dass ich mir dachte, ich zeige Euch diesen Eintrag und schicke Euch zusammen mit meinem Gedicht einen lieben Frühlingsgruß.

In eigener Sache:

Leider gibt es zur Zeit auf meinem Blog einige technische Probleme. In diesem Zusammenhang ist nicht nur meine Statistik abhanden gekommen, sondern leider auch meine Follower. Einige von Euch erhalten keine Benachrichtigungen mehr über neue Beiträge. Bitte meldet Euch noch einmal an, um meinen Blog zu abonnieren. Ich wäre sehr traurig, Euch zu verlieren.

Herzliche Grüße

Astrid

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Hallo, ich bin’s!

Ein Tag mit Hindernissen

Hui!!!

Ich sitze an meinem Schreibtisch, als mein Blick auf einen Gegenstand auf dem Regal fällt. Eigentlich müsste er schon längst entsorgt sein. Es ist nämlich ein thailändischer Kalender* aus dem vergangenen Jahr.
„Ohje!“, denke ich. „Wieso steht der noch dort?“
Im Grunde ist mir die Antwort schon klar: „Weil ich ihn nicht weggeworfen habe, logisch!“, erkläre ich mir die Sachlage selbst.
Die Frage sollte vielleicht eher so lauten:
„Wieso habe ich ihn immer wieder an seinen Platz zurück gestellt?“
Tja, auch das kann ich mir erklären:
„Weil etwas an ihm so niedlich aussieht!“
Ich stehe auf, gehe zum Regal und nehme den Kalender in die Hand. Er ist gefertigt, wie ein gleichschenkeliges Dreieck, so dass er stehen kann. Die Kalenderblätter sind auf die Rückseite geklappt und auf der Vorderseite erscheint somit ein Bild. Dieses zeigt einen Wald und viele verschiedene Tiere. Ein kleines Mädchen hat an einem Ast eine Schaukel befestigt, auf der sie fröhlich hin und her schwingt.
Plötzlich macht es „Klick!“ und mein Kopfkino startet seinen Film. Ich tauche in eine andere Welt ein, in der sich Gegenwart und Vergangenheit, Realität und Phantasie miteinander vermischen, Entfallenes auf einmal zur Erinnerung wird und meine Gedanken wie Wölkchen auf die Reise gehen:
Die Eichhörnchen tummeln sich in den Baumkronen und hüpfen von Ast zu Ast. Ich höre das Gezwitscher der Vögel und den Ruf der Eule. Alles ist harmonisch und friedvoll, obwohl die Tiere des Waldes keineswegs zusammenpassen.
„Ein seltsames Trio“, denke ich. „Ein Hirsch, ein Elefant und ein Pfau!“
Irgendetwas scheint ihre Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. In diesem Moment kann ich es auch vernehmen. Es ist ein fröhliches Lachen und Jauchzen, das die Luft durchdringt und selbst die Vögel für ein Weilchen verstummen lässt. Alle lauschen mit angehaltenem Atem. Mein Blick wandert in die Richtung aus der diese alles um sich herum vergessende Fröhlichkeit kommt, – nämlich zu dem Mädchen auf der Schaukel. Ich sehe wie sie begeistert die Beine in die Lüfte schwingt, damit die Schaukel höher und höher mit ihr fliegt. Ihre langen Zöpfe schwingen im gleichen Rhythmus mit. Und jetzt erkenne ich auch das Mädchen. Es ist Klein-Astrid. Ich bin das Mädchen. Ich sitze auf meiner Schaukel und genieße das Leben gerade in vollen Zügen.
„Hui!“ , rufe ich aus. „Höher! Höher!“
Auf einmal hängt die Schaukel nicht mehr am Ast eines Baumes, sondern dort, wo sie hingehört. Ich bin bei meinem Opa. Er steht auf der Eingangstreppe seines Hauses und schaut mir lächelnd zu, wie ich in der offenen Tür des Nebengebäudes lachend und quietschend auf meiner Schaukel vor und zurück schwinge. Ich lasse die Schaukel langsam auspendeln, springe dann ab und laufe zu dem Hund meines Opas, der faul auf dem Hof in der Sonne liegt.
„Braver Bazi!“, sage ich und streichele ihm über das schwarzweiße Fell. Danach gehe ich zu meinem Opa und nehme ihn an der Hand.
„Geh’n wir auf den Spielplatz?“, frage ich und ziehe ihn schon in Richtung Gartentor.
Auf dem Spielplatz gibt es zwei Schaukeln, eine Rutschbahn, eine Wippe, ein Klettergerüst, selbstverständlich ganz viel Sand und einen großen Fliegenpilz. Zu groß für mich. Selbst wenn ich mich auf die Zehenspitzen stelle, komme ich nicht an seinen roten Pilzhut heran.
„Bitte heb mich hoch!“, bettele ich und hüpfe ungeduldig vor meinem Opa von einem Bein auf das andere.
„Hopp!“, ruft er aus und schwingt mich in die Höhe. „Halt dich gut fest! Ich drehe und wenn du dich nicht mehr halten kannst, dann sag es.“
Opa dreht langsam den großen Fliegenpilz und läuft mit, damit er mich rechtzeitig auffangen kann.
„Schneller!, rufe ich und zappele mit den Beinen. Doch lange kann ich mich nicht mehr halten und lasse mich in die Arme meines Opas fallen. Schnell laufe ich zur Schaukel, denn ich muss ausprobieren, ob ich mit ihr genauso hoch schaukeln kann, wie mit derjenigen bei meinem Opa. Das Mädchen, das neben mir schaukelt, ist schon größer und mutiger als ich. Sie springt sogar während des Schaukelns ab, aber das traue ich mich noch nicht. Ich bin ja auch noch nicht groß.
Selbstverständlich muss ich auch alle anderen Spielgeräte noch ausprobieren, bevor ich mit meinem Opa wieder nach Hause gehe. Gerade als ich von der untersten Sprosse des Klettergerüstes hüpfe, gibt es ein seltsames Geräusch, das mich irritiert. Noch bevor ich merke, was es mit diesem Geräusch auf sich hat, höre ich es wieder. Es ist ein Schnipsen. Ich reise die Augen weit auf und…
… sehe meinen Mann mit den Fingern schnipsend und grinsend vor mir stehen.
„Du träumst wohl! Wo warst du denn gerade?“
„Ziemlich weit weg“, sage ich und stelle den Kalender wieder ins Regal, wodurch die Schaukel mit dem Mädchen sanft hin und her schwingt. Fast ist es mir, als rufe sie mir die zwei Worte zu, die unser Sohn immer rief, wenn er nicht von der Schaukel steigen wollte, um vom Spielplatz nach Hause zu gehen.
Kaum hörbar wiederhole ich diese Worte und gebe dem Kalendermädchen auf der Schaukel einen leichten Schups.
„Noch einmal!“

 

 

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*Leider ist mir der Name des Künstlers nicht bekannt. Der Kalender ist ein Geschenk von der Firma PTT Public Company Limited aus Bangkok.

Schnulli

 

Einst waren wir gute Freunde,
hatten gemeinsame Träume.
Niemals wollt ich ohne ihn sein,
denn mit ihm war ich nicht allein.

Er war da, wenn ich traurig war,
wenn ich weinte ganz furchtbar.
Ja, es ist absolut richtig,
sein Trost war mir wichtig.

Waren wir zusammen, stellte sich ein,
das ach so vertraute Gefühl mein.
Er war mein geliebter Begleiter,
der mich machte wieder heiter.

Doch dann ist der Tag zu nennen,
an dem wir mussten uns trennen.
Ich wuchs heran ganz geschwind,
war nun schon ein großes Kind.

Ich legte ihn heimlich zur Seit’,
so war er doch allzeit bereit.
Mit der Zeit er verlor an Wichtigkeit
und dann er geriet in Vergessenheit.

Nun ich schmunzele in mich hinein,
und gedenke dem Schnuller mein.
Niedlich die Fotos sind anzusehen,
auf denen er ist nicht zu übersehen.

Ihr alle habt ihn wohl gekannt,
den Freund der ‚Schnulli‘ genannt.
Er schmückte des Kindes Gesicht,
drum widme ich ihm dies Gedicht.

 

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Mit Schaufel und Eimer

Meine ganz normale, chaotische Familie

Das Sofa in der Küche

 

* Da von mir kein Schnullerbild existiert, habe ich ein Foto unseres Sohnes als Beitragsbild eingestellt.

Inspiration

Der Winter ist noch nicht ganz vorbei, doch an diesem Samstag zeigt er sich sehr mild und schon fast ein wenig frühlingshaft. Der Himmel verfärbt sich schon am Morgen zu einem zarten Blau und lässt erahnen, dass es ein herrlicher Tag werden wird. Frau Konfusi steht vor dem Garderobenspiegel und kämmt sich ihre Haare.
Ich muss noch einmal schnell zum Supermarkt, um noch etwas für das Mittagessen einzukaufen“, sagt sie zu ihrem Mann. „Hast du nicht Lust mitzukommen?“
„Das ist keine schlechte Idee, ich brauche nämlich noch ein paar Ösenhefter, um in meine Unterlagen Ordnung zu bringen“, erklärt Professor Konfusi.
„Was hältst du davon, wenn wir den Einkauf mit einem kleinen Spaziergang verbinden und das Auto zu Hause lassen?“, fragt jetzt Frau Konfusi ihren Mann.
„Das machen wir. Allerdings unter einer Bedingung: Es wird kein Großeinkauf, bei dem ich den Packesel spielen muss.“
„Auf so eine Idee würde ich doch nie kommen“, zwinkert Frau Konfusi ihrem Gatten zu.
Eine dreiviertel Stunde später stehen sie bereits an der Supermarktkasse. Hinter ihnen stellt sich ein ihnen unbekannter Herr an, mit dem sie zufällig ins Gespräch kommen. Wenn man so in der Schlange steht und wartet, schweifen schon einmal die Blicke umher und so fällt Frau Konfusis Blick auf die Einkäufe, die der Unbekannte auf das Band legt.
„Oh, sie haben es ja gut vor!“, lächelt sie den Mann freundlich an. „Das ist bestimmt der Wochenvorrat.“
Ein bisschen wundert sie sich schon über die Art des Einkaufes, aber die Antwort des Herrn erklärt einiges.
„Das ist für die Kinder“, meint er achselzuckend.
„So viele?!“, fragen Frau Konfusi und ihr Mann überrascht wie aus einem Munde.
„Ja, 7!“, lautet die Antwort des Herrn.
„Oh, so viele Kinder!“ Frau Konfusi kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus.
„Nein, nein! Das hier sind 7 Päckchen mit jeweils 2 Hot dogs“, sagt der Mann und deutet auf die Waren auf dem Fließband. „Kinder haben wir nur zwei“, wird das Missverständnis aufgeklärt.
„Guten Tag! Haben Sie alles gefunden und waren Sie mit Ihrem Einkauf zufrieden?“, mischt sich nun die Kassiererin ein und zieht auch schon die Waren über den Scanner. Jetzt bleibt keine Zeit mehr für Smalltalk.
Als sie bezahlt und alles in den beiden Einkaufstaschen verstaut haben, werfen Herr und Frau Konfusi dem Unbekannten noch schnell einen freundlichen Gruß zu und gehen dem Ausgang entgegen. Als sie dann den Parkplatz überqueren, stoppt ein Auto direkt neben ihnen. Der Beifahrer kurbelt das Fenster herunter und sie erkennen Marco und dessen Vater im Inneren des Wagens.
„Möchten Sie mit nach Hause fahren?“, werden sie gefragt.
„Oh, dankeschön, das nehmen wir gerne an, denn unser Einkauf ist doch etwas größer ausgefallen als geplant“, freut sich Frau Konfusi und setzt sich schon auf die Rückbank.
Professor Konfusi jedoch reicht ihr lediglich die Taschen, bleibt dann aber wie angewurzelt stehen.
„Fahr schon einmal nach Hause, ich komme dann nach“, gibt er seiner Frau zu verstehen. „Ich hatte gerade eine Inspiration und muss nur schnell noch etwas erledigen.“
„Denk daran, dass Oma Schmidt heute zum Mittagessen zu uns kommt. Sie ist es gewohnt immer pünktlich um halb eins zu essen!“, ermahnt diese nun ihren Gatten. Inspirationen ist sie als Frau eines Professors schon gewohnt. Da sie nicht ahnt, in welche Richtung die angedeutete Inspiration geht, ordnet sie diese dem Feld der Wissenschaft zu und fragt nicht nach.
„Ich kümmere mich heute um das Mittagessen. Warte bitte bis ich da bin, ich bin pünktlich!“, ruft Professor Konfusi noch und setzt sich auch schon in Richtung Stadtmitte in Bewegung. Ihm ist da nämlich gerade etwas eingefallen, was in Verbindung mit seiner Inspiration steht.
Inzwischen ist es schon fünfzehn Minuten nach zwölf Uhr und Frau Konfusi wird leicht nervös, weil ihr Mann immer noch nicht zurück ist. Eigentlich beginnt sie sich schon fast zu ärgern, denn sie hat sich auf das Versprechen ihres Mannes verlassen, dass er sich um das Mittagessen kümmern will. Gerade überlegt sie, ob sie die restliche Gemüsesuppe von gestern aufwärmen soll, damit Oma Schmidt ihr Mittagessen pünktlich bekommt, als es an der Tür klingelt. Davor stehen Oma Schmidt und ihr Mann.
„Hast du schon den Tisch gedeckt?“, fragt Professor Konfusi und überreicht seiner Frau einen hübschen Frühlingsstrauss bestehend aus Tulpen und Narzissen.
„Die können wir aber nicht essen“, denkt Frau Konfusi und sieht ihren Mann nur schweigsam und fragend an, der an ihr vorbei geradewegs zum Esszimmertisch marschiert. Da Frau Konfusi vorsichtshalber schon mit den Suppentellern gedeckt hat, tauscht ihr Gatte nun diese durch flache Teller aus. Oma Schmidt hat sich bereits auf ihrem angestammten Platz niedergelassen und wundert sich über dieses seltsame Schauspiel. Allerdings wundert sie sich noch mehr als Professor Konfusi drei Alupäckchen nacheinander auspackt und den Inhalt auf den Tellern verteilt.
„Kann man das essen? So etwas gab es ja noch nie!“, will die alte Dame wissen.
Frau Konfusi schüttelt nur den Kopf und meint entsetzt und amüsiert zugleich:
„Du hast dich wohl durch den Herrn an der Kasse inspirieren lassen!“
„Genau“, pflichtet Professor Konfusi seiner Frau bei und berichtet weiter. „Bei uns in der Stadt hat doch ein ‚Diner‘ eröffnet und da bin ich mal eben schnell hin gelaufen und hab das besorgt.“
„Was soll das eigentlich sein? Ich will mich ja nicht vergiften!“ Oma Schmidt ist nun total verwirrt, denn mit ihren fast 9 Jahrzehnten ist ihr ein solch seltsames Essen noch nie auf den Tisch gekommen.
„Hot dogs!“, klärt nun Professor Konfusi auf.
Oma Schmidt versteht die Welt nicht mehr.
„Und sie sind im Tierschutzverein, Professor Konfusi?! Heiße Hunde zum Mittagessen?“, fragt sie entsetzt und schiebt den Teller weg.
„Gibt es nicht noch ein bisschen Gemüsesuppe von gestern?“

 

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Schön ärgerlich

Mein Mann und ich haben uns in der Mittagspause getroffen. Wir beschließen gemeinsam zum Italiener zu gehen und unser Mittagsmahl einzunehmen. Während mein Peter eben mal kurz dahin geht, wo auch ein Prinzgemahl hin und wieder verweilen muss, führe ich mir schon mal die Speisekarte zu Gemüte. Was Peter essen will, hat er mir schon mitgeteilt und auch ich habe schnell mein Gericht gefunden. Ich bestelle und sitze nun einfach nur da und lausche der Musik, die im Hintergrund spielt. Ich versinke förmlich in dieser Musikwelt, was sich anscheinend auf meinem Gesicht abzeichnet.
„Was grinst du eigentlich so vor dich hin?“, will mein Mann, der sich inzwischen mir gegenüber niedergelassen hat, interessiert wissen.
„Ach, ich lausche den Schlagern, die gerade aus dem Lautsprecher erklingen. Die sind schon ziemlich alt.“
„Ja, wir anscheinend auch“, grinst er nun zurück.
Ich lasse diese Anspielung einfach so im Raum stehen, obwohl ich mich keineswegs als „ziemlich alt“ empfinde. Diese Schlager waren Anfang bis Mitte der Siebziger aktuell, was zugegebenermaßen schon eine geraume Zeit her ist. Als 1960 Geborene drückten wir damals also beide noch für ein paar Jahre die Schulbank. Ja, und jetzt in diesem Moment vermischen sich anscheinend gerade Gegenwart und Vergangenheit miteinander, denn Bilder tauchen in meinem Kopf auf. Zu jedem einzelnen Lied läuft ein kurzer Film in meinem Kopf ab.
Gerade erklingt „Der Junge mit der Mundharmonika“ von Bernd Clüver, danach hören wir „Griechischen Wein“ von Udo Jürgens und dann singt Juliane Werding das traurige Lied „Am Tag als Conny Kramer starb“. Beim nächsten Schlager muss ich erst ein bisschen überlegen, doch dann fällt mir der Name der Sängerin auch wieder ein:
„Katja Ebstein“, sage ich und singe leise mit, wenn es in dem Lied heißt: „Wunder gibt es immer wieder“.
„Komisch, diese Schlager werden immer noch gespielt. Ich muss zugeben, damals habe ich mich nicht getraut, zu erzählen, dass ich gerne die Hitparade hörte und sah. Ich dachte immer die anderen tun dies nicht und hören ausschließlich die englischsprachigen Songs. Heute geben sie alle zu, auch der Hitparade gelauscht zu haben.“
Nachdem ich einige Gabeln von meinem Pastagericht verspeist habe, erzähle ich munter weiter.
„’Disco‘ mit Ilja Richter war ebenfalls eine Lieblingssendung von mir. Da konnte man natürlich schon die Songs hören, die bei der Jugend absolut angesagt waren.“
„Mmh“, kommt lediglich als Kommentar bei mir an, denn Peter genießt momentan mehr seine Pizza als die alten Schlager. Ich plappere aber trotzdem ungehindert weiter:
„Damals habe ich immer alles aufgenommen, sowohl die Hitparade als auch die Discosendung. Mit meinem einfachen Kassettenrecorder…“
„Kenne ich!“, erklärt er mir und schiebt sich das letzte Stückchen Pizza in den Mund. „Meine Schwester hat auch immer alles aufgenommen. Mir war das damals ziemlich egal.“
„Ich hatte zu dieser Zeit ja nur einen ganz einfachen Kassettenrecorder, der war schwarz und ähnelte von der Form eher einem Schuhkarton. Dieses damalige Wunderwerk der Technik hatte schwarze große Tasten, die man drücken musste. Die junge Generation würde wahrscheinlich nur verwundert gucken und lachen, wenn sie dieses altmodische Ding in der Hand halten würde. Null Design und mit den Klangqualitäten der heutigen Aufnahme- und Wiedergabegeräten in keiner Weise vergleichbar. Heute lädt man sich seine Musik einfach aus dem Internet runter und hat alles auch noch auf seinem I-Phone allzeit verfügbar“, stelle ich Vergleiche an.
„Wir hatten für die damalige Zeit schon ein modernes Bandgerät, das meine Schwester dann für ihre Zwecke missbrauchte“, beteiligt Peter sich nun lebhaft. „Damit konnte man sogar Stereoaufnahmen machen, was allerdings bei den Mono-Fernsehgeräten keinen Vorteil brachte. Trotzdem war es für damalige Verhältnisse bestimmt schon etwas Besonderes.“
„Das Mikrofon war noch nicht eingebaut, sondern man musste es extra an den Kassettenrecorder anschließen und dann einfach nur vor den Fernseher stellen“, berichte ich weiter von meinem wohl eher primitiven Gerät.
„Genau, das war bei uns auch so.“
„Bestimmt hat sich deine Schwester auch immer geärgert“, versetze ich mich in ihre und meine damalige Situation zurück. „Das Mikrofon nahm alles auf, auch die Geräusche, die in dem jeweiligen Zimmer entstanden. Und genau das hat mich tierisch geärgert und oft auch aufgeregt. Ich habe immer meinen Eltern ausdrücklich mitgeteilt, dass ich die Schlager aufnehmen möchte und alle mucksmäuschenstill zu sein haben.“
Mein Mann nickt wohlwissentlich, aber bevor er auch nur den Mund öffnen kann, lasse ich meinem Ärger von damals freien Lauf.
„Jedes Mal, aber auch wirklich bei jeder Sendung hat jemand geplappert. Meistens war es mein Vater, der ins Zimmer kam und meine Anweisungen schon längst wieder vergessen hatte.“
„Und dann?“, will Peter nun wissen.
„Ich weiß nicht mehr so genau. Ich denke ich werde ihm zugezischt haben, dass er still sein soll. Vielleicht habe ich auch sehr nachdrücklich den Finger auf den Mund gelegt. Ich glaube nicht, dass ich große Diskussionen geführt habe, denn mir hatte ich ja auch das Schweigegebot auferlegt.“
„Hast du die Kassetten noch?“, will nun mein Peter wissen.
„Wieso? Willst du die alten Schlager hören?“
„Die eigentlich weniger“, antwortet mein Mann, „allerdings wäre es doch sehr interessant, welche Nebengeräusche, sprich Zwiegespräche mit deinem Vater wegen der Störung darauf zu vernehmen sind.“
„Ich muss mal bei meiner Mutter suchen, vielleicht existiert ja die eine oder andere selbstaufgenommene Kassette noch. Aber bestimmt sind die Bänder schon kaputt. Vielleicht habe ich sie aber auch weggeworfen, weil es mal wieder Bandsalat gegeben hat.“
„Den konnte man doch mit Hilfe eines Bleistiftes wieder beseitigen.“
„Stimmt“, pflichte ich meinem Mann bei, der inzwischen die Rechnung begleicht. „Manchmal ging aber auch absolut nichts mehr, weil die Bänder schon viel zu sehr verknuddelt waren…“
Nach einer Weile füge ich noch hinzu: „Irgendwo habe ich sogar noch alte Autogrammkarten. Es wurde nämlich bei jeder Sendung die Autogrammadressse des jeweiligen Sängers oder der Sängerin eingeblendet. Da habe ich natürlich immer hingeschrieben und eine Autogrammkarte angefordert.“
„Ja, ja, meine Schwester war auch in Heintje verliebt. Da gab es so kleine Plaketten bei den Bananen“, erinnert sich nun mein Mann und wir müssen beide lachen.
Ehrlich gesagt, habe ich diese Plaketten als Kind auch gesammelt. Doch nun ist unsere Mittagspause zu Ende und damit auch der Ausflug in die Vergangenheit. Die Gegenwart mit ihren vielfältigen Aufgaben holt uns wieder ein und trägt uns weiter in die Zukunft. Das Gestern ist heute schon überholt und das Heute ist es morgen ebenso. Die Welt dreht sich einfach weiter und das mit einem rasanten Tempo. Deshalb sollten wir diese kurzen Momente des Verweilens umso mehr genießen. Was uns gestern geärgert hat, ist heute manchmal sogar eine schöne Erinnerung.

 

 

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Ich möchte Euch heute ein bisschen von mir und meiner Familie erzählen. Allerdings sage ich Euch nicht gleich, wer ich bin, aber Ihr werdet es beim Lesen schon bald herausfinden. Ich und die anderen Mitglieder meiner Familie sind Euch gar nicht so unbekannt, wie Ihr vielleicht zunächst vermuten werdet. Ich möchte sogar behaupten, dass Ihr uns alle, ausnahmslos, kennt und uns nicht missen möchtet. Ich spreche in Rätseln? Ach lest einfach weiter und das Rätsel wird sich mit jedem Wort von mir mehr und mehr seiner Lösung nähern.

Ich bin in einer Großfamilie aufgewachsen. Papa und Mama haben acht Kinder und auch unsere beiden Onkels leben mit uns zusammen. Wer in einer solch großen Familie lebt, der weiß, dass immer etwas los ist und man viel Spaß miteinander hat. Manchmal allerdings gibt es auch Streit, doch davon werde ich später noch berichten.
Die Anzahl unserer Familienmitglieder ist nicht die einzige Besonderheit, die uns auszeichnet, sondern auch unser Aussehen. Wir sehen uns nämlich alle irgendwie ähnlich, doch das ist noch nichts Ungewöhnliches innerhalb einer Familie. Das Tolle daran ist, dass wir eigentlich lauter Zwillingen sind. Ja, genau Ihr habt richtig gelesen. Wir sind sozusagen vier Zwillingspärchen, – immer ein Junge und ein Mädchen. Ob Ihr es glaubt oder nicht, sogar die beiden Onkels sehen sich verdammt ähnlich. Es ist kein Geheimnis, dass auch sie Zwillinge sind. Wenn ihr aufmerksam gelesen habt, dann habt Ihr gemerkt, dass wir vier Mädchen und vier Jungs und die beiden Onkels untrennbar zusammen gehören. Papa und Mama nehmen uns überall mit hin. Ganz egal, wo sie auch immer hingehen, wir sind dabei. Ich finde das ziemlich nett von unseren Eltern. Wir hängen auch ziemlich an ihnen.
Für unsere beiden Kleinsten ist es nicht immer so einfach mit uns anderen Schritt zu halten. Na, sie sind eben noch richtige Babies. Sie heißen Chris und Chrissy. Ich bin Franzi und gehöre mit meinem Bruder Franz zu den Mittleren. Petra und Peter sind größer und Stefan und Stefanie sind kleiner. Am größten sind die beiden Onkels Tim und Tom.
Das Schönste an unserer Großfamilie ist die Tatsache, dass keiner von uns jemals alleine ist. Wir gehören einfach zusammen und keiner kann sich ein Leben ohne die anderen vorstellen.
Ihr seid neugierig geworden und wollt noch mehr von uns wissen? Ich muss mal kurz nachdenken, was Euch noch so interessieren könnte. Ach ja, jetzt weiß ich es:
Ich habe ja schon gesagt, dass wir immer viel Spaß miteinander haben. Wir laufen und rennen gerne. Aber auch baden und tanzen macht uns viel Freude. Überhaupt sind wir sehr lebhaft. Wir sind eine richtige Lausebande. Irgendwie zappeln wir den ganzen Tag herum, deshalb ist uns aber eigentlich auch niemand böse.
Die beiden Onkels sind immer ein bisschen tollpatschig und außerdem noch etwas vorwitzig, was vielleicht auch mit ihrer Größe zusammenhängt. Sie schauen nämlich manchmal ganz neugierig aus einem Loch heraus. Außerdem stoßen sie sich ständig irgendwo an. Wir anderen zucken dann immer erschrocken zusammen. Den beiden Kleinen, Chris und Chrissy, passiert das auch hin und wieder und dann ist das Geplärre groß. Wir anderen halten uns ja mehr im Mittelfeld auf und sind durch die Großen, aber auch die Kleinen irgendwie geschützt. Dazu muss man noch wissen, dass wir immer in der selben Anordnung marschieren.
Man muss sich das folgendermaßen vorstellen: Peter, Franz, Stefan und Chris laufen zusammen mit Onkel Tim. Petra, Franzi, Stefanie und Chrissy gehen zusammen mit Onkel Tom durch die Welt.
Papa und Mama sind sehr stolz auf uns alle und sie sagen immer, dass Onkel Tom mit den vier Jungs ebenso wie Onkel Tim mit den vier Mädchen aussehen würden wie die Orgelpfeifen. Das kann schon sein, wenn man so unsere Größe betrachtet, das gebe ich ja zu.
Wie Ihr Euch denken könnt, gibt es wie in jeder Familie auch bei uns manchmal Streit. Das passiert meist dann, wenn man uns zusammenpfercht. Wir sind dann so dicht beieinander, dass einer an den anderen gequetscht wird und das ist ziemlich störend. Ständig beschwert sich einer, weil ihm sein Nebenmann in diesem Gedränge wehgetan hat. Außerdem schwitzen alle ziemlich durch diese unangenehme Enge. Das sind die Momente, in denen es gar nicht schön ist, in einer Großfamilie zu leben, aber die sind eher selten.
Um diesem Gedränge zu entgehen, lieben wir es an trockenen und warmen Tagen ohne Bekleidung zu gehen. Unsere Eltern sagen immer, dass barfuß laufen gesund sei und das können wir nur bestätigen. Dann spüren wir nämlich die große Freiheit und fühlen uns rundum wohl. Es gibt keine stinkenden Socken und auch keine engen Schuhe.
So, jetzt habe ich Euch so viel über uns verraten und ihr wisst nun bestimmt alle, wer wir sind. Ihr kennt uns, da bin ich mir hundertprozentig sicher. Denn jeder von Euch marschiert mit uns täglich durch die Gegend. Manche von Euch lieben uns so sehr, dass sie uns sogar einen Ring schenken, was allerdings sehr ungewöhnlich ist. Viele Frauen hingegen schenken uns einen bunten Anstrich. Männer allerdings stehen mehr auf große blaue Onkels.

Ihr wisst es immer noch nicht?

Dann will ich es Euch verraten:

Wir sind Eure

10

Fußzehen!!!

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