Weihnachten & Ostern
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Sorbische Ostereier

Als wir vor fast zwanzig Jahren nach Cottbus in die Lausitz kamen, entdeckten wir hier den einen oder anderen Brauch, den wir noch nicht kannten. So lernten wir zunächst, dass es hier die Sorben ( oder in der Niederlausitz auch Wenden) gibt. Laut Wikipedia* handelt es sich hierbei um ein westslawisches Volk. Es ist in der Nieder- und Oberlausitz, also in Brandenburg und Sachsen zu finden ist. Diese Minderheit hat eine eigene Sprache und eine eigene Kultur, die hier noch gepflegt wird. Unser Sohn hatte beispielsweise in der ersten Klasse Sorbisch als Pflichtfach.

Zu dem Brauchtum der Sorben gehört auch das Ostereierfärben und -verzieren, bei welchem die inzwischen bekannten sorbischen Ostereier entstehen.
Hierbei handelt es sich um ein traditionelles Verzieren von Eiern mit einer ganz bestimmten Technik.** Dieses Eiermalen nennt man auf sorbisch jejka pisać.
Es erfordert neben Geduld auch Geschicklichkeit. Die Tradition des Eierverzierens wird von Generation zu Generation weiter gegeben und in den Familien, aber auch in den Schulen werden in der Fastenzeit ausgeblasene Eier derartig verziert. Hierbei sollte man möglichst weiße Eier nehmen und diese vor oder nach dem Verzieren auspusten. Ich kannte das vorherige Auspusten, aber ich habe mich belesen und erfahren, dass sich ein volles rohes Ei angeblich einfacher färben lässt. Färbt man die Eier nach dem Auspusten, dann sollte man die Löcher mit Wachs verschließen, damit keine Flüssigkeit eindringt.
Es gibt verschiedene Techniken des Verzierens, zum Beispiel:

die Wachsreservetechnik

die Wachsbossiertechnik

die Kratztechnik

die Ätztechnik

und auch die Farben und Ornamente haben eine ganz bestimmte Bedeutung.

Die Wachsreservetechnik:

Bei dieser Technik, die auch die älteste und verbreiteste in der Lausitz ist, muss man sich zuerst einige Hilfsmittel beschaffen und aufbauen.

 

1200px Verziertechnik jpg

Zunächst einmal braucht man einen Gänsefederkiel zum Verzieren oder man nimmt einen Bleistift in den man eine Stecknadel steckt und dessen Kopf zum Verzieren benutzt wird. Letzteres eignet sich gut zum Erstellen von Punkten und Strichen. Weiterhin braucht man einen gebogenen Esslöffel, den man in ein mit Sand o.ä. gefülltes Gefäß steckt. Laut der genannten Ostereierfibel** eignet sich anstelle von Sand auch eine halbierte Kartoffel. Unter den Löffel stellt man nun ein brennendes Teelicht. Auf dem Löffel befindet sich gemäß des erwähnten Buches** eine 1:1 Mischung aus Bienenwachs und Paraffin, das mittels der Kerze verflüssigt wird.

1200px Schritte OstereierJPG

Das oben stehende Foto zeigt jetzt sehr gut die einzelnen Schritte des Verzierens auf. Als erstes zeichnet man sich am Besten mit einem Bleistift Hilfslinien auf das Ei (siehe 1. Ei von links nach rechts). Danach taucht man den Federkiel in das flüssige Wachs und überträgt dieses auf das Ei (siehe 2. Ei). Nach dem Auftragen der ersten Wachsschicht legt man das Ei in die Farblösung ein, die handwarm sein sollte, um das Wachs nicht zu schmelzen. Als erste Farbe wählt man eine helle Farbe, wie zum Beispiel gelb oder orange (siehe 3. Ei). Erst später wird man schrittweise etwas dunkler bis man den gewünschten Farbton erhält. Nach dem Trocknen, kann die nächste Wachsverzierung aufgetragen werden (siehe 4.Ei) und die nächste Färbung erfolgen(siehe 5. Ei). Das Wachs überdeckt und erhält hierbei die jeweils vorangegangene Farbe. So geht es weiter bis zur gewünschten Farbe oder Verzierung.

Zum Schluss entfernt man das Wachs, indem man das Ei an eine Kerze oder eine andere Wärmequelle (für 2-5 Sekunden) hält und dann das geschmolzene Wachs mit einem weichen und sauberen Tuch abwischt. Man sollte allerdings darauf achten, das Ei nicht zu nahe an die Flamme zu halten, damit dieses nicht verrußt.

Die Wachsbossiertechnik:

Dies ist wohl die einfachste Technik. Hierbei wird entsprechend meiner Ostereierfibel** gefärbtes oder dunkelgebranntes Wachs benutzt oder zerriebene Wachssignierstifte dem oben erwähnten gebräuchlichen Wachsgemisch zugefügt. Jetzt wird dies auf das naturfarbene oder bereits eingefärbte Ei übertragen und nicht wieder entfernt.

Die Kratztechnik:

Auch hier ist Geduld und Geschick gefordert. Die Eier färbt man zunächst mit Stoff- oder Batikfarbe kräftig ein, bevor die Verzierung eingekratzt wird. Hierfür benutzt man einen harten Gegenstand, wie zum Beispiel Nägel, Nadel, Messer etc..

Die Ätztechnik:

Die Autorin der genannten Ostereierfibel** erklärt auch dieses Verfahren, bei dem die Eier nicht so kräftig eingefärbt werden und neben Gänsefederkielen oder Stahlfedern eine Ätzflüssigkeit verwendet wird. Hierbei gibt sie Salzsäure an, die mit einem Drittel Wasser verdünnt ist oder man verwendet Zitronen-, bzw. Essigsäure. Der Federkiel wird in die Flüssigkeit getaucht und anschließend zeichnet man damit dünne Striche auf das Ei, aus denen dann Ornamente usw. entstehen können. Damit nichts verläuft, sollte man die Flüssigkeit immer wieder mit einem Tuch abtupfen. Nach mehrmaligem Nachziehen erscheinen die geätzten Stellen weiß.

Bei allen Techniken entsehen wunderschöne handgefertigte und kostbare Ostereier.

1200px sorbische Ostereier JPG
*vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/Sorben (Stand 4.4.2015)

** Bei der gesamten Beschreibung der Verzierung der sorbischen Ostereier beziehe ich mich auf folgendes Buch: Jěwa-Marja Čornakec  „Kleine Sorbische Ostereierfibel“, Domowina – Verlag GmbH,Bautzen 7. Auflage 2010

3 Kommentare

  1. Eva V sagt

    Ich finde das alles so wunderbar, liebe Astrid, nur wenn ich so etwas nicht selbst machen muss. Handwerklich bin ich eine Null. Ich schreibe und lese lieber. Habe heute früh aber geschwind für den Ostertisch Ostereier gefärbt, die sehen auch schön aus, finde ich. Dir und deiner Familie schöne Ostern. LG Eva

    • Astrid Berg sagt

      Ja Eva, ich lasse diese Ostereier auch lieber diejenigen machen, die es auch können. Ich habe mich zwar mal darin versucht, aber so sehr professionell war das Ergebnis nicht. Aber es gibt Leute, die haben ein Händchen dafür und dann wird es auch ganz toll.
      Herzliche Ostergrüße
      Astrid

  2. Hallo Astrid,
    schön, dass Du Dich in meiner kleinen und inzwischen leider mal wieder etwas vernachlässigten Dekowelt umgeschaut hast.
    Nachdem ich Deinen Post gelesen habe, habe ich wohl kaum sorbische Eier. Ein rotes und ein blaues Ei muten zwar etwas so an, aber das sind bemalte Holzeier aus Kindertagen. Bei mir gibt es dafür reichlich aus dem Erzgebirge zu entdecken – und das, was mir bei Ebay sonst noch so an Dekogedöns über den Weg läuft. Nur komme ich wegen der anderen Blogs meist mit dem Posten nicht hinterher …
    Ich wünsche Dir noch ein paar gemütliche Osterstunden.
    VG Silke

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