Kurzgeschichten, Professor Konfusi-Geschichten, Weihnachten & Ostern
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Marco braucht Hilfe

Wie schnell doch das Jahr sich wieder seinem Ende zuneigt. Die Zeit der Weihnachtsfeiern ist herangebrochen. Überall wird gefeiert, – egal ob es sich um eine private oder offizielle Feier handelt. Dies hat mich auf eine Idee mit einer Geschichte gebracht, in der Professor Konfusi und auch Marco wieder mit von der Partie sind.

Professor Konfusi und seine Frau sitzen gemütlich beim Nachmittagskaffee mit Weihnachtsplätzchen und selbst gebackenem Stollen, als es an der Tür Sturm klingelt.
„Was ist denn jetzt passiert?“, fragt Frau Konfusi erschrocken. „Das wird doch nicht schon wieder ein Staubsaugervertreter sein oder jemand, der uns Zeitungen verkaufen will und vor Weihnachten noch auf das große Geschäft hofft. Oder erwartest Du etwa jemand?“
„Nein, meine Liebe“, erwidert ihr Gemahl. „Ich erwarte zwar einen dringenden Anruf von einem Kollegen aus Amerika, aber der kündigt sich nicht durch Sturmklingeln an der Wohnungstür an.“
„Na, da werde ich mal nachsehen“, erklärt Frau Konfusi und marschiert zur Wohnungstür.
Bevor die ältere Dame jedoch die Tür öffnet, späht sie kurz durch den Spion und erkennt, dass der Nachbarjunge der Übeltäter ist.
„Hallo Marco, ist was passiert oder warum klingelst du bei uns so wild? Einmal auf den Klingelknopf gedrückt, würde vollkommen ausreichen“, ermahnt sie den Jungen.
„Entschuldigung“, stammelt dieser sichtlich verlegen. „Aber ich muss ganz dringend den Herrn Professor sprechen. Er ist doch hoffentlich da. Es ist ein Notfall!“
„Ja, mein Mann ist im Wohnzimmer, aber jetzt komm erst einmal herein! Du bist ja total aufgeregt.“
Professor Konfusi hat das Gespräch gehört und steht auch schon in der Wohnzimmertür, um Marco zu begrüßen.
„Komm rein, junger Mann! Setz dich, nimmt dir vom Weihnachtsgebäck und dann erzähl ganz ruhig, was passiert ist und wobei ich dir helfen soll!“
„Mein Vater ist zu einer Weihnachtssfeier bei seinem Chef eingeladen und meine Mutter ist doch ein paar Tage nicht da“, beginnt Marc. „Sie ist bei meiner Oma, weil sie meine Oma abholen will, damit sie über Weihnachten bei uns bleibt.“
Frau Konfusi stellt dem Jungen eine Fanta und ein paar Weihnachtsplätzchen hin.
„Ich verstehe aber noch nicht so ganz, worin jetzt der Notfall besteht“, erkundigt sich der Professor.
„Na, ganz einfach, der Notfall ist dieses komische Ding hier“, sagt Marco und zeigt den beiden ein langes schmales Stückchen Stoff, das er schon die ganze Zeit in der Hand hält, aber dem Ehepaar Konfusi erst jetzt auffällt.
„Eine Krawatte! Braucht dein Vater die passende Krawatte zu seinem Anzug?“, fragt Frau Konfusi.
„Nein, die hat er schon, aber meine Mutter ist doch weg und deshalb hat er jetzt ein Problem.“
Professor Konfusi kratzt sich am Kopf, weil er noch immer nicht das Problem versteht und auch seine Frau sieht zunächst etwas ratlos aus. Doch plötzlich tippt sich Professor Konfusi an die Stirn, als hätte er gerade einen Geistesblitz.
„Ich glaube ich ahne jetzt worin das Problem besteht.“
Marco zuckt mit den Schultern. „Ich dachte“, sagt er stockend, „dass Sie als Professor sicherlich wissen, wie man das macht und meinem Vater helfen können. Ich habe Sie schon so oft in Anzug und Krawatte gesehen, aber mein Vater trägt am liebsten Jeans und T-Shirt. Und deshalb hat er jetzt ja auch dieses Problem. Meine Mutter ist nämlich die Einzige in unserer Familie, die einen Krawattenknoten machen kann. Sie hat das schon immer gemacht und jetzt ist sie nicht da und mein Vater probiert es schon seit einer halben Stunde. Er muss auch gleich weg.“ Marco überschlägt sich fast beim Sprechen. „Der Besuch auf der Weihnachtsfeier bei seinem Chef ist ganz wichtig und er muss auch unbedingt dieses Ding hier anziehen. Bitte, bitte helfen sie ihm!“
„Da hast du aber Pech gehabt, mein Junge. Ich kann es nämlich auch nicht, denn bei uns bindet meine Frau auch immer meine Krawatten. Da ich diese Verkleidung hasse wie die Pest, habe ich mir auch nie die Mühe gemacht, das Binden eines Krawattenknotens zu lernen.“
„Das stimmt“, bestätigt Frau Konfusi. „Mir hat es einst mein Schwiegervater gezeigt und seitdem muss ich meinem Mann die Krawatten binden.“
Marco blickt die Frau des Professors bittend an und diese streckt auch schon die Hand nach dem Langbinder aus.
„Komm her Marco, ich binde schnell die Krawatte!“
Sie hängt sich die ungebundene Krawatte so um den Hals, dass das breite Ende wesentlich länger ist und links herunterhängt. Gekonnt legt sie das breite Ende über das schmale und zieht dieses hinter dem schmalen Ende wieder nach links und danach legt sie es vor das schmale Ende wieder nach rechts. Sie zieht es von unten durch die Schlinge um ihren Hals. Dann schiebt sie von oben das dicke Ende der Krawatte durch die entstandene Schlaufe, zieht am dünneren Ende und schon hat sie einen perfekten Krawattenknoten.
Marco hat sie dabei bewundernd angeschaut und stellt fest:
„Sie sind eine regelrechte Zauberin. Das hätte mein Vater nie geschafft, egal wie lange und wie oft er es probiert hätte! Danke noch mal! Das war die Rettung in letzter Sekunde und wahrscheinlich das beste Weihnachtsgeschenk, das er je bekommen hat.“
Schon ist er mit der gebundenen Krawatte durch die Tür entschwunden und saust das Treppenhaus nach unten, wo er von seinem Vater schon sehnsüchtig erwartet wir.
Frau Konfusi beugt sich über das Treppengeländer und ruft hinunter:
„Am nächsten Sonntag seid ihr alle zum Adventskaffee bei uns eingeladen. Bringt aber bitte eine ungebundene Krawatte mit, sonst gibt es keine Weihnachtsplätzchen!“
Sie dreht sich um und sagt zu ihrem Mann gerichtet: „Du holst dir dann am nächsten Sonntag auch einen Langbinder aus dem Schrank!“
Sie kichert, während sie den Kaffeetisch abräumt und denkt sich nur:
„Das wird ein Riesenspaß!“
„Ich brauch das nicht!“, erklärt ihr Gatte bestimmt.
„Oh doch mein Lieber! Auch Du kannst endlich lernen, wie man dieses Ding bindet!“
„Wieso, ich hab doch Dich!“, erklärt er entschieden und fügt dann unvermittelt hinzu: „Kannst Du Dich noch erinnern, als ich zur Geburt unseres Sohnes ins Krankenhaus kam, um Dich und unser Baby nach Hause zu holen?“
„Aber sicher doch, Du standest mit einem Strauß roter Rosen da!“, schwärmt Frau Konfusi glücklich. „Aber was hat das jetzt mit dem Krawattenbinden zu tun?“
„Sonst ist Dir damals nichts aufgefallen?“
„Du hattest einen Anzug an und sahst sehr elegant aus mit der Krawatte passend zu den Rosen…“
Frau Konfusi stutzt bei ihren eigenen Worten und noch mehr als ihr Gatte ein Buch aus dem Bücherregal zieht und es ihr direkt vor die Augen hält. „Der perfekte Krawattenknoten“ steht in großen Buchstaben auf dem Einband.
„Du bist mir Einer!“, grinst sie plötzlich. „Und nahezu drei Jahrzehnte hast Du mich im Glauben gelassen, Du seist in dieser Hinsicht auf mich angewiesen!“
„Das bin ich doch auch!“, beteuert Professor Konfusi mit ernstem Gesicht. Doch dann lacht er schelmisch und öffnet das Buch, das gar keines ist, sondern ein Kästchen, das nur eine Buchattrappe ist. Darin liegt ein roter Langbinder mit einem perfekten Krawattenknoten. Allerdings hängt an dieser besonderen Krawatte ein Gummiband, das man sich nur über den Kopf zu ziehen braucht.

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24 Kommentare

  1. Liebe Astrid,
    ich amüsiere mich über diese schöne Geschichte mitten aus dem Leben. Mein Mann kann zwar einen Knoten binden, das hat er beim Bund gelernt, aber oft schon habe ich für andere Männer das Binden übernehmen müssen. Prof. Konfusi hat die Angelegenheit ja sehr clever gelöst und das Adventskaffeetrinken wird sicher sehr lustig (und lehrreich) gewesen sein.
    Herzliche Grüße
    Regina

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Regina,
      meinem Mann geht es so ähnlich wie Professor Konfusi. Er hat sich nie die Mühe gemacht es zu lernen. Ich binde seine Krawatten und für den Fall, dass ich einmal nicht da sein sollte, hat er immer gebundene Krawatten im Schrank hängen. Auch mir hat es einst mein Schwiegervater gezeigt. Und auch mein Mann hatte sich vor langer Zeit einmal einen ähnlichen Binder zugelegt wie Professor Konfusi. Nur hatte dieser kein Gummiband, sondern nur ein Häkchen, das man einfach in den Kragen eingehängt hat. Ich muss direkt einmal im Schrank suchen, ob wir diese Krawatte noch irgendwo liegen haben.
      LG und ein schönes Adventswochenende
      Astrid

  2. Liebe Astrid, deine Erzählung gefällt mir, weil sie aus dem Leben stammt. Meinem Bruder musste ich auch, in jungen Jahren, immer eine Krawatte binden. Diese Zeit ist schon sehr lange her, aber ich denke wieder daran und amüsiere mich.

    Vielen Dank, Danke an eine schöne Erinnerung und liebe Grüße, Margot.

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Margot,
      ich glaube es gibt viele Männer, die keinen Krawattenknoten binden können. Mein Mann gehört auch dazu. Ich habe es gerade als Antwort auf Reginas Kommentar geschrieben, dass ich alle seine Krawatten binde und er immer gebundene Krawatten im Schrank hängen hat. Man weiß ja nie und so ist er immer für den Fall der Fälle gewappnet.
      LG und ein schönes Adventswochenende
      Astrid

    • Astrid Berg sagt

      Danke, liebe Bärbel. Mein Mann hat sich nie bemüht es zu lernen, da wir uns schon kannten, bevor er es zum ersten Mal wirklich gebraucht hat.
      LG
      Astrid

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Anja, liebe Donna,
      ein herzliches Willkommen auf meinem Blog!
      Meinem Mann geht es wie Professor Konfusi. Er verlässt sich da voll und ganz auf mich.
      LG
      Astrid

  3. Martina sagt

    Ähnlichkeiten mit lieben Personen …. ich hab so schmunzeln müssen. Mein Mann wird es niemals lernen. Da muss ich auch immer ‚ran‘ – sogar mein Neffe kommt hin und wieder und lässt sich seine Krawatten binden. Wunderbare Geschichte, liebe Astrid, die ich sehr gerne gelesen habe! LG Martina

    • Astrid Berg sagt

      Wie sich unsere Männer doch ähneln 😉
      Ich wünsche Dir einen schönen 2. Advent
      Astrid

  4. Harald sagt

    Hi Astrid,
    ich hab das beim „Kappeschneider“ gelernt 🙂
    An alle Männer in deinem Blog, schaut bei Pinterest, da gibt es Knoten, die gibt es nicht.

    LG Harald

    • Astrid Berg sagt

      Hallo Harald,
      ich musste erst noch einmal bei meiner Mutter nachfragen, wer das wohl war. Der „Name“ war mir zwar noch geläufig, aber trotzdem fehlte mir die Zuordnung. Doch nun bin ich informiert 😉 – das war halt noch Service damals 😉
      LG und einen schönen zweiten Advent, der uns vollkommen unvorbereitet trifft, da wir erst seit gestern Abend wieder zurück sind.
      Astrid

  5. Hallo liebe Astrid, das ist er ja wieder mein Lieblings-Professor! Wie lustig, dieses Krawattenbinden ist wohl doch für einige Männer eine echte Schwerstarbeit. Aber mal ehrlich: Wenn sie es denn geschafft haben, können wir Frauen doch auch oft die Finger nicht davon lassen. Wir müssen auch noch mal hier zuppeln und da zurechtrücken, noch ein bißchen richten und den Hemdkragen begutachten….Wie sollen die Herren der Schöpfung da überhaupt Selbstbewusstsein beim Krawattebinden bekommen? Und außerdem warum nicht die Gelegenheit nutzen und das schöne Ritual der Frau überlassen? Ist doch auch eine Form der Zuwendung. 😉 Ich mag Professor Konfusi sehr gern. Ein echt verschmitzter und humoriger Zeitgenossen. Weiter so. LG Tanja

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Tanja,
      ich danke Dir recht herzlich für Deinen lieben Kommentar. Auch mir ist der nette ältere Herr inzwischen ans Herz gewachsen und so werde ich immer wieder einmal eine Geschichte von Professor Konfusi erzählen.
      Leider war ich die letzten Wochen nicht ganz so intensiv in der Bloggerwelt unterwegs, da wir erst gestern Abend von einem mehrwöchigen Bangkokaufenthalt zurückgekommen sind. Jetzt muss ich mich erst noch mit Schwung in die Adventszeit versetzen, denn inzwischen ist ja schon der 2. Advent. Ich habe noch keinerlei Weihnachtsvorbereitungen getroffen.
      LG
      Astrid

    • Astrid Berg sagt

      Danke, lieber Klaus. Ich freue mich, wenn Dir meine Geschichten gefallen. Du hast gar nicht erwähnt, ob auch Deine Frau Deine Krawatten bindet oder ob Du diese Technik selbst beherrschst.
      LG
      Astrid

  6. Haha, was für eine lustige Geschichte. Oh ja, die Krawatten mit Gummiband sind schon eine gute Erfindung. Mein Mann hatte jahrelang im Schrank eine Bedienungsanleitung fürs Binden hängen. Ist aber auch verzwickt!
    Liebe Grüße von Kerstin.

    • Astrid Berg sagt

      In den Schrank meines Mannes habe ich ebenfalls eine solche Bedienungsanleitung gehängt. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob er diese schon jemals entdeckt hat. Jedenfalls macht er keinerlei Anstalten diese Technik beherrschen zu wollen. Er verlässt sich da vollkommen auf mich – und das schon seit Jahrzehnten.
      LG
      Astrid

  7. Fiona Limar sagt

    Ja, meistens sind es die Frauen, die Krawatten binden können. Bei uns ist es allerdings tatsächlich mein Mann, so dass ich es nie lernen musste. Daher musste ich auch meinen Sohn enttäuschen, als er mich zum ersten Mal bat, seine Krawatte zu binden. Er nahm es cool, sagte „kein Problem“ und stellte sich kurz darauf mit perfekt gebundener Krawatte vor. „Anleitung aus dem Internet“, verkündete er stolz. So löst die Jugend von heute das Problem.

    • Astrid Berg sagt

      Stimmt, die Jugend von heute löst alle Probleme mit dem Internet, – sie versucht es zumindest. Bei einer guten Anleitung klappt es dann auch. Aber nichts geht über eine persönliche Beratung 😉 Der einfachste Weg ist allerdings immer, wenn man jemand hat, der diese kniffelige Aufgabe übernimmt, dann braucht man auch nicht ewig im Netz zu surfen 🙂 und erspart sich zusätzlich noch das Ausprobieren.
      LG
      Astrid

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