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Zwiegespräch

Als ich auf unserer Terrasse auf der Hollywoodschaukel saß, fiel mein Blick nach unten. Und auf einmal hörte ich Stimmen. Zwei Stimmen. Jetzt ist es eigentlich nicht meine Art, andere zu belauschen, aber ich konnte mich diesem Gespräch nicht entziehen.

Zuerst wusste ich nicht, wer die Gesprächspartner waren, doch Schritt für Schritt näherte ich mich der Erkenntnis, dass es sich um meine beiden … handeln musste.

„Hallo mein Freund? Wo bist du?“

„Ich bin doch da, wo ich immer bin. Dreh dich doch ein bisschen zur Seite, dann siehst du mich.“

„Du siehst aber heute gar nicht gut aus. Was ist mit dir los?“

„Ach nichts!“

„Und so kleinlaut bist du auch noch. Du hast doch was!“

„Mmh!“

„Hab ich dir was getan? Bin ich vielleicht auf dich getreten?“

„Das nicht gerade. Obwohl das auch schon vorgekommen ist.“

„Jetzt rück schon raus! Wage den ersten Schritt, damit wieder alles stimmt zwischen uns.“

„Du bist schon auf der richtigen Fährte. Um den ersten Schritt geht es auch.“

„Dann mach ihn doch endlich!“

„Geht nicht! Den machst doch immer du!“

„Ich?“

„Ja genau, du! Egal, wo wir auch immer hingehen, du läufst vorneweg!“

„Ach komm!“

„Genau, ich muss immer nachkommen! Auf Schritt und Tritt! Und nur, weil fast alle dich mir vorziehen.“

„Es tut mir leid, aber dafür kann ich nichts. Vielleicht solltest du dich einfach mal in den Vordergrund drängen.“

„Du hast leicht reden. Du schießt doch immer gleich mit einer Schnelligkeit vor, mit der ich nicht mithalten kann.“

„Jetzt sei nicht gleich beleidigt! Deine Laune ist heute so schlecht, wie bei jemand, der mit dem linken Fuß aufgestanden ist.“

„Haha, sehr witzig und zielsicher wie immer. Aber eins kann ich dir sagen: Ohne mich wärst du ganz schön aufgeschmissen. Immerhin bin ich derjenige, der sicher auf dem Boden steht, wenn du selbst mal in der Luft hängst oder die Knie schon ganz schwach sind.“

„Da muss ich dir Recht geben. Du bist mir eine große Stütze und du bist auch ein bisschen stärker als ich. Allerdings nur ein bisschen!“

„Deshalb kann ich auch besser balancieren als du. Hihi!“

„Ja, das stimmt auch wieder. Ich fange immer gleich an zu wackeln. Du bist da viel standhafter.“

„Danke, den Schuh ziehe ich mir gerne an.“

„Apropos Schuh! Drückt dich dein neuer Schuh auch so sehr wie mein Schuh mich?“

„Das kannst du laut sagen! Am liebsten bin ich barfuß.“

„Jetzt sind wir uns wieder einmal einig. Das ist schön. Denn, was wäre ich ohne dich?!“

„Ziemlich allein, vermute ich.“

„Ach linker Fuß, sei wieder fröhlich. Wir sind doch ein tolles Paar.“

„Und ein prima Team, so als linker und rechter Fuß!“

„Komm lass uns einen Spaziergang machen!“

 

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20 Kommentare

  1. Liebe Astrid,
    es ist noch früh am Morgen und ich musste über diese herrliche
    Geschichte schmunzeln. So muss der Tag doch gut werden?
    Wunderbar beschrieben. Hoffentlich drücken die neuen Schuhe
    nicht mehr.
    Hab einen angenehmen Dienstag
    Irmi

    • Astrid Berg sagt

      Und ich musste über Deinen lieben Kommentar schmunzeln, liebe Irmi. Danke, dass Du immer wieder bei mir vorbeischaust. Ich freue mich immer wieder darüber.
      Übrigens, es waren gar keine neuen Schuhe, aber da Frauen ja Schuhe lieben, macht es immer wieder Spaß neue zu kaufen. Das wäre übrigens eine Idee für den heutigen Tag 😉
      Sei herzlich gegrüßt
      Astrid

  2. Haha, auf was für Ideen kommst Du nicht alles! Wenn Dich der Schuh drückt – so rede doch mit Deinen Füßen 🙂
    Ich mag am liebsten bequeme flache Treter, Absatzschuhe trage ich fast keine mehr.
    Liebe Grüße von Kerstin.

    • Astrid Berg sagt

      Meine Absätze sind auch schon niedriger geworden, liebe Kerstin. Aber ganz flache Schuhe trage ich eigentlich nicht. Ausgenommen meiner Flipflops. Die sind nämlich im Sommer so herrlich bequem. Zuhause laufe ich in der Wohnung meist barfuß.
      LG und hab einen angenehmen Tag
      Astrid

  3. Eine sehr nette Geschichte liebe Astrid!
    Ja was wären wir ohne unsere Beine und Füße
    und wenn die dann nicht mehr miteinander wöllten…..
    nicht vorstellbar….
    Sehr spannend abgeholt den Leser…

    Herzliche Grüße von Monika*

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Monika,
      mein Schwiegervater musste dies leider erleben. Er bekam beide Beine amputiert. Aber er hatte trotzdem seinen Optimismus nie verloren.
      Danke fürs Lesen und Kommentieren.
      Sei herzlich gegrüßt
      Astrid

  4. Liebe Astrid, du übertriffst dich selbst mit deinen Ideen! Ist das grandios, die beiden Füße sprechen zu lassen – und die Wortspielereien – herrlich! Eben fiel mir erst auf, dass es auch bei mir so ist. Der eine ist immmmmer der Erste! Muss mal lauschen, ob sich der andere darüber auch beschwert!!! Vielen Dank für diese humorvolle Geschichte! LG Martina

    • Astrid Berg sagt

      Oh danke, liebe Martina. Bei so viel Lob, werde ich ja noch rot 🙂 .
      Es ist tatsächlich so, dass bei den meisten Menschen der rechte Fuß der Erste ist und auch der Schnellere. Allerdings soll dann angeblich der linke Fuß etwas kräftiger und minimal größer sein. Man sollte sich vielleicht mehr mit den Füßen beschäftigen 🙂 .
      LG
      Astrid

  5. Liebe Astrid

    Zuerst einmal ganz herzlichen Dank
    dass du meinen Blog besucht hast welch
    eine Freude :-))

    Nun schaue ich bei dir rein und musste
    bei dieser kleinen witzigen Geschichte schmunzeln
    ein herrliches Zwiegespräch !

    Hi hi…. auch bei mir ist immer einer der erste
    habe soeben Probe gemacht lach…..klar der Rechte
    hat Vortritt ist ja schon komisch ,
    ich versuche nun zuerst mit dem Linken aufzustehen
    mein Gott ist der schwach und so ungewohnt :-)))
    der Mensch ist schon ein Gewohnheitstier gell… ……..
    aber man sollte öfters umdenken ,es ist gut für das
    Gehirn :-))
    Ich habe mir angewöhnt ,da ich seit Jahrzehnten
    an Schwindel leide ,wenn ich Zähne putze immer
    nur auf einem Fuss zu stehen meistens auf dem
    linken Fuss, das soll helfen :-))
    Na ja ,geholfen hat es nix ,aber ich übe weiter
    kann ja nichts schaden :-))

    Ich wünsche dir eine fröhliche Woche
    und liebi Grüessli aus dem schönen
    Schwyzerländli
    Margrit

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Margrit,
      dem linken Fuß tut man auch ein bisschen Unrecht, oder? Sagt man nicht zu Menschen, die schlechte Laune haben, sie seien mit dem linken Fuß aufgestanden. Der rechte Fuß hingegen ist uns irgendwie der Liebste, oder? 😉 Können wir nicht einfach unsere beiden Füße gleich lieben und behandeln?! 😉
      Sei herzlich gegrüßt
      Astrid

  6. Ja, darauf muss man erst mal kommen. Eine gelungene Unterhaltung zum Nachdenken.

    Einen lieben Gruß zu dir,
    Anna-Lena

    • Astrid Berg sagt

      Ich danke Dir, liebe Anna-Lena, für Deine lieben Worte.
      Sei herzlich gegrüßt
      Astrid

    • Astrid Berg sagt

      Meist vorne an der großen Zeh oder an der Ferse laufe ich mir auch schon mal eine Blase :-))) .
      Ich schicke Dir ganz liebe Grüße und hab eine angenehme Nachtruhe
      Astrid

    • Astrid Berg sagt

      Lieber Klaus,
      ich freue mich immer, wenn Euch meine Geschichten gefallen.
      Cottbuser Grüße zu dir
      Astrid

  7. Liebe Astrid, ich hab dich sträflich vernachlässigt. Aber auch meinen eigenen Blog hab ich nicht gut gepflegt in letzter Zeit. Entschuldigung! Die Idee mit der Fußgeschichte finde ich ja sehr sehr süß.

    Ich soll Dich auch noch grüßen
    von meinen beiden Füßen.
    Die sind so viel gerannt,
    dass sie nun Plattfuß werden genannt.
    Ich leg sie gleich mal hoch
    und wünsch Dir einen schönen Abend noch.

    LG Tanja

    • Astrid Berg sagt

      Oh Tanja,
      Du musst dich doch nicht bei mir entschuldigen. Ich weiß wie das ist, – manchmal hat man einfach keine Zeit und keine Muse.
      Über Dein tolles kleines Gedichtchen musste ich schmunzeln. Ach, was macht das Spaß mit Dir und allen meinen Lesern in Kontakt zu stehen und Eure lieben Kommentare zu lesen. Auf diesem Wege ein dickes Dankeschön an Dich und all die anderen treuen Besucher.
      Sei ganz herzlich gegrüßt und ich hopse dann mal gleich zu Dir rüber, um nachzuschauen, was es Neues gibt!
      Astrid

  8. Liebe Astrid, toll, was uns Deine Füße erzählen. Und weißt Du, man muss sehr gut zu ihnen sein, sie pflegen und hegen. Ja sie tragen uns ein Leben lang. Toll, Deine Geschichte. LG Eva

    • Astrid Berg sagt

      Das stimmt, liebe Eva, sie tragen uns ein Leben lang. Manchmal bedenken wir dies nicht und überlasten sie. Egal, ob dies durch zuviel Rennerei geschieht, durch zu langes Stehen oder vielleicht sogar durch falsches Schuhwerk. Wir schenken ihnen einfach zu wenig Beachtung. Erst, wenn sie uns schmerzen, rücken sie in unser Bewusstsein.
      Ich wünsche Dir einen schönen Sonntagabend, an dem Du ganz gemütlich Deine Füße hochlegen kannst.
      LG
      Astrid

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