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Das Blau des Himmels

Die Idee zu dieser Geschichte wurde an einem schönen Sommertag geboren. Ich lag auf einem Liegestuhl und hatte die Augen geschlossen. Als ich sie öffnete, blickte ich zwischen zwei Sonnenschirmen hindurch direkt in den Himmel. Ich konnte meinen Blick nicht abwenden, denn dieses Himmelblau faszinierte mich und nahm mich in seinen Bann. Und plötzlich fielen sie mir ein, die vielen verschiedene Redewendungen, die wir dem Himmel gewidmet haben. Dem Himmel sei Dank für unsere facettenreiche Sprache. Ihr kennt diese Redewendungen und Aussprüche alle und wahrscheinlich habt ihr sie im Laufe des Lebens auch schon selbst benutzt. „Also“, so dachte ich mir, „lass mich daraus eine kleine Geschichte basteln.“ Und hier ist sie:

Tina schwang sich auf ihr Rad und fuhr zu ihrer Freundin Suse. Die Beiden verband nicht nur eine lange und innige Freundschaft, immerhin nannten sie sich schon seit Schultagen Freundinnen, sondern sie hatten auch beruflich einen gemeinsamen Weg eingeschlagen. Seit einem Jahr hatten sie ein kleines Geschäft. Tina war Goldschmiedin und sie hatte schon immer davon geträumt sich selbständig zu machen. Doch alleine fehlte ihr der Mut. Suse war Schneiderin und unter ihren Händen entstanden die schönsten Kleider, die man sich nur denken konnte. Ihre schwingenden, rauschenden Abend- und Sommerkleider riefen immer und überall Begeisterung hervor. Gemeinsam mit Tinas ausgefallenen Schmuckkreationen waren sie einfach umwerfend. So wagten sie vor zwei Jahren den Schritt in die Selbständigkeit. Sie hatten Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um sich ihren Traum zu erfüllen. Der Anfang war schwer, manchmal waren sie himmelhoch jauchzend und dann wieder zu Tode tief betrübt. Doch jetzt lief der Laden. Sie verdienten keine Millionen, denn Geld und Erfolg regnet es bekanntlich nicht vom Himmel. Aber es reichte, um Beide zu ernähren und auch noch um monatlich eine Kleinigkeit zurückzulegen.
„Du, heute ist in der Stadt Flohmarkt. Lass uns mal hinfahren. Ich finde es himmlisch in alten Dingen zu kramen und in vergangenen Zeiten zu schwelgen. Diese alten Sachen erzählen soviel über ihre Besitzer“, schlug Tina ihrer Freundin vor.
Der Flohmarkt war recht groß, er führte durch die gesamte Innenstadt und zog viele Besucher an. Tina und Suse schlenderten von Stand zu Stand, bis Suse plötzlich einen kleinen Koffer entdeckte. Es war ein alter Lederkoffer und sah schon sehr mitgenommen aus. Sicherlich hatte er einst seinem Besitzer auf vielen Reisen gute Dienste geleistet. Kratzer und Narben zierten ihn und machten ihn erst interessant.
„Schau mal“, flüsterte Suse fast ehrfürchtig in Tinas Richtung. „Stell ihn dir in unserem Schaufenster vor: Ein Sommerkleid aus himmelblauem fließenden Stoff auf den geöffneten Koffer gelegt und davor einige Deiner Schmuckstücke drapiert, das müsste doch einfach nur himmlisch aussehen.“
„Ja, lass ihn uns kaufen!“, meinte Tina ebenfalls begeistert.
So wurden die beiden Frauen stolze Besitzer eines alten zerschlissenen und leeren Lederkoffers. Bewaffnet mit Schuhcreme und Tüchern gingen sie schon am nächsten Tag an die Arbeit, um das alte Stück wieder auf Vordermann zu bringen.
„Komm mal schnell her, Tina!“, rief Suse plötzlich aus. „Ich glaube hier ist ein doppelter Boden drin!“
Tatsächlich ließ sich der Boden an einer Ecke leicht anheben, doch mit den Jahren hatte er sich verzogen und verkantete sich nun. Ganz vorsichtig und behutsam schafften es die beiden Frauen jedoch, ihn zu lösen. Darunter verbarg sich eine Vertiefung von etwa zwanzig mal zwanzig Zentimetern. Und hierin lag ein kleines unscheinbares Buch. Die Blätter waren schon vergilbt und über und über mit einer zierlichen weibliche Handschrift bedeckt.
„Du ich glaube wir haben ein altes Tagebuch gefunden“, rief Tina aufgeregt aus.
„Kannst du diese alte Schrift denn lesen? So hat man noch zu Urgroßmutters Zeiten geschrieben.“
„Lass es uns einfach gemeinsam versuchen“, beschloss Tina und blätterte ehrfürchtig die Seiten um. An einem Eintrag aus dem Jahre 19… (die letzten beiden Ziffern waren nicht mehr zu erkennen) blieben sie hängen:
„Mein liebes Tagebuch“, lasen sie und stellten fest, dass es gar nicht so einfach war diese Schrift zu entziffern.
„Du bist mir in all den zurückliegenden Jahren immer ein treuer Begleiter gewesen. Ich habe mit dir gar manche glückliche Stunde geteilt, aber dir auch meinen Kummer anvertraut. So will ich mir auch heute alles von der Seele schreiben, was mich bewegt.
Bis vor ein paar Wochen hing für mich der Himmel noch voller Geigen. Karl und ich hatten uns gefunden und waren so glücklich miteinander. Wir schwebten den ganzen Sommer über im siebten Himmel. Unser Glück schien perfekt und wir machten schon Pläne für eine gemeinsame Zukunft. Er wollte mir den Himmel zu Füßen legen und mir die Sterne vom Himmel holen. Er versprach mir das Blaue vom Himmel. Doch dann änderte sich plötzlich alles. Karl ließ mich auf einmal links liegen. Er hatte nur noch Augen für die schöne Neue. Es hatte ihn wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen. Er sprach nur noch von ihr. Wenn wir die wenigen gemeinsamen und immer weniger werdenden Stunden miteinander verbrachten, lobte und hob er sie mit seinen Worten in den Himmel. Plötzlich hatte er kaum noch Zeit für mich. Immer wieder hatte er eine andere zum Himmel stinkende Ausrede, warum wir uns nicht treffen konnten. Und immer öfter traf ich ihn zufällig mit ihr an. Er strahlte dann jedesmal über das ganze Gesicht und man konnte seinen Stolz auf die Neue in seinen himmelblauen Augen lesen. Ich stand neben ihm und er streichelte und liebkoste sie zärtlich. Seine Augen leuchteten wie die Sterne am Himmelszelt. Während er mit ihr im siebten Himmel zu schweben schien, trübte sich für mich der Himmel ein. Es war eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit, so fand ich. Über mir stürzte der Himmel ein und ich ging durch die Hölle.“
An dieser Stelle hielt Tina mit dem Lesen inne und wischte sich eine die Wange herunter kullernde Träne weg.
„Typisch Mann!“, meinte sie. Sie versprechen Dir alles Mögliche und dann kommt die Nächste, dann lügen sie dir das Blaue vom Himmel herunter und plötzlich bist du Luft für sie.“
„Warte mal!“, sagte Suse. „Lies doch mal weiter, ich kann das gerade nicht richtig entziffern, es ist ein bisschen verwischt, gerade so als sei eine Träne darüber gelaufen. Wahrscheinlich hat die Verfasserin des Tagebuchs geweint.“
„Wundert dich das?“, fragte Tina und versuchte dann aber das zu entziffern, was nur noch als ein Hauch erkennbar war:
Der Himmel weiß, was noch alles passiert wäre, hätte ich mich nicht mit den Tatsachen abgefunden und reagiert. ‚Um Himmels Willen, so sei es denn‘, dachte ich mir, streichelte sie ebenfalls und schwang mich mutig auf den Sitz hinter meinen Karl, um mit ihm und seiner geliebten Maschine davonzubrausen.“
„Ein Motorrad!“, Tina und Suse lachten erleichtert auf.
Gerade wollte Suse umblättern, um den nächsten Eintrag zu lesen, da ging die Türglocke, eine neue Kundin betrat das Geschäft und ließ die beiden Freundinnen sozusagen vom Himmel wieder auf die Erde fallen…

Kurzer Nachtrag:
Gerade als ich mir diese Geschichte auf meiner Sonnenliege ausgedacht hatte, hörte ich mit einem lauten Knall das Zusammenbrechen eines Liegestuhles und den Aufschrei meines Mannes:

„Himmel, A…. und Zwirn!“

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Die zwei Alten

 

Schaut nur, wo wir sind gelandet,
neben Müll und Zigaretten gestrandet.
Undank, so sagt man, ist der Welten Lohn,
man erntet nur noch Spott und Hohn.

Einst wir waren neu, chic und fein,
kosteten gar manchen großen Schein.
Bewundernde Blicke wir erhielten von allen Seiten,
standen im Regal trotzdem ganz bescheiden.

Eines Tages dann kam er vorbei,
der unser Herr von nun an sei.
Sportlich und fit, er war von Statur,
ihm fehlten die passenden Schuhe nur.

Umschlossen seine Füße geschmeidig und weich,
so dass er uns zu lieben begann sofort und gleich.
Stolz und glücklich schaute er uns an,
wir sollten ihn begleiten jetzt und dann.

Stets und alle Zeit wir ihm zu Diensten waren,
vor Blasen und Schwielen konnten ihn bewahren.
Auf Schritt und Tritt wir haben ihn begleitet,
damit er auch ja keine Qualen erleidet.

So manche Narben und Schunden,
Schrammen, Löcher und auch Wunden
haben wir in all den Jahren leider erhalten,
doch wir haben uns immer treu und fair verhalten.

Eines Tages war es dann endgültig soweit,
vorbei war unsere schöne und prachtvolle Zeit.
Keiner uns noch eines Blickes würdigte
und unser Herr neue Schuhe benötigte.

Fortan lagen wir nur noch nutzlos rum,
was uns machte traurig und stumm.
Dann nahm man uns mit Gewalt,
alt, kaputt und nutzlos man uns schalt.

In den Müllcontainer warf man uns geschwind,
weil wir nur noch lästig und außerdem Unrat sind.
Jetzt sind wir schmutzig, alt und müde noch dazu,
also gönnt uns einfach uns’re wohlverdiente Ruh.

 

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Goldglöckchen

Ich hab‘ da eine kleine Macke

Nobody is perfect!?

Der nette ältere Herr aus meinen Geschichten, den ich Professor Konfusi genannt habe, ist mir inzwischen richtig ans Herz gewachsen. Vielleicht geht es Euch ähnlich.  Tanja (fruendliche scherereien) fragte neulich, ob der liebenswerte Professor denn auch Macken habe. Lasst mich heute eine weitere Geschichte erzählen und entscheidet selbst, ob es da doch eine klitzekleine Macke bei ihm gibt.
Professor Konfusi hält alle seine beruflichen Termine schriftlich in seinem Terminkalender fest. Darin ist er sehr genau und hat auch noch keinen der Termine vergessen, geschweige denn hat er sich jemals verspätet. Aber mit seinen privaten Terminen ist das so eine ganz spezielle Sache:

Professor Konfusi sitzt in seinem Arbeitszimmer und schreibt an einer Veröffentlichung, während seine Frau vor ihrem Kleiderschrank steht. Sie sucht sich das passende Outfit für ihr Treffen mit ihren Freundinnen aus. Sie sind zu viert und treffen sich regelmäßig in einem kleinen Café am Stadtrand.
Heute freut sie sich besonders darauf, denn sie möchte den Freundinnen die Fotos von der letzten Reise mit ihrem Mann zeigen. Die anderen haben auch versprochen ein paar Fotos von ihren Reisen und Ausflügen mitzubringen.
„Das wird sicherlich sehr interessant und auch kurzweilig“, denkt sie und nimmt ein geblümtes Sommerkleid aus dem Schrank.
„Das passt perfekt zu dem heutigen Sonnenwetter und zu meiner guten Laune. Nur schade, dass es wahrscheinlich einer der letzten sommerlichen Tage des Jahres sein wird“, überlegt sie sich während sie in das Kleid schlüpft.
Beschwingt dreht sie sich vor dem Spiegel und greift danach noch nach einem leichten Sommerjäckchen, – nur für den Fall, dass es am Spätnachmittag doch schon etwas abkühlen sollte.
Bevor Frau Konfusi das Haus verlässt, schaut sie noch einmal kurz zu ihrem Mann ins Arbeitszimmer hinein. Sie öffnet die Tür und bleibt im Türrahmen stehen. Sie will ihn nicht stören, aber trotzdem noch schnell Bescheid sagen, dass sie dann gleich weg ist.
„Ich geh dann mal“, sagt sie mit gesenkter Stimme. „Bis nachher!“
„Ja, ja!“, antwortet ihr Gatte, ohne seine Arbeit zu unterbrechen und aufzublicken, da er vollkommen vertieft in seine Veröffentlichung ist.
Frau Konfusi ist gerade im Begriff die Tür wieder zu schließen, da fällt ihr noch etwas ein. Doch sie will nicht weiter stören. Deshalb geht sie schnell in die Küche und schreibt ihrem Mann noch eine kurze Botschaft auf einen Zettel, den sie auf den Küchentisch legt und dann ist sie auch schon verschwunden.
„Hallo meine Liebe“, wird sie wenig später von ihrer Freundin Gertrud begrüßt. „Hast du eigentlich dein Handy dabei?“
„Ja natürlich. Das habe ich immer in meiner Handtasche, aber das weißt du doch“, antwortet Frau Konfusi und grinst.
„Na, dann wird es wohl auch heute wieder klingeln!“, freut sich Mathilde und klatscht begeistert in die Hände.
„Wollen wir eine Wette abschließen?“, erkundigt sich Anna.
„Was soll das?“, fragt Frau Konfusi zurück. „Ich weiß genau, was du wetten willst, aber wer von uns soll denn dagegen wetten. Wir wissen doch alle, was spätestens in einer Stunde passieren wird.“
Die vier Frauen brechen in Vorfreude auf das bevorstehende Ereignis in schallendes Gelächter aus und lassen sich dann Kaffee und Kuchen schmecken.
Fast hätten sie über dem Austausch von Neuigkeiten und dem Betrachten der Fotos Frau Konfusis Handy vergessen, doch plötzlich ertönt ein unüberhörbarer Klingelton aus deren Handtasche.
„Na also!“, rufen alle vier Frauen im Chor.
Alle verstummen schlagartig, nur Frau Konfusi holt das Handy aus der Tasche und meldet sich mit einem einfachen, aber freundlichen:
„Hallo, mein lieber Göttergatte!“
„Wo bist du denn?“, tönt die Stimme von Herrn Konfusi aus dem Telefon.
„Na da, wo ich jeden zweiten Mittwoch im Monat bin“, antwortet sie und grinst ihre Freundinnen an, die sich kaum das Lachen verkneifen können.
„Und wo ist das?“
„Ach mein Lieber, seit drei Jahren rufst du mich jeden zweiten Mittwoch an, stellst mir die selbe Frage und ich gebe dir auch immer wieder gerne die selbe Antwort: Ich bin bei meinem Damenkränzchen.“
„Ach so! Und ich dachte schon, du seist beim Frisör.“
„Aber nein, dort bin ich jeden Samstag.“
„Als wenn ich das nicht wüsste“, kommt jetzt eine leicht verärgerte Antwort.
„Natürlich weißt du das, aber es ist dir anscheinend gerade entfallen.“
„Ich nehme an, dir ist aber etwas anderes entfallen“, kontert jetzt Professor Konfusi. „Und daran möchte ich dich jetzt erinnern. Du kannst heute nicht so lange bei deinem Kaffeekränzchen bleiben, denn du musst nachher noch zum Zahnarzt.“
„Ach!“, ist das einige, was Frau Konfusi beim Versuch ihr eigenes Lachen zu unterdrücken, hervorbringt.
„Gut, dass ich deinen Notizzettel auf dem Küchentisch gefunden habe. Dort hast du dir nämlich folgendes notiert: 17 Uhr Zahnarzt.“
„Das hast du aber missverstanden“, antwortet Frau Konfusi inzwischen wieder mit ganz ruhiger Stimme. „Das ist nicht mein Termin, sondern deiner!“
„Ohje, den hätte ich jetzt glatt vergessen. Gut, dass ich dich angerufen habe. Diese privaten Termine machen mich ganz konfus. Vielleicht sollte ich sie mir mal aufschreiben.“
Gerade will Frau Konfusi ihrem Gatten beipflichten, als dieser seiner Feststellung noch einen Satz nachschiebt.
„Oder besser noch: Du erinnerst mich immer an meine privaten Termine!“
„So machen wir es!“, kichert Frau Konfusi.
„Aber sag mal, ihr seid wirklich eine sehr lustige Truppe. Man hört euch immer nur lachen“, stellt der Professor fest. „Ihr werdet doch wohl nicht über mich und meine kleine Macke lachen.“
„Nein nein!“, rufen alle vier Damen in das Handy.
„Übrigens, Gertrud!“, ruft Professor Konfusi aus. „Ich gratuliere dir recht herzlich nachträglich zu deinem gestrigen Geburtstag und haben nicht Anna und Erwin nächsten Monat 30jährigen Hochzeitstag und Mathildes Tochter wird am nächsten Samstag 45?!“
Frau Konfusi ist mindestens so baff wie Gertrud, Mathilde und Anna.
„Woher weißt du das alles?“, fragt Frau Konfusi sichtlich überrascht. „Das habe ich dir doch gar nicht erzählt!“
„Oh, ich weiß noch viel mehr. Zum Beispiel weiß ich ganz genau, dass du jeden zweiten Mittwoch mit deinen Damen zusammen sitzt, aber man kann doch nicht einfach so zugeben, dass man seine Frau vermisst. Außerdem habe ich mir bereits vor ungefähr einem Jahr schon einen Terminkalender extra für private Termine zugelegt und da steht auch dein Mittwochnachmittagtreff drin! Aber es hat dir und deinen Freundinnen immer so viel Freude bereitet, wenn ich jeden Mittwoch angerufen habe, da wollte ich euch den Spaß nicht nehmen. Außerdem erinnerst du mich immer so lieb an alle privaten Termine.“
„Du Schlawiner!“, sagt Frau Konfusi jetzt nicht ganz ohne Rührung.

 

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Auf Reisen

 

Heute wollen wir Herrn und Frau Konfusi auf Reisen begleiten. Es ist keine Vergnügungsreise, sondern eher eine berufsbedingte Reise. Der ältere Professor ist zwar nicht mehr im Dienst, aber sein Wissen und seine Forschungsergebnisse werden immer noch geschätzt. Auch schreibt er fleißig Veröffentlichungen und nimmt an Kongressen teil.
So bittet man ihn oftmals einen Vortrag über sein Spezialgebiet zu halten. Seine Frau begleitet ihn immer auf Reisen und so soll es auch dieses Mal sein.
Um das Kofferpacken kümmert sich schon seit jeher Frau Konfusi.
„Du kannst das viel besser als ich“, pflegt er immer zu sagen und nimmt dabei seine Gattin zärtlich in den Arm.
Er selbst kümmert sich nur darum, dass er alle notwendigen Unterlagen für seinen Vortrag dabei hat und übernimmt dann auch noch die Autofahrt. Die beiden älteren Herrschaften sind mit dieser Arbeitsteilung völlig zufrieden und es klappt eigentlich alles auch immer ganz gut.
Heute ist Frau Konfusi allerdings etwas nervös, denn wie das so ist im Leben, kommt manchmal alles auf einmal und anders als man denkt. Eigentlich wollten sie um diese Uhrzeit schon startbereit sein. Aber am Abend vorher, klingelte es an der Haustür. Ein befreundetes Ehepaar, Hanna und Egon, kamen unverhofft vorbei und wollten nur einmal kurz Hallo sagen. Daraus wurde ein sehr unterhaltsamer Abend, der erst nach Mitternacht endete.
Heute Morgen erwachen Herr und Frau Konfusi dann allerdings mit Kopfschmerzen.
„Daran ist bestimmt der Wein schuld, den Hanna und Egon mitgebracht haben. Irgendwie war er mir gleich ein bisschen schwer“, folgert Frau Konfusi.
Sei es wie es sei, auf jeden Fall sind die Beiden wohl auch noch mit dem linken Fuß aufgestanden und leicht genervt. Alles geht nicht schnell genug und will nicht wie es soll. Professor Konfusi, der es gar nicht mag, wenn er in einem Anzug herumlaufen soll, beschließt erst einmal in kurzen Hosen und Schläppchen den Tag zu beginnen.
„Warum ziehst du nicht wenigsten eine lange leichte Sommerhose und vernünftige Schuhe an?“, fragt Frau Konfusi ihren Gatten.
„Ich will ja nicht schwitzen und vielleicht machen wir zwischendrin noch einmal Rast. Wir kommen doch an einem schönen See vorbei und da könnten wir uns ein bisschen in die Sonne setzen. Kurze Hosen und Schläppchen sind also viel bequemer und praktischer. Es reicht mir schon, wenn ich morgen und übermorgen den ganzen Tag im Anzug rumlaufen muss“, erklärt er seiner Frau.
Frau Konfusi hat einen Koffer und eine Schuhtasche gepackt und ihr Mann verstaut nun alles im Kofferraum.
„Hier sind deine guten neuen Schuhe, die du morgen dann zum Anzug anziehst“, sagt sie und stellt diese neben die Tasche. Danach verschwindet sie noch einmal kurz im Bad, bevor es dann endgültig los geht.
„So“, meint Professor Konfusi, „sag am besten gleich, was du vergessen hast. Dann müssen wir nicht wieder in fünf Minuten umdrehen.“
„Warte mal, ich schau eben nochmal schnell nach, ob ich die Haustür zugemacht habe“, entgegnet seine Frau.
„Hast du! Ich habe es gesehen. Du hast auch die Wohnungstür abgeschlossen, alle Fenster sind zu und es brennt auch in keinem Zimmer das Licht. Wir haben alles und alles ist in Ordnung.“
Frau Konfusi atmet einmal tief durch und lässt sich dann beruhigt in den Sitz fallen. Und los geht die Fahrt. Sie unterhalten sich angeregt über dies und das, doch plötzlich fallen Frau Konfusi die Augen zu und sie macht ein kleines Nickerchen. Als ihr Mann zu dem kleinen See abbiegt und dort einen Rastplatz anfährt, wacht sie wieder auf und blinzelt in die Sonne.
Beim Aussteigen fällt der Blick der älteren Dame auf die Füße ihres Mannes.
„Hast du eigentlich die Schuhe dabei?“, fragt sie ihn.
„Welche? Da waren eine ganze Menge Schuhe. Ich frage mich, wieso du so viele Schuhe mitnimmst.“
„Die Schuhe müssen doch zur jeweiligen Kleidung passen. Aber das meine ich nicht. Hast du deine Schuhe dabei“, erkundigt sie sich.
„Wenn du sie eingepackt hast, dann sind sie wohl in der Schuhtasche mit dabei“, entgegnet ihr Mann.
„Die habe ich aber neben die Schuhtasche gestellt, weil sie nicht mehr hinein gepasst haben. Das habe ich dir aber ausdrücklich gesagt.“
Als Professor Konfusi nicht antwortet, sondern seine Frau nur schweigend ansieht, ist dieser alles klar.
„Na, dann stehen sie da wohl immer noch.“
Und nach einem Blick auf die Uhr meint sie: „Wir sollten vor dem Einchecken im Hotel erst noch schnell ein Schuhgeschäft ansteuern, sonst musst du morgen deinen Vortrag in Anzug und Schläppchen halten. Für dich habe ich nämlich nur dieses eine Paar Schuhe eingeplant, das du zu Hause hast stehen lassen.“
„Dann hätten es wenigstens meine Füße in den Schläppchen ein bisschen bequem, während ich in Anzug, Hemd und Krawatte schwitzen muss“, grinst der Professor.
„Und mit Garantie wären auch alle Lacher auf deiner Seite!“
Am nächsten Morgen marschiert Professor Konfusi dann in funkelnagelneuen Schuhen zum Kongress. Seine Frau macht in der Zwischenzeit eine Stadtrundfahrt und geht in der Altstadt bummeln. Als er am Nachmittag wieder im Hotel zurück ist, hat er seiner Frau ein Stückchen Kuchen mitgebracht.
„Ich bin an einer Konditorei vorbeigekommen und der Kuchen hat mich so angelacht“, erzählt er seiner Gattin. „Ich habe mir eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen gegönnt. Aber ich habe Dir auch ein Stück mit gebracht.“
„Das ist lieb von dir, aber ich war in der Altstadt auch schon in einem Café“, entgegnet sie. „Du kannst es gerne auch noch essen.“
Das lässt sich Professor Konfusi allerdings nicht zweimal sagen.
„Danke. Ich muss dir aber noch was erzählen“, meint er, als das letzte Krümelchen in seinem Mund verschwunden ist. „Nicht nur der Kuchen hat mich angelacht, sondern auch die Verkäuferin. Ich scheine hier schon irgendwie bekannt zu sein.“
„Wieso das denn? Wir waren doch noch nie hier in dieser Stadt“, wundert sich Frau Konfusi.
„Ich finde es ja auch merkwürdig, aber als ich in den Laden kam, fragte die Verkäuferin: ‚ Bitteschön Herr Konfusi, was kann ich für sie tun?‘ “
Plötzlich beginnt seine Frau zu lachen. „Das Rätsel kann ich für dich lösen“, erklärt sie ihrem Mann. Da dieser aber fragend die Stirn runzelt, lässt sie ihn nicht länger rätseln.
„Schau doch mal in den großen Spiegel dort drüben!“
Professor Konfusi ist jetzt tatsächlich etwas verwirrt, aber er folgt den Anweisungen seiner Frau und tritt an den Spiegel heran. Ein Blick in diesen und er muss ebenfalls lachen. Mit der rechten Hand greift er sich dann an seine linke Brust und entfernt das angesteckte Namensschild von seinem Jackett.

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Professor Konfusi

Marco braucht Hilfe

Große Aufregung in der Villa

 

Beobachtende Blicke am Wegesrand

Ist Euch das auch schon einmal passiert? Bestimmt! Ihr marschiert so durch die Gegend und plötzlich überfällt Euch ein seltsames Gefühl. Es ist so, als ob Euch jemand beobachtet. Ihr schaut Euch um und niemand ist zu sehen. Doch warum fühlt Ihr Euch beobachtet?

Kann es sein, dass die Bäume Euch beobachten, wenn Ihr noch vor der Arbeit mit dem Hund eine Runde dreht?1200px-_dsc4141-kopie

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Selbst die Steine werfen Euch Blicke zu.1200px-dsc01772

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Vorsichtig! Selbst vom Waldweg her, schaut jemand zu Euch auf.1200px-dsc03023

Die Sitzgelegenheiten am Wegesrand haben nur Augen für Euch.1200px-dsc00818

Am Parkplatz angekommen, erwarten Euch die freundlichen Blicke Eures Autos.1200px-img_2225

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Jetzt fahrt Ihr zur Arbeit, um auf dem Schreibtischstuhl Platz zu nehmen. Dieser blickt Euch etwas mürrisch entgegen, denn Ihr habt Euch ein wenig verspätet.1200px-img_2042

Auf Eurem Heimweg verfolgt Euch sogar der Stromverteilerkasten in Eurer Straße mit seinen Blicken.1200px-_dsc2294

Auch die kleinen Froschaugen in Nachbars Garten schauen neugierig in Eure Richtung.1200px-_dsc2079

Jetzt seid Ihr urlaubsreif und wollt mit dem Schiff in See stechen? Glaubt nur nicht, dass Ihr die beobachtenden Blicke los werdet.1200px-dsc05691

Und am Strand, wenn Ihr Eure Getränkedose in den Mülleimer werfen möchtet, dankt Euch dieser mit freundlichen Blicken.1200px-_dsc2203

Am Abend in geselliger Runde, fordert Euch der Aschenbecher mit seinen Blicken auf, die Zigarette auszudrücken und Gute Nacht zu sagen.1200px-dsc04304

Freut Euch auf den kommenden Tag und begrüßt ihn mit frohem Blick!1200px-dsc05998-kopie

 

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Im Garten meines Opas

Frech wie Oskar

 

Ein Falke, zwei Prinzessinnen und meine Heimatstadt

Was ich Euch heute berichte,
ist nicht einfach nur eine Geschichte.
Es ist die Legende von einem bestimmten Ort,
von meiner alten Heimat, von hier ganz weit fort.

Sie erzählt ein Geschehen vor langer Zeit,
weit, weit zurück in der Vergangenheit.
Ich kenne die Legende seit Kindheitstagen schon,
drum lauscht, wenn ich jetzt erzähle Euch davon:

Einst vor vielen, vielen hunderten von Jahren,
zwei Königstöchter aus Schottland waren.
Rosamund und Dichamund ihre Namen,
sie nach Germanien kamen.

Sie wollten die Heiden bekehren
und ihnen das Christentum lehren.
Sie nach Buchonia kamen, dem Buchenland,
wie die Gegend des Vogelsberges damals genannt.

An einem Bach sie verweilten
und zu dessen Ufer durstig eilten.
Eine Hirschkuh mit ihren Jungen sie sahen,
aber auch einen bösen Wolf sich nahen.

Dieser wollte die Jungen ihr entreißen,
aber die Hirschkuh begann zu beißen
und er fiel hinein in den reißenden Bach,
besiegt von der Hirschkuh, so schwach.

Einen Augenblick nur später,
sie sahen eine Schlange als Übeltäter.
Diese kroch heimlich einen Baum hinauf
und schon nahm das Schicksal seinen Lauf.

In einem Vogelnest die kleinen Meisen,
gedacht sie geschwind zu verspeisen.
Die Meisenmutter machte ihr den Garaus
und hackte ihr wütend die Augen aus.

Wolf und Schlange nun im Bach drin liegen,
die Schwachen konnten die Starken besiegen.
Rosamund und Dichamund nächtigen unter dem Baum,
als der Herr erschien ihnen im Traum.

Am nächsten Morgen die Beiden waren in großen Nöten.
Zwei heidnische Fürsten voller Zorn sie wollten töten.
Im Zweikampf unter den Buchen,
sie wollten ihr Leben zu retten versuchen.

Plötzlich ein Falke aus den Wolken ganz weit oben,
kam herunter zu ihrer beider Hilfe geflogen.
Er hackte den bösen Fürsten die Augen aus,
diese fielen zu Boden und hauchten ihr Leben aus.

Große Angst überfiel der Fürsten Gefolge,
sie alle sich taufen ließen infolge.
Rosamund und Dichamund lobten und priesen Gottes Wort
und gründeten eine Niederlassung an diesem Ort.

Die beiden Königstöchter waren aus Schottland gekommen
und so später der Ort den Namen Schotten hat bekommen.
Der Falke ist zu der Stadt Wappentier fortan ernannt,
damit die Legende auch weiterhin ist bekannt.

Weil ich in dieser Stadt bin geboren,
diese Legende soll nicht gehen verloren.
Darum schrieb ich dieses kleine Gedicht,
das von einem Falken und zwei Prinzessinnen spricht.

Wer mir dies und die Legende nicht glauben mag,
der komme und schaue nach Schotten einen Tag.
Sucht den Falken und haltet die Augen offen dort,
denn auch ich bin noch oft an diesem Ort.

 

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Dumme Socke

 

Heute geht es hier wieder einmal rund,- es ist ganz schön was los. Alles ist durcheinander. Keiner weiß, was eigentlich passiert ist. Ihr glaubt das nicht? Na, dann hört doch einfach mal hin. Bestimmt könnt ihr das Gemeckere und die Streitereien laut und deutlich vernehmen. Ich vermute sogar, dass es auch bei Euch gelegentlich so zugeht. Das bezweifelt Ihr? Ach, was soll ich lange um den heißen Brei herum reden, lest doch einfach weiter und Ihr werdet verstehen, was hier los ist:

„Was machst du eigentlich hier?“, fragt die Eine.
„Du gehörst hier nicht hin!“, erklärt die Andere.
„Mach, dass du wegkommst!“, ruft die Nächste.
„Verschwinde endlich!“, befiehlt die Vierte.
„Du dumme Socke, hau endlich ab!“, schimpfen sie im Chor.
Alle schreien wild durcheinander und schauen die Fremde an. Diese hat sich schon ganz ängstlich verkrochen und versucht sich ganz klein zu machen. Kurzzeitig gelingt es ihr sich zu verstecken, aber die anderen haben die Fremde sofort wieder entdeckt.
„Wie soll ich denn verschwinden? Ich kann doch hier nicht weg! Man hat mich doch eingesperrt!“, ruft sie voller Furcht den anderen zu.
„Hört mal her!“, sagt die Anführerin der anderen. „Wir sind alle hier eingesperrt und keiner von uns kann hier heraus, bevor nicht jemand von außen die Luke aufmacht. Wir müssen also irgendwie miteinander auskommen. Also streitet euch nicht!“
„Sie hat recht!“, erkennen nun auch die anderen.
„Wieso mögt ihr mich eigentlich nicht?“, will nun die Fremde wissen. „Nur weil ich anders aussehe als ihr?“
„Du gehörst einfach nicht zu uns! Siehst du das denn nicht?“, erhält sie zur Antwort.
„Nur weil ich weiß bin und ihr alle dunkel oder sogar ganz schwarz?“
„Ja genau!“, stimmt ein schwarzes Pärchen zu. „Du bist eine weiße Socke und außerdem bist du allein. Wir sind immer zu zweit.“
„Da habt ihr aber Glück gehabt, dass ihr immer noch als Paar zusammen seid“, erklärt die weiße Socke. „Eigentlich gehört zu mir auch noch eine zweite Socke. Wir sind nämlich auch ein Paar, aber man hat mich von meiner Partnersocke getrennt. Plötzlich hat man mich von ihr weg gerissen und nun bin ich hier.“
Die anderen hören ganz gespannt zu, während sie sich alle zusammen in der mit Waschlauge gefüllten Trommel drehen.
„Ich kann nichts dafür. Tut mir bitte nichts!“, fleht die weiße Socke die anderen viel dunkleren Socken an. „Ich weiß ja, dass es dumm ist, sich bei euch einzuschmuggeln.“
„Du hast Glück im Unglück!“, beruhigt eine dunkelblaue Socke die weiße Fremde. „Wir sind alle schon ein bisschen älter und auch schon mit allen Wassern gewaschen. In jungen Jahren hätte dies anders ausgesehen, aber jetzt tun wir dir nichts mehr. Du bleibst so weiß, wie du bist, wir werden dich nicht umfärben.“
Die weiße Socke ist froh und erleichtert. Hatte sie schon befürchtet, dass sie als graue Socke die Waschtrommel verlassen und nicht mehr zu ihrer Partnersocke passen würde. Dann wäre sie sicherlich im Müll gelandet oder hätte als Schuhputzsocke ihr restliches Leben fristen müssen.
„Hoffentlich finde ich meine Partnerin wieder und wir sind weiterhin ein Paar!“, sagt sie leise und fast schon ein bisschen kläglich.
„Ach ja, das wird schon klappen!“, tröstet ein braunes Sockenpärchen die weiße Socke.
„Das kann aber ein Weilchen dauern“, meint die Anführerin der dunklen Socken.
„Wieso das denn?“
„Mir ist das auch schon passiert. Ich bin eine schwarze Socke und von meiner Art gibt es viele. Wir sehen uns alle ähnlich und unterscheiden uns nur in Kleinigkeiten. Mal ist der Bund ein bisschen breiter, mal ist irgendwo ein kleines Dreieck oder ein Punkt oder irgendein anderes klitzekleines Merkmal. Neulich hatte die Oma keine Brille auf und da konnte sie uns nicht unterscheiden und so bin ich mit meinem Dreieck zu einer schwarzen Socke mit einem Punkt gesteckt worden. Erst als wir wieder mit der Schmutzwäsche in die Waschmaschine kamen, haben wir uns wieder gefunden.“
„Ohje!“, seufzt die weiße Socke und wischt sich eine Träne weg.
„Bestimmt passiert dir das nicht“, erklärt die dunkelblaue Socke. „Du bist die einzige weiße Socke unter uns dunklen Socken und wirst gleich zur Seite gelegt.“
„Aber wenn niemand meine Partnerin findet, dann werde ich bestimmt weggeworfen!“, weint die weiße Socke verzweifelt.
Genau in diesem Moment beginnt sich die Trommel immer schneller und heftiger zu drehen. Den Socken wird es total schlecht und obendrein auch noch schwindelig. Alle beginnen zu schreien und zu jammern. Es ist ein Höllenlärm in der Waschmaschine. Jede einzelne Socke wird an die Trommelwand gedrückt. Doch plötzlich verringert sich die Umdrehungsgeschwindigkeit und alle purzeln wieder in die Mitte der Trommel. Nun ist es ganz ruhig und auf einmal öffnet sich die Luke. Eine Hand greift in die Trommel, packt einige nasse Socken und wirft sie in den Wäschekorb.
„Ach schau mal an!“, sagt eine Frauenstimme. „Was machst du denn hier? Du gehörst hier doch gar nicht hin!“
„Ich weiß, ich weiß!“, ruft die helle Socke. „Hilf mir! Ich will wieder zu meiner Partnersocke!“
„Ach“, sagt die Frau, „jetzt kommt sowieso die weiße Wäsche dran. Da wasche ich dich einfach noch einmal mit und bestimmt findet sich dann auch die zweite weiße Socke wieder. Dann seid ihr wieder ein Paar.“
In hohem Bogen fliegt die weiße Socke auf einen Haufen mit weißer Wäsche und landet ein paar Minuten später erneut in der Waschmaschine.
„Hallo, hallo!“, ruft sie laut aus. „Ich bin so allein, denn ich habe meine Partnerin verloren. Weiß jemand, wo sie ist?“
„Hallo“, ruft es zurück. „Ich bin hier! Ich habe dich schon so vermisst.“
„Ich komme!“, ruft die einsame weiße Socke. „Bei der nächsten Trommelumdrehung schwimme ich zu dir hinüber.“
Schon dreht sich die Trommel und die beiden weißen Socken sind wieder vereint. Sie halten sich glücklich umschlungen und verlassen bald darauf die Waschmaschine wieder als Paar, – strahlend und weiß. Und wenn sie niemand mehr trennt, erfreuen sie sich auch weiterhin ihrer Zweisamkeit.

 

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Lass es zu!

Ich möchte heute nur wenige Worte schreiben, dafür aber ein paar Fotos sprechen lassen. Es gibt ein Gefühl, das wir in uns zulassen sollten, nämlich die Zufriedenheit. Nur derjenige, der  diese innere Ausgeglichenheit besitzt, kann auch ein glückliches Leben führen. Also lassen wir doch in unserem Leben dieses Zufriedenheitsgefühl zu, indem wir…

die Schönheit der Natur in uns aufnehmen und sie genießen,1200px-_DSC2816

die Harmonie der Farben erkennen,1200px-DSC09294

Dankbarkeit empfinden für Gottes Schöpfung und unser Sein,SONY DSC

Rückzugsorte schaffen, um auch der Stille in  unserem Leben einen Platz einzuräumen,1200px-DSC00609

das Verborgene entdecken,1200px-DSC03016

stolz auf das sind, was wir geschafft haben,1200px-DSC00077

Vertrauen schenken und empfinden,1200px-DSC00471

die Feinheiten entdecken,1200px-DSC00741

uns auf die unendlichen Weiten einlassen1200px-Möwe

und erkennen, dass nicht immer alles perfekt sein muss,1200px-DSC00818

um zufrieden und glücklich zu sein.

 

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Hängemattengedanken

Manchmal sollte man sich ein paar Minuten für sich nehmen. Dazu braucht man aber Muße. Ich glaube ich bin im Moment in der richtigen Laune und ein bisschen Zeit habe ich jetzt auch gerade. Also marschiere ich in den Garten und lege mich in meine Hängematte. Die Sonne strahlt vom Himmel und ich genieße mit geschlossenen Augen das sanfte Schaukeln der Hängematte. 
Lange währt meine innere Ruhe allerdings nicht, denn meine Gedanken beginnen zu wandern wie die Wolken über mir.
Ich hatte schon als Kind eine Hängematte, die viel schöner war als es die heutigen Exemplare sind. Ein bisschen erinnerte sie an ein Fischernetz. Sie war ganz aus Sisal geflochten und auch wesentlich größer als meine jetzige. Sie wurde zwischen zwei große starke Bäume gebunden und dann konnte ich mich hinein legen und schaukeln.
Vor meinem inneren Auge sehe ich alles noch vor mir, aber diese Vorstellung nimmt mir auch die Ruhe. Warum? Weil sich meine Gedanken zu überstürzen beginnen. Ich springe auf und laufe in unser Gartenhaus.
„Was ruschelst du denn so rum?“, ruft mir mein Mann zu, der bemerkt hat, dass ich etwas suche.
„Irgendwo muss sie doch sein!“, sage ich.
„Was?“
„Na, meine alte Hängematte!“, rufe ich zurück, aber im selben Moment halte ich sie auch schon in den Händen.
„Sie ist noch einwandfrei“, strahle ich über meinen Fund. „Ob sie mich wohl noch trägt oder ob sie vielleicht doch schon ein bisschen altersschwach ist?“, überlege ich.
Ich will es ausprobieren, aber das Gestell ist zu klein und die alte Hängematte zu groß. Also lege ich mich wieder in meine neue Hängematte und träume von damals.
Damals war ich noch ein kleines Kind und wir fuhren nach Rottach-Egern, um meine Uroma und meine Großtante (väterlicherseits) zu besuchen. Ich war gerne dort und ich war stolz noch eine Uroma zu haben. Liebevoll nannte ich sie meine Omaur. Auch Erklärungen meines Grundschullehrers, dass es Uroma heißen würde, konnten mich nicht davon abbringen, dass sie meine Omaur war. Aber davon habe ich schon erzählt und meine Gedanken sind schon wieder weiter.
Meine Uroma sah genauso aus, wie man sich eine Uroma vorstellt: Zart von Statur, nicht sehr groß, weißes Haar, das zu einem Dutt zusammen gesteckt war. Die Falten in ihrem Gesicht gehörten auch dazu und machten sie nur noch liebenswerter.
Ich kann mich erinnern, dass sie noch im hohen Alter (über 80 Jahre) mit mir Federball gespielt hat. Naja, es war wahrscheinlich kein sehr flottes Spiel, aber ich habe es nie vergessen.
Meine Uroma war die Mutter meines Opas. Sie hatte 4 oder 5 Kinder, auf jeden Fall drei Söhne und eine Tochter. Ich habe nur meinen Opa, meine Uroma und meine Großtante noch kennengelernt. Ihre anderen Söhne sind im Krieg gefallen. Ich kennen auch nur vier Namen: Anton, Karl, Leo und Maria. Mutter und Tochter hatten den gleichen Vornamen, das war wohl damals gar nicht so unüblich und Leo war mein Opa.
Ja und plötzlich springe ich wieder auf. Mir ist da noch etwas eingefallen. Meine Großtante hat mir irgendwann mal ein altes Familienbuch geschenkt. Ich renne nach oben in mein Arbeitszimmer und öffne den Schrank, in dem ich diverse Dokumente verstaut habe.
„Da ist es ja!“, denke ich und halte ein altes Büchlein in der Hand, das schon einige Gebrauchsspuren aufweist.
„Der Ahnenpaß“ steht in roten und schwarzen Buchstaben darauf.
Ich öffne das Büchlein und lese was da steht:

„ Der Ahnenpaß
des/ der
Karl P. ….“

Name, Ort, Anschrift und man staune auch der Fernsprecher ( allerdings ist hier nur das nächste Postamt angegeben) sind handschriftlich eingetragen.
Der Pass gehörte Karl P., also einem Sohn meiner Uroma, die unverheiratet noch Maria Schwab hieß und am 9.7.1907 Emil P. geheiratet hat, der also mein Uropa war. Der Sohn Karl wurde am 13.11.1922 geboren.
Alle Eintragungen sind handschriftlich in altdeutscher Schrift vorgenommen. Ich muss mich schon ein bisschen anstrengen, denn obwohl ich diese Schrift in der Schule innerhalb von ein paar Sonderstunden auch lesen und schreiben gelernt habe, bin ich ihr nicht mehr so ganz mächtig. Immerhin haben wir es ja nur neben der lateinischen Schrift gelernt.
Das älteste Geburtsdatum, das in diesem Ahnenpass vermerkt ist, lautet: 16.11.1783.
„Wer ist das nur?“, frage ich mich, denn der Name sagt mir gar nichts. Neben dem Namen steht der Vermerk: „Mutter von 12“.
Ich blättere zurück zur Eintragung Nr.12. und stoße damit auf den Vater von Nr. 6 und der wiederum war der Vater von Nr.3 und diese Nr.3 war meine Uroma. Also jetzt muss ich scharf nachdenken. Mein Kopf qualmt, die Räder meines Gehirns rattern. Ich komme zu dem Schluss, dass die Nr.12 der Opa meiner Uroma war. Aber  es geht ja noch weiter zurück, nämlich zur Mutter des Opas meiner Uroma, also die Uroma meiner Uroma.
„Stimmt das jetzt und in welchem Verwandtschaftsverhältnis steht jetzt diese Unbekannte zu mir?“
„Das sollten wir uns mal aufschreiben!“, sagt mein Mann und spitzt seinen Bleistift.
„Das ist doch dann wohl meine Ururururoma!“, rufe ich begeistert aus, „sagt man das eigentlich so? Ich habe keine Ahnung. Egal! Meine Wurzeln reichen also schon mal bis 1783! Unvorstellbar!!! Sie wurde 177 Jahre vor meiner Geburt geboren, also vor 233 Jahren und ich bin die 6. Generation.“

„Da stehen aber noch mehr Eintragungen“, gibt mein Mann zu bedenken. „Sie reichen bis zur Nr.51, allerdings gibt es nur die Namen und keinerlei Daten. Man könnte jetzt weiter forschen…“

„Schau mal hier!“, sage ich und halte einen handgeschriebenen Brief hoch, der auf den 7. Januar 1945 datiert ist.

Der Brief ist schon sehr vergilbt, aber gut erhalten und mit schwarzer Tinte geschrieben.
Ich kann ihn allerdings nicht lesen, denn soweit reichen meine Kenntnisse der altdeutschen Schrift nicht mehr. In Druckschrift hätte es ja noch funktioniert, aber nicht in einer ausgeschriebenen, aber trotzdem sehr schönen Handschrift.
Gut, dass meine Mutter da ist. Sie liest ihn mir vor. Es ist ein Brief von der Schwiegermutter des Sohnes Karl meiner Uroma. In diesem Brief bedankt sie sich bei meiner Uroma für deren große Hilfe, speziell bei den Hochzeitsfeierlichkeiten der Kinder. Weiterhin bekundet sie, dass sie meine Uroma sehr ins Herz geschlossen und liebgewonnen hat.
Bevor ich diesen Ahnenpass wieder schließe, entdecke ich noch ein kleines altes Schwarzweißfoto. Es zeigt einen Mann, der gewisse Ähnlichkeiten mit meinem Opa aufweist. Ich nehme also an, dass es sein Vater, also mein Uropa ist, – der Mann meiner Uroma und der Vater von Karl, dem damaligen Inhaber des Ahnenpasses. Leider steht kein Vermerk auf der Rückseite.
Nachdenklich klappe ich den Ahnenpass wieder zu, gehe zurück zu meiner Hängematte und versinke in meinen Gedanken.

Das ist übrigens meine alte Hängematte:

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Klein und unscheinbar?

Heute Morgen, als ich erwacht,
verschlafen hab meine Augen aufgemacht.
Da stand sie geschrieben,
auf meinem Wecker,- die Sieben.

Diese Zahl ist zwar klein,
doch wandert sie in meinen Kopf hinein.
Wird groß und prächtig,
sagt: Ich bin mächtig.

Wieso? will ich sogleich wissen,
und lege mein Haupt sanft auf das Ruhekissen.
Denk einfach mal nach,
sie zu mir sprach.

Nun hab ich keine Wahl,
muss mir Gedanken machen über die Zahl.
Eine Primzahl sie wird genannt,
klar, das ist mir bekannt.
Eine Woche sind sieben Tage!
Okay, okay, das steht ja wohl außer Frage.
Die Sieben, der Wochenschluss,
man jetzt ruhen muss.

Ein Aberglaube, der bekannt,
raubt mir nun schier den Verstand.
Ein Spiegel zerbricht,
sieben Jahre Pech in Sicht.

Gefürchtet bist du, na klar!
Von Ehepaaren im verflixten siebten Jahr.
Schicksalszahl, kann das sein?
Bild dir nur nichts ein!

Eine Zahl, – wirr meine Gedanken!
Das hab ich dieser Sieben zu verdanken.
Überall taucht sie auf,
in des Lebens Lauf.
In der Bibel steht geschrieben,
schon im alten Ägypten es gab der Jahre sieben,
die fett und mager waren,
dies Menschen haben erfahren.

Der Weltwunder sieben sind,
schon in der Schule lernt es jedes Kind.
Eine Katze hat sieben Leben,
auch das soll es geben.

Verliebte erkennen müssen:
Wenn sie sich heiß und innig küssen,
sie im siebten Himmel schweben,
die Welt rosarot erleben.

Schneewittchen, hold und fein,
entdeckt zum Glück ein Häuschen klein.
Versteckt hinter den sieben Bergen,
gehört es den sieben Zwergen.

Tapferes Schneiderlein, im Märchenbuch,
näht mit Faden und Nadel zusammen das Tuch.
Sieben auf einen Streich erwischt,
keine Fliege ist ihm entwischt.
Am Horizont, schaut nach oben,
seht erstrahlen in bunten Farben den Regenbogen.
Der Farben sind es sieben,
oh, wie wir ihn lieben.

Und wer hätte das gedacht,
die alten Griechen den Siebenkampf haben erdacht.
Meere der Welt, sieben es sind,
zählt einfach nach geschwind.

Nun gut, ich gestehe ein,
Du bist zwar wirklich unscheinbar und klein,
versteckt zwischen sechs und acht,
du bist mehr, hab’s nicht bedacht.

Du magst ja eine Besonderheit sein,
so denke ich, in mich hinein.
Doch aufstehen um sieben?!
Können wir’s nicht verschieben?

 

 

 

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Im Garten meines Opas

 

Ein süßes Hörnchen und zwei kleine Diebe

„Komm meine Süße, lass uns einen Ausflug machen, dorthin, wo die Urlauber sind!“, schlägt er vor.
„Ach, was willst Du denn dort? Ich hab keine Lust“,antwortet sie.
„Ich war vorhin schon mal kurz dort und habe, was Tolles entdeckt. Wir müssen uns jedoch beeilen, denn die Urlauber sind flink und sonst bleibt für uns nichts mehr übrig.“
„Du sprichst in Rätseln. Sag endlich was los ist!“, langsam wird sie doch neugierig.
„Komm einfach hinter mir her. Es ist gar nicht weit. Gleich dort vorne um die Ecke und schon sind wir da!“, erwidert er geheimnisvoll.
„Na, da bin ich ja mal gespannt! Aber wehe es lohnt sich nicht!“, versucht sie ihrem Liebsten zu drohen.
„Und wie es sich lohnen wird! Du musst nur mitkommen und darfst nicht scheu sein“, verspricht er und zwinkert ihr dabei zu.
„Ich sehe was, was Du nicht siehst! Nämlich dort vorne das süße Hörnchen!“, schäkert er mit ihr.
„Oh, ich liebe süße Hörnchen“, ruft sie begeistert aus. „Aber es gehört uns nicht. Das hat sich jemand auf den Teller gelegt und bestimmt nicht für uns.“
„Ach mein Täubchen, sei schlau. Wir stibitzen es uns einfach! Du darfst dich nur nicht verscheuchen lassen und den richtigen Moment musst du auch abpassen! Mach einfach, was ich Dir sage und das Hörnchen gehört uns!“, verscheucht er ihre Bedenken.
„Aber da sind so viele Menschen rundherum“, versucht sie nochmals vorsichtig zu widersprechen.
„Kein WENN und ABER , sondern die Gunst der Stunde nutzen, das ist unsere Devise!“
„Sag, was ich machen soll!“, befiehlt sie ihm nun bereitwillig.
„Als erstes setzen wir uns einfach auf den Teller, auf dem das Hörnchen liegt und piken es ein bisschen. Wir nehmen uns nur ein paar Krümelchen.“
„Mmh!!! Ist das lecker! Aber hörst du wie sie rufen und wie sie schimpfen?!:
‚Was ist denn hier los!‘
‚Macht, dass Ihr hier wegkommt!‘
‚Was fällt Euch ein!‘
‚So eine Frechheit!‘ “
„Hörst Du? Sie wollen uns vertreiben, weil wir etwas nehmen, was uns nicht gehört“, sagt sie eingeschüchtert durch das Schimpfen der Menschen.
„Das wird ihnen nicht gelingen. Wir werfen das süße Hörnchen einfach auf den Boden, dann gehört es sowieso uns!“, plant er das gemeinsame Vorhaben.
„Wieso?“
„Ganz einfach, weil die Menschen es dann nicht mehr essen wollen! Hilf mir! Gemeinsam geht es leichter!“
„Reicht es denn nicht, wenn wir es nur vom Teller schubsen und es auf dem Tisch liegt?“, erkundigt sie sich vorsichtig.
„Nein, dann nehmen sie es uns bestimmt wieder weg. Wenn es allerdings auf dem Boden liegt, dann ist es für die Menschen Abfall“, erklärt er weise.
„Du bist echt schlau und recht hast Du außerdem noch. Schau nur wie sie um uns herum stehen.“
„Ja, sie beobachten uns, aber keiner von ihnen will das süße Hörnchen jetzt noch haben. Wir können also in aller Ruhe soviel futtern, wie wir nur wollen“, spricht er und genießt die Köstlichkeit, die inzwischen auf dem Boden liegt.
„Das ist einfach himmlisch!!! So etwas Gutes habe ich schon lange nicht mehr gegessen!“, schwärmt sie und klaut sich einen Krümel nach dem anderen.
„Iss Dich nur richtig satt! Wer weiß, wann uns das Glück wieder einmal so hold ist.“
„Meinst Du wir schaffen gemeinsam das ganze Hörnchen?“, fragt sie skeptisch.
„Aber sicher, Du glaubst doch nicht, dass ich auch nur ein einziges Krümelchen übrig lasse. Das wäre doch die reinste Verschwendung.“
„Dann aber schnell, sonst kommt noch jemand mit einem Besen und einer Schaufel“, befürchtet sie.
„Mmmh!“
„Mmmh!“
„Viel können sie uns nicht mehr nehmen. Hier noch ein Krümelchen…!“
„Und dort noch ein Krümelchen…!“
„Und weg ist das süße Hörnchen!!!“, rufen sie im Chor.
„Wir haben es geschafft,- nichts, nicht das kleinste Bisschen ist noch übrig!“
„Ich fühle mich kugelrund! Hoffentlich können wir noch fliegen, sonst machen sie aus uns noch gebratene Tauben!“, sagt sie ängstlich.
„Nichts wie weg hier!“, sagt er und schon flattern die beiden Tauben hoch in die Luft und lassen sich auf dem nächsten Baum nieder. Dort können sie sich ausruhen und die Menschen beobachten, die verwundert vor dem leeren Teller stehen.
„Das hätte ich niemals für möglich gehalten, dass zwei kleine Tauben ein ganzes Hörnchen futtern und keinen einzigen Krümel übrig lassen“, hören sie die Urlauber sagen. „Das sind ja zwei niedliche kleine Diebe!“

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Meistens hänge ich mit meinen Kumpels rum.
Ihr fragt mich warum?
Weil gemeinsam alles besser geht,
das habt Ihr bestimmt auch schon erlebt.

Jeder von uns hat seine spezielle Aufgabe erhalten
und die gilt es geflissentlich einzuhalten.
Unseren Dienst verrichten wir bei Tag und Nacht,
das ist von Anfang an so abgemacht.

Ob klein oder groß, arm oder erlaucht,
ein jeder uns ständig braucht.
Deshalb haben alle uns lieb,
ob Arbeiter, Graf oder Dieb.

Wir alle sind Experten auf unserem Gebiet,
sind stets bereit, was auch immer geschieht.
Ist der Richtige von uns zur Stelle,
ist es nicht wichtig, ob Palast oder Zelle.

Wir haben unseren angestammten Platz
und werden gehütet wie ein Schatz.
Sind wir allerdings hin und wieder verschwunden,
bricht Panik aus innerhalb von Sekunden.

Dann wird gestartet eine große Suche
und man hört allerorts das laute Gefluche.
Zum Kuckuck, wo seid ihr?!
Vorhin, ihr alle wart noch hier!

In allen Winkeln und in allen Ecken,
so glaubt man uns zu entdecken.
Doch wir sind nicht hier und nicht da,
man glaubt es nicht, aber es ist wahr.

Alle werden plötzlich ganz blass um die Nase,
wer uns nicht findet, schaut sogar in die Vase.
Es ist jedem einfach nur zum Heulen und Weinen,
wenn wir für immer verschwunden zu sein scheinen.

Doch auf einmal kommt ein freudiger Aufschrei
und die ganze Sucherei ist schlagartig vorbei.
Nach unendlich scheinenden Stunden,
man hat uns glücklicherweise wiedergefunden.

Wo wir waren, wollt Ihr wissen?
Am liebsten würdet Ihr uns küssen!
Dreimal habt Ihr dort schon gesucht,
im Schlüsselkasten,- ach verflucht!

Nun kommen wir wieder zum Einsatz
und öffnen Tür und Tor ratz fatz!
Darum prägt Euch ein für allemal ein,
ohne uns Schlüssel kommt Ihr nirgends rein!

 

 

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Gut gemeint

Wir bringen gerade meine Mutter nach Burg zur Reha. Dazu gehört natürlich auch ein gemeinsamer Gang durch die gesamte Anlage. Wo ist ihr Zimmer, wo das Schwesternzimmer, die Therapieräume, die Cafeteria und die Kantine? Selbstverständlich werfen wir auch einen Blick in die Aufenthaltsräume.
Im Fernsehzimmer hängt ein großer Bildschirm an der Wand. Niemand sitzt in diesem Raum, wahrscheinlich haben sich alle schon fix und fertig von den Strapazen der Therapien in ihre Zimmer zurückgezogen.
„Komm lass uns einen Moment hier hinsetzen“, schlägt meine Mutter vor. Mein Mann macht es sich sogleich in einem der Sessel gemütlich. Ich erblicke einen Getränkeautomaten im Raum und bitte meinen Göttergatten um einen kleinen Gefallen:
„Kannst du mir eine Limo kaufen? Ich habe nämlich kein Kleingeld einstecken.“
Das macht er natürlich gerne und sich selbst zieht er auch noch ein kleines Leckerlie. Strahlend steht er vor mir und meiner Mutter.
„Appetit auf ein kleines Stückchen Vollmilchschokolade?“, fragt er und verteilt auch schon die Köstlichkeit.
„Mmh! Lecker!“, sage ich und schiebe mir die Schokolade in den Mund. Sie zergeht auf meiner Zunge und hinterlässt das Verlangen nach einem weiteren Stückchen Schokolade. Obwohl jeder von uns noch einen Nachschub einfordert, bleibt noch ein kleiner Rest der Tafel Schokolade übrig, den mein Mann wieder ordentlich einpackt und mir überreicht.
„Steck das doch mal in deine Handtasche! Bei mir schmilzt sie sonst nur in meiner Hosentasche.“
Beim Anblick der eingewickelten köstlichen Schokolade und seinen Worten startet bei mir das Kopfkino. Bilder laufen vor meinem geistigen Auge ab, die zu einem Geschehen gehören, das sich vor schätzungsweise dreiundvierzig Jahren abgespielt hat.
„Lange ist es her!“, denke ich „Und trotzdem sind diese Bilder immer noch in meinem Kopf präsent.“
Zu diesem Zeitpunkt befinde ich mich im zarten Alter von dreizehn Jahren und damit in der Pubertät. Mädchen werfen in diesem Alter schon kichernd neugierige Blicke auf Jungs und diese haben wohl auch schon entdeckt, dass es zweierlei Geschlechter gibt. Vorsichtige Kontakte werden geknüpft und scheue Blicke ausgetauscht. Fragt man sich, wo die meisten dieser Kontaktaufnahmen wohl stattfinden, so stellt man fest, dass dies vielfach in der Schule passiert.
Ja, auch die Bilder in meinem Kopf stammen aus der Schule:
Sittsam und ordentlich sitze ich mit meinen Mitschülern im Klassenraum. Wir haben gerade Unterricht. Ich weiß zwar nicht mehr, um welches Unterrichtsfach es sich handelt, aber mit Sicherheit ist es keine Französischstunde, denn unser Französischlehrer hat kein Tuscheln geduldet. Und wir haben es in seinen Unterrichtsstunden auch nicht gewagt.
„Hochinteressant kann der Unterricht wohl nicht gewesen sein“, überlege ich so, „denn sonst könnte ich mich auch daran erinnern. Stattdessen muss ich an einen Jungen denken.“
Das stimmt jedoch auch nicht ganz genau. Nicht der männliche Mitschüler hat mich so stark beeindruckt, sondern etwas anderes, was ich all die vielen Jahre hinweg nicht vergessen habe.
Unsere Schulbänke sind in der Hufeisenform angeordnet. Allerdings stehen innerhalb dieser Form an den beiden Längsseiten noch ein paar Einzeltische. Dies führt dazu, dass manche Schüler drei Nachbarn haben. Ich habe zum Beispiel links und rechts jeweils eine Freundin sitzen und an dem angrenzenden Tisch sitzt ein Klassenkamerad.
„Er war ja sehr nett und immer zuvorkommend und höflich“, erinnere ich mich in Gedanken. „Und ich gefiel ihm wohl besonders. Naja, nun muss dieses Gefallen ja nicht immer auf beiden Seiten der Fall sein. Manchmal ist es einfach nur die Nase, die bei dem anderen nicht auf dem rechten Fleck zu sitzen scheint, zu dick oder zu lang ist. In diesem Fall war mir die Nase des männlichen Klassenkameraden einfach nur zu dick“, muss ich mir wiederum gedanklich eingestehen. Doch mein Kopfkino läuft unaufhaltsam weiter:
Ich erkenne, wie der Junge sich zu mir herüber beugt und mit mir tuschelt. Ich sehe aber auch noch etwas anderes. Der besagte Klassenkamerad greift in seine Hosentasche und reicht mir etwas rüber. Es ist etwas, das ich im Grunde genommen sehr mag und unter anderen Umständen sicherlich nicht verschmäht hätte.
Er hält in seiner Hand ein Stückchen Schokolade, das vermutlich schon den halben Tag in seiner Hosentasche verweilt hat. Dementsprechend sieht es auch leicht gequetscht und etwas weich aus.
„Möchtest du ein bisschen Schokolade?“, flüstert er mir zu.
Nun höre ich auch mich etwas sagen:
„Nein danke! Ich habe jetzt keinen Hunger!“
So ein Quatsch! Für Schokolade braucht man keinen Hunger zu haben, Appetit reicht vollkommen aus. Aber der Appetit vergeht, wenn man weiß, dass das Stückchen Schokolade schon stundenlang in der Hosentasche eines Klassenkameraden zart schmelzend seine Form verloren hat.
Mein Kopfkino flackert jetzt nur noch schwach, aber ich sehe noch, wie der Junge leicht frustriert den Schokoladenriegel wieder in seiner Hosentasche verschwinden lässt. Dann ist die Kinovorstellung beendet und ich grinse in mich hinein. Aber anscheinend haben sich auch meine Mundwinkel leicht nach oben gezogen, denn mein Mann fragt plötzlich:
„Was grinst du eigentlich die ganze Zeit so?“
„Ach, das Stück Schokolade hat mich gerade an N. erinnert“, gestehe ich etwas verschämt, „den kennst du doch auch?“
„Ach ja? Den haben wir schon ewig nicht mehr gesehen. Was er wohl macht? Aber was hat er mit meiner Schokolade zu tun?“
„Das willst du wissen? Na dann“, antworte ich frech, „lies einfach meine Geschichte!“

 

Hier gibt es noch mehr Schokolade:

Glückshormone

Danke für die Schokolade

Besuch in einer sizilianischen Schokoladenmanufaktur

 

Familienausflug (Teil2)

Unseren etwas chaotisch anmutenden Start in einen schönen Nachmittag habe ich ja schon erzählt. Heute möchte ich Euch wie versprochen Fotos von unserem Ausflug nach Berlin zeigen. Wir haben dort nämlich nicht nur die Waschmaschine für die Freundin unseres Sohnes abgeholt, sondern auch die Gärten der Welt besucht. 

Diese grüne Erholungsoase in Berlin Marzahn ist auf jeden Fall nicht nur einen Besuch wert. 1200px-_DSC3307Hier kann man schlendern, einen Kaffee genießen, sich der Natur erfreuen oder auch einfach nur auf einer der Bänke oder auf einem der bereitstehenden Liegestühle Platz nehmen.1200px-_DSC3308Die Gärten der Welt bestehen aus verschiedenen Bereichen: So findet man hier den Chinesischen Garten, den Japanischen Garten, den Koreanischen Garten, den Orientalischen Garten, den Karl-Foerster-Staudengarten und den Christlichen Garten.1200px-_DSC3311Wir entschließen uns zum Chinesischen Garten zu marschieren und haben auf unserem Weg einen hervorragenden Blick auf den Karl-Foerster-Staudengarten.1200px-_DSC3317Auch Konfuzius begegnet uns, der uns einen guten Rat mit auf den Weg gibt:

„WAS DU NICHT WILLST,

DAS MAN DIR TU,

DAS FÜG AUCH KEINEM

ANDERN ZU.“1200px-_DSC3327

Der chinesische Garten ist laut Informationstafel im Oktober 2000 eröffnet worden. Er entstand im Rahmen einer Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Peking.

Die Informationstafel erzählt uns auch, dass er 2,7 Hektar groß ist und die orginal chinesischen Materialien in 100 Seecontainern hierher verschifft und von chinesischen Spezialisten aus Peking verbaut wurden.1200px-_DSC3328Von dieser Brücke aus haben wir einen wunderschönen Blick auf den 4500 Quadratmeter großen See, den wir noch umrunden werden.1200px-_DSC3332Wir spazieren nun durch die herrlichen Anlagen des Chinesischen Gartens und…1200px-_DSC3335verspüren Harmonie und Ruhe.1200px-_DSC3337Auf Schritt und Tritt finde ich tolle Fotomotive und1200px-_DSC3346freue mich, dass meine Mutter freudig mit uns marschiert.1200px-_DSC3371Ihr könnt Euch sicher denken, was dort auf dem See schwimmt, …1200px-_DSC3373Seerosen.1200px-_DSC3378Aus Steinen errichtete Tische und Sitzgelegenheiten laden zum Verweilen ein, doch wir marschieren weiter.1200px-_DSC3374Ich habe keine Ahnung, was uns diese Schriftzeichen sagen wollen, aber es sieht hübsch aus.1200px-_DSC3381Nun haben wir schon die Hälfte des Sees umrundet.1200px-_DSC3382Der Blick zur gegenüberliegenden Seite muss auch noch schnell fotografiert werden,1200px-_DSC33931200px-_DSC3397bevor wir an ein kleines Teehäuschen kommen.1200px-_DSC3401Jetzt ist es nicht mehr weit und wir sind1200px-_DSC3404am Irrgarten angekommen.1200px-_DSC3433 Zuerst marschieren die beiden Männer los, aber auch meine Mutter und ich trauen uns hinein. Freudig winkt meine Mutter meinem Mann und unserem Sohn zu, die uns von einem kleinen Aussichtsturm aus fotografieren. Vielleicht überwachen sie auch heimlich unseren Weg, damit wir uns nicht verlaufen. Das haben sie uns nicht verraten.1200px-_DSC3427Wir finden tatsächlich den Ausgang und werden freudig empfangen.

Das Labyrinth begehen wir nicht mehr, 1200px-_DSC3435denn wir haben auf einmal Lust auf einen schönen Apfelstrudel. Die beiden Männer schicken wir zum Abholen der Waschmaschine.

Da sich nun der Himmel eintrübt, marschieren wir nach der kleinen Stärkung in Richtung Ausgang. Kurz davor beginnt es zu regnen. Unter dem Schutz der großen Bäume erreichen wir nahezu trocken den Souvenierladen am Ausgang. Dort halten wir uns während des wolkenbruchartigen Regens auf und warten bis mein Mann und unser Sohn wieder zurück sind. Trockenen Fußes gehen wir zum Auto und treten die Heimreise an.

Uns hat dieser Nachmittag und der Besuch in den Gärten der Welt sehr gut gefallen. Ich hoffe Ihr seid gerne mitgekommen.

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