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Frech wie Oskar

Heute möchte ich Euch wieder einmal zeigen, wie facettenreich die deutsche Sprache doch ist. Ich habe mich dieses Mal einfach nur den Vor- und Nachnamen gewidmet, die sich als Redewendungen in unserer Sprache schon fest verankert haben. Vielleicht kennt Ihr diese Aussprüche auch. Möglicherweise sind sie auch regional etwas unterschiedlich und eventuell kennt Ihr noch andere. Ich habe versucht einige der Aussprüche im folgenden Gespräch festzuhalten. 

Emil und Karl sind Zwillinge im besten pubertierenden Alter. Sie befinden sich momentan im Zimmer von Karl, als deren Vater auf dem Weg ins Bad an der Zimmertür vorbei kommt. Zufällig wird er Zeuge eines Gesprächs, über das er sich wie Bolle amüsiert. Die Zwillinge verstehen sich hervorragend, aber sie lieben Wortgefechte. Da Herr Müller allerdings seine Pappenheimer kennt, weiß er dass es sich um kein ernst gemeintes Streitgespräch handelt, sondern alles mit einem Augenzwinkern betrachtet werden kann.
Emil scheint auf der Suche nach irgendetwas zu sein, denn er durchsucht auf dem Schreibtisch seines Bruders alle möglichen Unterlagen.
„Was suchst du da eigentlich?“, erkundigt sich Karl. „Übrigens finde ich, dass du frech wie Oskar bist, denn mein Schreibtisch geht dich nun mal gar nichts an.“
„Jetzt hab dich mal nicht so. Ich will nur was wieder haben, was ich dir letzte Woche gegeben habe“, verteidigt sich sein Bruder Emil leicht aufgebracht.
„Jetzt geh nicht gleich ab wie Schmidts Katze! Sag einfach, was du suchst!“
„Ich habe dir doch ein Formular von diesem Markus Möglich gegeben.“
Emil blickt seinen Zwillingsbruder fast verzweifelt an, denn heute muss er unbedingt dieses Formular ausfüllen und wegschicken. Er hat es sowieso schon viel zu lange heraus gezögert, da er Formulare hasst wie die Pest.
„Ich kenne zwar Meier, Müller, Schulz“, zieht ihn sein Bruder auf, „aber einen Markus Möglich kenne ich nicht.“
„Vielleicht heißt er ja auch Otto Normalverbraucher“, zieht Emil schulterzuckend in Erwägung.
„Du solltest dich schon langsam entscheiden, wonach du suchst. Zum Schluss erklärst du mir noch, dass dieser Markus Möglich oder Otto Normalverbraucher eigentlich Max Mustermann heißt“, grinst ihn Karl frech an.
„Jetzt weiß ich es wieder: Es war ein Frauenname. Genau:
Erika Mustermann.“
„Gut, jetzt wissen wir wenigstens schon mal, wonach wir suchen müssen. Damit sind wir wenigstens schon einen Schritt weiter “, versucht Karl den aufgeregten Emil zu beruhigen.
„Aber bei deinem Durcheinander hier auf dem Schreibtisch können wir lange suchen.“ Emil wirkt keineswegs beruhigt. „Hier sieht es ja aus wie bei Hempels unter dem Sofa.“
Während Emil vollkommen mit den Nerven am Ende zu sein scheint, ist Karl die Ruhe selbst und kontert zurück.
„Das liegt daran, weil jeder Hinz und Kunz alles hier ablegt.“
„Ich mach dich gleich zur Minna, wenn du mir jetzt auch noch den Schwarzen Peter zuschiebst. Das versuche gar nicht erst!“, droht Emil seinem Bruder augenzwinkernd. „Für deine Unordnung bist du schon selbst verantwortlich. Vielleicht solltest du mal einen Termin mit Meister Proper vereinbaren. Neulich habe ich ihn drüben bei Tante Emma gesehen. Ein Date mit ihm kostet gar nicht viel.“
„Du riskierst gerade eine dicke Backe, mein lieber Bruder. Ich kann dafür sorgen, dass du aussiehst, als hättest du Ziegenpeter“ kommt die nicht ernst gemeinte Drohung von Karl zurück. „Also hör endlich auf zu meckern. Bei mir geht nichts verloren. Was auf meinem Schreibtisch liegt, ist normalerweise so sicher wie in Abrahams Schoß.“
„Normalerweise“, murmelt Emil nicht gerade besonders überzeugt vor sich hin.
Die beiden Brüder necken sich noch ein wenig, während sie weiter auf dem Schreibtisch das Unterste nach oben stülpen. Der Vater ist schmunzelnd weiter gegangen. Als er eine Viertelstunde später auf dem Weg nach unten wieder an der offenen Zimmertür der beiden Jungs vorbei kommt, hört er einen freudigen Aufschrei von Karl.
„Ich hab es gefunden. Hier ist das Formular von Erika Mustermann.“
Karl ist stolz wie Oskar, dass er endlich das besagte Stück Papier gefunden hat und hält es wedelnd seinem Bruder unter die Nase.
„Jetzt gib mal nicht so an wie Graf Koks von der Gasanstalt“, dämpft Emil den Freudenausbruch seines Zwillingsbruders. „Immerhin hast du es verlegt.“
„Ist doch egal“, entgegnet Karl. „Hauptsache es ist da. Jetzt setz endlich deinen Friedrich Wilhelm drunter, steck dein ausgefülltes Formular in einen Umschlag und bring es zur Post.“
„Ach je, beinahe hätte ich tatsächlich vergessen meinen Otto darunter zu schreiben. Ich bin froh, dass ich das endlich erledigt habe. Beim Ausfüllen von diesen blöden Formularen, bekomme ich jedes Mal fast den flotten Otto, so regt mich das immer auf.“

 

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22 Kommentare

  1. Ich bin am Grinsen. Echt! Was man nicht im Alltag für Redewendungen oder Worte nutzt! Einige hatte ich schon vergessen und wurde nun durch Dich wieder dran erinnert.
    Hab einen guten Freitag liebe Astrid. Und wenn ich heut irgendwo eine der Redewendungen höre, werde ich an Dich denken.

    • Astrid Berg sagt

      Ja, diese Redewendungen benutzt man nicht ständig, aber im Hinterkopf sind sie doch immer noch vorhanden. Manche davon sind ja wohl auch schon recht alt.
      LG
      Astrid

  2. Hallo Astrid,

    wirklich sehr gut geschrieben 🙂 Ich bin begeistert, tja, so ist es und es ist schön wenn diese Redewendungen noch ihren täglichen Einsatz finden, bei unserer Jugend habe ich da ja meine leichten Zweifel 😉

    Lieben Gruß
    Björn 🙂

    • Astrid Berg sagt

      Hallo Björn,
      danke für die lobenden Worte. Ich freue mich sehr darüber.
      Ja, die Sprache der Jugend ist heutzutage etwas anders, manchmal lustig, manchmal etwas wunderlich. Aber so ist das eben, auch die Sprache unterliegt dem Wandel der Zeiten und verändert sich.
      LG
      Astrid

  3. HEERRRLICH!!!! Auf was für Ideen du immer kommst! Der flotte Otto – wunderbar!
    Ich hab mich köstlich amüsiert! — LG Martina

    • Astrid Berg sagt

      Danke liebe Martina. Es war ein ganz spontaner Einfall und hat auch mir beim Schreiben viel Spaß gemacht.
      LG und ein schönes Wochenende.
      Astrid

  4. So, das wirst Du jetzt nicht glauben. Ist aber die Wahrheit! Ich schwöre! Auf dem Weg zur Arbeit kann ich nur paar Minuten Radio hören. Und da ging es um eine Schule und irgendwelche Aktivitäten der Kinder, habe den Anfang nicht gehört. Da kam tatsächlich der Kommentar des Moderators „… stolz wie Bolle“. Ich habe laut gelacht und vor mich hin geredet „Das kann doch jetzt nicht sein, das gibt es doch nicht“ und habe die ganze Zeit an Dich gedacht. Zufälle gibt es manchmal!

    • Astrid Berg sagt

      Jetzt war ich aber mit dem Schmunzeln an der Reihe, nämlich als ich Deine Nachricht gelesen habe. Zufälle gibt es, man glaubt es kaum. Ich freue mich jedenfalls, dass ich Dir den Weg zur Arbeit ein wenig amüsanter gestaltet habe 😉 und freue mich, dass Du somit an mich gedacht hast.
      Es ist schon seltsam, da man diese Redewendungen ja nicht ständig gebraucht. Aber auch, dass Du in den wenigen Minuten des Radiohörens auf Deinem Weg zur Arbeit ausgerechnet diese Redewendung hörst und genau an dem Tag, an dem ich meinen Post eingestellt habe. Ach, das hat jetzt richtig gut getan! 🙂
      LG und ein schönes Wochenende
      Astrid

        • Astrid Berg sagt

          Ja, anscheinend hat er Oskar mit Bolle verwechselt. Ich kenne „Stolz wie Oskar“ und Amüsieren wie Bolle“. Naja, vielleicht ist er aus der jüngeren Generation und kennt sich da nicht mehr ganz so gut aus 😉 Aber ein toller Zufall war es trotzdem.
          LG und einen schönen Sonntagabend
          Astrid

  5. Liebe Astrid,
    ich war schon mal bei dir und bin wiedergekommen. Deinen Beitrag mit den Redewendungen finde ich großartig, bewundere deine Einfälle und möchte es dir auch sagen, es macht Spaß ihn zu lesen. Hab vielen Dank, und ich wünsche dir einen herrlichen Samstag.
    Liebe Grüße, Margot.

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Margot,
      ich danke Dir recht herzlich für Deine lieben Worte. Ich freue mich ganz besonders, dass Dir mein kleiner Beitrag so gut gefallen hat.
      Ich habe leider im Moment ein paar Schwierigkeiten beim Kommentieren und weiß daher nicht, ob meine Kommentar bei Dir angekommen sind. Aber ich schaue bei Dir immer wieder vorbei, auch wenn es mal mit dem Kommentieren nicht klappt.
      LG
      Astrid

  6. Conny Fornoff sagt

    Liebe Astrid,
    wirklich klasse wie du eine ganze Menge deutscher Redewendungen in deine Geschichte eingewoben hast. Darauf muss frau erst mal kommen. Habe die Geschichte mit schmunzeln gelesen!
    Viele Grüße
    Conny

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Conny,
      ich freue mich, dass Dir diese kleine Geschichte gefallen hat. Ich weiß gar nicht mehr so genau wie ich auf die Idee gekommen bin. Es war so ein spontaner Einfall.
      LG und einen schönen Rest-Sonntag
      Astrid

  7. Liebe Astrid.
    ich bin total begeistert, ein wirklich toller Beitrag mit all den Redewendungen.
    Die Idee ist großartig. Hat mir viel Vergnügen gemacht hier zu lesen !
    Liebe Grüße, Peggy

    • Astrid Berg sagt

      Danke, liebe Peggy. Ich hätte nicht gedacht, dass diese Idee so eine große Resonanz erzeugt. Ich bin richtig begeistert, dass ich allen meinen Lesern damit so eine Freude bereiten konnte.
      Sei herzlich gegrüßt
      Astrid

  8. Liebe Astrid, sei herzlich gegrüßt.
    Da hast Du ja ordentliche Arbeit abgeliefert, mit all den Aussprüchen eine so tolle Geschichte zusammen gebastelt zu haben.
    Tschüssi, alles Gute, Brigitte

    • Astrid Berg sagt

      Oh, vielen Dank für das große Lob! Es hat richtig Spaß gemacht diese Geschichte zu kreieren und es bereitet mir viel Freude alle Eure lieben Kommentare zu lesen.
      Sei herzlich gegrüßt
      Astrid

    • Astrid Berg sagt

      Danke, liebe Tanja. Es hat auch Spaß gemacht diese Geschichte zu schreiben.
      Ich wünsche Dir einen schönen Feierabend und schicke Dir liebe Grüße
      Astrid

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