Kurzgeschichten
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Ein süßes Hörnchen und zwei kleine Diebe

„Komm meine Süße, lass uns einen Ausflug machen, dorthin, wo die Urlauber sind!“, schlägt er vor.
„Ach, was willst Du denn dort? Ich hab keine Lust“,antwortet sie.
„Ich war vorhin schon mal kurz dort und habe, was Tolles entdeckt. Wir müssen uns jedoch beeilen, denn die Urlauber sind flink und sonst bleibt für uns nichts mehr übrig.“
„Du sprichst in Rätseln. Sag endlich was los ist!“, langsam wird sie doch neugierig.
„Komm einfach hinter mir her. Es ist gar nicht weit. Gleich dort vorne um die Ecke und schon sind wir da!“, erwidert er geheimnisvoll.
„Na, da bin ich ja mal gespannt! Aber wehe es lohnt sich nicht!“, versucht sie ihrem Liebsten zu drohen.
„Und wie es sich lohnen wird! Du musst nur mitkommen und darfst nicht scheu sein“, verspricht er und zwinkert ihr dabei zu.
„Ich sehe was, was Du nicht siehst! Nämlich dort vorne das süße Hörnchen!“, schäkert er mit ihr.
„Oh, ich liebe süße Hörnchen“, ruft sie begeistert aus. „Aber es gehört uns nicht. Das hat sich jemand auf den Teller gelegt und bestimmt nicht für uns.“
„Ach mein Täubchen, sei schlau. Wir stibitzen es uns einfach! Du darfst dich nur nicht verscheuchen lassen und den richtigen Moment musst du auch abpassen! Mach einfach, was ich Dir sage und das Hörnchen gehört uns!“, verscheucht er ihre Bedenken.
„Aber da sind so viele Menschen rundherum“, versucht sie nochmals vorsichtig zu widersprechen.
„Kein WENN und ABER , sondern die Gunst der Stunde nutzen, das ist unsere Devise!“
„Sag, was ich machen soll!“, befiehlt sie ihm nun bereitwillig.
„Als erstes setzen wir uns einfach auf den Teller, auf dem das Hörnchen liegt und piken es ein bisschen. Wir nehmen uns nur ein paar Krümelchen.“
„Mmh!!! Ist das lecker! Aber hörst du wie sie rufen und wie sie schimpfen?!:
‚Was ist denn hier los!‘
‚Macht, dass Ihr hier wegkommt!‘
‚Was fällt Euch ein!‘
‚So eine Frechheit!‘ “
„Hörst Du? Sie wollen uns vertreiben, weil wir etwas nehmen, was uns nicht gehört“, sagt sie eingeschüchtert durch das Schimpfen der Menschen.
„Das wird ihnen nicht gelingen. Wir werfen das süße Hörnchen einfach auf den Boden, dann gehört es sowieso uns!“, plant er das gemeinsame Vorhaben.
„Wieso?“
„Ganz einfach, weil die Menschen es dann nicht mehr essen wollen! Hilf mir! Gemeinsam geht es leichter!“
„Reicht es denn nicht, wenn wir es nur vom Teller schubsen und es auf dem Tisch liegt?“, erkundigt sie sich vorsichtig.
„Nein, dann nehmen sie es uns bestimmt wieder weg. Wenn es allerdings auf dem Boden liegt, dann ist es für die Menschen Abfall“, erklärt er weise.
„Du bist echt schlau und recht hast Du außerdem noch. Schau nur wie sie um uns herum stehen.“
„Ja, sie beobachten uns, aber keiner von ihnen will das süße Hörnchen jetzt noch haben. Wir können also in aller Ruhe soviel futtern, wie wir nur wollen“, spricht er und genießt die Köstlichkeit, die inzwischen auf dem Boden liegt.
„Das ist einfach himmlisch!!! So etwas Gutes habe ich schon lange nicht mehr gegessen!“, schwärmt sie und klaut sich einen Krümel nach dem anderen.
„Iss Dich nur richtig satt! Wer weiß, wann uns das Glück wieder einmal so hold ist.“
„Meinst Du wir schaffen gemeinsam das ganze Hörnchen?“, fragt sie skeptisch.
„Aber sicher, Du glaubst doch nicht, dass ich auch nur ein einziges Krümelchen übrig lasse. Das wäre doch die reinste Verschwendung.“
„Dann aber schnell, sonst kommt noch jemand mit einem Besen und einer Schaufel“, befürchtet sie.
„Mmmh!“
„Mmmh!“
„Viel können sie uns nicht mehr nehmen. Hier noch ein Krümelchen…!“
„Und dort noch ein Krümelchen…!“
„Und weg ist das süße Hörnchen!!!“, rufen sie im Chor.
„Wir haben es geschafft,- nichts, nicht das kleinste Bisschen ist noch übrig!“
„Ich fühle mich kugelrund! Hoffentlich können wir noch fliegen, sonst machen sie aus uns noch gebratene Tauben!“, sagt sie ängstlich.
„Nichts wie weg hier!“, sagt er und schon flattern die beiden Tauben hoch in die Luft und lassen sich auf dem nächsten Baum nieder. Dort können sie sich ausruhen und die Menschen beobachten, die verwundert vor dem leeren Teller stehen.
„Das hätte ich niemals für möglich gehalten, dass zwei kleine Tauben ein ganzes Hörnchen futtern und keinen einzigen Krümel übrig lassen“, hören sie die Urlauber sagen. „Das sind ja zwei niedliche kleine Diebe!“

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