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Wer oder was bin ich?

Mia ist bei den Großeltern zu Besuch. Sie haben geplant heute eine Wanderung zu machen. Gerade als sie aufbrechen wollen, beginnt es zu regnen und auch Donner und Blitz lassen nicht lange auf sich warten.

„Bestimmt scheint in einer Stunde wieder die Sonne und wir können einen wunderschönen Regenbogen bewundern“, versucht Opa die Enkelin zu trösten.

„Was haltet Ihr davon, wenn wir in der Zwischenzeit ein kleines Spiel machen?“, fragt Oma. „Vielleicht eine Art Rätselraten?!“

„Ich weiß ein Rätsel, das hat mir mein Großvater immer gestellt“, grinst Opa. „Es hängt an der Wand, macht tick-tack und wenn es herunterfällt dann ist die…“

„Uhr kaputt!“, ruft Mia. „Opa, das hast du mir schon hundertmal erzählt, als ich noch ein ganz kleines Kind war. Inzwischen gehe ich schon in die Schule und kann lesen und schreiben.“

Fast ist Mia ein bisschen empört über Opas Rätsel. Sie ist doch nicht dumm und kann wirklich schon schwere Rätsel lösen.

„Ich habe mir gerade ein Rätsel überlegt“, mischt sich nun Oma ein. „Leicht ist es aber nicht. Ich denke jedoch, dass ihr es lösen könnt. Ihr dürft auch nach jedem Hinweis Fragen stellen.“

„Na dann mal los!“, ermuntert Opa seine Frau und Mia klatscht aufgeregt in die Hände.

„Also:“, Oma holt tief Luft. „Ich bin ja mal gespannt, ob ihr wisst, wer oder was hier und jetzt zu euch spricht: Eigentlich müsstet ihr mich kennen, denn mich kennt im Grunde genommen jedes Kind.“

„Ich auch?“, fragt Mia.

„Ja natürlich!“, nickt Oma ihrer Enkeltochter zu und fährt dann fort: „Möglicherweise liegt das an meiner großen Klappe, die übrigens auch alle meine Verwandten haben. Also, wenn Ihr mir persönlich vielleicht noch nicht begegnet seid, dann aber ganz bestimmt einem Mitglied meiner Familie. Wir sind nahezu überall vertreten.“

„Wirklich überall , – auf der ganzen Welt?!“, will nun Opa wissen.

„Gut, ein paar Ausnahmen gibt es schon. In der Sahara und im Busch halten wir uns nicht unbedingt auf, aber nichts ist unmöglich.“

„Das ist aber echt schwer, Oma. Du musst uns noch mehr erzählen!“, bittet Mia.

„Okay, okay! Was gibt es noch von mir zu berichten?“, überlegt die Großmmutter angestrengt, doch dann fällt ihr wieder etwas ein, das zur Lösung des Rätsels beitragen könnte:

„Einsam bin ich eigentlich nicht, denn ich bekomme jeden Tag Besuch, manchmal sogar mehrmals täglich. Gerne empfange ich meinen Besuch vor der Haustür, gegebenenfalls auch im Haus selbst.“

Jetzt hat Opa auch eine Frage, die er unbedingt loswerden muss: „Bringen die Besucher auch etwas mit?“

„Na aber sicher!“, betont Oma. „Diese Geschenke verwahre ich hinter Schloss und Riegel, denn sie sind mir wichtig und ich muss sie sicher aufgehoben wissen.“

Es entsteht eine Pause und alle denken angestrengt nach. Opa ist derjenige, der das Schweigen unterbricht:

„Bist du ein Mensch oder ein Ding?“

„Ein Ding!“, antwortet Oma kurz und knapp. Zwei Hinweise habe ich noch für euch: Ich kenne euren Geburtstag, weil ich euch die Glückwünsche überbringe.“

Opa kratzt sich nachdenklich am Kopf und Mia will wissen: 

„Kannst du sprechen? Weil du uns doch die Glückwünsche überbringst!?“

„Nein, das kann ich nicht! Aber denkt mal an meine große Klappe…!“

Wieder herrscht Stille und man könnte ein Blatt fallen hören. Plötzlich springt Mia auf: „Ich hab’s! Ich hab’s!“

„Psst! Ich komme schon noch drauf! Allerdings sollte mir jetzt Mia auch einen Hinweis geben. Anscheinend weiß sie ja, um was es sich handelt“, schlägt der Großvater vor.

„Ich sage nur…“, beginnt die Enkelin. „Mama hat am Samstag Geburtstag. Ich muss ihr unbedingt eine Glückwunschkarte schicken, weil ich da ja noch bei euch bin.“

Als hätte Opa plötzlich der Blitz getroffen oder besser gesagt, die Erleuchtung. Der Großvater schlägt sich vor die Stirn und ruft freudig aus:

Na klar! Es ist ein Br………“

 

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Das Haus am anderen Ende der Straße

Nele ist neu in der Gegend. Sie ist mit ihren Eltern erst vor einer Woche in das große Haus am Ende der Straße gezogen. Vorher hatten sie in einem eigenen Haus in einer anderen Stadt gewohnt, aber nachdem der Vater seine Arbeitsstelle verloren hat, ist das Haus für Nele und ihre Eltern zu teuer geworden.

Deshalb haben sie das Haus verkauft und sind in die Wohnung im obersten Stockwerk im Mühlenweg 10* gezogen. Außer ihnen wohnen noch zwei Familien in dem Haus. Im Erdgeschoss lebt Tina, die genauso alt ist wie Nele und ebenfalls in die 3. Klasse geht.
„Hast du Lust mir ein bisschen die Gegend zu zeigen?“, fragt Nele ihre zukünftige Klassenkameradin. „Ich kenne mich ja noch nicht so richtig aus.“
 „Na klar!“, willigt Tina sofort ein. „Ich hab heute sowieso nichts vor, es sind ja noch Ferien.“
Die beiden Mädchen scheinen sich von Anfang an zu mögen und so spazieren sie die lange Straße entlang bis sie zum anderen Ende kommen, dort, wo es nur noch einen Feldweg gibt, der in den Wald führt. Am Waldrand steht ein altes verfallenes Haus. Es sieht unbewohnt aus, aber Nele bemerkt, dass sich der Vorhang am rechten Fenster bewegt.
„Wohnt dort noch jemand?“, fragt sie Tina ungläubig. „Es wirkt etwas unheimlich!“
„Ach, da wohnt so eine alte merkwürdige Frau“, antwortet die neue Freundin. „Die läuft mit einer Katze auf der Schulter herum und sieht aus, wie die Hexe von Hänsel und Gretel.“
„Hast du sie schon mal gesehen?“
„Nö, die sieht niemand, aber sie sieht alles“, antwortet Tina.
„Woher weißt du dann dass sie aussieht wie die Hexe aus dem Märchen?“, will Nele wissen und bei der Vorstellung schüttelt es sie ein bisschen.
„Das hat mir mal jemand erzählt und der weiß es von einem Freund eines Bekannten, der es von einem Kumpel gehört hat, dessen Onkel bei der Zeitung arbeitet und der weiß es von einem Kollegen, der es auch von jemand erzählt bekommen hat. Keine Ahnung wer das war.“ Tina zuckt mit den Schultern und läuft weiter. „Auf jeden Fall muss man sich von dem Haus und der Alten fernhalten.“
Am Abend als Nele schon im Bett liegt, kann sie nicht schlafen. Sie muss immerzu an das denken, was ihre neue Freundin von dem verfallenen Haus und der seltsamen Frau erzählt hat. Hexen gibt es nicht, das weiß sie, deshalb kann sie die ganze Geschichte nicht so richtig glauben. Vielleicht wohnt tatsächlich niemand mehr in diesem Haus und es war ein Luftzug, der den Vorhang in Bewegung versetzt hat. 
Als die Eltern vor dem Zubettgehen nochmal einen Blick in Neles Zimmer werfen, ist das Mädchen immer noch wach.
„Bist du aufgeregt, weil die Ferien bald zu Ende sind und du in eine neue Schule gehst?“, fragt die Mutter. 
„Nein, aber Tina hat mir von einer seltsamen Frau erzählt und an die muss ich dauernd denken.“
So kommt es, dass Nele den Eltern alles berichtet und sie beschließen sich einmal gemeinsam das Haus von außen anzusehen.
Am nächsten Tag geht die Familie spazieren und kommt auch bei dem verfallenen Haus vorbei. 
„Du hast Recht, es wirkt merkwürdig. Allerdings ist der Garten in Ordnung und überall blühen Blumen“, meint der Vater. „Irgendjemand scheint den Garten zu pflegen. Aber es steht auch kein Name am Briefkasten.“ 
„Wahrscheinlich wohnt tatsächlich niemand hier, aber wir können ja mal klingeln und uns vorstellen“, schlägt die Mutter vor.
Nele nimmt all ihren Mut zusammen und drückt auf die Klingel, doch niemand reagiert. 
„Da!“, flüstert Nele und deutet auf das eine Fenster. Kaum merklich hat sich der Vorhang bewegt. Und dann plötzlich sieht Nele noch etwas anderes. 
„Da !“, sagt sie nun schon zum zweiten Mal und nun sehen auch die Eltern die Bewegung. 
„Hallo!“, ruft der Vater. „Ist da jemand?!“
Im selben Moment öffnete sich die Tür, die anscheinend nur angelehnt war und eine schwarze Katze schleicht aus dem Haus in den Garten. 
Nele hält vor Aufregung die Luft an.
„Bestimmt kommt gleich die alte seltsame Frau heraus“, denkt sie. Aber niemand erscheint.
„Wir versuchen es ein anderes Mal“, schlägt die Mutter vor und dann gehen alle drei nach Hause.
In ihrem Zimmer malt Nele ein Bild von der schwarzen Katze, schreibt ganz klein unten in die Ecke ihren Namen und am nächsten Tag wirft sie dieses in den Briefkasten am Zaun des alten verfallenen Hauses.
„Vielleicht holt es ja jemand heraus…“, überlegt sie sich.
Doch die Tage vergehen und Nele hat das Bild, die Katze, das verfallene Haus und die seltsame Frau schon fast vergessen. Die Schule beginnt wieder und ihre Neugier auf die neuen Klassenkameraden ist plötzlich vorrangig. 
Am Freitag der ersten Schulwoche bittet die Klassenlehrerin Nele nach Schulschluss vor dem Lehrerzimmer auf sie zu warten. 
„Habe ich was falsch gemacht?“, will das Mädchen wissen.
„Nein, ich möchte dir jemand vorstellen“, erwidert die Klassenlehrerin lächelnd, nimmt Nele an der Hand und führt sie zu einer Frau, die im Gang steht.
„Das ist meine Freundin Marianne und das ist Nele, die das Bild von Mimi, der schwarzen Katze gemalt hat“, stellt sie die Beiden gegenseitig vor.
„Ich möchte dir danken!“, sagt die Frau. „Meine Mutter, die im Altersheim lebt, hat sich sehr über dein Bild gefreut. Sie liebt die Katze Mimi sehr.“
Nele bekommt ganz große Augen und ihre Wangen laufen vor Stolz und Aufregung rot an.
„Früher hat meine Mutter mit ihrer schwarzen Katze in dem alten Haus gewohnt, aber jetzt ist sie schon viele Jahre im Altenheim. Ich pflege den Garten und füttere die Katze, aber das Haus wieder instandzusetzen, kann ich mir nicht leisten.“
Die Frau namens Marianne holt tief Luft, bevor sie weiter erzählt:
„Du musst wissen, dass die Katze sehr anhänglich war und immer bei meiner Mutter auf der Schulter saß und dann erfinden die Menschen seltsame Geschichten. Meine Mutter ist aber eine sehr liebe, herzensgute und freundliche Frau. Heute ist sie schon etwas vergesslich und an manchen Tagen erkennt sie mich nicht mehr, aber an ihre Katze Mimi kann sie sich immer noch erinnern. Als sie dein Bild sah, standen ihr Freudentränen in den Augen.“

 

 

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Karl Fridolin von Tap

 

 

*frei erfunden

Schere, Kamm und Lockenwickler 

Liselotte steht vor dem Spiegel und betrachtet das Bild, das ihr dieser zeigt. Normalerweise ist sie recht zufrieden mit ihrem Aussehen. Klar, ist ihr Gesicht nicht mehr so glatt wie in ihrer Jugend, sondern weist Falten auf.

Aber in ihrem Alter gehören diese kleinen Furchen einfach dazu. Immerhin hat sie schon seit mehr als zwei Jahrzehnten das Rentenalter überschritten. Sie erzählen von guten und schlechten Zeiten, von Lachen und Sorgen, von Lebenserfahrung. 
Trotzdem achtet sie immer noch auf ihr Aussehen und lässt sich die inzwischen grauen, vielleicht sogar weißen Haare, färben. Einst hatte sie schwarze Haare, – pechschwarz. Gut, so dunkel trägt sie sie nicht mehr, aber ein Braunton ist es immer noch. 
Doch was sie heute sieht, lässt sie aufseufzen.
„Ach Corona, was hast du nur aus uns allen gemacht!“
Ja, sie hat sich ihre Haare selbst gefärbt, so wie früher auch hin und wieder. Doch mittlerweile ist es schon anstrengend, besonders weil sie den rechten Arm bedingt durch ihre Arthrose in der Schulter, nicht mehr so gut heben kann. 
„Wer schön sein will, muss eben leiden“, hat sie sich zähneknirschend gesagt und sich so gut es ging, bemüht.
„Aber jetzt wird es endlich Zeit. Bin ich froh, dass ab Montag die Friseurgeschäfte wieder öffnen. Lang sind sie geworden, – meine Haare.“
Längst dringt ihr Spiegelbild nicht nicht mehr in ihr Bewusstsein, obwohl sie immer noch in den Spiegel blickt, –  ihre Gedanken wandern ab. Weit zurück bis in ihre Kindheit.
Damals hatte ihr Vater selbst einen Friseurladen mit Angestellten. Sehr höflich war er immer gewesen und hatte die Kundschaft mit „Gnädige Dame“ und „Gnädiger Herr“ angesprochen. 
Ein Lächeln überzieht nun Liselottes Gesicht. Sie erinnert sich an eine Situation, als der Lehrling ihr als Kind die Haare schneiden sollte und der Vater mit Adlersaugen darauf achtete, dass seiner Tochter nichts passierte. „Wehe, du verletzt meine kleine Liselotte mit deiner Schere!“, hatte er dem Lehrling mit erhobenem Zeigefinger gedroht. 
„Doch nach dem Krieg war alles anders“, denkt Liselotte und schickt ihre Gedanken weiter auf die Reise.
Als junge Frau und Mutter nahm sie ihre Tochter auch gerne mit zum Friseur, allerdings wurde nur sie selbst frisiert, da die Tochter ihre langen Haare als geflochtene Zöpfe trug.
„Na, junges Fräulein! Sollen wir heute deine Zöpfe abschneiden“, hatten die Friseurinnen immer alle lächelnd gefragt und jedesmal ein Nein als Antwort erhalten. Doch als sich ihre Tochter eines Tages tatsächlich dazu entschloss, vergewisserten sie sich vorsichtshalber erst noch einmal bei Liselotte, bevor sie mit der Schere ans Werk gingen.
Liselotte selbst hatte in ihrer Jugend bereits Dauerwellen und dies handhabt sie auch heute in ihrem betagten Alter noch so. Somit gehören regelmäßige Friseurbesuche und Lockenwickler zu ihrem Leben.
„Corona hat alles durcheinandergebracht“, flüstert Liselotte ihrem Spiegelbild zu.
Schon lange tragen die Friseurinnen keine Schürzen mehr. 
„Eigentlich hat das mehr Farbe in den Laden gebracht. Heutzutage tragen sie ja meist nur schwarzweiße Alltagskleidung. Und noch einen Nachteil gibt es“, überlegt Liselotte, „in die Schürzentaschen konnte man mehr oder weniger unauffällig das Trinkgeld hineinsteckten.“
Liselotte fährt sich mit den Fingern durch die Haare, danach greift sie zu etwas, das auf dem kleinen Schränkchen im Badezimmer liegt. 
„Jetzt tragen sie keine Schürzen mehr, dafür müssen wir alle nun dieses Ding anziehen.“
Sie zieht jeweils eines der Gummibänder über das linke und rechte Ohr, platziert das Stückchen Stoff über Nase und Mund und bedeckt auch noch das Kinn damit.
„Naja, hübsch ist etwas anderes“, sagt sie sich. „Neben ihrem eigentlich vorgesehenen Nutzen, haben diese Masken allerdings einen weiteren nicht zu vernachlässigenden Vorteil, – die Falten werden ebenfalls abgedeckt. Nur die Lachfältchen bleiben noch sichtbar.“ 
Mit einem Blick in den Spiegel lässt Liselotte ihre Augen lächeln.

 

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Noch ein Schlüssel

Nachdem Opa Friedrich seiner kleinen Enkelin Sabine die Geschichte von den Schlüsselblumen erzählt hat, ist das Mädchen in einen tiefen Schlaf gefallen. Am nächsten Morgen rennt sie sofort zu dem Beet auf dem diese hübschen gelben Blümchen blühen. Sie malt ein Bild auf dem eine Wiese zu sehen ist. Hier wachsen eine Vielzahl von diesen wundersschönen gelben Pflanzen, genauso wie es der Großvater erzählt hat. 

Gerade will sie noch den blauen Himmel und die strahlende Sonne malen, da fällt ein Tropfen auf das Papier. Erschrocken schaut sie nach oben und sieht die dicke dunkle Wolke. Schnell packt sie ihre Sachen zusammen und erreicht gerade noch rechtzeitig die offene Terrassentür, bevor es zu schütten beginnt.

„Oh, da hast du aber Glück gehabt“, meint Oma Erika. „Bist du mit deinem Bild fertig?“

„Nicht ganz, aber den Rest kann ich auch hier im Wohnzimmer malen“, erwidert Sabinchen.

Aber irgendwie hat sie jetzt die Lust verlassen und so kritzelt sie nur noch ein bisschen Blau als Himmel auf ihr Gemälde. Danach holt sie ihre Puppe Laura, aber so recht mag sie jetzt auch nicht mit ihr spielen. Deshalb setzt sie sich auf das Sofa und lässt ihren Blick durch das Wohnzimmer schweifen. 

„Mir ist langweilig!“, ruft sie zu Oma in die Küche, die dort mit den Vorbereitungen für das Mittagessen beschäftigt ist.

Oma Erika kommt mit einer Schürze bekleidet und einem Kartoffelschäler in der Hand ins Zimmer. „Willst du mir vielleicht ein bisschen beim Kochen helfen?!“, schlägt sie vor.

„Nö, keine Lust!“, lautet die kurze, aber unmissverständliche Antwort. 

„Dann könntest du mir vielleicht hier im Wohnzimmer ein wenig abstauben. Dazu habe ich heute leider keine Zeit und du würdest mir eine große Hilfe sein“, ist Omas nächster Vorschlag.

„Okay! Wo ist der Staubwedel?“

„In der Abstellkammer“, schallt nun Großvaters Stimme aus einer anderen Ecke des Hauses.

Sabine mag den Staubwedel. Sie hat nämlich mal in einem Kinderfilm gesehen wie ein Staubwedel durch ein Schloss wirbelte und viele wunderbare Dinge entdeckt hat, die dann alle eine Geschichte erzählt haben. „Vielleicht flüstern mir die Dinge auf der Kommode von Oma und Opa auch schöne Geschichten ins Ohr“, überlegt sie und läuft in die Abstellkammer im oberen Stockwerk.
„Da bist du ja! Na, dann mal los!“, ruft sie dem Staubwedel zu und schon rennt sie mit ihm in Richtung Wohnzimmer.
Sie weiß, dass sie beim Abstauben vorsichtig sein muss, denn die Großmutter hat auch kleine Porzellanfiguren und Schälchen auf der Kommode stehen. Sie nimmt jede einzelne Figur in die Hand, betrachtet sie ausgiebig und entfernt den unsichtbaren Staub von ihnen. So schön sie auch sind, doch keine von ihnen scheint ihr etwas erzählen zu wollen. Doch plötzlich sieht sie etwas, das ihr noch nie aufgefallen ist.

„Wieso liegt denn hier ein Schlüssel?“, fragt sie sich. „Und noch dazu ein so riesengroßer.“

Sie dreht und wendet ihn in ihrer kleinen Hand, aber auch er scheint ihr nichts erzählen zu wollen. Trotzdem spürt Sabinchen, dass dieser Schlüssel ein Geheimnis verbirgt. Für Geheimnisse und schöne Geschichten ist Großvater Friedrich zuständig. 

„Opa, was ist denn das?“, fragt sie daher sofort, nachdem sie ihn in seiner Bastelstube aufgestöbert hat.

„Oh!“, meint dieser und in seiner Stimme schwingt schon das große Geheimnis mit. „Das ist ein ganz besonderer Schlüssel, den wir jetzt auch ganz schnell wieder dort hinlegen, wo du ihn gefunden hast. Der darf nämlich nicht verloren gehen, sonst ist Oma Erika ganz traurig.“ Er verschweigt, dass dies schon einmal passiert ist und dieser Schlüssel nur den verlorengegangenen Orginalschlüssel ersetzt.
Sabine bekommt vor Neugierde ganz große Augen. Sie nimmt ihren Großvater an der Hand und geht mit ihm ins Wohnzimmer. 

„Dort“, sagt sie und deutet auf die Stelle auf der Kommode, wo sie den Schlüssel zuvor entdeckt hat.

„Erzählst du mir seine Geschichte?! Bitte, bitte!“

„Es ist fast schon hundert Jahre her“, beginnt Opa Friedrich, der sich inzwischen in einem Sessel niedergelassen hat. Sabine setzt sich auf seinen Schoß und lauscht andächtig.

„Damals, Anfang des Jahres 1922, war der Großvater deiner Oma Erika noch ein junger Mann und heiratete seine geliebte Klara, also deine Ururoma. Noch am Ende des selben Jahres kam dann deine Uroma, also die Mama von Oma Erika, auf die Welt.“

„Von ihr hat mir Mama mal ein Foto gezeigt. Sie hatte ganz weiße Haare und war alt!“, wirft Sabinchen ein.

„Ja, sie hätte dich bestimmt sehr gemocht, aber leider ist sie schon vor deiner Geburt von uns gegangen.“

„Erzähl weiter!“ Sabine will endlich das Geheimnis des Schlüssels erfahren.

„Also, dein Ururopa hat einen Monat nach der Hochzeit eine hübsche Kaminuhr gekauft und sie seiner Klara geschenkt. Die beiden waren überglücklich, denn ein Baby hatte sich angekündigt, wie gesagt, deine Uroma. Schau dort neben dem Schlüssel steht diese Uhr, die von deiner Ururoma, an deine Uroma und von ihr an deine Oma Erika weitervererbt wurde. Eines Tages wird deine Mama diese Kaminuhr bekommen und irgendwann an dich weitergeben.“

„Und ich schenke sie dann meiner Tochter!“, führt Sabine die Erzählung weiter.

„Oder an deinen Sohn!“, meint Opa Friedrich, „Wer weiß…“

Inzwischen ist Sabine aufgestanden und steht ehrfurchtsvoll vor der Kaminuhr.

„Und was hat das mit dem Schlüssel zu tun?“

„Schau mal ganz genau auf das Zifferblatt und verrate mir dann, was du entdeckt hast“, lautet die Antwort von Opa Friedrich.

„Da sind zwei Löcher drin!“, ruft Sabinchen plötzlich aus.

„Genau, die sind ganz wichtig“, beginnt der Großvater zu erklären, wird allerdings durch den Ruf der Großmutter unterbrochen.

„Das Mittagessen ist fertig! Kommt bitte!“

„Aber ich weiß doch noch nicht, wofür der Schlüssel ist…“, versucht das Mädchen einen erneuten Vorstoß.

„Jetzt gehen wir erst einmal zum Mittagessen und danach zeigt dir Oma, was der Schlüssel mit der Uhr zu tun hat und welche Bedeutung die beiden Löcher im Zifferblatt haben.“

So schnell wie heute, hat Sabine noch nie ihren Teller geleert und würde am liebsten noch auf den Nachtisch verzichten. Zu allem Unglück muss auch hinterher noch das Geschirr abgespült werden. Aber dann ist es endlich soweit. Die Großeltern sitzen mit Sabine um den Wohnzimmertisch herum, auf dessen Mitte die Kaminuhr steht. Oma Erika nimmt den Schlüssel und steckt ihn in eines der beiden „Löcher“ im Zifferblatt.
Andächtig lauscht Sabine schon bald dem Ticken und dem Klang dieser geheimnisvollen Uhr. 

 

 

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Opa erzähl mir eine Geschichte

Sabinchen ist bei ihren Großeltern zu Besuch. Papa und Mama haben sie am Wochenende zu Opa und Oma gebracht, wo sie eine ganze Woche bleiben darf. Nun ist sie schon den dritten Tag hier und es gefällt ihr richtig gut. Gemeinsam unternehmen sie viel und so kommt bei Sabinchen keine Langeweile auf. Mit ihren fünf Jahren ist sie an allem interessiert und fragt den Opa gerne Löcher in den Bauch, wie er immer so schön sagt. 

Gerade haben sie draußen im Garten gegrillt, aber jetzt muss sie leider ins Bett, dabei fühlt sie sich kein bisschen müde. Wie Kinder nun mal so sind, probiert auch Sabine alle möglichen Ausreden aus, aber es hilft nichts. Die Großeltern schicken sie zum Zähneputzen ins Bad.

„Wenn du fertig bist, dann rufst du. Ich komme zum Gute-Nacht-Sagen noch mal ganz kurz nach oben“,schlägt Opa Friedrich vor. 

„Ich gebe dir jetzt schon den Gutenachtkuss“, meint Oma Erika und drückt Sabine einen zarten Kuss auf die Wange. „Ich muss nämlich noch das ganze Chaos in der Küche beseitigen und die Spülmaschine einräumen.“
Es dauert gar nicht lange, da tönt der Ruf durch das Haus: 

„Opa, kommst du?!“

Wie versprochen erscheint der Großvater im alten Kinderzimmer von Sabines Mutter. Das Mädchen sitzt aufrecht im Bett und bettelt:

„Bitte, bitte erzähl mir noch eine Geschichte. Ich bin nämlich überhaupt noch nicht müde.“

„Aber höchstens für 5 Minuten“, lässt sich der Großvater erweichen. „Länger sollte eine Gute-Nacht-Geschichte nicht dauern.“

„Na gut“, willigt Sabinchen ein.

„Worüber soll ich denn erzählen?“, möchte Opa Friedrich wissen.

„Von einem Blümchen“, sagt die Kleine sofort. „Ich habe nämlich im Garten eine schöne gelbe Blume entdeckt. Sie wächst direkt bei dem kleinen Teich.“

Opa Friedrich überlegt. Im Moment gibt es ja nur wenige Frühlingsblüher und so weiß er eigentlich sofort welche Blume seine Enkeltochter meint.

„Hat sie viele kleine gelbe Blüten, die oben auf einem langen dünnen Stiel wachsen?“, vergewissert er sich.

„Ja, genau!“

„Das ist ein Schlüsselblümchen. Ich mag diese Frühlingsblümchen sehr gerne. Als ich noch ein Kind war, ungefähr so alt wie du“, beginnt er zu erzählen, „da gab es eine große Wiese in der Nähe meines Elternhauses. Dort durften wir Kinder immer spielen. Im Frühjahr war sie ganz gelb. Auf ihr blühten viele, viele Schlüsselblumen. Damals habe ich meiner Mutter einen dicken Strauß geschenkt. Heute sind diese Blümchen seltener geworden und stehen unter Naturschutz.“
Sabine hört ganz genau zu und stellt dann eine Frage:

„Warum heißen sie denn eigentlich ‚Schlüsselblumen‘?“

„Weil sie gewissermaßen einem Schlüsselbund gleichen. Ihre kleinen Blüten sind so angeordnet wie die vielen einzelnen Schlüssel an einem Schlüsselbund. Manche Menschen nennen sie auch Himmelsschlüssel.“

„Ein Schlüssel, um den Himmel aufzuschließen. Wer soll das denn machen?“, fragt Sabine neugierig.

„Naja, es gibt eine Legende*, die sagt, dass der Heilige Petrus die Schlüssel zu der Himmelspforte besitzt. Er hat sie immer gut gehütet, damit sie ihm niemand wegnehmen kann. Trotzdem berichtete man ihm eines Tages, dass irgendwelche Übeltäter sich einen Nachschlüssel angefertigt hätten. Das war keine gute Nachricht und Petrus erschrak sehr. Er begann vor Schreck zu zittern und so entglitten ihm die Schlüssel. Der Schlüsselbund fiel und fiel. Immer tiefer und tiefer, bis er schließlich auf die Erde plumpste. Da lag er nun.“

„Oh nein!“, ruft Sabine erschrocken aus. „Das ist ja schrecklich. Mama hat mal ihren Autoschlüssel verloren. Sie war völlig verzweifelt und hat überall gesucht. Gefunden hat sie ihn schließlich in Papas Jackentasche. Da war Mama wieder glücklich und hat sich riesig gefreut.“

Sabinchen schaut ihren Opa an und hofft, dass die Geschichte weitergeht. Doch Opa Friedrich lächelt und schweigt. Er will damit seine Enkelin noch ein wenig auf die Folter spannen, was auch die Wirkung nicht verfehlt. 

„Hat denn Petrus seinen Himmelsschlüssel auch wieder bekommen“, fragt Sabine aufgeregt.

„Naja, zuerst war er mal weg und guter Rat war teuer. Aber zum Glück hatte einer der Engel alles genau beobachtet und gesehen, wo der Schlüsselbund gelandet war“, berichtet Opa Friedrich.

“Er flog schnell und zielgerichtet hinunter zur Erde. Inmitten einer Wiese sah er ihn in der Frühlingssonne glitzern. Er hob ihn auf und brachte ihn Petrus wieder zurück in den Himmel.“

„Und was hat das mit den schönen gelben Schlüsselblümchen zu tun?“

„Stell dir vor!“, flüstert Opa Friedrich geheimnisvoll. „Dort, wo der Schlüssel die Erde berührt hat, genau an dieser Stelle blühten plötzlich wunderschöne gelbe Blümchen. Die Schlüsselblümchen. Die Himmelsschlüssel sind sozusagen zu Blumen geworden.“

„Ist das eine schöne Geschichte“, gähnt Sabinchen. „Morgen werde ich sie nochmal ganz genau betrachten und für Mama und Papa ein Bild malen“, beschließt das kleine Mädchen bevor es vom Schlaf übermannt wird. Großvater Friedrich schleicht sich leise aus dem Zimmer und schließt lächelnd die Tür.

 

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* Hier findet man die Legende und viel Wissenswertes zum Thema „Schlüsselblume“:

vgl.: https://www.beetfreunde.de/schluesselblumen-himmelsschluessel/

 

 

 

Grüße aus dem Osterhasenland

 

Aufregung herrscht überall im Osterhasenland

und groß ist der Hasen Arbeitsaufwand,

denn soeben kamen die Eier per Express.

Nun haben die Osterhasen Stress.

 

In den Osterhasenfamilien ist Arbeit angesagt,

denn bunte Eier sind sehr gefragt.

Es wird gebastelt, gemalt und bunt verziert,

Farben gemixt und Muster kreiert.

 

Die Sonne und die Farben der Natur inspirieren

und die Häschen nun diskutieren.

Wer hat wohl das schönste Osterei erstellt,

welches Motiv wird darauf dargestellt?

 

Sie hoppeln in alle Richtungen schon bald,

über Stock und Stein, Feld und Wald,

um für die Kinder Osternester zu verstecken

im Garten oder den Zimmerecken.

 

Grüße und Wünsche liegen ebenfalls im Nest:

„Habt alle ein schönes Osterfest

und bleibt bitte alle munter und vor allem gesund,

jetzt, alle Tage und zu jeder Stund.“

 

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Beim Spaziergang

Ich bin Klein-Astrid und liege in meinem Kinderwagen, wo es so richtig gemütlich und kuschelig ist. Meine Mama rückt die Decke zurecht, denn das kann ich noch nicht. Dafür bin ich noch zu klein und auch zu schwach. 

„So“, sagt meine Mama während sie mich zudeckt. „Jetzt hast du es schön warm unter deiner Decke.“ 
Ich verstehe zwar noch nicht, was sie mir so alles erzählt, aber ich kenne ihre Stimme. Sie ist beruhigend und ich weiß, dass es meine Mama gut mit mir meint.
Jetzt geht meine Mama mit mir spazieren. Das gefällt mir, denn es schaukelt so schön hin und her. Dann dauert es auch gar nicht lange und ich bin eingeschlafen. Tief und fest und ganz ruhig schlafe ich, denn in meinem Kinderwagen und mit Mama in meiner Nähe fühle ich mich sicher.  Überhaupt schlafe ich viel, gern, oft, mal kurz und mal lang.  Immer mal wieder übermannt mich der Schlaf. Wenn ich aufwache, bin ich hungrig, meine Windel ist voll oder ich habe Bauchweh. Aber inzwischen beobachte ich auch meine Umwelt, die Menschen, die in meinen Kinderwagen oder mein Bettchen hineinschauen und auch das Vögelchen, das mir Mama zum Spielen hingehängt hat. Das alles strengt mich so an, dass ich immer wieder schlafen muss. Ich bin zwar inzwischen schon ein bisschen größer und meine Wachphasen werden auch länger als noch vor ein paar Monaten, aber ich muss viel verarbeiten. Ich kann auch schon lächeln und manchmal ziehe ich Grimassen.
Aber nun ich bin ganz vom Thema abgeschweift, eigentlich will ich Euch was ganz anderes erzählen:
Meine Mama geht wie gesagt mit mir spazieren. Als ich aufwache nimmt sie mich aus dem Kinderwagen und hält mich ein bisschen auf dem Arm. Das ist schön.
„Hast du gut geschlafen?“, fragt sie mich. Sie spricht mit mir und die Sonne kitzelt mich ein wenig an der Nase. Das gefällt mir.
Doch plötzlich merke ich, dass Mama und ich nicht alleine sind. Da ist noch jemand. Ich bin mir nicht sicher, ob ich denjenigen auch kenne. Die Stimme kommt mir bekannt vor. Irgendwie hört es sich an als sei es die Stimme meines Papas. Aber mein Papa sieht doch anders aus. Und jetzt legt mich Mama diesem Mann mit Papas Stimme  in den Arm. 
Hier stimmt doch etwas nicht. Das ist mir jetzt aber nicht ganz geheuer. Deshalb verziehe ich das Gesicht. Hoffentlich merkt Mama, dass ich hier weg will.
„Oh, oh!“, sagt sie. „Ich glaube, Klein-Astrid fängt gleich an zu weinen!“
Sie nimmt mich wieder und wiegt mich hin und her, während sie beruhigend auf mich einspricht. 
Ja, Mama hat mich verstanden und deshalb muss ich jetzt auch nicht mehr weinen. Dankbar lächele ich sie an.
„Was hat sie nur?“, fragt Papas Stimme.
„Ich habe da so einen Verdacht“, meint Mama. „Wahrscheinlich erkennt sie dich nicht!“
„Wieso? Ich habe mich doch innerhalb der letzten halben Stunde nicht verändert. Zu Hause war das auch noch nicht. Überhaupt war das noch nie so“, sagt Papas Stimme und ich merke Traurigkeit darin. Fast klingt die Stimme auch noch ein wenig beleidigt.
„Doch“, erklärt Mama, „du hast dich schon verändert!“
„Das stimmt doch gar nicht!“, protestiert Papas Stimme.
„Doch, doch!“, sagt Mama und nimmt dem Unbekannten etwas weg, das sie einfach neben sich auf die Bank legt. Danach reicht sie mich wieder an den Unbekannten mit Papas Stimme. Ja und da erkenne ich ihn: Es ist mein Papa!!!
„Schau nur!“, sagt Mama freudestrahlend. „Sie hat dich vorhin nur nicht erkannt, weil du einen Hut auf dem Kopf hattest.“
„So, so, du magst also meinen neuen Hut nicht. Dann setze ich ihn einfach nicht mehr auf!“, beschließt Papa, lächelt mich an und gibt mir einen Kuss.
Ich lächele zurück und gluckse vor Freude. Bei Papa und Mama ist es doch am Schönsten.

 

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Ausgangssperre

Heute komme ich erst einmal zum Plaudern zu Euch. Ich und mein Mann waren unterwegs. Genauer gesagt, wir sind nach Teneriffa geflogen. Super toll, das Wetter wie immer zu dieser Jahreszeit richtig sommerlich. Abflug und Ankunft auf der Insel war am Mittwoch, den 11.3. und am Montag, den 16.3. kam dann die Ausgangssperre. 

In der Hotelanlage war der Pool abgesperrt, wir bekamen Liegen und Sonnenschirme auf unseren großen Balkon. Auch der Strand war abgesperrt und Hubschrauber überwachten alles von oben. Am Montag durfte man noch in der Anlage ein wenig herumlaufen, ohne jedoch Grüppchen zu bilden. Am Dienstag war dies dann allerdings auch nicht mehr erlaubt. Zum Glück hatten wir in dem Hotel ein Apartment mit Balkon und daher ein bisschen Auslauf.

Zum Supermarkt, zur Apotheke und zum Arzt durfte man gehen. Die Polizei fuhr durch die Straßen und verkündete über Lautsprecher in verschiedenen Sprachen die Ausgangssperre. Auch kontrollierte man die Hotels, ob sich alle an die Vorschriften halten. Der Abstand musste eingehalten werden, keine Grüppchenbildung, im Speisesaal und im Foyer gab es Absperrungen und Begrenzungen.

Unser Mietwagen parkte vor dem Hotel. Niemand konnte uns sagen, wie es weitergeht. Die Ausgangssperre, so wurde uns mitgeteilt, gelte  zunächst für 15 Tage. Ob unser Rückflug am 25.3. tatsächlich noch stattfinden würde, hoffte man, war sich aber nicht sicher.

Wir versuchten in das Rückholprogramm des Auswärtigen Amtes hineinzukommen, aber der Server war überlastet. Wir kontaktierten unser Reisebüro in Deutschland und sagten der Reiseleitung vor Ort, dass wir so schnell wie möglich nach Deutschland zurück wollen.

Schon morgens hörte man Busse fahren und Urlauber, auch aus unserem Hotel wurden zum Flughafen gebracht. Manche wurden zwei Stunden vor Abflug angerufen. 

Ich packte vorsorglich die Koffer. Und am Mittwochnachmittag kam dann der Anruf unseres Reiseveranstalters, dass unser Flug am Donnerstag um 16:45 Uhr gehen würde. Es war der letzte planmäßige Flug, so sagte man uns. 

Da wir mit dem Mietwagen das Wegerecht zum Flughafen hatten, konnten wir dort hinfahren und ihn auch dort abgeben.

Obwohl wir von Dresden nach Teneriffa geflogen waren, mussten wir jetzt nach Düsseldorf fliegen.  

Dort angekommen, übernachteten wir erst einmal in einem Hotel am Airport und am Freitag fuhren wir dann mit einem Mietwagen von Düsseldorf nach Cottbus. 

Wir sind wieder zu Hause!!! 

Wahrscheinlich wird es auch hier in Deutschland nicht mehr lange dauern und die Ausgangssperre kommt, so denken wir. Morgen? Übermorgen? …

Ich wünsche uns und Euch, dass wir alle gesund bleiben!!! Passt gut auf Euch auf!!!

Die Bitte

Professor Konfusi ist unterwegs. Er hatte eine Besprechung mit einem Kollegen und will gerade in sein Auto einsteigen, als das Handy klingelt.
„Konfusi“, meldet er sich kurz.

„Hallo, mein Lieber, ich bin’s, deine Angetraute“, hört er die Stimme seiner Gattin. „Könntest du mir bitte einen Gefallen tun und ein Rezept beim Arzt abholen?! Ich müsste sonst nochmal extra in die Stadt fahren, aber wenn du…“
„Kein Problem, ich geh gleich mal hin und dann komme ich nach Hause.“
Gesagt, getan. Und damit ist die Aktion sowohl bei seiner Frau als auch bei ihm abgehakt und vergessen.
Erst am nächsten Tag fällt die Angelegenheit seiner Frau wieder ein.
„Wo sind eigentlich die Medikamente?“, erkundigt sie sich.
„Welche Medikamente?“, fragt Professor Konfusi zurück.
„Sag nur, du hast das Rezept gestern nicht abgeholt?“, erkundigt sich seine Gemahlin.
„Ja doch, klar!“, und nach einer kurzen Pause fügt er hinzu: „Sollte ich auch gleich die Medikamente in der Apotheke holen? Das wusste ich jetzt nicht“, gibt er zu und blickt völlig unschuldig drein.
„Das kann man sich aber denken.“ Seine Gattin schüttelt den Kopf. „Wahrscheinlich hatte er seine Gedanken wieder bei irgendeinem wissenschaftlichen Thema“, fügt sie im Stillen hinzu und richtet dann eine wichtige Frage an ihren Mann: „Wo ist denn das Rezept?“
„Wenn ich das wüsste! … Lass mich mal überlegen! … Ich habe es entgegengenommen und dann habe ich es irgendwo hingesteckt…“
Als der ältere Herr bemerkt, dass seine Frau die Stirn runzelt und ihn fragend anblickt, fügt er schnell hinzu:
„Ja, genau, ich habe es in meine Jacke gesteckt. Moment mal…“
Professor Konfusi durchsucht alle Taschen seiner Jacke, allerdings ohne Erfolg.
„Bestimmt liegt es im Auto!“, lautet seine nächste Idee, die jedoch auch ins Leere läuft. 
„Dann habe ich es vielleicht in meiner Aktentasche“, meint er nachdenklich, als der wieder ins Haus zurückkehrt und geradewegs zur Garderobe marschiert, wo er die Mappe am Abend zuvor abgestellt hat. Doch leider lässt sich auch hier nichts finden. Jetzt ist guter Rat teuer. Im Grunde genommen sind mittlerweile alle denkbaren Möglichkeiten ausgeschöpft. Damit ist auch für Professor Konfusi die Angelegenheit beendet und er will sich wieder seiner Lektüre zuwenden. Kurz darauf klingelt das Telefon und er ist sofort in ein fachliches Gespräch mit einem Kollegen vertieft.
Frau Konfusi hat sich schon damit abgefunden, dass sie nun doch selbst die Sache mit dem Rezept und den Medikamenten in Angriff nehmen muss. „Sicher ist sicher!“, denkt sie sich, doch da kommt ihr eine andere Idee. Die Zeitspanne zwischen ihrem Anruf und der Ankunft ihres Mannes zu Hause war recht groß gewesen. „Sollte er noch einmal im Büro gewesen sein?“, fragt sie laut vor sich hin.
„Richtig, meine Liebe. Jetzt, da du es sagst, fällt es mir wieder ein. Ich musste noch ein paar Dinge im Büro regeln. Bestimmt liegt das Rezept auf meinem Schreibtisch in der Universität.“
Professor Konfusi strahlt, denn nun scheint er die Lösung seines Rätsels gefunden zu haben. „Ich muss nachher sowieso noch mal hin, sie brauchen ein paar Unterschriften von mir.“
„Dann bringst du bitte auch gleich die Medikamente mit!“, erinnert ihn seine Gemahlin vorsichtshalber noch einmal.
Doch auch an diesem Abend kommt er wieder unverrichteter Dinge daheim an. 
„Hast du meinen Anzug mal durchsucht?“, will er von seiner Frau wissen.
„Da habe ich nichts gefunden, aber du kannst gerne auch nachsehen…“
„Ich hab’s: Mein Hemd! Da muss es sein!“, startet der Professor einen erneuten Versuch. Ich habe das Rezept in die Brusttasche gesteckt.“ Seine Augen leuchten regelrecht vor Freude, dass die Erinnerung zurückgekehrt und des Rätsels Lösung gefunden ist.
„Das hängt im Hauswirtschaftsraum“, meint Frau Konfusi und läuft hin. Sie greift in die Tasche und zieht etwas heraus, das sie ihrem Gatten zeigt.
„Damit bekommen wir auf jeden Fall keine Medikamente“, sagt sie und zuckt mit den Achseln.
Am nächsten Morgen steht Professor Konfusi erneut in der Arztpraxis. 
„Waschmaschine!“, ruft er dem Arzt zu, der ihn fragend anschaut, weil der ältere Herr schon wieder an der Anmeldung steht.
„Meine Frau hat das Hemd gewaschen und jetzt sind von dem Rezept nur noch ein paar Papierkrümelchen übrig. Könnten Sie mir bitte ein neues Rezept ausstellen?!“
Stolz überreicht er am Abend seiner Frau das Rezept, kratzt sich jedoch verlegen am Kopf, als diese lachend fragt:
„Und wo sind nun die Medikamente?“

 

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Wo die Liebe hinfällt …

 

Wie gewonnen, so zerronnen

Tanja kommt von der Arbeit nach Hause. Es ist Freitagabend und wie gewohnt will sie sich nachher noch mit ihrer besten Freundin Gitti treffen. Sie kennen sich seit der Schulzeit, haben gemeinsam studiert und leben noch heute in der selben Stadt. Sie unternehmen viel gemeinsam, telefonieren häufig und freitags treffen sie sich immer zu einem gemütlichen Fernsehabend.

Abwechselnd findet dieser mal bei der Einen und dann wieder bei der Anderen statt.
„Ich sollte noch schnell ein bisschen aufräumen“, überlegt Tanja laut. „Wenn überall etwas herumliegt, dann sieht es so ungemütlich aus. Ich muss mich aber beeilen!“ 
Schon eine knappe halbe Stunde später klingelt es an der Haustür.
„Gittti!!!“, ruft Tanja aus, rauft sich erschreckt die Haare und rennt schnell zur Wohnungstür, die sie völlig aufgelöst und mit einem Ruck öffnet. Ohne ein Wort dreht sie sich wieder um und läuft händeringend zurück ins Wohnzimmer.
„Ich wünsche Dir einen schönen guten Abend“, ruft Gitta ihrer Freundin verwundert hinterher und hängt ihren Mantel an der Garderobe im Flur an den Haken. Danach geht auch sie ins Wohnzimmer, wo es ihr erst einmal die Sprache verschlägt.
„Was ist denn hier los?“, fragt sie kopfschüttelnd, erhält allerdings nun schon zum zweiten Mal keine Antwort.
Alle Sofakissen liegen auf dem Boden, ebenso die schöne Kuscheldecke, die Gitti ihr erst zum Geburtstag geschenkt hat und gerade fliegen auch noch mehrere Zeitschriften hinterher. Der Teppich ist umgeklappt. Der Inhalt einer Schatulle, in der Tanja alte Fotos aufhebt, ist auf dem Fußboden verstreut. Sogar die Porzellandose aus dem letzten gemeinsamen Urlaub ist entleert. Die Knöpfe, die Tanja darin verwahrt, liegen verstreut auf dem Wohnzimmertisch. Sie selbst kniet vor der Couch und steckt ihren Kopf darunter.
„Einbruch oder Suche?“, fragt Gitti nur.
„Genau!“, antwortet die Freundin wortkarg und robbt zu den Sesseln, um auch dort nachzusehen.
„Was jetzt?“, will Gitti wissen. 
„Suche“, wird ihr entgegengeschmettert.
„Wenn du mir verrätst, worum es sich handelt, dann kann ich dir auch helfen“, bietet Gitti an.
„Die Nadel“, schmettert ihr die Freundin entgegen.
„Ohje, dann sollten wir aufpassen, dass wir nicht hineintreten, sonst haben wir sie womöglich auch noch plötzlich im Fuß stecken. Bei diesem Chaos hier kann das nämlich leicht passieren.“
„Die doch nicht“, verkündet Tanja. „Ich meine doch die Nadel im Heuhaufen.“
„Aha, das klingt allerdings ziemlich kompliziert. Vielleicht sollten wir uns erst einmal setzen und du erzählst mir alles schön der Reihe nach“, schlägt Gitti vor und lässt sich in einen Sessel plumpsen.
„Mein Autoschlüssel ist weg!“
„Und den suchst du jetzt hier im Wohnzimmer?“
„Naja, im Schlafzimmer wird er ja wohl kaum sein.“
„Wann hattest du ihn denn zuletzt?“
„Vorgestern, als ich vom Einkaufen kam.“
„Und was hast du dann gemacht?“
„Die Einkaufe in die Küche gebracht.“
„Also, dann solltest du doch wohl eher in der Küche nachschauen!“, schlägt Gitti vor.
„Du glaubst doch nicht etwa, dass ich ihn in den Kühlschrank gelegt habe?“, meint Tanja und nach einer kleinen Pause fügt sie hinzu: „Wenn ich ehrlich bin: Da habe ich bereits nachgesehen. Ich weiß wirklich nicht wo er hingekommen ist.“
Gitti überlegt krampfhaft, wo sie anstelle der Freundin suchen würde. Das Naheliegendste wäre aller Wahrscheinlichkeit nach…
„Die Handtasche, – hast du da schon nachgesehen?“, will sie wissen.
„Die habe ich schon mindestens zweimal ausgeräumt. Da ist er nicht. Ich schwöre es! Aber du kannst gerne noch einmal nachsehen! Alle guten Dinge sind ja bekanntlich drei.“ Ein bisschen beleidigt, aber auch ein wenig hoffnungsvoll klingt Tanjas Stimme, als sie ihr die Handtasche reicht.
Gitti räumt aus: Eine Haarbürste, ein Taschenspiegel, die Geldbörse, drei Lippenstifte, zwei Kugelschreiber, ein Einkaufszettel, eine Sicherheitsnadel, Pflaster, Papiertaschentücher, Handcreme, einige Münzen, Wimperntusche, Nasenspray und sogar eine Minitaschenlampe kommen zum Vorschein.
„Du schleppst echt viel mit dir rum…“
„…aber keinen Autoschlüssel“, ergänzt Tanja.
„Stimmt!“, bestätigt Gitti. „Aber warte mal, was ist das denn?“
„Der Schlüssel?“, neue Hoffnung keimt in Tanja auf.
„Nein, das nicht, aber ein Loch im Futter“, grinst die Freundin und zieht einen weiteren Kugelschreiber, den vierten Lippenstift und sogar ein Nagellackfläschchen hervor. Danach versucht sie erneut ihr Glück und …
„Mein Autoschlüssel! Du bist ein Schatz!“
Tanja fällt der Freundin überglücklich um den Hals.
„Was wolltest du eigentlich mit dem Schlüssel?“, fragt Gitti während sie gemeinsam im Wohnzimmer das Chaos zu beseitigen versuchen.
„Ich hab doch eine Flasche Wein für heute Abend gekauft und die liegt noch im Auto. Ich hol sie mal schnell.“
Nach circa zehn Minuten taucht Tanja leichenblass und mit der Rotweinflasche in der Hand wieder auf:
„Ich glaube wir brauchen jetzt einen starken Mann!“
„Wieso?“, Gitti ahnt Fürchterliches.
„Um den Gullydeckel neben dem Bordstein hochzuheben!“, meint Tanja nur und zuckt mit den Schultern. „Wie gewonnen, so zerronnen!“

Ein Hoch auf…

Professor Konfusi hatte Geburtstag. Alle Bewohner der alten Villa waren eingeladen, haben ihm einen Gutschein für einen Theaterbesuch mit seiner Gattin geschenkt und haben mit dem älteren Ehepaar gemeinsam gefeiert.

Heute ist es dann soweit. Herr und Frau Konfusi haben sich chic angezogen und stehen jetzt im Foyer des wunderschönen Jugendstiltheaters. 
Da es draußen tüchtig stürmt und der Wind auch noch Kälte mit sich bringt, haben sie sich wie alle anderen Theaterbesucher in warme Mäntel und Schals gehüllt.  
„Ach herje, ist das eine lange Schlange an der Garderobe“, sagt Frau Konfusi nach der Theatervorstellung. „Lass uns doch noch ein Gläschen Sekt trinken, danach ist der größte Andrang bestimmt vorüber.“
Während sich der Professor auf den Weg zur Bar macht, um das prickelnde Getränk zu besorgen, gesellt sich seine Gattin zu ein paar Frauen, die sie flüchtig kennt. Diese hatten den gleichen Gedanken und warten nun im Theaterfoyer auf ihre Männer und den Sekt. 
So steht man anschließend in lockerer Runde zusammen, diskutiert über die Aufführung und stößt auf den gelungenen Abend an. 
„Wir sollten aber nicht nur auf die Schauspieler anstoßen!“, meint Professor Konfusi und blickt in die verständnislosen Gesichter. „Ich möchte noch auf eine andere Person einen Toast aussprechen.“
Auch seine Frau schaut ihn fragend an, runzelt die Stirn und folgt seinem Blick zur Garderobe, wo sie allerdings kein bekanntes Gesicht entdeckt. Alle Personen sind ihr mit dem Rücken zugewandt.
„Wie darf man das verstehen?“, fragt sie ihren Gatten.
„Ach, meine Liebe, ich möchte jemand würdigen, der gerne übersehen wird!“ Mit diesen Worten hebt er sein Glas. Erst  jetzt merkt er, dass niemand so recht versteht, worum es ihm geht und ihn möglicherweise alle momentan für ein bisschen verwirrt halten. So herrscht nun eine betretene Stille in dem kleinen Kreise, die durch Frau Konfusis Aufforderung unterbrochen wird:
„Würdest du uns das bitte näher erklären?!“, fragt sie und man merkt ihr sichtlich das Interesse an.  
„Das ist eine etwas längere Geschichte“, grinst nun der Professor und alle richten ihre Blicke gespannt auf ihn. 
„Neulich war ich auf einem Kongress. Alle Teilnehmer trugen bei der Ankunft dicke schwarze Jacken oder Mäntel über ihren Anzügen. Es standen auch genügend Garderobenständer im Vorraum bereit. So hängte jeder seine wärmende Wetterbekleidung dort auf. Ich ebenfalls.“
„Kann es sein, dass du hinterher ein Problem hattest“, erkundigt sich Frau Konfusi, die langsam etwas zu ahnen beginnt.
„Nicht nur ich!“, betont ihr Gatte. „Keiner hatte darauf geachtet, an welchen Gaderobenständer er seine Jacke oder den Mantel gehängt hatte. Sie hingen total voll, mehrere Bekleidungsstücke übereinander und ein Mantel sah aus wie der andere.“
„Lass mich raten“, versucht seine Frau das Geschehen zu rekonstruieren. „Du hast den falschen Mantel erwischt.“
„Ich habe bestimmt drei Versuche gestartet. Sie sahen alle so aus wie mein Mantel, waren aber entweder zu klein, zu groß oder der in der Tasche befindliche Inhalt gehörte nicht mir und somit der Mantel auch nicht.“
„Und wie haben Sie ihn letztendlich gefunden?“, will einer der Umstehenden wissen.
„Indem plötzlich jemand vor mir stand, der dasselbe Problem hatte wie ich. Und dieser Jemand trug meinen Mantel, der ihm sichtlich zu klein war. Ich glaubte ihn an den Knöpfen zu erkennen. Wir tauschten die Mäntel und siehe da, es war tatsächlich der Meinige. Der andere Herr musste allerdings noch einige Zeit weitersuchen.“
Für seine Erzählung erntet Professor Konfusi Gelächter, doch er kann herzlich mitlachen. 
„Damit ist die Geschichte aber noch nicht zu Ende“, grinst er schelmisch in die Runde. „Bei der Manteltaschenkontrolle zog ich tatsächlich meinen Autoschlüssel heraus, allerdings fiel auch noch etwas anderes von mir unbemerkt auf den Boden.“
„ ‚Dabbischkeit verlass mich nicht‘, würde der Hesse jetzt sagen“, wirft ein Herr ein.
„Wie auch immer…“, will Professor Konfusi fortfahren. 
„Was war es denn?“, fragen plötzlich alle neugierig wie aus einem Munde.
„Langsam, langsam!“, mahnt der Professor seine Zuhörer. „Auf einmal trat ein Mann an mich heran, der zuvor hinter mir gestanden hatte und reichte mir eine Visitenkarte.“
„Was denn auch sonst. Auf Kongressen reicht man sich immer Visitenkarten“, erklärt Frau Konfusi.
„Ich wollte ihm ebenfalls meine Visitenkarte geben“, fährt ihr Gemahl unbeirrt fort. „Doch das war gar nicht nötig, denn ich erkannte plötzlich, dass er mir meine eigene gegeben hatte, die mir zuvor aus der Tasche gefallen und von ihm aufgehoben worden war.“
Wieder erntet Professor Konfusi Gelächter für seine Erzählung. 
„Soweit zur Dabbischkeit“, meint Frau Konfusi. „Aber du hast mit deiner Geschichte vom eigentlichen Thema abgelenkt. Wolltest du nicht auf jemand anstoßen?“
„Nein!“, widerspricht der Professor. „Und: Ja!“
„Was denn jetzt?“, erkundigt sich der Hesse. „Nein oder Ja?“
„Nein, ich habe nicht vom Thema abgelenkt. Ja, ich will auf eine besondere Person anstoßen.“
Abermals erhebt Professor Konfusi sein Sektglas und sagt mit feierlicher Stimme:
„Ich bin das lebende Beispiel dafür, welches Chaos hier herrschen würde, wenn es nicht diese liebenswürdige und hilfreiche Person geben würde.“
Er wendet sich in Richtung Gedarobe und spricht weiter:
„Ich erhebe nun mein Glas und spreche einen Toast auf die Gaderobiere aus ohne die wir alle ziemlich hilflos wären!“
Spontan tun es ihm alle gleich.

 

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Eiskalt

Im Eifer des Gefechts

 

Tante Friedas Geheimnis

Alle lieben Tante Frieda. Warum das so ist? Na, weil Tante Frieda die netteste und lustigste Frau ist, die ich kenne. Mutti meint oft: „Susi, du bist ihr sehr ähnlich!“ Das macht mich richtig stolz, obwohl ich der Meinung bin, dass Mama ebenfalls sehr viel Ähnlichkeit mit ihr hat und das kommt daher, weil Tante Frieda die kleine Schwester meiner Mutter ist. 

Klein ist richtig, denn sie ist nicht sehr groß, gerade einmal einen Meter und sechsundfünfzig Zentimeter. Das steht nicht nur in ihrem Pass, sondern ist eindeutig bewiesen. Ich habe es nämlich erst letzte Woche höchstpersönlich nachgemessen. Ich bin inzwischen schon einhundertzweiundfünfzig Zentimeter, also muss ich noch zu ihr aufschauen. „Die vier Zentimeter schaffst du doch locker noch!“, hat Tante Frieda gesagt und mir dabei zugezwinkert.
Sie ist immer quietschvergnügt, ihr Lachen schallt durch das ganze Haus und ist ansteckend. Wenn wir ein Fest feiern, dann singt und tanzt sie und reißt mit ihrer Fröhlichkeit alle mit. Ganz ehrlich, ich habe sie noch nie mit schlechter Laune erlebt und ich kenne sie nun schon mein ganzes Leben. Insgesamt also 12 Jahre.
Gut, gerade eben war sie nicht ganz so lustig. Da ist sie nämlich über einen blöden Ast gestolpert und kann jetzt nicht mehr aufstehen. Es ist beim Spazierengehen mit mir und unserem Hund Fridolin passiert. Wir sind auf einem Waldweg unterwegs, als Fridolin einen Hasen sieht und ihm nachrennen will. Er zieht an der Leine und da passiert es. Zum Glück hat sie ihr Handy dabei und so kann ich den Krankenwagen alarmieren.
Ja, und nun sitze ich an ihrem Krankenbett im Krankenhaus. „Es ist ein komplizierter Beinbruch und sie haben mich operiert“, erklärt sie mir. „Ich muss noch eine ganze Weile hier bleiben.“
„Dann bist du also bei Papas rundem Geburtstag nicht da?“, frage ich sie erschrocken.
„Nein, das wird nicht klappen!“
„Das macht dann auch nur halb soviel Spaß!“, gestehe ich.
„Den versprochenen Kuchen kann ich auch nicht backen. Richte es bitte deiner Mutter aus“, meint sie.
Man muss erklären, dass Tante Friedas Schokoladenkuchen berühmt ist. Keiner kann ihn so gut backen, wie sie. Alle werden enttäuscht sein, denn er ist wahnsinnig beliebt bei der ganzen Familie und allen Gästen. 
„Alle werden dich und deinen Kuchen vermissen“, meine ich.
„Da kann man leider nichts machen“, zuckt sie bedauernd mit den Schultern.
„Aber du könntest mir das Rezept geben und ich backe ihn“, kommt mir die Idee.
„Das geht leider nicht“, sagt sie bedauernd und versucht trotz ihrer Schmerzen ein bisschen zu lächeln. „Das ist mein Geheimnis!“
„Ah, ein Familiengeheimnis!“, grinse ich. „Dann kennt es Mutti auch!“
„Nein, mein Schatz, – es ist ganz allein mein Geheimnis und niemand weiß etwas davon.
Auch auf mein Bitten und Betteln lässt sie sich nicht erweichen mir ihr großes Geheimnis zu verraten.
„Dann müsst ihr halt mal auf meinen Schokoladenkuchen verzichten. Ich verspreche aber, dass ich sofort nach meiner Heimkehr aus dem Krankenhaus einen backen werde.“
Auf dem Nachhauseweg überlege ich krampfhaft, was ich tun könnte. Und ich habe eine Idee.
An Papas Geburtstag vermissen zwar alle Tante Frieda, aber sie sind begeistert, dass zumindest ihr Schokoladenkuchen nicht fehlt. Aus allen Ecken hört man:
“Mmmh!“ 
„Der ist sooo lecker!“. 
„Einfach köstlich!“ 
„Niemand kann ihn so gut wie Tante Frieda!“
„Ist sie denn nicht mehr im Krankenhaus?“, fragt man mich.
„Doch! Und den Kuchen habe übrigens ich gebacken!“
„Was?- Oh, sie hat dir ihr Rezept verraten!“, schlussfolgern alle.
Im Nu bin ich von allen umringt und jeder will das Rezept haben.
„Das ist mein und Tante Friedas Geheimnis“ sage ich schmunzelnd und laufe in die Küche.
Dort öffne ich schnell und unbemerkt den Abfalleimer und hole etwas heraus. Dieses Etwas bringe ich sofort in mein Zimmer und packe es in Geschenkpapier ein.
Leider finde ich kein Stückchen Kuchen mehr vor, als ich wieder in das Wohnzimmer komme. Tante Friedas, – oder soll ich sagen,- mein Schokoladenkuchen ist ratzeputz aufgefuttert?!
Am nächsten Morgen, es ist zum Glück Sonntag und ich habe keine Schule, hält mich nichts mehr. Ich greife mir das kleine Päckchen und mache mich auf den Weg zum Krankenhaus.
„Schade“, sage ich zu Tante Frieda. „Ich hätte dir gerne eine Kostprobe meines Schokoladenkuchens mitgebracht, aber es ist nichts mehr übrig geblieben. Allerdings habe ich dir etwas anderes mitgebracht“, verkünde ich und reiche ihr das Päckchen. 
Tante Frieda packt es aus und blickt zuerst entsetzt auf das Mitbringsel, doch dann schallt ihr fröhliches Lachen durch den Raum und die Gänge. 
„Jetzt haben wir wohl beide dasselbe Geheimnis!“, meint sie augenzwinkernd und zerreißt schnell die leere Packung der Fertigbackmischung.

 

 

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Wir zwei

Immer und immer wieder höre ich die Leute sagen: 
„Es wird langsam Zeit …“.
Ja, das stimmt. Es wird wirklich langsam Zeit, dass wir endlich mal richtig gewürdigt werden. Also fang ich einfach mal an, ein bisschen von uns zu erzählen:

Wir sind eigentlich die besten Freunde. Obwohl wir zu zweit sind und eindeutig zusammengehören, kann man uns in gewisser Weise als ein ungleiches Paar bezeichnen. Trotzdem muss man betonen, dass Einer allein einfach keinen Sinn ergibt. 
Äußerlich haben wir ein bisschen Ähnlichkeit mit Dick und Doof. So kommt es mir zumindest manchmal vor. Ich bin klein und dick und mein Kumpel, der ist lang und schlank.
Unser Leben besteht aus ständigen Wiederholungen, deren wir allerdings niemals müde werden. Sie sind sozusagen unsere Bestimmung und die Rechtfertigung unserer Existenz.
Mein Kumpel läuft immer vor mir davon. Soll ich ihm nachlaufen? Dazu habe ich aber eigentlich keine Lust, denn ich weiß ja im Grunde genommen, dass er immer wieder bei mir vorbeikommt. Deshalb bleibe ich ziemlich lange an fast der gleichen Stelle stehen, besser gesagt, ich bewege mich nur in ganz winzigen Schritten voran. Naja und deshalb laufe ich ihm dann wohl doch nach.
Jeden Tag ist es dasselbe Spiel. Jahrein, Jahraus. Wirklich zusammen sind wir nur ganz kurz. Ein winziger Augenblick und schon ist der Lange wieder weg. Er rennt immer über mich hinweg und im Grunde genommen läuft er nur im Kreis. Warum, so frage ich Euch, soll ich mich anstrengen und ihm nachlaufen. Ich würde ihn bei meiner Geschwindigkeit, die eher Langsamkeit heißen sollte, ja doch nicht überholen. Außerdem würde es keinen Sinn machen. 
Ach, eigentlich erzähle ich Quatsch. Wir sind schon irgendwie die ganze Zeit zusammen. Es gibt einen Punkt, der uns vereint. Dieser befindet sich im Mittelpunkt des Kreises, den der Lange immer abläuft und ich in gewisser Weise ja auch, nur langsamer.  Deshalb brauche ich auch einen halben Tag um einmal im Kreis zu laufen. Der Lange schafft das in einer Stunde. Der ist echt schnell. Er überholt mich an einem Tag also dreiundzwanzigmal. Toll oder?
So und nun habe ich genug von uns Beiden erzählt und ihr wisst nun auch ganz sicher, wer wir sind.
Ach übrigens: In manchen Kreisen gesellt sich noch ein Dritter zu uns. Dieser Kamerad ist noch länger und dünner. 
Aber mehr verrate ich Euch nicht. Ach doch, vielleicht schiebe ich noch ein kurzes Rätsel nach, das Peters Opa den Enkelkindern immer erzählt hat und Euch nun hundertprozentig auf die richtige Spur führt:

Es hängt an der Wand, macht tick-tack und wenn es runterfällt, dann ist die Uhr kaputt. 😉

 

 

 

 

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Ach du liebe Zeit!

 

Oh Schreck!!!

Gelangweilt hänge ich meine Zeit ab. Was bleibt mir auch sonst übrig?! Es ist schon wieder ein solcher Tag, an dem es einfach nicht richtig hell werden will. Die Sonne lässt sich überhaupt nicht mehr blicken. 

„Wie war es doch im Sommer so schön“, erinnere ich mich. „Vor allen Dingen war es warm und alles und jeder war draußen. Es war das reinste Paradies. Doch jetzt ist es einfach nur trist und langweilig.“ 
Ich lege mich mal hier hin und mal da hin. Klar, so lässt es sich wunderschön träumen. Aber wovon träume ich? Vom Sommer und den kleinen und großen Mäuschen.
„So kann das eindeutig nicht weitergehen“, beschließe ich. „Ich laufe jetzt zu Frauchen, vielleicht hat sie eine Idee, um mich ein bisschen aufzuheitern.“
Frauchen ist mitten in der Büroarbeit. Ich springe auf den Stuhl neben ihr. Ach wie herrlich. Sie streichelt mich und schmust mit mir. 
„Oh, ist das schön!!! Sie mag mich!“
Das war zwar schön, aber viel zu kurz. Frauchen wendet sich schon wieder diesem Papierkram zu, der auf dem Tisch liegt.
„Hey!“, beschwere ich mich. „Mach weiter! Bitte!!!“
Sie scheint mich allerdings nicht richtig zu verstehen. Sie denkt, ich will nach draußen. Will ich aber gar nicht. Was macht sie denn jetzt? Sie steht auf, holt die Leckerlies aus dem Regal und geht zur Haustür.
„Ha, den Trick kenne ich schon! Sie will mich mit Leckereien nach draußen locken.“
„Na, komm!“, sagt sie mit weicher Stimme. „Ich habe hier auch etwas Gutes für dich!“
„Warum in aller Welt sollte ich mir das entgehen lassen?“, frage ich mich insgeheim und trotte über die Türschwelle. 
Dort auf der Eingangstreppe liegen sie, die verführerischen Knusperhappen mit Lachs. Mir läuft doch echt das Wasser in meinem Mäulchen zusammen. 
Ehe ich mich versehe, bin ich draußen und die Haustür schließt sich hinter mir.
„Geh’ ein bisschen spazieren!“, ruft mir Frauchen noch nach.
Okay, okay, bis vorne an die Ecke gehe ich. Aber hier ist wirklich nichts los. 
„Was soll hier draußen?“, frage ich mich.
Also biege ich um die Ecke und marschiere in Richtung meiner Katzenklappe. Zum Glück ist sie offen und ich schlüpfe wieder in das Innere des Hauses. Geradewegs will ich zu Frauchen marschieren, doch sie hat die Bürotür geschlossen und ich kann nicht mehr zu ihr hinein. Also lege ich mich direkt davor und warte. Irgendwann wird sie schon wieder herauskommen und dann spiele ich mit ihr.
Ich brauche gar nicht so lange zu warten, vielleicht denke ich das aber auch nur, weil ich zwischenzeitlich eingedöst bin. Auf jeden Fall öffnet sich die Tür und Frauchen kommt heraus. Ich streiche schmeichelnd um ihre Beine. Und dann  packt mich der wilde Wahn und ich sause ich wie eine Rakete los. Ich habe einen Affenzahn drauf. 
„Sie soll endlich mit mir Nachlauf spielen“, denke ich noch und springe hinter eine Säule, die mir noch ein bisschen Platz zur Wand und daher zum dazwischen Hindurchspringen lässt. 
„Was ist das?“, durchzuckt es mich. „Das war doch noch nie da!“
Doch ich kann nichts mehr machen. Im selben Moment beginnt die Säule zu wackeln und es fällt etwas mit Karacho nach unten. Ich kann gerade noch rechtzeitig flüchten. Ich hatte Glück im Unglück. Die Lampe, die zuvor noch auf der Säule gestanden hatte, hat mich nicht getroffen. Ich konnte meine Haut retten, aber eine Menge Scherben liegen jetzt auf dem Fußboden.
„Oh, nein!!!“ höre ich Frauchen rufen und Herrchen, der ebenfalls hinzu geeilt ist, meint: „Das musste ja mal passieren. Darauf habe ich schon lange gewartet.“
Mein Herz pocht wie wild und ich ergreife die Flucht. Im Keller lege ich mich ganz oben auf den Heizungstherme. Hier ist es nicht nur schön warm, sondern er bietet mir auch die Sicherheit, die ich jetzt brauche. 
„Frauchen ist bestimmt sauer auf mich“, überlege ich völlig verschreckt. „Dabei kann ich nichts dafür. Ich bin schon tausendmal da entlang gesprungen und nie ist etwas passiert. Ohje, da kommt Frauchen…“
„Komm doch her!“, fordert sie mich auf.
„Nein!“, mauze ich bockig. „Ich habe nichts gemacht. Das blöde Ding ist von ganz alleine runtergefallen und zerbrochen!“
„Na komm schon!“, sagt sie nochmals mit ungewöhnlich sanfter Stimme.
„Du konntest nichts dafür. Ich hatte den Stecker der Lampe nicht aus der Steckdose gezogen, wie ich es sonst vorsorglich immer mache und so bist du im Kabel hängengeblieben und hast die Lampe heruntergezogen.“
„Das habe ich auch gemerkt“, gebe ich etwas unfreundlich zurück. „Aber ich lasse mich nicht bestrafen!“
„Es ist alles gut, hab keine Angst!“, meint sie und versucht mich zu erreichen. Doch sie ist zu klein und bekommt nur mein Pfötchen zu fassen. Und da merke ich, dass sie mir gar nichts tun will, denn sie streichelt  mich. Mein Herrchen ist auch da und er spricht dann etwas Seltsames aus, das ich nicht so ganz verstehe:
„Weißt du,“, erklärt mein Herrchen und holt mich nun zu sich auf den Arm, „man sagt, dass Scherben Glück bringen!“
„Mir haben sie anscheinend Glück gebracht, denn ich habe gemerkt, dass Frauchen und Herrchen mich trotzdem noch lieb haben“, überlege ich und mein Herz pocht gar nicht mehr so wild. 

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