Kurzgeschichten, Professor Konfusi-Geschichten

Im Eifer des Gefechts

Heute müssen Herr und Frau Konfusi getrennte Wege gehen. Nein, sie haben sich nicht gestritten, aber manchmal will es das Leben, dass man nicht alle Dinge in trauter Zweisamkeit machen kann. Sie würden gerne beide an der Feier eines befreundeten Ehepaares teilnehmen. Emil und Herta feiern heute ihre Goldene Hochzeit. Anlässlich dieser 50 gemeinsamen Jahre haben sie Freunde und Bekannte eingeladen. 
Am frühen Nachmittag findet ein Gottesdienst zu Ehren des Ehepaares statt, in welchem sie nochmals ihr Jawort von einst wiederholen und bekräftigen möchten. Danach gibt es noch Kaffee und Kuchen in einem schmucken kleinen Café im Schlosspark.
„Ich würde so gerne bei Euch sein, doch leider erhält genau zu dieser Zeit ein früherer Kollege die Ehrendoktorwürde und man hat mich gebeten die Laudatio zu halten“, hatte Professor Konfusi bei der Einladung durch das Jubelpaar erklärt. „Ich habe schon lange zugesagt.“
Zum Glück hatten die Freunde Verständnis für Professor Konfusi und schließlich beschlossen sie eine Art Kompromiss. 
„Elisabeth, dann komm doch wenigstens du. Wir würden uns sehr freuen“, baten die beiden Freunde. 
„Sonst würde uns etwas fehlen. Immerhin gehört ihr zu unserem Leben, seit Herta und ich uns kennen“, fügte Emil damals hinzu.
Naja, und so haben Herr und Frau Konfusi beschlossen sich gewissermaßen aufzuteilen. Wenn möglich würde Herr Konfusi später noch dazu stoßen, aber das konnte er nicht versprechen.
Alles ist bestens geplant für diesen Tag und trotzdem kommt schon am frühen Morgen etwas Unvorhergesehenes dazwischen. Das Telefon im Wohnzimmer des Ehepaares Konfusi klingelt um halb acht.
„Guten Morgen, entschuldigen Sie bitte die frühe Störung“, krächzt eine weibliche Stimme in das Ohr von Elisabeth Konfusi.
„Hier ist Marianne, ihre Friseurin. Ich bin leider ganz plötzlich erkrankt und muss ihren Frisörtermin für heute absagen. Ich liege mit 38 Grad Fieber im Bett.“
Frau Konfusi weiß, dass niemand einspringen kann, denn der Frisörsalon „Lockenwickler“ ist nur ein „Einmannbetrieb“ oder besser gesagt ein „Einfraubetrieb“. Die Chefin ist Marianne und sie hat keine Angestellten. 
„Ach, es ist ja lediglich eine Wasserwelle nötig und das kann ich auch selbst machen. Ich danke für ihre rechtzeitige Benachrichtigung und wünsche Ihnen eine schnelle Genesung. Machen Sie sich bitte keine Sorgen und kommen Sie bald wieder auf die Beine“, sagt Frau Konfusi aufmunternd.
Sie wird sich ein bisschen sputen müssen, aber sie wird alles rechtzeitig schaffen, dessen ist sich die ältere Dame sicher. Nur die Sache mit der Reinigung kann sie nicht mehr erledigen. Auf dem Rückweg vom Frisör wollte sie nämlich den dunklen Anzug ihres Mannes abholen.
„Darum kümmere ich mich“ verspricht sofort ihr Gatte. „Mach du dich nur hübsch, damit du rechtzeitig fertig bist, wenn Emil und Herta dich auf dem Weg zur Kirche abholen.“
Nach dem gemeinsamen Frühstück, das seltsamerweise auch länger als sonst gedauert hat, fährt Herr Konfusi in die Stadt, um seinen Anzug abzuholen. In der Zwischenzeit springt seine Elisa, wie er seine Frau liebevoll nennt, unter die Dusche. In aller Ruhe dreht sie sich hinterher die Haare auf Lockenwickler, setzt sich unter die Trockenhaube und zieht anschließend ihr neues Kostüm an. Zur Feier des Tages wagt sie auch sich ein kleines bisschen zu schminken, – nur ein schmaler Lidstrich, Wimperntusche und ein dezenter Lippenstift.
„Du siehst in deinem Alter noch recht passabel aus“, flüstert sie ihrem Spiegelbild zu. „Und Rouge brauchst du auch nicht. Die Aufregung hat für die passende zarte Rötung der Wangen gesorgt.“
Frau Konfusi dreht und wendet sich vor dem Spiegel und ist mit sich sehr zufrieden. „Schade, dass mich mein Mann nicht so sieht“, denkt sie noch und schon eilt sie zum Garderobenschrank, um sich die passende Tasche zum Kostüm auszusuchen. 
„Das schöne Seidentuch, das ich zum Geburtstag geschenkt bekommen habe, würde sicherlich auch ganz chic aussehen“, denkt Elisa und schon spurtet sie in Schlafzimmer und durchwühlt die Schublade. 
„Ach ja, ich darf das Geschenk nicht vergessen. Oh, verflixt! Es ist ja noch gar nicht eingepackt. Hoffentlich habe ich noch genügend Geschenkpapier und Schleifen da. Das hätte ich doch wirklich schon gestern alles erledigen können“, ärgert sie sich über sich selbst und macht sich geschwind an die Arbeit.
Ein Blick auf die Uhr sagt ihr, dass es inzwischen Zeit ist, um nach unten zu gehen und auf das Jubelpaar zu warten. Es wäre doch peinlich, wenn sie wegen ihr zu spät zum Gottesdienst kommen würden.
Frau Konfusi schnappt sich ihre Handtasche, das inzwischen tadellos verpackte Geschenk und einen kleinen Blumenstrauß, wirft die Wohnungstür hinter sich zu und eilt die Treppen hinunter. 
„Zum Glück sind Herta und Emil noch nicht da!“, atmet sie erleichtert auf, als zwei Mädchen gickelnd an ihr vorbei marschieren. Im selben Moment sieht sie ihren Gatten um die Ecke kommen. Aufgeregt winkt er mit dem einen Arm, während über dem anderen der in Plastikfolie gehüllte Anzug hängt.
„Hübsch siehst du aus, meine Liebe, aber komm bitte noch einmal ganz kurz mit mir nach oben“, flüstert er ihr ins Ohr.
„Nein, das geht nicht mehr“, widerspricht ihm Elisa. „Ich werde jeden Moment abgeholt.“
„Eben! Genau deshalb solltest du schnell noch einmal mitkommen!“
„Na gut“, gibt seine Gattin verwundert nach. „Ich habe ja noch fast zehn Minuten!“
„Die reichen vollkommen aus“, erklärt ihr Herr Konfusi und zieht seine Frau ins Haus zurück.
„Was ist eigentlich los?“, fragt diese völlig außer Atem, als der ältere Herr die Wohnungstür öffnet und seine Frau sanft vor den Garderobenspiegel schiebt.
„Ach du liebe Zeit!“, ruft diese entsetzt aus.
„Reg dich nicht auf. Im Eifer des Gefechtes kann das schon mal passieren“, versucht er seine Gattin zu beruhigen und hilft ihr die Lockenwickler aus den Haaren zu drehen.

 

Vielleicht möchtet ihr auch das noch lesen:

Bubis Sprachkünste

Liebeserklärung

Tickt ihr noch richtig?

8 Kommentare

  1. Ach ich lese deine Geschichten nur zu gern… das mit den Lockenwicklern habe ich bei einer unserer Patienten auch schon einmal erlebt…lustig….aber nicht so schlimm.
    LG aus dem Erzgebirge… Bärbeli

    • Astrid Berg sagt

      Danke, liebe Bärbeli.
      Da ich meine Haare nur föhne, kann mir dies zum Glück nicht passieren. Aber wer weiß, was das Leben sich bezüglich „vergessen“ für mich eines Tages ausdenkt.;-) Ich hoffe nur, dass es etwas Lustiges ist und ich dann tüchtig mitlachen kann. 🙂
      LG
      Astrid

  2. Liebe Astrid, sei herzlich gegrüßt.
    Heute Vormittag bin ich auch Hals über Kopf los, weil ich noch bis 11.30 Uhr zur Sprechstundenzeit zu unserer Ärztin kommen wollte, um ein Rezept für Medikamente zu bekommen. Fr. Dr. muß mir doch das Rezept unterschreiben.
    Ich brauche aber 45 min. mit dem BUS.
    Natürlich bin ich ohne mein Sonnenhütchen los und Männe schaut mir nicht mehr nach. -Lach- Ich bemerkte meine Hutlosigkeit erst auf dem Weg zur Bushaltestelle und der Bus war schon im Kommen.
    Der Weg zum Polikum ist zu sehr sonnenüberflutet.
    Ich wünsche Dir noch einen schönen Sommerabend, tschüssi Brigitte.

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Brigitte,
      ich hoffe, dass die Sonne heute Vormittag bei Euch in Berlin noch nicht ganz so heiß war und Du auch ohne Sonnenhut gut zum Polikum gekommen bist. Bei uns war es allerdings richtig heiß und man hat eigentlich immer nur ein schattiges Plätzchen gesucht. Dass es der Wettermacher aber auch immer übertreiben muss ;-). Morgen sollen die Temperaturen dann allerdings wieder im Bereich des Normalen liegen.
      Sei herzlich gegrüßt
      Astrid

  3. Dieses kleine Missgeschick ist witzig und sicher schon mal jemandem passiert. Zur Abschlussfeier unseres jüngeren Sohnes trug ich ein neues Kleid und Jäckchen. Strumpfhose Nr. 1 zerriss beim Anziehen. Bei Strumpfhose Nr. 2 blieb ich mit dem Ring hängen und riss ein Loch hinein. Mehr hatte ich nicht und musste eben ohne gehen. Unterwegs bemerkte ich, dass ich gar keine Ohrringe trug. Und nach der Feier sah ich, dass an der Sohle der neuen Absatzschuhe noch die Etiketten klebten 🙂
    Liebe Grüße von Kerstin.

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Kerstin,
      jetzt musste ich tatsächlich laut lachen. Entschuldige bitte, aber das war ja schon fast filmreif. 😉 Aber ich kann Dich trösten, die Etiketten auf der Schuhsohle hat bestimmt niemand gesehen. Du hast ja darauf gestanden. Schlimmer ist es, wenn man zum Gottesdienst geht und beim Knien der Hintermann das Etikett auf der Schuhsohle lesen kann. 🙂
      Du solltest unbedingt diese Begebenheit aufschreiben und ins Familienalbum legen.
      LG
      Astrid

  4. Hi! Das ist ja eine nette kleine Geschichte! 🙂 Schön! Hat mir wirklich den Morgen, so kurz vor der Mittagspause versüßt :)) :D….Danke und mach weiter so! Ganz viele liebe Grüße ausM defereggental ! Verena!

    • Astrid Berg sagt

      Danke für Deinen Besuch auf meiner Seite. Ich freue mich, dass Dir meine kleine Geschichte gefallen hat. Vielleicht hast Du ja Lust auch noch meine anderen Geschichten zu lesen.
      LG
      Astrid

Kommentare sind geschlossen.