Erdachtes & Erzähltes, Für Kinder, Kurzgeschichten
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Wo die Liebe hinfällt …

Diese Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit, von der ich neulich durch einen Bericht im Fernsehen erfahren habe. Ich war und bin so fasziniert, dass ich Euch hiervon in abgewandelter Form in der folgenden Kurzgeschichte erzählen möchte.
Sie handelt von einer ungewöhnlichen Liebe und zeigt, dass Liebe nicht nur Berge zu versetzen vermag, sondern auch ungewöhnlich große Distanzen überwinden und ungeahnte Kräfte wachrufen kann.

Fridolin* kann sich bis heute nicht mehr daran erinnern, wie es eigentlich passierte. Auf jeden Fall geriet er in eine fatale und im Grunde genommen ausweglose Situation. Irgendwo war aus ihm unbekannten Gründen eine große Menge Öl in das Meer gelaufen. Ein richtiger Ölteppich trieb im Meer und er war hineingeraten.
Dabei wollte er nur ein bisschen im Meer herum schwimmen und plantschen, so wie es eben ein Pinguin gerne macht. Anscheinend war er auch zu weit hinaus geschwommen, aber das merkte er erst viel zu spät.
Am Anfang machte das Schwimmen und Plantschen ja auch Spaß, doch dann fand er sich plötzlich inmitten des stark verunreinigten Wassers. Eigentlich war es gar kein Wasser mehr, es war nur noch Öl.
„Was ist denn nur los?“, fragte er sich. Ich kann mich gar nicht mehr richtig bewegen und alles fühlt sich so klebrig an.“
Ihm fielen auf einmal die Bewegungen schwerer und immer schwerer. Er versuchte den Schmutz abzuschütteln, doch dieses Öl klebte an ihm und er wurde es nicht mehr los. Auch seine Kräfte schwanden. Er hatte keine Chance, um zurück zu seinen Freunden und seiner Familie zu schwimmen.
So laut er konnte, rief er:
„Hilfe! So helft mir doch! Kommt und rettet mich!“
Doch niemand hörte ihn und niemand kam ihm zur Hilfe. Fridolin war nicht der Einzige, der dieser klebrigen Masse zum Opfer gefallen war. Inzwischen schwammen tote Fische auf der Meeresoberfläche, aber auch andere Pinguine trieben reglos um ihn herum.
Immer verzweifelter schrie er um Hilfe. Allerdings erfolglos.
Inzwischen war er auf das offene Meer hinaus getrieben. Der Wind wurde stärker und die Wellen größer. Er hatte Angst. Ganz fürchterliche Angst. Auch wusste er mittlerweile nicht mehr, wo er eigentlich war.
„Ich habe noch niemals in meinem Pinguinleben dieses schreckliche Gefühl gehabt“, dachte er. „Was soll ich nur machen?“
Auch wenn er noch ein unerfahrener Pinguin war, so wusste er doch, dass er dieses schreckliche Unglück nicht überleben würde. Es sei denn ein Wunder würde geschehen.
„Ich will nicht sterben!“, schrie er in die Weite hinein.
Die Nacht war mittlerweile herein gebrochen und der Wind hatte sich in einen Sturm verwandelt. Fridolin hatte sich seinem Schicksal ergeben. Er wusste nicht wie lange er so im Meer dahin trieb, denn irgendwann musste er wohl aus Erschöpfung das Bewusstsein verloren haben.
Als er wieder aus dieser Bewusstlosigkeit erwachte, sah er in große Kinderaugen.
„Schau mal der arme Kerl“, sagte ein Junge. „Ob er noch lebt?“
Fridolin versuchte sich bemerkbar zu machen, aber nur ein ganz leiser, kaum hörbarer Ton drang aus seiner Kehle.
Das Schicksal hatte ihn vollkommen verklebt und abgemagert an einen Strand von Rio de Janeiro gespült. Da lag er nun völlig hilflos. Die Kinderstimmen drangen jedoch zu ihm durch und plötzlich spürte er Hände. Sie umklammerten ihn und hoben ihn hoch. Er ahnte nicht, dass diese Kinderhände ihn zu seinem Retter und geliebten Herrn bringen würden.
Jo*, so hieß der Junge, der den Pinguin zu seinem Großvater brachte.
„Opa, Opa! Komm ganz schnell!“, rief er schon von Weitem.
„Der arme Pinguin braucht unsere Hilfe, sonst stirbt er! Bitte Opa, wir müssen ihn retten!“, bat Jo seinen Großvater.
Der alte Mann war ein brasilianischer Fischer. Er hatte ein gutes Herz und vor allem ein Herz für den Pinguin Fridolin. Er säuberte ihn und und holte einen Korb voller frischer Fische. Mit großer Geduld fütterte er den vollkommen abgemagerten Pinguin. Von Tag zu Tag erwachten die neuen Lebensgeister in Fridolin wieder zum Leben.
Die Hilfe des brasilianischen Fischers und der Kinder, die das Tier immer wieder besuchten und vor allem die aufopfernde Hingabe mit der der alte Mann den kleinen Pinguin pflegte, ließen Fridolin mehr und mehr zu Kräften kommen. Voller Dankbarkeit seinem Retter gegenüber, folgte er diesem auf Schritt und Tritt. Egal, wohin der alte Fischer auch ging, Fridolin war an seiner Seite.
„Warte, ich komme mit!“, rief er dem Fischer zu, sobald dieser sich auch nur zwei Schritte von ihm entfernte.
Zwischen den beiden entspann sich eine richtige Freundschaft. Nein, es war mehr als das. Es war die große Liebe. Und zwar von beiden Seiten.
Der kleine Pinguin Fridolin war ein treuer Freund und auch Jo’s Großvater wollte den kleinen Kerl nicht mehr missen. Sie gingen zusammen im Meer schwimmen, neckten sich und gaben sich gegenseitige Liebesbeweise. Der Pinguin stupste seinen Retter an und schmiegte sich so oft es nur ging an ihn. Manchmal hatte man sogar den Eindruck, dass die Beiden sich Küsschen geben würden.
„Du bist das Beste, das mir je passiert ist. Durch dich bin ich nicht mehr so allein!“, flüsterte der Fischer dem Pinguin zu.
Und Fridolin antwortete ihm. „Du bist mein großer Held, du hast mich gerettet. Ich liebe dich!“
Die Beiden waren in der ganzen Gegend bekannt und überall herzlich willkommen. Sie waren einfach unzertrennlich und die Menschen konnten sich den Einen nicht mehr ohne den Anderen vorstellen.
Doch der alte Fischer wusste ganz genau, dass eines Tages die Trennung kommen würde. Eigentlich war der Pinguin Fridolin schon viel zu lange in Brasilien. Auch konnte man sicherlich nicht von einem artgerechten Leben reden, das Fridolin führte.
„Du musst wieder zu deinen Artgenossen schwimmen“, sagte er eines Tages zu Fridolin. „Wo immer du auch hergekommen bist, dort gehörst du hin.“
Schweren Herzens ging er immer wieder mit dem Pinguin zum Meer und war sich sicher, dass dieser eines Tages im Meer bleiben und davon schwimmen würde. Doch der kleine Kerl marschierte immer wieder mit zurück in des Fischers Hütte.
Aber plötzlich packte den Pinguin doch ein ungekanntes Verlangen. Er dachte immer öfter an seine eigentliche Heimat und die Sehnsucht überfiel ihn. Auch wollte er seine Artgenossen wiedersehen. Irgendwie sagte ihm sein Instinkt, dass die Zeit für seinen Aufbruch gekommen war.
Nachforschungen hatten ergeben, dass es sich um einen Magellan-Pinguin handelte, der vermutlich von Patagonien stammte. Vielleicht würde man eines Tages in Erfahrung bringen, welches Schicksal ihn ereilte, aber so recht glaubte niemand daran, jemals wieder etwas von dem kleinen Pinguin zu hören oder zu sehen.
Der Fischer war sehr traurig, als er Fridolin immer weiter hinaus schwimmen sah.
„Lebe wohl, mein kleiner Freund!“, rief er ihm nach. „Ich werde dich nie vergessen. Du wirst immer einen Platz in meinem Herzen haben.“
Traurig ging er alleine nach Hause. Sein Leben war nicht mehr so wie vorher. Immer wieder musste er an Pinguin Fridolin denken. Er hoffte, dass er seine Artgenossen heil erreicht hatte und ein schönes Pinguinleben führen konnte.
So vergingen die Tage und Monate. Und der alte Fischer konnte es nicht fassen, als eines Tages sein treuer Freund Pinguin Fridolin wieder angewatschelt kam. Er hatte tatsächlich mehr als 4000 Kilometer zurückgelegt, um auf einer seiner Heimatinseln eine Familie zu gründen. Doch irgendwie hatte er den alten Freund, den Fischer, nie vergessen können. Sein Herz gehörte auch diesem Mann. So war er fortan hin und her gerissen zwischen seinem Pinguinleben und der Liebe zu seinem Retter. Auch jetzt trieb ihn die Sehnsucht wieder hinaus auf das Meer und er legte diese unendlich erscheinende Distanz wiederum zurück. Seither wiederholt sich Jahr für Jahr das gleiche Schauspiel. Der Pinguin Fridolin pendelt zwischen seinen beiden Welten und seinen beiden großen Lieben hin und her und überbrückt dabei auf jeder Strecke locker mehr als 4000 Kilometer.
„Ich komme wieder!“, ruft er bei jedem Abschied dem winkenden Fischer zu.

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*Die Namen sind frei erfunden und die Fotos bilden Pinguine aus dem Jungle Park auf Teneriffa ab. Einen Bericht zu der wahren Begebenheit brachte die Tagesschau am 11.3.2016.

 

Ich möchte mich heute bei allen meinen Lesern für die Treue bedanken, mit der Ihr immer wieder meinen Blog besucht. Danke, dass es Euch gibt und ich freue mich, wenn ich Euch mit meinen Geschichten, Fotos und Berichten auch weiterhin ein bisschen den Alltag verschönern kann.

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29 Kommentare

  1. Guten Morgen liebe Astrid,
    was für eine wunderbare Liebesgeschichte der ganz anderen Art. Ich habe sie sehr genossen!
    Herzliche Grüße
    Regina

    • Astrid Berg sagt

      Hallo liebe Regina,
      Tiere können uns Menschen so viel geben. Sie schenken uns ihre Liebe und Treue und dafür lieben auch wir sie. Der beste Beweis ist wohl diese wahre Begebenheit.
      LG
      Astrid

  2. Die Freude ist ganz und gar auf unserer Seite, liebe Astrid! Wieder einmal hast du uns eine wunderbare und warmherzige Geschichte erzählt. Was sind schon 4000 Kilometer, wenn man liebt!! – LG Martina

    • Astrid Berg sagt

      Wahnsinn, was so ein kleiner Kerl leistet, nur um bei dem Menschen zu sein, der sein Retter ist und den er liebt. Für ihn riskiert er Jahr für Jahr sein Leben.
      LG
      Astrid

    • Astrid Berg sagt

      Ja, es ist eine sehr herzergreifende wahre Begebenheit.
      Schön, dass es neben den vielen Schreckensmeldungen in der Welt auch solche herzerwärmenden Nachrichten gibt.
      LG
      Astrid

    • Astrid Berg sagt

      Das fand ich auch und deshalb musste ich sie auch aufschreiben und festhalten.
      LG
      Astrid

  3. Diese Geschichte habe ich auch im Fernsehen gesehen und fand sie so rührend. Wahre Liebe zwischen Mensch und Tier. Ich hätte heulen können vor Ergriffenheit.
    Liebe Grüße von Kerstin.

    • Astrid Berg sagt

      Ich war gerade mit meinem Mann auf Teneriffa und wir hatten nur ganz zufällig die Nachrichten angeschaltet. So erfuhr ich von dieser bewegenden Begebenheit und war total fasziniert. Es ist so unvorstellbar, aber doch wahr. Einfach toll, was dieser kleine Kerl jedes Jahr leistet, um bei seinem Retter und geliebten Menschen sein zu können. Besser kann ein Tier Liebe und Dankbarkeit gar nicht zeigen.
      LG
      Astrid

  4. Liebe Astrid,
    ach wie schön! Das nenne ich Liebe und Dankbarkeit. Das soll gar nicht so selten sein. Aber schön, dass Du uns diese schöne Geschichte aufgeschrieben hast. Liebe Grüße Eva

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Eva,
      ich hatte gerade meinen Bericht mit den Fotos über die Pinguine eingestellt und so war ich total hellhörig als ich zufällig auf Teneriffa in den Nachrichten von diesem kleinen Kerl hörte.
      Tiere sind schon faszinierende Geschöpfe und auch ohne unsere Sprache zu sprechen, zeigen sie uns Menschen unverkennbar ihre Liebe, Treue und Dankbarkeit. Und dafür lieben wir sie.
      LG
      Astrid

  5. Liebe Astrid,
    den Tatsachenbericht deiner Geschichte habe ich gelesen. Die Geschichte die du daraus gemacht hast, einfach wunderbar. So könnte es wirklich sein. Die Liebe, egal zu wem und zu was, kann riesig groß sein. Danke, dass du diese Geschichte so herrlich und herzlich umgesetzt hast. Ich habe mich meiner Tränen nicht geschämt.

    Wünsche dir einen schönen Tag, herzlichst Margot.

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Margot,
      eigentlich habe ich diese wahre Begebenheit durch Zufall erfahren. Wir waren nämlich zum Zeitpunkt des Bekanntwerdens gerade auf Teneriffa und hatten nur zufällig den Fernseher laufen. Just in diesem Moment brachten sie Nachrichten und den Bericht über den Pinguin und den Fischer. Mich hat das so sehr gerührt, dass ich einfach eine Geschichte daraus machen musste.
      LG
      Astrid

    • Astrid Berg sagt

      Ich fand die Begebenheit so rührend, da musste ich einfach eine Geschichte dazu schreiben. Schön, dass sie Dir gefallen hat.
      Ich freue mich auch weiterhin auf unsere gegenseitigen Besuche.
      LG
      Astrid

  6. Liebe Astrid,
    diese Geschichte ist so herzlich und berührend! Von diesen Geschichten braucht diese Welt mehr 🙂
    Hab einen schönen Abend und herzliche Grüße, die Emily

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Emily,
      ich bin mir sogar recht sicher, dass es von diesen rührenden Begebenheiten mehr gibt, als man so denkt. Gut, von der Liebe zwischen Pinguin und Mensch hatte ich zuvor noch nichts gehört oder gelesen, aber Katzen beispielsweise überwinden auch große Distanzen, um wieder bei Herrchen oder Frauchen zu sein.
      LG
      Astrid

  7. Liebe Astrid, ich mag Pinguine auch sehr. Ich finde vor allem ihren Gemeinschaftssinn einfach unglaublich toll. Eine sehr schöne Geschichte hast Du uns da erzählt. LG Tanja

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Tanja,
      während es meinen Mann in den verschiedenen Zoos der Welt immer zu den Affen hinzieht, schaue ich mir gerne die kleinen niedlichen Tiere an, wie zum Beispiel die Pinguine, die Erdmännchen, die Otter… So konnte ich mich auch im Jungle Park nur schwer von den Pinguinen und ihren Plantschspielen losreißen.
      Ich danke Dir für Deine treuen Besuche und schicke Dir
      LG
      Astrid

  8. Moin liebe Astrid,
    die mit dem Pinguin habe ich auch in den Nachrichten gesehen und war zu Tränen gerührt.
    Du hast eine wunderbare Geschichte drauß gemacht und auch jetzt bin ich wieder den Tränen nahe (bin halt nah am Wasser gebaut).

    Ich habe so etwas schön öfter gehört und gelesen. Katzen oder Hunde gehen viele Kilometer, auch wenn es Jahre dauert, um wieder nach Hause zu kommen.

    Ja es ist so, wer wirklich liebt… der kennt keine Entfernung.

    Liebe Grüße
    Biggi

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Biggi,
      da scheint es Dir so zu gehen wie mir. Ich bin auch bei jeder rührseligen Geschichte sehr nahe am Wasser gebaut.
      Ich finde es so wunderschön, wie doch auch Tiere ihren Menschen die Liebe und Treue zeigen können. Ich merke das auch bei unserer Katze, die immer auf uns wartet und sobald sich unser Auto nähert, sofort angerannt kommt. Im Moment weicht sie wieder einmal nicht von unserer Seite, weil wir ja durch unseren Urlaub längere Zeit nicht da waren. Ach, ist das schön, so treue Tierchen zu haben 🙂
      LG
      Astrid

  9. Christine R. sagt

    Liebe Astrid,
    das ist wirklich eine wunderschöne, rührende Geschichte von einer ganz großen Liebe. Vielen Dank dafür
    Ich mag Pinguine sehr und sehe mir gerne Fernsehberichte über sie an. Schon alleine wenn sie so herumwatscheln, könnte ich stundenlang zuschauen …
    Ich wünsche Dir und Deiner Familie ein schönes, sonniges Wochenende und viele bunte Eier.
    Liebe Grüße
    Christine

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Christine,
      auch ich mag diese putzigen kleinen Kerlchen. Sie beim Plantschen zu beobachten hat mir sehr viel Spaß gemacht. Sie wirken im Wasser so ganz anders als an Land. Naja, das Wasser ist eben ihr Element.
      Ich wünsche Dir ein schönes Osterfest und schicke Dir liebe Ostergrüße
      Astrid

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