Kurzgeschichten, Professor Konfusi-Geschichten
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Ärger mit dem verflixten kleinen Ding

Professor Konfusi ist auf dem Weg zu einem Freund. Sie kennen sich schon seit vielen Jahrzehnten. Obwohl das Leben sie in verschiedene Richtungen geschickt hat, sowohl beruflich als auch geografisch gesehen, haben sie sich nie aus den Augen verloren. Sie hegen zwar einen lockeren, aber regelmäßigen Kontakt.

Heute hat sein Freund Uli, der nach Asien unterwegs ist, eine Zwischenlandung und einen vierstündigen Aufenthalt am Flughafen. Selbstverständlich nutzen sie diese seltene Gelegenheit für ein Treffen, auch wenn es für Professor Konfusi eine Anreise von einer Zugstunde bedeutet.
„Du solltest dein Handy mitnehmen“, schlägt Frau Konfusi am Vorabend vor.
„Muss das sein? Du weißt doch, dass ich mit diesem Ding auf Kriegsfuß stehe“, erklärt er ihr.
„Und was machst du, wenn dein Zug Verspätung hat und du mit Uli Kontakt aufnehmen willst?“, versucht Frau Konfusi ihrem Gatten die Notwendigkeit der Mitnahme zu verdeutlichen.
„Na gut, du hast wie immer recht, man kann ja nie wissen, wie man es gebrauchen kann. Allerdings muss ich mein Handy erst einmal suchen. Ich weiß gar nicht mehr, wo ich es hingelegt habe.“
Professor Konfusi verschwindet in seinem Arbeitszimmer und sucht verzweifelt sein Handy. Nach über einer halben Stunde erscheint er freudestrahlend und verkündet, dass er es im Aktenschrank in der hintersten Ecke gefunden hat.
„Der Akku ist leer, aber das Aufladekabel ist spurlos verschwunden“, gesteht er seiner Frau und hofft insgeheim das leidige Thema damit beendet zu haben. Doch er hat nicht mit Raffinesse seiner Frau gerechnet.
„Na, dann nimm dieses hier, das passt auch“, lässt Frau Konfusi den Versuch einer Ausrede nicht gelten und reicht ihm ihr Aufladekabel.
So verlässt Professor Konfusi bewaffnet mit seinem alten Handy in der Jackentasche am nächsten Morgen das Haus, um mit dem Taxi zum Bahnhof zu fahren.
Kaum ist der ältere Herr mit dem Taxi um die Ecke gebogen, entdeckt Frau Konfusi auf dem Gaderobenschrank in der Diele einen Zettel mit der Handynummer von Uli.
„Verflixt“, denkt sie. „Wie ich meinen Göttergatten kenne, hat er doch bestimmt die Nummer nicht in seinem Handy abgespeichert.“
Frau Konfusi greift zu ihrem Handy und ruft ihren Mann an.
„Ich könnte wetten, dass er nicht ran geht“, überlegt sie und muss sich auch schon sehr bald eingestehen, dass sie diese Wette gewonnen hätte.
Eineinhalb Stunden später klingelt ihr Handy und das Display zeigt den Namen ihres Mannes an.
„Hallo mein Schatz. Ich habe die Telefonnummer von Uli überhaupt nicht. Kannst du sie mir mal durchgeben. Wahrscheinlich liegt der Zettel noch irgendwo rum.“
„Hast du sie denn nicht abgespeichert?“
„Das ist mir zu umständlich gewesen. Wenn du den Zettel findest, dann schick mir einfach eine Sms.“
„Das habe ich schon längst gemacht, nachdem ich dich vergeblich versucht habe zu erreichen.“
„Ach, das habe ich gar nicht gehört und die Sms habe ich auch noch nicht gelesen. Ich schau gleich mal nach.“
Kaum ist das Gespräch beendet, klingelt das Handy von Frau Konfusi wieder und zeigt den Namen ihres Gatten an. Sie nimmt das Gespräch sofort an, kann aber nur sehr seltsame Geräusche vernehmen.
„Hallo?!“, ruft sie fragend.
„Krrkrrrkrr!“, sind die einzigen Laute, die sie hört.
Immer wieder nur:
„Krrkrrrkrr!“
Und wieder:
„Krrkrrrkrr!“
Aus Erfahrung weiß Frau Konfusi diese Geräusche jedoch zu deuten.
„Typisch“, denkt sie. „Er telefoniert schon wieder aus der Hosentasche. Keine Ahnung, wie er das anstellt, aber wenn er ein Gespräch beendet hat und das Handy wieder in die Jacken- oder Hosentasche steckt, erfolgt ein erneuter Anruf.“
Professor Konfusi allerdings ist überrascht als er sein Handy aus der Tasche zieht und die Telefonnummer seiner Frau sieht.
„Hast du angerufen?“, erkundigt er sich sofort bei einem Rückruf.
„Ich, nein du!“, lautet die Antwort seiner Frau.
„Ich hasse diese Handys“, verteidigt er sich. „Sie machen nie das, was ich will, sondern verselbständigen sich immer irgendwie. Ich glaube ganz sicher, dass sie ein Eigenleben führen.“
Nachdem er mit seinem Freund Uli telefoniert und einen Treffpunkt vereinbart hat, ist für den älteren Herrn das Handy eindeutig unnötig. Also überlegt er sich das verhasste kleine Ding in seinen kleinen Trolley zu verbannen. Dabei kommt er scheinbar mit dem Finger auf eine der Funktionen, denn plötzlich meldet sich Siri zu Wort:
„Wie kann ich behilflich sein?“, erkundigt sie sich.
„Gar nicht!“, entfährt es Professor Konfusi leicht verärgert.
„Habe ich richtig verstanden? Du sagtest: ‚Gar nicht!?‘“
Der ältere Herr lässt seinen Zeigefinger erfolglos über das Display gleiten, entscheidet sich dann jedoch das Handy kurzerhand auszuschalten, damit Siri endlich verstummt.
Jetzt hat er allerdings ein Problem, denn um das nervende Gerät wieder einzuschalten, benötigt er seine PIN.
„Meine Frau wüsste jetzt die notwendige Ziffernfolge, aber sie ist ja nicht hier. Ich kann und will mir diese Zahlenkombinationen nicht merken. Es gibt wichtigere Dinge, mit denen sich mein Gehirn beschäftigen kann“, sagt er im Stillen zu sich selbst.
Zum Glück fällt ihm ein, dass in seiner Geldbörse ein kleiner Zettel sein muss, auf dem er irgendwann einmal vor längerer Zeit diese benötigte Nummer notiert hat. Den Zettel findet er auch, allerdings sind die Zahlen kaum noch erkennbar.
„Ist das jetzt eine 3 oder eine 8? Oder vielleicht doch eine 9?“ Professor Konfusi versucht sich zu erinnern. „Eine 6 könnte es natürlich auch sein.“
Am liebsten würde Professor Konfusi das verflixte Ding in die Ecke schmeißen, aber er hat seiner Frau versprochen, das Handy angeschaltet zu lassen. Er weiß, dass er jetzt nur drei Versuche hat, dann hat er die Möglichkeiten verspielt, dieses Telefon wieder in Gang zu setzen. Seine Super PIN kennt er nämlich erst recht nicht. So versucht er sein Glück und tatsächlich beim letzten Versuch klappt es und das Handy ist wieder nutzbar. Aufatmend steckt er es in seine Manteltasche.
„Diese Dinger taugen einfach nichts. Man hat nur Ärger mit ihnen. Früher hatte wir so etwas auch nicht und sind dabei ganz gut über die Runden gekommen“, sagt er später zu Uli. Doch sein Freund kann ihn diesbezüglich gar nicht verstehen. Er besitzt das modernste und wohl auch teuerste Handy, das zur Zeit auf dem Markt ist und ist ein absoluter Fan der modernen Medien und Kommunikationsmittel.
„Ich möchte nicht mehr darauf verzichten. Mit diesem kleinen Gerät bin ich immer und nahezu überall erreichbar und kann mit der Welt kommunizieren. Das ist doch fantastisch“, schwärmt er Professor Konfusi vor.
Die beiden Freunde verleben ein paar wirklich nette Stunden miteinander, ehe sie sich wieder trennen müssen und jeder seines Weges geht. Während der eine in seinen Flieger steigt, das Land verlässt und in die große weite Welt reist, eilt der andere zum Zug, um wieder nach Hause zu fahren.
„Wir bleiben in Verbindung!“, ruft Uli noch zum Abschied und hält sein Handy hoch.
„Siehst du“, sagt seine Frau am Abend, „dein Freund ist viel fortschrittlicher als du. Vielleicht solltest du dir doch angewöhnen dein Handy immer dabei zu haben. Nur anschalten und aufladen musst du es eben auch.“
„Naja“ zuckt Professor Konfusi mit den Schultern. „Es gibt Dinge, die sind mir irgendwie sympathischer als ein Handy.“
„Ach, so ein Teufelswerkzeug ist es nun auch wieder nicht. Gib es doch gleich mal her, damit ich es für dich aufladen kann“, schlägt sie ihm vor.
Jetzt beginnt Professor Konfusi seine Taschen zu durchsuchen. Weder in seiner Hosen-, noch in seiner Jackentasche steckt das Handy. Auch im Trolley liegt es nicht.
„Überleg doch mal genau, wann du es zuletzt hattest“, versucht Frau Konfusi ihren Mann auf die Sprünge zu helfen.
„Mmmh?! Ich glaube, als du mich angerufen hast und mich gefragt hast, ob ich bald zu Hause bin.“
„Aber da standest du doch schon direkt vor dem Haus. Dann kann es ja nicht weit sein.“
„Oh, oh!“, entfährt es Professor Konfusi. Er schlägt sich erst gegen die Stirn und dann presst er entsetzt die Hand auf seinen Mund.
„Was ist los?“, will jetzt seine Frau wissen.
„Ich fürchte, mein Handy geht gerade auf Reisen.“
Weil er den verständnislosen Blick seiner Frau sieht, fügt er erklärend hinzu:
„Als du mich angerufen hast, bin ich gerade aus dem Taxi gestiegen.“
Seine Frau nickt bestätigend.
„Ich musste nur noch bezahlen. Und damit ich die Hand frei hatte, um das Geld aus meinem Portemonnaie zu holen, haben wir das Gespräch beendet.“
„Und du hast das Handy schnell in deine Jackentasche gesteckt“, schlussfolgert seine Gattin.„Mmh, naja, so was Ähnliches. Allerdings glaube ich, dass sich die Sache mit dem Handy jetzt wohl endgültig erledigt hat.“
Still und leise grinst er vor sich hin.
„Jetzt sag nicht, dass es im Taxi liegt!?“, befürchtet seine Frau.
„Nein, nein!“, widerspricht Professor Konfusi sofort, fügt allerdings noch ein Geständnis hinzu:
„Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass ich das verflixte Ding auf das Autodach gelegt habe….“

 

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4 Kommentare

  1. Das kommt davon, wenn man so verwöhnt wird und deine Geschichten frei Haus bekommt. Deshalb muss ich doch mal zu dir kommen und danke sagen . Weißt du, dass ich gerade Professor Konfusi ins Herz geschlossen habe. Er bringt mich immer zum Schmunzeln. Und wenn ich schon da bin, will ich auch gleich die Fotos zu den einzelnen Geschichten betrachten.
    Und natürlich wünsche ich dir ein wunderschönes Wochenende. Herzliche Grüße, Lore

    • Astrid Berg sagt

      Schön, dass Du Dich bei mir wieder einmal meldest. Ich habe Dich schon richtig vermisst und mich gefragt, ob es Dir gut geht.
      Ich muss gestehen, ich finde Professor Konfusi auch richtig nett. Er ist so menschlich, kein bisschen überheblich oder eingebildet, ihm passieren immer kleine Missgeschicke und obendrein ist er sooo hilfsbereit. Einfach ein sympathischer Typ 😉 .
      Ich wünsche Dir eine gute Nacht und einen nicht ganz so eisigen Dienstag (im Moment sind es bei uns -13 Grad).
      LG
      Astrid

  2. Liebe Astrid, ich schicke Dir liebe Grüße zum Ende eines schönen Winterwochenendes.
    Das Ablegen aufs Autodach, kann fatale Folgen haben.
    Ich sah auf dem Parkplatz vor einem großen Einkaufszentrum auch etwas auf dem Autodach liegen und sah es beim Anfahren runterfallen. Ich hob es auf und das war eine große, dicke Geldbörse, die vollgepackt mit Autopapieren und mit viel Geld. Ich gab alles beim Service- point ab, hinterließ meine Adresse und nicht einmal ein Dankeschön kam danach .
    Deine Geschichte ließt sich wieder super.
    Alles Gute, tschüssi Brigitte.

    • Astrid Berg sagt

      Da hat derjenige, der seine Geldbörse auf dem Autodach vergessen hat, wirklich Glück im Unglück gehabt. Wer weiß, ob er sie wieder bekommen hätte, wenn Du nicht zufällig alles beobachtet hättest. Aber Danke hätte er schon sagen können, das gehört sich doch.
      Ich schicke liebe Grüße aus dem kalten Cottbus (-13 Grad) ins sicherlich ebenso kalte Berlin und wünsche Euch eine angenehme Nacht.
      Astrid

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