Weihnachten & Ostern
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Klein Astrid und der Osterhase

Bald ist Ostern! Und was ist schöner, als sich als Erwachsener an ein Ostererlebnis aus der eigenen Kindheit zu erinnern?!
Wie jedes kleine Kind, war auch ich ein ganz großer Fan vom Osterhasen. Besonders sein Versteckspiel bereitete mir sehr große Freude. Ich muss sagen, dass ich anscheinend auch sehr gut im Suchen und Finden, der von ihm versteckten Ostereier war. Jedenfalls laut der Erzählung meiner Mutter.
Ich selbst kann mich nur noch schemenhaft an den Garten erinnern, in dem die große Sucherei stattgefunden hat und an die große Dogge, auf der ich angeblich als kleines Kind öfters geritten bin. Bilder erwachen in meinem Kopf, die allerdings meines Erachtens von den Erzählungen meiner Mutter geprägt sind.
Ich muss so um die zwei Jahre alt gewesen sein, als sich die besagte große Ostereiersuche ereignete.
Wir wohnten direkt neben einem Sägewerk und spielten häufig in einem großen Haufen Sägemehl. Heute stelle ich mir diese Sache sehr kratzig vor, damals hat uns Kinder das anscheinend nichts ausgemacht. Wir waren ungefähr zehn Kinder, wobei sich der harte Kern auf vier bis sechs belief. Die anderen waren schon etwas älter und gesellten sich nicht immer zu uns. Wir steckten Tag für Tag zusammen und verlebten eine herrliche Kindheit, die mich immer wieder an Astrid Lindgrens „Bullerbü“ erinnert.
Falls ihr jetzt denkt, wir hätten die Ostereier im Sägemehl gesucht, so irrt ihr. Unser Osterhase war anscheinend sehr konservativ und hat sie im Garten versteckt. Und zwar in einem großen Garten in der unmittelbaren Nachbarschaft. Wir Kinder waren alle zur gemeinsamen Ostereiersuche eingeladen.
„Na Astrid, kommst du mit zu uns?“, fragte mich die Nachbarin. „Der Osterhase hat nämlich viele bunte Eier bei uns im Garten für dich und die anderen Kinder versteckt. Alle kommen mit.“
Und so legte ich vertrauensvoll meine Hand in die Hand der Nachbarin und marschierte fröhlich mit ihr los. Meine Mutter gab mir noch ein kleines Körbchen mit, damit ich meine Fundstücke hineinlegen konnte.
Der Garten war groß und meine Adleraugen auch. Ich startete sofort meine Suche nach den bunten Ostereiern, die der Osterhase extra für mich versteckt hatte. Es ging mir sicherlich nicht darum, die Eier auch zu verspeisen, denn ich war das, was man allgemein eine schlechte Esserin nennt. Nein, es ging mir darum die versteckten Eier zu finden. Und ich kann Euch schon an dieser Stelle verraten, dass ich in diesem Handwerk anscheinend richtig gut war. Ich flitzte auf meinen kleinen Füsschen und in meinem hübschen Sonntagskleidchen kreuz und quer durch den Garten. Voller Freude verkündete ich immer wieder:
„Ich hab ein Osterei gefunden!“
Im Nachhinein vermute ich, dass meine geringe Körpergröße mir damals sehr zu Gunsten kam. Ich war relativ nahe am Boden und ähnlich wie bei schnuffelnden Hunden entdeckte ich auch das noch so geheimnisvolle Versteck. Vielleicht war ja auch der Osterhase beim Verstecken der Eier nicht so sehr erfinderisch. Aber das war mir ziemlich egal. Mir machte auf jeden Fall die Ostereiersuche einen riesigen Spaß und so lief ich mal da hin und mal dort hin und stellte lachend fest, dass der Garten voller schöner bunter Ostereier war. Die Erwachsenen freuten sich mit mir über meine detektivische Ader beim Aufstöbern der Osternester. Ich glaube jedoch, dass die anderen Kinder nicht ganz so begeistert waren von meinen tollen Fähigkeiten die Verstecke des Osterhasens aufzuspüren. Ich fand nämlich die Eier immer schon vor ihnen und hüpfte sozusagen von einem Osterei zum nächsten.
Bestimmt haben sie nicht gerade hocherfreut gedacht oder auch gesagt:
„Immer findet Astrid die Ostereier!“
Längst war mein Körbchen schon voll und ich konnte es nicht mehr tragen. Zu meiner Verteidigung muss ich eingestehen, dass es sich ja auch tatsächlich nur um ein sehr kleines Körbchen handelte. Zu klein für alle meine Schätze. Die Erwachsenen mussten mir inzwischen schon helfen und legten alle von mir gefundenen Eier in einen großen Korb. So kam, was kommen musste:
Am Ende des Ostereiersuchvormittags brachte mich die Nachbarin mit meinem Körbchen wieder nach Hause. Sie selbst trug einen großen Korb mit mehr als dreißig bunten Eiern.
„Astrid war sehr fleißig“, sagte sie lächelnd zu meiner Mutter, die die Hände über dem Kopf zusammen schlug, als sie die Anzahl der Eier sah.
„Wir mussten immer wieder Eier verstecken, damit auch die anderen Kinder noch Ostereier suchen und finden konnten. Astrid war so schnell, sie hat die versteckten Eier immer wieder aufgestöbert. Es hat ihr einen riesigen Spaß gemacht“, erklärte sie meiner erstaunten Mutter. „Und auch wir haben uns über ihren Eifer mächtig gefreut.“
Meine Mutter sah mit gemischten Gefühlen zu mir. Einerseits war sie mächtig stolz auf ihr kleines Mädchen, das mit hochroten Wangen und glücklich strahlend vor ihr stand, andererseits hatte sie ein schlechtes Gewissen den anderen Kindern gegenüber.
„Alle gefunden!“, lachte ich und hüpfte aufgeregt um den großen Korb herum.
„Machen Sie sich mal keine Gedanken“, beruhigte die Nachbarin meine Mutter. „Wir haben schon dafür gesorgt, dass niemand leer ausgegangen ist und alle Kinder glücklich sind.“
Tja und so hatten wir an diesem Osterfest eine Unmenge von roten, grünen, gelben, blauen und orangen Ostereiern auf unserem Wohnzimmertisch liegen. Ich habe keine Ahnung wie meine Eltern diese Anzahl von gekochten Eiern bewältigt haben. Ich bin mir nämlich ziemlich sicher, dass ich vielleicht nur ein oder aller höchstens zwei Ostereier verspeist habe. Wenn überhaupt. Bestimmt haben sie viele der bunten Eier wieder an meine kleinen Freunde verschenkt. Aber das war mir sicherlich auch ganz egal, denn ich hatte meinen Spaß beim Suchen und Finden gehabt und das war für mich als kleines Mädchen die Hauptsache.
„Dieses Ostern werde ich nie vergessen“, sagt meine Mutter immer, wenn sie mir davon erzählt. Auch ich werde dieses Osterfest nie vergessen und bin froh, dass meine Mutter mir diese Geschichte aus meiner Kindheit berichtet hat, denn nur so konnte ich sie mir gedanklich ausmalen und in meinem Kopf fest verankern.
Ob der Osterhase sich geärgert hat, dass ich alle seine Verstecke so schnell gefunden habe? Bestimmt hat er sich mit mir gefreut! Das glaube ich ganz fest. Und bestimmt hat auch der Osterhase dieses einmalige Osterfest nie vergessen.

 

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14 Kommentare

  1. Wir hatten auch einen Garten, in dem meine Mutti Eier versteckte. Mit meiner Oma ging es auch in den Wald. Sie lief ein paar Schritte voraus und versteckte Süßigkeiten. Wir fanden sie und haben uns gefreut. Der Osterhase hat eben auch im Wald Eier verloren 🙂
    Liebe Grüße von Kerstin.

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Kerstin,
      ich habe sicherlich auch im Garten meines Opas Ostereier gesucht und später in unserem eigenen Garten, aber irgendwie ist nur diese Geschichte „überliefert“ worden. Ich konnte auch bisher kein Foto finden, das mich beim Ostereiersuchen zeigt. Ich muss noch einmal stöbern.
      Ich schicke Dir liebe Dienstagsgrüße und hoffe, dass bei Euch das Wetter heute nicht so trüb ist wie bei uns. Wir haben nämlich richtiges Aprilwetter heute.
      Astrid

  2. Liebe Astrid,
    das ist eine ganz entzückende Geschichte. Das sind Erlebniss, die man nicht vergisst.
    Ich werde in der Osterwoche auch eine Geschichte zum Besten geben – aber die ist etwas anders.
    Einen stressfreien Restdienstag wünscht Dir
    Irmi

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Irmi,
      eigentlich hat meine Mutter dieses Erlebnis nicht vergessen und mir immer wieder erzählt. Damit ging es auch in meinen Erinnerungsschatz über und Bilder entstanden in meinem Kopf. Die eigene Erinnerung reicht dann doch nicht ganz so weit zurück, bzw. ich weiß eigentlich nicht mehr, was eigene und erzählte Erinnerung ist. Es hat sich in meinem Kopf alles vermischt und ist somit sozusagen zu meiner Erinnerung geworden. Kompliziert 🙂 , aber ich glaube, das kennt jeder. 🙂
      LG
      Astrid

  3. Oh ja, ganz sicher ist es auch dem Osterhasen noch in Erinnerung :-)! Ich muss mal in meinen Erinnerungen kramen, vielleicht fällt mir zu dem Thema ja auch noch etwas ein. – Im Moment erinnere ich mich, dass ich einmal ein Osterei auf dem Scheibenwischer des Autos fand und meinen Vater ziemlich fragend ansah: „Wie kommt das denn dahin?“ – Er wusste gleich eine Antwort: „Das ist dem Osterhasen bestimmt aus dem Körbchen gefallen, als er über die Motorhaube gesprungen ist!“ – und dann hat er laut gelacht. Ich höre es jetzt noch! 🙂 LG Martina

    • Astrid Berg sagt

      Das ist ja mal ein witziges Versteck für ein Osterei. Sollte etwa Dein Vater etwas geflunkert haben und der Osterhase ist in Wahrheit mit dem Auto angereist?! Immerhin hat er auch immer viele Eier zu transportieren und in einem größeren Umkreis zu verteilen, da bietet sich ein Auto schon als Transportmittel an, oder? 🙂
      Liebe lachende Grüße
      Astrid

  4. Liebe Astrid,
    im Garten meiner Oma ist der Osterhase auch immer herumgehoppelt und hat die Eier versteckt. Sie waren alle nur für mich gedacht, und meine Sorge war, ich könnte eins übersehen haben.

    Liebe Grüße
    Traudi

    • Astrid Berg sagt

      Bestimmt hast Du den Garten gründlich durchsucht und kein einziges Osterei übersehen. Ich denke auch, dass Dein Großvater alles gut überwacht hat. Also mach Dir mal keine Gedanken 🙂 .
      Liebe Grüße zur guten Nacht
      Astrid

  5. Liebe Astrid, sei herzlich gegrüßt.
    Es war immer schön, zu Hause oder im Wald, Ostereier zu suchen.
    Wir hatten Schulwandertag und Ostern war nah. Also wurden für uns Schüler der 5. Klasse, von meiner Mutter und dem Lehrer, Ostereier auf einer Waldwiese versteckt. Es waren gleich große und bunt bemalte, mit Süßigkeiten befüllte, Papp- Ostereier.
    Alle Schüler suchten freudig und fanden jeder ein Osterei.
    Nur meine Freundin fand keins und war sehr traurig.
    Also suchten nochmals alle Schüler, aber man fand kein Osterei. So viel wir auch nachdachten, wir wußten nicht mehr, wo wir suchen sollten.
    Meine Freundin bekam natürlich von jedem der Schüler etwas und hatte dann auch ihr „Osterei“. Ich schenkte ihr noch mein Papp-Osterei. So konnte sie sich auch freuen und ging nicht leer aus.
    Noch einen schönen Tag wünscht Brigitte.

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Brigitte,
      ich danke Dir für die Geschichte, die Du in Deinem Kommentar erzählst. Ich freue mich jedes Mal über Deine tollen Kommentare, denn sie sind immer mitten aus dem Leben gegriffen.
      Ich kann mir die Enttäuschung Deiner Freundin vorstellen und es war sehr nett von Euch Mitschülern, dass ihr alle etwas abgegeben habt und Du ihr auch noch Dein Pappei geschenkt hast. Da muss sich wohl der Osterhase verzählt haben.
      Man sieht wieder einmal, dass solche Erlebnisse im Gedächtnis bleiben. Bestimmt kann sich Deine Freundin auch noch daran erinnern.
      Ich schicke Dir ganz liebe Grüße und wünsche Dir einen schönen Freitag
      Astrid

  6. Liebe Astrid,

    ach wie schön Du uns diese Geschichte erzählt hast. Ich finde solche wahren aus dem Leben gegriffenen Geschichten berühren einen doch immer sehr. Ich habe es auch geliebt Ostereier zu suchen, ob bei meiner Oma im Garten oder bei uns Zuhause. Es ist eine wunderbare Kindheitserinnerung die Dich immer begleiten wird. Ich wünsche Dir einen schönen Abend.

    Herzliche Grüße
    Kerstin

    • Astrid Berg sagt

      Hallo liebe Kerstin,
      ich finde es immer wieder schön, dass meine Geschichten auch bei Euch Erinnerungen hervorrufen. Erinnerungen sind ein großer Schatz, die uns manche Situationen und Ereignisse noch einmal vergegenwärtigen und uns diese noch einmal erleben lassen. Vielleicht helfen sie uns auch die Gegenwart bewusster wahrzunehmen, denn unsere Gegenwart ist unsere Erinnerung von morgen.
      Ich wünsche Dir einen schönen Freitag und ein angenehmes Wochenende
      Astrid

  7. Eine wunderbarer Geschichte welche sich bei mir
    in der Kindheit ähnlich abgespielt hat ,aber sooo….
    viele Eier gab es bei uns nicht :-))

    Ich wünsche dir und all deinen Lieben
    ganz frohe Ostern !
    Herzlich grüsst dich
    Margrit

    • Astrid Berg sagt

      Wenn ich alleine Ostereier gesucht habe, zum Beispiel bei meinem Opa im Garten, dann gab es selbstverständlich auch nicht so viele Eier. Aber damals, als sich diese Geschichte ereignete, waren wir ja viele Kinder, die der Osterhase beschenkte. Ich hatte allerdings eine Antenne dafür, wo sie versteckt waren. 🙂
      Liebe Grüße zum Feierabend
      Astrid

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