Kurzgeschichten, Professor Konfusi-Geschichten
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Oma Schmidt braucht Hilfe

Oma Schmidt ist nun schon eine recht betagte Dame und sie wohnt im Erdgeschoss der Villa, in der auch Professor Konfusi mit seiner Frau lebt. Bestimmt erinnert Ihr Euch. Frau Konfusi schaut immer ein bisschen nach dem Rechten bei ihr und der Professor ist auch jederzeit gerne bereit ihr zu helfen. Abgesehen von ihrer Arthrose im Knie, ist die alte Dame noch recht fit, auch wenn ihr Knie bei jedem Schritt schmerzt.
Da gleich um die Ecke ein kleiner Supermarkt ist, kann sie auch ihre Einkäufe noch weitestgehend alleine erledigen. Es dauert eben alles ein bisschen länger und auf dem Weg zum Geschäft muss sie auch mehrmals stehen bleiben, um zu verschnaufen und ihrem Knie eine kleine Erholungspause zu gönnen. Aber sie möchte niemand zur Last fallen und so beißt sie die Zähne zusammen und marschiert auch heute los.
Draußen ist es kalt, aber trocken und nicht glatt. In ihrer neuen mit Fell gefütterten Jacke ist sie warm angezogen und auch ihre Winterstiefel schenken ihren Füßen eine wohlige Wärme. Sie zieht einen Einkaufstrolly hinter sich her, in den sie dann ihre Errungenschaften packen kann. Viel braucht sie ja nicht, aber einen Liter Milch will sie mitnehmen. Als sie vor dem Kühlregal steht, überlegt sie kurz, ob sie die Flasche oder den Tetrapack wählen soll.
„Ach, war das doch früher in meiner Kindheit so schön“, überlegt Oma Schmidt, „da hat man die Milch noch in der Milchkanne geholt. Außerdem gab es keinen Verschluss, mit dem man erst kämpfen musste, bevor man ein Glas Milch trinken konnte.“
Die alte Dame entscheidet sich dann zwei Liter Milch zu kaufen, einmal in der Flasche und einen Liter im Tetrapack.
Brot braucht sie noch und ein kleines Glas Gurken und ein Glas Marmelade, ein Päckchen Käse und Kaffee. Kurz vor der Kasse fällt ihr Blick auf ein Scherenset, bestehend aus einer großen Schere und zwei kleineren. Es ist ein Sonderangebot und obendrein kann man mit der größeren Schere angeblich auch noch den Drehverschluss von Wasserflaschen öffnen.
„Das ist echt praktisch und sieht auf den aufgedruckten Bildern kinderleicht aus“, denkt sie sich und greift sogleich danach, um es in ihren Einkaufswagen zu legen.
„Guten Tag, Frau Schmidt!“, grüßt die nette Verkäuferin an der Kasse, die Oma Schmidt schon seit vielen Jahren kennt. „Haben Sie gesehen, heute gibt es auch Salatgurken und Tomaten im Angebot.“
„Ach ja“, meint Oma Schmidt. „Auf einen leckeren Gurkensalat hätte ich schon Appetit. Ja, das mache ich mir heute.“
So marschiert Oma Schmidt mit ihren Einkäufen wieder nach Hause. Dort angekommen, trifft sie mit Marco zusammen, der ihr den Einkaufstrolly abnimmt und vor die Wohnungstür stellt.
„Danke Marco, früher haben mir die drei Stufen bis zu meiner Wohnung keine Probleme bereitet, aber inzwischen ist alles beschwerlich geworden.“
„Mach ich doch gerne! Tschüss, ich hab ganz viele Hausaufgaben auf und muss nachher noch zum Fußball!“, ruft der Junge ihr zu und stürmt die weiteren Treppenstufen hoch.
Jetzt will Oma Schmidt sich den Gurkensalat machen. Doch als sie die Salatgurke in die Hand nimmt, sieht sie, dass diese tatsächlich in eine Folie eingeschweißt ist. Sie zupft an dieser Ecke und an jener Ecke, aber die Folie umschließt die Gurke so fest, dass sie mit ihren alten zittrigen Fingern keine Chance hat diese zu entfernen. Verärgert legt sie die Gurke zur Seite und beschließt sich einen Pudding zu kochen. Sie stellt die Milchflasche vorsichtig auf den Tisch und versucht den Schraubverschluss zu öffnen.
„Ich hab überhaupt keine Kraft mehr“, ärgert sie sich nun über sich selbst. Aber zum Glück hat sie ja noch die Milch im Tetrapack.
„Da brauche ich nur die Lasche zu ziehen“, sagt sie zu sich selbst. „Verflixt!“, ruft sie aus, als sie die Lasche abreißt und die Milch auf dem Tisch verschüttet.
Aber immerhin kann sie sich jetzt einen Pudding kochen. Sogar ein bisschen Schlagsahne kann sie sich dazu machen, denn im Schrank hat sie noch einen kleinen Tetrapack mit Schlagsahne stehen. Diesen muss sie nur noch öffnen.
„Dafür kann ich jetzt eine meiner neuen Schere benutzen“, überlegt sie, greift in ihren Einkaufstrolly und zieht eine durchsichtige Plastikverpackung heraus. Die alte Dame dreht und wendet die Verpackung, kann aber nirgends eine Lasche zum Öffnen finden.
„Wie soll ich denn dieses Ding auf bekommen?“, fragt sie sich verwundert.

Genau in diesem Moment klingelt es an ihrer Haustür. Herr und Frau Konfusi stehen davor.
„Wir wollen gerade zum Metzger fahren und wollten nur fragen, ob wir Ihnen vielleicht Würstchen mitbringen sollen“, erkundigt sich Frau Konfusi.
„Gut, dass Sie kommen, ich bin gerade am Verzweifeln“, entgegnet Oma Schmidt ohne auf die Frage von Frau Konfusi einzugehen.
„Nur ruhig Blut! Was gibt es denn für ein Problem? Vielleicht können wir Ihnen ja helfen“, meint Professor Konfusi in seiner ruhigen Art.
„Ich werde noch verrückt mit diesen ganzen Verpackungen“, stöhnt Oma Schmidt. Alles ist immer irgendwie eingeschweißt oder man muss an einer Lasche ziehen, die zwar abreißt, aber trotzdem die Packung nicht öffnet oder durch den Ruck alles verschüttet geht. Sogar Salatgurken verpacken sie neuerdings in Plastik und man ist schon verhungert, bevor man diese überhaupt entfernen kann.“
Oma Schmidt ist mehr als nur verärgert, aber Herr und Frau Konfusi kommen nun in die Wohnung und können die alte Dame auch beruhigen. Nach und nach erzählt sie, womit sie sich gerade abquält.
„Das ist ja wohl ein Witz“, wundert sich Professor Konfusi als er die Plastikverpackung mit den Scheren in der Hand hält. „Man kauft Scheren, doch bevor man sie benutzen kann, muss man eine Schere haben, um sie aus der Verpackung zu bekommen. Wer hat sich denn so etwas einfallen lassen?“
„Alles ist neuerdings so verpackt, dass man erst eine Anleitung oder ein anderes Hilfsmittel braucht, um es zu öffnen. Und wenn man es dann doch irgendwie auf bekommt, hat man die Hälfte vom Inhalt verschüttet. Kann man die Verpackungen nicht so machen, dass jeder damit zurecht kommt? Auch alte Leute!“, schüttelt Oma Schmidt den Kopf und kramt in einer ihrer Schubladen. Zum Glück findet sie dort noch ihre alte Schere. Nachdem Professor Konfusi damit die Scherenverpackung zerschnitten hat, öffnet sie mit Hilfe einer neuen Schere den Schlagsahne-Tetrapack.
„Dankeschön“, freut sich Oma Schmidt. „Was würde ich nur ohne Sie machen?! Vielleicht könnten Sie mir noch das Marmeladen- und das Gurkenglas öffnen. Mir fehlt die Kraft dazu.“
„Nichts zu danken!“, sagt Professor Konfusi und dreht die beiden Gläser auf. „Aber sagen Sie, Oma Schmidt: Wenn Sie so leckere Schlagsahne machen, sollen wir nachher nicht Kuchen mitbringen?“
„Ach“, fällt der alten Dame ein. „Ich habe doch gestern einen Apfelstreuselkuchen gebacken. Ziehen Sie doch Ihre Jacken aus und nehmen Sie Platz. Wir trinken jetzt erst einmal ein Tässchen Kaffee und essen ein Stück Kuchen.“
„Das ist eine gute Idee!“, sagen Herr und Frau Konfusi fast wie aus einem Munde.
Frau Konfusi deckt den Tisch, Oma Schmidt schlägt die Sahne und holt den Kuchen. Erst als die beiden Frauen Platz nehmen, fällt ihnen auf, dass Professor Konfusi immer noch in der einen Ecke der Küche steht.
„Willst du dich denn nicht hinsetzen?“, fragt Frau Konfusi ihren Mann.
„Ja schon“, entgegnet er verzweifelt und zieht und zerrt an dem Reißverschluss seiner Jacke. „Ich komme nur nicht aus meiner Verpackung heraus.“

Diese Geschichte verlinke ich mit Traudes Aktion ANL: http://rostrose.blogspot.de

 

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14 Kommentare

  1. Liebe Astrid,
    ich bin zwar noch keine alte Oma, aber mit manchen Verpackungen stehe ich auch auf Kriegsfuß. Da muss meine Bessere Hälfte schon mal ein Glas oder die Sprudelflasche öffnen. Außerdem ist es fast unmöglich, das kleine Döschen Kondensmilch oder die Tetrapack-Milch zu öffnen, ohne dass einige Tropfen daneben gehen. Da kann man noch so aufpassen. Oft denke ich dabei an alte Leutchen, die damit wirklich Probleme haben. Und du beschreibst es genau so.

    Viele Grüße
    Traudi

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Traudi,
      bei mir sind es meist die Gurkengläser, die mir Probleme bereiten. Neulich erst musste meine Mutter halten und ich habe den Deckel abgedreht. Mein Mann muss auch immer zur Hilfe eilen in solchen Fällen. Sollte ich mal alleine sein, so greife ich zu einem Hilfsmittel und ist dieses nicht zur Hand, mache ich in den Deckel einfach mit dem Dosenöffner ein Loch und schon geht er auf. 🙂
      So Verpackungen stellen einen schon manchmal vor Probleme 😉 .
      LG
      Astrid

  2. Liebe Astrid,
    das kann ich voll und ganz verstehen! Ich kriege schon die Krise mit diesem Verpackungsmüll, alles ist verschweißt und doppel und dreifach verpackt. Hast Du herrlich in Deiner Fortsetzungsgeschichte mit Herrn Konfusi verpackt und zum Schluss der Reißverschluss, hihi. Ist mir letztens auch im Lokal passiert, kam nicht aus meiner Jacke. Meine Bekannte musste mir helfen, so klemmte der Reißverschluss. Liebe Grüße Eva

    • Astrid Berg sagt

      Es ist einfach Wahnsinn, wieviel Pastikmüll immer anfällt. Viele Verpackungen sind einfach nur unnötig.
      Das mit dem Reißverschluss ist mir ebenfalls schon passiert. Ich habe dann einfach die Jacke über den Kopf ausgezogen und dann so lange probiert, bis er sich wieder öffnen ließ.
      Herzliche Grüße
      Astrid

  3. Oh ja, Verpackungen und ihre Öffnungen – ein leidiges Thema. Besonders Gläser bekomme ich auch oft schwer auf. Wir haben einen ganz großen Öffner für Gläser. Oftmals reißt mir auch die Lasche ab bei Konserven. Oder ich ziehe und ziehe – und spritze dann alles voll.
    Pralinen sind auch so eingeschweißt, da braucht man eine Schere. Ob das vielleicht auch gut ist? Dann muss man erst aufstehen und wenn man zu faul ist, dann verzichtet man auf den Süßkram, was der Figur gut tut 🙂
    Liebe Grüße von Kerstin.

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Kerstin,
      leider sind die Pralinen nicht einzeln eingeschweißt. Wenn man einmal die Schachtel ausgepackt hat, dann liegen alle Köstlichkeiten verführerisch vor einem. Diese Diätmethode funktioniert somit leider nur einmal. 🙂 .
      Ansonsten kann ich mich nur über die enorme Menge von Plastikmüll wundern, die Tag für Tag so anfällt.
      LG
      Astrid

  4. Liebe Astrid,
    meine Mum ist auch so eine alte Dame, die mit einigen Widrigkeiten des modernen Lebens zu kämpfen hat. Sie läßt sich jedoch nicht unterkriegen, und bisher hat sie auch noch (fast) alles zu ihrer Zufriedenheit geschafft.
    Aber ehrlich, man muss nicht zu den älteren Semestern gehören um gerade mit dem Öffnen von Verpackungen Probleme zu haben…So wie diese manchmal beschaffen sind, kann auch ein ganz junger Mensch seinen „Huddel“ damit haben!
    Wieder eine ganz wunderbare Geschichte – so direkt aus dem Leben!!!
    Danke und alles Liebe
    Heidi

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Heidi,
      meine Mutter hat ebenfalls immer Schwierigkeiten Dosen oder sogar Wasserflaschen zu öffnen. Ich habe ihr ein Hilfsmittel geholt, das ihr zumindest gut beim Öffnen der Wasserflaschen hilft.
      Manchmal reißt mir auch eine Lasche von einer Dose ab. Ich denke, wir haben alle so unsere Schwierigkeiten mit den Verpackungen, egal ob jung oder alt.
      LG
      Astrid

  5. Liebe Astrid,
    ich habe noch eine Frage an Dich. Bei Traude Rostrose habe ich gelesen, dass Du eine Aktionsgemeinschaft „Saubere Umwelt“ führst? …ins Leben gerufen hast?
    Oder habe ich da etwas falsch verstanden?
    Wie schaut es aus?
    Noch einmal beste Grüße und alles Liebe
    Heidi

    • Astrid Berg sagt

      Das ist leider ein Fehler. Ich habe einmal eine Geschichte eingestellt, die heißt „Aktionsgemeinschaft saubere Umwelt“ und sie bei Traude verlinkt. Mein Mann hatte eine solche Aktion als Schüler einmal ins Leben rufen wollen und dazu gibt es eine lustige wahre Geschichte auf meinem Blog. Als ich meine Geschichte „Oma Schmidt braucht Hilfe“ verlinken wollte, kam leider dieser Titel wieder hoch und nicht der eigentliche Titel der jetzigen Geschichte. Keine Ahnung, was da falsch gelaufen ist.
      LG
      Astrid

  6. Liebe Astrid

    ach wie schön war es früher, mir fehlt der kleine feine „Tante Emma Laden“ auch. Dort bekam man das Obst in einer großen braunen Tüte, ohne Verpackung-die Milch in der Blechkanne und die Wurst im „Pergamentpapier. Kein Müll und alles leicht „auszupacken“
    Dieser ganze unsinnige „Verpackungsmüll“ kostet Nerven, Zeit und Geld, ich will meinen „Tante Emma Laden“ wieder haben…….

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Uschi,
      ich musste bei Deinen Zeilen schmunzeln. Aber es stimmt: Ich wundere mich Woche für Woche, wieviel Plastikmüll anfällt. Viele Verpackungen sind einfach überflüssig.
      LG
      Astrid

  7. Oh wie süß! Da ist er wieder, mein Lieblingsprofessor! Ich muss sagen, ich habe schon länger nicht mehr darüber nachgedacht, wieviel Verpackung wir so haben. Es fällt mir am meisten auf, wenn wir z. B. Spielzeug für unsere Kinder aufmachen. Da ist auch alles so kindersicher verplombt und verschweißt, dass ich mich wundere, dass überhaupt noch ein Kind zum Spielen kommt. Du hast mich da echt zum Nachdenken gebracht. Da fällt mir ein, ich werden in den nächsten Tagen mal ein Bild einstellen zum Thema welche coolen Sachen man noch aus alten Computerkartons machen kann. Ich habe für und mit den Kindern nämlich Spielzeug gebastelt u. a. auch aus der hochwertigen Kartonage mit denen Möbel eines bekannten schwedischen Spielzeugherstellers verpackt werden. LG Tanja

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Tanja,
      immer wenn ich eine Geschichte von Professor Konfusi schreibe, muss ich an Dich denken. Du hast mich damals auf die Idee gebracht der ersten Professor-Konfusi-Geschichte eine ganze Serie folgen zu lassen. Seitdem lässt mich der nette ältere Herr nicht mehr los 😉 .
      Auf das Bild mit den coolen Basteleien bin ich schon gespannt.
      LG
      Astrid

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