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Marco braucht Hilfe

Wie schnell doch das Jahr sich wieder seinem Ende zuneigt. Die Zeit der Weihnachtsfeiern ist herangebrochen. Überall wird gefeiert, – egal ob es sich um eine private oder offizielle Feier handelt. Dies hat mich auf eine Idee mit einer Geschichte gebracht, in der Professor Konfusi und auch Marco wieder mit von der Partie sind.

Professor Konfusi und seine Frau sitzen gemütlich beim Nachmittagskaffee mit Weihnachtsplätzchen und selbst gebackenem Stollen, als es an der Tür Sturm klingelt.
„Was ist denn jetzt passiert?“, fragt Frau Konfusi erschrocken. „Das wird doch nicht schon wieder ein Staubsaugervertreter sein oder jemand, der uns Zeitungen verkaufen will und vor Weihnachten noch auf das große Geschäft hofft. Oder erwartest Du etwa jemand?“
„Nein, meine Liebe“, erwidert ihr Gemahl. „Ich erwarte zwar einen dringenden Anruf von einem Kollegen aus Amerika, aber der kündigt sich nicht durch Sturmklingeln an der Wohnungstür an.“
„Na, da werde ich mal nachsehen“, erklärt Frau Konfusi und marschiert zur Wohnungstür.
Bevor die ältere Dame jedoch die Tür öffnet, späht sie kurz durch den Spion und erkennt, dass der Nachbarjunge der Übeltäter ist.
„Hallo Marco, ist was passiert oder warum klingelst du bei uns so wild? Einmal auf den Klingelknopf gedrückt, würde vollkommen ausreichen“, ermahnt sie den Jungen.
„Entschuldigung“, stammelt dieser sichtlich verlegen. „Aber ich muss ganz dringend den Herrn Professor sprechen. Er ist doch hoffentlich da. Es ist ein Notfall!“
„Ja, mein Mann ist im Wohnzimmer, aber jetzt komm erst einmal herein! Du bist ja total aufgeregt.“
Professor Konfusi hat das Gespräch gehört und steht auch schon in der Wohnzimmertür, um Marco zu begrüßen.
„Komm rein, junger Mann! Setz dich, nimmt dir vom Weihnachtsgebäck und dann erzähl ganz ruhig, was passiert ist und wobei ich dir helfen soll!“
„Mein Vater ist zu einer Weihnachtssfeier bei seinem Chef eingeladen und meine Mutter ist doch ein paar Tage nicht da“, beginnt Marc. „Sie ist bei meiner Oma, weil sie meine Oma abholen will, damit sie über Weihnachten bei uns bleibt.“
Frau Konfusi stellt dem Jungen eine Fanta und ein paar Weihnachtsplätzchen hin.
„Ich verstehe aber noch nicht so ganz, worin jetzt der Notfall besteht“, erkundigt sich der Professor.
„Na, ganz einfach, der Notfall ist dieses komische Ding hier“, sagt Marco und zeigt den beiden ein langes schmales Stückchen Stoff, das er schon die ganze Zeit in der Hand hält, aber dem Ehepaar Konfusi erst jetzt auffällt.
„Eine Krawatte! Braucht dein Vater die passende Krawatte zu seinem Anzug?“, fragt Frau Konfusi.
„Nein, die hat er schon, aber meine Mutter ist doch weg und deshalb hat er jetzt ein Problem.“
Professor Konfusi kratzt sich am Kopf, weil er noch immer nicht das Problem versteht und auch seine Frau sieht zunächst etwas ratlos aus. Doch plötzlich tippt sich Professor Konfusi an die Stirn, als hätte er gerade einen Geistesblitz.
„Ich glaube ich ahne jetzt worin das Problem besteht.“
Marco zuckt mit den Schultern. „Ich dachte“, sagt er stockend, „dass Sie als Professor sicherlich wissen, wie man das macht und meinem Vater helfen können. Ich habe Sie schon so oft in Anzug und Krawatte gesehen, aber mein Vater trägt am liebsten Jeans und T-Shirt. Und deshalb hat er jetzt ja auch dieses Problem. Meine Mutter ist nämlich die Einzige in unserer Familie, die einen Krawattenknoten machen kann. Sie hat das schon immer gemacht und jetzt ist sie nicht da und mein Vater probiert es schon seit einer halben Stunde. Er muss auch gleich weg.“ Marco überschlägt sich fast beim Sprechen. „Der Besuch auf der Weihnachtsfeier bei seinem Chef ist ganz wichtig und er muss auch unbedingt dieses Ding hier anziehen. Bitte, bitte helfen sie ihm!“
„Da hast du aber Pech gehabt, mein Junge. Ich kann es nämlich auch nicht, denn bei uns bindet meine Frau auch immer meine Krawatten. Da ich diese Verkleidung hasse wie die Pest, habe ich mir auch nie die Mühe gemacht, das Binden eines Krawattenknotens zu lernen.“
„Das stimmt“, bestätigt Frau Konfusi. „Mir hat es einst mein Schwiegervater gezeigt und seitdem muss ich meinem Mann die Krawatten binden.“
Marco blickt die Frau des Professors bittend an und diese streckt auch schon die Hand nach dem Langbinder aus.
„Komm her Marco, ich binde schnell die Krawatte!“
Sie hängt sich die ungebundene Krawatte so um den Hals, dass das breite Ende wesentlich länger ist und links herunterhängt. Gekonnt legt sie das breite Ende über das schmale und zieht dieses hinter dem schmalen Ende wieder nach links und danach legt sie es vor das schmale Ende wieder nach rechts. Sie zieht es von unten durch die Schlinge um ihren Hals. Dann schiebt sie von oben das dicke Ende der Krawatte durch die entstandene Schlaufe, zieht am dünneren Ende und schon hat sie einen perfekten Krawattenknoten.
Marco hat sie dabei bewundernd angeschaut und stellt fest:
„Sie sind eine regelrechte Zauberin. Das hätte mein Vater nie geschafft, egal wie lange und wie oft er es probiert hätte! Danke noch mal! Das war die Rettung in letzter Sekunde und wahrscheinlich das beste Weihnachtsgeschenk, das er je bekommen hat.“
Schon ist er mit der gebundenen Krawatte durch die Tür entschwunden und saust das Treppenhaus nach unten, wo er von seinem Vater schon sehnsüchtig erwartet wir.
Frau Konfusi beugt sich über das Treppengeländer und ruft hinunter:
„Am nächsten Sonntag seid ihr alle zum Adventskaffee bei uns eingeladen. Bringt aber bitte eine ungebundene Krawatte mit, sonst gibt es keine Weihnachtsplätzchen!“
Sie dreht sich um und sagt zu ihrem Mann gerichtet: „Du holst dir dann am nächsten Sonntag auch einen Langbinder aus dem Schrank!“
Sie kichert, während sie den Kaffeetisch abräumt und denkt sich nur:
„Das wird ein Riesenspaß!“
„Ich brauch das nicht!“, erklärt ihr Gatte bestimmt.
„Oh doch mein Lieber! Auch Du kannst endlich lernen, wie man dieses Ding bindet!“
„Wieso, ich hab doch Dich!“, erklärt er entschieden und fügt dann unvermittelt hinzu: „Kannst Du Dich noch erinnern, als ich zur Geburt unseres Sohnes ins Krankenhaus kam, um Dich und unser Baby nach Hause zu holen?“
„Aber sicher doch, Du standest mit einem Strauß roter Rosen da!“, schwärmt Frau Konfusi glücklich. „Aber was hat das jetzt mit dem Krawattenbinden zu tun?“
„Sonst ist Dir damals nichts aufgefallen?“
„Du hattest einen Anzug an und sahst sehr elegant aus mit der Krawatte passend zu den Rosen…“
Frau Konfusi stutzt bei ihren eigenen Worten und noch mehr als ihr Gatte ein Buch aus dem Bücherregal zieht und es ihr direkt vor die Augen hält. „Der perfekte Krawattenknoten“ steht in großen Buchstaben auf dem Einband.
„Du bist mir Einer!“, grinst sie plötzlich. „Und nahezu drei Jahrzehnte hast Du mich im Glauben gelassen, Du seist in dieser Hinsicht auf mich angewiesen!“
„Das bin ich doch auch!“, beteuert Professor Konfusi mit ernstem Gesicht. Doch dann lacht er schelmisch und öffnet das Buch, das gar keines ist, sondern ein Kästchen, das nur eine Buchattrappe ist. Darin liegt ein roter Langbinder mit einem perfekten Krawattenknoten. Allerdings hängt an dieser besonderen Krawatte ein Gummiband, das man sich nur über den Kopf zu ziehen braucht.

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Ohje, ohje!

 

Weihnachtsstimmung

Mit der Weihnachtsstimmung ist das so eine Sache. Man kann sie nicht per Knopfdruck einschalten, aber viele Dinge tragen dazu bei, dass sich diese einstellt. Dazu gehört es, dass die Temperaturen in den Keller gehen, die Nächte länger werden, die Weihnachtsmärkte öffnen, alles weihnachtlich geschmückt ist, alles im  Kerzen- und Lichterschein  erstrahlt. Die vierwöchige Adventszeit führt uns immer näher an Weihnachten heran und dessen eigentlicher Sinn lässt Wärme in unsere Herzen fließen und ein mehr und mehr besinnliches Gefühl ergreift uns.

Gar manches Jahr hat bei mir dieses weihnachtliche Gefühl erst ein wenig später eingesetzt. Dies lag ganz einfach daran, dass ich dem beginnenden Winter entflohen bin. Ich bin dann nämlich mit meinem Mann gereist, der dienstlich in Bangkok zu tun hatte. Im Sonnenschein weihnachtliche Gefühle aufkommen zu lassen, ist eine schwierige Sache, zumal es sich auch um kein christliches, sondern ein buddistisches Land handelt.

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Aber man sollte es nicht meinen, auch die Thailänder lieben die Weihnachtszeit. Vielleicht hängt dies auch ein wenig mit ihrem Hang zum Kitsch, zum Bunten und zum Lichterschein zusammen, oder auch mit ihrer ruhigen und gelassenen Grundeinstellung.

Ich habe wieder einmal meine Fotos gesichtet und möchte heute mit Euch einen Spaziergang durch das weihnachtlich geschmückte Bangkok machen und Euch diesen Lichterglanz und die Weihnachtsdeko zeigen. Folgen wir doch einfach unserem Weihnachtsmann:

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Sieht er nicht lustig aus, so sommerlich gekleidet mit seinen kurzen Hosen, aber seiner Weihnachtsmannmütze auf dem Kopf? Ich kann Euch verraten, dass er sogar einen weißen echten Bart hat. Selbst die Thailänder schauen ihm nach und wer ihm entgegenkommt, freut sich und lächelt ihm freundlich zu.

 

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Straßen sind mit Lichtern ebenso geschmückt wie…

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Gebäude…

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Tausende von Lichtern verleihen hier der Stadt einen weihnachtlichen Zauber.

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Selbst Palmen erstrahlen im Lichterglanz.

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Überall zwischen den Hotels und Malls wird geschmückt und dekoriert.

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Folgen wir dem Weihnachtsmann nun in die modernen öffentlichen Gebäude, wie zum Beispiel Hotels…

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oder die großen modernen Malls.

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Hier überraschen uns nicht nur gehörnte Tiere, sondern auch gehörnte Schaufensterpuppen. Diese Art der Weihnachtsdekoration ist ein sehr ungewohntes Bild für uns, aber ich finde hier ist der Hang der Thais zum Kitsch deutlich erkennbar.

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Riesige künstliche Weihnachtsbäume erstrecken sich bis in die oberen Etagen.

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Aus den Lautsprechern erklingen hier Weihnachtslieder in englischer Sprache, während draußen auf dem großen Platz vor dem Central World laute Moderne Musik gespielt wird und das Publikum zum Verweilen auffordert.

 

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Und schließlich entdecken wir das Weihnachtsland in der Mall.

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Hier gibt es alles, was das Herz so begehrt, um die Wohnung oder sich selbst weihnachtlich zu dekorieren.

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Irgendwie haben die Thailänder da  etwas verwechselt. Es gibt hier nämlich auch eine Narrenkappe/Till Eulenspiegel-Kappe und ein niedliches Kinderkostüm, das ich eher einem Faschingskostüm zuordnen würde .

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Unser kleiner Ausflug mit dem Weihnachtsmann ist jetzt beendet,

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schnell noch eine Aufnahme mit dem Weihnachtsmann und seinen Tieren und dann ziehen er und wir weiter.

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Aber ich muss Euch gestehen, dass sich bei uns keine echten weihnachtlichen Gefühle eingestellt haben. Das wäre auch zuviel verlangt, wenn tagsüber die Sonne bei 34 Grad vom Himmel brennt und die Natür sich grün und blühend zeigt. Aber es hat uns trotzdem viel Spaß gemacht und Euch hoffentlich auch.

Ich schicke Euch den thailändischen Grüß

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„Sawadee kha“ !

 

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Unfassbar

Man sagt, dass das Leben die schönsten Geschichten schreibt. Das ist richtig, aber leider schreibt das Leben auch manchmal Geschichten, die traurig oder sogar nahezu unfassbar sind. Eine davon möchte ich Euch heute erzählen, denn sie ist meinem Schwiegervater widerfahren. 

Leider weilt mein Schwiegervater nun schon etliche Jahre nicht mehr unter uns, doch ich könnte mir vorstellen, dass er heute sogar über die Geschehnisse von damals lachen würde. Aufgeregt hat er sich in der besagten Situation jedenfalls auch nicht. Vielleicht liegt es daran, weil sie so unfassbar und schon grotesk ist, dass man ihr nur mit Kopfschütteln begegnen kann.
Mein Schwiegervater war schon immer und auch später, trotz seiner schweren Erkrankung ein positiv denkender Mensch. Er war nierenkrank und wurde zum Dialysepatienten. Dies konnte ihn allerdings nicht davon abhalten mit meiner Schwiegermutter die Welt noch zu bereisen. Auf einem großen Traumschiff, das mehrere Dialysestationen an Bord hatte, machten sie Kreuzfahrten. Problemlos! Und ich muss sagen, es ist einfach fantastisch, dass es solche Möglichkeiten gibt.
Später war er dann jedoch mobilitätsmäßig mehr eingeschränkt. Folgeerkrankungen führten schließlich dazu, dass er innerhalb eines Jahres beide Beine amputiert bekam. Somit saß er fortan im Rollstuhl und war schwerbehindert. Aber seine positive Einstellung dem Leben gegenüber hat er beibehalten. So machte er auch allen möglichen Unsinn mit seinem Rollstuhl und fuhr beispielsweise mit unserem damals noch kleinen Sohn, der sich spaßeshalber in den Zweitrollstuhl seines Opas setzte, um die Wette. Da er mit seiner Behinderung völlig normal umging, taten wir Familienmitglieder dies auch. Doch wegdenken oder gar ignorieren, konnte man sie allerdings nicht. Auch wenn es scheinbar Menschen gibt, die vor dem überaus Offensichtlichen die Augen verschließen und auf Gesetzen beharren, die zwar notwendig, aber in manchen Fällen überflüssig sind.
Ich habe Euch das alles nur im Vorfeld erzählt, damit Ihr Euch ein Bild von meinem Schwiegervater machen könnt. Doch nun zu der eigentlichen Begebenheit.
Meine Schwiegereltern planten einen kleinen Tagesausflug. Ich weiß nicht mehr, wohin sie fahren wollten, aber auf jeden Fall nutzten sie dazu die Bahn. Es war ein schöner Tag und sie freuten sich auf ihre Unternehmung. Ein Bediensteter der Bahn half meinem Schwiegervater mit dem Rollstuhl in den Zug und so genossen sie die Zugfahrt. Allerdings nur bis zu einem bestimmten Moment. Und dieser nahte mit energischen Schritten in Gestalt der Zugbegleiterin. Ich weiß nicht wie sie aussah, denn mein Schwiegervater äußerte sich nie hierüber. Allerdings hat sich in meiner Vorstellung ein ganz bestimmtes Bild heraus kristallisiert: Sie war mit Sicherheit eine sehr ernste und gesetzestreue Dame. Vielleicht etwas streng und gouvernantenhaft wirkend. Dem ersten Anschein nach allerdings erst einmal sehr freundlich, aber dennoch bestimmend. So sagte sie dann auch ohne den Anschein eines Lächelns kurz und bündig:
„Die Fahrausweise, bitte!“
Diesen konnte mein Schwiegervater auch vorzeigen. Doch was ihm in der Hektik und der Vorfreude auf diesen Tag entgangen war, war etwas anderes.
„Und wo ist ihr Schwerbehindertenausweis?“, fragte die strenge Dame sogleich als sie das ermäßigte Ticket sah.
Mein Schwiegervater und auch meine Schwiegermutter durchwühlten ihre Taschen, doch leider erfolglos. In der Eile und der Vorfreude auf den Tagesausflug hatten sie vergessen den Behindertenausweis meines Schwiegervaters einzupacken.
„Das sollte ja wohl kein Problem sein“, meinte mein Schwiegervater und lächelte die Dame an. Immerhin war seine Behinderung ja mehr als nur offensichtlich. Gut, in einen Rollstuhl kann sich jeder setzen, aber da ja erkennbar war, dass er beide Beine amputiert hatte, muss man eigentlich schon selbst mit Blindheit beschlagen sein, um die Behinderung nicht zu erkennen.
Die Zugbegleiterin verzog jedoch keine Miene. „Es tut mir leid, aber dann müssen sie nachzahlen und auch noch Strafe zahlen.“
„Also, hören Sie mal, Sie sehen doch …“, setzte meine Schwiegermutter verärgert an.
Die Dame ließ weder mit sich reden, noch schien sie Augen im Kopf zu haben, geschweige denn das Herz am richtigen Fleck.
Mein Schwiegervater, der keine Lust hatte sich über seine offensichtliche Behinderung in ein Streitgespräch einzulassen, winkte nur ab:
„Wenn Sie meinen…“, richtete er sich an die Bahnmitarbeiterin und zückte auch schon seine Geldbörse.
Möglicherweise war die Dame nur sehr darauf bedacht, Recht und Gesetz Genüge zu tun und hat dabei vergessen, dass in ihrer Brust auch ein Herz schlägt, das doch bestimmt nicht aus Stein ist. Allerdings schien sie sich nicht zu trauen diesem zu folgen.
An diese Begebenheit musste ich erst kürzlich wieder denken, als ich in der sogenannten Regenbogenpresse in einem Wartezimmer auf einen Artikel* stieß. Als ich diesen las, wunderte ich mich doch sehr, denn ich hatte bisher angenommen, das geschilderte Erlebnis sei ein Einzelfall. Doch weit gefehlt!

Der Artikel* handelte von einem behinderten Mann, der ebenfalls auf einen Rollstuhl angewiesen war. Da an seinem Rollstuhl etwas defekt war, fuhr er mit seinem Auto zu einem Sanitätsgeschäft. Nun kostet es einem Behinderten sicherlich mehr Mühe als einem Menschen ohne Handikap vom Auto in den Rollstuhl und ins Sanitätsgeschäft zu gelangen. Eine der Erleichterungen ist bestimmt der Behindertenparkplatz direkt vor dem Geschäft, den er auch nutzte. Bei seiner Rückkehr nach ungefähr drei Minuten, hatte eine Politesse gerade festgestellt, dass kein Behindertenausweis im Auto lag. Soweit, so gut! Ein gesunder Mensch ohne Gehbehinderung hat auch nichts auf einem Behindertenparkplatz zu suchen. Diesem gehört auch ein Knöllchen. Doch was ist, wenn man plötzlich einem Rollstuhlfahrer gegenübersteht. Ich denke, dann kann man doch ein Auge zudrücken. Die Politesse ließ sich jedoch nicht überzeugen und auch in diesem Fall ließ die besagte Dame nicht ihr Herz sprechen, sondern beharrte auf Recht und Gesetz. Auch dieser Herr kam seiner Geldstrafe nach.
Ich finde, manchmal passieren schon seltsame Dinge auf dieser Welt, über die man sich nur wundern kann.
Ich, anstelle der beiden Damen, hätte am Abend bestimmt keinen Schlaf gefunden, so hätte mich mein schlechtes Gewissen geplagt. (Abgesehen davon,  hätte ich erst gar kein Bußgeld erhoben.)

Wie denkt Ihr über diese beiden Vorkommnisse? Bestimmt seid Ihr doch auch der Meinung, dass man das Problem (wenn es überhaupt eines gab) hätte menschlicher lösen können.

 

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Anmerkung: Das Foto habe ich in Bangkok aufgenommen und es stellt das Graffiti eines mir unbekannten Künstlers dar.

*vgl.: Knöllchen trotz Rolli, in: tina, Nr.47, 11. November 2015, S.5

Fein herausgeputzt

Es ist mittlerweile bestimmt schon 24 Jahre her, da hatte unser Sohn ein Bilderbuch. Dieses Buch kam mir wieder in den Sinn, als ich mir Fotos von unserem letzten Thailandaufenthalt ansah. Und auch ein Erlebnis mit unserem Lottchen kam mir in den Sinn, das zu meinem heutigen Thema passt.

Ich kann mich zwar nicht mehr erinnern, wie das besagte Bilderbuch hieß und von wem es war, aber der Inhalt ist mir noch present. Es ging um ein kleines Mädchen, das ein Kaninchen geschenkt bekam. Eines Tages kam sie auf eine Idee: Sie zog ihm Puppenkleider an und legte es in ihren Puppenwagen, um es spazieren zu fahren.

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Dieses Spiel missfiel jedoch dem Kaninchen, denn es war ja kein Püppchen. Und das genau wollte das Buch kindgerecht vermitteln. Tiere soll man artgerecht behandeln.

Was hat jetzt aber unser Kätzchen Lottchen damit zu tun?, fragt ihr. Ganz einfach: Sie war gerade erst ein paar Monate alt und wurde kastriert.

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Die Tierärztin gab uns direkt nach der OP eine Empfehlung. Wir sollten ihr einen kleinen Strampler (Body) überziehen, damit sie weder an der vernähten Wunde lecken noch kratzen konnte. Ich zog also sofort los und besorgte den kleinsten (und wenn ich ehrlich bin, auch den billigsten) Strampler, den ich bekommen konnte. So, das war mein Part der Aufgabenstellung. Mein Mann sollte den zweiten Part übernehmen, nämlich das Anziehen. Wer schon einmal versucht hat einer Katze einen Strampler anzuziehen, der ahnt vielleicht halbwegs, was auf meinen Peter zukam.

Er setzte sich bequem auf einen Stuhl und ich reichte ihm Lottchen und den Strampler. Nachdem ein gemeinsamer Versuch missglückte, versuchte er es allein. Waren die vorderen Pfoten in den Armausschnitten des Stramplers drin, so zog sie diese beim Versuch die hinteren Pfoten in die Beinausschnitte zu stecken, wieder heraus. Und umgekehrt verlief die Sache nicht anders. Sie drehte und wendete sich ohne Unterbrechung, denn dies schien ihr die einzige Möglichkeit sich dem Überstülpen dieses Kleidungsstückes zu entziehen. Aber Ihr kennt meinen Mann nicht. Er blieb hartnäckig an der Sache dran. Während ich mich vor Lachen bog, kämpfte er mit den Vorder- und Hinterbeinen unserer Katze. Tatsächlich schaffte er es auch nach einigem Hin und Her, dass alle vier Pfoten für einen Bruchteil von einer Sekunde ordnungsgemäß im Strampler untergebracht waren. Doch bevor auch nur der Hauch des Gefühls es geschafft zu haben, aufkommen konnte, machte Lottchen einen Satz und war durch den Kopfausschnitt des Kleidungsstückes gesprungen. Sie flüchtete sich nun unter die Treppenstufe und sah uns beleidigt an.

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Das war dann auch der Moment, an dem wir uns sagten, dass dies alles Quatsch sei und wir der Natur einfach seinen Lauf ließen. Lottchen dankte es uns und die Wunde verheilte auch ohne dieses für ein Tier unpassende Outfit.

Bei Hunden hat man es ja schon öfter gesehen, dass sie ein Jäckchen oder auch Kleidchen umgelegt bekommen. Dazu mag es wohl geteilte Meinungen geben. Es gibt inzwischen wohl auch hochgezüchtete Hunderassen, die ohne diese Jäckchen und Mäntelchen frieren würden. Aber das ist ein anderes Thema.

Nun zu unserem Thailandaufenthalt, bei welchem ich auch etwas entdeckte, was ich Euch an dieser Stelle zeigen möchte.

Wir waren wieder einmal auf Bangkoks größtem Markt, dem Chatuchak Market mit mehreren tausend Ständen, unterwegs. Hier kann man alles nur Mögliche erstehen, auch Tiere. Wenn jemand einen Kampfhahn sucht, so wird er hier sicherlich fündig. Aber auch alle anderen Tiere, wie zum Beispiel, Vögel, Hunde, Katzen, Fische etc. gibt es hier zu erwerben.

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Mir persönlich tun die Tiere, die hier verkauft werden in der Seele leid und ich hätte die Hündchen, die in kleinen Käfigen eingesperrt waren, am liebsten mitgenommen, um sie zu erretten.

Als wir den Markt verließen, machte ich noch einen kleinen Abstecher auf eine angrenzende Grünfläche. Was ich dort entdeckte, verwirrte mich total. Dort hielten sich mehrere Pärchen auf. Es schien mir eine Art Treffpunkt zu sein. Sie hatten alle etwas mitgebracht. Wer jetzt denkt, sie hätten alle ihre Babies dabei gehabt, der täuscht sich. Möglicherweise war es ihr Babyersatz. Aber schaut Euch selbst die Fotos an und bildet Euch eine Meinung.

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Es handelte sich hierbei um Präriehunde, die aus Nordamerika stammen und eine Gattung der Erdhörnchen sind. Laut Wikipedia sind sie mit den Murmeltieren und den Zieseln verwandt. Und ihr Name soll durch eine Kombination aus ihrem eigentliches Vorkommen in der Prärie und ihrem einem Hundebellen ähnelnden Warnruf entstanden sein.* Leider habe ich keinen solchen Warnruf vernehmen können. Ehrlich gesagt, hätte ich gerne einmal so ein kleines Kerlchen bellen gehört (allerdings aus gebührender Distanz).

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Sie haben einen kleinen und plump wirkenden Körper mit kurzen Beinchen und einen kurzen Schwanz. Sie werden zwischen ca. 800 Gramm und eineinhalb Kilogramm schwer.**

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Normalerweise leben sie in der Prärie Nordamerikas, in Kolonien und sind tagaktiv. Seit geraumer Zeit erfreuen sie sich allerdings großer Beliebtheit als Haus- bzw. Heimtiere, besonders auch in Thailand. Selbst ein ehemaliger amerikanischer Präsident soll im Weißen Haus einen solchen Präriehund gehabt haben.***

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Mir tun diese Tiere leid, wenn ich sehe, wie sie in ihren Kleidchen an der Leine gehalten werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies einer artgerechten Haltung entspricht.

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Ich bin der Meinung, dass unsere Katze, die jederzeit zwischen Drinnen und Draußen wählen und Mäuse fangen kann, wesentlich artgerechter gehalten wird.

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Und an der Leine lässt sich unser Lottchen auch nicht spazieren führen. Trotzdem geht sie gerne freiwillig mit uns im Ort spazieren, indem sie einige Schritte hinter oder vor uns herläuft.

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Und einen Strampler braucht sie auch nicht mehr anzuziehen.

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Mich würde interessieren, welche Meinung Ihr diesbezüglich habt und freue mich über jeden einzelnen Eurer Kommentare.

 

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*/**/*** vgl. bezüglich der Informationen über Präriehunde: Präriehunde

Im Schatten der Krone

Ich stehe hier in einem wunderschönen Park am Rande einer Wiese. Das war nicht immer so. Als ich noch klein war und ein zartes Pflänzchen, da standen viele meiner Verwandten neben mir und um mich herum. Irgendwann einmal kamen Männer mit Äxten und Sägen und sie fällten fast alle von meinen Freunden. 

„Wir müssen hier ein wenig aufräumen und Platz schaffen“, hörte ich sie sagen. „Es wird ein wunderschöner Park werden, der den Menschen Erholung bieten soll.“
Ich hatte große Angst, denn sie rückten mit ihren Geräten immer näher an mich heran. Schon bald würden sie mich erreichen und auch mein Leben wäre ausgehaucht. Ich wäre einfach Brennholz geworden.
Das ist nun schon sehr viele Jahrzehnte her. Ich hatte damals Glück, denn sie ließen mich als einen der wenigen Bäume stehen. Ich durfte weiter wachsen und groß werden. Und das bin ich tatsächlich in den fast neunzig Jahren geworden: Groß und mächtig.
Jetzt bin ich schon alt und denke an mein Leben zurück. Viel habe ich gesehen und viel habe ich erlebt. Menschen gingen an mir vorüber oder hielten sich im Schatten meiner Krone auf. Manche suchten Zuflucht oder wollten sich nur ein Weilchen an meinem kräftigen Stamm anlehnen. Gar mancher Hund befeuchtete die Erde direkt über meinen Wurzeln, Vögel bauten Nester in meiner Krone und zwitscherten fröhliche Lieder. Katzen und Eichhörnchen kletterten von Ast zu Ast.
Eine alte Frau, sie dürfte jedoch einige Jährchen jünger sein als ich, kam die vergangenen Jahre regelmäßig vorbei und setzte sich auf die Bank, die genau mir gegenüber steht. Immer wieder blickte sie zu mir herüber. Ich erkannte in ihr das junge Mädchen, das in einem Sommer zu Beginn der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts im zarten Alter von 17 Jahren unter meiner belaubten Krone ihren ersten Kuss erlebte. Sie und der junge Mann kamen immer wieder zu einem keinen Stelldichein hierher. Sie war seine große Liebe und auch ihr Herz schlug nur für ihn. Sie ritzten zur Besiegelung ihrer Liebe ein Herz mit ihren Initialen in meinen Stamm. Ein H für Hanna und ein zweites H für Horst. Sie bedachten in ihrer Verliebtheit nicht, dass sie mir damit weh taten, als sie mit dem Taschenmesser an einer Stelle meine Rinde verletzten.  Wäre diese Verletzung noch größer und tiefer gewesen, wäre ich vermutlich daran zugrunde gegangen. Aber ich aktivierte alle meine Kräfte und hielt es den Beiden zuliebe aus. Die Wunde vernarbte, aber meine Rinde war und blieb an dieser Stelle der Verletzung geschädigt. Bis heute trage ich dieses vernarbte Herz an meinem Stamm. Es gehört nun auch zu meinem Leben und ich bin den beiden Verliebten nicht böse.
Eines Tages kam das junge Pärchen nicht allein, sondern mit ihren Familien. Sie versammelten sich um meinen Stamm herum und ein Fotograf machte Hochzeitsfotos. Danach wurden ihre Besuche seltener, aber schon nach einem Jahr kamen sie mit einem Kinderwagen und schoben ihn in meinen Schatten.
Ich sah, wie das kleine Baby zu einem kleinen Mädchen heranwuchs und zwei Jahre später gesellte sich noch ein Brüderchen dazu.
Ich vernahm ihre kleinen trippelnden Schrittchen, wenn sie um meinen Stamm liefen. Ich hörte ihre zarten Stimmchen, wenn sie ihre Kinderlieder sangen oder ihr fröhliches Lachen erklang.
In den langen Jahren, die ich hier nun schon stehe, hielten sich auch viele andere Kinder in meiner Nähe auf. Im Frühling kamen sie, um die ersten Blätter an meinen Zweigen zu bestaunen, im Sommer, um die Blumen rings um mich herum auf der Wiese zu pflücken, im Herbst, um meine bunten Blätter aufzusammeln und im Winter, um Schneemänner zu meiner Gesellschaft zu bauen.
Manchmal entriss der Wind einem Kind einen Luftballon oder einen Drachen und trieb ihn durch die Lüfte. Ich fing ihn dann auf und hielt ihn so lange fest, bis jemand kam und ihn sich abholte oder ein heftiger Windstoß ihn weiter trieb.
Jungs haben bei mir das Klettern gelernt und gar manche junge Frau hat am Fuße meines Stammes gesessen, sich in Liebesromane vertieft oder gar aus eigenem Liebeskummer manche Träne bei mir vergossen.
Im Großen und Ganzen war mein Leben angenehm und schön, aber es waren auch harte Zeiten dabei. Daran denke ich nicht so gerne, aber sie gehören ebenso zu meinem Leben. Es hat tüchtig geschneit und geregnet. Ich habe gefroren und fürchtete sogar schon in einem besonders langen und kalten Winter, dass ich erfrieren würde. Ich habe gezittert und versucht meine Lebenssäfte weiter fließen zu lassen, damit ich auch im darauffolgenden Frühjahr wieder ergrünen konnte. Ich habe gelitten, aber ich habe überlebt. Allerdings musste ich mich erst erholen und brauchte ein bisschen mehr Zeit, um endlich alle meine Zweige wieder mit grünen Blättern schmücken zu können.
Mancher Sommer war so furchtbar heiß und es gab kaum Regen, dass man hätte verdursten können. Zum Glück war ich schon groß und meine Wurzeln schon so lang, dass sie tief unten aus der Erde noch Wasser holen konnten, um mich zu versorgen.
Überschwemmungen und Unwetter habe ich auch erlebt. Blitze zuckten am Himmel und Donner grollten. Doch der Himmel war mir gnädig, kein Blitz hat mich je getroffen.
Einmal sogar gab es ein leichtes Erdbeben. Die Erde hat gewackelt, aber meine Wurzeln haben mir auch hier geholfen und mich ebenso wie bei Stürmen festgehalten. Nur der letzte Sturm hat mir heftig zugesetzt. Ja, ich muss gestehen mit dem Alter wird man auch schon ein wenig morsch und da macht einem so ein heftiger Sturm schon mehr aus als in jungen Jahren. So haben meine Zweige nicht nur gewackelt, sondern es hat in meinem Geäst richtig tüchtig gekracht. Man sieht es mir an, wie sehr es mich mitgenommen hat. Einstmals richtig kräftige Zweige und Äste hat der Sturm mir abgerissen und umgeknickt. Ich habe große Wunden erlitten. Inzwischen habe ich es verschmerzt. Ich bin nicht mehr so hübsch wie früher, aber ich stehe noch und bin noch fest verwurzelt. Wenn alles gut geht, werde ich auch im nächsten Frühjahr wieder grüne Blätter tragen.
Besonders gefreut habe ich mich, als nach dem großen Sturm und den anschließenden Aufräumarbeiten neulich Besuch für mich kam. Die alte Dame hat nach mir geschaut und sich gefreut, dass ich noch stehe. Sie war vollkommen in Schwarz gehüllt und ihre Augen wirkten verweint. Ihr Mann war verstorben.  Doch sie hatte trotzdem jemand mitgebracht, nämlich ihre erwachsene Enkeltochter und ihr Urenkelchen, das im Kinderwagen schlief. Die alte Dame hat sanft über die vernarbte Stelle an meinem Stamm gestreichelt, an der einst das eingeritzte Herz mit den Initialen zu sehen war.
„Schaut her“, hat sie die anderen aufgefordert. „Hier haben Opa und ich ein Herz eingeritzt. Ein bisschen kann man es heute noch erkennen. Der Baum hat das vernarbte Herz all die Jahre für uns bewahrt, obwohl wir ihm damals sicherlich sehr wehgetan haben.“
Schweigsam und gedankenverloren erinnerte sie sich an die vielen gemeinsamen und schönen Stunden mit ihrem Mann, die sie im Schatten meiner Krone erleben durften.

 

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Das Experiment

Heute ist recht trübes Wetter, so richtiges Novemberwetter eben. Ich denke an die schöne Jahreszeit, nämlich den Sommer. Ich mag die Sonne und die Wärme. So fällt mir auch unser Sommerurlaub auf Mallorca ein. Alle diejenigen, die diese Insel nur mit dem Ballermann gleichsetzen, berauben sich der Schönheit dieser Insel.

Ich bin immer wieder fasziniert von der wunderschönen Landschaft Mallorcas. Eines meiner Lieblingsstädtchen im Nordwesten dieser Insel ist Valldemossa. Bevor ich Euch von unserem kleinen Experiment berichte, möchte ich noch einen Spaziergang mit Euch durch diesen bezaubernden Ort machen.

1200px-Valdemossa1Es ist ein kleines Bergdorf, das terrassenförmig in den Berg gebaut ist.

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Santa Catalina Thomàs wurde am 1. Mai 1531 in Valdemossa geboren und sie ist die einzige Heilige Mallorcas. Es dauerte 100 Jahre bis nach der Seligsprechung (durch Papst Pius VI) die Heiligsprechung (durch Papst Pius XI) erfolgte.

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Jedes Jahr am 28. Juli feiert man in Valdemossa ihr zu Ehren ein großes Fest. An den Häusern des kleinen Ortes findet man oftmals Kachlbilder mit Abbildungen von ihr.

 

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Schon Frédéric Chopin verbrachte den Winter 1838/39 in Valdemossa und schrieb später ein Buch mit dem Titel „Ein Winter auf Mallorca“.

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Auch wir haben ein Klavierkonzert mit der Musik von Chopin besucht und waren begeistert.

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Unser Weg führt uns jetzt zum Irrgarten.

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Zum Glück haben wir wieder herausgefunden und konnten den restlichen Garten genießen.

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Wir marschieren wieder zurück und nähern uns Schritt für Schritt unserem Experiment.

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An einem Postkartenstand suchen wir uns drei  schöne Exemplare aus. Meine Mutter und unser Sohn freuen sich bestimmt, wenn sie von uns eine Ansichtskarte aus dem Urlaub bekommen.

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Wir haben zwar die Qual der Wahl, aber wir werden fündig und setzen auch sogleich unsere Grüße darauf.

Ihr fragt Euch bestimmt, warum drei Postkarten und nur zwei Adressaten. Ganz einfach. Ich möchte uns auch eine Karte schicken, denn auch wir freuen uns, wenn wir in zwei oder drei Wochen den Briefkasten öffnen und unsere Urlaubsgrüße an uns selbst finden. Dann werden Erinnerungen wach. Das habe ich noch nie zuvor gemacht, kann mir aber vorstellen, dass es bestimmt eine schöne Überraschung wird.

Sonst habe ich die Postkarten immer im Hotel abgegeben. Obwohl ich das ungefähr in der Mitte unseres Urlaubes tat, kamen sie immer erst ca. drei Wochen nach unserer Heimkehr an. Deshalb werfen wir die Karten dieses Mal in einen öffentlichen Postbriefkasten ein. Das funktioniert bestimmt besser und schneller.

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Um später  auch noch sicher zu sein, dass es sich hier nicht etwa um einen Mülleimer handelt, fotografiere ich auch noch das Posthorn und die Zeiten der Leerung.

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So und ab geht die Post!

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Wir sind uns sicher, dass die Postkarten schon vor uns Deutschland erreichen und bald in den besagten Briefkästen liegen. Na, ja, ihr könnt ja mal schätzen wie lange diese Postkartenreise wohl dauert.

Die Postfrau überraschte uns nicht zwei  oder drei Wochen nach unserer Rückkunft in der Heimat, auch nicht fünf Wochen danach.

Ihr denkt jetzt bestimmt, dass die Karten heute oder am vergangenen Wochenende eingetroffen sind.

Weit gefehlt. Bis zum heutigen Tag fehlt jegliche Spur von unseren Ansichtskarten. Weder meine Mutter, noch unser Sohn erhielten eine Ansichtskarte von Valdemossa und auch wir haben bisher keine Urlaubsgrüße aus unserem Briefkasten fischen können. Immerhin haben wir sie Mitte August auf Mallorca abgeschickt.

Ob uns diese Urlaubsgrüße jemals erreichen werden? Auf jeden Fall werden sie die besondere Überraschung. Oder vielleicht sollten wir sie uns nächsten Sommer persönlich abholen, denn …

… ist auf jeden Fall immer einen Besuch wert.

Warum mag mich keiner?

Heute sollen die Kinder ihre Lieblingszahl zwischen 1 und 30 aufschreiben und erzählen, warum sie diese Zahl mögen. Fast alle Zahlen haben sie aufgeschrieben, nur mich hat keiner gewollt. Ich bin ganz traurig. Jetzt liege ich ganz allein in der Ecke. Niemand sieht mich und niemand will mich. Bestimmt wisst ihr, welche Zahl ich bin, denn bestimmt mögt ihr mich auch nicht. 

Ich bin die Zahl 13.
Schon im Märchen von Dornröschen hat man mich gemieden. Zu den Gästen des Festes, das anlässlich der Geburt der Prinzessin gefeiert wurde, gehörten auch weise Frauen. Sie sollten dem Kind hold sein und Glück bringen. Die 13. weise Frau wurde jedoch nicht zum Fest eingeladen, da es nur 12 goldene Teller im Schloss des Königs gab. Deshalb hat diese 13. Frau das Dornröschen mit einem Fluch belegt. Das hat aber diese Frau getan, weil sie eigentlich böse war. Ich bin nicht böse, aber mir wird es angelastet.
Ich tue eigentlich niemand etwas, aber jeder denkt, dass ich nicht schön bin. Warum nur finden sie mich hässlich? Ich kann es mir nicht erklären, denn ich bestehe aus zwei Ziffern, aus der 1 und der 3. Jeder hat nicht das Geringste gegen diese beiden Zahlen, – auch nicht, wenn man sie in der richtigen Reihenfolge kombiniert. Die Menschen denken, dass die richtige Reihenfolge nur diejenige sein kann, in der die 3 vorne und die 1 hinten steht. Bei mir ist das jedoch genau umgekehrt. Nur weil bei mir die 1 vorne steht und die 3 dahinter, denkt jeder, dass ich eine schlechte Zahl bin. Am besten spricht man nicht von mir. Auch schreiben und lesen will man mich nicht.
Sie sagen, dass es ganz schlimm ist, wenn ich im Kalender auf einen Freitag falle. Den Freitag mag ich und auch er hat eigentlich nichts gegen mich. Tauchen wir irgendwo im Jahreslauf jedoch gemeinsam auf, so schrecken die meisten Menschen vor uns zurück. Aber das ist nicht alles. Sie haben regelrecht Angst vor uns. Schon am Morgen dieses Tages stehen sie dann mit einem schlechten Gefühl auf. Sie sagen, dass wir ihnen nicht gut tun. Nein, sie sind noch gemeiner zu uns, denn sie unterstellen uns, dass wir ihnen Böses antun. Aber das wollen wir gar nicht. Wir möchten ganz normal von ihnen behandelt werden, wie alle anderen Tage und Zahlen auch.
Da ich mindestens einmal und höchsten dreimal mit einem Freitag innerhalb eines Jahres zusammenfalle, herrscht in den Köpfen vieler Menschen an diesen Tagen ein heilloses Durcheinander. Sie sind regelrecht blockiert vor lauter Angst, dass ihnen ein Unglück geschehen könnte. Deshalb wagen sie sich an einem solchen Tag gar nicht erst aus dem Bett. Nur hier fühlen sie sich dann sicher. Wenn sie allerdings auf dem Weg vom Bett zur Toilette über ihre eigenen Füße stolpern, dann sind natürlich wir beide daran schuld. Wer sonst?, fragt ihr Euch. Das ist eine gemeine Unterstellung, denn weder der Freitag noch ich kann etwas dafür, wenn sie vor lauter Angst nicht aufpassen, wohin sie ihre Füße setzen.
In den Jahren, in denen der Februar nur 28 Tage hat und der Freitag in diesem Monat auf den 13. fällt, ist das genau 4 Wochen später wieder der Fall. Oh Schreck! Das muss ja schon eine halbe Katastrophe für solche abergläubischen Menschen sein. Ich kann nur sagen: Habt nicht so viel Angst vor uns. Der Freitag und ich sind alleine oder gemeinsam genauso harmlos oder gefährlich wie jeder andere Tag im Jahr auch.
Besonders gern mögen die Menschen die geraden Zahlen. Meine Nachbarn, die 12 und die 14 sind beides gerade Zahlen und sie werden geliebt. Warum nur kann ich nicht auch so geliebt werden wie diese Beiden? Weil ich ein bisschen anders aussehe, mag mich keiner, aber deshalb bin ich doch keine schlechtere Zahl.
Ich bin eine Primzahl, das heißt, dass man mich nur durch 1 oder mich selbst teilen kann. Aber das ist beispielsweise bei der 7 genauso und die 7 wird von niemand verachtet. Was habe ich nur falsch gemacht?
In vielen Kulturen werde ich als Unglückszahl angesehen. Manche Menschen haben so große Angst vor mir, dass sie auf mich fast schon allergisch reagieren. Sie meiden mich, als sei ich eine Krankheit, an der man sterben kann. Sie haben eine richtige Phobie gegen mich entwickelt.
Gibt es in einem Gebäude ein 13tes Stockwerk oder steht an der Tür eines Hotelzimmers die 13, dann wollen sie dieses Stockwerk oder das Hotelzimmer nicht betreten. Deshalb fehle ich in manchen Gebäuden, wie zum Beispiel in Krankenhäusern, gleich ganz. Ich habe mich dann sozusagen in Luft aufgelöst. Es ist als hätte ich nie existiert. Ich kann so laut schreien wie ich will und den Menschen versuchen zu erklären, dass ich harmlos bin und dies alles nur ein Aberglaube ist. Es nützt alles nichts. Im Gegenteil, man sagt sogar, dass ich mit dem Teufel im Bunde sei. Deshalb nennt man mich auch manchmal das Teufelsdutzend.
Ich bin einfach überflüssig, weil man mich als zuviel empfindet. Ich bin aber doch weniger als die 14 und bei der 14 sagt niemand, dass sie überflüssig oder böse ist.
Jetzt habe ich Euch mein Leid geklagt und weiß gar nicht, ob es Euch überhaupt interessiert. Wahrscheinlich nicht, denn wer hat schon an einer 13 Interesse?!
Huch, was ist das jetzt? Da hat mich doch gerade die kleine Lilly auf ein schönes weißes Papier gemalt und sich ganz schnell gemeldet, denn sie will der Lehrerin und den anderen Kindern etwas erzählen. Da bin ich aber neugierig und höre mal ganz schnell zu:
„Ich mag die 13 am liebsten“, sagt Lilli. „Und meine Mama mag diese Zahl auch. Sie ist unsere absolute Lieblingszahl. Meine Mama hat sogar Freitag, den 13. ganz besonders lieb. Sie sagt er erinnert sie immer an ihr größtes Glück, nämlich an mich, weil ich an diesem Tag auf die Welt gekommen bin.“

 

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Natürlich schön

Wieder einmal waren wir in der alten Heimat. Und wieder einmal haben wir Altbekanntes neu entdeckt. So machten wir zum Beispiel am Sonntag einen wunderschönen Spaziergang. Wir fuhren nach Bad Salzhausen, einem kleinen, aber überaus schnuckeligen Kurort. Dieser  liegt nördlich von Frankfurt am Main, am Fuße des Vogelsberges. 

Ich möchte Euch gerne den Kurpark in Bad Salzhausen vorstellen, der ebenso wie das dortige Kurhaus im 19. Jahrhundert entstand und sich uns in seiner natürlichen Schönheit und im Glanz der Herbstsonne gezeigt hat. Anfangs war es hier zwar noch ein wenig menschenleer und auch dunstig, als wir morgens um 10 Uhr den Park betraten, aber das sollte sich sehr schnell ändern.

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Wir liefen direkt auf die Trinkhalle zu. Leider hatte ich keinen Trinkbecher dabei, aber ich kostete das Heilwasser der Södergrundquelle trotzdem. Es plätscherte aus dem Trinkbrunnen, der von einem kleinen Nackedei auf einer Gans bewacht wurde.

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Justus Liebig höchstpersönlich hat laut Bildunterschrift die  Quellen im Jahre 1824 analysiert und damit die Grundlagen für die Heilbadentwicklung geleistet.

Es gibt hier insgesamt sechs Heilquellen (Söderquelle, Roland-Krug-Quelle, Lithiumquelle, Stahlquelle, Schwefelquelle und Nibelungenquelle).

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Wir konnten uns jetzt entscheiden, in welche Richtung wir den Park durchwandern wollten. Kurzentschlossen bogen wir erst einmal nach links ab und bewunderten die schöne Fontäne.

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Noch lag der Park im Schatten und machte einen eher verlassenen Eindruck,

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doch schon bald brach die goldene Herbstsonne hervor und immer mehr Spaziergänger begegneten uns. Da ich jedoch kein bekanntes Gesicht entdeckte, handelte es sich wohl hauptsächlich um Kurgäste und deren Besucher.

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Und wieder kamen wir an einer Quelle vorbei, die wir sogleich an ihrem Geruch erkannten. Es handelte sich um eine Schwefelquelle.

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Unser Weg führte uns ca. 350 Meter weiter bis zum Landgrafenteich, in dem jetzt im Herbst nicht nur Enten, sondern auch viele Blätter schwimmen.

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Jetzt traten wir den Rückweg zur Trinkhalle an, denn wir wollten diesen schönen und großen Park auch in die andere Richtung noch durchwandern.

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Dieser Kurpark birgt schöne Erinnerungen an einen ganz bestimmten Sommertag. Aber ihr müsstet uns noch ein Stückchen begleiten, bevor ich Euch davon erzählen kann und will.

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Wir marschierten also den Weg, den wir gekommen waren, wieder zurück und …

1200px-Rückweg3JPG… … erkannten in der Ferne die Fontäne und die Trinkhalle.1200px-Rückweg6Aber auch noch eine andere Besonderheit fanden wir in diesem Park, nämlich ein Gradierwerk.1200px-GradierwerkHier atmeten wir die gesunde Luft beim Umrunden des Gradierwerkes tief ein.

Auf einer Informationstafel des Kurortes Bad Salzhausen lasen wir:

„Zu Ihrer Information:

Durch die herabrieselnde Sole wird die Luft im Gradierwerk mit Salz angereichert. Die Wassertröpfchen bilden Partikel in der Luft. Dies wirkt sich ähnlich wie bei Seeluft beispielsweise bei Pollenallergikern und Asthmatikern und anderen positiv aus.

Durch das intensive Einatmen salzhaltiger Luft werden die Atemwege befeuchtet und die Wandungen der Atemorgane positiv beeinflusst. Des Weiteren besitzen die feinen Salzkristalle eine sekretlösende Wirkung, die die Atemwege intensiv von Bakterien reinigen und die Schleimhäute abschwellen lassen.“

 

Der Gradierbau in Bad Salzhausen wird durch zwei Quellen gespeist, nämlich die Nibelungenquelle und die Roland-Krug-Quelle.

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Meine Mutter verweilte noch eine Weile auf einer der Bänke innerhalb des Gradierwerkes, während wir dieses wieder verließen und weiter wanderten. Aus dieser Richtung hatten wir uns zuvor dem Gradierwerk genähert, doch jetzt liefen wir in der entgegengesetzten Richtung weiter.

1200px-vom Gradierwerk aus

Unser Weg führte uns zum Kräutergarten.

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1200px-Kräutergarten2

Und direkt neben dem Kräutergarten erblickten wir etwas, das bei uns Erinnerungen an einen ganz besonderen Tag wachrief. Aber davon erzähle ich Euch auf dem Rückweg.

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Zunächst einmal gingen wir zu einer weiteren Quelle, nämlich zur Lithiumquelle.

1200px-Lithiumquelle

Doch eigentlich interessierte uns das alte Wasserrad viel mehr. Also schnell wieder zurück.

1200px-Info Rad

Hier sahen wir das Gestänge des Wasserrades, das die mechanische Arbeit des Wasserrades weiterleitet.

1200px-Gestänge

Noch ein kurzer Blick von hinten und jetzt …

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… verrate ich es Euch:

Hier haben wir am Nachmittag des 28.6.1986 gestanden und

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wurden von einem Fotografen im Bild festgehalten.

Ich habe gleich am Montag unser Hochzeitsfotoalbum durchgeblättert. Werft mit mir einen Blick hinein:

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Sind wir nicht ein hübsches Paar?

Solltet Ihr einmal vor diesem Wasserrad stehen, so denkt an uns!

 

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Vom Winde verweht

Ich bin Laubinchen, ein Blatt. Vielleicht bist du mir schon einmal begegnet. Auf jeden Fall kennst du meine Schwestern und Brüder. Wir sind nämlich eine sehr große Familie. Wenn wir alle versammelt sind, nennt man uns Laub. Wir wohnen auf den Laubbäumen und sind im ganzen Land verteilt. Wenn der Baum groß und kräftig ist, also sozusagen schon ausgewachsen, dann hängen bestimmt 100 000 meiner Schwestern und Brüder an ihm. Obwohl es von uns so viele gibt, die sich auch noch alle ähneln, ist trotzdem jeder von uns einzigartig. 

Im Frühjahr, wenn es langsam wärmer wird und die Sonne ihre wärmenden Strahlen zur Erde schickt, dann brechen wir aus den Blatthöckern heraus und lassen den einst kahlen Baum ergrünen. Die Menschen freuen sich dann und sagen, dass die Natur wieder erwacht.
Im Herbst, wenn wir dann unser Grün gegen Gelb, Braun und Rot austauschen, erfreuen wir die Menschen wieder mit unserer Farbenpracht. Wenn wir unseren Farbstoff Chlorophyll abgebaut haben, dann dauert es nicht mehr lange und und wir fallen zu Boden. Der Baum ist dann kahl und im Frühjahr kommen wieder neue grüne Blätter, also weitere Geschwister von mir. Das ist ein ewiger Kreislauf.
Auch ich bin jetzt vom Baum gefallen und liege mit meinen Familienmitgliedern auf der Erde. Die ganze Wiese rund um den Baum haben wir inzwischen schon abgedeckt. Für die Käfer, Würmer, Igel, anderes kleines Getier und das Gras sind wir jetzt eine wärmende Schicht. Und gegenseitig halten wir uns natürlich auch warm, denn jetzt kann es schon ganz schön kalt werden in den Nächten und auch die Tage sind bereits kühler.
Gerade waren Kinder auf der Wiese. Sie sind durch das Laub gestampft und haben uns in die Höhe geworfen. Dabei sind wir Blätter ganz schön durcheinander gerüttelt und geschüttelt worden. Plötzlich ist kein Blatt mehr da, wo es vorher lag. Auch ich liege jetzt weit von meinem Baum entfernt. Ich brauche aber keine Angst zu haben, denn ich bin ja nicht allein. Es hat Spaß gemacht herumzuwirbeln und ich warte auf eine Kinderhand, die mich wieder hoch wirft. Aber die Kinder müssen nach Hause, denn es wird gleich dunkel.
Eigentlich fürchte ich die Dunkelheit nicht, weil ich ja schon immer Tag und Nacht draußen war.
Inzwischen ist es stockdunkel und kalt. Plötzlich höre ich ein Geräusch. Ich kenne es schon. Das ist der Wind. Als ich noch grün an dem Baum hing, da hat mich der Baum festgehalten. So konnte ich nicht hinunter fallen, wenn der Wind tüchtig geblasen hat. Manchmal kam sogar ein Sturm daher. An meinem Baum hat er einen Ast abgeknickt und der Baum konnte ihn nicht mehr versorgen. Ich war damals sehr traurig. Ich habe die Blätter dieses Astes sehr vermisst.
Der Wind ist inzwischen stärker geworden und kommt in Böen daher. Mit jedem Windstoß werde ich ein Stückchen weiter getragen. Mir ist schon ganz schwindelig von dem vielen Durcheinanderwirbeln. Ich schlage Purzelbäume, stecke auf einmal in den Zweigen eines Busches fest und werde kurz darauf wieder durch einen neuen Windstoß befreit. Er trägt mich zuerst hoch in die Luft, um mich dann neben einer Mauer fallen zu lassen. Links und rechts von mir liegen noch andere Blätter. Wir sind hier ein bisschen geschützt vor dem Wind, kuscheln zusammen und schlafen tatsächlich bis zum Morgengrauen ein.
Als ich wieder aufwache, ist ein lautes Getöse neben mir und ich spüre wieder einen Luftzug. Ich blinzele und erkenne einen Menschen mit einer Maschine in der Hand, an der ein großer Sack befestigt ist. Ich fühle, dass dies eine große Gefahr ist, denn viele der anderen Blätter verschwinden in dem Rohr und wandern in den großen Sack.
„Ich will da nicht hinein“, denke ich ängstlich. „Diese Maschine verschluckt uns alle.“
Immer mehr presse ich mich in den kleinen Spalt zwischen Erde und der Mauer.
„Vielleicht findet mich hier diese unheimliche Maschine nicht und saugt mich nicht auch noch auf“, so hoffe ich.
Ich verhalte mich ganz still, damit mich kein Mensch bemerkt.
Ich habe Glück, denn der Mensch mit seiner Maschine wandert weiter und entfernt sich immer mehr von mir.
Neben mir kauert auch noch ein kleines Blatt.
„Das war der Laubsauger“, sagt es zu mir.
„Was passiert mit unseren Geschwistern und Freunden, die der Laubsauger gefressen hat?“, will ich wissen.
„Ich habe die Igel sagen hören, dass die Blätter auf einen großen Haufen kommen und den Igeln und anderen kleinen Tieren Schutz bieten. Mit der Zeit werden die Blätter irgendwann zu Erde.“
Als ich traurig auf das Blatt neben mir schaue, versucht es mich zu trösten.
„Das ist nicht schlimm, denn wir werden alle zu Erde und wenn ein Samenkorn auf uns fällt, dann kann daraus wieder eine neue Pflanze wachsen und wir können ihr unsere Nährstoffe geben, damit sie groß und schön wird.“
Ich würde dem kleinen Blatt gerne noch weiter zuhören, aber ein Mädchen steht auf einmal vor mir.
„Schau mal!“, sagt es zu einem Jungen. „Das ist doch ein wunderschönes Blatt. Das nehme ich mit nach Hause.“
Sie hebt mich auf und legt mich in einen Korb, in dem noch andere Blätter liegen. Sie sehen zwar alle unterschiedlich aus, aber wir sind alle Blätter und gehören doch auch irgendwie zusammen. Deshalb fürchte ich mich nicht, denn ich bin ja nicht allein.
Zuhause angekommen legt das Mädchen mich auf ein Stück Zeitungspapier. Dann legt sie mich damit in ein Buch, deckt mich nochmals mit Zeitungspapier zu und dann klappt sie das Buch zu. Um mich herum ist es ganz dunkel. Zuerst ist mir ein bisschen unheimlich zumute, aber dann fühle ich mich eigentlich ganz wohl. Es ist warm, gemütlich und ganz still. Ich spüre, dass mir keinerlei Gefahr droht. Deshalb schlafe ich auch ganz beruhigt und lange ein.

Ich wache erst wieder auf als ich viele Kinderstimmen höre. Ich blinzele vorsichtig und blicke in staunende Kinderaugen. Das Mädchen, das mich in den Korb gelegt hatte, ist auch dabei.
„Was ist geschehen?“, frage ich mich und schaue mich um.
Die Kinder haben auf ein Stück Tapete einen großen prächtigen und kräftigen Baum gemalt. Jetzt darf jedes Kind die mitgebrachten Blätter an diesem Baum befestigen. Auch ich werde von dem Mädchen an einen Zweig, ganz oben in die Baumkrone gehängt.
Ich bin glücklich, denn ich hänge gemeinsam mit vielen anderen und unterschiedlich aussehenden Blättern wieder an einem Baum.
„Das habt ihr wirklich schön gemacht“, sagt eine Frau. „Das ist jetzt unser Klassenbaum und jeder darf seinen Namen neben ein Blatt schreiben.“
Neben mir steht der Name des Mädchens, das mich aufgehoben und in seinen Korb gelegt hat:

Bettina

Unter dem Blatt neben mir schreibt ein anderes Mädchen seinen Namen:

Zahira

HANS GUCK-IN-DIE LUFT

Wer kennt sie nicht, diese Geschichte aus dem Struwwelpeter von Dr. Heinrich Hoffmann?! Alle haben wir als Kind immer wieder gesagt bekommen: „Schau wo Du hin läufst!“ Damals wie heute achten wir auf unseren Weg, denn wir wollen doch nicht stolpern und uns soll es nicht so ergehen wie dem Hans in der Geschichte. Sie hat mich allerdings zu meinem heutigen Blogbeitrag inspiriert:

Wie heißt es dort so schön:

 

„Wenn der Hanns zur Schule ging, 

Stets sein Blick am Himmel hing.

Nach den Dächern, Wolken, Schwalben,

Schaut er aufwärts, allenthalben…“*

Ja, und wir schauen stets nach vorn, dicht vor die Füße und sehen nicht, was über uns ist. Ich habe wieder einmal meine Fotos durchforstet und habe dabei diese faszinierende Welt über unseren Köpfen entdeckt. Ich lade Euch nun ein, völlig ungefährlich diesen Spaziergang mit dem Blick nach oben mit mir zu wagen. Und glaubt mir, es ist nur eine klitzekleine Auswahl dessen, was sich da oben abspielt.

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Auf Teneriffa schaut dieser Hund von oben herab. Wir hätten ihn übersehen, wenn wir unseren Blick immer nur nach vorne auf unsere Füße geheftet hätten.

1200px-Statue Rügen

Auf Rügen blickt eine nackte Dame zu uns herunter und wir zu ihr hinauf.

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Und auf Sizilien weist uns eine Statue den Blick ebenfalls nach oben.

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Bäume wachsen in den Himmel, wie zum Beispiel diese Palme am Strand von Abu Dhabi.

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Egal, welcher Art diese Bäume sind und in welchem Land sie stehen, sie bieten den Vögeln, die hoch oben in der Luft ihre Flügel schwingen, einen Rastplatz an.

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Den Vogelflug zu beobachten, entfacht die Sehnsucht des Menschen so frei wie ein Vogel hoch in den Lüften zu schweben.

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An hohen Gebäuden gleitet unser Blick nach oben, egal ob in Berlin oder Abu Dhabi.

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Die Kirchtürme zeigen hinauf in den Himmel.

Übrigens: Die untere Kirche steht in meiner Heimatstadt.

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Wandert unser Blick die gewaltigen Felsen des Tede auf Teneriffa hinauf, so wird dieser durch die das Gestein umgebenden Nebelschwaden am Höhersteigen gehindert.

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Wir beobachten einen Drachen am Himmel, der sich gemeinsam mit unseren Träumen und Sehnsüchten hoch oben im Winde wiegt.

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Denn auch der Mensch will nach oben.

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Deshalb setzt er sich in Heißluftballs oder Flugzeuge. Nun kann er nämlich die Welt dort oben erkunden und auf die Welt unten herab blicken.

Sehnsuchtsvoll schauen wir dem Urlaubsflieger nach und winken den Menschen im Korb  des Heißluftballon zu.

1200px-Reisen21200px-Fliegendes Ei

Von unten nach oben betrachtet, sehen wir das Flugzeug in zehntausend Meter Höhe vorüber fliegen. Bei guter Sicht und guter Beobachtungsgabe können wir vielleicht sogar das fliegende Ei erspähen, von dem ich Euch schon mal eine Geschichte aus der Familie meines Mannes erzählt habe.

Doch betrachten wir uns den Himmel einmal genauer. Er hat viele unterschiedliche Gesichter.

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Seine Wolken haben viele verschiedene Formen und Farben.

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Auch das Licht des Himmels beleuchtet unsere Welt in den unterschiedlichsten Farben. Die beiden Bilder oben habe ich am Wasserkreuz nahe Magdeburg aufgenommen.

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Sonnenuntergänge wie zum Beispiel hier auf Mallorca sind romantisch und malerisch.

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Aber wir müssen nicht auf Reisen zu gehen, um eine solche Abendstimmung zu finden. Wir haben dieses Schauspiel alle direkt vor unserer Haustür. Wir müssen nur hinsehen und uns verzaubern lassen.

Ich kann den Hans aus der Struwwelpeter-Geschichte verstehen. Die Welt dort oben ist so faszinierend, verleitet uns zum Träumen und lässt uns alles andere vergessen.

Denkt aber immer daran, auf Euren Weg zu achten. Aber bleibt zwischendurch immer einmal stehen und richtet Euren Blick nach oben. Ihr werdet staunen!

Ich hoffe der Spaziergang mit Hans Guck-in-die-Luft und mir hat Euch gefallen.

 

*Zitat aus: Dr. Heinrich Hoffmann, Der Struwwelpeter, ungekürzte Ausgabe, Verlag unbekannt

 

 

 

Ich hab‘ da eine kleine Macke

Neulich war ein guter Bekannter bei uns und wir haben ganz gemütlich zusammen bei uns in der Küche gesessen und gemeinsam das Abendbrot eingenommen. Da er schon öfter bei uns war, kannte er sich auch bei uns aus. Als ich dann den Tisch abräumen wollte, sagte er ganz spontan:

„Bleib nur sitzen, ich mach das schon!“
Sollte ich mir das zweimal sagen lassen? Nein, ganz sicherlich nicht. Mein Mann machte auch keinerlei Anstalten ihn davon abzuhalten, geschweige denn selbst diese Aufgabe zu übernehmen.
„Ja, gerne“, sagte ich und ließ ihm freie Hand.
Er öffnete meine Spülmaschine und begann sie einzuräumen, während wir uns weiter unterhielten. Insgeheim warf ich einen Blick auf das, was er da tat, freute mich aber, dass er es tat. Anscheinend habe ich meinen Blick jedoch ein wenig zu lange auf seine Tätigkeit gerichtet, denn plötzlich stutzte er und fragte ein wenig verunsichert:
„Mache ich irgendetwas falsch?“
„Nein, nein!“, beeilte ich mich zu sagen.
„Mach schon, sag es mir!“, ermunterte er mich.
„Du machst schon alles richtig, nur ich hab da eine kleine Macke.
„Eine?!“, mischte sich mein Mann blitzschnell ein. Dafür bekam er von mir erst einmal einen strafenden Blick und ein knappes
„Haha!“
zugeworfen. Ergänzend dazu richtete ich mich wieder an unseren Bekannten, um ihm meine kleine Macke darzulegen.
„Du hast die Teller zwar absolut korrekt eingeräumt, aber schau mal, sie haben ein Dekor. Und zwar nur auf einer Seite.“
„Ich glaube, meine Frau hat da ein bestimmtes System. Ist aber Quatsch!“, kommentierte mein Peter. „Lass das nur so!“
Unser Bekannter wollte seine nun mal angetretene Aufgabe auch zu meiner vollsten Zufriedenheit ausführen und bat mich ihm zu sagen, wie ich es denn sonst immer handhaben würde.
„Also:“, begann ich vorsichtig. „Wenn du die Teller so einräumst, dass sich das Dekor immer rechts oben befindet, dann kann ich die Teller gleich so aus der Spülmaschine nehmen und in den Schrank stellen. Denn auch da will sich sie so stapeln, dass sich das Dekor immer rechts oben befindet. Dann brauche ich beim Tischdecken die Teller nicht immer zu drehen, denn auch da platziere ich diese mit dem Dekor rechts oben.“
„Na, dann mach ich das so!“, meinte unser Bekannter sofort bereitwillig.
Ich zuckte mit den Schultern und erklärte etwas kleinlaut und beschämt:
„Ist eben so eine Macke von mir.“
„Nein, ist schon in Ordnung, du brauchst Dich nicht zu entschuldigen. Sieht ja auch viel schöner aus!“
Während unser Bekannter dies in einem sehr überzeugenden Tonfall rüberbrachte, zeigten mir die hochgezogenen Mundwinkel meines Mannes ganz deutlich, was er davon hielt.
„Du hast aber auch noch eine andere Macke!“, stellte unser Bekannter fest und mein Peter fragte an diesem Abend schon zum zweiten Mal:
„Eine?!“
Ich ignorierte ihn.
„Kann gut sein. Welche meinst du denn?“, erkundigte ich mich neugierig.
„Neulich war ich doch bei Euch im Garten und Du hast Wäsche aufgehängt.“
Mir schwante ja schon etwas, aber ich ließ ihn ruhig weiter erzählen, denn ich wollte es von ihm selbst hören. Inzwischen grinste er nämlich auch und mein Mann hatte sichtlich seine Ohren gespitzt. Selbst Lottchen, unsere Katze, hatte sich mittlerweile neben meinen Stuhl gesetzt und schaute aufmerksam zu uns hoch, vermutlich jedoch aus einem anderen Grund.
„Ich habe festgestellt, dass du immer erst sehr genau hinschaust, bevor du die entsprechenden Wäscheklammern aus deinem Klammerkörbchen nimmst.“
„Aha, sehr vorsichtig formuliert“, meinte ich und ermunterte ihn: „Erzähl aber nur weiter! Ich bin mal auf deine weiteren Beobachtungen gespannt!“
„Wenn mich nicht alles täuscht, dann nimmst du immer zwei gleichfarbige Wäscheklammern, um ein Wäschestück aufzuhängen!“
„Stimmt! Gut beobachtet und ich dachte immer, das fällt niemand auf.“
„Habt ihr Probleme!“, ereiferte sich mein Mann. „Das wäre mir vollkommen egal und aufgefallen ist mir das mit den Wäscheklammern noch nie. Übrigens habe ich keine Macken…“
„Wenn du dich da mal nicht täuscht“, konterte ich zurück. „Jede Menge!“
„Welche denn?“, wollte er nun wissen.
„Mir fällt gerade keine ein!“
„Weil ich keine habe!“
„Das glaubst auch nur du!“, gab ich schnippisch zurück und meine Gehirnwindungen arbeiteten auf Hochtouren.
„Ich glaube jeder Mensch hat Macken, ich zum Beispiel…“, mischte sich nun unser Bekannter ein. Er kam jedoch nicht zum Weiterreden, denn mir war es eingefallen:
„Du ziehst immer erst dein Schlafanzugteil links herum an oder das Rückenteil nach vorne. Im letzteren Fall ziehst du dann einfach nur die Arme wieder heraus und schwingst das gesamte Teil wie ein Kettenkarussell mehrmals um deinen Hals herum, bis irgendwann die richtige Position erreicht ist.
Außerdem kannst du nichts wegwerfen.
Und dann ist da noch was: Wenn ich dich frage, wohin wir in den Urlaub fliegen wollen, dann sagst du immer: ‚Das ist mir egal!‘ “
„Na, weil es mir eben egal ist!“
Mittlerweile war ich gut in Fahrt gekommen, aber ich hörte, wie die Haustür aufgeschlossen wurde. Unser Sohn war gekommen, der sich auch gleich zu uns setzte. Er lauschte zunächst andächtig unserem Gespräch, ohne sich jedoch daran zu beteiligen. Nach einer Weile zog er sein Handy aus der Tasche, drückte und scrollte darauf herum. Dann stieß er sachte unseren Bekannten am Arm an und hielt ihm das Handy vor die Nase. Dieser betrachtete ausgiebig das Angezeigte auf dem Display. Plötzlich brustete er vor Lachen los und auch unser Sohn stimmte ein.
Mein Mann und ich waren etwas verwirrt und deuteten zunächst dieses Verhalten als eine Unterbrechung und Desinteresse an unserer Unterhaltung. Doch da hatten wir uns geirrt, denn unser Sohn hielt nun sein Handy hoch und ließ uns ebenfalls einen Blick auf sein Display werfen. Fast gleichzeitig stimmten wir in das Gelächter der beiden jungen Männer ein. Das Display zeigte nämlich ein Foto, das unser Sohn irgendwann einmal vor dem Verlassen seiner Wohnung gemacht hatte. Hierauf befand sich die Bedienungsleiste seines Kochfeldes.

Halt, nicht wegwerfen!

Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Alles, was für uns scheinbar keinen Wert mehr besitzt, wird entsorgt. So kommt es, dass wir unsere Waren nur kurz gebrauchen, aus den unterschiedlichsten Gründen wegwerfen und durch neue wieder ersetzen. Inzwischen entgegnet man der Wegwerfgesellschaft mit dem sogenannten Produkt-Recycling, das heißt man versucht zum Beispiel Abfälle zu vermeiden und die Rohstoffe wieder zu verwenden. Unsere Mülltrennung liefert hierzu einen großen Beitrag. 
Doch hierum geht es heute an dieser Stelle nicht. Sondern einzig und allein nur um das Zeitungspapier. Jeden Morgen holen wir die Tageszeitung aus dem Briefkasten. Ist sie gelesen, wird sie entsorgt. Gut, manchmal schneide ich mir auch einen Artikel über besonders Wissenswertes aus, aber ansonsten landet alles in der Papiertonne. Doch hin und wieder hole ich mir auch wieder einige Seiten des alten Zeitungspapiers heraus. Warum, fragt Ihr? Weil es noch sehr nützlich ist und für die unterschiedlichsten Zwecke gute Dienste leisten  kann.

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Als Kind hat wohl jeder schon einmal einen Zeitungspapierhut oder ein -schiffchen gefaltet.

1200px-Schnipsel

Auch das Zerreißen in kleine Papierschnipsel und das anschließende Bekleben z.B. eines Luftballons mittels eines Papier-Kleister-Gemisches (Pappmaschee), um daraus eine Maske, ein Sparschwein oder Ähnliches herzustellen, macht selbst den Kindern im Computerzeitalter noch Spaß.

Zeitungspapier kann uns beispielsweise helfen unsere Fenster ohne Chemie streifenfrei zu bekommen. Ich kann mich gut erinnern, dass ich die beiden großen Fensterscheiben unserer ersten Wohnung mit Zeitungspapier poliert habe. Einen Abzieher hatte ich nicht, also griff ich zu dem, was da war.

1200px-Spiegel

Spiegel lassen sich damit ebenfalls von Streifen oder Fingerabdrücken befreien.

1200px-Kamin

Selbst die Scheibe unseres Kamins reinigt mein Mann mit Zeitungspapier, das auch für die Backofenreinigung oder die Säuberung des Grillrostes sehr nützlich ist.
Für das Verraten eines anderen Tricks im Zusammenhang mit dem Kaminfeuer ist mein Mann meiner Mutter sehr dankbar.

1200px-Feuer

Klar, zum Anmachen eines Feuers kann man es verwenden. Sie hat ihm allerdings auch noch erzählt, dass sie früher am Abend vor dem Zubettgehen ein Brikettstück in Zeitungspapier eingewickelt haben. Dies wurde dann auf die Glut gelegt und hat somit die Glut bis zum nächsten Morgen erhalten und das Entfachen eines neuen Feuers einfacher gemacht.

1200px-Schuh

Jetzt haben wir Herbst und diese Jahreszeit bringt uns wieder vermehrt Regen und Nebel. Unsere Schuhe werden nass. Also greife ich nach Zeitungspapier und stecke es in die Schuhe, denn es nimmt die Nässe auf und lässt unsere Schuhe wieder trocknen.
Da das Zeitungspapier auch unangenehme Gerüche aufnehmen kann, wird es auch in trockene Schuhe gesteckt, ins Katzenklo gelegt oder sogar ins Gemüsefach im Kühlschrank.

1200px-Situation 3

Aber auch im Garten kann es seine Anwendung finden. Dann nämlich, wenn keine Unkrautfolie zur Hand ist oder man ganz einfach nur das Geld dafür sparen will. Als Schicht zwischen Erde und Rindenmulch wird es zum effektiven Unkrautstopp.

Im Frühjahr, wenn sich doch noch einmal der Frost ansagen sollte, kann man die bereits gesetzten Pflanzen vor dieser Kälte schützen.

Äpfel, die man im Herbst geerntet hat und in Zeitungspapier wickelt, sind auch im Frühjahr noch knackig und frisch.

Ebenso kann man mit Zeitungspapier die Mülltonne auslegen, um Feuchtigkeit damit aufzufangen.

Als Handwerker weiß man seine Dienste ebenfalls zu schätzen. Beim Streichen z. B. verhindert es, dass Farbtropfen auf Stellen gelangen, die nicht gestrichen werden sollen.  Die Kinder legen beim Malen mit Wasserfarben den Tisch damit aus und selbst Büchern kann es als schützender Einband dienen.

1200px Geschenk

Warum sollte man nicht auch einmal ein Geschenk damit einpacken und anschließend mit schönen Schleifen verzieren?!

1200px-Paeckchen

Als Ersatz für die Luftpolsterfolie kann es weiterhin beim Verschicken von Päckchen dienen und beim Umzug lassen sich mit Hilfe von Zeitungspapier die eingewickelten Gläser oder Geschirrteile vor dem Zerbrechen schützen.

Oben auf die (Küchen-) Schränke gelegt, verhindern sie das Ablagern von Staub und Fett.

Unser Zeitungspapier ist in gewisser Hinsicht nahezu ein Alleskönner und vielseitig einsetzbar. Und selbst wenn wir es in der Papiertonne entsorgen, wird es einer Wiederverwertung zugeführt.

Einfach super, – unser Zeitungspapier!

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Immer rund herum

Neulich bei einer Aufräumaktion in unserem Gartenhaus kam er zum Vorschein. Ich wusste zwar, dass ich ihn noch besitze, aber ich habe ihn schon geraume Zeit nicht mehr benutzt. Dieses Etwas, von dem ich Euch noch nicht verrate, was es ist, hat einerseits Erinnerungen hervor gerufen und andererseits meinen Ehrgeiz angespornt. Aber zunächst einmal erzähle ich Euch meine Geschichte dazu:

Wir verbrachten unseren Sommerurlaub in einem südlichen europäischen Land. Ich glaube es war damals Griechenland oder Spanien, vielleicht war es aber auch Italien. Das weiß ich nicht mehr. Trotzdem kann ich mich noch sehr genau an den besagten Abend erinnern. Wir hatten bereits das allabendliche Buffet und den anschießenden Verdauungsspaziergang hinter uns, da entschlossen wir uns doch noch einmal bei der Abendveranstaltung in unserem Hotel vorbeizuschauen. Alle Urlauber waren schon versammelt, saßen vor der Bühne und richteten ihren Blick gespannt nach vorne. Es war gerade eine kurze Pause und es handelte sich um eine Darbietung mit Akrobatik und anderem Zirkusähnlichen folgen.
„Ich hab‘ eigentlich gar keine große Lust“, verkündete mein Mann. „Das haben wir in abgewandelter Form doch schon hundert Mal in irgendeinem Hotel gesehen.“
Ich weiß, dass mein Mann solche Vorführungen nicht besonders mag. Ich hingegen bin immer in der Erwartung etwas zu sehen, was ich vielleicht vorher doch noch nicht gesehen oder erlebt habe. Möglicherweise war ja ausgerechnet diese Vorführung besonders sehenswert. Also versuchte ich ihn zu überreden:
„Komm, lass uns wenigsten einen Moment zuschauen. Wir können doch wieder gehen, wenn es langweilig ist.“
„Na gut“, willigte er ein.
Ob es meine Überredungskunst oder mein Charme war, oder vielleicht sogar beides, lasse ich dahingestellt. Jedenfalls hatte ich mein Ziel erreicht. Ich ahnte zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht, dass die Rache auf dem Fuße folgen sollte.
Wir fanden sogar noch freie Stühle und setzten uns erwartungsvoll hin, wobei wir wahrscheinlich gegenteilige Erwartungen hegten. Die Tatsache, dass wir uns Getränke bestellten, ließ mich die Hoffnung hegen, dass wir nicht nur auf einen Sprung vorbeischauten, sondern doch einen Moment länger verweilen würden.
Es kam zunächst ein Zauberer, der es tatsächlich fertigbrachte ein Kaninchen aus dem Zylinder zu zaubern. Nach diversen anderen Tricks, verabschiedete er sich und eine Frau mit einer Schlange trat auf. Mir schwante schon etwas. Auch fühlte ich mich plötzlich etwas unwohl in meiner Haut. Und tatsächlich wurde auch schon ins Publikum gefragt, wer wohl so mutig sei, sich die Schlange um den Hals zu hängen.
„Du!“, zischte es an meiner Seite.
„Ganz sicher nicht!“, zischte ich zurück und rutschte auf meinem Stuhl ein wenig tiefer, in der Hoffnung, dass man mich nicht sehen würde.
Anscheinend war ich tief genug gerutscht, denn derjenige, der das „Opfer“ aussuchte, ging an unserer Stuhlreihe vorbei.
„Glück gehabt!“, meinte mein Mann grinsend.
Ich atmete tief durch und freute mich, dass ich der Auserwählten von meinem Platz aus unbeschadet zusehen durfte. Doch dieses Glück währte nicht lange.Wie drückt es noch ein bekanntes Sprichwort so treffend aus?:
„Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.“
Nach dieser etwas gefährlicher anmutenden Animation, folgte ein harmloserer Teil des Abendprogramms. So entspannte ich mich wieder und sah zu wie der Mann auf der Bühne mit Bällen und Ringen jonglierte. Das konnte er tatsächlich gut. Danach folgte wiederum eine Frau mit einer besonderen Darbietung. Sie brachte viele Hula-Hoop-Reifen mit und spielte mit ihnen sehr gekonnt auf alle nur möglichen Arten. Unter anderem ließ sie einen Reifen um ihre Hüften kreisen. Doch damit nicht genug, sie warf sich immer mehr Reifen um und lieferte uns eine perfekte Vorführung.
Dies sollte nun auch der letzte Teil des Abendprogramms sein. So dachte ich zumindest und alle anderen wohl auch. Doch dann durchzuckte den Animateur unseres Hotels, der uns durch das Abendprogramm geführt hatte, ein Geistesblitz. Er meinte nun, er müsse wiederum das Publikum einbeziehen. Er fragte gar nicht lange, sondern erklärte sofort:
„Ich brauche jetzt unbedingt zwei Damen und einen Herrn aus dem Publikum!“
Irgendwie hatte ich dies nur mit halben Ohr mitbekommen, da ich innerlich schon mit der Veranstaltung abgeschlossen hatte. Doch auf einmal hörte ich wie mein Peter fingerzeigend meinte:
„Hier, meine Frau!“
Ich warf ihm sofort einen strafenden Blick zu und versuchte mich wiederum so klein wie möglich zu machen. Diesmal allerdings, indem ich scheinbar etwas unter dem Tisch aufzuheben versuchte. Gleichzeitig spürte ich wie jemand neben unserer Stuhlreihe stand. Ich riskierte einen schüchternen Blick und schaute geradewegs in die Augen des besagten Mannes. Lächelnd meinte er nur:
„Darf ich bitten?!“
Jetzt half alles nichts. Ich musste unter dem schelmischen Grinsen meines Mannes auf die Bühne, wo inzwischen noch zwei weitere Urlauber standen. Jeder von uns bekam nun einen Hula-Hoop-Reifen in die Hand gedrückt. Zum Glück nur einen.
Als Kind der Sechziger war mir das Spiel mit diesem Reifen wohlbekannt und ich darf auch sagen, dass ich es oft, gerne und gut gespielt habe. Selbst im Erwachsenenalter habe ich es hin und wieder noch einmal erfolgreich probiert.
Aber man kennt ja den berühmten Vorführeffekt. Außerdem war mein Sommerkleid sicherlich nicht das geeignete Outfit für diese sportliche Betätigung. Und es war ja auch schon ein paar Tage her, dass ich den Hula-Hoop-Reifen habe kreisen lassen. Tausend Argumente fielen mir ein, weshalb es nun nicht klappen würde. Bei den anderen beiden Kandidaten war ich mir auch nicht sicher, inwieweit sie diese Übung beherrschten. Aber alles nutzte jetzt nichts mehr, das Publikum wollte unterhalten werden und anscheinend auch auf meine Kosten. Besonders mein Peter würde sich freuen.
„Aber warte!“, dachte ich mir so.
Doch mehr konnte ich nicht mehr denken, denn ich hörte schon wie der männliche Kandidat neben mir den Ring ohne eine einzige Umkreisung zu Boden fallen ließ.
Das „Och!“ und „Ach!“ des Animateurs ging im Lachen des Publikums unter.
Jetzt war die andere Kandidatin an der Reihe, doch auch bei ihr fiel der Reifen nach unten. Sie schaffte vielleicht ein oder zwei Umdrehungen.

Und dann war ich dran. Es gab kein Zurück mehr. Aber ich würde mich ja nicht alleine blamieren, die anderen Beiden hatten es bereits getan.
Also schlüpfte ich in den Reifen, schob mein linkes Bein etwas nach vorne, positionierte den Ring so an meinem Körper, dass er waagrecht in Höhe meiner Taille hinten am Rücken anlag und hielt ihn an beiden Seiten fest. So! Ich war startklar!
„Auf keinen Fall zu Peter schauen“, dachte ich noch.
Dann gab ich dem Reifen einen ordentlichen Schwung nach links und bewegte mich rhythmisch mit meinen Hüften immer vor und zurück.
Was soll ich sagen? Der Hula-Hoop-Reifen kreiste um meine Hüften und kreiste und kreiste. Immer und immer wieder. Das Publikum begann zu applaudieren und ich ließ immer noch den Ring kreisen, bis er irgendwann nicht mehr wollte.
Man kann sich vorstellen, dass ich stolz und grinsend wie ein Honigkuchenpferd wieder von der Bühne stieg. Und sauer auf meinen Peter war ich auch nicht mehr. Dem aber stand sein Stolz ins Gesicht geschrieben.

Ja, das ist nun schon ein paar Jahre her und stellt Euch vor:
Ich kann es immer noch. Vielleicht nicht mehr ganz so gut und perfekt wie damals. Ich musste ein paar Mal probieren. Aber es klappt! Und jetzt werde ich es wieder öfter spielen, – dieses tolle Spiel mit dem Hula-Hoop-Reifen.

 

 

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Putzteufel und Putzfee

Es ist eine unumstrittene Tatsache, dass Schmutz Geschichten erzählt. Um diese Geschichten geht es allerdings heute und hier an dieser Stelle nicht. Ich denke mir einfach „Schmutz, – na warte!“ und widme mich heute dem Thema „Putzen“. Auch das Entfernen von Schmutz gehört zu unserem Leben und erzählt Geschichten. Vermutlich entfernten schon die Höhlenmenschen in ihren Behausungen die Verunreinigungen, die durch das Feuer entstanden. Doch so weit zurück will ich mich heute gar nicht wagen, sondern beziehe mich auf die Gegenwart und die nahe Vergangenheit.
Dem Putzen scheint etwas Teuflisches und gleichzeitig ein Zauber innezuwohnen, zumindest, wenn man die beiden Bezeichnungen in der Überschrift betrachtet. Anscheinend muss man dem Schmutz, den man ja durch Putzen beseitigen möchte, mit dem Teufel, in Form von Putzmitteln, zu Leibe rücken. Oder meint man damit diejenigen, die wie vom Teufel besessen alles um sich herum säubern?

Andererseits spricht man von der Putzfee, was den Eindruck vermittelt, man könne den Schmutz mithilfe eines Zaubers besiegen. Dies scheinen auch die Hersteller der Putzmittel und die Werbung glaubhaft machen zu wollen. Durch die vielen Zaubermittel, die es inzwischen auf dem Markt gibt, soll laut Versprechungen, der Schmutz fast von alleine verschwinden und alles wie von Zauberhand in neuem Glanz erstrahlen. Oftmals angeblich sogar ohne Scheuern und Schrubben oder anderweitige Hilfsmittel. Tatsächlich aber kann Putzen auch eine schwere und körperliche Arbeit sein.
Wir putzen und schrubben, wischen und wienern täglich in irgendeiner Ecke unseres Umfeldes. Und so kommt es, dass „nach dem Putzen“ auch gleichzeitig immer mit „vor dem Putzen“ gleichgesetzt werden muss. Ob wir dabei den Putzlappen, den Schrubber, die Bürste, das Spültuch oder den Staubwedel benutzen, Sinn und Zweck ist die Reinigung. Schmutz ist einfach nur Materie am falschen Ort und diese muss beseitigt werden. Hierfür braucht man Zeit und Geduld und selbstverständlich die richtigen Putzmittel.
Putzen ist oftmals eine undankbare Sache. Warum? Ganz einfach, denn wirklich dreckig ist unsere Wohnung beispielsweise nie. Also putzen wir und hinterher sieht man es noch nicht einmal. Man sieht nur, wenn es schmutzig ist, aber dazu lassen wir es ja nicht erst kommen und daher wird die Tätigkeit des Putzens meist auch unterschätzt und zu wenig gewürdigt.
Der Wohnungsputz ist die eine Sache, aber wie sieht die Sauberkeitserhaltung in anderen Bereichen aus? Es gibt Arbeiten außerhalb unserer Wohnung und innerhalb anderer Tätigkeitsbereiche, in denen tatsächlich und wahrhaftig Schmutz beseitigt werden muss. Hier müssen dann oftmals echte Profis ans Werk.
Man denke zum Beispiel an den Tatortreiniger und dabei meine ich nicht nur die Fernsehserie im NDR mit Bjarne Mädel, sondern diejenigen Menschen, die im wirklichen Leben mit solchen Aufgaben betraut sind. Die Reinigung von Leichenfundorten, die Säuberung von Messiehaushalten, Entrümplungen usw. erfordern Profis und und sind sicherlich keine angenehmen und leichten Aufgaben.
Profis werden auch in anderen Bereichen der Säuberung benötigt. Am häufigsten zu beobachten sind die Fassaden- und Fensterreiniger. Sie sind oftmals in luftigen Höhen am Werk und sollten unbedingt schwindelfrei sein.
Aber denken wir doch einmal an andere Bauwerke, nicht nur an Wohnhäuser oder gigantische Bürogebäude. Was ist eigentlich mit dem Eifelturm? Putzt ihn auch jemand oder wird diese Säuberung allein der Natur und damit dem Regen überlassen? Nein, auch die gigantischen und großen Wahrzeichen unserer Welt werden von Profiteams gereinigt und zwar regelmäßig. Bleiben wir vorerst einmal beim Eifelturm: „Um den 324 Meter hohen Turm (…) vor Verwitterung zu bewahren, wird er einmal im Jahr von oben bis unten geschrubbt, vier Tonnen Waschtücher und mehr als 25000 Mülltüten werden dabei verbraucht.“ *
Mal ganz ehrlich: Ich bekomme schon Höhenangst, wenn ich den Eifelturm nur von unten nach oben betrachte. Allein die Vorstellung, in dieser Höhe auch noch zu putzen, lässt Übelkeit in mir aufsteigen. Deshalb kann ich nur sagen, dass man die Leistung dieser Menschen viel zu wenig zur Kenntnis nimmt. Diese Arbeiten kann man selbstverständlich nicht ungesichert ausführen. „Zwei Hektar Fangnetze werden zur Sicherheit um den Eifelturm gespannt, wenn die 25 Maler die Fläche von 35 Fußballfeldern anstreichen.“ **
Aber auch der Big Ben in London wird gereinigt. Immerhin sollen seine Zifferblätter glänzen. Da man für jedes Zifferblatt einen Tag benötigt, wird vier Tage lang geputzt. In dieser Zeit zeigen die Zeiger immer 12 Uhr an.***
Auch Denkmäler müssen gepflegt und gereinigt werden, um sie zu erhalten. Hierbei macht man sich u. a. die Trockeneisreinigung zu nutze, um nicht zerstörerisch zu wirken.
Selbst das Äußere der Flugzeuge wird trotz moderner Technik auch noch von Hand gesäubert. Auch hier sind Profis am Werk. Bei meinem nächsten Flug werde ich an sie denken.
Aber manchmal unterlaufen auch Profis Fehler. So hat die Putzwut, die zwar in guter Absicht ausgeführt wurde, manchmal schon zu unangenehmen Folgen geführt. Ich erinnere mich da an den wohl berühmtesten Fall, nämlich an Beuys’ legendäre Fettecke. Sie wurde laut wikipedia 1986 vom Hausmeister der Kunstakademie Düsseldorf entfernt. Ebenso wie diese Fettecke, wurde anderenorts ein weiteres Kunstwerk von Beuys’ versehentlich gesäubert, nämlich eine Badewannne, an der Heftpflaster und Mullbinden angebracht waren (vgl. Fettecke /Stand 20.1.2015 ) .
Und von noch einem weiteren Fall habe ich gelesen, bei welchem eine Reinemachefrau ihren Beruf allzu wörtlich genommen hat, allerdings ebenfalls zum Leidwesen eines Künstlers, des betreffenden Museums und dessen Besucher. Das Kunstwerk von Martin Kippenberger, ausgestellt in Dortmund, hatte den Titel:“Wenn’s anfängt durch die Decke zu tropfen“ und hierzu gehörte ein Gummitrog mit einem hellen Belag. Genau dieser wurde leider das Opfer einer Reinigungsaktion (vgl. Gummitrog / Stand 20.1.2015).
Ja, so kann es gehen, wenn Herr und Frau Saubermann zu gründlich vorgehen, aber das sind nur Ausnahmen, die dann allerdings auch Schlagzeilen machen. Von den vielen nützlichen Säuberungen hört und liest man eher wenig. Sie sind dann eher selbstverständlich und werden kaum bewusst wahrgenommen. Ich kann nur sagen: Undankbarkeit ist der Welten Lohn.
Selbst Feuerwehreinsätze haben Putzaktionen schon gefordert. Ich denke dabei jetzt nicht daran, dass jemand vielleicht aus schwindelerregenden Höhen gerettet werden muss. Allerdings geht es ebenfalls um das Befreien aus einer misslichen Lage. So hat eine Putzfrau in einem Möbelgeschäft in Würzburg den Versuch unternommen einen Mülleimer zu reinigen. Als sie mit ihrem Arm ins Innere desselben vorgedrungen war und dort erfolgreich den Lappen geschwungen hatte, war ihr Arm angeschwollen und die Öffnung erlaubte keinen Rückzug des Armes. Lediglich die netten Männer der Feuerwehr waren in der Lage ihr zu helfen (vgl. Mülleimer / Stand 19.1.2015).
Wie in allen Bereichen des Lebens braucht derjenige, der den Schaden hat nicht für den Spott zu sorgen, der kommt von ganz alleine. Aber ich nehme an, dass auch sie nach erfolgreicher Rettung und ein bisschen zeitlichem Abstand über diese Situation lachen konnte und kann.

Man sieht wieder einmal:
Putzen ist gefährlich.
Deshalb passt gut auf Euch auf und putzt nicht so viel.

 

 

*und** Zitat aus: „Wie oft wird der Eifelturm geputzt“, in: P.M. Fragen & Antworten, 10/ 2015, S. 57

*** vgl. und weitere Informationen: Big Ben