Erdachtes & Erzähltes, Für Kinder, Kurzgeschichten
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Mopsi & Filou

Heute möchte ich in der neuen Kategorie „Erdachtes & Erzähltes“ eine kleine Geschichte einstellen, die auf einem Brief basiert, den ich von einem älteren, sehr netten Herrn erhalten habe. Er ist ein eifriger Leser meines Blogs und schilderte mir eine wahre Begebenheit, welche er als einen Beitrag für lifetellsstories vorschlug. Ich habe um diese Begebenheit herum eine Rahmengeschichte erdacht und aufgeschrieben. Am Ende dieses Beitrags befindet sich ein Foto mit dem Originaltext des Briefes. Für die Fotos von Mopsi posierte ein kleiner Mops, den wir mit Frauchen und Herrchen zufällig auf dem Blütenfest im Rhododendronpark Kromlau trafen. Die freundlichen und uns völlig unbekannten Hundebesitzer waren so nett, uns diese Aufnahmen für meine Geschichte zu gestatten. Für den Kater hat Nachbars Katze Modell gestanden.

Flori, der eigentlich Florian Müller* heißt und sechs Jahre alt ist, sitzt mitten in seinem Kinderzimmer auf dem Teppich und packt gerade seinen kleinen Koffer.  Nein, er will nicht ausreißen und auch nicht auf große Reise gehen. Er will dieses Wochenende ganz alleine beim Großvater verbringen. Seine Mama hat bereits alles Notwendige eingepackt, aber Flori möchte noch seinen kleinen Spielzeugkoffer bestücken. Selbstverständlich darf Fritz der Teddy nicht fehlen. Auch seinen Räuber Hotzenplotz packt er ein. Dieses Buch hat er von seinem Großvater zum Geburtstag bekommen. Noch kann er es nicht alleine lesen, aber bald. In der Zwischenzeit liest ihm Opa vor.

„Mama, wo ist denn mein Rucksack?“, ruft er seiner Mutter zu, die gerade in der Küche das Mittagessen vorbereitet. „Opa hat mir versprochen, dass wir auf Wanderschaft gehen. Er will mir den Vogelpark zeigen und da brauche ich den Rucksack für den Proviant!“

„Schau mal im Schrank, –  ganz unten links!“, antwortet die Mutter genau in dem Moment, als es an der Haustür klingelt.

„Opa,Opa!“, ruft Flori und springt schnell zur Haustür. „Da bist du ja endlich. Ich bin schon fast fertig. Ich muss nur noch schnell meinen Rucksack holen und dann können wir aufbrechen“, begrüßt er den Großvater, der seinen kleinen Enkel liebevoll in den Arm nimmt.

„Er ist schon ganz aufgeregt und kann es gar nicht erwarten, dass es endlich losgeht“, sagt die Mutter und drückt ihrem Vater einen Begrüßungskuss auf die Wange. Zu Flori gerichtet meint sie nur: „Jetzt lass doch den Opa erst einmal reinkommen und dann essen wir noch gemeinsam. Dann könnt ihr ja aufbrechen.“

So schnell hat Flori seinen Teller noch nie geleert, wie heute. Kein Krümmelchen ist mehr übrig geblieben. Selbst das Gemüse, das er sonst immer zur Seite schiebt, ist aufgegessen. Und dann ist es auch endlich soweit und er steigt zu Opa ins Auto.

„Warum hast du denn Mopsi nicht mitgebracht?“, fragt er seinen Großvater.

Mopsi ist die kleine Mopsdame, die sich der Großvater vor zwei Monaten aus dem Tierheim geholt hat. Er hatte sich nach Großmutters Tod so einsam und traurig gefühlt und sein guter Freund und Nachbar, der ab und zu einmal im Tierheim aushilft, hatte ihm von der Hundedame erzählt. Sie war ins Tierheim gekommen, nachdem sie auf einem Autobahnrastplatz ausgesetzt worden war. Eine Polizeistreife hatte sie an einem Baum angebunden gefunden und ins Tierheim gebracht. Als der Großvater vom Schicksal der Mopsdame erfahren hatte, besuchte er sie im Tierheim. Es war Liebe auf den ersten Blick gewesen, – auf beiden Seiten und Mopsi hatte nun ein neues Zuhause.  Seitdem ging es dem Großvater wieder etwas besser. Er war nicht mehr allein und auch nicht mehr so traurig.

„Mopsi ist heute bei meinem Nachbarn geblieben. Du weißt doch, sie verträgt das Autofahren nicht. Sie fängt dann immer ganz fürchterlich an zu jaulen und zu weinen. Wahrscheinlich hat sie Angst wieder ausgesetzt zu werden.“

„Dann lass uns ganz schnell zu Mopsi fahren!“, schlägt Flori vor und sieht den Großvater auffordernd an.

Als die beiden endlich in der Kleinstadt angekommen sind, in der der Großvater wohnt, ist es schon Nachmittag. Sie holen schnell Mopsi beim Nachbarn ab und marschieren dann zu Fuß in die Stadt, um ein paar Brötchen für das Abendessen zu holen. Auch einen Strauß Blumen wollen sie im Blumenladen besorgen und sie am nächsten Tag auf das Grab der Großmutter stellen. Heute ist Markttag und es herrscht ein reges Treiben auf den Wegen rund um den Marktplatz. Mopsi läuft artig auf ihren kurzen Beinchen mit. Sie ist angeleint und Flori darf die Leine halten. An jeder Ecke muss sie schnüffeln und jedes noch so kleine Bäumchen muss sie begießen. Der Großvater ist der Erste, der den großen kräftigen Kater sieht und die Gefahr erkennt. Er ist schwarz-grau und weiß gefleckt,  sitzt vor dem Blumenladen und beobachtet die vorübergehenden Menschen. Sein Blick ist nicht gerade freundlich, er schaut eher etwas skeptisch, fast schon ein wenig grimmig in die Welt. Seine Haltung wirkt angespannt, so als sei er gerade auf dem Sprung zu einem Angriff.

1200px-Sammy

„Gib mir bitte mal kurz die Leine“, bittet der Großvater den Enkelsohn und greift auch schon nach der Hundeleine.

„Warum denn, Opa?“, will Flori wissen. „Ich bin schon groß und kann ihn doch gut halten!“

„Nur vorsichtshalber, weil…“

Genau in diesem Moment erspäht die Mopsdame den Kater ebenfalls. Sie  reißt kräftig an der Leine  und bellt aus Leibeskräften. Großvater und Flori reden beruhigend auf Mopsi ein, doch diese lässt sich nicht beruhigen. Mittlerweile ist sie schon völlig außer Atem und kläfft aufgeregt in Richtung Kater. Dieser schaut sich die aufgeregte Hundedame verärgert an.  Seine Muskeln scheinen sich noch mehr anzuspannen und er beginnt warnend zu fauchen. Abgesehen davon, dass er überhaupt keine Hunde mag und die kleinen dicken schon gar nicht,  gefällt ihm dieses Gekläffe ebenfalls nicht. Er muss dieser kleinen Kläfferin das Maul verbieten. Er faucht abermals, muss allerdings erkennen, dass dies keine Wirkung auf den kleinen bellenden Hund hat.  Also marschiert er der Hundedame entgegen, baut sich vor ihr drohend auf und tut das, was Katzen manchmal tun, wenn sie etwas nicht mögen: Er haut ihr rechts und links die Pfote um die Ohren, so nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung. Danach dreht er sich wieder um und marschiert auf seinen Platz vor dem Blumengeschäft zurück. Dort legt er sich in die Sonne, reckt und streckt sich, als wäre nichts geschehen. Im Gegenteil, irgendwie scheint sein Blick nun zufriedener und ein wenig selbstgefällig. Die verblüffte Mopsdame würdigt er keines Blickes.

1200px-verdutzt

Das Trio bestehend aus Großvater, Flori und Mopsi, steht wie versteinert mitten auf dem Bürgersteig. Selbst das Kläffen von Mopsi ist verstummt. Als sich alle von dem Schrecken wieder erholt haben, hören sie eine herbei eilende Marktfrau rufen: „Filou, Filou! Ach hier liegst du rum. Ich suche dich schon die ganze Zeit. Du kleiner Streuner!“ Und als sie die Beiden mit Mopsi an der Leine sieht, rät sie dem Großvater: „Halten Sie Ihren Mops nur gut fest, – mein kleiner Filou mag nämlich keine Hunde!“

„Ich weiß“, meint der Großvater lachend. „Übrigens der Name passt zu Ihrem Kater wie die Faust auf das Auge!“

„Nein Opa, wie die Tatze auf Backe!“, verbessert ihn Flori und streichelt über Mopsis zartes kurzes Fell.

1200px Mopsi Schlussfoto

1200px der Brief

 

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* Alle Namen und Personen sind frei erfunden.

 

12 Kommentare

  1. Das ist ja ein knuffiges Kerlchen :-). Warum gehen Katzen und Hunde eigentlich aufeinander los? Unsere Dackeldame und der Nachbarskater sind sich jahrelang aus dem Weg gegangen, bis sie im letzten Jahr von der Katze so eins gewischt bekam, dass es fast wirklich ins Auge gegangen wäre. Seitdem ist die Dackeldame auf der Lauer und bellt fürchterlich, wenn der Kater nur in Sichtweite kommt.
    Danke für diese nette Geschichte 🙂

    LG Anna-Lena

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Anna-Lena,
      ich fand diesen kleinen Mops auch soooo süß!
      Wir hatten in der Nachbarschaft einen großen Hund, der immer im Garten hinter dem Zaun saß. Unsere Katze Lottchen hatte unheimlichen Respekt vor ihm, setzte sich aber auf den gegenüberliegenden Bürgersteig und provozierte ihn. Allerdings auf dem Bürgersteig, der direkt am Garten des Hundes vorbei führte, ging sie entweder nie oder nur in unserem Schutze. 🙂
      Es soll ja auch Hunde und Katzen geben, die sich vertragen, – wahrscheinlich, wenn sie miteinander aufgewachsen sind.
      LG
      Astrid

  2. Liebe Astrid,
    oh ja, Katzen können Hunden ganz schöän zusetzen. Diese Erfahrung haben unsere Hund auch immer machen müssen.
    Deine Geschichte ist herrlich und toll finde ich auch, dass du die Anregung deines Lesers aufgenommen hast!
    Herzliche Grüße
    Regina

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Regina,
      dieser nette Leser hat mir noch eine weitere Geschichte erzählt, die ich irgendwann auch aufschreiben und einstellen werde.
      Ich freue mich, dass Dir meine Geschichte gefallen hat und wünsche Dir einen schönen Tag.
      Astrid

  3. Martina sagt

    Das ist wirklich interessant, woher du deine Geschichten schöpfst. – Ich erinnere mich an den Dackel der Familie meines Mannes. Da gab es auch eine Katze in der Nachbarschaft. Die Zwei wurden auch keine Freunde :-(!!! Filou – ja, das passte in der Tat! Schöne Geschichte! Danke!

    • Astrid Berg sagt

      Hallo Martina,
      ja, ich finde es toll, dass man Kontakt zu seinen Lesern hat und sie mir sogar in ein paar Zeilen von Ereignissen berichten und diese für meinen Blog vorschlagen.
      LG
      Astrid

  4. Hallo Astrid,
    mein Kater hat auch immer die Hunde verdroschen bzw. eins übergezogen. Glaube nur, wenn sie zusammen aufgewachsen sind, gibt es keinen Stunk. Lieb, Deine Geschichte. Liebe Grüße Eva

    • Astrid Berg sagt

      Hallo Eva,
      das scheint ja ein gefährlicher Kater gewesen zu sein, so wie Du das beschreibst: „verdroschen“. Und dann hat er es sogar gleich mit mehreren Hunden aufgenommen, wahrscheinlich kam immer mal ein anderer an die Reihe 🙂 lustig! Allerdings für die Hunde eher nicht.
      Einen schönen Abend und LG
      Astrid

  5. Doreen sagt

    Hallo Frau Berg,
    wir haben uns heut riesig gefreut die Bilder von unserer Lucy in ihrem Blog zusehen.
    Die Geschichte ist wirklich süss und passt so super zu “ unserem “ Mopsi. Sie jagd auch gern mal die Miezi von Nachbars und verteidigt vehement ihr Revier.
    Wir wünschen Ihnen noch viele gute Ideen und Inspirationen um weiterhin so schöne Geschichten zuschreiben.
    Liebe Grüße
    Doreen , Uwe und natürlich Mopsi

    • Astrid Berg sagt

      Hallo Doreen, Uwe und Lucy (Mopsi),

      ich bedanke mich für Ihre netten Worte und freue mich, dass Ihnen die Geschichte gefällt. Es war wirklich sehr freundlich von Ihnen mir zu gestatten, Fotos von Lucy (Mopsi) zu machen. Sie ist unheimlich süß und mein Mann und ich haben sie sofort in unser Herz geschlossen. Bitte geben sie ihr ein paar Streicheleinheiten von uns. Ich würde mich freuen, wenn Sie auch weiterhin meinen Blog besuchen würden.

      Ganz liebe Grüße

      Astrid

  6. Astrid Berg sagt

    Irmi schreibt:

    Liebe Astrid,
    ich schaffe es einfach nicht, bei dir zu kommentieren. Ich habe schon alles probiert. Daher möchte ich dir auf diesem Weg schreiben, wie gut mir deine heutige Geschichte wieder gefällt.
    Darf ich sie mir mitnehmen, um sie meinen Lesekindern vorzulesen? Ich sage ihnen natürlich, dass sie von dir ist. Ich schmücke mich nicht mit fremden Federn.
    Ich wünsche dir eine gute Nacht.
    Liebe Grüße
    Irmi

  7. Astrid Berg sagt

    Liebe Irmi,
    ich freue mich, dass Du mir trotz dieser Kommentierungsprobleme schreibst und meine Geschichte mit Deinen netten Worten kommentierst. Selbstverständlich darfst Du die Geschichte Deinen Lesekindern vorlesen. Mopsi ist auch zu süß. Wir haben ihn gesehen und sofort ins Herz geschlossen, bestimmt finden auch Deine Lesekinder ihn niedlich.

    Ganz liebe Grüße
    Astrid

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