Dies & Das und sonst noch Was
Kommentare 13

Tipps für kleine und große Heinzelmännchen

Während eines Telefonats mit meiner Mutter erzählt sie mir von einer Fernsehsendung. Nein, nicht direkt über die Sendung geht unser Gespräch, sondern eher über einen hilfreichen Ratschlag, der dort erteilt wurde. Ja, und wie es eben im Leben so ist, liefert mir dieser die Idee für meinen heutigen Beitrag:

Mein Mann hat eine sehr unschöne Angewohnheit, die er mit Sicherheit mit vielen anderen Männern teilt:
Ich kaufe ihm ein neues Hemd, ein neues T-Shirt etc.. Er trägt es zum ersten Mal und schwups, so mir nichts, dir nichts hat sich ein Fleck darauf verewigt.
„Nichts passiert, nichts passiert!“, meint er dann und wischt erfolglos mit der Serviette über den Fleck, um ihn mit dieser Maßnahme sogleich tief und fest ins Gewebe einzureiben. Ein Blick in mein Gesicht zeigt ihm jedoch, dass ich über dieses Malheur nicht gerade erfreut bin. Da er sich mit mir aber gut stellen will, erklärt er mir voller Überzeugung:
„Mit den heutigen Waschmitteln ist das gar kein Problem!“
Woher er diese Weisheit hat, kann ich nur raten, denn er kümmert sich nicht um die Wäsche. Ich nehme an, er ist ein Opfer der Werbung geworden, zumindest in puncto Waschmittelwerbung.
Tja, und neulich, meine Mutter war gerade zu Besuch bei uns, war es wieder einmal soweit. Ein Fleck prangte auf seinem neuen T-Shirt.

Und hierauf spricht mich meine Mutter jetzt in unserem Telefonat an und reicht mir den Tipp aus der Fernsehsendung weiter:
„Versuch es doch einmal mit Rasierschaum, den du vor dem Waschen auf den Fleck sprühst. Es soll funktionieren.“
Ich habe es noch nicht ausprobiert, da ich das T-Shirt schon erfolgreich gewaschen hatte, aber ich werde es mir für die Zukunft merken. Überhaupt findet man überall mehr oder weniger Erfolg versprechende Ratschläge für den Haushalt. Ganze Bücher werden inzwischen damit gefüllt.
„Ja, genau!“, überlege ich. „Ich hatte doch als Kind ein Bilderbuch, das mir die Tante meiner Mutter, die in der ehemaligen DDR lebte, geschickt hatte.“
Meine Suche ist erfolgreich und ich halte plötzlich das besagte Bilderbuch in den Händen.
„Kleine Tips und kleine Winke“, heißt meine Ausgabe von 1965,

1200px-Kinderbuch

die in der Deutschen Demokratischen Republik gedruckt wurde. Der Verlag Karl Nitzschen in Niederwiesa in Sachsen hat damals die Texte von Eva Sonntag und die Illustrationen von Inge Uhlich in diesem schönen Kinderbuch veröffentlicht.

1200px-Anfang

Die Texte sind in Reimform. Die Bilder sind ebenso wie die Texte sehr kindgerecht. Schon die Abbildung auf der Titelseite ist sehr ansprechend und lässt richtig vermuten, dass es um kleine Helfer geht. Dies sollte man in zweierlei Hinsicht verstehen. Einmal auf die Tipps bezogen und zum anderen auf die Kinder, die zu Helfern der Eltern, also zu „Heinzelzwergen“ werden. (So werden die helfenden Kinder von Eva Sonntag bezeichnet.)
Auf der letzten Seite des Buches heißes dann auch:

„Wer von euch, ihr frohen Kinder,
diese Tips und Winke las,
wird den Eltern täglich helfen –
Viel Erfolg und noch mehr Spaß!“*

1200px-Ende

Die gebundene Ausgabe besteht aus 12 Blättern und weist viele hilfreiche Tipps für kleine und große Heinzelmännchen auf. Im Grunde genommen ist es zwar ein Kinderbuch, aber auch Erwachsene haben beim Durchblättern und Lesen ihre Freude.
Hier werden rohe Kartoffelscheiben unter die Sesselbeine gelegt, um den schweren Sessel mit Leichtigkeit zu verschieben. Aber die Kartoffel leistet auch bei Glatteis gute Dienste, wenn man mit ihr die Schuhsohle einreibt.
Das nach Zwiebeln riechende Messer soll man durch eine Möhre ziehen, um den Geruch loszuwerden. Den Sonnenbrand lindert man mit einem Tuch, das man in warme abgekochte Milch tränkt und auf die betreffenden Stellen legt.
Ich wusste nicht, dass die Johannisbeerblätter vor Maden im Käse schützen und die Blumen in der Vase Zucker lieben.
Hier wird weiterhin angeraten, das Teeglas auf ein nasses Tuch zu stellen und erst dann den Tee einzugießen. Ich habe von meiner Mutter als Kind gelernt, man solle einen Metalllöffel ins Glas stellen, weil dieser die Wärme ableitet. So kann man das Platzen des Glases verhindern.
Die nassen Schuhe soll man mit Knüllpapier ausstopfen, damit sie wieder trocknen. Ich weiß nicht genau was Knüllpapier ist, aber wir benutzen immer Zeitungspapier.
Auch habe ich früher beim Stricken ans Ende der Stricknadel einen Korken angebracht, damit mir die Maschen nicht herunter rutschen. Genau dieser Tipp ist neben vielen anderen Ratschlägen in diesem Kinderbuch ebenfalls zu finden.

Mir hat dieser Ausflug in meine Kindheit Freude gemacht und ich habe gemerkt, dass ich den einen oder anderen kleinen Tipp immer noch beherzige.

Vielleicht kennt ihr ja auch hilfreiche Tipps und Tricks wie man kleine Missgeschicke des Lebens bewältigt oder gar vermeiden kann.

 

Euch interessieren bestimmt auch noch folgende Beiträge:

Märchenhafter Taubenschlag

Zeitreise

* Zitat aus: Eva Sonntag u. Inge Uhlich, Kleine Tips und kleine Winke,Verlag Karl Nietzsche Niederwiesa/Sachsen, 1965, S.24

Die genannten Tipps stammen ebenfalls aus diesem Kinderbuch.

13 Kommentare

  1. Liebe Astrid, wie süß! Dazu fällt mir noch etwas ein: Ich habe auf meiner Seite ein kleines Unternehmen verlinkt, dass sich auf Alltagshelfer für gehandicapte Menschen spezialisiert hat. Da musste ich ein wenig schmunzeln, als ich folgenden Tipp las:

    Im Parkhaus könne man, wenn man einfach „zu kurze Arme“ habe, auch mithilfe einer Bratwurstzange die Parkkarte aus dem Automaten holen. Einfach Fenster runter und Zange raus. Ich stelle mir das lustig vor, als dahinter fahrende Fahrerin zu beobachten, wie sich eine Grillzange aus dem Fenster schiebt. LG Tanja

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Tanja,
      so kleine Tipps sind gar nicht verkehrt. Warum ein teures Hilfsmittel kaufen, wenn ein kleiner Trick ebenfalls das Problem lösen kann.
      LG und einen schönen Tag
      Astrid

    • Martina sagt

      Da muss ich mich jetzt einklinken: Ich weiß das auch von einer Frau, die nimmt aber keine Bratwurstzange, sondern eine Kuchenzange!!! Lach!!! Das Büchlein, das du vorstellst, ist sooo süß, liebe Astrid. Meine Mutter hatte auch ein Büchlein mit derartigen Tipps. Allerdings kann ich mich an den Rasierschaum-Tipp nicht erinnern. Das werde ich in jedem Fall ausprobieren. Hier gibt es nämlich mehr als 1 T-Shirt mit diversen Flecken, die sich nicht mehr beseitigen lassen möchten!!! 🙂 Auf den Shirts der Enkel!!! LG Martina

      • Astrid Berg sagt

        Ja,ja, Kinder, Männer und die Flecken, das gehört irgendwie zusammen 😉
        LG und viel Erfolg bei der Fleckenentfernung 😉
        Astrid

  2. Und wenn der Holde sich nicht nass rasiert, wie meiner??? Ich nehme in so einem Fall sofort Mineralwasser, das löst auch.

    Liebe Grüße aus dem grauen Morgen,
    Anna-Lena

    • Astrid Berg sagt

      Meiner rasiert sich auch nicht nass. Dann muss ich mir wohl den Rasierschaum von unserem Sohn ausleihen. Aber Mineralwasser habe ich jede Menge zu Hause,-danke für den Tipp.
      Ganz liebe Grüße
      Astrid

  3. Wir haben keinen Rasierschaum.
    Mein Mann rasiert sich elektrisch.
    Normal mach ich alles, indem ich die Flecken mit extra normaler Seife einweiche.

    • Astrid Berg sagt

      Anna-Lena hat gerade Mineralwasser empfohlen, aber Gallseife bewirkt manchmal auch Wunder.
      LG
      Astrid

  4. Hallo Astrid,

    so geht es mir auch 😀 und ich passe in letzter Zeit immer seeeehr genau auf, damit ja nix auf das T-Shirt kommt 😉

    Diese alten Hefte finde ich immer grandios, alleine die Art der Sprache – ich habe auch so ein paar Ratgeber von früher.

    Liebe Grüße
    Björn 🙂

    • Astrid Berg sagt

      Hallo Björn,
      anscheinend gibt es ein männliches „Klecker-Gen“, denn irgendwie scheinen diesbezüglich alle Männer gleich zu sein.
      LG und einen angenehmen Tag
      Astrid

  5. Das ist ja süß gemacht 🙂
    Ja da gibt es ja einige nützliche Tips in dem Büchlein. Ein paar kannte ich schon. Maden im Käse hört sich ja ziemlich bäh an.
    Ich könnte noch einen Tip zum Waschen dazugeben. Ausgeblichene, schwarze Wäsche wird wieder dunkler, wenn man ein paar Efeublätter mitwäscht.
    LG und schönen Abend noch.
    Eva

    • Astrid Berg sagt

      Danke Eva für diesen tollen Tipp. Ich werde ihn sicherlich ausprobieren und Efeu wächst bei uns im Garten.
      LG und einen schönen Tag
      Astrid

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.