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Ein seltsames Wesen

Schuld an dem heutigen Beitrag ist ein Wurm. Im Grunde genommen sogar mehrere Würmer. Der eine lag dieses Jahr im Frühling am Strand von Sizilien und kam mir wieder in Erinnerung, als ich einen Artikel über den Ohrwurm las. Diese beiden Würmer ließen mich nicht mehr zur Ruhe kommen, denn es fielen mir plötzlich viele Redewendungen, Vergleiche und Sprüche mit anderen Tieren, Pflanzen, Gegenständen usw. ein, die ich mir bildlich vorstellte. Alles miteinander kombiniert, entstand in meinem Kopf ein seltsam anmutendes Wesen.  

Ich möchte Euch also wieder einmal aufzeigen, wie faszinierend unsere Muttersprache mit ihren bildlichen Formulierungen sein kann. Die Sprüche, die mir so plötzlich im Kopf herum spukten, beziehen sich unter anderem auf Körperteile, das menschliche Aussehen, Verhaltensweisen, auf Charaktereigenschaften und Wesenszüge des Menschen.
Das Bild eines Menschen erscheint also vor meinem geistigen Auge. Dieser Mensch mutet schon etwas sonderlich und seltsam an und ist auf jeden Fall beschreibenswert. Man sollte vielleicht eine Karikatur von ihm anfertigen, denn er ist sicherlich lustig anzusehen. Also passt mal auf und sagt mir, ob ihr einen solchen Typen schon mal getroffen habt.
Wo soll man am besten mit der Beschreibung seines Aussehens anfangen?  Ich scanne ihn sozusagen von oben nach unten ab und beginne einfach mit seinem Kopf. Stellt ihn Euch bitte ebenfalls bildlich vor:
Seinen Kopf zieren zunächst einmal die berühmten Schnittlauchlocken. Er ist zwar selbst nicht zufrieden mit dieser Frisur, aber Haare wie Sauerkraut wären auch keine Alternative für ihn.
Da er vor geraumer Zeit ein Brett vor den Kopf bekommen hat, ist sein leichter Dachschaden schon auf den ersten Blick und weithin sichtbar. Unter anderem ist dieser auch an der Schraube zu erkennen, die bei ihm locker ist. Möglicherweise liegt es auch an dem Sand in seinem Getriebe, aber darüber möchte ich mich nicht weiter äußern.

Unter vorgehaltener Hand kann ich Euch allerdings verraten, dass er ziemlich viele Motten im Kopf hat, die sich unter anderem in seiner saloppen Kleidung widerspiegeln.
Neben dem berühmten Ohrwurm, lässt er sich immer wieder von irgendwelchen Mitmenschen im Handumdrehen einen Floh ins Ohr setzen.

Ich kann nur sagen, was irgendwo hinein kommt, muss auch irgendwo wieder heraus kommen. Folglich muss man ihm hin und wieder auch mal die Würmer aus der Nase ziehen, wodurch er schon einen außerordentlich großen Riechkolben mitten in seinem Gesicht besitzt. Auf diesem thront zu allem Überfluss auch noch ein besonders hässliches Nasenfahrrad.
Als wäre er damit nicht schon genug gestraft, hat er auch noch einen Dorn im Auge. Möglicherweise rührt er daher, weil irgendjemand oder irgendetwas sehr ärgerlich oder gar unerträglich für ihn ist, aber das ist jetzt nicht mehr zu ändern und damit muss er leben.
Betrachtet man seinen zwar wohlgeformten Mund, so ist man sichtlich geschockt, dass er Franzen am Mund trägt. Nein, das ist keine Krankheit. Sie sind ihm einfach so vom vielen Sprechen gewachsen. Er redet sich aber auch manchmal den Mund fusselig, um beispielsweise den Gesprächspartner von seiner Meinung zu überzeugen. Durch das viele Reden hat er außerdem noch einen Frosch im Hals, was ihn zum ständigen Räuspern veranlasst und den Frosch zu einem Dauergast macht.
Die Haare auf seinen Zähnen verdeutlichen, so wie er meint, seine Männlichkeit, beziehungsweise wie robust und hart im Nehmen er ist.
Doch im Grunde genommen ist er ein netter Mensch, der auch schon mal sein Herz auf der Zunge trägt.
Eine seiner guten Eigenschaften ist die Tatsache, dass er immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte seiner Mitmenschen hat. Sie nutzen dies nicht selten aus und haben ihm schon mit ihren vielen Fragen Löcher in den Bauch gefragt.

Er ist immer hilfsbereit und hat im Zuge seiner Hilfsbereitschaft schon oftmals die Beine in die Hand genommen. Zum Schluss hat er sich sogar ein Bein für diese Menschen ausgerissen. Sie hängen dann an seinen Lippen und nehmen letztendlich seine Ratschläge dankbar an. Hin und wieder hat ihm sogar einer der Hilfesuchenden aus Dankbarkeit die Arme um den Hals geworfen, was für ihn mehr wert ist als alles Geld der Welt.
Eigentlich könnte er aber von diesem Mammon etwas gebrauchen, denn er lebt keineswegs auf großem Fuß.
Seine Hände hingegen sind groß, wobei er allerdings zwei linke Hände aufweisen kann. Als sollte er hierfür entschädigt werden, hat ihm der liebe Gott einen grünen Daumen geschenkt.
Er liebt die Natur mit ihren Pflanzen und Tieren. Vor wilden Tieren fürchtet er sich nicht, zumindest nicht, wenn diese hinter Gittern eingesperrt sind. Erblickt er allerdings eine Spinne und sei sie noch so klein, dann bekommt er Pudding in den Knien und sein Herz rutscht ihm in die Hose. Hat er seine Begegnung mit einer Spinne logischerweise unbeschadet überstanden, so fällt ihm hinterher ein Stein vom Herzen.
Hand aufs Herz: Irgendwie ist der Typ trotz seines merkwürdigen Aussehens doch sympathisch. Ihr mögt ihn doch sicherlich auch!? Aber macht Euch keine allzu großen Hoffnungen, denn eine Dame hat ihm bereits den Kopf verdreht. Er ist bis über beide Ohren verliebt, hat Schmetterlinge im Bauch und schwebt auf Wolke sieben.

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Der Geist des Weines

Herr und Frau Kürbis

Neulich traf ich Herrn und Frau Kürbis. Sie hatten sich gerade an einer Tankstelle ein ruhiges Plätzchen für ihre Rast gesucht. Sie packten ihren Proviant aus und ließen es sich schmecken. Dabei kamen sie ins Gespräch. Ich wurde Ohrenzeuge dieses Gesprächs und muss sagen, manchmal verstand ich nur Bahnhof. Irgendetwas schien bei diesem Gespräch schief zu laufen. Irgendwie haben die Zwei sich nicht richtig zugehört, folglich auch nicht richtig verstanden und ständig aneinander vorbei geredet, so vermutete ich jedenfalls. 

Es dauerte eine Weile, aber dann verstand ich, was hier passierte. Ich musste an das Teekesselspiel denken, das wir als Kinder gerne gespielt haben. Durch die Doppeldeutigkeit mancher Wörter entstand ein heilloses Durcheinander und das Gespräch entgleiste derartig, so dass niemand mehr zu kapieren schien, worum es eigentlich ging. Oder sollte hier etwa eine absichtliche Irreführung vorliegen?

Die Beiden haben gerade jeder ein leckeres Wurstbrot verspeist, da greift sich Frau Kürbis an das Dekolleté. Sie steht auf und sucht den Boden rund um den Tisch mit ihren Augen ab.
„Ohje“, sagt sie. „Der Anhänger ist weg!“
Inzwischen ist sie völlig aufgelöst und bittet ihren Mann um Hilfe.
„Such doch mal mit, bitte!“
Herr Kürbis blickt von seiner Zeitschrift auf und weiß anscheinend überhaupt nicht, was seine Frau von ihm will.
„Hast du deine Brille nicht auf?“, fragt Herr Kürbis. „Dort drüben steht er doch. Genau da, wo wir ihn vorhin hingestellt haben. Da brauch ich gar nicht erst zu suchen.“
Frau Kürbis versucht ihrem Gatten zu erklären, was sie meint:
„Ach Klaus, mein Kreuz!“, stößt sie mit tränenerstickter Stimme hervor.
„Hast du Rückenschmerzen?“, bedauert er sie, steht auf und streicht ihr sanft und mitfühlend über den Rücken.
„Nein, nein, ich meine doch meinen goldenen Kettenanhänger, du weißt doch den vom Bruder Pedro.“
Herr Kürbis hat nur mit halben Ohr zugehört, da er die Plakette am Nummernschild des Anhängers inspiziert hat und ihm vermutlich plötzlich aufgefallen zu sein scheint, dass er noch in diesem Monat mit dem Wohnanhänger zum TÜV muss. Daher wirkt er jetzt etwas verwirrt:
„Welcher Bruder, du hast doch nur eine Schwester, die mit dem alten Bullen.“
„Aber Klaus, was redest du da?!“ Frau Kürbis ist sichtlich erschrocken. „Sind das etwa schon Alterserscheinungen bei dir? Meine Schwester hat doch keinen Bauernhof und daher auch kein altes Rindvieh“, korrigiert sie ihn.
„Das verstehe ich jetzt aber nicht.“ Die Verwunderung ist nun offensichtlich auf Seiten von Herrn Kürbis.
„Klar hat sie keinen Bauernhof, aber ihr Mann ist doch ein Bulle mit dem ich mich über die Blüten unterhalten habe, die er bei dieser Iris gefunden hat.“
„Klaus du wirst immer wunderlicher. Meine Schwester hat zwar einen Polizisten als Mann und viele blühende Blumen im Garten, aber keine einzige Iris. Das solltest du eigentlich wissen, zumal wir meiner Schwester immer bei der Gartenarbeit helfen. Vielleicht meinst du das Veilchen von ihrem Mann.“
„Echt? Sie hat ein Veilchen von ihm? Jetzt hat sie nicht nur einen Bullen, sondern auch noch einen Boxer“, grinst Herr Kürbis voller Schadenfreude, dem inzwischen das Gespräch Spaß zu machen scheint.
Frau Kürbis hat in diesem seltsamen Gespräch jetzt vollkommen den Faden verloren.
„Sie hat keinen Boxer, nur seit Kurzem einen Kater! Hab ich dir das noch nicht erzählt?“
Frau Kürbis ist sich anscheinend im Moment selbst nicht ganz sicher, ob sie ihrem Gatten von dieser neuen Errungenschaft ihrer Schwester schon berichtet hat. Aber dieser zieht wohl seine eigenen Schlüsse aus dem Bericht seiner Frau.
„Na, wenn sie einen Kater hat, dann hat sie sicher vorher einen ganz schönen Brand gehabt und jetzt brummt ihre Birne und sie ist blau“, schlussfolgert Herr Kürbis.
Vollkommen irritiert blickt Frau Kürbis auf den Vogel, der sich gerade neben ihrer Bank niedergelassen hat und fragt ihren Gatten kopfschüttelnd.
„Wer ist blau? Die Taube?“
„Taub ist sie auch noch? Und das bei ihren Schweineohren“, schüttelt Herr Kürbis verwundert und lachend den Kopf.
„Du meinst ihren legendären Bienenstich!“, berichtigt Frau Kürbis ihren Mann, der sogleich ein unsagbares Verlangen nach diesem köstlichen Kuchen zu verspüren scheint und ihr vorschlägt:
„Lass uns weiterfahren und in einem gemütlichen Café einkehren!“
„Ach, nein, mir ist der Appetit vergangen und ich habe keinen Bock mehr“, erklärt Frau Kürbis sichtlich erschöpft von diesem Gespräch.
„Ich verstehe dich nicht, meine Liebe, vorhin hast du ein Kreuz vermisst und jetzt sagst du es sei ein Bock“, wundert sich Herr Kürbis kopfschüttelnd.
„Ach Klaus, du hast mir mal wieder überhaupt nicht zugehört!“, entrüstet sich Frau Kürbis verärgert.
„Doch, doch meine Liebe und schau mal: Dort auf dem Tisch liegt dein Kreuzanhänger.“
Er streicht ihr zärtlich über die Hand und erklärt ihr lächelnd: „Sei mir nicht böse, es war alles nur Spaß. Mir saß einfach der Schalk im Nacken und das Spiel mit den Wörtern ist einfach zu schön.“

 

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Schon gehört?

Verdammt lang her!

„Kinder, wie die Zeit vergeht.“ „Verdammt lang her.“ Diese Aussprüche hört man oft und sagt sie auch manchmal selbst. An den eigenen Kindern kann man dies am deutlichsten feststellen. Gerade erst gestern fand zum Beispiel ein wichtiger Abschnitt im Leben unseres Sohnes seinen krönenden Abschluss. Aber nicht nur Menschen zeigen uns auf, wie die Zeit vergeht und wie lange gewisse Begebenheiten schon zurückliegen. Selbst an leblosen Dingen nagt der Zahn der Zeit, doch auch hier ist gute Pflege das beste Mittel gegen das Altern. 

Ich halte gerade ein Foto von einem Schrank in den Händen, der zwar immer noch in meinem Arbeitszimmer steht, aber auch schon in unserer ersten Wohnung vor fast 33 Jahren einen Platz hatte. Und das ist auch der Grund dafür, dass ich Euch heute von unserer ersten gemeinsamen Wohnung erzählen möchte, denn jedes einzelne Möbelstück hat seine ganz eigene Geschichte.
Mein Mann studierte noch in Darmstadt und ich war gerade mit meinem Lehramtsstudium an der Justus-Liebig-Universität in Gießen fertig. Da wir uns immer nur am Wochenende sehen konnten, war es jetzt unser Wunsch gemeinsam eine Wohnung in Darmstadt zu mieten. Ich bemühte mich also um eine Referendarstelle in Darmstadt und wir fanden eine schöne gemütliche Zweizimmerwohnung in einem Mehrfamilienhaus in einem der Stadtteile.
Betrat man diese Wohnung, so stand man zuerst in einem kleinen Flur. Von hier aus konnte man in die beiden Zimmer gehen. Es gab also ein Wohnzimmer und ein Schlafzimmer. Beide Räume hatten jeweils einen Zugang zu einem großen Balkon, der sich über die gesamte Breite der beiden Zimmer erstreckte. Weiterhin gab es eine komplett ausgestattete Kochnische und ein kleines Badezimmer mit Badewanne. Was wollten wir mehr?! Die Wohnung mit ihren 45 Quadratmetern erschien uns einfach riesig und war unser erstes gemeinsames Zuhause. Also gewissermaßen unser kleines Paradies.
Dieses wollte allerdings auch eingerichtet sein. Viel Geld hatten wir beide nicht, da Peter ja noch studierte und ich gerade mit meinem Lehrerjob angefangen hatte. Somit waren wir für alles dankbar, das wir bekommen konnten. Die Eltern, Großeltern und Nachbarn freuten sich mit uns und so konnten wir hier etwas abgreifen und dort etwas ergattern. Nein, es ging nicht um Geld, sondern um Möbelstücke. Entsprechend zusammengewürfelt war die Einrichtung unserer Wohnung auch. Nichts, von wegen Ikea, – nein alles alte Stücke mit eigener Geschichte.
Im Flur stand eine alte Kommode,

1200px-Vitrinedie wir als Schuhschrank deklarierten. Dann gab es da noch eine kleine Truhe, die eigentlich ursprünglich mal mit Wein gefüllt war und mein Schwiegervater einst geschenkt bekommen hatte. Im Grunde genommen war es nichts wert, aber für uns wurde es trotzdem zu einem wertvollen Möbelstück. Auch in unserer zweiten Wohnung fand es noch einen Platz im Flur und bot unserem kleinen Timo eine Sitzgelegenheit, wenn er seine Schuhchen angezogen bekam.1200px-Weinkistchen2Im Wohnzimmer hatten wir keine Couchgarnitur stehen, das konnten wir uns nicht leisten. Aber wir hatten noch das alte Sofa, das meine Eltern in ihrer ersten Wohnung in der Küche stehen hatten und auf dem ich als Kleinkind saß. Ich hatte in meiner Geschichte „Das Sofa in der Küche“ bereits davon erzählt. Ein kleines schmiedeeisernes Tischchen stand vor diesem Sofa und diente uns sozusagen als Wohnzimmertisch. Ein Nachbar von meinen Eltern hatte es uns geschenkt und wir waren dankbar und froh darüber.

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Aber dieser Nachbar schenkte uns noch etwas anderes, nämlich ein altes Radio. Wir nennen es noch heute liebevoll „unser altes Dampfradio“.1200px-Radio
Einen Fernseher gab es natürlich auch. Zuerst hatten wir einen alten Schwarzweißfernseher und dann vererbte uns Tante Leni, von der ich bereits in der Geschichte  „Clown August und der Ententanz“ erzählt habe, einen Farbfernseher.

Das Schwarzweißgerät hatte Knöpfe, die man zum Ein-/Aus- und Umschalten drücken musste. Da es schon etwas altersschwach war, blieben diese Knöpfe nicht in der entsprechenden Position. Also mussten wir sie mit dem Brieföffner sozusagen erstechen. Wir klemmten ihn so ein, dass der Knopf in der entsprechenden Position festhielt.
Einen Schaukelstuhl leisteten wir uns irgendwann einmal von unserem Geld.
Vor dem großen Fenster, das eine ganze Wand einnahm, stand die alte Nähmaschine von der ich in einer anderen Geschichte bereits berichtet habe (In die Jahre gekommen). Die Oma von meinem Peter hatte sie von einem älteren Herrn aus dem Altenclub für ein paar Mark extra für uns gekauft. Seine Frau, die bis zum Schluss darauf genäht hatte, war verstorben und er benötigte die Nähmaschine nicht mehr.
Als Wohnzimmerschrank diente uns ein alter Eicheschrank, den jemand zum Sperrmüll gestellt hatte und dem zunächst eine Schublade fehlte. Auf das Klingeln von Peter im betreffenden Haus, bot man ihm an für 50 DM die fehlende Schublade rauszurücken. Er nahm das Angebot an und somit war der Schrank komplett. Mein Schwiegervater, der vor seinem Architekturstudium eine Schreinerlehre absolviert hatte, erkannte dass er diesen Schrank einst bearbeitet hatte.
Über diesen Eicheschrank hängten wir ein altes Küchenoberteil, das  Peters Oma noch auf dem Dachboden entdeckt hatte und das ich dann in mühevoller Kleinarbeit abgeschliffen und bearbeitet habe ( siehe Beitragsbild).
Als Esszimmertisch diente uns ein einfacher Holztisch, welcher ehemals Peters Opa als Schlachttisch gedient hatte. Aber auch diesen hatten wir wieder so aufgemöbelt, dass er recht ansehnlich war. Die Stühle dazu steuerten Peters Eltern bei und meine Mutter gab uns die passenden Tischdecken.
Ach ja, einen großen Schreibtisch, den Peter schon in seiner Studentenbude stehen hatte, platzierten wir auch noch in einer Ecke des Wohnzimmers.
Ins Schlafzimmer gehört logischerweise ein Bett. Das hatten wir auch, aber es war das Bett aus meiner Studentenbude und es maß höchstens nur 90cm auf 190cm. Wenn man jung ist, reicht auch dieser Platz vollkommen aus. Wir drehten uns einfach synchron um und alles war in bester Ordnung. Später stiftete uns der Freund meiner damals zukünftigen Schwägerin ein größeres Bett, das er eigentlich zum Sperrmüll stellen wollte.
Ansonsten gab es von Peters Opa einen alten Sessel im Schlafzimmer und an der Wand brachten wir uns über die gesamte Länge ein Regal aus einfachen Bauhausbrettern an, denn unsere Bücherschätze mussten ja auch einen Platz finden. Ein alter und heute vermutlich kostbarer Schrank stand bei Peters Eltern als Werkzeugschrank im Keller. Wir durften ihn uns als Kleider- und Schlafzimmerschrank wieder aufmöbeln. Perfekt! Diesen Schrank besitzen wir heute auch noch. Nachdem er in unserer zweiten Wohnung als Kinderzimmerschrank diente, durfte er danach Jahre lang im Büro meines Mannes stehen. Allerdings musste er irgendwann einer neueren Büroeinrichtung weichen und hat jetzt wieder seinen Platz bei uns in der Garage als Werkzeugschrank gefunden. Aber weggeben werden wir ihn nie. Irgendwo hing noch ein alter Spiegel, passend zum Schrank. Dieser befindet sich ebenfalls noch in unserem Besitz.
So, nun gehen wir in unser kleines Badezimmer. Die Wandfliesen waren in einem sanften leicht geflammten Grünton, was damals als modern galt.
Eine Waschmaschine war auch von Nöten. Das Glück war uns hold und wir fanden beim Sperrmüll eine alte „Untertischwaschmaschine“, die wir unter das Waschbecken stellen konnten. Sie leistete nicht nur zum Waschen gute Dienste. Da sie direkt gegenüber von der Toilettenschüssel stand, wurde sie zur Ablage, wenn mein Peter am stillen Örtchen bewaffnet mit Büchern, Block und Stiften saß.
Sogar Teppiche gab es in jedem Zimmer, natürlich auch nur von den Eltern.  Überall gab es Pflanzen und an den Wänden Bilder.
Ich weiß nicht, ob Ihr es Euch vorstellen könnt, aber wir fühlten uns sehr wohl in dieser Wohnung und fanden sie gemütlich. Heutige junge Pärchen sind anders eingerichtet und moderner, meist mit Möbel vom Schweden. Eins jedoch haben wir mit den jungen Leuten von Heute gemeinsam. Wir alle sind und waren sehr glücklich in der allerersten gemeinsamen Wohnung. Und wir denken gerne an die Zeit zurück.

 

 

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Kindheitserinnerungen

In die Jahre gekommen

Clown August und der Ententanz

Danke lieber Schutzengel

Jakob ist sehr gerne bei seinen Großeltern. In den Ferien oder an manchen Wochenenden darf er auch bei Oma und Opa schlafen. Darauf freut sich Jakob immer ganz besonders. Über Jakobs Bett bei den Großeltern hängt ein schönes altes Bild, ein Schutzengelbild.
Eines abends fragt Jakob: “Omi, wie alt ist dieses Bild? Und was ist eigentlich ein Schutzengel?”
“Naja, dieses Bild ist sicher schon bald hundert Jahre alt. Es war schon über meinem Bett, als ich so alt war wie du. Es ist für mich sehr wertvoll.
Und nun zu deiner nächsten Frage: Was ist ein Schutzengel?
Schutzengel sind Helfer, Boten Gottes. Jeder Mensch hat einen Schutzengel. Man kann sie nicht sehen, aber manchmal spürt man, dass sie uns beschützt haben. Und manchmal wird auch einer unserer Mitmenschen zu unserem Schutzengel.“
“Letzten Urlaub hatte ich auch einen Schutzengel“, sagt jetzt Jakob ganz ernst. Mama, Papa und ich waren im Meer schwimmen, dort wo es ganz tief ist. Plötzlich habe ich im Fuß einen Krampf bekommen und konnte nicht mehr schwimmen. Ich habe ganz laut nach Mama gerufen. Sie ist schnell zu mir geschwommen, hat mich gepackt und hat mich über Wasser gehalten, bis wir den Strand erreicht haben.”
“Da war deine Mama dein Schutzengel!”, sagt Oma. “Ja, manchmal können auch Menschen füreinander Schutzengel sein.” …
So sollte eigentlich meine Geschichte über Schutzengel beginnen, doch dann passierte etwas, das es nicht zulässt eine erfundene Geschichte zu schreiben:
Ich begleitete meinen Mann nach Magdeburg zu einer Tagung. Selbstverständlich wollte ich diese Stadt näher kennenlernen.
„Ich werde mit einem Doppeldeckerbus heute eine Stadtrundfahrt machen“, verkündete ich meinem Peter am Morgen.
„Prima“, meinte er, „dann treffen wir uns nach meiner Tagung im Hotel und gehen anschließend gemeinsam zu der geplanten Abendveranstaltung.“
Also machte ich mich auf den Weg und saß zwei Stunden später in dem besagten Doppeldecker, lauschte den Ausführungen und Erklärungen des überaus kompetenten Reiseführers und bestaunte die Sehenswürdigkeiten.
„Wenn Sie jetzt bitte ihren Blick nach links wenden, dann sehen sie dort am Rande der Grünanlage eine Mädchenfigur aus Bronze.“
Tatsächlich, ich sah sie und in der Hand hielt das Mädchen einen Tulpenstrauß. Kaum hatte ich die Figur ausfindig gemacht, wurden wir aufgefordert zur rechten Straßenseite zu blicken. Dort stand ein mehrstöckiges Gebäude. Das, was der Reiseführer dann erzählte, hörte sich an wie eine erfundene Geschichte, fast wie ein Märchen. Diese Begebenheit, die uns hier geschildert wurde, ereignete sich am 13. März 1969 in dem Haus auf der, dem Denkmal gegenüberliegenden Straßenseite.
Ich weiß nicht mehr, ob es mehr als drei oder vier Sätze waren, in denen der Reiseführer uns die Geschehnisse dieses besagten Tages schilderte, um dann zur nächsten Sehenswürdigkeit überzugehen. Diese Sätze berührten mich allerdings derartig, dass ich am Abend meinem Mann davon erzählte und ihn bat:
„Lass uns bitte morgen unbedingt dort noch einmal hinfahren. Ich möchte mir diese Bronzefigur genauer anschauen.“
So standen wir dann auch heute Nachmittag davor und lasen die Inschrift, um uns dann mit unseren Blicken an die Fenster des fünften Stockwerkes des Hauses auf der gegenüberliegenden Straßenseite zu heften.
„Das kann doch gar nicht sein“, sagte ich immer wieder. Das Mädchen muss nicht nur einen Schutzengel gehabt haben. Das grenzt doch fast schon an ein Wunder.“
„Komm, wir gehen einmal rüber!“, forderte mich mein Mann auf.
„An dem Haus ist aber keine Plakette und auch kein Hinweis auf das Geschehen angebracht“, erklärte ich meinem Peter. „Das habe ich gelesen.“
Trotzdem stellten wir uns vor das Haus und fotografierten gerade das Haus von unten nach oben in den Himmel, um die Höhe des Gebäudes in irgendeiner Art und Weise festzuhalten. Immer wieder unterhielten wir uns über das Unfassbare, als plötzlich ein Mann neben uns auftauchte und uns ansprach:
„Möchten Sie von dem Fenster, aus dem die vierjährige Katharina Lehmann herausgefallen ist, ein Foto von der Bronzefigur gegenüber machen?“
Ich schaute den Mann mit großen Augen an. Er erkannte meine Verwunderung und erklärte uns:
„Die Familie Lehmann wohnte bis 2010 noch in der Wohnung. Dann kamen die beiden Eheleute in ein Altersheim in Berlin. Ich wohne seit 2010 in ihrer ehemaligen Wohnung und die Tochter Katharina lebt ebenfalls mit ihrem Mann in Berlin, der übrigens ein ehemaliger Studienkollege von mir war.“
Jetzt kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Wir folgten dem freundlichen Herrn in seine Wohnung und riskierten einen Blick aus dem besagten Fenster im fünften Stock in die Tiefe.
„Hat sich das alles tatsächlich so abgespielt, wie man es sich erzählt?“, fragte ich ihn.
„Ja, so habe ich es auch berichtet bekommen: Es war am 13. März 1969. Die kleine Katharina war alleine im Wohnzimmer. Sie öffnete das Fenster und stieg auf die Heizung hier unter dem Fensterbrett. Aus irgendeinem Grund verlor sie ihren Schuh, der nach draußen fiel. Sie wollte ihn noch vor dem Herunterfallen schnell ergreifen. Dabei passierte das Schreckliche. Katharina verlor das Gleichgewicht und konnte sich gerade noch am Fensterbrett mit ihren kleinen Händchen festhalten. So hing sie außen an der Hauswand.
Der 28jährige sowjetische Major Igor Alexejewitch Belikow kam auf der gegenüberliegenden Straßenseite vorbei, sah das Mädchen, erkannte die Gefahr und zögerte keinen Moment. Er eilte über die Straße und breitete seinen Mantel wie ein Sprungtuch zwischen seinen beiden Armen aus. Dies geschah gerade noch rechtzeitig, denn Katharina hatte nicht die Kraft sich am Fensterbrett festzuhalten und stürzte in die Tiefe. Der junge sowjetische Major fing in seinem Mantel das herabstürzende Mädchen auf. Der kleinen Katharina ist nichts passiert. Sie hat diesen Sturz aus 22 Metern Höhe unbeschadet überlebt.“
Ich warf noch einmal einen Blick aus dem Fenster und konnte dieses Wunder immer noch nicht fassen.
„Sie muss wohl sehr viele Schutzengel gehabt haben. Und der wichtigste dabei war der Major“, sagte ich.
„Er setzte wohl das kleine Mädchen heil auf dem Bürgersteig ab und wollte weiter gehen, doch man hielt ihn auf“, berichtete uns der nette Herr weiter. „Man erzählte mir, dass er durch die Wucht des Auffangens des kleinen Körpers beide Arme gebrochen hatte. Für seine Heldentat hat man ihn zum Ehrenbürger der Stadt Magdeburg ernannt. Er ist in diesem Frühjahr im Rang eines Oberst verstorben.“
Wir unterhielten uns noch einen Moment mit dem freundlichen Herrn, dann bedankten und verabschiedeten wir uns. Bevor wir in den Aufzug einstiegen, warf ich noch einen Blick den Treppenaufgang hinunter und hier wird mir die extreme Höhe dieses Stockwerkes noch einmal bewusst, aber auch welches Wunder sich hier ereignet hat.
Ich glaube an Schutzengel und dieser Glaube hat sich durch dieses unglaubliche, aber wahre Ereignis vor 46 Jahren nur noch mehr verstärkt. Ich bin froh, dass es diese Schutzengel gibt, egal ob in menschlicher oder göttlicher Erscheinung.

Danke lieber Schutzengel

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Die Inschrift lautet:

Hauptmann der Sowjetarmee Igor Alexejewitch Belikow fing die aus dem V stock fallende 4jährige Katharina Lehmann in seinem Mantel auf.

Geschehen am 13 III 69 W. Pieck Allee 24

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Auf der Rückseite ist der Mantel abgebildet.

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Der Blick auf das Haus verdeutlicht die Fallhöhe von 22 Metern. Es handelt sich um das erste Fenster rechts neben dem vorgebauten Eingangsbereich im 5. Stockwerk (siehe oberstes Fenster innerhalb des Schattens und unterhalb des gelben Bereichs).

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Das Fenster aus dem die Vierjährige fiel.

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Der Blick aus dem Fenster des 5. Stockwerkes verdeutlicht die Höhe.

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Der Blick aus dem Fenster auf das Bronzemädchen und die Gedenktafel

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Auch im Treppenhaus wird die enorme Höhe ersichtlich.

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Zum Schluss noch ein letzter Blick nach oben zu dem Fenster.

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Spaziergang durch den Branitzer Park

Jeder von Euch kennt das berühmte Fürst Pückler Eis. Davon will ich Euch jedoch heute nichts erzählen. Ich will Euch allerdings etwas zeigen, das Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785-1871) hier in Cottbus weiterleben lässt. Als Landschaftsarchitekt hat er den etwa 100 ha großen Branitzer Park gestaltet, durch den ich heute mit Euch einen Spaziergang machen möchte.

Fürst von Pückler-Muskau hatte bereits Reisen durch die Welt unternommen und den Park zu Muskau vollendet, bevor er nach Cottbus Branitz kam. Im Alter von 61 Jahren  (1846) begann er aus einer einst kahlen Landschaft einen Park mit Wasserläufen und zwei Pyramiden zu schaffen.* Die gesamte Bauzeit erstreckte sich auf einen Zeitraum von 1846-1888).

Da dieser berühmte und einer der bedeutendsten Landschaftsparks Deutschlands nicht nur im Sommer zu Spaziergängen einlädt und nicht nur in der grünen Jahreszeit wunderschön ist, zeige ich Euch auch Fotos, wenn die Bäume schon kahl sind, beziehungsweise buntes Laub tragen.

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Ihr seht, dieser Park hat immer seinen eigenen Reiz. Er bietet Ruhe und Entspannung und lockt mit seiner natürlichen Schönheit zum Verweilen und zum Wiederkommen.

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Wege und Wasserläufe führen durch ihn hindurch und lassen ein abwechslungsreiches Landschaftsbild entstehen.

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Berühmt ist auch Pücklers Seepyramide, die ich Euch hier noch im unrestaurierten Zustand zeige, da das Foto vor ungefähr zwei Jahren aufgenommen wurde. Dieses Jahr wurde die ursprüngliche Form durch eine Restaurierung wieder hergestellt und der Bewuchs gepflegt. Sie ist mit verschiedenen Arten von Weinreben bepflanzt.

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Hier befindet sich die letzte Ruhestätte von Fürst von Pückler und Fürstin Lucie Muskau.

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Enten schwimmen auf dem die Pyramide umgebenden Teich.

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Hier ein herrliches herbstliches Bild, das die bereits herbstlich rötlich gefärbte Pyramide im Sonnenschein und den sich im Teich spiegelnden blauen Himmel zeigt.

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Neben der großen Seepyramide gibt es auch eine kleinere Landpyramide, die man sogar besteigen kann.

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Wir schlendern jetzt weiter die verschlungenen Wege entlang.

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Überall gibt es Gelegenheiten zum Verweilen und Ausruhen und damit auch zum Genießen der Natur.

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Kleine Brücken führen über die Wasserläufe, auf denen in den wärmeren Monaten auch Kahnfahrten angeboten werden.

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Inzwischen sind die von Pückler angelegten Baumgruppen zu riesigen und alten Bäumen herangewachsen.

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Somit ist ein Spaziergang durch diesen Park auch immer verbunden mit einem faszinierenden Spiel von Sonne, Licht und Schatten…

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… und er präsentiert sich zu allen Jahreszeiten mit perfekten Fotomotiven.

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Die Kahlheit der Bäume wird durch das bunte Laub am Boden und den strahlend blauen Himmel zu einer Schönheit, die man nicht leugnen kann.

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Bevor wir uns dem Schloss näheren, noch ein schneller Blick zum Entenhaus.

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Das Schloss von hinten strahlt eine solide Schönheit aus. Die Schlossterrasse bietet einen herrlichen Blick über den Schlosssee und den Park.

Das Schloss beherbergt im Inneren ein Museum.

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Hier kann man das Schloss von vorne bewundern, dessen Eingang besonders im Sommer durch zahlreiche blühende Pflanzen und der Freitreppe sehr prachtvoll und majestätisch wirkt.

In diesem Schloss hat einst Fürst von Pückler große Gesellschaften und kulinarische Feste ausgerichtet.

Park und Schloss blieben bis nach dem 2. Weltkrieg Wohnsitz der Familie Fürst von Pückler. „Mit der Bodenreform ist der Besitz enteignet worden, es kam zu Plünderungen, die Familie verließ ihren jahrhundertealten Sitz:“**

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Der Erbauer des Schlosses war der Großvater von Hermann Fürst von Pückler Muskau, nämlich August Heinrich Reichsgraf von Pückler. „1846 wurde das bauliche Esemble unter planerischer Mitwirkung des Dresdner Baumeister Gottfried Semper innen und außen in einen repräsentativen Zustand versetzt.“***

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Ein Blick auf die gegenüberliegende Seite des Schlosses zeigt die Pergola und ein weiteres Gebäude.

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Dies ist der sogenannte Marstall, in dem auch die von mir in einem anderem Beitrag beschriebene diesjährige Storchenausstellung stattgefunden hat.

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Auf diesem Foto erkennt man die Venus Italica.

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Noch ein kurzer Blick auf den Schlossteich mit seinen Schwänen und dann treten wir den Rückweg an.

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Hier sind sehr gut die einzelnen Baumgruppen zu erkennen, die sich durch den gesamten Park als eines seiner Merkmale und Besonderheiten ziehen.

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Wer diesen Park durchwandert, findet überall landschaftliche Schönheiten und einmalige Fotomotive.

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Ich hoffe Euch hat mein kleiner Spaziergang durch den Branitzer Park zu unterschiedlichen Jahreszeiten gefallen. Solltet Ihr einmal nach Cottbus kommen, so ist dieser Landschaftspark ein unbedingtes Muss.

Bisher war es mir immer zu kalt diesen Park mit steif gefrorenen Fingern im Schnee zu fotografieren, aber dieses Jahr werde ich dieses Opfer auf mich nehmen, um Euch auch diesen reizvollen Anblick präsentieren zu können. Also bis dann…

 

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Meister Adebar

 

 

 

*vgl. : Jürgen Heinrich, Stefan Fischer, Cottbus blüht auf, Cottbuser General-Anzeiger Verlag, 1994, S. 148f

**Zitat: Jürgen Heinrich, Stefan Fischer, Cottbus blüht auf, Cottbuser General-Anzeiger Verlag, 1994, S. 149

***Zitat: Thomas Kläber, Hartmut Schatte, Faszination Cottbus, Regia Verlag Cottbus, o.J., S.80

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sonne, Mond und Sterne

Diese Gestirne kann man von überall auf der Welt sehen. Doch unsere kleine Reise nach Rostock, das von uns ungefähr drei Autostunden entfernt liegt, präsentierte uns Sonne, Mond und Sterne in einer ganz anderen Gestalt. Ich fand sie in der dortigen St.-Marienkirche und sie soll sich Euch heute in ihrer ganzen Pracht und Schönheit selbst vorstellen und erklären:

„Ich bin eine astronomische Uhr und stehe hier in der St.-Marienkirche in Rostock. Mit Stolz kann ich von mir behaupten, dass ich weltweit die älteste Uhr dieser Art bin, die noch mit dem Originalwerk funktioniert. Und das sogar sehr zuverlässig.

1200px-Astrouhr

Meine Entstehung wird auf das Jahr 1472 beziffert und mein Erbauer war Hans Düringer. Er hat mich nach dem Vorbild einer noch  älteren Uhr von Nicolas Lilienfeld aus dem Jahre 1379 erbaut. Ich bin nicht in einem Stück entstanden, sondern in mehreren Etappen. So wurde z. B. erst 1641/42 ein Renaissance Rahmen erstellt, das Glockenspiel und der Apostelrundgang, von dem ich noch erzählen werde, wurden hinzugefügt.
1974 bis 1977 wurde ich von Grund auf von dem Berliner Wolfgang Gummelt restauriert.
Meine Größe ist imponierend, denn ich bin elf Meter hoch.
Weiterhin bestehe ich aus drei Teilen, nämlich dem oberen Teil mit seinen Figuren und biblischen Darstellungen, dem mittleren Teil , den die Uhrscheibe bildet und dem unteren Teil, dem sogenannten Kalenderraum.
Auf meinem oberen Teil befinden sich ein Turm mit drei Geschossen, mehrere Engelsfiguren und weitere figürliche und ornamentale Holzschnitzereien.

1200px-oberer Teil

Sozusagen eine Etage tiefer habe ich eine kleine halbrunde Plattform, auf der sich Jesus Christus, der Erlöser der Welt, befindet.

1200px-Beitragsbild

Er ist nur als eine Halbfigur dargestellt. Neben ihm, an der Stirnfläche stehen 4 Apostel und an den beiden Seitenflächen steht jeweils ein Apostel. Die anderen sechs der zwölf Apostel treten mittags um 12 Uhr und um Mitternacht aus einer Tür rechts von der Christusfigur heraus. Sie umrunden Jesu, wenden sich ihm zu und werden von ihm durch die erhobene Hand gesegnet. Nur Judas, der Christus gegen Geld verraten hat und daher einen Geldsack in der Hand hält, wendet sich nicht zu ihm und wird auch nicht gesegnet. Vor ihm verschließt sich die Tür. Somit muss er bis zum nächsten Rundgang vor verschlossener Tür draußen stehen bleiben.

1200px-astronomische Uhr

Mein mittlerer Teil ist die Uhrscheibe, die quadratisch und ca. 16 qm groß ist.

In den vier Ecken befinden sich die vier Evangelisten, Matthäus, Johannes, Markus und Lukas. Sie sind unterschiedlich dargestellt: Matthäus als Engel, Johannes als Adler, Markus als Löwe mit Flügeln und Lukas als Stier mit Flügeln. Diese vier Evangelisten und die seitlichen Begrenzungen sind wie schon erwähnt erst später hinzu gekommen.

1200px-Matthaeus

 

 

 

1200px-Johannes

1200px-Markus

1200px-Lukas

Ich bin eine Einzeigeruhr, das heißt man kann nur die vollen und halben Stunden ablesen und keine Minuten und Sekunden.

1200px-astronomische Uhr

Mein Stundenring ist ein gotischer Zahlenring und beinhaltet zweimal die Zahlen eins bis zwölf.

Einmal am Tag umrundet mein Stundenzeiger diesen Ring.

An einem Ende meines langen Zeigers befindet sich eine Hand, die sich am Tag in der oberen Scheibenhälfte befindet. Der Stern am anderen Ende des Zeigers befindet sich somit tagsüber in der unteren Scheibenhälfte. Also kann mit Hilfe der Hand und des Sterns die Uhrzeit abgelesen werden.

1200px-Hand

1200px-Stern

Seht ihr noch die zwei kleineren Scheiben an meinem großen Stundenzeiger? Das sind noch eine astrologische Anzeige und eine weitere Stundenanzeige, die den Mathematiker und Astronomen Zacharias Sebes abbildet.

1200px-Astrodaten

1200px-Astronom
Innerhalb des Ziffernrings befindet sich ein weiterer Ring, der die Tierkreiszeichen abbildet.
Der kleinere Zeiger mit einer Sonne am Ende ragt ebenso wie der Zeiger mit dem Mond in den Tierkreis hinein und zeigt somit die Stellung von Mond und Sonne im Tierkreis an.

1200px-Aussparung

1200px-Astrodaten

Ein weiterer Ring ist eine Art Bauernring, denn er zeigt durch den Sonnenzeiger an, welche Tätigkeiten in Feld, Garten oder Hof im jeweiligen Monat anfallen.

1200px-kl, Mondzeiger

Der Sonnenzeiger läuft im Jahr einmal rund herum und der Mondzeiger legt diese Strecke innerhalb von 28 Tagen zurück.

Bei Neumond bedecken sich Sonnen- und Mondscheibe der beiden kleinen Zeiger, bei Vollmond stehen sie sich gegenüber und bei zunehmendem oder abnehmendem Halbmond stehen sie ungefähr in einem rechten Winkel.
Im Mittelpunkt meiner Uhrscheibe befindet sich eine Aussparung. Dieser kreisförmige Ausschnitt ist die Sonnenscheibe. Sie bewegt sich im Gegenzeigersinn und ist an den Sonnenzeiger gekoppelt. Unter der Sonnenscheibe liegt die Mondscheibe und somit ist ein Teil von ihr im Ausschnitt der Sonnenscheibe sichtbar. Wenn zum Beispiel Vollmond ist, dann sieht man das volle helle Mondgesicht, bei Neumond ist es allerdings dunkel.

1200px-Aussparung

1200px-Mondscheibe

Oberhalb meines dritten Teils steht ein Spruch:

1200px Zwischenteil

Gott dem Herrn zu Ehren,
der Kirchen zur Zierde
und der allgemeinen
Bürgerschaft zum Besten
erneuert ANNO 1643

Jetzt schaut mal alle bitte zu meinem unteren Teil.

Hier ist der Kalenderraum zu sehen.1200px-Kalendarium 1

DSC06053

Im Kalenderraum befindet sich ein (fast) immerwährender Kalender.

Er muss allerdings ungefähr alle 130 Jahre verlängert werden. Dies ist im Jahre 2017 wieder der Fall. Daher befindet sich bereits eine neue Kalenderscheibe im Kirchenraum. Diese soll sich in den kommenden anderthalb Jahren an die dortige Luftfeuchtigkeit sozusagen gewöhnen.

1200px-neue Scheibe1

1200px-neue Scheibe

Der Kalendermann zeigt mit einem Zeigestab auf das jeweils aktuelle Datum.

1200px-Kalendermann
Den Wochentag kannst du mit Hilfe der Sonntagsbuchstaben errechnen. Diese Buchstaben beinhalten sogar die Schaltjahre, an denen jeweils zwei Buchstaben eingetragen sind.
Weiterhin kann man auf dieser Scheibe den Namen des Tagesheiligen ablesen und die Sonnenaufgangszeit (MEZ auf Rostock bezogen/ an diesem Tag war es 6.19 Uhr).

1200px-Sonnenaufgangszeit

Außerdem kann man die Zahl des Mondumlaufs, die Jahreszahl, den Sonnenzirkel, die Anzahl der Tage zwischen Weihnachten und dem Beginn der Fastenzeit, aber auch das Osterdatum im jeweiligen Jahr feststellen.
Sogar die Römerzinszahl konnte hier abgelesen werden.
Im mittleren Kreis meines Kalenderraums lässt sich die Tag- und Nachtlänge passend zum Datum ablesen.

1200px-Kalenderraum
So steht hier auch geschrieben:
‚Allhier sieht man zu aller Frist, wie lang der Tag von Stunde ist. – Allhier wird dir auch fürgebracht, wie lang von Stunde ist die Nacht.’
In jeder Ecke rund um den Kalenderraum befinden sich jeweils eine geschnitzte Figur mit einem Spruchband.

1200px-Spruch1

1200px-Spruch2

1200px-Spruch3

1200px-Spruch4

Hierauf kann man lesen:

‚Ein Tag saget’s den anderen / Und eine Nacht thut’s kund den anderen / Mensch bedenk’ das Ende / So wirst du nimmer übel thun.‘

So, jetzt habe ich mich vorgestellt und ich hoffe, dass ich Euch gefalle. Solltet Ihr einmal in Rostock sein, so kommt doch in der St.-Marienkirche vorbei . Ich würde mich über einen Besuch von Euch freuen.

Alles Gute und habt eine schöne Zeit

Eure Astronomische Uhr aus Rostock“

 

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vgl. zu den angegebenen Daten auch die Informationen der Stiftung St.-Marien-Kirche Rostock e.V.

vgl. auch: Manfred Schukowski, Die astronomische Uhr der St.-Marien-Kirche zu Rostock, Hrsg. Stiftung St.-Marien-Kirche zu Rostock e.V.,2004 ( aktualisierter Nachdruck 2015)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Einzelgänger (3)

Hannes Findel hatte sich also mit 19 Jahren, – gerade das Abitur in der Tasche, aber noch keine Idee, wie es beruflich weitergehen sollte, – auf die Suche nach einer geeigneten Familie zwecks Adoption gemacht. Das hatte sich als gar nicht so einfach entpuppt. In seiner Vorstellung sollte es am besten ein Ehepaar sein, das so in die Fünfzig, besser vielleicht sogar schon Mitte Sechzig war, denn er wollte sie als Adoptivsohn auch in nicht allzu ferner Zukunft beerben. Kinderlos sollte das Ehepaar auf jeden Fall sein und möglichst keine Verwandtschaft mehr besitzen.

„Ich muss mir eine Strategie überlegen, wie ich an ein geeignetes Ehepaar herankomme. Ich kann ja schlecht eine Anzeige aufgeben:

‚Suche kinderloses Ehepaar zwecks Adoption‘.“

Das mit der Anzeige war vielleicht gar nicht so schlecht, nur nicht in dieser Art und Weise.
“Vielleicht sollte ich meine Dienste als Gärtner oder so anbieten. Da ein bisschen schnippeln, dort ein bisschen hacken und die Blumen gießen. Nur in Arbeit sollte es nicht ausarten, außerdem sind meine gärtnerischen Fähigkeiten etwas begrenzt“, dachte er.
Gärtner, so hatte sich Hannes Findel überlegt, wurden meist von gutbetuchten Leuten gesucht. Erstens hatte Haus und Garten nur derjenige, der es sich auch leisten konnte und zweitens hielt man nach einem Gärtner Ausschau, wenn man es nicht selbst machen konnte oder wollte und diesen Dienst zu bezahlen in der Lage war.
So hatte er sich mehr oder weniger zielstrebig in Villenvierteln herumgetrieben, ohne jedoch auch nur ansatzweise seinem Ziel näherzukommen. Dann war es allerdings der Zufall gewesen, der ihm zu Hilfe gekommen war und der alles veränderte:

Es war an einem Tag Ende April gewesen. Die Sonne lachte fröhlich vom Himmel, als sei der letzte Regenschauer nicht gerade mal erst zwei Stunden her. Hannes Findel war auf dem Rückweg von einem Villenviertel rauchend und gedankenverloren im Stadtpark umhergeschlendert. Es waren viele Leute unterwegs gewesen, die durch den plötzlichen Sonnenschein aus den Häusern gelockt worden waren. Vor ihm war ein älterer Herr mit seinem Hund gelaufen, dessen Interesse durch irgendetwas geweckt worden war, so dass er ruckartig an seiner Leine zog. Der Rentner, der darauf nicht gefasst gewesen war, hatte die Leine fallen lassen und der Hund war quer über den Weg in Richtung einer Baumgruppe gerannt. Just in diesem Moment hatte eine ältere Fahrradfahrerin den Hundehalter überholen wollen und hatte so stark und unvermittelt bremsen müssen, dass sie über die Lenkstange ins Gras gefallen war. Etwas benommen hatte sie aufzustehen versucht, was ihr aber durch einen stechenden Schmerz im Unterschenkel, der sie aufschreien hatte lassen, nicht gelungen war.
„Um Gottes Willen, haben sie sich verletzt?“, hatte der Hundehalter überflüssigerweise gefragt. „Kommen Sie ich helfe Ihnen auf!“
Tja, das war leichter gesagt, als getan, denn der Mann hatte selbst Mühe gehabt auf seinen eigenen Beinen zu stehen.
„Lassen Sie das mal den jungen Herrn dort machen“, meinte die Radfahrerin.
Hannes hätte dies ohnehin getan, denn hilfsbereit konnte er schon sein.
„Kommen Sie, setzen Sie sich erst einmal auf die Bank“, hatte er die Radfahrerin aufgefordert. „Mit dem Rad können Sie nicht mehr fahren und ich fürchte mit Ihrem Bein können Sie nicht auftreten, geschweige denn laufen. Ich rufe erst einmal einen Krankenwagen und ihr Rad bringe ich zu Ihnen nach Hause, wenn Sie mir sagen wo Sie wohnen.“
„Ich werde natürlich für den Schaden an Ihrem Fahrrad aufkommen und für die Arztkosten selbstverständlich auch. Wenn ich dem jungen Mann meinen Namen und die Anschrift nennen darf, damit meine Versicherung alles regeln kann“, hatte der Hundehalter angeboten.

Tja, so war Hannes Findler zu einer Familie gekommen, wie die Jungfrau zum Kind. Er hatte der Fahrradfahrerin geholfen und sie anschließend fast jeden Tag zu Hause besucht. Sie hatte ihr Bein zwar nicht gebrochen, aber ruhig halten musste sie es trotzdem und er hatte ihr aus freien Stücken geholfen, wo er nur konnte, im Haushalt, beim Einkauf und im Garten. Er hatte sie auf seine Art gemocht, aber er hatte auch sein Ziel nicht ganz aus den Augen verloren. Die Frau hieß Janna Ziegler, war geschieden, alleinlebend und hatte einen Bruder, der ebenso wie sie gut betucht war.
Hannes hatte Janna erzählt, dass er als Findelkind immer in Heimen gelebt und niemals eine Familie gehabt hatte, was selbstverständlich ihr Mitleid erregte. Gleichzeitig hatte er sie sozusagen umgarnt, ihr gesagt, dass er sich immer eine Mutter wie sie gewünscht hatte, was nicht einmal gelogen war. Janna und auch ihr älterer Bruder sahen in Hannes, den vom Schicksal benachteiligten jungen Mann, dem die Chance auf eine erfolgreiche Zukunft von Geburt an genommen war.
„Ich habe gelernt und das Abitur geschafft, erzählte er ihnen nicht ganz ohne Stolz. „Wäre ich in einer Familie aufgewachsen, wäre alles anders gekommen. Ich könnte studieren, aber so muss ich jetzt einfach nur sehen, dass ich Geld verdiene, egal mit welcher Arbeit. Vielleicht kann ich mir jeden Monat etwas zurücklegen und irgendwann meinen Traum vom Studium erfüllen.“

Sein Plan ging auf, zumindest fast. Janna Ziegler hatte den jungen Mann inzwischen ins Herz geschlossen, er tat ihr von Herzen leid. Und Hannes selbst entwickelte ebenfalls eine Art Zuneigung zu der älteren Dame. Letzteres hatte allerdings nicht zu seinem Plan gehört.

„Du bist verrückt“, hatte ihr Bruder trotz allen Mitleids versucht ihr die aufkeimende Idee auszureden. „Du kennst ihn doch gar nicht. Die paar Wochen, die er zu dir kommt und die Kleinigkeiten, bei denen er dir geholfen hat, stehen doch in keinem Verhältnis zu deinem Vorhaben. Ich weiß nicht, ob es richtig ist, was du dir da in den Kopf gesetzt hast.“
Richtige Argumente für seine Skepsis hatte er allerdings nicht nennen können; es war einfach nur ein Bauchgefühl gewesen.
„Vielleicht täusche ich mich ja, vielleicht auch nicht.“

Janna Ziegler hatte sich durchgesetzt und Hannes Findel ein Universitätsstudium finanziert. Nachdem Hannes einmal gewechselt hatte, von der Psychologie zur Philosophie, entschied er sich für den Journalismus, der schließlich sein echtes Interesse geweckt hat und der ihm hoffentlich ein besseres Leben ermöglichen wird.

Doch die Tatsache ungeliebt, ungewollt und verstoßen worden zu sein, wird ihn niemals ganz zur Ruhe kommen lassen und weiterhin einen Schatten auf sein Leben werfen.

Bei einer seiner Recherchen zu einem Artikel über nicht sesshafte Volksgruppen vor 20-30 Jahren in unserem Land, stieß er zufällig auf ein Foto. Dieses war ca. 50 Kilometer von seinem „Fundort“ entfernt und wenige Wochen vor seinem vermuteten Geburtstag aufgenommen worden. Es zeigte eine junge schwangere Frau, deren Gesichtszüge …

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Der Einzelgänger (2)

Hannes Findel war von allen verlassen worden. Sein Vater hatte noch vor seiner Geburt Reißaus genommen und seine Mutter hatte ihn verstoßen, beziehungsweise einfach vor einer Kirchentür abgelegt. Die Pflegemutter war verstorben und der Pflegevater konnte ihn nicht behalten. Niemand wollte ihn, niemand liebte ihn. Niemand hatte sich seiner erbarmt. So landete er im Kinderheim und wurde zu einem Einzelgänger, den selbst das Glück verlassen hatte und dem das Schicksal nichts Gutes bereit hielt.
Im Heim war er nicht gerade der beliebteste Bewohner. Er war zurückgezogen, fühlte sich ungeliebt und machte alle und jeden für sein Schicksal verantwortlich, an erster Stelle seine Mutter.
„Hätte sie mich nicht weggeben, dann müsste ich nicht in diesem Heim leben. Hätte mich wenigstens eine Familie aufgenommen, aber jetzt adoptiert mich eh keiner mehr. Die wollen alle nur die niedlichen kleinen Mädchen oder die super braven kleinen Jungs. Mich will keiner.“
Hätte, hätte, hätte… Er hatte die Hoffnung aufgegeben aus dem Heim jemals wegzukommen. Ihn wollte keiner und inzwischen wollte er auch niemand mehr. Er baute eine unsichtbare Mauer um sich herum auf und ließ auch niemand wirklich an sich heran. Echte Freunde fand er im Grunde genommen nie.
Eines Tages kam jedoch ein Neuer ins Heim. Robin. Er war drei Jahre älter als Hannes und zeigte Interesse an ihm. Er war nett und schenkte ihm immer irgendwelche Süßigkeiten. Hannes glaubte einen älteren Freund gefunden zu haben. Doch dieser gebrauchte ihn für seine eigenen Zwecke. Um Robin zu imponieren, ließ er sich zu kleineren Diebstählen anstiften.
„Dort drüben im Supermarkt haben sie Zigaretten in Hülle und Fülle. Wenn du da ein paar Päckchen für mich mitgehen lässt, wird das keiner merken. Wir gehen dann auch mal zusammen ins Kino. Wir sind doch Freunde.“
Endlich hatte er jemand, der mit ihm etwas unternehmen würde und er wäre nicht mehr so allein. Und es stimmte schon, er würde niemand damit schaden und merken würde es ganz sicher keiner, wenn er vorsichtig genug war. Ja und so ließ er sich überreden und als Hannes merkte, dass er ausgenutzt wurde und Robin keine wirkliche Freundschaft wollte, steckte er schon zu tief mittendrin. Er war in seinen jungen Jahren zum Dieb und damit kriminell geworden. Er kannte alle Schlupflöcher und Tricks, um heimlich und meist sogar für die ganze Nacht das Heim unentdeckt zu verlassen. Er trieb sich dann durch die Straßen der Stadt, machte kleine Diebstähle und hin und wieder auch einen kleinen Bruch. Erwischt haben sie ihn ab und zu schon, aber es gab letztendlich kaum wirkliche Konsequenzen, jedenfalls keine, die ihn tatsächlich schreckten. Er hätte jemand gebraucht, der ihn wieder aus diesem Sumpf zog und seinen guten Kern entdeckte.
Zweimal schien das Schicksal es gut mit ihm zu meinen. Beim ersten Mal schnappte man Robin bei einem Autoklau und steckte ihn mit 14 Jahren in den Jugendknast. Das befreite Hannes aus dessen Fängen.
Beim zweiten Mal als das Schicksal gnädig mit Hannes war, sah er sie und sein Leben änderte sich schlagartig. Damals war er zwölf. Er war bereits zweimal sitzengeblieben und in seiner neuen Klasse war sie Klassensprecherin und erst zehn Jahre alt. Er war vom ersten Moment an in sie verknallt und er spürte, dass er als Kleinkrimineller, als Rüpel und Klassenclown keinerlei Chancen bei ihr hätte. Er legte sich ins Zeug, wie er von sich sagte. Er paukte, um Eindruck bei ihr zu machen und entwickelte sich innerhalb eines Schuljahres zum Klassenbesten. Seine Lehrer und Betreuer waren überzeugt, dass das Sitzenbleiben seine Wirkung gezeigt hatte. Er ließ sie in diesem Glauben. Tatsächlich aber begann ihm das Lernen Spaß zu machen. Was anfangs eher als eine Art Imponiergehabe angefangen hatte, weil er Eindruck schinden wollte bei dem hübschen Mädchen, entwickelte sich mehr und mehr zum Selbstläufer. Er lernte, weil er merkte wie sich sein Wissen erweiterte und wieviel Freude ihm dies bereitete.
Seine Angebetete blieb seine heimliche Liebe, ein Leben lang, obwohl diese in keiner Weise an ihm interessiert war, sondern an einem Jungen eine Klasse höher. Niemand ahnte etwas von seiner Liebe, nicht einmal die Angebetete selbst bemerkte etwas.
Waren früher seine kriminellen Energien für seine eigentliche Isoliertheit verantwortlich, so wollte jetzt wiederum niemand wirklich etwas mit ihm zu tun haben.
„Was willst du denn mit dem Streber. Der steckt doch ständig nur seine Nase in die Bücher und wirklich was anfangen kann man sowieso nichts mit ihm“, tuschelten sie untereinander.
Klar holte man sich gerne die eine oder andere Information von ihm, einen wahren Freund fand er jedoch trotzdem nie. Er war und blieb ein Einzelgänger, allerdings ein unfreiwilliger.
„Meine Freunde sind die Bücher“, sagte er zu sich selbst. „Das, was ich weiß und kann, gehört mir und das kann mir keiner nehmen.“
Hannes war jemand, der sich und der Welt immer wieder beweisen wollte, was in ihm steckte. Trotz seiner stetigen Bemühungen und seiner Intelligenz, nahm man ihn nicht oder nicht ausreichend zur Kenntnis. Kurzzeitige Erfolge verliefen im Sand, so dass er nie wirklich zum Zuge kam, geschweige denn Karriere machte. Immer fehlte ihm das sogenannte i -Tüpfelchen, um die anderen auszustechen. Er war kein Versager, aber auch kein Erfolgstyp, im Grunde genommen war er ein Durchschnittstyp und dieses Bewusstsein ließ ihn verzweifeln, ja machte ihn schier krank.
Wäre er in einer Familie aufgewachsen, die ihm Liebe und Ansporn gab, wäre sein Leben anders verlaufen und er hätte wahre, andauernde Erfolge erzielt. Davon war er felsenfest überzeugt. So aber empfand er sich selbst als ungeliebt und keineswegs liebenswert. Dies ließ ihn mit sich und den Menschen hadern. Seine Mutter, die er nie gekannt hatte, hatte ihn als hilfloses kleines Wesen im Stich gelassen und niemand war er soviel wert gewesen, dass man sich ihm liebevoll annahm. Eine Tatsache, die er nie verkraften würde und die aus ihm den Menschen gemacht hatte, der er war: Ein Einzelgänger, zwar ausreichend intelligent, aber immer vom Glück und Erfolg benachteiligt und einem leichten Drang auch einmal illegale Wege zu gehen, um Ziele zu erreichen. Er war nicht wirklich kriminell, aber er konnte ein gewisses Potential nicht verleugnen.
Und dann kam ihm eine, wie er meinte vielversprechende Idee:
„Ich muss mir einfach nur eine Familie suchen. Nicht irgendeine, keine durchschnittliche Familie, nein, wohlhabend und erfolgreich soll sie sein. Auch, wenn ich inzwischen längst erwachsen bin, man konnte auch Erwachsene adoptieren…“, überlegte er sich…

Fortsetzung folgt

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Der Einzelgänger (1)

Heute und in den nächsten Folgen möchte ich Euch eine Person vorstellen, die ich mir vor geraumer Zeit einmal im Zusammenhang mit einer anderen längeren Erzählung erdacht habe. Das Schicksal dieser Person ist zwar rein fiktiv, aber durchaus nicht unvorstellbar, wenn auch in abgewandelter Form. Doch entscheidet selbst:
Das Schicksal meinte es nicht gut mit ihm. Sein Leben stand von Anfang an unter einem schlechten Stern. Seine Eltern waren unbekannt und er selbst konnte sich an nichts erinnern. Alles, was er über sich selbst, beziehungsweise über seine Herkunft wusste, kannte er nur, weil man es ihm erzählt hatte.
Er war vermutlich am Tag seiner Geburt, den man auf den 24.6. datierte, vor einer Pfarrhaustür abgelegt worden. Die Pfarrköchin hatte ihn in den frühen Morgenstunden rein zufällig gefunden, weil sie ein lautes Hupen auf der Straße vernommen hatte. Zunächst dachte sie, dass dies schon der Metzger sei, der versprochen hatte bereits in aller Frühe die bestellten Würste und das Fleisch vorbeizubringen.
„Oh Gott! Oh Gott!“, stieß sie aus, als sie die Haustüre öffnete.
„Frau Löffele, was ist passiert, dass sie so laut nach unserem Herrgott schreien?“ rief der Pfarrer nichts ahnend aus seinem Arbeitszimmer.
„Kommen Sie schnell und schauen sie selbst, Herr Pfarrer! Dieses arme Würmchen lag vor unserer Tür! Fast wäre ich über das Körbchen gestolpert.“
Der arme kleine Kerl lag darin und war in eine zerschlissene Decke eingewickelt. Es gab keinen Brief, keinen Hinweis auf seine Herkunft, einfach nichts.
„Wir sollten den kleinen Jungen taufen und ihm einen Namen geben“, sagte der Pfarrer zu seiner Köchin, bevor der herbei gerufene Arzt kam, um das Kind zu untersuchen. „Sie sind doch eine Frau und kennen sich mit Namen bestimmt aus.“
Tatsächlich hatte die Köchin eine Idee: „Denken Sie doch nur daran, welcher Tag heute ist!“, meinte sie nur. Und so hatte er seinen Namen bekommen:
Da er als Findelkind am Johannistag, der an Johannes den Täufer erinnern soll, gefunden wurde, gab man ihm den Namen Hannes Findel, Hannes von Johannes und Findel von Findelkind. Nicht gerade sehr einfallsreich, wie er selbst später meinte, aber auf diesen Namen war er im Standesamtsregister eingetragen und so blieb es. Und außerdem hatte er sich irgendwie mit der Zeit daran gewöhnt.
In Windeseile hatten sich die Ereignisse herumgesprochen und jeder hatte eine eigene Meinung dazu.
„Da liegt ein Baby einfach so vor der Pfarrhaustür, weil irgendwo eine Frau in Not war und nicht wusste wohin mit dem Kind.“
„Wie kann man nur sein eigenes Kind weggeben?“
„Unvorstellbar, wenn der kleine zu spät gefunden worden wäre!“
Eine Babyklappe gab es zum damaligen Zeitpunkt noch nicht in der Stadt und so war das Pfarrhaus die einzige Rettung. Gott sei Dank! Erst nach diesem Vorfall hörte man in allen Ecken und Winkeln den Ruf nach einer Babyklappe. Vorher war man darüber geteilter Meinung gewesen, außerdem war so etwas vielleicht andernorts von Nöten, aber doch nicht in dieser Stadt. Hier passierte doch so etwas nicht. Doch jetzt war plötzlich schon jeder von Anfang an dafür gewesen. Wie das eben so ist mit der Meinungsbildung. Das Gerede überschlug sich förmlich:
„Ich habe es ja immer schon gesagt: So was kann überall passieren. Man weiß ja nie welche Leute hierher kommen.“
„Das kann nur eine Fremde gewesen sein.“
„Warum man nicht schon längst eine Babyklappe in unserer Stadt eingerichtet hat?! Man liest es doch allerorts.“
„Es könnte doch auch mal einer jungen Frau von hier passieren!“
„Es gibt inzwischen so viele Fremde hier in der Gegend, von denen man nichts weiß.“
Man vermutete tatsächlich, dass die Mutter des Findelkindes eine Durchreisende gewesen sein musste, denn man kannte keine Frau in der näheren Umgebung, die als Mutter in Frage gekommen wäre. Auch in den Hotels und Pensionen war keine Hochschwangere in Erscheinung getreten. Im Krankenhaus hatte es an diesem Tag keine Entbindung gegeben und auch sonst gab es keinerlei Anzeichen für eine plötzliche Geburt auf einer öffentlichen Toilette oder dergleichen. Man tappte völlig im Dunkeln.
Auch gesehen hatte niemand etwas, jedenfalls nicht wirklich. Der eine oder andere glaubte ein fremdes Auto, also mit einem nicht ortsüblichen Kennzeichen gesehen zu haben, doch die Aussagen unterschieden sich hinsichtlich des Wagentyps, der Farbe des Fahrzeuges und an das Kennzeichen konnte sich schon keiner erinnern. Aber vom Himmel gefallen, konnte das Kind ja auch schlecht sein.
Anfangs ging man der ein oder anderen vermeintlichen Spur nach, doch irgendwann gab man die Suche nach der Mutter auf, so hatte man jedenfalls den Eindruck. Auch die Medien zogen sich nach den ersten auf Hochtouren laufenden Berichten und den fehlenden Ergebnissen zurück. Der Vorfall wurde sozusagen ad acta gelegt. Man klappte gewissermaßen den dafür eigens angelegten Ordner zu und setzte lediglich den Vermerk „Mutter und Vater nicht auffindbar“ darunter.
„Wir werden in jedem Fall weiter ermitteln“, versprach man. „Doch im Moment haben wir noch keinen neuen Anhaltspunkt. Aber wir gehen jedem Hinweis nach. Jederzeit! Manchmal dauert es Jahre, manchmal sogar Jahrzehnte. Doch die Erfolgsquote ist hoch.“
Nach ein paar Tagen im Pfarrhaus kam der kleine Junge, dessen Gesundheit festgestellt worden war, bei einer Pflegefamilie unter. Die ganze Geschichte hätte einen glücklichen Verlauf nehmen können, wenn es das Schicksal nicht anders für den kleinen Jungen vorgesehen hätte. Leider konnte ihn die Pflegefamilie nur einige Monate behalten. Zu allem Unglück war die Mutter der Pflegefamilie plötzlich und unerwartet verstorben und ihr Mann musste beruflich für längere Zeit ins Ausland und konnte den kleinen Jungen nicht mitnehmen. Man versuchte ihn anderweitig unterzubringen, doch das fremde Kind, von dem niemand wusste, welcher Herkunft es war und welche Gene ihm innewohnten, wollte niemand haben.
„Wer weiß aus welchem Milieu er stammt und was Vater und Mutter ihm vererbt haben“, so redeten die Leute unter vorgehaltener Hand.
Man erzählte sich dies und das, dichtete dazu und malte die ganze traurige Geschichte in den trübsten Farben aus. Und so kam er ins Kinderheim und galt fortan als schwer vermittelbar.

 

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Schwein gehabt

Am Wochenende habe ich überlegt, wie mein heutiger Beitrag aussehen könnte. Zunächst hatte ich keinen Einfall. Also habe ich wieder einmal meine Fotos durchforstet und wurde fündig. „Schwein gehabt“, dachte ich mir, denn plötzlich war die Idee da: Wir lassen oftmals Redewendungen und Sprüche in unsere Sprache einfließen. Warum sollte man nicht einmal versuchen diese auch bildlich darzustellen. Und tatsächlich, ich fand auf meiner Festplatte einige Fotos, die solche sprachlichen Formulierungen im Bild festhalten, beziehungsweise sozusagen wie die Faust auf das Auge passen.

Und wenn wir schon einmal beim Auge sind, da fällt mir ein Spruch ein, dem ich auch sogleich auf die Spur gehen muss:

„Holzauge sei wachsam!“

1200px-DSC08293 Holzauge

Von den verschiedenen Deutungen, die ich gelesen habe erscheinen mir zwei am Wahrscheinlichsten: Vielleicht stammt dieser Spruch aus Kriegszeiten, in denen man ein wachsames Auge haben musste, um Brennholz zu finden. Eine andere Erklärung wäre der Ast im Holz, der als Holzauge bezeichnet wird und man bei Holzarbeiten daher mit dem Hobel vorsichtig sein muss.*

Ich denke, dann sollte man „mit Adlersaugen suchen“, damit einem nichts entgeht.

1200px-DSC03246 Adlerauge

Es gibt Situationen im Leben, da sollte man „keine schlafenden Hunde wecken“ und die Dinge einfach auf sich beruhen lassen, damit man keine unnötige Aufregung erzeugt.

1200px-DSC03718 Hund

Kleine Kinder können besonders gut „Krokodilstränen weinen“, um Mitleid zu erzeugen. Möglicherweise stammt dieser Ausspruch aus der griechischen Mythologie. Hier gab es laut dem Redensartenindex Sturmdämonen in der Gestalt von vogelartigen Mädchen, die ihre Opfer anlockten.*

1200px-DSC00181 Krokodil

 

„Der Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach“, sagt sich gar mancher Mann oder manche Frau. Normalerweise hängt dieser Ausspruch mit der mangelnden Risikobereitschaft des Betroffenen zusammen, der lieber einen kleinen Nutzen hat, als eventuell gar keinen.

Mal ganz abgesehen von der Redewendung: Mir war diese weiße Taube lieber als ein Spatz, da sie ein sehr schönes Fotomotiv darstellt (zumal ich sowieso keinen Spatz in der Hand hatte).

1200px-DSC02195 Taube

„Sei kein Frosch!“, sagt man manchmal zu ängstlichen Menschen, um sie zu ermutigen nicht feige zu sein und sich etwas zu trauen. Vermutlich bezieht sich dieser Spruch auf das Verhalten von Fröschen möglichst schnell zu verschwinden, wenn man sich ihnen nähert.*

1200px-DSC00577 Frosch

„Frei wie ein Vogel“, wer wäre das manchmal nicht gerne?!

1200px-DSC0278Vogel

„Zu neuen Ufern  aufbrechen“, machen wir, wenn wir Altes hinter uns lassen und etwas Neues und vielleicht sogar Unbekanntes beginnen.*

1200px-DSC06400 Ufer

„Ein stilles Örtchen“. Ich muss sagen, das trifft hier im wahrsten Sinne des Wortes zu.

1200px-DSC03785 stille Oertchen

Manchmal versuchen wir „Berge zu versetzen“, indem wir mit aller Gewalt versuchen das Unmögliche möglich zu machen, aber hin und wieder gelingt es uns vielleicht sogar.

1200px-DSC02330 Berg

Wenn wir etwas suchen, dann kann es passieren, „dass wir den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen“.

Im übertragenen Sinne ist es mir schon passiert: Oft schon habe ich im Supermarkt etwas im Regal gesucht, stand davor und habe es nicht gesehen.1200px-DSC01651 Wald

„Ein eigener Herd ist Goldes wert!“ Möglicherweise stammt diese Redewendung aus Zeiten, in denen sich nicht jeder einen Herd leisten konnte und man daher froh war, wenn man es wenigstens warm hatte.

1200px-DSC06255 Herd

Hin und wieder „steht man auf dem Schlauch“. Nichts geht mehr, weil man irgendetwas nicht kapiert,

1200px-DSC00077 Schlauch

aber dann „geht einem plötzlich ein ganzer Kronlechter auf“ und man hat die benötigte Erkenntnis, man hat sozusagen einen Geistesblitz.

1200px-DSC02965 Kronleuchter

Man sollte im Leben immer folgende Regel beachten: „Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen“, denn damit schläft es sich am Besten.

1200px-DSC01157Ruhekissen

Außerdem sollte man immer bedacht sein „den Dreck vor der eigenen Tür wegzukehren“. Man sollte nicht über andere schimpfen und wettern, sondern nach den eigenen Fehlern suchen.

1200px-DSC00113 kehren

„Jemand vor den eigenen Karren spannen“ bedeutet, dass man ihn für seine eigenen Ziele benutzt und das ist nicht sehr rühmlich.

1200px-DSC03652 Karren

Wir sollten unseren Karren lieber selbst ziehen, zumal wir zum Glück „das Rad nicht neu erfinden müssen“.

1200px-DSC01695Rad

Bei dem ganzen Durcheinander, das manchmal im Leben herrscht, sollte man nicht nur den Überblick, sondern auch „den Durchblick haben“.

1200px-DSC04636 Durchblick

Jetzt bin ich so richtig in Fahrt gekommen und könnte ewig weiter machen. Aber „alles hat einmal ein Ende, nur die Wurst hat zwei“,

1200px-DSC05968 Wurst

deshalb beende ich jetzt auch meinen heutigen Beitrag, obwohl es noch so viel zu sagen gäbe.

Ganz zum Schluss kommt noch „der Wink mit dem Zaunpfahl“:

1200px-DSC03526 Zaunpfahl

Welche Redewendungen kennt Ihr denn noch so, die man gut bildlich darstellen kann?

 

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Tierisch und menschlich

 

* vgl auch: http://www.redensarten-index.de/register/h.php

 

Verliebt, verlobt, verheiratet

Bestimmt erinnert ihr euch noch an Brummbär Max und an Lottchen. In der letzten Geschichte haben sie geholfen Einbrecher zu fangen. Die beiden sind gute Freunde, die sich alles erzählen, sich gut verstehen, aber auch manchmal ein bisschen streiten. Heute hat Max ein bärenstarkes Gefühl entdeckt, das er zuvor noch nicht gekannt hat und Lottchen davon berichtet.

Brummbär Max hat heute schlechte Laune. Warum, wollt ihr wissen? Ja, so richtig kann er es auch nicht sagen. Er ist wohl mit dem falschen Fuß aufgestanden. In der Nacht hat er schlecht geträumt. Ein ganzer Schwarm Bienen hat ihn in seinem Traum verfolgt. Gut, er war ja selbst daran schuld gewesen, denn er hat einfach den Bienen den Honig klauen wollen. Brummbär Max mag Honig für sein Leben gern. Er ist so schön süß und Max ist ein richtiges Leckermäulchen. Die Bienen mögen es aber gar nicht, wenn er von ihrem Honig nascht. Ja, und so sind sie ausgeschwärmt, um ihren Honig zu schützen und den Honigdieb zu vertreiben. Das haben sie auch geschafft, indem sie ihm angedroht haben ihn zu stechen. Sie waren also bereit, ihren Honig mit ihrem eigenen Leben zu verteidigen. Denn wenn eine Biene sticht, dann reißt sie sich ihren Stachel aus dem Leib und stirbt daran. Das wollte Max jedoch nicht, weder von ihnen gestochen werden, noch am Tod einer Biene schuld sein. Also hat er unverrichteter Dinge die Flucht ergriffen.
Genau in diesem Moment ist der dann auch aufgewacht.
Sein Magen knurrt vor Hunger und er ärgert sich über sich selbst und über die dummen Bienen. Wären sie nicht gekommen, dann hätte er sich von dem Honig satt gefressen. Aber so ist sein Magen total leer. Dieser knurrt so laut, dass Lottchen davon erwacht.
„Was machst du denn für einen Lärm?“, fragt die Katze den Bär.
„Das bin ich nicht. Das ist mein Magen. Ich will jetzt Honig, sonst sterbe ich!“, erklärt er Lottchen.
„Ach Quatsch! Ich esse auch keinen Honig und ich sterbe auch nicht daran.“
„Du bist ja auch kein Bär!“
„Dann geh doch nach unten, da steht mein Futternapf und hol dir was. Aber lass mich jetzt endlich weiterschlafen.“
Lottchen macht wieder die Augen zu und versucht zu schlafen, aber Brummbär Max macht seinem Namen alle Ehre, brummt und schimpft weiter.
„Wenn du schlechte Laune hast, dann geh und komm erst wieder, wenn deine Laune sich gebessert hat“, schimpft Lottchen jetzt zurück. „Ich hab auch schon hundertmal geträumt, dass mir eine Maus entwischt ist und ich habe kein solches Theater veranstaltet wie du. So ist das Leben eben. Man kann nicht alles haben. Und jetzt ist hier aber Ruhe!“
„Erst bekommt man keinen Honig und dann wird man auch noch geschimpft. Das Leben ist ungerecht!“
Max ist beleidigt und trollt sich davon. Ein bisschen netter hätte Lottchen ja zu ihm sein können, aber wenn sie in ihrem Schlaf gestört wird, dann versteht sie keinen Spaß. Na, dann wird er halt mal bei Frauchen vorbei schauen, vielleicht gibt es da ein Leckerli für ihn. Frauchen ist jedoch nicht in ihrem Arbeitszimmer, aber jemand anders sitzt dort auf dem Sessel. Max traut seinen Augen nicht. Vorsichtig schaut er ein zweites Mal hin. Nein, er hat sich nicht getäuscht.
Dort sitzt ein anderer Bär, nein eine Bärin. Max kann das genau erkennen. Sie hat nämlich an dem Schleifchen, das sie um den Hals trägt auch noch eine rosa glitzernde Brosche. Ihre Augen sind braun und sie hat ein wunderschönes braunes Näschen. Ihr Fell ist ganz hell, fast weiß. Bei Teddybären kann das Fell verschiedene Farben haben, das weiß Max, aber ein solch schönes Fell hat er noch nie gesehen. Es sieht total weich und zart aus.
Das Herz von Brummbär Max beginnt heftig zu schlagen. Seine schlechte Laune ist wie weggeblasen. Er beginnt zu strahlen.
„Hallo!“, sagt er in einem freundlichen Ton. „Dich kenne ich noch gar nicht. Ich bin Max und wer bist du?“
„Hallo“, sagt die Bärendame und schlägt die Augenlider schüchtern nieder. „Ich bin Rosaline“, klingt es zu Max herüber und er hat das Gefühl als würden tausend kleine Glöckchen klingen.
„Wieso habe ich dich noch nie hier gesehen?“
„Ich bin auch erst seit zwei Tagen hier. Ich komme direkt aus dem Bärenland. Und weil ich von der langen Reise müde war, habe ich fast die ganze Zeit geschlafen.“
Die Beiden sind sich auf Anhieb sympathisch und unterhalten sich über dies und das und viele andere Dinge. Max erzählt von seinen Abenteuern und Rosaline von ihrer Familie, die sie im Bärenland zurückgelassen hat und nach der sie ganz schreckliche Sehnsucht hat.
Sie plaudern den ganzen Tag und am Abend erzählt Brummbär Max seiner Freundin Lottchen von Rosaline. Max greift sich an seinen Bauch. Es ist seltsam, denn sein Magen knurrt nicht mehr, aber irgendwie ist trotzdem etwas anders als sonst. Es kribbelt und kitzelt innen drinnen.Es ist, als würden tausende und abertausende von Schmetterlingen in seinem Bauch hin und her flattern. Auch Max selbst fühlt sich irgendwie komisch. So, als ob er auf Wolken schweben würde. Auch in seinem Kopf geht alles kreuz und quer. Er weiß gar nicht mehr was er denken soll.
„Ich weiß gar nicht, was mit mir geschieht“, beichtet er Lottchen.
„Das kann ich dir ganz genau erklären“, meint das Kätzchen und stupst Max mit ihrem Schnäuzchen am Arm an. „Du bist verliebt!“
Jetzt erkennt es Max. Ja, so muss sich die Liebe anfühlen. Er ist glücklich, denn es ist ein schönes, – ein bärenstarkes Gefühl. Er fühlt sich ganz leicht und könnte tanzen vor lauter Glück. Doch auf einmal kommt ihm ein Gedanke:
„Meinst du, dass Rosaline mich auch mag oder vielleicht noch ein bisschen mehr?“
„Das glaube ich schon, nach allem, was du mir erzählt hast“, sagt Lottchen überzeugt. „Aber du solltest sie einfach fragen. Dann kannst du dir ganz sicher sein.“
Max nimmt sich dies ganz fest vor und schläft glücklich ein. In dieser Nacht träumt er von keinen Bienen und von keinem Honig. Er träumt von etwas viel Süßerem, nämlich von seiner kleinen süßen Rosaline.
Am nächsten Morgen huscht Max ganz früh zu ihr ins Zimmer. Sie ist schon wach, hat sich besonders hübsch für Max gemacht, denn auch bei ihr ist der Funken übergesprungen. Ihr Herz ist für Max entflammt. Freudig begrüßt sie ihn:
„Da bist du ja mein Liebster!“
„Ja, da bin ich mein kleines süßes Linchen“, antwortet Max und erkennt, dass er die Bärendame gar nicht mehr fragen muss, ob sie ihn mag. Das hat sie ihm ganz deutlich gezeigt. Er geht langsam auf sie zu und nimmt sie zärtlich in den Arm. Ihre Herzen schlagen ganz wild, aber im gleichen Rhythmus.
„Ich bin so glücklich!“, flüstert Linchen und Max küsst sie zärtlich.
„Willst du mich heiraten?“, flüstert ihr Max ins Ohr und sein Linchen nickt überglücklich.
Was soll ich euch erzählen?
Ein paar Monate später halten die beiden Verliebten ein Zwillingspärchen in den Armen. Es sind zweieiige Zwillinge. Ein fast weißes Bärenmädchen und ein bräunlicher Bärenjunge: Sandy und Andy.

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Brummbär Max und seine Freunde

Lottchen und Brummbär Max auf Verbrecherjagd

So bunt ist unsere Welt

Alle kennen wir wohl das Kinderlied „Grün, grün, grün sind alle meine Kleider“. In der letzten Strophe heißt es dann auch „Bunt, bunt, bunt ist alles was ich hab…“ und das hat mich veranlasst mal in meinen Fotos zu stöbern. Ich liebe Farben und möchte sie nicht missen. Farben begleiten uns durch unser Leben. Sie heitern uns auf und lassen uns träumen.

Es gibt die drei Grundfarben Rot, Gelb und Blau, aus denen sich die anderen Farben mischen lassen. Die verschiedenen Farben haben auch unterschiedliche Wirkung auf den Menschen. Viele Jahre war Rot meine Lieblingsfarbe. Auch Kinder bevorzugen diese warme Farbe, welche das Element Feuer symbolisiert und belebend wirkt. Zuviel des Guten kann jedoch auch agressiv machen. Blau hingegen ist eher eine kühle Farbe, die das Element Wasser symbolisiert und sogar beruhigend wirken soll. Gelb als die Symbolisierung des Elementes Luft ist eine helle und leichte Farbe, die freundlich wirkt und gute Laune aufkommen lässt. Deshalb haben wir auch unsere Diele in einem zarten Gelbton gestrichen und immer, wenn ich das Haus betrete, scheint für mich gewissermaßen die Sonne.

Wo ich auch hinsehe, die Welt ist bunt und voller Farben. 1200px Stifte

Wenn Kinder malen, dann ist der See blau, die Bäume grün, die Blumen rot und die Sonne gelb. Für sie ist dies eine ganz klare und eindeutige Definition, die sie durch ihre Welt begleitet.

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Diese Kinderwelt mit ihren Spielsachen, Puppen, Märchen und Geschichten erstrahlt in voller Farbenpracht. Kunterbunt geht es hier zu.

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Meine Tagebücher erinnern mich an eine Zeit, in der die Welt ebenfalls in allen Farben leuchtete. Sie lassen mich nämlich an die Jugend denken, in der man sowieso alles Bunte und Nicht-Bunte zusätzlich noch durch eine rosarote Brille sieht.

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Die Farbe der Natur ist das Grün, in vielen unterschiedlichen Nuancen. Mit ihr verbinden wir Erholung, Beruhigung und eine gewisse Harmonie. Aber was wäre die grüne Natur ohne die leuchtenden Farbtupfer? Die Blumen im Garten erstrahlen in allen nur möglichen Farben und locken damit Mensch und Tier an.

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In der Tierwelt trägt meist das Männchen das bunte (Feder)-kleid, um dem Weibchen zu gefallen.

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Bei uns Menschen lieben es vor allem die Frauen sich in bunte Kleider zu hüllen, um sich selbst und anderen zu gefallen. Dieses Foto habe ich in Bangkok beim Lichterfest aufgenommen.

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Das folgende Graffiti entdeckte ich letztes Jahr ebenfalls in den Straßen von Bangkok. Die Art der Darstellung erinnert mich an Kinderbilder. Selbst wenn in der Realität die dargestellten Gebäude einfach nur in ein tristes Grau gehüllt sind, können die zeichnerischen Darstellungen aus Kinderhand farbig ausfallen. Vielleicht liegt dies darin begründet, dass es Kinder nicht stört Wirklichkeit mit Phantasie zu vermischen.

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Ein Blick nach oben, zeigt mir nicht nur den strahlend blauen Himmel, sondern auch einen bunten Heißluftballon. Dies wirkt auf mich wie eine Komposition direkt aus dem Malkasten.

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Bunt sind auch die Gedankenfäden, die sich beim Anblick des Ballons in meinem Kopf zusammenspinnen.

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Aus diesen Wollfäden lassen sich die warmen Socken, Schals und Pullover stricken, die uns in der kalten Jahreszeit wärmen sollen.

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Jetzt naht auch die Zeit der bunten Blätter.

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Die Vitamine aus Obst und Gemüse sind nun besonders wichtig und wenn uns diese Früchte so frisch und farbenfroh anlachen, dann sind sie besonders verlockend.

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Meist wollen uns die Farben mit ihrer Schönheit verführen. Diesen zwar hübsch anzusehenden, aber giftigen Fliegenpilz sollten wir allerdings meiden. Manchmal hat Rot also auch etwas Warnendes.

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Zum Schluss möchte ich Euch ein Foto zeigen, das ich vor vielen Jahren auf einer bunten Karte* gefunden habe.  Es zeigt die Kinder dieser Welt rund um den Erdball, sich friedlich und froh an den Händen haltend. Sie stört weder Hautfarbe noch Nationalität.

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Ich wünsche mir eine bunte Welt, in der die Menschen aller Länder und Hautfarben in Frieden miteinander leben.

 

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Von der Sonnenuhr zur Poesie

 

*Anmerkung: Leider ist mir der Künstler bzw. Ersteller dieser Karte nicht bekannt. Ich fand lediglich folgende Angaben auf der Rückseite:

„Fine impressions  Printer in The Netherlands   7626“

Wer war das?

Heute möchte ich Euch gleich zwei Begebenheiten erzählen, die sich in unserer Familie ereignet haben. Irgendwie ähneln sich diese, so dass ich mich frage, ob so etwas vererbbar ist. Aber lest Euch einfach meine Geschichte durch und entscheidet dann selbst. Vielleicht liegt es auch nur in der Neugierde des Menschen begründet. Oder es liegt an der Nähe des Menschen zum Affen, denn genau von diesen könnte man das betreffende Verhalten auch ohne weiteres erwarten.

Am Wochenende sitzen wir gemütlich auf unserer Terrasse und genießen die Sonne. Aus Nachbars Garten dringen Stimmen zu uns herüber. Die ganze Familie, bestehend aus zwei kleinen Kindern und den Eltern, hält sich gerade im Freien auf. Plötzlich vernehmen wir ein kleines Streitgespräch zwischen Vater und Sohn. Anscheinend hat der Kleine etwas getan, was dem Vater missfällt.
„Na warte, wenn ich dich kriege“, höre ich den Vater rufen. Er klingt allerdings nicht erbost, sondern mehr spaßig.
„Würde mich ja interessieren, was er angestellt hat“, sage ich zu meinem Mann.
„Keine Ahnung, aber den Knirpsen fällt schon immer etwas ein. Timo war da auch einfallsreich.“
„Wieso?“, frage ich und ergreife sofort Partei für unseren Sohn. „Der hat doch eigentlich nie was angestellt und pflegeleicht war er auch.“
„Ja, stimmt schon. Aber ich denke da an ein ganz bestimmtes Ereignis“, erklärt mir mein Mann grinsend.
„Ich glaube, ich weiß worauf du anspielst“, grinse ich frech zurück. „Kann das sein, dass dieses besagte Ereignis mit unserem damaligen Garderobenschrank zusammenhängt?“
Mein Mann nickt mir zu und wir erinnern uns an einen Tag, an dem unser Sohn noch recht klein war.
„Ich denke, er war zwischen zwei und drei Jahren“, beginnt Peter zu erzählen und ich ergänze:
„Ja und an allem interessiert, was so um ihn herum passierte.“
Damals wohnten wir in einer Dreizimmerwohnung und hatten uns überlegt, in einer Nische der Wohnung einen Einbauschrank zu bauen. Peter wollte das Wochenende dafür nutzen und so war er am Sonntagvormittag bereits in der Vollendungsphase.
„Ich stand auf der Leiter und machte die letzten Anpassungs- und Schraubarbeiten. Timo wuselte immer um mich herum, beobachtete alles ganz genau und gab auch hin und wieder einen Kommentar ab oder stellte eine Frage wie zum Beispiel: ‚Papa brauchst du das oder brauchst du das?‘ Immerzu wollte er mir irgendwelches Werkzeug reichen.“
„Ich muss wohl gerade in der Küche das Mittagessen vorbereitet haben, denn das, was dann folgte, kenne ich nur aus deiner Erzählung. Auf jeden Fall hörte ich auf einmal nur deinen Aufschrei, gefolgt von einigen Schimpfkanonen deinerseits. Etwa so:
‚Au!!! Spinnst du? Na warte ich krieg dich! So ein frecher Kerl!‘
Alles andere habe ich nicht mitbekommen“, berichte ich aus meiner Sicht von dem besagten Sonntag. „Ich weiß nur noch, dass Timo mit kleinen schnellen Schritten quer durch das Wohnzimmer gerannt kam und du hinterher.“
„Das kleine Biest hatte sich eine Kneifzange gegriffen und mich einfach kurzerhand in meinen Allerwertesten gezwickt“, erzählt mir Peter und greift sich selbst nach mehr als zwei Jahrzehnten noch an die besagte Stelle. „Das hat verdammt wehgetan!“, erklärt er mir mit total ernstem Gesicht, während ich  mich kaum noch vor Lachen und Schadenfreude halten kann.
„Ja, ja, ich weiß! Schadenfreude ist die schönste Freude!“
„Naja, Timo wollte doch wahrscheinlich nur mal die Zange ausprobieren!“, verteidige ich schon wieder unseren Sohn.
„Oder er wollte ausprobieren, wie ich reagiere!“, meint Peter.

„Dass das wehtun könnte, daran hat er sicherlich in seiner Experimentierfreude nicht gedacht“, bringe ich sogleich als nächstes Verteidigungsargument hervor.
Für einen kleinen Moment sind wir beide in unseren Gedanken und Erinnerungen versunken, bis auf einmal Peter anfängt laut zu lachen. Ich runzele fragend meine Stirn, woraufhin mein Mann mich fragt:
„Kennst du eigentlich auch die Geschichte von meiner Schwester?“
„Keine Ahnung, um welche Geschichte handelt es sich denn?“, frage ich zurück.
„Um die im Supermarkt!“
Ich zucke die Schultern, denn mir ist im Moment nicht klar, worauf Peter anspielt.
„Mein Vater war mit Dagmar, meiner Schwester, im Supermarkt einkaufen. Ich vermute sie saß noch im Kinderwagen oder sie stand direkt vor ihm. Es war auf alle Fälle noch vor meiner Geburt.“
„Ich glaube, ich fange an mich an eine Begebenheit zu erinnern, von der dein Vater uns mal erzählt hat. War da nicht noch eine Frau mit im Spiel?“
„Ja, eine unbekannte Frau stand vor den Beiden in der Schlange an der Kasse. Mein Vater hat wohl für ein paar Sekunden nicht auf meine Schwester geachtet, sondern suchte nach der Geldbörse in seiner Einkaufstasche. Warum auch immer, aber Dagmar war scheinbar fasziniert von dem, was sie von der fremden Frau sah.“
„Das kann ja eigentlich nicht viel gewesen sein, wenn man bedenkt, dass die Frau wahrscheinlich mit dem Rücken zu deiner Schwester stand. Außerdem ist die Augenhöhe eines kleinen Kindes ja auch nicht so hoch…“
„Genau!“, bestätigt mich mein Peter. „Deshalb hat meine Schwester wohl auch ein gewisses hinteres Körperteil dieser Frau fixiert. Aber sie hat es ja nicht beim Anschauen belassen…“
„Sag nur?!“
„Ja, Dagmar hat ihr kurzerhand in den Allerwertesten gekniffen, nur nicht wie Timo mit der Kneifzange, sondern ganz einfach mit ihren Fingerchen.“
„Dann hat es bestimmt auch nicht so weh getan.“
„Das sicherlich nicht. Aber die fremde Frau drehte sich trotzdem total entsetzt um und schaute genau meinem Vater in die Augen, der seine Geldbörse aus der Einkaufstasche geangelt hatte und wieder seinen Blick gehoben hatte. Er fing einen bitterbösen und strafenden Blick der Frau auf, die natürlich ihn und nicht das kleine unschuldig dreinblickende Mädchen verdächtigte.“
„Das stelle ich mir super peinlich vor.“
„Och, bestimmt hat mein Vater mindestens so unschuldig geschaut wie meine Schwester.“
„Und du bist dir sicher, dass das Kind deine Schwester war und nicht du?“, frage ich jetzt meinen Mann. „Dir hätte ich das eigentlich als Kind eher zugetraut.“

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Kindheitserinnerungen

Bergeweise weißes Gold

Die Urlaubszeit ist vorbei und selbstverständlich waren auch wir unterwegs. Eine meiner Lieblingsinseln ist Mallorca. Immer wieder zieht es uns auf diese wunderschöne Insel, die in nur zwei Flugstunden erreichbar ist und leider allzu oft auf den Ballermann reduziert wird. Doch damit tut man dieser Balleareninsel unrecht. Sie hat so viel zu bieten und obwohl wir sie schon sehr oft besucht haben, entdecken wir immer wieder neue Ecken. Heute möchte ich Euch an „Ses Salines d’Es Trenc“ teilhaben lassen, die mich auf ihre Art fasziniert haben.

Während Björn uns mit seinem Sommer in den Bergen begeistert hat, zeige ich Euch ebenfalls Berge, – weiße Berge, die in den blauen Himmel ragen. Aber das ist kein Schnee auf Mallorca, sondern weißes Gold. Salz, das mithilfe des Meeres und der Sonne „geerntet“ werden kann.

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Diese Salinen befinden sich im Südosten der Insel, unweit des Ortes Colonia de Sant Jordi. Mehr oder weniger zufällig haben wir Mallorcas größte Salinen, die sich über 150 Hektar erstrecken, auf einem unserer Ausflüge entdeckt. Besonders schön empfand ich das Glitzern der Salzkristalle in der Sonne, welches aber schwer einzufangen war.

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Obwohl schon die unterschiedlichen Kulturen auf dieser Insel Küstensalinen genutzt haben, erbaute man erst in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts die Salines d’Es Trenc, speziell für die Kochsalzproduktion und hat damit die große wirtschaftliche Bedeutung dieses Kristalls entdeckt. Laut den Informationstafeln finden sich hier optimale Bedingungen für die Salzproduktion, nämlich viel Sonne, eine sanfte Meeresbrise, geringe Feuchtigkeit und damit die Verdunstung des Wassers auf natürliche Weise.

Leider waren wir nicht zu den Besichtigungszeiten vor Ort, aber die Informationstafeln und die uns möglichen Einblicke lieferten uns alles Wissenswerte.*

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So konnten wir lesen, dass über einen Kanal das Meerwasser vom Strand Es Trenc, der übrigens 900 Meter entfernt liegt, zum höchsten Punkt gepumpt wird. Bedingt durch die Schwerkraft beginnt das Wasser mit einem Salzgehalt von ungefähr 29 Gramm pro Liter langsam zu fließen und erreicht verschiedene Phasen und Becken. Zunächst sinken die schweren Partikel nach unten und 50% des Wassers verdunsten, wodurch der Salzgehalt steigt. In den verschiedenen Becken, die das Wasser durchläuft ist der Salzgehalt auch unterschiedlich hoch.

  • im Verdunstungsbecken:    60 Gramm/Liter
  • im Erwärmungsbecken:     120 Gramm/Liter
  • im Sättigungsbecken:         200 Gramm/Liter
  • im Kristallisationsbecken: 260 Gramm/Liter  (hier wird das Salz hergestellt)

Im Kristallationsbecken hilft ein Traktor beim Aufbrechen der Salzkruste, danach wird das Salz von sogenannten Erntemaschinen aufgenommen und  Verunreinigungen  werden entfernt.  Anschließend gelangt das Salz über Förderbänder zu den Salzbergen.

Die „Ernte“ findet in den Monaten August / September statt und unterliegt auf die Menge bezogen wetterabhängigen Schwankungen. In einer guten Saison, so war zu lesen, beträgt die „Ernte“ schon mal 10000 Tonnen.

Besonders hervorheben sollte man auch, dass sich diese Salinen zu einem Naturreservat entwickelt haben, das es zu erhalten gilt. Hier leben Säbelschnäbler, Seidenreiher, Albatrosse und Flamingos, ganz abgesehen von den zahlreichen Kleinstelebewesen und Fischen im Wasser, die den Vögeln wiederum als Nahrung dienen.

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Salz nennt man ja auch das weiße Gold. Es hat einen großen wirtschaftlichen Wert und verfeinert unsere Speisen, macht aber auch Fleisch und Fisch haltbar. Es gibt eine Salzstraße und viele Städte beinhalten daher auch in ihrem Namen dieses Wörtchen, z.B. Bad Salzuflen, Bad Salzschlirf, Bad Salzhausen …

Auch viele Redensarten und Sprüche drehen sich um das Salz:

Jemanden das Salz in der Suppe nicht gönnen, drückt einfach nur Neid aus. Währenddessen man versucht jemand die Suppe zu versalzen, nichts anderes heißt, als dass man ihm Pläne durchkreuzt bzw. ihm etwas verdirbt. Salz in eine Wunde streuen, verschlechtert die Lage des Betreffenden noch zusätzlich.

Man sagt aber auch, wenn ein Essen versalzen ist, dass der Koch verliebt ist. Wenn man Salz verschüttet, dann gibt es angeblich Streit. Fehlt jedoch das Salz im Haushalt, dann soll wohl dem Aberglauben zufolge das Geld ausgehen. Und zum Einzug ins neue Haus oder die neue Wohnung schenkt man Brot und Salz. Aber auch als Heilmittel hat sich das Salz einen Platz erobert.

Man könnte noch so viel über das Salz schreiben, aber ich wollte Euch ja nur von den Salinen auf Mallorca berichten. Ich kann mich jedoch erinnern, dass Irmi auch in diesem Jahr schon einmal über Salz berichtet hat.

Ich freue mich, wenn es Euch heute wieder bei mir gefallen hat.

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*Anmerkung: Die Informationen über Ses Salines d’Es Trenc, die Salzproduktion, Erklärungen, Zahlen, Mengenangaben und Angaben über die dortige Tierwelt orientieren sich an den Informationstafeln vor Ort.