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Brummbär Max und seine Freunde

Heute habe ich Euch eine Geschichte mitgebracht, die mir während einer langen Autofahrt einfiel. Zum Glück saß ich nicht am Steuer und so konnte ich sie gleich aufschreiben. Zunächst muss ich Euch allerdings eine Frage stellen: Kennt Ihr Brummbär Max? Nein? Das wundert mich aber, denn er ist stadtbekannt. Na dann will ich Euch von ihm erzählen:

Brummbär Max hat viele Freunde, denn er ist ein sehr netter Kerl, auch wenn er manchmal etwas brummig daher kommt. Er ist beispielsweise ein Freund von unserem Kätzchen Lottchen. Zumindest sitzen sie oft gemeinsam auf einem Bänkchen im oberen Stockwerk auf der Galerie. Max ist nicht gerade der dünnste Vertreter seiner Gattung. Deshalb gibt es hin und wieder auch Platzprobleme auf dem kleinen Bänkchen. Doch unser Lottchen hat so ihre eigene Methode dieses Problem zu lösen. Sie schmeißt den Brummbär einfach kurzerhand runter. Dann liegt er da und zappelt mit den Armen und Beinen. Das stört unser Lottchen jedoch wenig und Brummbär Max schläft nach einem Weilchen selig ein und krabbelt später wieder auf das Bänkchen.
Jetzt möchtet Ihr noch wissen, wer die anderen Freunde sind? Und natürlich, warum er in der ganzen Stadt bekannt ist. Ja also, das kam so:
Am Anfang hieß Max einfach und schlicht nur „Teddybär“. Er saß auf einem Regal in einem großen Kaufhaus in einer noch größeren Stadt. Den Namen der Stadt habe ich vergessen, aber es gab viele Menschen und viele Autos in dieser Stadt. Von seinem Regalbrett aus konnte Max durch das Schaufenster hindurch auf die Straße schauen. Wie gerne würde er auch einmal durch die Straßen laufen. Oder mit den Kindern, die sich die Nasen an der Scheibe plattdrückten, spielen. Vielleicht sogar einmal mit einem großen Hund um die Wette laufen.
Der Teddybär träumte Tag für Tag von seinen großen Abenteuern dort draußen in der großen weiten Welt. Aber so wie es aussah, würde er niemals hier wegkommen. Er war einfach zu groß, zu dick und zu schwer. Die Kinder, die noch mit Teddybären spielten, waren zu klein und zu schwach, um ihn hochzuheben und ihn festzuhalten. Auch waren ihre Arme zu kurz, um ihn zu umarmen. Die Großen hatten kein Interesse mehr an einem Teddybären. Sie wollten Rennbahnen, Eisenbahnen, Fahrräder oder Computer. So würde er wohl noch eine Weile hier sitzen müssen und dann würde er ins Lager kommen, wo er zwischen all den unverkauften Sachen einstauben würde.
Eines Tages oder besser gesagt, eines Nachts passierte es dann. Der Teddybär hatte schon seit einer Weile geschlafen und wurde durch ein lautes Klirren wach. Erschrocken riss er schlagartig beide Augen auf. Was er sah, konnte er sich zunächst nicht erklären. Doch dann erkannte er, dass diese Männer Diebe waren. Sie wollten das Kaufhaus ausrauben. Er bekam Angst und machte sich so klein, wie das für einen großen dicken Teddy nur möglich ist. Die Räuber hatten es sehr eilig und stießen ihn unachtsam in eine Ecke. Sie waren nur an den kostbaren Dingen, wie Uhren, Schmuck, Computer und Fernseher interessiert. Ein Teddybär war keine lohnende Beute für sie. Inzwischen waren alle Alarmanlagen an und ein ohrenbetäubender Lärm ging durch das gesamte Kaufhaus. Und schon waren auch die Sirenen der Polizeiautos zu hören. Die Räuber flüchteten mit allem, was sie zu ihren Fluchtautos tragen und darin verstauen konnten. Sie schafften es gerade noch bevor die Polizei eintraf. Diese nahm natürlich sofort die Verfolgungsjagd auf.
Ein Teil der Polizisten blieb allerdings im Kaufhaus und begann mit der Spurensicherung. In dem allgemeinen Durcheinander achtete niemand auf den großen Teddybär. Dieser ergriff die Gelegenheit und marschierte durch die eingeschlagene Scheibe in die dunkle Nacht hinaus.
Der Teddybär lief lange durch die Dunkelheit bis er in einen großen schönen Park kam. Dort suchte er sich als erstes einen herumliegenden stabilen Zweig, den er als Spazierstock benutzte. Überall waren Tiere unterwegs: Dort ein kleiner Fuchs, da eine zierliche Maus und hier ein rotbraunes Eichhörnchen. Die Eule oben auf dem Baum begrüßte ihn freundlich und der Specht hämmerte mit seinem Schnabel so laut, dass alle die Kunde über den nächtlichen Besucher hören konnten. Selbst der Maulwurf blinzelte verschlafen aus seinem Maulwurfshügel heraus und winkte dem Teddy zu. Die Schnecken krochen herbei, die Enten auf dem Teich begannen zu schnattern und die Frösche zu quaken. Sogar der Mond schien zu seiner Begrüßung heller als sonst. Alle liefen zusammen und freuten sich riesig über den Neuankömmling.
„Wie heißt du?“, wollten sie alle wissen.
Ja, wie hieß er eigentlich? Der Teddybär wollte wie gewöhnlich ein bisschen brummen. Aber plötzlich merkte er, dass seine Stimme versagte. Wahrscheinlich hing es mit dem Stoß zusammen, den ihm die Räuber versetzt hatten. Bestimmt war ihm ein Stimmband gerissen. Vielleicht war es aber auch nur eine Erkältung. Auf jeden Fall kam anstelle eines
„Brumm“
nur ein gedehntes
„Maa“
und ein noch längeres
„xsssss“
heraus.
Zunächst schauten sich alle verwundert an. Doch der Zaunkönig glaubte den Teddybär verstanden zu haben:
„Ahh, du heißt Max!“, rief er fröhlich aus.
Und so wurde aus dem Teddybär der „Brummbär Max“, den alle liebten und der dank der guten Pflege der Honigbienen seine richtige Stimme bald wieder erlangte.
Brummbär Max lebte den ganzen Sommer im Stadtpark mit den anderen Tieren zusammen. Er half dem Blumenelfchen morgens die Blüten der Blumen zu öffnen und abends wieder zu schließen. Er reparierte gemeinsam mit dem Maulwurf dessen Hügel, den irgendjemand einfach zusammengetreten hatte. Für die Mäuschen brachte er Käse und Speck, wenn Schulkinder achtlos ihr Schulbrot fallen ließen. Und gemeinsam mit den Singvögeln, Fröschen und Enten studierte er ein lustiges Liedchen ein. Alles wäre perfekt gewesen, wenn sich nicht bald der Winter angekündigt hätte. Es wurde kälter und kälter. Der Fuchs verkroch sich in seinem Bau, die Zugvögel flogen in den Süden, die Eichhörnchen bereiteten ihre Winterruhe vor und der Maulwurf zog sich in seinen Hügel zurück. Der Teddy begann zu frieren, denn er war ja kein richtiger Bär und schon gar kein Eisbär, der ganz gut die Kälte aushielt. Er war einfach nur ein Teddybär und diese Bärenart friert im Winter genauso wie wir Menschen. Regen, Eis und Schnee mögen diese Bären überhaupt nicht. Was sollte er also tun?
Eines wusste er ganz genau: In das große Kaufhaus würde er nicht wieder zurück gehen. Also musste er irgendwo Unterschlupf finden. Nur wo und wie?
Die Enten hatten es gut, sie hatten ein Haus. Vielleicht könnte er bei ihnen wohnen. Aber das Haus stand mitten auf dem Teich und Brummbär Max konnte nicht schwimmen. Außerdem war es kein allzu großes Haus. Es hätten nur entweder die Enten oder er darin Platz gehabt.
Die Entenmutter Katharina hatte allerdings eine Idee:
„Am Rande des Parks stehen einige Häuser. Schau dich doch einmal um, vielleicht findest du dort ein Schlafplätzchen.“
„Danke Katharina“, entgegnete Brummbär Max höflich. „Ich werde mein Glück versuchen!“
Nachdem die Entenmutter ihm die Richtung gezeigt hatte, ergriff er seinen Wanderstab und machte sich auf den Weg. Es war ein großer Park und er musste weit laufen. Doch irgendwann konnte er die Häuser sehen. Er setzte sich auf einen Stein und beobachtete das Treiben in der Straße. Es war eine ruhige Straße, denn es fuhren kaum Autos. Es gab dort Kinder, Hunde und Katzen und zu den Häusern gehörten schöne Gärten. Als er so überlegte, was er nun tun sollte, kam eines der Kätzchen über die Straße in den Park gelaufen.
„Hallo“, begrüßte sie kein bisschen scheu den lieben Teddybär. „Wer bist du denn? Dich habe ich hier noch nie gesehen.“
„Ich bin Brummbär Max“, kam sofort die Antwort. „Und wie heißt du?“
„Ich bin Lottchen und wohne dort drüben in dem weißen Haus mit dem grauen Dach!“
„Ach hast du es gut. Du hast ein Dach über dem Kopf.“ Max blickte das Kätzchen aus traurigen Augen an.
„Hast du denn kein Zuhause?“, erkundigte sich Lottchen.
Da begann der Teddybär seine ganze Geschichte zu erzählen und Lottchen hörte geduldig zu. Sie verstanden sich gut, die Beiden. Lottchen hatte den Brummbär Max in ihr Herz geschlossen und umgekehrt hatte der Bär das kleine Lottchen sofort lieb gewonnen. Deshalb machte das Kätzchen dem Teddybär auch einen Vorschlag.
Könnt Ihr Euch denken, was sie Brummbär Max vorgeschlagen hat?

Jedenfalls sind alle rundum glücklich und freuen sich ihres Lebens und überall, wo die Beiden hinkommen, werden sie freudig von den Tieren begrüßt. Die Geschichte von Brummbär Max hat sich nämlich inzwischen herum gesprochen.

 

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10 Kommentare

  1. Martina sagt

    Meine Güte, was so ein Teddybär alles erleben kann!!! Kurz dachte ich, er läuft hinter den Dieben her und stellt sie oder alarmiert die Polizei!!! Lach!!! Du, daraus könnte ich doch mal eine … Neee, Brummbär Max bleibt dein Protagonist!!! Gerne gelesen!!! LG Martina

    • Astrid Berg sagt

      Hallo Martina,
      erst dachte ich auch, dass er hinter den Dieben herläuft, aber dann hat sich die Geschichte verselbständigt. Aber so ein Teddybärenleben ist ja lange…
      Ein bisschen Schatten wünsche ich Dir heute bei der großen Hitze und schicke Dir LG
      Astrid

  2. Da hat der Brummbär ja einiges erlebt 🙂 Wie gut, dass er dem Kaufhaus entfliehen konnte.
    LG Eva

    • Astrid Berg sagt

      Danke Eva für Deinen lieben Kommentar. Ich finde den Teddy einfach so süß und irgendwie gehörte einfach eine Geschichte zu ihm. Im Kaufhaus fängt nun mal das Teddybärenleben an, aber irgendwie musste er da raus und in die weite Welt. 🙂
      LG und einen schönen Sommerabend
      Astrid

  3. Eine schöne Geschichte, liebe Astrid,
    ich mag Teddybären auch sehr gern. mein Mann hat noch seinen Kinderteddy, um den ich ihn immer heiß beneidet habe. Ich selbst habe meinen Paul erst zum Fünfzigsten bekommen!
    Herzliche Grüße
    Regina

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Regina,
      zunächst einmal vielen Dank für Deinen netten Kommentar.
      Ich habe meinen Brummbär Max auch zu einem Geburtstag von meinem Mann bekommen. Von meinem dicken gelben Kinderteddy habe ich auch schon einmal berichtet, denn von ihm gibt es eine interessante wahre Geschichte Jetzt fängt mein neues Leben an
      Ich wünschee Dir für diesen heißen Tag ein bisschen Schatten und schicke Dir liebe Grüße
      Astrid

  4. Was für eine zauberhafte Geschichte, liebe Astrid.
    ich bin begeistert.
    Eine liebevolle, schöne Story.
    Wir hatten auch lange Zeit einen großen Teddy.
    Aber beim Umzug in eine kleinere Wohnung wurde er abgegeben, ich hoffe, er fühlt sich wohl.
    Liebe Grüße Bärbel

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Bärbel,
      ich freue mich sehr über Deinen Besuch auf meinem Blog und heiße Dich hier herzlich willkommen. Danke auch für Deinen netten Kommentar.Ich mag Stofftiere sehr und besonders kuschelige Teddys.
      LG
      Astrid

  5. Das ist aber eine hübsche Geschichte, liebe Astrid. Den Max habe ich gleich ins Herz geschlossen. Ob er dir noch von weiteren Abenteuern berichten wird? Ich bin gespannt.
    Herzliche Grüße
    Elke

    • Astrid Berg sagt

      Ich freue mich, dass Dir die Geschichte gefallen hat. In diesen Teddy habe ich mich auch sofort verliebt und ich denke, wenn ich meinen Charme spielen lasse, dann erzählt er mir irgendwann noch mehr aus seinem Leben.
      LG nach Hessen
      Astrid

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