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Der gekaufte Bräutigam

Neulich habe ich Euch die Geschichte von Mopsi und Filou erzählt. Der selbe nette ältere Herr und eifrige Leser meines Blogs, der mir für diese Geschichte die Idee lieferte, beschrieb mir in einem anderen Brief noch eine weitere lustige und wahre Begebenheit. Ich habe wiederum eine Geschichte daraus gemacht, in welcher der inzwischen achtjährige Flori, der Großvater und selbstverständlich die allseits beliebte Mopsi mitspielen.

Flori und seine Eltern sind heute bei Großvater zu Besuch. Während die Mutter in der Küche ihres Vaters steht und dessen Wäsche bügelt, kümmert sich ihr Mann um Opas alten Rasenmäher. Dieser muss dringend einer Inspektion unterzogen werden. Währenddessen gehen Flori und der Großvater mit Mopsi Gassi. Mopsi macht seit der schmerzhaften Bekanntschaft mit der Katze ganz kleinlaut und mit eingezogenem Stummelschwänzchen immer einen großen Bogen um diese Tiere. Auch heute läuft sie artig drei Schritte vor Flori, der sie an der Leine festhält.
„Opa wollen wir nicht Mama und Papa mit einem leckeren Kuchen überraschen?“ schlägt Flori vor, als sie an Großvaters Lieblingsbäckerladen vorbeikommen.
„Ja, du hast Recht, dann kann ich mich damit gleich bei deinen Eltern für ihre Mühe bedanken, die sie sich immer machen. Ich bin so froh, dass deine Mutter sich um meine Wäsche kümmert, seitdem deine Oma nicht mehr da ist“, sagt Opa und wischt sich mit der Hand über die Augen. Flori weiß, dass der Großvater die Oma mindestens so sehr vermisst, wie er selbst. Deshalb legt er tröstend seine kleine Hand in die des Großvaters und meint:
„Mama macht das doch gerne!“
„Ja, ich weiß“, nickt der Großvater. „Lieb ist es auch, dass dein Vater mir den alten Rasenmäher wieder flott macht. Früher habe ich das ja alles selber gemacht. Aber weißt du Flori, wenn man so alt ist wie ich, dann wollen die Augen nicht mehr so richtig und meine Finger sind auch schon ein wenig steif“, erklärt der Großvater seinem Enkel.
„Ach mach dir nichts daraus“, tröstet Flori. „Mein Freund Max hat auch eine Brille bekommen und der ist viel jünger als du. Wenn er die nicht trägt, dann kann er die Buchstaben und Zahlen in den Schulbüchern überhaupt nicht erkennen. Mit Brille kann er wieder besser lesen und rechnen und neulich hat er sogar das beste Diktat geschrieben.“
Der Großvater streichelt seinem Enkel zärtlich über dessen Haare und fordert ihn auf:
„Na komm, du darfst beim Bäcker die Kuchenstücke aussuchen!“
Flori wählt für den Vater ein Stück Schwarzwälderkirschtorte, für die Mutter ein Stück Eierlikörtorte, für sich ein großes Stück vom Mamorkuchen und der Großvater entscheidet sich für den Quarksahnemandarinenkuchen. Da Mopsi keinen Süßkram essen darf, bekommt sie später zu Hause einen leckeren kleinen Fleischknochen, den hat der Großvater heute Morgen extra noch beim Metzger geholt.
Großvater lässt sich von der Bäckersfrau noch einen Laib Brot einpacken und bezahlt dann. Plötzlich bemerkt er, dass auch Flori nach irgendetwas in seiner Hosentasche kramt und schließlich einen Fünfeuroschein heraus zieht und sich ein Softeis kaufen will.
„Woher hast du denn soviel Geld?“, fragt er seinen Enkel, als sie wieder auf dem Bürgersteig vor dem Laden stehen. Er löst Mopsis Leine von dem Haken, der extra für wartende Hunde an der Hauswand angebracht wurde und blickt Flori erwartungsvoll an.
„Ach das, – das hab ich…na ja, –  das war noch in meiner Hosentasche…  – ich weiß nicht…“
Foris Blick ist gesenkt und er kickt verlegen ein Steinchen vom Gehweg.
„Jetzt aber mal raus mit der Sprache und druckse nicht so rum!“
„Also…“
„Ja, – also?“, drängt der Großvater weiter.
„Das hat mir die Franziska gegeben“, gibt er endlich sichtbar verlegen dem Drängen des Großvaters nach.
„Wieso gibt dir deine Schulkameradin einfach Geld?“, erkundigt sich der Opa weiter und auf einmal sprudelt es aus Flori heraus:
„Sie will mich heiraten!“, gesteht er dem verdutzten Großvater, der aber jetzt erst recht alles ganz genau wissen will. Flori ist inzwischen total verlegen und wird sogar ein bisschen rot, aber er erzählt seinem Großvater schließlich doch die etwas seltsame Angelegenheit. Zunächst etwas stockend beginnend, sagt er:
„In unserer Klasse gibt es hauptsächlich Mädchen. Es sind 12 Mädchen, aber nur 7 Jungs. Die Mädchen wollen immer gleich heiraten. Mich wollen auch viele Mädchen heiraten. Sie haben mir dann Süßigkeiten geschenkt, damit ich sie auch heiraten will. Und Franziska hat mir sogar einen ganz langen Brief geschrieben und darin lag das Geld.“
Der Großvater hat Flori genau zugehört und meint:
„Aber einen Bräutigam kauft man sich nicht. Wenn man einen Heiratsantrag macht, dann sollte man diese Person auch lieben und von dieser auch geliebt werden. Liebe kann man nämlich nicht kaufen.“
Flori scheinen Opas Worte nachdenklich gemacht zu haben, denn er läuft mit leicht gesenktem Kopf weiter. Als sie vor Opas Haustür stehen, meint er ein bisschen kleinlaut:
„Bitte Opa, sag nichts zu Mama und Papa. Die schimpfen sonst vielleicht mit mir! Bitte Opa, das musst du mir ganz fest versprechen und was man versprochen hat, das muss man auch halten.“
„Flori, ich verspreche dir, nichts zu verraten, aber das Geld musst du schon wieder zurückgeben. Das solltest du mir versprechen!“
„Aber ich habe mir doch schon ein Eis gekauft!?“, erklärt Flori und sein schlechtes Gewissen ist ihm regelrecht ins Gesicht geschrieben.
„Dann wirst du wohl ein bisschen von deinem Taschengeld sparen müssen, damit du ihr alles wiedergeben kannst.“
Flori und Opa nehmen sich gegenseitig ein Versprechen ab: Opa wird nichts den Eltern verraten und Flori wird der verliebten Franziska das Geld komplett wieder zurückzahlen. Danach gehen sie ins Haus und keiner von beiden verliert mehr ein Wort über diese Sache.
Aber wie das im Leben eben so ist, irgendwann kommt alles raus. So auch diese Sache vom gekauften Bräutigam. Und das dauert gar nicht so lange. Eigentlich passiert es direkt schon am nächsten Morgen.
„Flori, ich habe dir auf die eine Hälfte deines Schulbrotes Käse gelegt und auf die andere Schinken mit Gurke und Tomate. Möchtest du auch noch eine Banane mitnehmen?“, fragt die Mutter und öffnet Floris Schulranzen, um die Brotbüchse zu verstauen. Sie schiebt das Lesebuch etwas zur Seite, um Platz für die Brotbüchse zu machen und hält auf einmal einen Geldschein in der Hand.
„Florian!“

Schon an der Tatsache, dass Mutter Flori mit seinem richtigen und offiziellen Namen anspricht, lässt den Jungen erkennen, dass es um etwas Ernstes geht. Erschrocken und fragend blickt er die Mutter an.
„Woher hast du diese 10 Euro?“
Flori weiß, dass es jetzt keine Ausreden mehr gibt. Er muss die Wahrheit beichten:
„Franziska aus meiner Klasse hat mir 15 Euro gegeben.“
Er sieht Mutters strengen Blick und so berichtet er kleinlaut:
„Sie hat mir in einem Brief einen Heiratsantrag gemacht und da lag auch das Geld dabei.“
Noch bevor die Mutter irgendetwas sagen kann, erklärt er:
„Den Brief habe ich weggeworfen und dann hab ich mir gestern ein Eis gekauft.“
Flori öffnet seine Hand, in der einige Münzen liegen und ganz schnell fügt er noch hinzu:
„Aber ich gebe Franziska alles wieder,- Opa meint auch, das soll ich unbedingt machen. Die Franziska soll sich einen anderen Bräutigam suchen und dem das Geld geben.“
Voller Inbrunst gesteht er der Mutter seine Gefühle:
„Ich will die Franziska nämlich nicht heiraten. Ich will überhaupt noch nicht heiraten.“

 

 

10 Kommentare

  1. Heute ist mein Blogtag, da kommentiere ich mal bei allen mit denen ich in Verbindung stehe
    (Augen zwinkern) Deine Geschichten bekomme ich ja immer schon zum Frühstück serviert und das ist einfach toll. Ist jetzt meine Lektüre während ich Kaffee und Toast genieße, einfach herrlich. (Nicht wundern, ich frühstücke tatsächlich um vier Uhr morgens, die Vögel zwitschern übrigens auch schon draußen um die Wette)
    Ist es nicht schön welch wunderbaren Menschen wir durch das Internet begegnen, die Geschichte ist wirklich herrlich und ich musste grinsen. Wann kann ja inzwischen alles kaufen, da ist es doch gut, dass wahre Liebe und Freundschaft unverkäuflich sind.
    Wünsche dir ein schönes Wochenende, LGLore
    Das Bild ist übrigens sehr sehr schön, wer ist der Künstler?

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Lore,
      der Künstler war der Computer, die Technik macht heutzutage fast alles möglich.
      Du sitzt morgens um vier schon am Frühstückstisch,- Wahnsinn! Um diese Uhrzeit könnte ich noch gar nichts essen. Ich lasse übrigens sehr häufig das Frühstück ausfallen, auch wenn es die wichtigste Mahlzeit des Tages sein soll. Für mich ist es das Mittagessen. Das war schon immer so bei mir und hat sich in all den Jahrzehnten nicht geändert.
      Einen schönen Sonntag und LG
      Astrid

  2. Martina sagt

    Das ist eine total süße Geschichte. ‚Der gekaufte Bräutigam‘ – einfach herrlich. Mir fiel dazu ein, dass unsere Tochter, sie war wohl 12 oder 13, mit einem Liebesbrief nach Hause kam. Sie war auch ganz verlegen, als sie ihn mir zeigte. Wir haben ihn aufgehoben und er hat Erwähnung in ihrer Hochzeitszeitung gefunden. Ein Satz war in etwa so: ‚Ich finde es ganz toll, wenn du mich mit deinen Augen anschaust.‘ – Lach! Geheiratet hat sie aber einen anderen!!!! LG Martina

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Martina,
      das sind doch schöne Erinnerungen. Gut, dass man manchmal solche Dinge aufhebt. Irgendwann, und sei es nach Jahrzehnten, zaubern sie uns wieder ein Lächeln ins Gesicht.
      LG
      Astrid

  3. Eva V. sagt

    Hallo Astrid, hoffe, der Knirps ist jetzt nicht bis zum Lebensende vom Heiraten bedient, süß Die Geschichte. LG Eva

    • Astrid Berg sagt

      Ach Eva, ich denke, das verwächst sich wieder 🙂 Wenn die Richtige kommt, wird er schon die Initiative ergreifen.
      LG
      Astrid

  4. Wie niedlich! Da werden so Knirpse schon mit Hochzeiten bedrängt und wissen nicht mal, wie man das schreibt :mrgreen: .

    Liebe Grüße
    Anna-Lena, die ganz breit grinst…

    • Astrid Berg sagt

      Da hast Du Recht, aber durch die Medien kennen sich die Knirpse heutzutage besser aus als wir damals. Obwohl: Ich kann mich erinnern, dass ich in der ersten Klasse auch einen Verehrer hatte, der mich unbedingt heiraten wollte. Das war auch noch der Sohn meines Klassenlehrers 🙂
      LG
      Astrid

    • Astrid Berg sagt

      Danke Tanja für Deine lieben Worte. Ich freue mich, dass es Dir bei mir gefällt und auch ich komme immer wieder gerne auf Deinen Blog.
      LG
      Astrid

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