Kurzgeschichten
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Katz und Maus

„Ich liege noch in meinem Körbchen, das ganz hinten im Haus steht, dort wo auch meine Katzenklappe ist. Zum Fenster scheint schon die schöne Frühlingssonne herein und kitzelt mich mit ihren Strahlen an der Nase. Ob ich will oder nicht, jetzt muss ich meine Augen aufmachen und meine Ohren natürlich auch. 

Oh, draußen ist es schön und die Vögel zwitschern! Da muss ich raus! Wo bleibt nur das Frauchen? Sie muss mir unbedingt die Katzenklappe aufmachen! Warum kommt sie denn nicht endlich? Sie weiß doch ganz genau, dass ich unbedingt nach draußen will!
Na gut, wenn es noch ein Weilchen dauert, dann springe ich einfach mal schnell auf das Fensterbrett. Von dort kann ich ganz genau sehen, was draußen im Garten los ist. Und da ist eine ganze Menge los, es wimmelt nur so von Köstlichkeiten und Spielgelegenheiten.
Alle sind sie dort im Garten versammelt: Die Vögel fliegen und setzen sich in die Äste der Bäume, dort fliegt ein Schmetterling, da sehe ich sogar einen Käfer über die Grashalme klettern und gerade ist direkt vor meinem Fenster eine kleine Maus vorbei gehuscht.
Wann kommt denn Frauchen endlich?
Jetzt ärgere ich mich aber!
Hat sie mich vergessen?
Nein, das glaube ich nicht, denn mein Frauchen ist ganz lieb und vergessen hat sie mich noch nie.
Ach, jetzt höre ich auch, dass sich was im Hause tut. Schritte nähern sich. Ich stelle mich schon mal an die Kellertür, denn gleich muss sie aufgehen.“
„Guten Morgen Lottchen!“
„Ja, ja! Du kommst aber spät! Ich muss dringend raus!“, meckere ich mein Frauchen an und vergesse ganz ihr einen freundlichen Morgengruß entgegenzurufen.“
„Na, du hast es aber heute Morgen eilig! Ich muss doch erst einmal Deine Katzenklappe aufmachen!“
„Die interessiert mich jetzt nicht! Ich will raus, aber doch nicht durch diese enge Katzenklappe. Das wäre ja noch schöner! Hinten zur Terrassentür will ich raus, die soll mir mein Frauchen aufmachen. Ich renne schon mal hin, dann kapiert sie das schon!“
„Willst du denn gleich raus?“
„Na klar, sonst würde ich doch nicht hier stehen und mit meiner Nasenspitze an der Fensterscheibe kleben! Jetzt mach schon! Bitte!
Am besten mache ich ganz große flehende Augen, das kommt immer gut an.
Sie hat es kapiert und hat ihre Hand auch schon an der Türklinge, doch dann hält sie inne.“
„Willst du nicht erst noch ein bisschen Milch trinken?“
„Die hab ich ja ganz vergessen! Das ist natürlich auch verlockend!
Da höre ich einen Vogel zwitschern und schon ist mir die Milch egal.
Ich will raus! Schnell, schnell!
Endlich!
Ich bin draußen! Und was mache ich jetzt?
Erst einmal setze ich mich an den Rand des Rasens und sondiere die Lage und orientiere mich.
Ein Schmetterlinge! Na warte, dich fange ich! Ich brauche nur ein bisschen hochzuspringen, dann habe ich dich!
Was soll denn das? Du willst Dich nicht von mir fangen lassen?
Ich krieg dich schon! Du denkst wohl, wenn Du dich einfach dort vorne auf die Hollywoodschaukel setzt, dann kann ich dich nicht fangen. Da hast du dich aber getäuscht!
Erst einmal schleiche ich mich lautlos an, das bekommst du gar nicht mit. Und jetzt warte ich ganz still, bis du dich in Sicherheit fühlst. Dann springe ich auf die Schaukel und hab dich mit einem Schnapp!
Hey, warum bist du schon wieder weg und sitzt jetzt auf dem Ast dort drüben? Aber ich bin ja eine Katze und da komme ich auch hin.
Aber was erblicken denn meine geschulten Katzenaugen gleich rechts von dir?
Einen Vogel!
Der gefällt mir aber noch besser!
Mein Magen knurrt sowieso schon und das wäre jetzt ein ordentlicher Bissen.
Jetzt ist meine Geduld gefragt und ich muss ihn erst einmal in Lauerposition beobachten. Irgendwann bietet sich schon meine Gelegenheit. Ich bewege mich kein bisschen, dann vergisst er, dass ich da bin. Ich fixiere ihn, vielleicht kann ich ihn damit hypnotisieren.
Was raschelt denn andauernd hinter meinem Rücken?
Ach egal, ich muss mich auf den Vogel konzentrieren, wenn ich ihn haben will. Aber neugierig macht mich dieses Rascheln hinter mir doch! Ich stelle mal eben meine Ohren so ein, dass ich die Geräusche besser empfangen kann. Ansonsten bleibe ich einfach bewegungslos sitzen.
Dieses Rascheln macht mich schon etwas nervös. Ob ich es wage und mich ganz vorsichtig umdrehe? Als Katze kann ich das doch kaum hörbar und der Vogel ist sowieso mit seinem blöden Gezwitschere beschäftigt.
Vorsichtig drehe ich mich um und drücke mich ganz dich auf die Erde in Höhe der Grashalme.
Und was sehe ich?
Ich blicke genau in zwei klitzekleine Augen. Die schauen ganz erschrocken zurück.
Ein Mäuschen!
Und jetzt ist meine Schnelligkeit und Geschicklichkeit gefragt. Ich mache einen Satz und schon habe ich sie zwischen den Tatzen.
Über mir spüre ich einen Flügelschlag. Dich hole ich mir später, aber im Moment ist erst einmal dieser kleine köstlich Happen an der Reihe. Der ist zwar nur was für den hohlen Zahn, aber man kann vorher so schön mit ihm spielen.
Ganz erschrocken starrt das Mäuschen mich an. Na, beruhige dich erst einmal. Ich leg dich vor meine Füße und berühre dich auch ganz vorsichtig. Was du willst weg?
Nichts da!
Dann fange ich dich doch gleich wieder. Und wenn du nicht still bist, dann nehme ich dich zwischen meine Zähne. Ach, macht das einen Spaß dich zappeln zu lassen und erst ein bisschen mit dir zu spielen. Katz und Maus heißt dieses Spiel. Aber ich bin immer der Gewinner, das musst du wissen. Denn ich bin größer und stärker und auch schlauer als du. Dein Schicksal ist besiegelt.“
„Was hast du denn da, Lottchen! Lass endlich das keine Mäuschen los! Es hat dir doch nichts getan!“
„Ohje, Herrchen! Jetzt schnell mit meiner Beute weg!, denke ich noch. Doch Herrchen ist hinter mir her. Und das dumme kleine Dinge fängt auch noch an zu zappeln. Ich zwicke es mit meinen Zähnen ein bisschen fester, aber ich mache ihm noch nicht den Garaus. Nur so zur Betäubung, dann kann ich das Mäuschen kurz mal ablegen.
Das ist allerdings mein Fehler! Das Mäuschen liegt zwar da wie betäubt, aber Herrchen steht auch schon wieder neben mir. Ich kann gar nicht so schnell schauen, da hat er das Mäuschen in seiner Hand.“
„Schau nur, es ist noch so klein! Du bist ganz schön brutal! Das Mäuschen bekommst du nicht, dafür werde ich jetzt sorgen! Ich bringe es vor dir in Sicherheit. Zum Glück ist es noch nicht verletzt und lebt noch. Nur das Herzchen schlägt wie wild vor Angst!“
„Er schimpft mit mir, dabei bin ich doch eine Katze und Katzen fangen eben mal Mäuse. Ich frage mich, was ich falsch gemacht habe. Jetzt geht er doch tatsächlich mit dem Leckerbissen weg. Ich laufe ihm erst gar nicht hinterher, denn aus Erfahrung weiß ich, dass das nichts mehr bringt.
Da fällt mir plötzlich Frauchen ein. Hat sie nicht vorhin etwas von Milch erzählt? Auch nicht schlecht! Die läuft wenigstens nicht weg!
Also marschiere ich ins Haus und direkt in die Küche zu Frauchen. Dort setze ich mich brav vor den Kühlschrank. Und siehe da! Sie öffnet die Kühlschranktür, nimmt die köstliche Katzenmilch heraus und gießt sie in mein Schälchen.
Mit der Milch kann man zwar nicht so schön spielen wie mit dem Mäuschen, aber sie schmeckt mindestens genauso gut und die nimmt mir niemand weg.
Frauchen ist doch die Beste!

 

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