Neueste Artikel

Mit Schaufel und Eimer

Wenn ich dieses Foto betrachte, muss ich lachen, denn vor meinem geistigen Auge tauchen plötzlich viele schöne Erinnerungen auf. Ich überlege, wie wohl unser inzwischen erwachsener Sohn damals diesen Urlaub erlebt hat. Hätte er zu diesem Zeitpunkt schon schreiben können, hätte sich sein Urlaubsbericht vielleicht so gelesen:

Kurz nach meinem 2. Geburtstag sagten meine Eltern zu mir:
„T., wir machen bald eine weite Reise mit dem Auto. Wir fahren nach Spanien!“
„Kenn ich nicht“, sagte ich und steckte mir ein Kaubonbon in den Mund.
„Aber Autofahren ist schön“, dachte ich mir, „da kann man immer so schön schlafen und träumen und natürlich die Geschichten von Benjamin Blümchen hören.“
„Da gibt es ganz viel Sand und Wasser“, erklärte mir meine Mutter.
„Ach, ein neuer Spielplatz“, dachte ich. „Mal sehen, ob er mir gefällt!“
„Dort ist es immer schön warm, weil jeden Tag die Sonne scheint. Du kannst im Wasser plantschen, im Sand Burgen bauen und Kuchen backen“, erzählte sie weiter.
„Noch besser“, überlegte ich, „ein Schwimmbad mit einem großen Sandspielplatz. Hört sich gut an!“
„Kommt K. auch mit?“, wollte ich wissen.
Mit meiner Sandkastenfreundin, spielte ich jeden Tag und unsere Mamas unterhielten sich.
„Bestimmt kommen alle mit“, überlegte ich mir.
„Nein“, sagte Mama, „sie fährt mit ihren Eltern woanders hin“.
Das fand ich ein bisschen schade.
„Komisch, wir geh’ n doch sonst immer gemeinsam auf den Spielplatz“, dachte ich.
Ich hatte die Sache schon vergessen, da rannten eines Tages meine Eltern kreuz und quer in der Wohnung herum, packten ganz viele Sachen aus dem Kleiderschrank in eine Kiste, die sie Koffer nannten, luden alles ins Auto und forderten mich auf meinen Eimer, die Förmchen und meine Schaufel ebenfalls in den Kofferraum zu packen. Soviel wie ich verstanden hatte, wollten wir am nächsten Tag zu dem großen Sandspielplatz fahren. In der Nacht habe ich schon geträumt, dass mir jemand mein Schäufelchen weggenommen hätte.
Und dann ging es los.
Das Schwimmbad war riesengroß und der Sandkasten auch, – eigentlich war alles nur Wasser und Sand. Mama nannte das Schwimmbad „Meer“ und den Sand „Strand“.
Dann bekam ich „Flügel“ zum Schwimmen. Das war ganz schön lustig damit zu schwimmen, fast wie fliegen. Ich brauchte nur mit den Armen und Beinen zu zappeln und schon kam ich ein kleines Stückchen voran und ging nicht unter. Trotzdem schluckte ich manchmal ein bisschen Wasser. Das hat aber ganz anders geschmeckt als mein Badewasser zu Hause. Irgendwie schmeckte es nach Zucker. Nein, ich glaube Mama hat mir erklärt, dass es nach Salz schmeckt.
Mama und Papa durften ohne diese Schwimmflügel ins Meer, sie können nämlich schwimmen. Sie sagten sogar, dass ich das auch bald lernen würde, aber eigentlich wollte ich das gar nicht. Sie mussten sich ständig mit den Armen und Beinen bewegen, ich aber konnte mich auch ganz einfach mal ausruhen, von den Wellen schaukeln lassen und ging trotzdem nicht unter.
Später gab Mama mir ein paar trockene Brotstückchen, obwohl ich gar keinen Hunger hatte, aber ich sollte sie auch überhaupt nicht essen. Zum Glück! Ich sollte sie ins Wasser werfen.
„Komisch, zu Hause darf ich kein Brot ins Badewasser werfen und im Schwimmbad auch nicht. Wieso darf ich das hier?“, überlegte ich, aber Mama erklärte es mir:
„Schau mal, jetzt kommen die Fischchen und holen sich das Brot, sie haben großen Hunger.“
Tatsächlich, plötzlich schwammen ganz viele kleine Fische um mich herum. Manchmal kitzelten sie mich sogar an den Beinen. Ich erschrak kein bisschen, aber sie ganz fürchterlich, denn sie schwammen schnell ein Stückchen weiter. Mit dem nächsten Brotkrumen waren sie aber wieder da.
Jetzt hatte ich auch Hunger, aber keine Krümelchen mehr, doch Mama hatte ein paar Kekse für mich.
Irgendwann gingen wir dann alle am Strand entlang und suchten Muscheln. Bald war mein Eimerchen fast voll und ganz schwer.
Papa hatte eine Idee: „Jetzt bauen wir eine schöne große Sandburg und schmücken sie mit deinen Muscheln!“
Sogleich nahm ich mein Schäufelchen und legte los. Weil ich mein Schippchen nicht hergeben wollte, rannte Papa zum nächsten Geschäft und kaufte sich eine eigene viel größere Schaufel. Meine war aber trotzdem viel schöner, fand ich jedenfalls. Sogleich begann Papa den Strand umzugraben.
Inzwischen war ich aber müde geworden und hatte keine Lust mehr. Ich kuschelte mich zu Mama unter den Sonnenschirm und schlief auch gleich ein.
Papa schaufelte aber währenddessen voller Tatendrang weiter. Als ich wieder aufwachte, war Papa weg, jedenfalls konnte ich ihn nicht sehen. Ich fragte Mama und sie ging mit mir zu einem tiefen Loch, in dem Papa mit seiner Schaufel total verschwunden war. Er schaute nur noch mit dem Kopf heraus.
„Bestimmt will er sich bis nach China durchgraben“, dachte ich mir. „Der Junge in meinem Bilderbuch wollte das auch!“
Aber vorher füllte ich immer wieder mein Eimerchen mit Wasser und schüttete es hinein. Jetzt hatte ich einen See, auf dem ich mein Schiffchen schwimmen lassen konnte, das mir ein Mann und eine Frau geschenkt hatten, die beim Essen bei uns am Tisch saßen.
Am nächsten Tag waren das große Loch und mein See leider wieder verschwunden. Doch Papa nahm begeistert seine Schaufel, sorgte für ein neues tiefes Loch und freute sich über die bewundernden Blicke der anderen Urlauber. Sandburgen haben wir auch gebaut, aber mal ehrlich: Löcher graben konnte mein Papa besser!
„Nächstes Jahr im Sommer verbringen wir unseren Urlaub wieder am Meer“, beschlossen Papa und Mama bei der Abreise.
Ich freue mich schon riesig darauf, obwohl ich eine Sache ziemlich doof fand, nämlich das Eincremen mit der blöden Sonnencreme. Mama sagt aber, das muss sein und Mama weiß das. Ich hasse die Eincremerei und meistens habe ich mich gleich danach in den Sand geworfen. Mama und Papa sagten, ich würde aussehen wie ein paniertes Schnitzel, – keine Ahnung, was sie damit meinten.

Zu verschenken

 

Ich habe nichts zu verschenken,

wird gar mancher Mensch jetzt denken.

Doch es ist kein Geld und kein Gut,

man braucht dazu noch nicht einmal Mut.

 

Es ist nicht groß, eher recht winzig,

du kannst es geben auch noch mit neunzig.

Diese Gabe macht nicht arm, aber reich

und zwar im selben Moment und sogleich.

 

Gib es Menschen, die du kennst,

aber auch solchen, die du Fremde nennst.

Du bekommst es sicher zurück,

es schenkt allen ein Stückchen vom Glück.

 

Sogar du kannst dich beschenken,

selbst dann wird es dir niemand verdenken.

Zu jeder Stund’ und Tageszeit

es ist willkommen überall und sogar weltweit.

 

Jeder wird es sofort verstehen,

Keine Bedenken: Es wird nicht schiefgehen.

Es ist in dir selbst verborgen,

drum beginne damit schon am frühen Morgen.

 

Ein kleines Lächeln ist es nur,

gib dir einen Ruck und sei nicht so stur.

Es tut dir gewiss nicht weh,

ist zart und rein wie der Kuss einer Fee.

 

Drum lächele jeden einzelnen Tag,

es allen Freude und Kraft zu geben vermag.

Ich schicke mein Lächeln zu Dir,

gib es weiter, so kommt es auch wieder zu mir.

 

Astrid Berg

Die Bank

 

Verlassen steht die Bank dort,

unbeachtet an einem grünen Ort.

Bald wird Leben erwachen

und im Garten alles prächtig machen.

 

Bald werden sie alle kommen,

Hast du sie schon vernommen?

Sie zwitschern ihre Lieder,

putzen auf ihr das bunte Gefieder.

 

Katzen sich unter ihr verstecken,

ihre Glieder in der Sonne recken.

Genüsslich sie leise schnurren,

während Tauben in der Ferne gurren.

 

Alt und Jung auf ihr sitzen,

Verliebte Initialen in sie ritzen,

gemeinsames Glück erträumen

und sich küssen unter den Bäumen.

 

Man wird sie wieder pflegen,

ihr einen neuen Anstrich geben.

So lockt sie alle zum Verweilen,

und Aufmerksamkeit ihr zu erteilen.

 

Von der Arbeit großer Last,

gewährt sie eine kurze Rast.

So allseits beliebt und geschätzt,

man sich hier gerne zusammensetzt.

 

So vergeht Jahr für Jahr,

auch sie wird altern, fürwahr!

Wird noch viele gute Dienste leisten,

bevor sie dann gehört zum alten Eisen.

 

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Zuviel des Guten

Nie gedacht…

Unser märchenhaftes Erlebnis

 

Auf Reisen

Einst waren wir sehr angesagt,

niemand hat sich über uns beklagt.

Man hat uns gerne genutzt,

nach jeder Reise gepflegt und geputzt.

 

Nun sind wir hier gestrandet,

sozusagen auf dem Abstellgleis gelandet.

Einfach nur noch zur Zier,

stehen wir nun schon lange Jahre hier.

 

Ertragen Sonne, Regen, jedes Wetter,

und sind doch dankbar unserem Retter.

Verweilen wir auf dem Bahnhof,

somit bleibt uns erspart der Müllhof.

 

Zu finden uns vor dem Gebäude,

bereitet gar Manchem große Freude.

Man bestaunt uns interessiert,

jeder uns immer gerne fotografiert.

 

Sind nicht die neusten Modelle,

doch der Hit an dieser Außenstelle.

Wir bezeugen und auch beweisen,

dass man mit uns ging viel auf Reisen.

 

Mit unserer stillen Anwesenheit,

erinnern wir an eine vergangene Zeit.

Sind zwar nicht für die Ewigkeit,

trotzdem eine kleine Sehenswürdigkeit.

 

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Im Sauseschritt

Ausgedient

Immer rund herum

Die Radiomeldung

Wir sind mit dem Auto unterwegs. Die Autobahn auf der wir uns befinden, ist um diese Zeit nicht so sehr befahren, also kommen wir eigentlich gut voran. Während mein Mann am Steuer sitzt, lese ich in einer Zeitschrift. Nebenbei trällert Musik aus dem Radio. Doch plötzlich wird diese durch den Verkehrsfunk unterbrochen.

So genau höre ich nicht hin, aber trotzdem dringen Bruchstücke an mein Ohr. Genau im entscheidenden Moment, als der betreffende Streckenabschnitt durchgesagt wird, beginnt mein Mann zu reden.
„Pst!!!“, zische ich ihm zu, denn inzwischen hat etwas meine Aufmerksamkeit erregt. Wahrscheinlich war dieses „Pst“ nicht energisch genug, denn Peter überhört es einfach und plappert munter weiter.
Als sein Redefluss endlich versiegt ist, hat auch der Sprecher seine Ansage beendet. Da ich vergeblich versucht habe dem Radiobericht zu folgen, habe ich auch nicht den Ausführungen meines Göttergatten gelauscht, was er allerdings bemerkt hat.
„Du hörst mir überhaupt nicht zu“, beanstandet er.
„Kein Wunder“, gebe ich leicht pampig zurück. „Mich hat auch gerade in diesem Moment die Verkehrsnachricht interessiert. Da du jedoch nicht zu stoppen warst und weiter erzählt hast, konnte ich nichts verstehen.“
„Wird schon nicht so wichtig gewesen sein. Ich hingegen habe dir gerade etwas absolut Interessantes erzählt“, gibt er mir ein wenig beleidigt zu verstehen und fügt gleich noch eine Wiederholung dessen an, was zuvor an meinen Ohren vorüber ging. Wir befinden uns also im angeregten Gespräch, als nochmals das Musikprogramm wegen einer Verkehrsmeldung unterbrochen wird.
„Hast du das gehört? Jetzt müssen wir aufpassen, denn gleich kommen wir zu der Stelle, die sie gerade genannt haben“, sage ich zu meinem Mann.
„Bist du sicher, dass es auf unserer Fahrbahn ist oder vielleicht doch in der Gegenrichtung?“, erkundigt er sich.
„Keine Ahnung, das habe ich wieder nicht verstanden, weil wir geredet haben. Aber eigentlich müssten doch irgendwo Polizeiautos zu sehen sein. Immerhin muss eine solche Gefahrenstelle abgesichert werden.“
Die Meldung hat in uns eine Erinnerung hervorgerufen, die uns nun weit zurück in die Vergangenheit führt. Wir befinden uns nämlich gedanklich wieder in unserer Studienzeit.
„Du hattest doch schon einmal ein solches Hindernis vor dir, als du bei mir warst und bei Dunkelheit noch nach Darmstadt gefahren bist.“
„Stimmt“, bestätigt Peter. „Ich hatte einen Kommilitonen mit im Auto und als wir nichtsahnend mit meinem VW Käfer um eine Kurve bogen, stand plötzlich dieses gewaltige Hindernis vor uns. Zum Glück war ich nicht schnell unterwegs und konnte rechtzeitig stoppen.“
„Was habt ihr dann eigentlich unternommen. Immerhin gab es damals noch keine Handys.“
„Ich erinnere mich nur noch dunkel“, gibt mir Peter zu verstehen, „aber ich glaube, das nächste Auto angehalten und den Fahrer um Mithilfe geben zu haben. Keine Ahnung, aber auf jeden Fall kam recht zügig der betreffende Besitzer vorbei und hat das Hindernis aus dem Weg geräumt.“
Erneut erklingt aus dem Lautsprecher eine Durchsage, der wir nun beide interessiert lauschen. Es handelt sich allerdings nicht mehr um die vorangegangene Meldung, was uns eine gewisse Beruhigung verschafft.
„Damals hat der Bauer die entflohene Kuh, die sich mitten auf der Straße befand, auch kurzerhand wieder auf die Weide geführt. Also mach dir keine Gedanken. Die Polizisten sitzen bestimmt schon längst zu Hause vor dem Fernseher und die Kühe stehen wieder im Stall“, erklärt mir Peter und hat anscheinend auch recht damit, denn wir können unsere Fahrt ungehindert fortsetzen ohne einer Kuh zu begegnen. 

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Badezimmergespräch

Gestörte Ruhe

Das Wiedersehen

Der Aufsatz

Eva muss Hausaufgaben machen. Sie soll einen Aufsatz schreiben, aber das Thema gefällt ihr gar nicht. Die Lehrerin hat den Schülern einfach nur das Wort „Zahlen“ an die Tafel geschrieben und gesagt, dass sie ihre Fantasie spielen lassen sollen. 

Jetzt sitzt Eva schon eine ganze Weile vor ihrer leeren Seite. Nichts, aber auch gar nichts will ihr einfallen, da kann sie sich ihr Gehirn noch so sehr zermartern. Doch plötzlich horcht sie auf, denn jemand betritt ihr Zimmer.

„Ach Opa, du bist es“, sagt sie fast schon ein wenig erleichtert. „Gut, dass du kommst. Bestimmt kannst du mir helfen.“

„Um was geht es denn?“, erkundigt sich Opa Waldemar. „Hast du Probleme bei den Hausaufgaben?“

„Das kann man wohl sagen. Wir sollen einen Aufsatz schreiben, irgendetwas mit Zahlen.“

„Bei den Mathehausaufgaben könnte ich dir helfen, aber im Aufsatzschreiben war ich in der Schule nicht gerade eine Leuchte.“

Enttäuscht sieht Eva ihren Großvater an, doch bei seinem nächsten Satz beginnt sie zu strahlen.

„Ich würde vorschlagen, wir machen einen kleinen Spaziergang an der frischen Luft. Dann wird der Kopf frei und du kannst hinterher besser denken.“

Eva und Opa Waldemar gehen in den nahegelegenen Stadtpark. Auf der Parkbank unter der großen Linde sitzt ein Mann, den Opa kennt und mit dem er ins Gespräch kommt. Eva steht dabei und hört zunächst ein wenig gelangweilt zu. Allerdings je besser sie hinhört, umso interessanter wird die Sache auch für sie.

„Ich musste jetzt unbedingt mal Zuhause raus und einfach nur alle Viere von mir strecken. Bei uns ist mir im Moment zu viel Trubel. Du weißt doch, dass meine Tochter und ihr Mann für ein paar Wochen bei uns zu Besuch sind.“

„Das ist schön!“, meint Opa Waldemar.

„Ja, vom Prinzip schon, aber es dreht sich immer nur um ein Thema. Die Schwangerschaft unserer Tochter ist Gesprächsthema Nummer eins.“

„Schön!“, sagt Evas Großvater wieder, aber zu mehr Worten bleibt ihm keine Zeit, denn sein Gesprächspartner redet nahezu ohne Luft zu holen weiter.

„Die Beiden erwarten Zwillinge. Der Arzt meinte sogar, dass alle guten Dinge drei wären und er könne noch nicht mit Gewissheit sagen, ob sich vielleicht doch noch ein drittes Baby hinter den zwei anderen versteckt hält. Das könne erst der nächste Ultraschall eindeutig klären.“

„Toll! Drillinge!“, entfährt es Eva.

„Das sagen meine Frau und der Rest der Familie auch“, erklärt Opas Bekannter. „Sie sind alle total aus dem Häuschen und mir kommt es so vor, als hätte keiner von ihnen noch seine fünf Sinne beieinander. Sie führen sich auf, als hätten sie einen Sechser im Lotto und scheinen alle auf Wolke sieben zu schweben.“

„Da solltest du dich jetzt mal schnell auf dein Fahrrad schwingen, das übrigens einen Achter im Vorderrad hat und schon mal eine Babypuppe kaufen, um dich im Windelwechseln zu üben.“

„Ach du grüne Neune!“, entfährt es Opas Bekanntem. „Dazu kriegen mich keine zehn Pferde!“
Seltsamerweise radelt er nun allerdings recht flott in Richtung Kaufhaus.

Opa Waldemar kommt heute jedoch aus dem Staunen nicht heraus, denn Eva erklärt ihm:
„Ich muss jetzt auch ganz schnell nach Hause! Mir schwirrt nämlich der Kopf voller Zahlen!“

 

 

Habt Ihr die Zahlen 1-10 in der Geschichte entdeckt?

Vielleicht möchtet Ihr dies noch lesen:

Tänzchen gefällig?

Die zwei Alten

Das Meerjungfräulein

Des Glückes Gabe

 

Irgendwie ist mir heute so zumute,

dass ich ziehe eine Schnute.

Das Wetter ist nur nass, kalt und trübe,

macht mich lustlos und müde.

 

Ich frage mich schon den ganzen Tag,

hält er auch was Schönes parat?

Oder bleibt er solala und einheitsgrau?

Dann wird mir ganz flau.

 

Das Leben ist nicht immer kunterbunt,

nicht immer läuft alles rund

und wie man es sich wünscht und denkt,

man bekommt nichts geschenkt.

 

Doch unverhofft klopft er dann an,

bei dir, mir und jedermann,

zaubert ein kleines Lächeln ins Gesicht,

bringt ins Leben wieder Licht.

 

Es ist der Moment des kleinen Glück’,

verweilt für einen Augenblick

und hat in seinem Gepäck die gute Laune,

verändert alles im Nu, man staune!

 

Vergessen ist aller Trübsinn sogleich,

Fröhlichkeit mit einem Streich,

erobert des Menschen Herz und Sinn,

mehr als im Lotto ein Gewinn.

 

Nutzt jeden noch so kleinen Moment,

es braucht kein Argument,

um zu ergreifen des Glückes Gabe

in jeder Lebenslage.

 

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Knut Knopf

Tim’s Wunsch

Im Schatten der Krone

 

Tollpatschigkeit

Horst ist in Eile, er muss noch zu einer Behörde und einige Unterlagen abgeben. Er packt alles in seinen Aktenkoffer und eilt mit einem kurzen Gruß, den er seiner in der Küche hantierenden Frau zuwirft, zur Haustür hinaus. Noch bevor er seinen Kofferraum aufmachen kann, muss er allerdings nochmal zurück, weil er etwas vergessen hat. Er stellt seinen Aktenkoffer achtlos ab und geht ins Haus.

Zwei Minuten später schließt er die Wagentür auf, schwingt sich auf den Fahrersitz, lässt das Auto an und stößt nach hinten, um rückwärts aus der Ausfahrt zu fahren.
„Oh nein!“, denkt er erschrocken, als er bemerkt, dass sein Hinterrad über eine Erhöhung rollt. „Was war denn das? Ich habe doch hoffentlich nicht Nachbars Katze überfahren!?“
Automatisch bremst er und haut dann spontan den Vorwärtsgang rein, was jedoch bewirkt, dass das Rad wiederum über dieses Etwas rollt.
„Oh Gott! Lass es bitte nicht Minka sein!“, durchfährt es seine Gedanken.
Horst reißt die Autotür auf, stürzt panisch nach hinten und bückt sich.
„Das war wohl noch mal Glück im Unglück!“, entfährt es ihm als er sieht, was da unter den Reifen geraten ist. Vor Erleichterung, aber auch über seine eigene Tollpatschigkeit beginnt er zu lachen. Seine Frau, die nun vor der Haustür erscheint, stimmt in sein Lachen mit ein, als sie erkennt, was ihr Mann unter dem Auto hervorzaubert. Frustriert und amüsiert zugleich hält er nämlich seinen verbeulten und plattgedrückten Aktenkoffer hoch. 
Später auf dem Amt bekommt er nur mit roher Gewalt das Schloss des Koffers auf und erntet von allen Umstehenden großes Gelächter. Auch Bauer Sonnenschein, den Horst gegen Mittag zufällig an der Dönerbude auf dem großen Parkplatz trifft, kann sich vor Lachen kaum halten.
„Wie kann man nur so tollpatschig sein?! Du musst heute Abend beim Stammtisch unbedingt das Corpus Delicti mitbringen und deine Geschichte zum Besten geben. Die anderen werden sich vor Lachen biegen. Mir tut ja auch schon der Bauch weh“, meint Bauer Sonnenschein. „Aber jetzt muss ich schnell weiter. Ich will nachher noch mit dem Traktor Brennholz holen. – Also dann bis heute Abend! Es wird bestimmt lustig!“
„Und ob der Abend lustig wird, allerdings auf meine Kosten“, denkt sich Horst. „Naja, so ist es eben im Leben. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen!“
Am Abend kommt Bauer Sonnenschein beim Stammtisch mitten in eine fröhliche Runde hinein. Er hat sich tüchtig beeilen müssen, denn die Sache mit dem Brennholz hatte doch länger gedauert als gedacht. 
„Hast du schon gehört, was Horst heute angestellt hat? Das kann auch nur ihm passieren!“, fragt sein Kumpel Klaus und will auch schon erzählen.
„Ja, ja!“, sagt Bauer Sonnenschein kurz angebunden, gibt per Zeichensprache dem Wirt zu verstehen, dass er gerne ein Bier möchte und legt gedankenverloren sein Handy auf den Tisch.
„Ist dir wohl runtergefallen“, meint Klaus und nimmt das Handy in die Hand, um die „Spider-App“, die das Display ziert, besser betrachten zu können.
„Ist mir aus der Hosentasche gefallen“, sagt Bauer Sonnenschein kleinlaut.
Inzwischen ist die Unterhaltung und das Lachen der anderen verstummt und alle begutachten den Schaden am Handy.
„Funktioniert es noch?“, fragt Thomas.
Bauer Sonnenschein nickt und nimmt einen heftigen Schluck aus dem Bierglas. „Du hast mich doch vorhin angerufen und wir haben miteinander telefoniert.“
„Aber was hast du denn mit der Rückseite gemacht?, will jetzt auch Michael wissen. „Da sind so komische Kratzer und Eindrücke drauf, – ist dir wohl nicht zum ersten Mal runtergefallen?!“
„Doch, schon, aber…“
„Jetzt rück schon raus mit der Sprache“, ermutigt Horst seinen Freund. „Ich habe dir mein Missgeschick auch berichtet.“
„Ich sag doch, es ist mir irgendwann heute Nachmittag aus der Hosentasche gerutscht.“
„Auf die Vorder- oder auf die Rückseite? Jetzt lass dir nicht die Würmer einzeln aus der Nase ziehen“, mischt sich Thomas ein.
„Auf die Rückseite. Allerdings auf einen Kiesuntergrund“, gibt Bauer Sonnenschein zu.
„Das erklärt die Kratzer, aber nicht die Eindrücke und die Spider-App auf der Vorderseite“, gibt Thomas nicht auf.
„Okay, okay, ich gebe alles zu!“, beginnt Bauer Sonnenschein mit einem zerknirschten Gesicht. „Ich habe es nicht gleich bemerkt. Erst als Thomas mich angerufen hat und durch das Klingeln habe ich es auf dem Kiesweg gefunden. Es lag direkt vor dem Traktor, allerdings nachdem …“
„…du bereits einmal mit dem Traktor drüber gefahren warst?!“, meint Klaus grinsend. 
„…zweimal“, korrigiert Bauer Sonnenschein.
„Soviel zum Thema Tollpatschigkeit!“, klatscht Klaus fröhlich in die Hände.
Fast unmerklich nickt Bauer Sonnenschein und zieht alle Lacher auf sich. *

 

 

*Man glaubt es kaum, aber für diese Geschichte gaben mir zwei Ereignisse aus unserem Freundeskreis die Vorlage.

 

Vielleicht möchtet Ihr das noch lesen:

Tickt Ihr noch richtig

Besuch bei Tante Else und Onkel Emil

Onkel Emil und der Pfeil des Amors

Das bisschen Haushalt

Frau Konfusi hat entsetzt ihren Blick auf das Küchenfenster gerichtet. Die Sonne scheint in den Raum. Das ist eigentlich eine recht erfreuliche Sache, denn jetzt in der Winterzeit ist es draußen eher kalt und trüb. Heute jedoch zeigt sich der Himmel in seinem schönsten Blau und zu allem Überfluss lacht auch noch die Sonne. Sie steht allerdings zu dieser Tageszeit schon recht tief und wirft ihre Strahlen zum Fenster hinein.
Das hat zur Folge, dass Frau Konfusi klitzekleine Staubpartikelchen in der Luft schweben sieht und auch bemerkt, dass ihre Scheiben dringend einer Reinigung bedürfen. Allerdings sollte das Fensterputzen bei Minus 5 Grad weder angenehm noch besonders vorteilhaft sein. Zumindest von außen.
„Ich könnte aber wenigstens die Scheiben auf der Innenseite putzen“, überlegt sie sich, denn gerade ergreift sie ein unwiderstehlicher Putzzwang. „Und die Vorhänge würden sich auch freuen, wenn sie mal wieder in der Waschmaschine ein paar Runden schwimmen dürften.“
Sofort marschiert sie in den Abstellraum, ergreift sich einen Eimer, einen Lappen und das Fensterleder. Wieder in der Küche angekommen, stellt sie erst einmal das Radio an, denn mit Musik geht bekanntlich alles viel besser und leichter.
Singend und voller Elan steigt sie auf einen Stuhl, den sie an das Küchenfenster gerückt hat. Sie muss sich allerdings tüchtig strecken, um an die Gardinenstange zu gelangen und die Gardinen abzuhängen.
„Ich hole mir doch lieber mal die Leiter. Immerhin passieren die meisten Unfälle im Haushalt und auf Stühle sollte man nicht steigen. Sie könnten ja kippen“, denkt sie sich, klettert wieder herunter und läuft abermals in die Abstellkammer. 
„Jetzt ist es ein Kinderspiel die Gardinen abzuhängen“, sagt sie ein paar Augenblicke später zu sich selbst, als sie auf der Leiter steht. 
Wie das nun mal so ist, im ungünstigsten Moment klingelt es. Heute ist es nicht der Postbote oder die Nachbarin vor der Haustür, sondern das Telefon kündigt einen Anruf an.
„Kannst du bitte mal rangehen!“, bittet sie ihren Mann rufend, der im Arbeitszimmer einige Unterlagen sortiert. „Ich kann gerade nicht!“
Beim vierten Klingeln hört sie ihren Gatten in die Diele kommen, wo der Apparat steht. 
„Ja, Konfusi!?, meldet er sich freundlich und fragend zugleich.
Einen kurzen Augenblick herrscht Stille und Frau Konfusi überlegt sich, wer wohl am anderen Ende der Leitung sein mag. Doch nun hört sie ihren Göttergatten sagen: „Da gebe ich Ihnen am Besten mal meine Frau!“
Schon öffnet sich die Küchentür. Professor Konfusi hält immer noch den Hörer an sein Ohr und gibt dem Gesprächspartner zu verstehen: „Sekunde, – ich übergebe an meine Frau!“
Mit diesen Worten reicht er seiner verdutzten Gattin den Hörer.
„Ja, bitte?!
„Schön, dass ich Sie erreiche.“
„Aha!?“
„Ich rufe im Auftrag eines Marktforschungsinstitutes an. Wir hätten da ein paar Fragen ….“
„Das ist im Augenblick etwas ungünstig“, unterbricht Frau Konfusi kurzerhand.
„Es dauert auch nur zwei, drei Minuten…“
„Es ist wirklich äußerst ungünstig,…“
„Ich verspreche Ihnen es dauert tatsächlich nicht lange.“
„…ich stehe gerade auf einer Leiter“, vollendet Frau Konfusi ihren zuvor angefangenen Satz.
„Oh, dann beenden wir doch besser das Gespräch!“, klingt es blitzschnell und fast ein wenig ängtlich aus dem Telefonhörer und augenblicklich vernimmt Frau Konfusi ein Tuten, das ihr das Beenden des Gespräches signalisiert.
Sie reicht ihrem Gatten das Mobilteil zurück und fragt:
„Wieso übergibst du mir immer diese Meinungsumfragen, – noch dazu, wenn ich auf der Leiter stehe. Ich habe gar nicht richtig hingehört. Was wollte er eigentlich?“
„Ich glaube, es ging um eine Umfrage zur Unfallverhütung im Haushalt“, grinst Professor Konfusi und versucht sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen, da ihm ein feuchter Putzlappen entgegenfliegt.

 

Vielleicht möchtet Ihr das noch lesen:

Professor Konfusi

Ärger mit dem verflixten kleinen Ding

Fräulein Tussnelda

5 Uhr 30

Es hat sie tatsächlich einst gegeben,

eine Zeit ohne Dich in meinem Leben.

 

Damals hätte ich es niemals gedacht,

dass du einst wirst haben diese Macht.

 

Seit du bist an meiner Seite immerzu,

nimmst du mir meine innere Ruh’.

 

Zwiegespalten ist mein Verhältnis zu dir,

weder Liebe noch Hass erhältst du von mir.

 

Ich kann dich nun einfach nicht lieben, 

zeige es dir deutlich mit kräftigen Hieben.

 

Ich kann dich aber auch nicht hassen,

denn ohne dich würde ich viel verpassen.

 

Mit einem Eid kann ich es beschwören, 

manchmal würde ich dich gerne überhören.

 

Wenn du mir deinen Dienst wirst versagen,

werde ich mich ganz bitterlich beklagen.

 

Dann kann ich auch niemand dafür bestrafen,

ohne dich, meinen Wecker, werde ich verschlafen.

 

Drum bleibe bitte getreu an meiner Seite,

griffbereit und keinesfalls außer Hörweite.

 

 

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Oma Lena und ihre Schatztruhe

Ich beneide dich

Das sind wir

Der Wald voller Bäume

Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Dieses sonderbare Phänomen tritt nicht nur bei einem Sonntagsspaziergang auf, nein auch im ganz normalen Alltag. Ich weiß wovon ich spreche, denn erst neulich ist es bei mir wieder aufgetreten:

Es ist später Nachmittag und draußen ist es schon recht dämmrig. Naja, eigentlich ist es der Jahreszeit entsprechend schon nahezu dunkel. 

„Klar“, wird jetzt jeder denken, „bei Dunkelheit passiert es schon mal, dass man etwas übersieht.“

Das mag ja sein, aber da wo ich mich gerade befinde, ist es taghell, fast schon zu hell. Ich bin im Supermarkt und muss noch schnell etwas einkaufen. Mein Einkaufszettel liegt wie immer zu Hause auf dem Tisch. „Aber egal, ich habe ihn selbst geschrieben, dann habe ich auch alles im Kopf“, überlege ich und überfliege diesen Zettel gedanklich. 

„Zu den Frikadellen gibt es morgen Rotkraut und Kartoffelbrei“, überlege ich. Ein Blick in den Einkaufswagen bestätigt mir, dass alle notwendigen Zutaten bereits darin liegen.

„Ach“, fällt mir da plötzlich ein, „ich brauche noch Röstzwiebel, die schmecken so gut zum Kartoffelbrei.“

Stände ich jetzt in dem Supermarkt, in dem ich für gewöhnlich einkaufe, wäre das auch nicht dramatisch. Ich befinde mich allerdings in einem Einkaufscenter, der im Untergeschoss auch einen Lebensmittelladen besitzt. Tja und da beginnt mein Problem. Hier kenne ich mich nicht so wirklich aus. Aber dann kommt die Logik ins Spiel und somit kann ich zumindest einen kleineren Bereich bei meiner Suche eingrenzen. 

„Nudeln, Ketschup, Tomatenmark, diverse Fixprodukte… ja dort irgendwo müssten auch die Röstzwiebeln versteckt sein. Oder vielleicht doch eher in der Nähe der Gewürze?“ überlege ich hin und her und marschiere durch die Reihen. Dabei ist mein Blick an die Inhalte in den Regalen geheftet. Allerdings muss ich nach dem dritten Rundgang kapitulieren.

„Entweder sie stehen an einer anderen Stelle oder der Markt führt dieses Produkt nicht“, denke ich und steuere auch schon auf eine Verkäuferin zu, die gerade ein Regal mit Waschpulver bestückt.

„Entschuldigen Sie bitte. Wo finde ich Röstzwiebel?“, frage ich höflich, erhalte aber keine Antwort. 

Die Verkäuferin dreht sich wortlos um und geht davon. Unwillkürlich zucke ich mit den Schultern, denn nun bin ich ratlos. Während ich noch überlege, ob die Verkäuferin vielleicht taubstumm ist, laufe ich ihr automatisch einfach nach. Mein Glück, denn nun bleibt sie abrupt stehen und deutet auf das untere Regalbrett neben den Ketschupflaschen.

„Oh, Dankeschön, das habe ich total übersehen“, gestehe ich ihr, doch sie hat sich schon einer anderen Kollegin zugewandt und siehe da, sie kann mit ihr sprechen, lachen und auch antworten.

Da mir inzwischen noch eingefallen ist, dass ich für den Kuchen, den ich backen will, frische Hefe brauche, gehe ich nun zum Kühlregal. Das Angebot ist reichhaltig. Joghurt, Quark, Butter, Milch… alles da. Aber wo nur hat sich die Hefe versteckt. Meine Augen schweifen durch die Fächer des Kühlregals.

„Heute habe ich wohl Tomaten auf den Augen“, schimpfe ich innerlich mit mir. „Also muss ich wohl wieder um Mithilfe bei meiner Suche bitten. Aber dieses Mal suche ich mir eine andere Verkäuferin aus“, beschließe ich. „Dort drüben bei den Backwaren ist eine, also nichts wie hin …“

„Entschuldigung!“, unterbreche ich sie bei ihrer Arbeit. „Wissen Sie vielleicht, wo ich frische Hefe finde?“

Sie dreht sich zu mir um und lächelt mich an: „Ja natürlich“, sagt sie, „das weiß ich.“

Jetzt strahlt sie mich regelrecht an und sagt erst einmal für ein paar Sekunden nichts, bevor sie fragt: „Soll ich es ihnen verraten?“

Jetzt muss auch ich lachen. „Oh ja bitte!“

„Na, dann kommen Sie mal mit!“

„Vielen Dank für Ihre freundliche Hilfe! Ich habe wohl den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen“, erkläre ich ihr, als sie mir den Hefewürfel reicht.

Frische Luft…

Es ist ein kühles und verregnetes Wochenende. Der Samstag ist mit Erledigungen und organisatorischen Dingen dahingegangen. Nicht gerade das, was man sich unter einem schönen Wochenende vorstellt. Genau das ist auch der Grund, warum ich am Sonntag unbedingt frische Luft brauche. Gelegentlicher Nieselregen, kein Sonnenschein, sondern eher Trübnis heben meine Laune nicht zum Jubeln empor. Trotzdem muss ich unbedingt raus an die frische Luft, um neue Energie zu tanken. Meinem Mann würde es sicherlich auch guttun, denn sonst würde er nur wieder über Akten grübeln, E-mails verfassen, Vorlesungen vorbereiten und, und, und. Gesund ist das sicherlich nicht.

„Lass uns wenigsten einen kleinen Spaziergang machen und anschließend irgendwo in einem Café einkehren!“, schlage ich deshalb vor.

„Und wo willst du hin?“, fragt er mich.

„Keine Ahnung, nur ein bisschen Abwechslung. Mich macht diese trockene Heizungsluft wahnsinnig.“

„Draußen ist es definitiv feuchter, da hast du recht“, entgegnet er mir und schlägt den Aktendeckel zu. „Und mit einem Tässchen Kaffee und vielleicht noch ein Stück Kuchen dazu, lasse ich mich immer locken.“

Kurz und gut, eine paar Minuten später sitzen wir im Auto. Wollten wir nicht spazieren gehen? Na, inzwischen hat es angefangen richtig heftig zu regnen. 

„Meinst du, wenn wir in die Stadt reinfahren, dass es dort nicht regnet?“, erkundige ich mich und schnalle mich an. „Dann gehen wir eben zuerst in das Café, irgendwann hört es hoffentlich wieder auf zu regnen.“

„Ich hab‘ eine andere Idee“, meint mein Mann begeistert. „Wir schauen uns erst einmal den neuen Tunnel an!“

Mir schwant da etwas. Bei uns wird der Bahnhof umgebaut und in diesem Projekt wurde auch der Fußgängertunnel, der zu den Gleisen führt, ebenfalls umgestaltet.

„Puh, wie langweilig“, denke ich mir, will aber Peter nicht die Freude nehmen und nicke deshalb nur still.

„Schön ist er geworden, gefällt mir echt gut“, muss ich eine halbe Stunde später zugeben. „Sieht jetzt alles viel großräumiger und moderner aus. Wird bestimmt toll, wenn alles fertig ist.“

„Die Umgestaltung wird noch eine Weile dauern, aber sie wird gut. Schau nur  und hier wird…“, erklärt mir mein Mann und ich lausche interessiert seinen Ausführungen.

„Ich muss mir jetzt aber erst mal was zu trinken holen“ erkläre ich ihm und deute auf den geöffneten Drogeriemarkt. 

Während ich noch etwas in dem ebenfalls neugestalteten Markt herumstöbere, geht mein Mann mit den Getränken zum Bezahlen an die Kasse und verlässt danach das Geschäft. Als ich Minuten später ebenfalls in die Bahnhofshalle zurückkehre, steht er vor der Anzeigetafel und studiert die Informationen.

„In 10 Minuten fährt ein Zug nach Berlin“, sagt er. „Wollen wir mal kurz hin und heute Abend wieder zurück?“

„Ernsthaft?“, frage ich noch etwas ungläubig, während er schon zur Bahnauskunft eilt.

„Ziehen sie sich am besten am Automaten ein Berlin-Brandenburg-Ticket“, höre ich gerade noch den Mann hinter dem Schalter sagen.

„Machst du das?“, erkundigt sich Peter. „Musst dich aber beeilen.“

„Ja!“, rufe ich aus und renne zum Automaten.

Ich tippe gerade so auf dem Display herum, da schalt es von hinten.

„Können wir mit? Wir bezahlen auch die Hälfte, bleiben aber dann in Berlin.“

Zwei uns völlig unbekannte Frauen stehen da und lächeln uns an. 

„Klar“, sage ich. „Es können ja bis zu fünf Personen fahren.“

Tja, und so kommt es, dass wir alle vier zum Zug nach Berlin eilen. 

Freudestrahlend und ein bisschen erstaunt über unsere eigene Spontanität lassen wir uns in die Sitze fallen. 

„Dann gehen wir halt in Berlin spazieren…“, denke ich und nachdem der Zug den Bahnhof verlassen hat, zücke ich mein Handy.

„Wie? Echt? Wann kommt ihr an?“, fragt unser Sohn am anderen Ende und ich merke wie sich ein Grinsen über seinem Gesicht ausbreitet.


Einzug mit Hindernissen


Mona räkelt sich behaglichen in ihrem Bett. Neben ihr liegt Lisa, ihre Zwillingsschwester. Sie muss lächeln, denn ihr fällt beim Anblick ihres Ebenbildes wieder einmal ein, wie sie beide zu ihren Namen gekommen sind. 
Ihre Eltern waren sich vor dem berühmten Ölgemälde von Leonardo DaVinci im Louvre zum ersten Mal begegnet und hatten sich auf den ersten Blick ineinander verliebt. Als ein Jahr später die Zwillinge geboren wurden und es zwei Mädchen waren, kamen keine anderen Namen in Frage als Mona und Lisa.

Mona lässt ihren Blick weiter durch das sonnendurchflutete Zimmer schweifen. 

„Das ist nun also meine neue Wohnung“, überlegt sie. „Und ich hatte sogar einen wunderschönen Traum, in dem ich meine große Liebe gefunden habe. Was man in der ersten Nacht im neuen Heim träumt, soll ja angeblich in Erfüllung gehen“, denkt Mona und steht leise auf. 

Sie schleicht sich aus dem Schlafzimmer, um ihre Schwester nicht zu wecken. Mona möchte ihr neues Zuhause noch ein kleines Weilchen alleine genießen. So schlängelt sie sich zwischen den Kisten, Koffern und Tüten hindurch, die überall verteilt sind. 

„Wahnsinn, was sich in meinem neunundzwanzigjährigen Leben bisher alles so angesammelt hat. – Obwohl ich schon tüchtig aussortiert habe“, fügt sie noch ihrem Gedankengang hinzu. „Hoffentlich bekomme ich auch alles in den drei Zimmern unter.“

„Guten Morgen, Schwesterchen!“, wird Mona plötzlich von Lisas fröhlicher Stimme unterbrochen. „Bist du auch vom Kitzeln eines Sonnenstrahls geweckt worden? Herrlich, du hast die Morgensonne in deinem Schlafzimmer. – Komm her, ich muss dich umarmen!“

Lachend tänzeln die beiden Schwestern zwischen den Kisten hin und her. Am Ende ihres Tanzes sind sie im Badezimmer angekommen, wo sie sich nach einer wohltuenden Dusche in ihre Jogginganzüge werfen und sich der großen Herausforderung des Tages stellen wollen.

„Lass uns aber erst einmal auf deinem Balkon ein Tässchen Kaffee trinken“, schlägt Lisa vor und öffnet auch schon die Balkontür. Dort haben die Möbelpacker gestern gleich zwei Stühle und einen kleinen Tisch aufgebaut. 

„Ich habe in der Küche eine Tüte mit einer neuen Packung gemahlenen Kaffees!“, fällt es Mona jetzt ein. „Warte nur, in ein paar Minuten ist die Wohnung von frischem Kaffeeduft erfüllt.“

Lisa hat auf einem Stuhl Platz genommen und reckt ihr Gesicht mit geschlossenen Augen der Sonne entgegen. Ihr süßes Näschen beginnt nach einer Weile zu schnüffeln, doch von dem versprochenen Duft kann diese nichts erkennen. Lisa öffnet die Augen und sieht eine enttäuschte Mona vor sich stehen.

„Was ist? Wo ist der Kaffee? Ist die Kaffeemaschine kaputt?“

„Das nicht! Aber ohne Schere bekomme ich die Packung nicht auf“, sagt Mona und hält das zugeschweißte kleine Päckchen hoch, in dem sich das braune Pulver befindet.

Beide Frauen stürmen nun in das Wohnzimmer, um nach und nach die unterschiedlichsten Kisten aufzureißen und nach einer Schere zu suchen. 

„Ich weiß genau, dass ich eine neue gekauft habe. Nur kann ich mich nicht erinnern, in welcher Kiste ich sie verstaut habe“, meint Mona, genau in dem Moment als Lisa das gesuchte Stück gefunden hat.

„Hier! Ich hab sie!“

Leider ist die Freude der Schwestern nur von kurzer Dauer. Von der Suche erschöpft lassen sie sich wieder auf die Balkonstühle fallen. Auf dem Tisch zwischen ihnen liegt die Schere, die sie fassungslos anstarren.

„Wie kann man nur als Hersteller eine Schere so verpacken und verkaufen, dass man eine Schere braucht, um sie aus der verschweißten Plastikverpackung wieder herauszuschneiden?!“, macht Lisa ihrer ehrlichen Entrüstung Luft.

Gerade als sich Mona und Lisa überlegen zum Bäcker auf der gegenüberliegenden Straßenseite zu gehen, um dort aus einem Pappbecher ihren Kaffee zu trinken, klingelt es an der Wohnungstür.

„Erwartest du jemand?“, will Lisa wissen.

„Nein und außerdem kenne ich ja noch niemand hier.“

Neugierig laufen die Beiden zur Wohnungstür, um diese zu öffnen. Das Zwillingsschwesternpaar blickt entgeistert in die Augen zweier Zwillingsbrüder.

„Wir wohnen gleich nebenan und wollten die neue Mieterin begrüßen!“, sagt der Eine und überreicht Mona eine mit köstlichen Leckereien gefüllte Kuchenplatte. „Bestimmt habt ihr ein Tässchen Kaffee für uns. Danach helfen wir auch gerne beim Auspacken und Verräumen.“

Noch bevor Mona oder Lisa irgendetwas antworten können, zückt der andere Zwillingsbruder eine Schere und meint:

„Wir haben unbeabsichtigt euer Gespräch auf dem Balkon mitbekommen. Das Problem mit dem Öffnen der Verpackungen dürfte somit gelöst sein.“  

Neujahrswünsche

Nun ist es wieder mal soweit,

darum macht euch alle bereit.

Schlag zwölf die Gläser klingen,

und alle fröhlich „Prosit“ singen.

Das alte Jahr ist dann beendet,

vom neuen sind wir geblendet.

Neues Spiel erhofft neues Glück,

für jeden ein ganz großes Stück.

Schlagen ein neues Kapitel auf

und so nimmt 2019 seinen Lauf.

Möge es uns allen Freude bringen

und Friede auf Erden uns gelingen.

Gesundheit möge alle begleiten,

Frohsinn durch das Jahr leiten.

Wünsche mögen sich erfüllen,

Lachen unser Leben umhüllen.

Viele frohe, bunte, lustige Feste,

vom Leben nur das Allerbeste,

dass 2019 wird ein Meisterwerk

wünscht von Herzen Astrid Berg.