Neueste Artikel

Erste große Liebe

Ein langjähriger Freund der Familie, nennen wir ihn einfach mal ‚Markus‘, ist zufällig vorbei gekommen. Wir sitzen in gemütlicher Runde beim Nachmittagskaffee und plaudern ein bisschen. Man kommt vom Hundertsten ins Tausendste und so fragt er mich:

„Du bist doch Grundschullehrerin. Hat sich da nicht einmal ein kleiner Schulanfänger in dich verliebt?“

Ich merke ziemlich schnell, dass unser Bekannter gar keine Antwort erwartet, denn er erzählt einfach munter weiter.

„Ich war in der ersten Klasse und unsterblich in meine Lehrerin verschossen.“

In Gedanken schmunzelt er vor sich hin und erweckt damit bei mir und meinem Mann die Neugier.

„Da steckt doch noch mehr dahinter!“, wittere ich eine interessante und vielleicht sogar lustige Geschichte.

„Und ob da noch mehr dahintersteckt. Ich kann mich noch gut daran erinnern“, grinst Markus und reibt sich die linke Wange, was meiner Beobachtungsgabe nicht entgeht. Ich frage mich insgeheim, ob dies nebensächlich ist oder doch im Zusammenhang mit seinem kleinen Geständnis steht.

„Möchtest du noch ein Stückchen Kuchen während du uns die ganze Geschichte erzählst?“, versuche ich ihn zu ködern.

„Na klar und ein Tässchen Kaffee nehme ich gerne auch noch“, willigt er sofort ein.

Ich lasse ihm auch noch die Zeit für einen ersten Bissen und einen Schluck Kaffee, aber dann kann ich meine Neugierde tatsächlich nicht mehr im Zaum halten.

„Jetzt spann uns doch nicht so auf die Folter! Leg schon los und erzähle uns von deiner wohl ersten großen Liebe.“

Markus nickt und schiebt noch einen Happen in den Mund, doch dann lässt er uns an seinen Erinnerungen teilhaben.

„Wie gesagt, ich war total in meine Grundschullehrerin verliebt. Ich glaube, ich war ihr strebsamster Schüler in dieser Zeit. So aufmerksam habe ich wohl nie mehr in meiner gesamten schulischen Laufbahn zugehört. Und gelernt habe ich nur für sie. Immerhin wollte ich ihr imponieren. Und wie kann man einer Lehrerin imponieren? Wohl nur durch Leistung. So klebte ich förmlich an ihren Lippen und sobald sie eine Frage an uns richtete, schnellte mein Finger nach oben.“

Ungefragt schiebe ich ein weiteres Stückchen Kuchen auf Markus Teller, so nach dem Motto: Erzählen macht hungrig. Er schwelgt so sehr in seinen Erinnerungen, dass das Essen nebenher ganz automatisch abläuft.

„Wie jeder normale Mensch hat auch eine Lehrerin irgendwann Geburtstag. Das hatte ich herausgefunden. Immerhin hatte sie alle unsere Geburtsdaten und somit war es nur gerecht, uns auch ihren Geburtstag zu verraten. Der Tag rückte immer näher und ich zerbrach mir den Kopf, was ich ihr wohl schenken könnte. Es sollte etwas Kostbares sein. Immerhin war sie zu diesem Zeitpunkt meine ganz große Liebe. Das Problem war nur, dass ich mit den paar Münzen in meiner Hosentasche nichts anfangen konnte, geschweige denn ein kostbares Geschenk kaufen.“

Inzwischen sind mein Mann und ich ganz Ohr, denn Markus Erinnerungen scheinen noch nicht ihren Höhepunkt erreicht zu haben.

„Kann ich noch einen Schluck Kaffee haben?“, fragt er mich und hält mir seine Tasse hin. Mit dieser Frage war er allerdings nur kurzzeitig bewusst in der Gegenwart, um sogleich wieder in die Vergangenheit abzutauchen.

„Nach der Schule verschwand ich sofort in meinem Zimmer, um es nach etwas wirklich Kostbaren abzusuchen, das als Geschenk für meine Lehrerin geeignet gewesen wäre. Doch was lässt sich da in einem Kinderzimmer schon finden. Gut, ich hätte ihr ein Bild malen können, aber ich war ja kein begnadeter Künstler und Kinderzeichnungen hatte sie wahrscheinlich schon massenhaft.“

„Das wäre aber das Einfachste gewesen und hätte ihr bestimmt gefallen“, erkläre ich ihm.

„Hast du ihr vielleicht einen hübschen Strauß aus Wiesenblumen gepflückt?“, will nun auch mein Mann wissen.

„Nein!“, gibt uns Markus zu verstehen. „Aber ich hatte eine blendende Idee, wie ich mir damals einbildete.“

Hätte uns jemand bei diesem Nachmittagskaffee beobachtet, hätte dieser Jemand auch bemerkt, dass ich vor Spannung die Luft anhielt und bei Markus weiterer Erzählung meine Augen vor Erstaunen immer größer wurden.

„Ich schlich mich ins Schlafzimmer meiner Eltern, als diese am Nachmittag im Garten waren. Dort fiel mein Blick sofort auf den Nachttisch meiner Mutter. Und genau dort wurde ich fündig und wusste in diesem Moment sofort, dass dies das passende Geschenk für meine Lehrerin war.“

„Auweia!!!“, entfuhr es mir und meinem Mann wie aus einem Munde.

„Das könnt ihr wohl laut sagen!“, bestätigt Markus unseren spontanen Ausruf.

„So überreichte ich meiner Grundschullehrerin am nächsten Vormittag nach Schulschluss ein kleines Päckchen, das sie aber erst zu Hause auspacken sollte, was sie mir auch versprach.“

„Die hat bestimmt nicht schlecht gestaunt“, grinst mein Mann.

„Keine Ahnung, das habe ich ja nicht gesehen. Aber sie hat anscheinend meine Eltern sofort telefonisch kontaktiert. Zumindest berichtete meine Mutter mir beim Zubettgehen, dass sich meine Lehrerin für einen Hausbesuch angekündigt hätte. Das war bei uns damals so üblich. In gewissen Zeitabständen besuchten die Lehrer die Eltern der Schüler zu Hause, um sich ein Bild von den häuslichen Gegebenheiten zu machen und einen Bericht über die schulischen Leistungen der Sprösslinge abzugeben. Also dachte ich mir nichts dabei, freute mich aber schon sehr darauf.

„Als es dann an der Haustür klingelte, war ich noch in meinem Zimmer. Ich wartete aufgeregt und voller Freude darauf gerufen zu werden, denn erst dann durfte ich auch dazu kommen.“

Inzwischen rutsche ich schon unruhig auf meinem Stuhl hin und her und mein Kuchen ist immer noch unangetastet, denn vor lauter Zuhören bin ich noch gar nicht zum Essen gekommen.

„Ja und dann rief mich meine Mutter“, berichtet Markus weiter und macht eine spannungstechnische Pause.

„Sie erwartete mich direkt am unteren Treppenabsatz, wo sie mir auch sogleich eine schallende Ohrfeige verpasste.“

Wieder reibt sich Markus seine linke Wange und sie scheint ihn bei der Erinnerung der damaligen Ereignisse immer noch zu schmerzen.

„Meine Lehrerin war bereits gegangen, was sie allerdings dagelassen hatte, war mein Geschenk an sie.“ 

„Und…?  Jetzt verrate es uns endlich! Was war das für ein Geschenk? Und vor allen Dingen, ob es gut angekommen ist“, fordere ich Markus auf.

„Kostbar war es auf alle Fälle, das hat auch meine Lehrerin bemerkt“, sagt er geheimnisvoll.

„Nun sag schon!“, ermutigt ihn jetzt auch mein Mann.

„Etwas aus der Schmuckschatulle auf dem Nachttisch meiner Mutter.“

„Oh, oh!“ Uns schwant nichts Gutes.

Markus holt tief Luft und dann meint er mit ernster Miene:

„Eine Goldkette aus 750er Gold mit einer Medaille daran. Die Kette war das Hochzeitsgeschenk von meinem Vater an meine Mutter.“

 

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Das Urlaubsgeschenk

Der Lümmel aus der letzten Bank

Gut gemeint

 

Abschied

 

Ich will hinaus in den Garten,

dort werde ich auf ihn warten.

Lange schon habe ich ihn nicht mehr gesehen,

ich verstehe nicht, was ist nur geschehen.

 

Wir waren Kumpels eine lange Zeit,

doch das ist nun Vergangenheit.

Er wohnte dort drüben in des Nachbars Haus,

stets auf der Suche nach einem Schmaus.

 

Um hier meine Milch zu trinken,

musste er auf drei Beinen hinken.

Geduldig zu warten war seine Strategie,

bis mein Frauchen gab ihm ein Leckerlie.

 

Wir waren Freunde auf Distanz,

auf der Hut, aber mit  Akzeptanz.

Er kommt nicht mehr auf seinen drei Beinen,

um zu fressen aus dem Napf, dem Meinen.

 

Er ist bestimmt gut aufgehoben,

dort im Katzenhimmel, ganz oben.

Will mich in Gedanken von ihm verabschieden,

denn er schläft nun für immer ganz in Frieden.

 

Tschüss Dreibein!

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Dreibein & Co

Ungebetener Besuch

Katzenalarm

 

Hallo, Hallo!!!

Professor Konfusi hat heute viel zu tun und ist den ganzen Tag außer Haus. Auch seine Frau ist unterwegs. Sie ist am Nachmittag mit zwei Freundinnen zum Einkaufsbummel verabredet. Da Professor Konfusi trotz des strammen Terminplans nicht auf das gemeinsame Mittagessen mit seiner Frau verzichten möchte, haben sich die Beiden einen Treffpunkt um die Mittagszeit ausgemacht. So ist eine Bäckerei mit einem gemütlichen Café ihr gemeinsamer Anlaufpunkt.

„Ich habe ungefähr zwei Stunden Zeit, bevor mein nächster Termin beginnt“, sagt er zu seiner Gemahlin, als sie aufeinandertreffen.
„Schön, dass es geklappt hat, so kannst du wenigstens ein Weilchen verschnaufen“, lächelt sie ihn an.
Sie studieren die kleine Speisekarte des Cafés und entscheiden sich für jeweils ein Omelett mit Schinken und Käse und einen Durstlöscher. Als Nachtisch teilen sie sich ein Stückchen Kuchen. Es soll ja nicht zu üppig sein und ein bisschen wollen sie auch auf die Kalorien achten. Dazu gehört natürlich noch je eine Tasse Kaffee zum Abschluss.
Kurz nachdem sie ihre Bestellung aufgegeben haben, vibriert es in der Tasche von Frau Konfusi. Da sich ihr Gatte gerade auf der Toilette befindet und das Essen noch nicht serviert wurde, beschließt sie den Anruf anzunehmen.
„Hallo, hallo!“, ruft sie in das Handy, als sie dieses endlich in ihrer  Handtasche gefunden hat.
Leider meldet sich niemand, denn der Teilnehmer am anderen Ende hat aufgelegt, da er nach mehrmaligen erfolglosem Klingeln aufgegeben hat.
„Kennst du diese Nummer?“, fragt Frau Konfusi ihren Mann, als dieser wieder zum Tisch zurückkommt. „Ich war leider zu spät, um den Anruf entgegen zu nehmen.“
„Nein“, meint er, „die Nummer sagt mir jetzt nichts! Ruf doch einfach zurück, dann weißt du wer es war.“
Gesagt, getan. 
„Oh!“, sagt sie ein paar Sekunden später überrascht zu dem Angerufenen. „Wir hatten heute einen Termin? Das kann doch gar nicht sein. In meinem Terminkalender stand gar keine Notiz.“
Nachdem ihr am anderen Ende noch einmal versichert wurde, dass es sich um keinen Irrtum handelt, entschuldigt sie sich:
„Es tut mir sehr leid, aber das passt jetzt gar nicht. Könnten Sie bitte den Termin für mich streichen?“
„Wer war das?“, erkundigt sich ihr Mann, der inzwischen seinen Teller schon fast geleert hat.
„Angeblich hätte ich in ein paar Minuten einen Termin zur Maniküre und zur Pediküre, obwohl ich mich nicht daran erinnern kann und ehrlich gesagt,  jetzt auch weder Lust noch Zeit habe“, erklärt Frau Konfusi.
„Ich könnte den Termin doch für dich übernehmen. Erstens bin ich mit dem Essen schon fertig, – den Kuchen schaffst du auch alleine, den Kaffee nehme ich mit –  und zweitens könnte ich mir eine Pediküre vor meinem nächsten Termin gerade noch gönnen“, beschließt ihr Gemahl und drückt erst auf die Anrufliste und dann auf eine Nummer.
Er reicht seiner Frau das Handy, damit sie den gestrichenen Termin doch noch für ihn retten kann.
„Hallo!“, meldet sich auch sogleich eine leise Frauenstimme.
„Scheinbar hat sie auf Lautsprecher gestellt, weil sie in einer laufenden Behandlung ist“ begründet sich Frau Konfusi in Gedanken dieses leise und zurückhaltende Stimmchen der Gesprächsteilnehmerin.
„Ich habe doch gerade den Termin bei Ihnen abgesagt….“
„Wie?“
„…mein Mann würde allerdings den Termin übernehmen wollen…“
„Wer sind Sie?“
„Frau Konfusi!“
„Ja?“
„Wir hatten doch gerade miteinander telefoniert!“
„Was? Wie? Was wollen Sie?“
Frau Konfusi ist sichtlich verwundert über die Fragen ihrer Gesprächspartnerin. Sollte diese etwa wegen der Terminabsage verärgert sein? Nach einer kurzen Stille vernimmt sie plötzlich eine Männerstimme aus dem Handy.
„Wer sind Sie?“
„Wie ich schon sagte, ich bin …“
„Wen wollen Sie sprechen?“
„Die Fußpflegerin!“
„Wen?“
„Oh, Entschuldigung!“, flüstert Frau Konfusi ins Telefon, denn ihr ist inzwischen ein Licht aufgegangen und so fügt sie schnell hinzu: „Ich glaube, ich habe mich verwählt.“
„Sag mal?!“, erkundigt sie sich bei ihrer besseren Hälfte, „welche Nummer hast du denn gewählt?“
„Wieso? Wer war denn dran?“
„Frau Konfusi zuckt die Schultern. „Zuerst eine sehr leise Frau und dann ein älterer Herr, – der Stimme nach zu urteilen“, erklärt sie.
„Zeig doch mal her! Ich glaube, ich habe da so eine Ahnung.“
Professor Konfusi nimmt das Handy, schaut auf das Display und drückt die zuletzt gewählte Nummer.
„Ach Sie sind es, Herr Mettemann!*“, begrüßt er den Herrn. „Hier ist Konfusi. Wir hatten doch gestern Abend telefoniert und ich glaube, Sie haben gerade eben mit meiner Frau gesprochen, die eigentlich mit ihrer Fußpflegerin reden wollte… Entschuldigen Sie bitte!…“
„Wie? Du kennst den Herrn?“, will nun Frau Konfusi wissen und ist nun vollends verwirrt.

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Professor Konfusi

Eiskalt

Ärger mit dem verflixten kleinen Ding

 

 

 

 

 

*Der Name ist frei erfunden und hat keinen Bezug zu lebenden oder verstorbenen Personen.

Die Arbeit ruft

In meiner heutigen Geschichte möchte ich meinen Mann zu Wort kommen lassen, d.h. ich erzähle aus seiner Sicht. Die Empathie, also das Einfühlungsvermögen in andere Menschen und deren Gefühle kommt mir hierbei zugute. In diesem Fall ist es gar nicht so schwierig, denn erstens kenne ich meinen Gatten mittlerweile seit über 40 Jahren und zweitens bin ich selbst schon in die eine oder andere ähnliche Situation geraten. Also lasst Euch überraschen, was mein Peter so erlebt:

Es ist Wochenende, genauer gesagt: Sonntag. Für den Nachmittag und Abend haben wir mehrere Gäste zum Kaffeetrinken mit anschließendem Grillen eingeladen. Als ich aufwache, bemerke ich, dass Astrid schon aufgestanden ist, denn aus der Küche dringen eindeutige Laute nach oben an mein Ohr. 
„Ach ja, sie ist mit den Vorbereitungen zum Kaffeetrinken beschäftigt, also Kuchenbacken und so“, denke ich mir und habe keine Lust die Augen zu öffnen. Aber irgendwie kommt es mir so vor, als hätte sie mir gestern eine Aufgabe übertragen.
„Jetzt fällt es mir wieder ein“, besinne ich mich. „Astrid hat mich gebeten das Wohnzimmer auszusaugen. Okay, allerdings brauche ich erst einmal einen Kaffee.“
Als ich unten in der Küche erscheine, steht das ersehnte heiße und köstlich duftende Getränk schon für mich bereit. 
„Ach, ist es schön, wenn man eine treusorgende Ehefrau hat“, überlege ich noch, da sehe ich, dass meine Gattin sich die Haare rauft. Augenblicklich teilt sie mir auch schon mit, dass die Sahne sich nicht schlagen lässt. Tja und als diese es endlich tut, wird aus ihr letztendlich Butter.
Ich ahne die Katastrophe, die unweigerlich hereinbrechen wird, wenn nun kein anderer Becher Schlagsahne mehr im Kühlschrank steht.
„Wenn es wieder nicht klappt, dann habe ich nichts mehr und was mache ich dann?“, fragt sie mich entsetzt.
„Ich besorge dir welche, ganz einfach!“
„Nein, so einfach ist es nicht“, erklärt sie mir und ich bemerke, dass mich ihre Augen ganz traurig und entsetzt ansehen. „Heute ist doch Sonntag!“
Dann sagt sie erst einmal nichts mehr und ich vernehme nur das Surren des Mixers. Kurz darauf kommt die Erlösung.
„Alles gut!“, strahlt Astrid. „Schau her, perfekt geschlagene Sahne!“
Das macht natürlich auch mich glücklich, denn ich muss mich jetzt nicht ins Auto schwingen, um den gesamten Freundeskreis und die halbe Stadt nach Schlagsahne zu durchforsten. Außerdem freue ich mich schon auf den Kuchen, der allerdings erst angeschnitten werden darf, wenn der Besuch da ist. Obwohl Astrid insgesamt vier verschiedene Kuchen gebacken hat, ist sie da sehr genau. Der Gast ist König und somit hat auch nur er das Privileg das erste Stück dieser Köstlichkeiten  zu ergattern.
„Du hast auch heute Nacht noch von dem Lauchsalat genascht“, tadelt sie mich.
„Ich dachte, ich hätte alle Spuren beseitigt“, grinse ich. „Ich wollte doch nur mal kosten. Er schmeckt übrigens lecker.“
Um weiteren Beinahe – Katastrophen zu entgehen, füge ich schnell noch hinzu: „Ich mach mich dann mal an die Arbeit und sauge das Wohnzimmer aus.“
Beim Staubsaugen kann man so schön seinen Gedanken nachhängen und so arbeite ich mich Stück für Stück vor, bis zur Fensterfront zum Garten hin. 
„Wenn wir durch die Schiebetür auf die Terrasse hinaus gehen, dann sollte ich vielleicht auch noch die Schiene aussaugen“, überlege ich und schiebe das Element auf. Hierbei fällt mir auf, dass die Verriegelung ein bisschen Öl gebrauchen könnte, damit sie wieder besser gangbar ist. 
So marschiere ich in den Keller, um das Silikonöl zu holen. Währenddessen fällt mir ein, dass unsere Schlafzimmertür quietschende Laute von sich gibt. Also schnell hoch zum Schlafzimmer, die Tür ausgehängt, die Scharniere geölt und die Tür wieder eingehängt. Fertig. 
„Ach“, denke ich, „der Rollladen gleitet mit Silikonöl auch besser.“
Gedacht, getan! Und nun wieder ein Stockwerk tiefer, zurück zu der Fensterfront. 
„Wenn man schon mal bei der Arbeit ist, sollte man auch die Fensterrahmen und Schienen der drei Glastüren im Erker säubern. Astrid freut sich bestimmt!“, kommt mir der Gedanke.
Schon beim Öffnen der ersten Glastür bemerke ich, dass der starke Wind heute Nacht im Garten einiges durcheinander gepustet hat. Unter anderem hat er einen Ast von einem Busch abgeknickt , so dass dieser zur Erde hinunter hängt. 
„Den muss ich unbedingt abschneiden!“, befehle ich mir selbst. „Wo ist  nur die Gartenschere? Ach, die habe ich ja gestern ins Gartenhaus gelegt.“
Nichts wie hin zum Gartenhäuschen und die Schere gesucht, die aber mittlerweile wie durch Geisterhand nicht mehr an dem von mir vermuteten Platz liegt. Schließlich finde ich sie auf dem kleinen Gartentisch, der in unserer Gartenlaube steht. 
„Was wollte ich doch gleich? Ja klar, der Ast!“
Abgezwickt ist er schnell. Als ich ihn zur Schubkarre trage, wo ich ihn erst einmal deponiere, fällt mir auf, dass das Efeu rund um unseren Teich reichlich gewachsen ist. Also, schnipp, schnapp und ab mit den langen Trieben. Gedankenverloren widme ich mich meiner neuen Aufgabe, da vernehme ich die verwunderte Stimme meiner Frau, die gerade den Abfall zur Mülltonne bringt.
„Was machst du da eigentlich?“
„Ich? Na, das Wohnzimmer aussaugen, siehst du das nicht?“, erwidere ich und schaue selbst etwas verdutzt auf die Gartenschere in meiner Hand.

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Wenn der Vater mit dem Sohn …

Meine ganz normale, chaotische Familie

Familienzuwachs

 

Knut Knopf

Knut Knopf ist, wie der Name schon sagt, ein Knopf. Er ist aber kein gewöhnlicher Hosenknopf, sondern ein ganz besonderer Knopf. Besonders deshalb, weil ihn sein Aussehen von allen anderen gewöhnlichen Knöpfen abhebt, was ihn aber keineswegs arrogant, überheblich oder gar unsympathisch macht. Nein, im Gegenteil.

Er ist ein lustiger kleiner Kerl, der in seinem Leben schon einige Abenteuer erlebt hat. Wie er aussieht, wollt ihr wissen? Knut ist ein kleines schneeweißes Schäfchen, sein Kopf und seine dünnen Beinchen sind schwarz. Und wie es sich für einen Knopf gehört, hat er zwei winzige Löchlein und zwar genau inmitten seines wolligen Fells. Knut blickt ein bisschen verschmitzt in die Welt. Im Sturm erobert er die Herzen aller Kinder, ebenso wie seine beiden Brüder Karl und Klaus. Die drei K’s, wie sie sich selbst nennen, sind Drillinge und gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Wo sie wohnen interessiert euch? Sie stehen auf einer grünen und saftigen Wiese und diese ist auf den Kragen eines hübschen Sommerkleidchens gedruckt. Brav steht ein Schäfchen neben dem anderen und Knut Knopf genau in der Mitte. Sein Bruder Karl zur Linken und Klaus zur Rechten. Das Sommerkleidchen gehört Tini. Sie ist vier Jahre, hat einen hellbraunen Lockenkopf und geht gerne in den Kindergarten. Sie war es auch, die den Knöpfen Namen gab. Alle sind seitdem glücklich und zufrieden und führen ein schönes Leben, bis zu jenem Tag, der Tinis Leben und das der Knopfdrillinge in Aufregung versetzt…
Es ist 1. August, der Tag an dem Philipp, ihr fünfjähriger Cousin, zu Besuch kommt. Sie gehen mit den Müttern in den Garten und spielen. Sie sitzen im Sandkasten, backen Kuchen und bauen gemeinsam eine Sandburg. Doch irgendwann wird das schönste Spiel langweilig und Philipp macht einen Vorschlag:
„Lass uns doch Fangen spielen!“
„Fang mich doch!“, ruft Tini ihm zu und läuft weg.
Ihre Beinchen sind zwar noch ein bisschen kürzer als Philipps Beine und so schnell rennen kann sie auch nicht wie er. Aber sie ist wendiger und immer, wenn er denkt, dass er sie gleich gefangen hat, schlägt sie einen Haken und ist schon wieder weg.
„Ich krieg dich schon!“ schreit ihr der Cousin hinterher und macht einen großen Satz.
Fast hätte er sie gehabt. Er hat schon ihren Kragen erwischt, genau dort, wo Knut, Karl und Klaus sitzen. Doch Tini reißt sich los und schwups ist sie wieder weg.
Die drei K’s werden tüchtig durchgeschüttelt und -gerüttelt, so dass es ihnen schon fast schwindelig ist. Während sich Klaus und Karl bald wieder von diesem Schock erholt haben und ruhig an ihren Plätzen stehen, torkelt Knut weiter hin und her. Bleich vor Schreck stellt er fest, dass er nur noch an einem dünnen Fädchen baumelt. Er schreit um Hilfe:
„Tini! Tini! Halt mich fest!“
Doch Tini kann ihn nicht hören. An ihr Ohr dringt nur ein leichter kaum spürbarer Hauch, wie der Flügelschlag eines Schmetterlings.
Knut wendet sich verzweifelt an seine beiden Brüder, links und rechts von ihm:
„Karl! Klaus! Helft mir doch, ich stürze gleich ab! Schnell!“
Klaus und Knut erschrecken ganz fürchterlich und versuchen ihn festzuhalten. Doch es ist zu spät. Der Faden, welcher Knuts einziger Halt ist, lockert sich immer mehr. Knut rutscht noch ein Stückchen tiefer, so dass ihn Klaus und Karl nicht mehr erreichen können. Und dann geht es ganz schnell. Der Faden lässt ihn endgültig und unbarmherzig los. Er gleitet einfach durch die beiden Löchlein hindurch. Knut Knopf fällt und fällt und fällt. Immer tiefer und tiefer geht es hinab. Knut hält die Luft an und schließt die Augen. Einen winzigen Moment hat er das Gefühl zu fliegen, doch dann folgt der harte Aufprall.
Er ist auf den harten und unnachgiebigen Asphalt des Bürgersteiges gefallen. Erschrocken öffnet er erst ein Auge und dann das zweite. Er schaut an sich herunter und tastet sich ab, ob noch alles an ihm heil geblieben ist. Alles tut ihm weh. Doch scheint nichts gebrochen und auch nichts abgebrochen oder gesplittert zu sein. Selbst seine vier dünnen Beinchen sind noch dran, aber sie zittern und sind ganz schwach. Knut kann sich nicht bewegen und schon gar nicht aufstehen.
„Das ist ja noch einmal gut gegangen“, denkt er trotzdem und schaut nach oben. Doch er kann seine Brüder nicht mehr entdecken, denn Tini ist längst weiter gelaufen.
Noch bevor er sich überlegen kann, was zu tun ist, erhält der arme Knut einen kräftigen Schups von zwei großen Füßen, die ihn achtlos in die Rille neben dem Bürgersteig befördern.
„Hey, was soll das!“, ruft er empört.
„Igitt, ist es hier schmutzig!“, beschwert er sich weiter. „Und nass auch noch!“
Inzwischen hat es angefangen zu regnen. Ein richtiger Wolkenbruch ist das. So füllt sich die Rille, in der Knut liegt, in Sekundenschnelle mit Regenwasser. Knut strampelt mit seinen dünnen Beinchen und versucht zu schwimmen. Aber schon bald verlassen ihn seine Kräfte und er kann sich nur noch treiben lassen. Der Strom reißt ihn einfach mit. Er treibt neben einem kleinen Stückchen Kaugummipapier und hinter einer Vogelfeder dahin. Doch plötzlich gibt es einen Ruck und er bleibt hängen. Ängstlich schaut er sich um. Er stellt fest, dass er von einem kleinen Laubhaufen aufgehalten wurde, der direkt vor ihm liegt.
„Puh!“, schnauft Knut Knopf. „Nur gut, dass ich in keinen Gully gerutscht bin, denn sonst wäre es jetzt aus mit mir.“
Inzwischen hat es aufgehört zu regnen und die Nacht ist herein gebrochen. Knut Knopf hält die Augen geschlossen und liegt zitternd vor Kälte vor dem Laubhaufen. Ab und zu weht der Wind ein Blatt zu ihm herüber, das sich schützend und wärmend auf ihn legt. Doch der nächste Windstoß fegt es wieder weg.
Endlich bricht der Morgen heran und die Sonne streckt ihre wärmenden Strahlen nach ihm aus. Aber nicht nur die Sonne kommt, sondern auch die städtische Stadtreinigung. Männer mit Besen und Schaufeln bewaffnet, gehen die Straße entlang und beseitigen den Schmutz und das herum liegende Laub.
Auch Knut Knopf wird von einem Besen auf eine Schaufel befördert. Dann geht es in Richtung eines kleinen Lastwagens. Auf der Ladefläche stehen große Behälter, in denen der Unrat hinein gekippt wird. Knut kann gerade noch in letzter Sekunde dem Arbeiter von der Schaufel hüpfen, bevor dieser das Laub in den dafür vorgesehenen Behälter befördert.
So landete Knut Knopf wiederum auf dem Bürgersteig. Er kullert ein paar Meter weiter, bevor er zum Liegen kommt. Von der großen Aufregung und der Müdigkeit überwältigt, schläft Knut ein. Er wacht erst wieder auf, als ihn eine kleine Kinderhand vom Boden aufhebt.
„Ist der niedlich!“, sagt die Kinderstimme, die einem kleinen Mädchen gehört.
Susi wischt den Schmutz von Knut Knopf ab und steckt ihn in ihr Kindergartentäschchen. Dann aber sieht sie ihre Freundin Ilse, die schon vor dem Tor des Kindergartens auf sie wartet. Sie läuft schnell zu ihrer Freundin und hat den niedlichen Knopf auf einmal ganz vergessen.
Erst als alle gemeinsam um den Frühstückstisch sitzen und ihre mitgebrachten Brote und Äpfel auspacken, holt sie den Knopf heraus. Sie legt ihn auf den Tisch und sagt stolz zu ihrer Freundin Ilse:
„Schau mal, was ich gefunden habe. Ist der nicht hübsch?!“
Aber Ilse interessiert sich nicht für den Knopf. Sie will lieber ihr Käsebrot gegen das Wurstbrot von Alex tauschen. Aber die Erzieherin, Frau Fröhlich, hat den Knopf gesehen und kommt zu Susi rüber.
„Stimmt, Susi, da hast du einen richtigen kleinen Schatz gefunden.“
Jetzt werden auch die anderen Kinder neugierig und wollen diesen Schatz ebenfalls sehen. Alle bewundern den kleinen süßen Knopf und jeder möchte ihn einmal in der Hand halten und mit den Fingern sanft darüber streichen. Auch Ilse betrachtet jetzt den Knopf ganz genau. Dann geht sie zu Frau Fröhlich und flüstert ihr etwas ins Ohr. Diese nimmt Ilse an der Hand und beide gehen aus dem Zimmer. Ilse führt Frau Fröhlich in den Nebenraum. Hier sehen sie ein kleines vierjähriges Mädchen mit einem hellbraunen Lockenkopf. Es hat ein wunderschönes Sommerkleidchen mit einem Kragen an. Das Mädchen sitzt still und traurig in der Ecke, während alle anderen Kinder lachen und hüpfen.
„Schau mal“, sagt Ilse zu ihrer Erzieherin. „Das ist Tini und sie hat auch zwei so hübsche Knöpfe an ihrem Kleid.“
Ilse deutet auf Tinis Kragen, an dem zwei kleine Schäfchenknöpfe zu sehen sind.
„Eigentlich waren es einmal drei. Karl, Klaus und Knut Knopf, aber …“, erklärt Tini traurig.
„Ob Tini ihren geliebten Knut Knopf wohl wieder bekommt?“, fragt ihr.

„Und, ob die drei K’s jetzt wieder vereint sind?“, möchtet ihr wissen.
„Was meint ihr denn, wie die Geschichte ausgeht? Ich kann Euch nur eines verraten:
Tini kommt heute Mittag singend und hüpfend nach Hause.“

 

Vielleicht interessieren Euch auch diese Geschichten:

Mopsi & Filou

Mit Schaufel und Eimer

Danke Hops! (3)

Hops und Rosa konnten aus ihrem Versteck unbemerkt fliehen. Trotzdem gestaltet sich ihre Flucht nicht problemlos. Plötzlich vernimmt Hops Schritte und kann auch hinter einem Baum ein Wesen erkennen, das sie eingehend beobachtet.

Rosa ist mucksmäuschenstill. Auch sie hat mittlerweile die Schritte vernommen. Da sie sich allerdings hinter Hops versteckt, sieht sie nicht wer ihnen nun geradewegs entgegen kommt. Sie fürchtet, es könnte das Ungeheuer vom Abend zuvor sein oder irgendeine andere furchteinflößende Bestie. Doch noch bevor sie sich die schlimmsten Vermutungen ausmalen kann, ruft Hops dem Wesen etwas zu.
„Hallo!!! Was machst du hier?“
Hops Frage klingt in Rosas Ohren kein bisschen ängstlich. Ja, eher sogar erfreut.
„Das ist doch gar nicht dein Revier!“, stellt der Hasenjunge jetzt fest.
Neugierig versucht nun Rosa einen Schritt neben ihren Beschützer zu treten, um ebenfalls einen Blick auf den ihr Unbekannten werfen zu können. Dieser ist groß und sieht sehr mächtig aus, aber sein Blick ist freundlich.
„Das wollte ich gerade dich fragen. Alle suchen dich, sind in großer Aufregung und Sorge um dich,“ erklingt eine tiefe Stimme. „Und wer ist das neben dir?“
„Wie ich hierher komme? Ach, das ist eine lange Geschichte, die ich dir aber gerne erzähle. Aber zuerst möchte ich euch gegenseitig vorstellen. Das ist Rosa, die ich selbst gestern erst kennengelernt habe. Und das, liebe Rosa, ist Helmut der Hirsch.“ Hops deutet von einem zum anderen und erkennt, dass sich die Beiden gegenseitig anlächeln und sich auf Rosas Gesicht Erleichterung ausbreitet.
Trotz der sichtlichen Entspannung der Lage schreckt das Hasenmädchen ganz schrecklich zusammen, als sie aus der Luft einen eigenartigen Laut vernimmt. Sie verkriecht sich sofort wieder hinter Hops und sucht seinen Schutz.
„Keine Angst“, vernimmt sie Helmuts beruhigende Stimme, „das ist Aurelia, die Eule.“
„Sie ist so etwas wie unsere Botschafterin und Kundschafterin“, erklärt nun auch Hops dem kleinen Hasenmädchen.
„Also tut sie uns nichts zu leide?“, fragt dieses noch immer etwas vorsichtig.
„Nein. Sie hat mir geholfen Euch zu finden“, berichtet Helmut der Hirsch.
„Und jetzt werde ich Eure Rückkehr im Osterhasendorf und bei allen, die euch suchen, ankündigen“, ruft es über ihren Köpfen, bevor sich Aurelia auf den Weg macht, um die frohe Botschaft zu verkünden.
Nachdem sich auch diese vermeintliche Gefahr entschärft hat, merkt Rosa wie sehr sie die ganze Aktion angestrengt hat. Dies bleibt auch den beiden anderen nicht verborgen.
„Du siehst müde aus“, meint Helmut zu dem Hasenmädchen. „Willst du dich auf meinen Rücken setzen, während ich euch zur Osterhasenfamilie bringe. Sie werden sich sicherlich sehr freuen.“
Dankbar nimmt Rosa dieses liebe und wohlgemeinte Angebot an. Kaum sitzt sie auf dem Rücken des Hirsches, fallen ihr auch schon die Augen zu.
Nachdem Hops seinem Freund Helmut alles ausführlich berichtet hat und von ihm für seinen Mut gelobt wurde, marschiert der stolze Hasenjunge neben dem Hirsch in das Osterhasendorf.
Durch Eule Aurelias Kundschaft von der Rettung der beiden Hasenkinder herrrscht im Osterhasendorf helle Aufregung. Alle haben sich auf dem Dorfplatz versammelt, um die drei Freunde mit Jubel im Osterhasendorf zu begrüßen. Auch Rosas Eltern sind herbeigeeilt.
„Hoch soll er leben!“, rufen sie Hops zu und gratulieren ihm. „Herzlich willkommen!“
Rosas Eltern sind überglücklich, dass sie ihre Tochter wohlbehalten in den Arm nehmen können. Der Mama kullern die Freudentränen aus den Augen und sie streicht Rosa immer wieder zärtlich über den Kopf.
„Danke Hops“, sagt Rosas Vater. „Dein Mut und deine Klugheit haben dich zum Retter unserer Tochter gemacht. Wir sind dir zu unendlichem Dank verpflichtet.“
Der Oberosterhasenlehrer, der ja auch gleichzeitig der Papa von Hops ist, klopft seinem Sohn stolz auf die Schulter.
„Das hast du wahrlich meisterhaft gemacht, wie ein richtiger Osterhase. Deshalb verleihe ich dir das goldene Band und ernenne dich nun feierlich zum Ehren-Osterhasengehilfen.“
Mit diesen Worten hängt der Oberosterhase dem strahlenden Hops das goldene Band um und flüstert ihm sichtlich gerührt ins Ohr:
„Das bisschen Eiermalen machst du doch mit links! Ich bin stolz auf dich, mein Sohn!“

 

Ich wünsche Euch allen ein frohes Osterfest und viel Spaß beim Ostereiersuchen!!!

Liebe Grüße 

von

Astrid Berg

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Bubis Sprachkünste

Die Abenteuer des kleinen Hops

Die Chance (2)

 

 

Die Chance (2)

Hops kann in dem Versteck nicht lange schlafen. Seine Gedanken kreisen selbst im Schlaf durch seinen Kopf und so ist er trotz Müdigkeit schon nach kurzer Zeit wieder hellwach. Außerdem hört er das leise Wimmern neben sich. Es kommt von dem kleinen Hasenmädchen, das sich zitternd an ihn gekauert hat.

„Nicht weinen“, versucht er es zu trösten. „Wir werden gerettet. Außerdem bin ich auch noch da und ich lasse mir etwas einfallen.“
Das Hasenmädchen schmiegt sich noch ein bisschen mehr an ihn und Hops weiß, dass er bald etwas tun muss, damit keine Panik ausbricht.
„Wie heißt du eigentlich?“, will er nun wissen. „Ich bin Hops aus der Familie des Oberosterhasens.“
„Oh“, hört er die erstaunte Stimme des Hasenmädchens. „Mein Name ist Rosa. Mein Vater heißt Robert und meine Mutter Sarah und für mich haben sie einfach jeweils die ersten beiden Buchstaben ihrer Namen zusammengefügt und dabei kam dann Rosa heraus.“
„Das klingt sehr hübsch!“, macht Hops ihr ein Kompliment und hat das Gefühl, dass Rosa lächelt. Nur sehen kann er dieses Lächeln wegen der Dunkelheit nicht.
Jetzt erst fällt ihnen auf, dass von draußen kein Laut mehr zu ihnen herein dringt. Vorsichtig lugt Hops nach draußen, wo es durch den Vollmond heller ist als drinnen in dem Baumstamm.
„Ich glaube, das Ungeheuer hat aufgegeben und hat sich verzogen. Ich werde einmal nachschauen!“
„Nein, bitte bleib hier, sonst bin ich doch ganz allein!“, bettelt Rosa.
„Das ist unsere einzige Chance zu entkommen. Wenn erst der Tag wieder anbricht, kommt vielleicht auch das Ungeheuer wieder.“
Nicht nur Rosa muss jetzt mutig sein, sondern auch Hops. Er atmet dreimal tief durch und dann schleicht er sich leise auf seinen Hasenpfoten hinaus. Vorsichtig schaut er sich um. Nichts! Alles ist still und ruhig, als würden alle außer ihnen schlafen.
Hops erkennt die Chance zu fliehen, doch niemals würde er das jetzt alleine tun. Seine neue Freundin Rosa kann und will er nicht im Stich lassen. Also hopst er wieder zurück zum Baumstamm und schlüpft durch die Öffnung. Drinnen wird er sehnsüchtig von einem zitternden Hasenmädchen empfangen.
„Wir müssen es wagen und unsere Flucht antreten. Ich hoppele voraus und du folgst mir ganz dicht. Ich werde dich beschützen. Hab keine Angst wir schaffen es!“, spricht er Rosa und ein kleines Bisschen auch sich selbst Mut zu.
Das Hasenmädchen hat tiefstes Vertrauen zu Hops und folgt ihm so dicht wie sie nur kann. Solange sie seine Wärme spürt, fühlt sie sich beschützt.
Der Mond meint es gut mit ihnen, denn er scheint nur für die Beiden zu leuchten. So finden sie problemlos ihren Weg und entfernen sich Minute für Minute mehr von ihrem Versteck. Doch plötzlich bleibt Hops erschrocken stehen.
„Pst!“, zischt er Rosa zu. „Da ist jemand! Ich kann Schritte vernehmen.“
Wie gebannt lauschen die Zwei mit angehaltenem Atem. Tatsächlich, da nähert sich ein Wesen.
Hops sucht mit seinen Augen die Richtung ab, aus der die Schritte kommen. Doch auf einmal ist es wieder still. Es ist unheimlich. Irgendwo muss sich ein Wesen verstecken.
„Nicht rühren!“, denkt Hops noch und ärgert sich, dass sein Herz so heftig pocht. „Hoffentlich kann das niemand hören“, überlegt er. „Da!“, flüstert er Rosa zu und zeigt mit seiner Vorderpfote zu einem Baum, der ungefähr fünfzig Meter vor ihnen am Wegrand steht.
„Was oder wer ist das?“, fragt er sich insgeheim.
Leider hat sich inzwischen eine Wolke vor den Mond geschoben und so stehen die beiden Häschen wieder einmal vollkommen in der Dunkelheit. Wie erstarrt verharren sie da und sind zu keiner Regung mehr fähig.
Zum Glück war es nur eine kleine Wolke, die schnell wieder abzieht und den Mond Stückchen für Stückchen erneut freigibt. Jetzt kann Hops auch erkennen, wer da hinter dem Baum hervorlugt und sie beobachtet …

Fortsetzung folgt…

 

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Osterhasenabenteuer

Hops hat eine Idee

Das fliegende Ei

 

Die Abenteuer des kleinen Hops (1)

Hops sitzt ein wenig traurig auf der Wiese und schaut zu, wie die Schüler aus der Osterhasenschule ihr Ehrenband als diplomierte Osterhasenhelfer erhalten. Er bekommt leider kein solches Band und das dazugehörige Diplom auch nicht. Nicht in diesem Jahr. Hops weiß, dass es seine eigene Schuld ist, denn er hatte letztes Jahr keine Lust zu lernen. So muss er nun die Klasse noch einmal wiederholen.

Er kann sich genau an die Worte des Osterhasenoberlehrers erinnern, der auch gleichzeitig sein Vater ist:

„Hops, dein ständiger Unfug ärgert mich schon sehr,

du wirst ein richtiger Osterhase nimmermehr.“

Allerdings trafen damals die Ermahnungen bei Hops auf taube Ohren. Man könnte es auch so ausdrücken: Vaters Worte gingen irgendwie bei dessen Sohn zum einen Osterhasenohr hinein und beim anderen Osterhasenohr wieder hinaus. Seinen Verstand erreichten sie damals nicht.
Inzwischen jedoch bereut er seine Faulheit und wäre gerne mit seinen Mitschülern geehrt worden.
Als die feierliche Zeremonie vorüber ist, hüpft Hopsina fröhlich zur großen Wiese. Sie will ihrem Bruder stolz das Zeugnis und das Ehrenband zeigen. Verwundert stellt sie aber fest, dass sie ihn nicht finden kann. 
„Wahrscheinlich macht er schon wieder irgendwelchen Unfug“, denkt sie. „Dann zeige ich ihm alles heute Abend. Bestimmt freut er sich mit mir.“
Schnell läuft sie wieder zu ihren Kameraden und spielt mit ihnen Nachlauf. Sie ist die Beste im Hakenschlagen, so steht es in ihrer Urkunde und diese Fähigkeit nutzt sie auch im Spiel nach allen Regeln der Kunst aus. Da es aber auf die Dauer langweilig ist, wenn man niemals gefangen wird, täuscht sie irgendwann eine verstauchte Pfote vor, um sich fangen zu lassen. Endlich ist sie nun die Jägerin und ihre Pfote ist auf wundersame Weise wieder voll einsatzfähig.
So kommt Hopsina froh und munter und auch ein bisschen abgekämpft nach Hause.
„Wo hast du denn Hops gelassen?“, empfängt die Mutter sie. „Wir waren in der Annahme er sei bei dir.“
„Nein, ich habe ihn seit heute Morgen nicht mehr gesehen und dachte er sei mit euch zusammen unterwegs“, antwortet sie überrascht.
„Hat der Lümmel denn immer noch lauter Unfug im Kopf“, ärgert sich der Osterhasenpapa. „Mittlerweile sollte er doch aus den Flegeljahren heraus sein und endlich mal den Ernst des Lebens erkannt haben.“
„Lasst uns ihn suchen“, schlägt nun die besorgte Mutter vor. „Ich habe die Befürchtung, dass ihm etwas zugestoßen sein könnte.“
Sofort beginnt Hopsina aus Angst um ihren Bruder zu weinen, doch der Vater erklärt ihr:
„Tränen bringen uns jetzt nicht weiter. Mutter hat schon recht, wir müssen ihn einfach suchen. Lasst uns jetzt gleich loshoppeln!“
Tja und so beginnt eine große Suchaktion. Alle seine Lieblingsplätze werden abgesucht und seine Spielkameraden befragt. Doch Hops bleibt auch nach Einbruch der Dunkelheit spurlos verschwunden. Jetzt macht sich der Osterhasenpapa ebenfalls große Sorgen.
„Hops ist zwar ein Lausebengel, aber er ist kein schlechter Hasenjunge und er würde uns niemals absichtlich Kummer bereiten wollen. Wir müssen unsere Suche ausweiten und jeden noch so kleinen Winkel durchforsten.“
Was die besorgten Familienangehörigen nicht wissen können, ist dass Hops nichts passiert ist, aber sein kleines Hasenherz trotzdem ziemlich heftig pocht. Und zwar aus zweierlei Gründen.
Der erste Grund ist ein kleines Hasenfräulein, das Hops plötzlich sieht, als er ein wenig traurig die Wiese verlässt. Sie steht auf einmal ganz unvermittelt vor ihm und lächelt ihn an. Er schmilzt sofort dahin und schickt ihr ebenfalls ein Lächeln.
„Sie sieht bezaubernd aus in ihrem rosa Kleidchen und der weißen Schleife am linken Hasenohr“, denkt er und zwinkert ihr kess zu.
Verlegen hoppelt das Hasenmädchen ein bisschen weiter und Hops läuft vorsichtig hinterher. Daraus entwickelt sich eine Art Spiel. Sobald Hops nahe genug an sie herankommt, läuft sie ein Stückchen weiter, versteckt sich hinter einem Baum oder schlägt ganz schnell einen Haken.
So entfernt sich Hops immer weiter von seiner heimatlichen Wiese und eigentlich auch von der Umgebung, in der er sich auskennt. Die Beiden sind so vertieft in ihr Spiel und die kleinen Neckereien, dass sie den streunenden Hund viel zu spät bemerken.
Erst als dieser laut bellend auf sie zurennt, nehmen sie ihn wahr. Das ist aber fast schon zu spät. Obwohl sie so schnell es ihre Hasenfüße zulassen, davonrennen und einen Haken nach dem anderen schlagen, ist er ihnen ziemlich dicht auf den Fersen.
„Schnell, schnell, der Hund zerfleischt uns, wenn er uns erst einmal gefangen hat!“, ruft Hops dem fremden Hasenmädchen zu.
„Ich habe Angst. Bitte beschütze mich!“, fleht ein weinerliches Stimmchen den Hasenjungen an.
„Wir müssen uns verstecken!“
Ja, nur wo sollen sich die zwei Häschen verstecken? Der Hund kommt immer näher und die Beiden rennen buchstäblich um ihr Leben. Nur noch wenige Meter trennen sie von dem zähnefletschenden Ungeheuer.
„Komm!“, ruft Hops atemlos. „Da drüben beginnt ein kleines Waldstück, dort werden wir bestimmt ein gutes Versteck finden.“
Inzwischen sind die Pfoten von dem Hasenmädchen schon wundgelaufen, bluten und schmerzen ganz fürchterlich.
„Ich kann nicht mehr!“, ruft es dem Hasenjungen zu. 
Hops erkennt die Situation und ermahnt:
„Du darfst jetzt nicht aufgeben, sonst sind wir verloren!“
Geschwind lässt er seinen Blick umherschweifen. Da sieht er plötzlich einen großen abgesägten Baumstamm am Boden liegen. Dieser scheint schon alt und krank gewesen zu sein. Am unteren Ende ist nämlich ein Loch erkennbar, nicht zu klein und nicht zu groß. Genau richtig, dass Hops und das Hasenmädchen in allerletzter Sekunde hineinschlüpfen können und somit der Bestie entkommen.
Doch nun sitzen sie zusammengekauert, zitternd und mit pochendem Herzen in dem dunklen Baumstamm. Davor hat sich der kläffende Hund aufgestellt, doch zum Glück kommt er mit seiner Schnauze nur ein winziges Stückchen in die Öffnung hinein. Da sich die beiden Häschen jedoch so weit wie möglich nach hinten geflüchtet haben, kann er ihnen nichts anhaben. Vorerst sind sie gerettet. Doch wie geht es mit ihnen weiter? Wird das Ungeheuer aufgeben? Werden die Familienmitglieder die Suche nicht aufgeben und sie retten? Oder müssen sie in ihrem Versteck elendig verhungern und verdursten?
„Bestimmt haben sie uns schon vermisst und werden uns suchen“, tröstet Hops das kleine Hasenmädchen. „Mein Vater ist der Osterhasenoberlehrer und er ist verdammt schlau. Lass uns ein wenig schlafen und wenn wir aufwachen ist die Rettung ganz sicherlich schon da!“
„Hoffentlich…!“, denkt Hops noch, bevor auch ihm die Augen vor Müdigkeit zufallen…

Fortsetzung folgt…

 

 

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Klein Astrid und der Osterhase

Unsere persönliche Ostergeschichte

Das fliegende Ei

 

Hops und die Osterhasenkunst

Heute möchte ich noch einmal einen Post vom letzten Jahr einstellen, um Euch an Hops, Hopsina, den Osterhasenpapa und die Osterhasenmama zu erinnern. Mein nächster Beitrag knüpft dann nämlich wieder an die Geschichten rund um die Osterhasenfamilie an.

 

„Hops, dein ständiger Unfug ärgert mich schon sehr,
du wirst ein richtiger Osterhase nimmermehr.
Für die Kinder solltest du Eier bemalen und auch verstecken,
hier, da und dort, auf Feld, Wiese und in allen Ecken.“

„Aber so höre doch, lieber Herr Papa“, Hops nun spricht,
„Familie Zwerghuhn von nun an, alle Arbeit für uns verricht’.
Sie legen ihre grünen Eier überall in Stadt und Land,
brauchen nicht des Osterhasens malende Hand.“

„Hi, hi!“, Hopsina die große Schwester lauthals lacht.
„Hops, was hast du dir da wieder mal ausgedacht?
Ostern wird dann lediglich ein großes Rühreifest!“
„Bitte“, Hops bettelt, „machen wir einen Test.“

„Mein lieber Junge, höre jetzt deiner Mama gut zu!“
Mutter Hoppel versucht zu vermitteln in aller Ruh’.
„Auch wenn des Zwergenhuhn Ei ist schön grün,
es ist roh, so sehr sich die Hühner auch bemüh’n.“

„Wir machen es zu einem Osterei voller Farbenpracht,
weil wir alleine wissen, wie man es richtig macht.
Dies wird weitergegeben von Generation zu Generation,
Rezept und Dekoration ist Osterhasentradition.“

„Auch die Kunst des Versteckens will gelernt schon sein“,
mischt sich Vater Hoppel in die Diskussion wieder ein.
„Dein Großvater hat es mir als Kind bereits gelehrt,
drum mach du jetzt nicht alles anders und verkehrt!“

„Nimm den Kindern weit und breit nicht die Freude,
zu machen bei der Ostereiersuche eine große Beute.
Sie streifen durch die Gärten, suchen die Osternester,
wetteifern, wer findet die bunten Ostereier als Erster.“

„Vielleicht“, so spricht Mama Hoppel bedacht und weise,
„solltest du dieses Jahr alles verfolgen still und leise.
Beim nächsten Osterfest wirst du viel klüger sein
und kannst erlernen die Osterhasenkunst präzise und fein.“

„Ich geh mal schaukeln und mich in die Lüfte schwingen,
hinterher übe ich noch ein bisschen das Springen,
auch noch das Hopsen und Haken schlagen,
nächstes Jahr werde ich das Ostereiermalen wagen.“

Hops ist froh den Ostervorbereitungen zu entkommen,
hat schon seines Freundes Rufen vernommen.
Beiden nicht nach Osterhasenkunst steht der Sinn,
viel eher nach Spiel, Spaß und allerhand Blödsinn.

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Probleme im Osterhasenland

Hops hat eine Idee

Unsere persönliche Ostergeschichte

 

 

Im Garten

Jetzt können wir es gar nicht mehr abwarten,

die Sonne lockt uns alle hinaus in den Garten.

Glaubt mir, ich kann es beschwören,

dort kann man das Gras wachsen hören.

 

Neben ersten Blumen reckt sich etwas ins Licht,

ich erkenne, Unkraut vergeht einfach nicht.

Muss das Übel an der Wurzel packen,

mich bücken, zupfen und tüchtig hacken.

 

Weil sich niemand will in die Nesseln setzen,

darum weiß jeder diese Arbeit zu schätzen.

Noch ist kein Blumentopf gewonnen,

denn es kommt wieder,- unbenommen.

 

Ein Wink mit dem Zaunpfahl zum Nachbarn,

denn von ihm kann man Hilfreiches erfahr’n.

Lobt ihn dafür über den grünen Klee,

trinkt mit ihm ein Tässchen Kaffee.

 

Er sagt: „Nichts stiefmütterlich behandeln,

so wird sich alles in Pracht verwandeln!“

Sein Rat bei mir auf guten Boden fällt,

denn seine Empfehlung mir gefällt.

 

Mit den Nachbarn gut Kirschen zu essen,

gehört wohl zu beiderseitigen Interessen.

Gemeinsam blühende Fantasien haben

und sich an der Gartenpracht laben.

 

Wenn alles wächst und auch gedeiht,

sind wir voller Freude und Dankbarkeit.

Vergleichen Äpfel mit Birnen irgendwann,

genießen unser Gartenparadies sodann.

 

So hegen und pflegen wir die Pflanzen,

lassen die Bienen um die Blüten tanzen,

lauschen froh der Vögel Gesang

und sind mit der Natur im Einklang.

 

Geht geschwind in den Garten hinaus,

begrüßt die Natur mit großem Applaus.

Das Blatt hat sich gewendet,

die kalte Jahreszeit ist beendet.

 

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Unser persönliches Spiel mit dem Gedächtnis

Von der Sonnenuhr zur Poesie

Lieber Wettermacher!

 

Der Anruf

„Ja, ja, der liebe April“, denke ich gerade, als ich meine Termine für diesen Monat in meinen Timer eintrage. „Eigentlich ist er gar nicht so ein beliebter Monat, denn man sagt ihm nach, dass er immer nur macht was er will“, überlege ich weiter. Es stimmt schon, er ist sehr eigensinnig. Normalerweise ist er doch der Monat, welcher uns dem Sommer ein Stückchen näher bringen soll. Aber so recht will das nicht klappen. Manchmal ist es in diesem Monat schon sommerlich warm und dann wieder herbstlich grau.

Aber auch wenn sich der April schon manchmal ein bisschen unbeliebt bei uns macht, er ist doch guten Willens. Trotzdem nimmt er uns immer wieder auf den Arm, d.h. er macht sich ein bisschen lustig über uns mit seinem ewigen Hin und Her. Aber nicht nur der Monat April erlaubt sich Scherze, nein auch wir nutzen speziell den Monatsanfang, um uns zu amüsieren.
„Weshalb heißt es eigentlich, dass wir jemand in den April schicken, wenn wir eine Person mit einem kleinen Scherz überraschen?“, frage ich urplötzlich meinen Peter, der gerade mein Arbeitszimmer betritt.
„Was? Wie?“, fragt er verblüfft zurück. „Keine Ahnung!“ Obwohl seine Antwort kurz und knapp war, erwacht plötzlich seine Erinnerung.
„Ich denke, es gibt kaum jemand, der nicht schon einmal einem Aprilscherz erlegen ist“, meint mein Mann und grinst.
„Das stimmt, denn obwohl man genau weiß, dass der 1. April hierfür bekannt ist, fallen wir doch genau in diesem Moment auf den Scherz herein, wenn wir gerade nicht auf der Hut sind“, überlege ich laut.
„Denk doch mal an deine Mutter“, erinnert mich Peter. „Das ist zwar schon lange her und wir kannten uns erst kurz, aber es war total lustig.“ Mit diesen Worten verlässt er mein Arbeitszimmer und mich mit meinen Erinnerungen, die ich auch sofort zu Papier bringe:
Vor fast 40 Jahren ereignete sich eine kleine Geschichte, an die sich meine Mutter noch heute mit einem Schmunzeln erinnert. Damals hatten wir zwar schon ein Telefon, aber man benutzte es doch eher selten, im Gegensatz zu heute. Es existierten noch keine Callcenter und Werbeanrufe und solche von verschiedenen Firmen zwecks Umfragen oder ähnlichem waren noch nicht erfunden. An einem Vormittag klingelte also bei meiner Mutter das Telefon:
„Einen schönen guten Tag wünsche ich Ihnen“, sagte eine junge männliche Stimme am anderen Ende.
„Guten Tag“, grüßte meine Mutter freundlich zurück.
„Hier ist das Schuhhaus Blackelsberg**“, sprach die Stimme weiter. „Spreche ich mit Frau ABC?“
„Ja, da sind Sie richtig verbunden!“
„Da bin ich aber froh, denn wir haben da ein kleines Problem.“
Meine Mutter wunderte sich jetzt schon ein wenig, denn das Schuhhaus vor Ort trug einen anderen Namen und was hatte sie mit den Problemen eines unbekannten Geschäftes zu tun?!
„Wie kann ich Ihnen denn behilflich sein?“, erkundigte sie sich trotzdem.
„Na es geht hier um eine Bestellung…“
„Ich habe keine Bestellung gemacht“, erklärte sie sofort mit starker Verwunderung und einer Überzeugung in der Stimme, die eigentlich keinen Zweifel aufkommen lassen sollte.
„Sie sind aber doch Frau ABC, wie Sie mir vorhin schon sagten!“
„Mmh!?“
„Sie haben bei uns 30 Paar Schuhe bestellt und ich wollte nur Bescheid sagen, dass sich die Lieferung noch einen kleinen Moment verzögert“, erläuterte der junge Mann.
„Moment mal“, protestierte meine Mutter. „Ich habe nichts bestellt! Und schon gar nicht 30 Paar Schuhe! Was soll ich damit? Ich habe nur 2 Füße.“
„Uns liegt aber eine Bestellung von Ihnen vor!“
Meine Mutter wurde immer stutziger, aber auch immer nervöser.
„Wie soll das Schuhhaus noch einmal heißen?“, fragte sie, um zum einen Zeit zu gewinnen und zum anderen, um die Stimme des Gesprächspartners noch einmal zu hören. Irgendetwas war ihr nämlich an dieser Stimme seltsam erschienen. Sie konnte nur noch nicht genau sagen, was das war. Vielleicht weil diese Stimme sich etwas gekünstelt anhörte, aber da konnte man sich ja täuschen.
„B l a c k e l s b e r g!“ Der Mann am anderen Ende ließ sich förmlich das Wort auf der Zunge zergehen. Er sprach es deutlich, ganz langsam und etwas langgezogen aus. Nur seltsam, dass er sogleich anscheinend einen Lacher unterdrücken musste. Das entging meiner Mutter jedoch nicht.
Sie hatte das ganze Gespräch über schon so eine Ahnung gehabt, die sie jedoch noch nicht in Worte hatte fassen können. Aber dieses kurze fast unterdrückte Lachen brachte sie auf einen ganz bestimmten Verdacht, der sich zusehend verhärtete. Sollte sie den Vorstoß wagen oder irrte sie sich mit ihrer Vermutung?

Meine Mutter setzte alles auf eine Karte und …

… traf damit ins Schwarze.

„Peter?“, fragte sie vorsichtig. „Bist du das?“
„April, April!“, tönte es fröhlich aus der Telefonmuschel.
„Na, du bist mir aber Einer!“, lachte meine Mutter hörbar erleichtert. „Das war aber ein gelungener Aprilscherz! Wie bist du denn auf die Idee gekommen?“

„Diese Frage konnte ich deiner Mutter damals nicht so genau erklären.“
Erschrocken blicke ich auf, denn ich habe nicht bemerkt, dass mein Mann wieder das Zimmer betreten hat.
„Das kam mir einfach so in den Sinn, würde ich mal sagen“, kommentiert Peter meine Aufzeichnungen, als er mir beim Tippen über die Schulter schaut.
„Aber, was meinst du? Sollte ich es dieses Jahr noch einmal mit diesem Aprilscherz versuchen“, grinst er.

 

Na, dann viel Spaß!

 

 

 

* Der Name ist frei erfunden.

Knöpflein

Flori ist sechs Jahre und besucht die erst Klasse. Seit ein paar Tagen darf er den Schulweg ganz alleine gehen. Zuerst hat ihn die Mutter immer bis zur Schule begleitet, dann bis zur großen Kreuzung und gewartet, bis er ordnungsgemäß den mit einer Ampel versehenen Fußgängerüberweg überquert hat. Dann aber hat sie gesagt:

„Flori, ich möchte jetzt wieder halbtags arbeiten. Und weil ich schon vor dir aus dem Haus gehen werde, musst du von nun an alleine zur Schule marschieren. Du kennst den Weg und weißt, wo man besonders gut aufpassen sollte und auch wann du dort sein musst.“

„Endlich hat sie kapiert, dass ich inzwischen ein großes Schulkind bin“, hat Flora sich gedacht und ihr versprochen nicht zu trödeln und immer pünktlich zu sein.

Fünf mal wöchentlich geht er nun den selben Weg, der ihn an einer Baustelle vorbeiführt. Das Haus jeen Tag ein bisschen mehr und er winkt den Bauarbeitern immer freundlich zu. Aber er bleibt nie stehen, denn er hat es ja eilig.

Eines Tages jedoch ist die Baustelle verlassen, das Haus erst halb fertig. Man erzählt sich, dass es einen Baustopp gegeben hat. Warum weiß Flora nicht, aber er versteht, dass das Haus vorerst nicht fertig gebaut wird. 

Auf seinem Heimweg bleibt er stehen und schaut neugierig durch den Bauzaun. An der Hauswand neben der Eingangstür ist ein rundes kleines Loch zu sehen und hier entdeckt er etwas.

„Da schaut ja ein kleines Mäuschen heraus. Ob es dort wohnt?“, überlegt Flori. 

„Hey!“, ruft er und lächelt.

Das Mäuschen scheint ihn gehört zu haben, denn es schaut in seine Richtung, verschwindet dann aber ganz schnell in seinem Versteck.

Auch am nächsten und am übernächsten Tag geht es so. Allerdings bleibt das Mäuschen immer ein bisschen länger stehen und schaut Flori aus seinen kleinen süßen Augen an, bevor es sich wieder versteckt.

„Ach komm doch wieder hervor! Ich tu dir doch nichts!“, ruft Flori.

Und tatsächlich lugt es nochmals vorsichtig hervor.

„Morgen bringe ich dir ein Stück Käse mit“, verspricht Flori. „Du hast doch bestimmt Hunger, jetzt wo alle Bauarbeiter weg sind und niemand mehr ein Krümelchen fallen lässt.“

Als am nächsten Morgen die Mutter das Haus verlässt, stibitzt Flori einen Käsewürfel aus dem Kühlschrank und steckt ihn in seine Hosentasche. 

„Das ist für Köpflein!“, denkt er sich.

Weil ihm die schönen kleinen Knopfaugen des Mäuschens so gut gefallen haben, hat er ihr insgeheim den Namen „Knöpflein“ gegeben.

Auch heute ist Knöpflein wieder da und schaut aus seinem Versteck, als würde es auf Flori warten.

„Schau mal, was ich dir mitgebracht habe!“, ruft der Junge und versucht den Käsewürfel dem Mäuschen zuzuwerfen. Aber durch den Bauzaun hindurch geht es nicht so gut und so landet das Stückchen Käse kurz hinter dem Zaun und weit weg von Knöpflein.

„Hol dir den Käse!“, ruft Flori. Aber das traut sich das Mäuschen nicht. Es schaut immer wieder zwischen dem Jungen und dem Käse hin und her, bleibt aber in seinem Versteck.

„Morgen bekommst du wieder Käse“, verspricht der Junge und setzt seinen Heimweg fort.

„Hoffentlich holt sich Knöpflein das Stückchen und hoffentlich wird es davon satt.“

Flori ist ganz besorgt, dass die niedliche Maus verhungern könnte. Und so bringt er auch am nächsten und an allen weiteren Tagen ein Stückchen Käse mit. Immer wenn Flori wiederkommt, ist der Käse vom Vortag verschwunden und das Mäuschen erwartet ihn. Allerdings traut es sich auch jeden Tag ein bisschen weiter an den Bauzaun heran. So erwartet Knöplein Flori eines Tages direkt hinter dem Zaun. Die Beiden sind inzwischen richtige Freunde geworden und Flori hat sogar das Gefühl, dass das Mäuschen ihn ebenso mag wie er sein Knöpflein. Sogar auf den Namen hört es schon. Sollte Flori mal ein bisschen früher oder später an der Baustelle vorbei kommen, dann braucht er nur leise zu rufen und schon kommt Knöpflein angetrippelt.

Doch eines Tages gehen die Arbeiten an der Baustelle weiter. Das Haus wird verputzt und Knöpflein ist in seinem Versteck nicht mehr sicher, deshalb hat es sich irgendwo anders versteckt. Traurig schaut die Maus Flori an, als sie sich nur getrennt vom Zaun gegenüberstehen.

„Ich werde dir helfen, damit du ein neues Zuhause hast“, gibt Flori dem kleinen Mäuschen das Versprechen.

Den ganzen restlichen Tag grübelt Flori und kann sich gar nicht auf seine Hausaufgaben konzentrieren.

„Was ist denn mit dir los?“, fragt der Großvater, der Floris Mathematikhausaufgaben nachschaut. „Du rechnest doch sonst alles fehlerfrei!“

Da bricht es aus Flori heraus und er vertraut dem Großvater seine Sorgen an.

„Warte mal!“,meint der Opa. „Ich glaube, ich hab‘ da eine Idee!“

Langsam geht der Großvater die Kellertreppe hinunter. Flori weiß, das bereitet seinem Opa große Mühe, denn sein Knie mag keine Treppen mehr steigen und schmerzt bei jeder Stufe. 

Nach einer Weile kommt der Großvater mit einem kleinen Vogelbauer wieder zurück. 

„Was anderes habe ich in der Eile nicht gefunden, aber es müsste seinen Zweck erfüllen.“

Mit mehreren Käsestückchen bewaffnet, laufen Flori und sein Opa zur Baustelle. 

„Knöpflein!“, ruft Flori. Doch erst nach mehrmaligen Rufen sehen sie das Mäuschen hinter einem Stein hervorlugen. 

„Komm! Wir bringen dich in dein neues Zuhause! Hab keine Angst! Alles wird gut!“

Es dauert ziemlich lange, doch endlich traut sich Knöpflein vor den Zaun und lässt sich mit Hilfe des leckeren Käse dazu verlocken in den Vogelbauer zu schlüpfen. Flori redet dem Mäuschen den ganzen Weg über gut zu und versucht ihm die Angst zu nehmen.

Zuhause angekommen, gehen sie gleich in den Garten. Dort hat der Großvater in einer Ecke ein Rohr hingelegt. Das war eigentlich am alten ausrangierten Briefkasten befestigt gewesen. Hierin hatte der Briefträger immer die Zeitungen abgelegt. Jetzt ist es mit ein bisschen Gras ausgelegt und soll nun als Unterschlupf für Knöpflein dienen. 

Flori öffnet den Vogelbauer und ehe er sich versieht, entschlüpft Knöpflein seinem Gefängnis und versteckt sich in dem Rohr. Hier fühlt es sich sicher und nach ein paar Minuten schaut das Mäuschen mit strahlenden Augen wieder heraus.

„Hier wohne ich jetzt!“, scheint es Flori und dem Großvater zuzublinzeln. „Danke für mein neues Zuhause!“

Dreibein & Co

 

Heute habe ich eine Geschichte eingestellt, die ich vor langer Zeit geschrieben habe und die ich Euch nun vorstellen möchte:

Wir frühstücken auf unserer Terrasse. Es ist Wochenende und die Sonne strahlt vom Himmel. Ich träume noch ein bisschen vor mich hin, da meint mein Mann:

„Hier ist ganz schön was los!“
Verwirrt schaue ich ihn an. Irgendwie scheine ich gerade etwas verpasst zu haben.
„Hörst du nichts?“
Ich lausche! Schulterzucken! Kopfschütteln!
„Hör einfach genau hin!“
Wieder lausche ich. Es ist kein Krach oder Lärm zu vernehmen, weder der Rasenmäher unseres Nachbarn noch das Motorgeräusch eines Autos ist zu hören. Nichts! Jedenfalls nichts Außergewöhnliches. Und jetzt erkenne ich plötzlich was mein Mann meint:
Dort oben im Baum zwitschert ein Vogel, davor sitzt lauernd unsere Katze Lottchen und macht gurrende Laute. Aus unserem Teich, der nebenbei bemerkt etwas mehr ist als eine überdimensionale Pfütze, höre ich einen Frosch quaken. Eine Wespe ist gerade im Anflug auf mein Nutellabrötchen, im Gras zirpst eine Grille und gerade kommt ein kleines Wollknäuel, Nachbars Mischlingshund, schwanzwedelnd und freudig bellend auf mich zu gerannt. Unser Lottchen, das sich vorsichtshalber in eine andere Ecke verkrochen hat, erhält auch Besuch, nämlich von Kater Samy, den wir liebevoll Dreibein nennen, da ihm ein Bein amputiert werden musste.
„Ja“, sage ich, „hier ist tatsächlich was los! Das reinste Biotop!“
Ich habe noch nicht ausgeredet, da klingelt auch schon das Handy meines Göttergatten und er verzieht sich ins Haus. Mir ist jedoch gerade ein Gedanke gekommen:
„Fehlt nur noch eine Schlange!“
Aber das hatten wir ja auch schon. Damals spielte unser Sohn T. mit den Nachbarjungs vor dem Haus, mein Mann war ebenfalls draußen zugange und ich kümmerte mich um das Mittagessen. Plötzlich klopfte es am Fenster und gleichzeitig klingelte es an der Haustür.
„Was ist denn? Ich kann gerade nicht!“, rief ich und rührte weiter in meinem Gulasch.
Jetzt klopfte es auch noch an der Terrassentür im Esszimmer. Leicht genervt ging ich hin und sah Peter gestikulierend draußen vor der Scheibe stehen.
„Da!“, rief er aufgeregt. „Eine Schlange!“
„Immer diese Spielchen“, dachte ich und zeigte ihm einen Vogel. Als ich mich gerade umdrehen und weggehen wollte, klopfte er abermals, aber mittlerweile sehr energisch.
Inzwischen waren unser Sohn und die Nachbarjungen ins Wohnzimmer gestürmt und suchten in allen Ecken.
„Seid ihr gerade auf Großwildjagd oder was ist los?“, fragte ich sie.
„Nein“, erklärte mir das Nachbarskind. „Frau Berg, hier ist eine Schlange drin!“
Ich kam zu keiner Antwort mehr, denn schon stürmten sie alle in eine Ecke und tatsächlich lag dort eine Schlange. (Sie war durch die gekippte Terrassentür hereingekrochen und dabei von meinem Mann und den Jungs beobachtet worden.)
„Geht mal alle zurück!“, rief ich besorgt. „Es könnte eine Giftschlange sein, die aus einem Terrarium ausgebüxt ist.“
Während T. nach oben in sein Zimmer gerannt war, um sein Tier- und Pflanzenbestimmungsbuch zu holen, erschien mein Mann mit einer Schaufel in der Hand. Ich hatte es allerdings auch vorgezogen einige Schritte zurückzutreten, aber Peter nahm mutig, wie mir in diesem Moment schien, den Kampf mit der Schlange auf. Er nahm sie auf die Schaufel, ging auf uns zu und hielt sie uns unter die Nase. Sie lebte und bewegte sich. T., der mir das aufgeschlagene Buch unter die Nase hielt, meinte:
„Sieht aus wie die hier!“
„Schaff die aus unserem Wohnzimmer raus und nach draußen!“
„Ist doch ganz harmlos!“, meinte jetzt auch der Nachbar, der alles mitbekommen und ins Haus gekommen war.
Ja, ich hatte es inzwischen selbst erkannt, es war nur eine Ringelnatter, doch die wollte ich auch nicht im Wohnzimmer haben.
Ebenso wenig mag ich die Mäuse im Haus haben, die Lottchen fängt. Zum Glück bringt sie uns keine, denn wir haben eine schlaue und lernfähige Katze. Peter, der Mitleid mit den armen Mäuschen hat, nimmt sie ihr nämlich jedes Mal ab. Daher bringt unser Lottchen die Mäuse seither zur Nachbarsfamilie.
Manchmal missglückt eine solche Rettungsaktion allerdings auch, wie zum Beispiel die mit dem armen Maulwurf. Selbst sofortige Reanimationsversuche meines Gatten schlugen fehl und wir mussten dem kleinen Kerl neben unseren beiden Kaninchen und den beiden Meerschweinchen ein Grab schaufeln und ihn würdevoll beerdigen.
Oder die zu rettende Maus wehrte sich mit allen Leibeskräften, die ihr zur Verfügung standen. Nachdem Peter sie aus Lottchens Fängen befreit hatte und sie behutsam in eine andere Ecke des Gartens tragen wollte, biss sie ihn aus lauter Panik in die Hand. Das wiederum hatte zur Folge, dass er sie mit sofortiger Wirkung auf die Erde setzte und sie um ihr Leben lief. Ob sie sich vor unserer Katze in Sicherheit bringen konnte, entzieht sich meiner Kenntnis. Peter jedenfalls stellte für die Maus keine Gefahr mehr dar.
Peters Körperteile haben schon des Öfteren die Selbstverteidigungsmechanismen verschiedener Tiere zu spüren bekommen. So beispielsweise an unserer Hochzeit. Wir waren gerade mal ein oder zwei Stündchen vermählt und befanden uns im Kurpark zum Fototermin. Der Fotograf machte in dieser schönen Natur, mitten im Sommer, bei strahlendem Sonnenschein Aufnahmen von uns. Doch plötzlich schrie Peter auf:
„Au! Verflixt! Was war das jetzt?“
Eine Biene hatte sich unbemerkt auf meinem Brautkleid niedergelassen und als Peter seinen Arm um meine Taille legte, fühlte sie sich bedroht und stach zu.
Dieses Körperteil schwoll damals zwar etwas an, bereitete aber ansonsten keinerlei Probleme. Ganz im Gegensatz zu dem Körperteil, das sich Jahre später ein anderes Tier aussuchte:
Ich kann mich nicht mehr erinnern, welches Ersatzteil wir für unser Auto benötigten. Auf jeden Fall wollte Peter dieses Teil von einem Schrottplatz holen, um es dann selbst einzubauen. Der Eigentümer des besagten Platzes erklärte uns, dass er dieses vorrätig habe, allerdings müsse mein Mann es sich aus einem alten Auto erst ausbauen. So ging er voran, Peter hinterher und dahinter lief der Schäferhund des Schrottplatzbesitzers. So liefen sie im Entenmarsch über den Platz. Aus heiterem Himmel, ohne dass sich mein Mann etwas zu Schulden kommen hätte lassen und ohne Vorwarnung, biss der Hund ihn einfach in seinen Allerwertesten.
„Au!“, schrie er auf. „Der hat mich gerade gebissen!“
„Quatsch!“, antwortete das Herrchen. „Der beißt nicht!“
Der Schäferhund schaute lässig von einem zum anderen, als könne er kein Wässerchen trüben.
„Na, doch! Er hat mich aber gerade gebissen!“
„Kann überhaupt nicht sein! Schauen Sie sich ihn doch an, der ist total lieb!“
„Ist ja möglich, aber trotzdem hat er mich in mein Hinterteil gebissen.“
So kam es, dass mein Mann außer dem Ersatzteil vom Schrottplatzbesitzer auch noch eine Tetanusspritze vom Arzt bekam.
Aber nicht immer waren unsere Begegnungen mit fremden Tieren von Schmerz und Pein überlagert, wir hatten oft auch schon viel Spass mit folgenden (vierbeinigen) Lebewesen. Ich will hierbei gar nicht von meinen Ritten auf einem Esel, Kamel oder Elefanten erzählen, obwohl die sehr lustig waren und von vielen Schreien meinerseits begleitet wurden. Ich denke hierbei eher an zwei Ereignisse auf der schönen Insel Mallorca:
Unser Sohn war noch im Grundschulalter, als wir auf unserer Lieblingsinsel Urlaub machten. Wir hatten einen Mietwagen und fuhren auf der Insel kreuz und quer. So kamen wir auch zu einem Safaripark. Die Tiere liefen frei herum und wir fuhren im Auto über das Gelände. T. freute sich riesig, die Löwen, Zebras oder Kängurus neben, vor und hinter uns in freier Wildbahn zu sehen. Wir waren ja im Inneren des Wagens gut geschützt. Doch wir hatten nicht mit den Affen gerechnet. Die sprangen nämlich auch auf das Auto und nicht nur auf die Motorhaube.
„Achtung, Papa!“, schrie T. auf einmal voller Panik. „Die sind auf dem Dach!“
„Ja und?“
Wir schauten nach oben. Oh, verflixt! Wir hatten vergessen das Schiebedach zu schließen.
„Los, alle Mann zu machen!“, befahl Peter.
Mit vereinten Kräften zerrten wir am Schiebedach von innen, aber gleichzeitig zerrten auch zwei Affen von außen. Jetzt war die Frage, wer war schneller, beziehungsweise, wer hatte die größte Kraft. Wir siegten!!! Zum Glück schafften wir es, bevor einer der Affen in das Innere des Wagens dringen konnte. Da hätte der Spaß nämlich ein Ende gehabt.
Spaß hatten mein Mann und ich auch viele Jahre später, als wir ohne unseren inzwischen erwachsenen Sohn diese Sonneninsel besuchten. Wir waren zur kulturellen Besichtigung auf dem Privatgut „La Granja“ und standen auf einmal etwas abseits des Weges vor einem Hundezwinger. Der süße Mischling kam auch sofort wedelnd an das Zwingergitter und ließ sich durch die Stäbe hindurch streicheln.
„Du bist aber ein süßer kleiner Hund!“, sprach Peter auf ihn ein.
Der Hund signalisierte ganz deutlich, dass er gerne rauskommen wollte.
„Ich darf dich nicht rauslassen“, redete mein Mann weiter. „Aber die Tür kann ich ein bisschen aufmachen, das Schloss ist nämlich offen.“
„Lass das lieber!“, rief ich noch aus, aber da war es auch schon zu spät.
Peter hatte die Tür nur einen Spalt breit geöffnet, das reichte jedoch aus. Der Hund schlüpfte schnell hindurch. Zack, war er weg und Peter rannte hinterher. Das ging eine ganze Weile so, denn wir versuchten ihn dazu zu bewegen, wieder zurück in den Zwinger zu laufen. Leider vergeblich. Er entwischte uns! Aber da er auf das Gut gehörte, kannte er sich aus und fand alleine wieder zurück.

„Du sitzt ja immer noch hier draußen!“, stellt mein Mann fest, als er sein Telefonat beendet hat und wieder in den Garten kommt.
„Ach“, entgegne ich. „Mir sind da gerade ein paar Erinnerungen in den Sinn gekommen.“

 

1200px-DSC02150

Diese Geschichten interessieren Euch vielleicht auch noch:

Hilfe!

Familienzuwachs

Besser oder schlechter?

 

„Früher war alles besser“, sagt der Mann,

„nicht immer, aber so dann und wann.

Die Welt scheint komplizierter geworden zu sein,

vieles ist heutzutage nur noch Schein.

 

Der Mensch ist geworden zum Konsument,

der die wahren Werte nicht erkennt.

Jedermann ist tagein, tagaus in ständiger Eile,

oft fehlt die Zeit zu rasten eine kleine Weile.

 

Geld regiert die Welt, so erkennt man,

jeder jagt ihm nach, so schnell er kann.

Früher gab’s kein Handy, kein Internet zwar,

niemand war ständig erreichbar, na klar.“

 

„Doch manche Dinge“ sagt die heutige Frau,

„sind besser, hilfreich und auch schlau.

So hilft Tante Google immer und überall weiter,

dank Internet ist unsere Sicht weltweiter.

 

Früher war der Haushalt so aufwendig,

Mann fühlte sich dafür nicht zuständig,

das ist heutzutage viel, viel besser, ja klar!

Das kannst du nicht bestreiten, das ist wahr!

 

Mit dem Flugzeug geht es auf Reisen,

Oma und Opa können noch verreisen. 

Ferne Länder will man heute erkunden

und die Welt einmal im Leben umrunden.“

 

Besser oder schlechter?  Wer kann es wissen?

Das Schlechte wird wohl niemand vermissen.

Das Gute wird ein jeder immer nur loben

und vieles hat sich einfach nur verschoben.

 

Drum wir alle zu einem Fazit kommen:

Das Gute sei herzlich willkommen!!!

Was wir wirklich brauchen in dieser Welt,

ist Frieden unter dem Himmelszelt!!!