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Hops hat eine Idee

Familie Hoppel steckt mitten in den Ostervorbereitungen. Nachdem das Personalproblem bei der Eierlieferung gelöst ist, läuft nun alles wie am Schnürchen. Fast alles.
Mutter Hoppel kümmert sich um die Wäsche. Sie schrubbt das große weiße Tischtuch über das Waschbrett, während ihr Herr Gemahl die Hasenschar unterrichtet. Es wird gesungen und gelacht, aber auch gelernt.
„Wer ein richtiger Osterhase sein will“, erklärt der Oberlehrer, „der muss nicht nur Eier bemalen und verzieren können, sondern auch wissen, wo die besten Verstecke für die Ostereier sind. Für Beides gibt es Regeln, die zu beachten sind.“
Hops schmerzt schon der Kopf, so viel muss er sich merken. Er hat gar keine Lust dieses Jahr mitzumachen. Viel lieber würde er jetzt schaukeln gehen oder die Hühner aufscheuchen und sie ein bisschen erschrecken. Hops ist nämlich ein kleiner Schlingel, der gerne Unfug macht.
Seine Schwester, Hopsina, hingegen ist eine sehr fleißige Schülerin, die gut zuhört und auch alle Regeln befolgt. Sie freut sich schon riesig auf das Bemalen der Eier, denn nur gefärbte und bemalte und schön verzierte Eier sind richtige Ostereier.
„Hops, so pass doch auf!“, ermahnt der Vater. „Du musst ganz vorsichtig mit den rohen Eiern umgehen. Erst nach dem Kochen sind sie nicht mehr so empfindlich.“
„Es passiert schon nichts!“, ruft Hops und wirft das nächste eingesammelte rohe Ei in einem hohem Bogen in den Korb.
„Platsch!“, macht es. Zwei Eier sind zerbrochen und der flüssige Inhalt spritzt durch die Gegend.
„Oh! Naja, es sind ja noch genug da“, gibt Hops achselzuckend bekannt. „Außerdem können die Hühner ja neue Eier legen. Dazu sind sie schließlich da.“
„Also Hops, so geht das nicht. Da bist du uns keine Hilfe“, schimpft der Vater. „Lauf nach Hause und hilf der Mutter!“
Das ist dem kleinen Häschen nur recht, denn ihm ist sowieso an diesen anstrengenden Vorbereitungen die Lust vergangen. Also hoppelt er los. Doch schon an der nächsten Wegbiegung entdeckt er etwas, das seine Neugierde entfacht. Dort liegt nämlich ein zerbrochenes Ei. Das wäre eigentlich gar nicht so verwunderlich, aber er sieht auch seltsame Tiere in der Nähe.
„Wer seid ihr denn?“, will Hops wissen.
„Das sieht man doch!“, antwortet eines der Tiere. „Wir sind Hühner!“
„Seid ihr Osterhasenhühner?“
„Wie kommst du auf diese Idee? Osterhasenhühner?! Wir haben doch keine langen Löffel als Ohren“, entsetzt sich eines der Hühner, doch schon im nächsten Moment ruft es aus:
„Ach, das meinst du!“
Jetzt versteht das Huhn, was der kleine Hase meint.
„Das ist ja toll!“, begeistert sich Hops nach der Erklärung.
Er hat da so eine Idee.
„Zeig mir mal eure Produktion!“, fordert er das Huhn auf.
Kurz danach steckt er tuschelnd mit einigen Hühnern hinter einem Busch und schmiedet einen Plan.
„Also“, sagt er nach einer Weile. „Abgemacht! Ich komme morgen Nachmittag vorbei.
Am nächsten Tag meldet sich Hops in der Schule krank.
„Ich habe sooo große Bauchweh“, sagt er seinem Vater, dem Oberlehrer und verzieht das Gesicht. „Bestimmt habe ich heute Morgen etwas Falsches gegessen. Mir ist ganz übel.“
„Das hört sich aber gar nicht gut an. Du solltest nach Hause gehen und dich hinlegen“, schlägt der Vater besorgt vor. „Mutter kann dir einen Kamillentee kochen. Dann wird es schnell wieder besser.“
Hops verzieht das Gesicht, allerdings nicht wegen des Bauchwehs, sondern wegen des Gedankens an Kamillentee.
Doch Hops geht nicht nach Hause, er hoppelt zu seinen neuen Freunden, den Hühnern, die er gestern entdeckt hat. Auf seinem Rücken hat er einen Korb geschnallt, den er heimlich noch am vergangenen Abend an der Wegbiegung deponiert hatte.
Voll beladen kommt er kurz vor Schulschluss in der Osterhasenschule an.
„Geht es dir wieder besser?“, will der Vater wissen, der sich über Hops Erscheinen und den Korb auf dem Rücken seines Sohnes wundert.
„Ich habe alle unsere Probleme gelöst!“, erklärt Hops freudestrahlend. „Wir können in Urlaub gehen.“
Vorsichtig stellt er den Korb ab und lüftet sein Geheimnis.
Nachdem er das Tuch, das seinen Schatz abdeckt, gelüftet hat, sagt er stolz:
„Ich war bei den Zwerghühnern, die nicht weit von hier leben. Stell dir vor, die legen grüne Eier. Das spart uns die lästige und zeitraubende Anmalerei! Wir müssen die Eier nur noch kochen und verstecken. Also können wir uns schon übermorgen auf die faule Haut legen!“
Verwundert schaut Hops in das entsetzte Gesicht seines Vaters.
„Hops, ich glaube fast, du wirst nie ein richtiger Osterhase.“

 

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8 Kommentare

  1. Eine lustige Geschichte ist das, liebe Astrid. Ich mag Osterhasengeschichten. Früher konnten die Kinder in meiner Verwandtschaft nicht genug von meinen Geschichten bekommen. Immer wieder fragten sie mich, ob ich wieder Osterhasen unterwegs gesehen habe. – Und natürlich habe ich welche gesehen.

    Nun ist es bald wieder soweit, wo ich zum größten Osterbrunnen nach Schechingen fahren werde. (Ich nehme mir das fest vor) Da gibts jedes Mal lebensgroße Hasen, die jedes Jahr mit einem anderen Thema aufgestellt werden.
    Schau mal: https://www.schlossspross.de/fotogalerie/schechingen-osterbrunnen/

    Ich schicke dir liebe Grüße
    deine Traudi

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Traudi,
      ich habe mir natürlich sofort die Fotos vom Osterbrunnen angeschaut, – das ist ja der reinste Augenschmaus. Toll!
      Dieses Jahr könnte es passieren, dass die Osterhasen die Ostereier im Schnee verstecken. Das wäre gar nicht so schön. Zu Ostern gehören grüne Wiesen, den Schnee hätten wir uns für Weihnachten gewünscht. Naja, vielleicht haben wir ja Glück.
      LG
      Astrid

  2. hihihi liebe Astrid was für eine goldige Geschichte :-)), es zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht.

    Herzliche Wochenendgrüße
    Kerstin

    • Astrid Berg sagt

      Osterhasenkinder sind eben auch einfallsreich, wenn sie keine Lust auf das Ostereierbemalen haben. Dann brauchen sie einfach noch ein bisschen Zeit zum Spielen 😉 .
      Liebe Grüße
      Astrid

  3. Ich bewundere deine Gedanken und die lese sehr gern deine Geschichten… ich hoffe , das Hops doch noch ein richtiger Osterhase wird… es ist wie bei den Kindern…manche brauchen eben etwas länger…;)

    LG

    • Astrid Berg sagt

      Ich danke Dir, liebe Bärbel, für Deine netten Worte und freue mich, dass Du gerne meinen Blog besuchst.
      Bei Hops bin ich ganz zuversichtlich. Warten wir es ab, nächstes Jahr ist er schon ein bisschen reifer…;-) .
      Kinder sollte man fördern, aber nicht drängen.
      Ich wünsche Dir einen angenehmen Donnerstag und schicke herzliche Grüße
      Astrid

  4. Danke für die lustige Geschichte Astrid. Als Kind haben wir gern Osterhasen gemalt, ganze Geschichten wurde da gezeichnet.
    Grüne Eier bekomme ich auch manchmal, wenn ich bei Nachbars frisch gelegte hole. Weiße, braune, grüne – da kann man sich echt das Färben sparen 🙂
    Liebe Grüße von Kerstin – freuen wir uns langsam auf das Osterfest.

    • Astrid Berg sagt

      Als unser damals kleiner Sohn noch in die Grundschule ging, brachte mir die Mutter eines Klassenkameraden eines Tages grüne Eier von ihren Zwerghühnern mit. Ich war zunächst auch etwas verwundert über die wirklich hübsche Farbe.
      Vielleicht hatte Hops da gar keine so schlechte Idee. Das wäre möglicherweise eine Alternative für die bemalten hartgekochten Eier, die es inzwischen das ganze Jahr über in den Supermärkten gibt.
      LG
      Astrid

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