Für Kinder, Kurzgeschichten
Kommentare 10

Ungebetener Besuch

Heute bin ich einmal die Geschichtenerzählerin. Für alle die mich noch nicht kennen, darf ich mich kurz mit meinem Namen vorstellen: Lottchen.
Ich bin die einzige Katze hier im Hause und ohne eingebildet zu wirken, kann ich behaupten, dass ich allseits beliebt bin. Und das nicht nur bei meiner Menschenfamilie, sondern auch bei allen Nachbarn. Ich bin immer herzlich willkommen. Als Dankeschön lege ich dem einen oder anderen auch gerne mal ein kleines Geschenk vor die Tür. Ich bin mir allerdings nicht immer so sicher, ob sie sich wirklich darüber freuen und es zu schätzen wissen. Neulich zum Beispiel habe ich beobachtet, was der Nachbar mit meinem Geschenk gemacht hat.
„Schaut mal, was uns Lottchen gebracht hat. Wollt ihr es haben?“, rief er lachend über den Gartenzaun zu Frauchen und Herrchen rüber. Dann entsorgte er mein Geschenk in der Mülltonne.
Aber ich schweife vom Thema ab, denn ich wollte eigentlich von einem Gast in meinem Zuhause berichten, der immer wieder herein kommt. Mein Frauchen hat mal erzählt, dass sie einen Spruch über einen ungeliebten Besucher gehört hat. Wenn ich mich richtig entsinne, dann lautete er folgendermaßen:
„Wenn du ihn vorne zur Tür rausschmeißt, dann kommt er hinten wieder zur Tür rein.“
Fast genauso ist es mit Dreibein, von dem mein Frauchen ja auch schon mal berichtet hat. Nur verhält es sich mit Dreibein so, dass er zur Hintertür herein kommt und vorne zur Haustür wieder rausgeworfen wird. Ihr meint, das sei unhöflich?! Dann kennt ihr meinen Dreibein nicht.
Im Grunde genommen ist er ja auch manchmal mein Freund. Die Betonung liegt auf manchmal. Im Sommer kommt er oft und holt mich zu einem kleinen Streifzug ab. Hin und wieder lässt er sich auch einfach nur neben mir nieder und wir dösen ein bisschen in der Sonne.
Immer jedoch, wenn er vorbei kommt, frisst er aus meinem Napf. Meistens stört mich das gar nicht, aber der Kerl ist so verfressen, dass er sich den Bauch oft auch zu voll schlägt. Dann kotzt er es mir einfach wieder vor die Füße und verschwindet. Das hat er auch schon mal bei uns im Keller gemacht und ich bekam dann den Ärger. Das ist doch echt ein starkes Stück. Aber das Größte hat er sich neulich geleistet.
Ich lag wieder einmal so schön gemütlich auf meinem Sessel in der Diele. Ja genau, mein Sessel. Sonst sitzt dort nämlich niemand, nur manchmal das Herrchen und dann darf ich auf seinen Schoß.
Ich döste also so vor mich hin, da hörte ich ganz leise ein Tapsen. Ich blinzelte. Und was sah ich? Dreibein schlich sich gerade durch den Flur in Richtung Küche.
„Er weiß genau, dass dort immer ein Fressnapf für mich steht“, dachte ich. Das war mir aber jetzt so etwas von egal. Ich wollte nur weiter schlafen und träumen. Doch dann hörte ich Geräusche aus der Küche, die mich doch etwas verwunderten und mich dazu auch noch neugierig machten.
„Schau mal, wer da ist!“, meinte mein Herrchen zu Frauchen.
„Ach, hallo Dreibein! Bist du auch schon wieder da?!“, fragte mein Frauchen. „Du bist ein kleiner Nimmersatt. Pass auf, dass du dich nicht überfrisst!“
„Pah!“, dachte ich. „Der ist doch schon wieder an meinem Futter. Hoffentlich kotzt er nicht gleich.“
Und dann hörte ich ein Fauchen. Und ein mir fremdes Fauchen. Ich fragte mich, ob da noch eine Katze in der Küche war. Das machte mich jetzt aber mehr als nur neugierig. Also verließ ich leise meinen Ruheplatz und schlich mich auf Samtpfoten in die Küche. Ihr werdet es nicht glauben, denn auch ich traute meinen Augen nicht: Herrchen und Dreibein fauchten einander an.
„Wieso fauchst du ihn an?“, fragte Frauchen verwundert und sprach damit die Frage aus, die auch ich mir stellte.
„Ich blase ihn an und fauche ein bisschen, denn ich habe gelesen, dass man so zeigt, wer der Mächtige ist. Er hat zu kapieren, dass er mich gar nicht erst anfauchen soll. Ich bin der Mächtigere.“
„Du brauchst nicht zu fauchen, Herrchen“, sage ich. „Der ist sowieso feige und haut gleich wieder ab.“
Leider hörte mich Herrchen nicht und so fauchten die Beiden sich an.
Mir wurde es hier doch zu gefährlich und ich zog ab. Einer handfesten Auseinandersetzung wollte ich nicht beiwohnen und vielleicht dadurch auch noch zwischen die Flanken geraten. Nein, auf gar keinen Fall!
In der Diele, wo die alte Nähmaschine (In die Jahre gekommen) steht, ließ ich mich nieder. Hier war ich in Sicherheit und konnte das Geschehen trotzdem genau verfolgen.
„Lass mal!“, hörte ich Frauchen sagen. „Ich weiß schon, wie er wieder den Weg nach draußen findet.“
Sie stellte sich ganz dicht hinter Dreibein und dieser ging ein paar Schritte vor. Wieder stellte sie sich hinter ihn und er ging vorwärts. So marschierten die Zwei in Richtung Haustür, die Frauchen öffnete, Dreibein über die Schwelle humpelte, sich dann hinsetzte und sie aus großen Augen ansah.
„Dieser verfressene Kerl!“, überlegte ich. „Der will jetzt auch noch Leckerlies. – So geht das aber auch nicht. Immerhin bin ich hier die Katze im Haus und Frauchen und Herrchen sind meine Bediensteten. Also gehören mir die Leckerlies“, ließ ich ihn wissen.
Blitzschnell huschte ich aus meinem sicheren Versteck und tapste auch durch die Türöffnung nach draußen.
„Jetzt will ich doch mal sehen, wer hier was bekommt!“, fauchte ich ihm zu und schaute dann mein Frauchen mit großen bittenden Augen an.
Was soll ich sagen? Es funktionierte. Frauchen gab zuerst mir ein paar Krümelchen und dann legte sie auch für Dreibein etwas hin. Doch der schien inzwischen die Lust verloren zu haben.
Er fauchte kurz zu mir ein „Na warte, ich komme wieder!“ und schon war er verschwunden.
„Undankbarer Kerl! Kommt ungebeten hier herein, frisst mein Futter und verschmäht dann auch noch die Leckereien, die man ihm freundlicherweise anbietet“, dachte ich.
„Wo willst du jetzt hin?“, rief ich ihm noch nach.
„Drüben zu den Nachbarn, die haben auch immer ein paar Leckerbissen für mich!“
„Warte! Ich komme mit!“

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Katzenalarm

Purzel

Lottchen & Brummbär Max auf Verbrecherjagd

 

 

10 Kommentare

  1. Liebe Astsrid,
    was für eine reizende Geschichte. Ich bin ganz begeistert.
    Es ist aber wirklich schön, ass Dreibein auch etwas zu
    Fressen bekommt. Vielleicht hat er es nicht leicht!
    Ein geruhsames Wochenende wünscht dir
    Irmi

    • Astrid Berg sagt

      Dreibein geht es eigentlich ganz gut. Er ist schon seit einigen Jahren bei unserer Nachbarsfamilie, die ihn aus dem Tierheim geholt hatte. Er kommt regelmäßig bei uns vorbei und bekommt auch immer etwas zu fressen oder ein paar Leckereien. Heute zum Beispiel hatten wir regen Besuch. Dreibein war insgesamt dreimal da und auch eine andere Nachbarskatze schaute vorbei und forderte ein paar Leckerlies ein.
      Liebe Abendgrüße
      Astrid

  2. Liebe Astrid,
    ähnliche Gedanken könnten wohl unserer Nina oder unserem Maxwell durch den Kopf gehen, wenn Gastkater Austria zu Besuch kommt. Er kriegt hier schließlich auch immer wieder Futter – und manchmal die heiß begehrten Leckerlis. Aber ich denke, bei uns (und auch bei euch) kommt keine Mieze zu kurz – und übrigens, unsere gehen ebenfalls häufig zu den Nachbarn, um sich etwas Leckeres zu organisieren 😉
    Süße Geschichte!
    Herzliche Rostrosen-Wochenendgrüße, Traude

    • Astrid Berg sagt

      Unser Lottchen schleckert bei den Nachbarn auch gerne ein bisschen Katzenmilch oder fordert ein Stückchen von der leckeren gegrillten Wurst. Mit den großen bittenden Katzenaugen bekommt sie auch immer etwas ab :-). So ist das eben,- alle füttern alle Nachbarskatzen ;-).
      LG
      Astrid

  3. Hallo Astrid, oh sorry, Lottchen meinte ich natürlich 😉

    Deine Geschichte hat mir gut gefallen, schon interessant was Du alles erlebst. Bei uns kommen solche Gäste meist nur in den Garten, wenn sie nicht aus dem Mund rückwärts zu Essen pflegen, dann freue ich mich meist drüber 😉

    Ein schönes Bild, wo Du auf der Nähmaschine sitzt.

    Ich grüße Dich
    Björn 🙂

    • Astrid Berg sagt

      Hallo Björn,
      unter der Nähmaschine habe ich mich sicher gefühlt und konnte trotzdem alles beobachten. 🙂
      Ich schicke liebe Grüße an Dich und die Katzen, die Dich im Garten besuchen kommen.
      Lottchen
      P.S. Frauchen Astrid schickt auch viele Grüße

  4. Eine wunderschöne Geschichte. Hast du denn noch ein Leckerli bekommen? Meine Katze hat früher auch die ein oder andere Geschichte zu erzählen gewusst und ich bin mir sicher, dass das ein oder andere Leckerli dabei eine Rolle gespielt hat 😉

    • Astrid Berg sagt

      Wenn ich von meinen Streifzügen zurück komme, dann erzähle ich meinem Frauchen auch immer ganz viel. Aber die Leckereien, die ich von den Nachbarn bekomme, verschweige ich, denn sie soll mir ja auch noch was Leckeres geben ;-).
      LG von Lottchen und Astrid

  5. Das ist ja witzig liebe Astrid. Ob ich auch mal fauchen sollte? Sohnemanns Theo hat nämlich gerade heut das Futter vom Mauz weggefressen. Das war wohl zu viel, denn er kotzte es auch in die Küche 🙂 Es ging wohl nichts mehr rein in den Katzenmagen 🙂
    Liebe Grüße von Kerstin.

    • Astrid Berg sagt

      Wie sich die lieben Schmusekatzen doch so gleichen.
      Wir bekommen momentan ständig ein Geschenk von unserer Katze, allerdings sind wir darüber gar nicht erfreut. Die letzten beiden Male war auch kein Rettungsversuch mehr möglich. Da muss man leider erkennen, dass unsere Lieben nicht nur Schmusekatzen, sondern auch kleine Raubtiere sind. Uns tun die süßen Mäuschen immer leid, aber so ist es eben in der Natur.
      Liebe Abendgrüße
      Astrid

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.