Weihnachten & Ostern
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Osterhasenabenteuer

Meine Mutter hat noch einige Schulhefte aus meiner Grundschulzeit aufgehoben. In einem Heft aus der zweiten Klasse fand ich zwei Texte, aus denen ich Euch heute eine kleine Geschichte gebastelt habe. An deren Ende findet Ihr die handgeschriebenen Originaltexte. Doch lest erst einmal meine Geschichte, denn ich bin gespannt, ob Ihr des Rätsels Lösung findet.

Hopsi ist ein kleiner Osterhase. Nein, das ist nicht ganz korrekt, denn Hopsi ist noch kein richtiger Osterhase. Er geht noch in die Osterhasenschule. Deshalb ist Hopsi ein Osterhasenschüler. Er muss noch viel lernen, alle die Dinge, die ein richtiger Osterhase wissen und können muss. Ja, jetzt denkt ihr natürlich an das Färben und Bemalen der Eier. Klar, das machen die Osterhasenkinder im Malunterricht. Das macht ihnen viel Spaß und es ist jedes Mal eine riesige Kleckserei. Der Osterhasenlehrer ermahnt immer wieder:
„Kinder, Kinder! Bleibt schön ruhig sitzen und seid ganz vorsichtig, dass Euch der Farbtopf nicht herunter fällt.“
Bei der ganzen Aufregung und Begeisterung seiner Schüler ist das nämlich schon mehr als nur einmal passiert.
„Vorsicht Fritzchen, pass auf den Pinsel auf, sonst liegt er wieder im Farbtopf wie das letzte Mal. Und du Hopsi schaukle nicht mit dem Stuhl. Emmalein, das Ei ist doch kein Ball, also wirf es nicht in die Luft!“
Aber der Herr Lehrer muss nicht nur ermahnen, er hat auch viele liebe und lobende Worte für seine Schüler. Am Ende der Malstunde zeigt ihm nämlich jedes Osterhasenkind die bunt bemalten Ostereier.
„Das habt ihr alle sehr schön gemacht und zur Belohnung gehen wir jetzt auf die Wiese und spielen Verstecken.“
Dieses Spiel ist für einen zukünftigen Osterhasen sehr wichtig, müsst ihr wissen. Ein Osterhase muss ja die besten Verstecke kennen. Und wie findet man die? Genau, indem man Verstecken spielt. Aber auch Haken schlagen muss gekonnt und gelernt sein und manchmal muss ein Osterhase auch schnell wegrennen können. Das alles wird in der Osterhasenschule geübt und noch vieles mehr.
Wenn alle vom vielen Bewegen ganz außer Puste sind, dann ruft der Lehrer seine Osterhasenschüler zu sich in die hinterste Ecke der Wiese. Dort steht nämlich ein großer Tisch und zwei Bänke. Artig nehmen die Häschen Platz und jeder bekommt eine große leckere Karotte. Da wird geknabbert und geplappert, gelacht und geschmatzt.
Fritzchen erzählt dem Lehrer und seinen Mitschülern, was ihm gestern nach dem Schulunterricht auf dem Heimweg so passiert ist:
„Ich bin gerade so schön über das Feld gehoppelt, da kam ein kleiner Hund. Er war seinem Herrchen davon gelaufen und hat mich plötzlich entdeckt.“
Die Ohren seiner Mitschüler stehen hoch in die Luft gerichtet und alle schauen ihn gespannt an.
„Hast du Angst gehabt?“, fragt Emmalein mitfühlend.
„Ja ganz viel“, gibt Fritzchen ehrlich zu. „Deshalb bin ich auch ganz schnell weggerannt, aber der Hund lief immer hinter mir her.“
„Oh! Und dann?“, will Tapsi wissen.
„Ich bin immer schneller gelaufen und auf einmal sah ich einen Bach vor mir. Und da musste ich an die Schule denken und was der Herr Lehrer uns beigebracht hat. Blitzschnell habe ich einen Haken geschlagen. Der Hund war mir ganz dicht auf den Fersen, aber er konnte nicht so schnell wie ich einen Haken schlagen oder stehen bleiben, deshalb ist er weiter geradeaus gelaufen. Ich habe nur noch gehört, wie es Platsch gemacht hat und er lag im Bach.“
Jetzt freuen sich alle über Fritzchens Klugheit und Geschicklichkeit. Über den Hund aber müssen sie tüchtig lachen.
„Prima, liebes Fritzchen, das hast du schon so gut gemacht wie ein richtiger Osterhase“, lobt der Herr Lehrer ihn und gibt ihm zur Belohnung eine Extramöhre.
„Darf ich auch noch etwas erzählen?“, erkundigt sich Hopsi.
Als der Herr Lehrer aufmunternd nickt, beginnt Hopsi zu erzählen.
„Mir ist da am Dienstagmittag etwas ganz Schreckliches passiert. Am Dienstag hat doch die Sonne so schön gescheint und ich hatte keine Lust auf meine Hausaufgaben. Meine Eltern und Geschwister waren bei meiner Hasenoma und ich wollte auch zu ihr. Also bin ich einfach raus auf das große Feld gelaufen und bin in die Richtung, wo das Häuschen meiner Hasenoma im Wald steht, gegangen.“
Inzwischen ist es mucksmäuschenstill. Alle wollen wissen was doch dem kleinen Hopsi so Schreckliches widerfahren ist.
„Die Sonne war schön warm und sie schien mir direkt ins Gesicht. Ich lief der Sonne einfach entgegen und über das große Feld. Plötzlich bemerkte ich ein merkwürdiges Tier mit zwei großen Hörnern hinter mir. Es verfolgte mich die ganze Zeit. So ein Tier hatte ich noch niemals gesehen. Es war mir total unheimlich zumute und ich hatte ganz fürchterliche Angst.“
„Hast du auch einen Haken geschlagen wie Fritzchen?“, fragt Tapsi.
„Psst!“, machen die anderen. „Lass einfach Hopsi erzählen!“
„ Dieses merkwürdige und bösartige Tier lief immer noch hinter mir her. Es verfolgte mich und ich war mir sicher, dass es mich fressen wollte. Ich bin immer schneller gelaufen. Bis ich endlich zum Wald kam, in dem meine Hasenoma wohnt. Als ich im Wald war, war das böse Tier auf einmal verschwunden. Ich sage Euch, wenn ich nicht so schnelle Beine gehabt hätte, dann wäre ich jetzt nicht mehr hier. Das böse unheimliche Tier hätte mich ganz einfach aufgefressen.“
Hopsi blickt in die angsterfüllten Augen seiner aufgeregten Mitschüler. Aber als er zum Herrn Lehrer blickt, bemerkt er ein breites Grinsen in dessen Gesicht.
„Ich glaube nicht, dass du aufgefressen worden wärst“, erklärt er Hopsi.
„Doch, doch! Es war ein ganz gefährliches und schnelles Tier mit zwei riesigen Hörner, das habe ich doch schon erzählt“, beteuert der arme Hase.
„Ja, du hast aber ganz am Anfang Deiner abenteuerlichen Geschichte auch noch etwas ganz anderes erzählt, lieber Hopsi.“
Der Hasenlehrer blickt in die Runde und fragt:
„Na, wer hat genau aufgepasst und wer kann uns des Rätsels Lösung nennen?“
Die Osterhasenschüler tuscheln untereinander und schauen zwischendurch immer wieder ratlos zum Herrn Lehrer. Dieser meint nur:
„Ich gebe Euch noch einen kleinen Tipp: Denkt an die Sonne!“
Jetzt schnellt blitzartig das Pfötchen des Oberstreberhasen Julius in die Höhe.
„Ich weiß es, ich weiß es, Herr Lehrer!“, ruft er in die Runde.
„Es war sein Sch…!“
„Psst!“, sagt jetzt der Hasenlehrer, „lass die anderen noch ein bisschen überlegen.“

 

 

Und das stammt aus meinem Schulheft aus der 2. Klasse:

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Leider weiß ich nicht, woher damals diese Texte stammten. Der erste Text war anscheinend ein Diktat, da es eine Nummer trägt und ich auch die Note „eins“ hierfür erhalten habe, der zweite war möglicherweise nur eine Abschrift oder eine Diktatübung, aber daran kann ich mich nicht mehr erinnern.

 

Ich wünsche Euch ein schönes Osterfest mit recht viel Frühlingssonne und ganz vielen bunten Ostereiern. Lasst es Euch gutgehen und seid herzlich gegrüßt.

Eure Astrid Berg

1200px sorbische Ostereier. JPG

Vielleicht möchtet ihr noch diese Geschichten lesen:

Das fliegende Ei

Sorbische Ostereier

Ich hab‘ da eine kleine Macke

20 Kommentare

  1. Guten Morgen, liebe Astrid, was für eine schöne Geschichte. Und auf den Schatten bin ich auch gekommen bevor ich hierher kam. (zwinkern)
    Ich wünsche dir und deiner Familie ein wunderschönes gemütliches Osterfest mit vielen bunten Eiern.
    Herzliche Grüße, Lore

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Lore,
      na, da hätte ich mich auch gewundert, wenn niemand auf den Schatten gekommen wäre. Meine Frage nach des Rätsels Lösung war auch mit einem Augenzwinkern gestellt 😉 .
      Ich hoffe, Du hattest ein schönes Osterfest und nun auch einen guten Start in die neue Woche.
      Schön, dass Du hier warst!
      Ganz herzliche Grüße
      Astrid

  2. Hallo liebe Astrid,
    das ist wirklich eine schöne Geschichte. Und wenn ich deine tolle Handschrift aus der Schulzeit sehe, dann kann ich direkt neidisch werden. Wobei ich annehme, dass meine in der zweiten Klasse auch noch ganz brauchbar war. Darauf wurde ja sehr geachtet.
    Ich wünsche dir ebenfalls ein frohes Osterfest. Leider sind die Wetteraussichten nur für morgen einigermaßen erfreulich. Na ja, wir müssen es auch diesmal wieder nehmen, wie es kommt.
    Und rate mal, was ich zwischenzeitlich (zwischen lesen und kommentieren) gemacht habe? Ich habe etwas über Fotografie und Schattenwurf nachgelesen 😉

    Herzliche Grüße
    Elke

    • Astrid Berg sagt

      Hallo liebe Elke,
      ich habe mich jetzt echt gefreut, nämlich darüber, dass ich mit meiner Geschichte sozusagen Deinen Wissensdurst angeregt habe 🙂 .
      Meine Handschrift ist heute auch noch recht ordentlich, allerdings sehr viel mehr ausgeschriebener. Im Studium hat sie damals zwar etwas gelitten, bedingt durch die vielen schnellen Mitschriften während den Vorlesungen, aber sie hat sich wieder erholt. 🙂
      Ich hoffe Du hattest ein schönes Osterfest, trotz nicht ganz so berauschendem Wetter.
      Sei herzlich gegrüßt
      Astrid

  3. Liebe Astrid,
    ist es nicht interessant, wenn man mal wieder etwas zur Hand nehmen kann, das schon so lange zurück liegt? Jedenfalls hast du mich dazu angeregt gleich einmal in den Keller zu gehen. Dort liegen noch 2-3 alte Schulhefte von mir und ich möchte gerade dringend einmal hinein sehen.
    Liebe Ostergrüße, Emily

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Emily,
      es ist so schön in alten Erinnerungen zu stöbern. Und die eigenen alten Schulhefte in die Hand zu nehmen und darin zu lesen, ist etwas ganz Besonderes. Manchmal ist es gar nicht so verkehrt ein paar Dinge aufzuheben.
      Ich hoffe, Du hattest ein schönes Osterfest und schicke Dir liebe Grüße
      Astrid

  4. Liebe Astrid, deine Geschichte gefällt mir, egal wo sie herstammt. Über den Schatten habe ich nicht nachgedacht sondern nur, dass du wahrscheinlich eine gute Schülerin warst.
    Wünsche dir und Familie, ein wundervolles Osterfest mit viel Sonne.
    Herzliche Grüße sendet dir Margot.

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Margot,
      wir hatten trotz nicht ganz so gutem Wetter ein schönes Osterfest. Ich hoffe doch, dass auch Dein Osterfest schön war.
      Ich habe mich richtig gefreut, meine alten Schulheft entdeckt zu haben. Aus den aufgeschriebenen Texten eine Geschichte für Euch zu schreiben, hat mir ebenfalls sehr viel Spaß bereitet.
      LG
      Astrid

  5. Tja der eigene Schatten.
    Liebe Astrid, wieder schwungvoll erzählt.
    So kleine Hasen leben echt gefährlich.
    Danke, auch dir und deinen Lieben gesegnete Ostern
    deine Bärbel

    • Astrid Berg sagt

      Zum Glück lernen sie in der (Oster-)hasenschule alle notwendigen Tricks, um gar mancher Gefahr zu entkommen. So zum Beispiel das berühmte Hakenschlagen 🙂 .
      Ich hoffe, Du hattest ein schönes Osterfest.
      LG
      Astrid

  6. Liebe Astrid, sei herzlich gegrüßt.
    Eine nette Ostergeschichte.
    Ich wünsche Dir ein schönes Osterfest.
    Meine Schreibhefte und Rechenhefte, so wie die Fibel und der Bleistiftkasten von der 1. Klasse, hatte ich noch 15 Jahre, aber dann weiß ich nicht, wo alles geblieben ist. Schade, mit dem Umzug irgendwie verschwunden. Auch meine Schulmappe habe ich nicht mehr.
    Es weckt viele Erinnerungen, wenn man mal wieder seine Schulsachen anschauen kann.
    Alles Gute, Brigitte

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Brigitte,
      meine Mutter hat zum Glück viele solcher Erinnerungsstücke gehütet und für mich aufgehoben. Ich schätze mal, dass bei unseren Umzügen sonst auch einige Dinge untergegangen wären. Ich mache es ihr jedoch gleich und hebe einige Dinge für unseren Sohn auf, die ihm auch gar manche Erinnerung bewahren soll.
      LG
      Astrid

  7. Liebe Astrid,
    gut, dass deine liebe Mutter diese Schulhefte aufgehoben hat.
    Eine wunderschöne Geschichte.
    Einen besinnlichen Karfreitagabend wünscht dir
    Irmi

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Irmi,
      dafür bin ich meiner Mutter auch dankbar, denn solche Erinnerungen sind einfach wertvoll, zumindest für mich persönlich. Dinge die in Vergessenheit geraten sind, tauchen plötzlich wieder vor dem (geistigen) Auge auf und schenken eine ungeahnte Freude. Ich finde, dass solche Erinnerungen ein Stückchen Leben oder bestimmte Lebensabschnitte wieder zurückbringen und Glücksmomente schenken.
      LG
      Astrid

  8. Liebe Astrid,
    das sind ja ganz entzückende Erinnerungen aus der Schulzeit – von dir „hübsch aufgearbeitet“! :o))
    ☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼
    Herzliche Rostrosige Oster-Grüße
    von der Traude
    rostrose.blogspot.co.at/2016/03/liebste-ostergrue-und-musterhafte.html

    (⁀‵⁀,) ✿
    .`⋎´✿✿¸.•°
    ✿¸.

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Traude,
      es hat mir sehr viel Freude bereitet aus meinen Erinnerungsstücken eine Geschichte zu kreieren. Ich freue mich, wenn sie Euch gefallen hat.
      Ich hoffe Du hattest ein schönes Osterfest im Kreise Deiner Familie und schicke Dir liebe Grüße
      Astrid

  9. Also erst dachte ich, er meint eine Kuh. Aber sie folgte ihm ja – musste wohl doch der Schatten sein 🙂
    Danke für die lustige Geschichte.
    Ich wünsche auch Dir und Deiner Familie noch ein buntes Osterfest.
    Viele Grüße von Kerstin.

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Kerstin,
      eine Kuh hätte sicherlich nicht die Geschwindigkeit mithalten können, mit der der Hase aus lauter Angst vor dem merkwürdigen Tier davon gerannt ist. Sein Schatten allerdings, war ihm dicht auf den Fersen 🙂 .
      Bunt und unterhaltsam war unser Osterfest, allerdings vom Wetter her gesehen nicht ganz so strahlend, denn die Sonne hat sich rar gemacht.
      LG
      Astrid

    • Astrid Berg sagt

      Hallo Klaus,
      ruckzuck war das Osterfest vorbei und wir marschieren dem April entgegen. Wettermäßig hatten wir ja schon einen etwas eigenwilligen Monat, vielleicht wird der April dann doch nicht ganz so launisch. Hoffentlich!!!
      LG
      Astrid

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