Meine Plauderecke
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Das Urlaubsgeschenk

Wenn ich jemand etwas schenke, dann tue ich das gerne. Ich verschenke beispielsweise nur Dinge, die mir selbst auch gefallen. Ich möchte mit dem Geschenk jemand eine Freude machen und hege dabei keinerlei Hintergedanken. Ich erwarte keine Gegenleistung dafür, sonst wäre es eine Art der Bezahlung und kein Geschenk.
Manchmal verschenke ich etwas aus einer Laune heraus und ohne einen großartigen Anlass und ich freue mich, wenn der Beschenkte sich freut. Schenken ist also etwas, das beiden Seiten Freude bereiten sollte.
Wenn wir am Meer Urlaub machen, dann haben wir uns angewöhnt, vor Ort eine Luftmatratze zu kaufen. Am letzten Tag suchen wir uns dann ein Kind oder eine Familie aus, die noch länger am Urlaubsort verweilt und schenken dem / den Betreffenden die Luftmatratze. Wir wollen uns nicht mit unnötigem Gepäck belasten und die betreffende Person kann noch einen Nutzen daraus ziehen, bzw. hat seinen Spaß mit der Matratze im Meer oder im Pool.
Kinder sind hierbei sehr spontan und nehmen gerne das Geschenk an. Erwachsene schauen zuerst zwar etwas skeptisch, nehmen allerdings dann auch gerne die Matratze und paddeln damit davon.
Dieses Mal hatten wir am letzten Abend jedoch noch etwas anderes zu verschenken, bevor wir am nächsten Tag abreisen wollten.
Wir waren schon zum dritten Mal im selben Hotel abgestiegen und mittlerweile so etwas wie Stammgäste. Zur Begrüßung brachte man uns eine Flasche Sekt auf das Zimmer. Ich finde das ist eine sehr nette Geste der Hotelleitung, obwohl wir nicht die Sekttrinker schlechthin sind. Allerdings hatte ich in diesem Urlaub auch noch Geburtstag und so hoben wir uns den Sekt zum mitternächtlichen Anstoßen zu diesem besonderen Anlass auf.
Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnten, war die Tatsache, dass wir ein paar Stunden später wiederum eine Sektflasche mit zwei Gläsern in unserem Zimmer als Geburtstagsgeschenk vom Hotel vorfinden würden.
Nun gut, irgendwann würden wir vielleicht in diesem Urlaub noch einmal mit Sekt anstoßen. So dachten wir zumindest. Doch am letzten Abend stellten wir fest, dass die Flasche immer noch unangetastet und verschlossen im Kühlschrank stand.
Also schnappten wir uns die Flasche und wollten sie verschenken. Ein Ehepaar, mit dem wir uns im Urlaub angefreundet hatten, war bereits einen Tag zuvor abgereist. Aber das Hotel war gut besucht und es dürfte nicht schwer sein, die Flasche loszuwerden.
Ja, so dachten wir.
Wir suchten uns zwei Frauen aus, die immer abseits der anderen Gäste innerhalb des Hotels saßen und dachten, sie würden sich über unsere Geste sicherlich freuen.
Weit gefehlt. Sie schauten uns fast erschrocken und mit großen Augen an. Nein, nein sie wollten den Sekt nicht haben.
Dachten sie etwa sie sollten ihn uns abkaufen? Wir beteuerten, dass wir die Flasche einfach nur so verschenken möchten. Nein, sie wollten den Sekt nicht.
Nun gut. Also schauten wir uns weiter im Hotel um.
In einer Ecke saßen zwei ältere Paare, die sich unterhielten. Wir traten an den Tisch und brachten unser Anliegen vor.
Ich konnte die Welt nicht mehr begreifen, denn auch sie lehnten ab. Was war denn los? Wir wollten weder eine Versicherung verkaufen, noch irgendeine Gegenleistung. Wir wollten lediglich jemand eine Freude machen, indem wir ihm oder ihnen die Flasche Sekt schenkten. Auch handelte es sich nicht um Antialkoholiker, denn sie hatten jeder ein alkoholisches Getränk vor sich stehen.
Wir waren nach dieser zweiten Ablehnung schon irgendwie geschockt und fühlten uns, als hätten wir etwas verbrochen. Wir wollten doch niemand ein Leid zufügen, sondern nur ganz ohne irgendeinen Hintergedanken oder eine Gegenleistung etwas verschenken. Stattdessen schaute man uns an, als wären wir von einem anderen Stern gekommen und würden etwas vollkommen Verrücktes und Unmögliches von jemand verlangen. Wir verlangten gar nichts. Wir wollten etwas geben, kamen uns aber fast schon wie Bittsteller vor.
Seltsam. Sind die Menschen schon derartig misstrauisch geworden?
Nun gut, wir fanden noch eine kleinere Gruppe von Neuankömmlingen, die zwar auch erst skeptisch schauten, aber nach unseren Erklärungen und Beteuerungen, dass wir lediglich die Flasche Sekt verschenken wollen würden, diese endlich dankend annahmen. Einer der Männer stand auch sofort auf und organisierte Gläser. Wir zogen uns dann zurück, denn wir wollten ja noch nicht einmal mittrinken.
Uns gab dieses Ereignis wirklich zu denken, denn so etwas ist uns noch nie passiert.
Sind die Menschen so skeptisch geworden?
Schenkt man nicht einfach mal fremden Menschen etwas?
Gehört sich das nicht?
Passt es nicht in unser Weltbild?
Muss man sofort mit Misstrauen reagieren, wenn man einfach mal eben etwas geschenkt bekommt?
Was ist nur los, wenn man nicht mal mehr eine Kleinigkeit verschenken kann, ohne für verrückt erklärt zu werden?
Muss man sich jetzt schon dafür schämen, eine Kleinigkeit zu verschenken?

Mich würde interessieren, was Ihr zu dieser Begebenheit sagt. Lasst uns darüber plaudern.

 

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12 Kommentare

  1. Liebe Astrid,
    also ich hätte die Flasche Sekt sicher gern angenommen und ich bin ein wenig erstaunt darüber, das die Menschen so skeptisch sind bei einer so netten Geste eurerseits. Auch das mit der Luftmatratze finde ich eine richtig gute Idee!
    Herzliche Grüße
    Regina

    • Astrid Berg sagt

      Wenn wir die Luftmatratze einfach irgendwo in die Ecke stellen würden, dann würde sie sicherlich entsorgt werden. Also gucken wir uns immer jemand aus, von dem wir glauben, dass er mit der Luftmatratze Spaß hätte. Vielleicht reicht derjenige sie dann auch weiter.
      Liebe Freitagabendgrüße
      Astrid

  2. Liebe Astrid,
    ich staune ebenfalls, wie diese Leute reagiert haben. Ich hätte mich über die Flasche gefreut und angenommen.
    Dazu fällt mir eine Begebenheit ein, die ich vor einigen Wochen erlebt habe:
    Ich saß in der Fußgängerzone vor einer Eisdiele und schlemmte einen Riesen-Erdbeerbecher. Sowas mache ich sehr gerne, nimm mir ausgiebig Zeit dafür und beobachte die Passanten, die vorbeieilen oder gemütlich in Läden gehen um zu shoppen.
    Da kam ein (vermutlich) Obdachloser vorbei, der in Abfallbehältern wühlte, um wahrscheinlich Leergut zu ergattern. Die Plastiktüte sprach dafür. Dabei sah ich, wie er ein zerknülltes Alupapier aus dem Abfallbehälter herausnahm, auswickelte und in etwas hineinbiss. Danach trottete er weiter… – Mein Eisbecher war gerade aufgegessen und bezahlt und ich beeilte mich, diesen Mann zu erreichen. Ich sprach ihn an und bot ihm ein paar Euro, damit er sich etwas zu essen kaufen kann. Und was ich dann erlebte, konnte ich nicht verstehen. Er lehnte es strickt ab! Keine Chance, diese Euro diesem Mann zu verschenken. Er bedankte sich höflich und ging seinen Weg.

    Viele Grüße
    Traudi

    • Astrid Berg sagt

      Das ist ja auch eine seltsame Begebenheit, die Du schilderst. Ich kann mir nur denken, dass der Mann das angebotene Geld als Almosen empfunden hat. Eine andere Erklärung habe ich nicht. Er scheint vollkommen zufrieden damit zu sein, was er so in den Abfallbehältern findet und hat auch irgendwo seinen Stolz.
      Ich finde es aber toll, dass Du den Versuch gemacht hast, dem Mann etwas Geld zu geben. Das traut sich in dieser Art nicht jeder und war sehr lieb gemeint. Hut ab!
      Viele liebe Grüße
      Astrid

  3. da liebe Astrid bin ich allerdings auch baff erstaunt darüber!
    Hmmm…stimmt aber, die Menschen erwarten keine geschenke oder kleine Gesten von Fremden, reagieren eher ablehnend misstrauisch erstaunt und meinen oftmals man wolle eine gelegenleistung von ihnen!!! Ich habe keine AHNUNG WARUM das so ist.
    Ein geschenk ist ein geschenk und kommt mit Liebe und von herzen,es ist eine geste des gebens ohne nehmen – wollte man dafür eine Bezahlung erhalten würde man nichts ohne Anlass und Grund schenken – das scheinen viele vergessen zu haben.
    Unsere Welt und die menschen darin – haben sich schon erstaunlich und nicht nur zum Guten entwickelt das darf man wohl mittlerweile oft feststellen, ist traurig – aber wahr.
    ich beschenke ganz spontan gerne denn das Leuchten in den Augen das plötzlich erstaunte Lächeln ist mir Dank genug und ich fühle mich damit wohl…
    ♥lichst Angelface

    • Astrid Berg sagt

      Ich bin auch der Meinung, dass sich vieles in der Welt zum Nachteil verändert hat. Man wird skeptisch, wenn jemand etwas zu verschenken hat, weil man nach einem Haken bei der Sache sucht. Meist ist ja auch einer dabei,z.B. wenn das Telefon klingelt und jemand behauptet man habe gewonnen oder ein Versandhaus usw. verschenkt mal eben einen 10€ Gutschein, etc. … Wird man dann noch im Urlaub von fremden Menschen angesprochen, die eine Flasche Sekt einfach mal so verschenken wollen, da kann doch was nicht stimmen;-).
      Dabei will man demjenigen einfach nur eine kleine Freude bereiten. Ja, so etwas gibt es auch noch in unserer Welt.
      LG
      Astrid

  4. Von Fremden etwas annehmen – durften wir schon als Kinder nicht. 🙂 Aber im Ernst: Hat es vielleicht damit zu tun, dass es uns früher verboten wurde? Vielleicht kommt das in diesen Momenten hoch. – Ich kann mir schon vorstellen, dass es Menschen gibt, die ohne Gegenleistung nichts annehmen können. – Aber so richtig verstehen kann ich es auch nicht. – LG Martina

    • Astrid Berg sagt

      Möglicherweise könnten diese Ermahnungen der Eltern noch so fest in uns verankert sein. Wer weiß,- ein Fall für die Tiefenpsychologie ;-). Vielleicht haben manche Menschen auch schon zu viele schlechte Erfahrungen in ihrem Leben gemacht oder es mangelt ihnen an Vorstellungskraft, dass jemand ganz uneigennützig etwas verschenken möchte oder vielleicht auch, weil sie selbst nicht einfach fremden Menschen eine Flasche Sekt schenken würden oder …
      LG
      Astrid

  5. Mir ist so was noch nie passiert. Ich mein, dass mir jemand einfach so was schenken will. Wenigstens war die Flasche ja noch zu, so sollte man keine Bedenken haben, dass was hinein getan wurde.
    Die Sache mit der Luftmatratze finde ich schön. Aber irgend jemand muss sie dann entweder mit nach Hause nehmen oder da lassen zum Entsorgen.
    Liebe Grüße ins Wochenende von Kerstin.

    • Astrid Berg sagt

      Du bringst mich auf eine Idee 🙂 , vielleicht sollte ich mir mal eine Geschichte ausdenken, die das Leben einer von uns verschenkten Luftmatratze betrifft, hihi ;-).
      Wenn ich ehrlich bin, war ich ziemlich perplex, dass die beiden Frauen den Sekt nicht angenommen haben und erst recht verwunderlich fand ich es, dass auch die nächste Gruppe das Geschenk nicht annahm. Mir war es auch schon irgendwie peinlich und wahrscheinlich hätte ich alleine keinen dritten Versuch gewagt, sondern einfach dem Zimmermädchen den Sekt hingestellt.
      Liebe Grüße und einen schönen und hoffentlich nicht verregneten Samstag
      Astrid

  6. Christine R. sagt

    Liebe Astrid,
    ich muss ganz ehrlich zugeben: ICH hätte den Sekt auch abgelehnt. Aber nicht, weil ich misstrauisch wäre, sondern, weil ich keinen Alkohol mehr trinken darf – das verträgt sich nicht mit den Medikamenten, die ich einnehmen muss. Zumindest bei dem älteren Ehepaar wäre das vielleicht eine Erklärung. Nur hätte ich den Grund genannt, warum ich den Sekt nicht annehmen möchte.
    Ganz offensichtlich sind die Menschen es heutzutage nicht mehr gewöhnt, dass ihnen jemand irgend etwas schenken will – schon gar nicht, wenn es sich um Fremde handelt …
    Liebe Grüße – und gib Deine Versuche nicht auf. Böser Wille war es sicher nicht!
    Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag – hoffentlich ohne Regen!
    Christine

  7. Liebe Astrid, ich glaube bei Alkohol ist das so eine Sache. Ich hätte die Flasche in der Zimmerbar gelassen. Nachfolgende Gäste hätten die Flasche ohne weiteres geköpft . Die steht in der Bar, da gehört sie zum gemieteten Zimmer. Heutzutage ist es vielen Menschen peinlich ein Geschenk anzunehmen, was unverhofft kommt. Hab ich doch nicht nötig, ist die Devise. Also ich mache das auch nicht, weil ich mir blöd vorkomme, wenn eine Ablehnung kommt. Liebe Grüße Eva

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