Neueste Artikel

Zwischen zwei Regenschauern

Es ist Sonntag und es regnet schon den ganzen Tag. Mal mehr, mal weniger. Am Spätnachmittag hört es plötzlich auf und die Sonne lugt sogar manchmal zwischen den Wolken hervor.

Wir ergreifen die Gelegenheit und fahren in den Branitzer Park. Einen Regenschirm nehmen wir allerdings vorsichtshalber mit.

Als wir nach ein paar Autominuten dort ankommen, erwartet uns der Park in einem ganz besonderen Licht.

Seht Ihr die weißen Punkte auf dem Wasser? Sie kommen immer näher.

Majestätisch gleiten die beiden Schwäne

an uns vorbei. Es sind Hermann und Lucie (benannt nach dem Fürstenpaar).

Gut, dass sie nicht ans Ufer kommen, denn so schön sie auch sein mögen, sie flößen mir auch Respekt ein. Zu nahe möchte ich sie nicht an mich herankommen lassen.

Die Pyramide spiegelt sich im Wasser und über ihr ziehen die Wolken hinweg. Ein malerisches Bild zeigt sich uns.

Von uns aus gesehen rechts sieht man das Kreuz auf einem Grab. Hier befindet sich die letzte Ruhestätte von Fürst von Pückler und Fürstin Lucie Muskau.

Malerischer als in diesem Moment könnte sich der Park nicht zeigen.

Wir genießen, die Ruhe , das Licht und den Spaziergang durch den Park. Nur wenige Leute sind hier unterwegs, – im Grunde genommen haben wir diesen schönen Landschaftspark für uns.

Nur ein paar Meter weiter  ziehen dunkle Wolken auf.

Aber das ändert sich gleich wieder.

Gerade als wir einen Blick zum Schlosseingang hinauf werfen, beginnt es zu tröpfeln und wir müssen unseren Regenschirm aufspannen.

Ein letzter Blick zum Schloss hinüber.

Schnellen Schrittes setzen wir unseren Spaziergang mit Regenschirm fort.

Das Schloss liegt inzwischen schon weit weg, wir können den Regenschirm wieder schließen, aber am Ende unseres Spaziergangs will die Sonne schon langsam untergehen.

Auch heute durften wir feststellen, dass der Branitzer Park (Fürst Pückler Park) zu allen Jahres- und Tageszeiten einen Besuch wert ist. Uns hat es jedenfalls wieder einmal gefallen.

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Spaziergang durch den Branitzer Park

Ein Hauch von Winter

Ach, du lieber Schwan!

Tierparkgedanken

 

 

Na sowas!(1)

Berta und Mathilda sind schon seit Jahrzehnten befreundet. Kennengelernt haben sie sich einst auf einer Geburtstagsfeier. Die beiden Frauen waren sich sofort sympathisch. 
Damals wie heute geht ihnen der Gesprächsstoff nie aus.

Inzwischen sind Mathilda und Berta schon verwitwet. Da Bertas Haus zu groß für nur eine Person ist, zog Mathilda vor zwei Jahren kurzerhand zu ihr. So ist keiner allein, aber trotzdem hat jede von ihnen ihr eigenes Reich.
„Wollen wir uns wieder einmal ärgern?“, fragt Berta und hat ein Strahlen in den Augen.
„Von WIR ist hier wohl keine Rede!“, gibt Mathilda zurück. „Du ärgerst mich!“
„Ach komm, sei doch nicht so!“, beschwichtigt die eine Freundin die andere.
„Na gut, ich bin ja kein Spielverderber.“
Darauf hat Berta nur gewartet. Wie auf Kommando schnellt ihre rechte Hand hinter dem Rücken hervor. In dieser hält sie das altbewährte und allseits geliebte oder auch gehasste „Mensch-ärgere-Dich-nicht“-Spiel. 
„Du grün und ich gelb?“, fragt sie.
Mathilda nickt und holt ihre Brille aus dem Etui, damit sie genau sehen kann, ob die Freundin schummelt.
„Ich fang an“, ruft Berta begeistert aus. „Ich habe das letzte Spiel gewonnen.“
„Leider nicht nur das letzte Spiel“, gibt Mathilda zu. „Ich habe das Gefühl, dass mit deinem Würfel etwas nicht stimmt. Ich habe noch nie jemand kennengelernt, der so viele Sechser würfelt wie du.“
„Du kannst ihn gerne haben. Ich nehme dann deinen Würfel.“
Hoffnungsvoll nimmt Mathilda den Würfel entgegen und begutachtet ihn durch ihre Brille ganz genau. Leider muss sie feststellen, dass es nichts Auffälliges an ihm gibt.
„Ich fang schon mal an zu würfeln“, sagt Berta und schon rollt der Würfel dreimal hintereinander über den Tisch.
„Ha!“, sagt Mathilda hoffnungsvoll, denn bisher war kein Sechster dabei. Bei ihr aber leider auch nicht. Doch schon bei der zweiten Würfelrunde hat Berta die ersehnten sechs Augen auf ihrem Würfel ganz oben liegen. Sie geht mit ihrem Spielmännchen an den Startpunkt und als sei dies nicht genug, kommt der zweite Sechster gleich hinterher. Dieser berechtigt sie wiederum zum nochmaligen Würfeln, was Berta allerdings nur eine Eins beschert.
„Och!“, gibt sie enttäuscht von sich.
„Du brauchst dich doch nicht zu beschweren, ich bin noch gar nicht am Start“, entgegnet die Freundin, die den Würfel ganz sachte aus der Hand gleiten lässt. Allerdings vergeblich. Doch noch hat sie zwei Versuche. 
„Eigentlich kann ich noch keine Sechs gebrauchen“, denkt sie. „Das gelbe Spielmännchen steht kurz vor meinem Startpunkt. Es würde mich nur jagen. Lieber soll der Sechser erst kommen, wenn gelb vor mir ist. Dann wäre ich nämlich der Jäger.“
Leider gehorcht der Würfel nicht ihren Gedanken und Wünschen, denn der dritte Wurf berechtigt sie, sich an den Start zu begeben und danach einen Schritt voranzugehen.
„Oh nein! Jetzt bist du schon ganz dicht hinter mir und ich kann mich darauf gefasst machen, gleich wieder rauszufliegen.“
„Ach, Quatsch. Das würde ich dir doch nie antun“, meint Berta augenzwinkernd und würfelt eine Fünf.
Sie hat Wort gehalten und steht nun direkt vor Mathilda, die anscheinend von jetzt an Glück hat, denn im Nu ist sie mit allen Spielmännchen draußen.
„Heute gewinnst du!“, meint Berta und man hört ihre Frustration heraus.
„Das hab ich auch dringend nötig“, gibt ihr die Freundin zu verstehen und reibt sich im Geiste schon die Hände. Leider ist das Glück kein ständiger Begleiter und so wird sie schon in einer der nächsten Runden von ihrer Gegnerin herausgeworfen. Und als wäre das nicht genug, folgt der Herauswurf des nächsten Männchens kurz bevor sie es in Sicherheit bringen kann.
„Jetzt reicht es aber!“, beschwert sich Mathilda. „Von wegen, heute gewinne ich. Ich frage mich, wie du das machst?!“
„Gekonnt ist gekonnt!“, gibt ihr Berta lachend zu verstehen.
Langsam vergeht Mathilda die Lust, während die Freundin fröhlich vor sich hin würfelt und ihre Spielfiguren über das Brett sausen lässt.
„Eins, zwei, drei!“, zählt sie. „Und schon bist du weg!“
„Halt!“, ruft Mathilda aus. 
„Was? Bist du etwa ein schlechter Verlierer?“
„Nein, das nicht. Aber dein Würfel zeigt nur zwei Augen, keine drei!“
„Ach!“, zuckt Berta mit den Schultern. „Da hab ich mich wohl verguckt!“
„Setz mal deine Brille auf!“, kontert Mathilda. „Auf dich muss man aufpassen. Kann es sein, dass du schummelst?“
„Ich nein! Das käme mir nie in den Sinn!“
„Das hoffe ich!“, gibt Mathilda ihrer Freundin zu verstehen, würfelt und zieht an deren Männchen vorbei.
Heute gibt es sozusagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die Partie ist gerade so richtig spannend, als es plötzlich an der Haustür klingelt. Bertas Tochter Margit mit dem dreijährigen David ist für einen überraschenden Besuch vorbeigekommen. 
„Lass alles stehen, wir spielen nachher weiter! Merk dir, dass du dran bist“, meint sie, als sie mit David auf dem Arm ins Wohnzimmer kommt. Dieser hat seinen Teddy dabei, den er in seiner Hand hält und ihn Mathilda, die noch immer vor dem unvollendeten Spiel sitzt, geben will. Er reicht ihr mit ausgestrecktem Arm den Teddy hinüber.
„Vorsicht!“, ruft Margit, als dem Jungen der Teddybär entgleitet.
„Hoppla!“, ruft David erschrocken, als der Teddy auf dem Tisch landet.
„Oh nein!“, rufen die beiden Freundinnen, als das Stofftier bei seiner Landung das Spiel zerstört. 
„Wer hätte denn gewonnen?“, erkundigt sich Margit.
„Ich war so nah dran!“, antwortet Berta.
„Glaubst auch nur du! Ich hätte gewonnen!“, widerspricht Mathilda.
„Na sowas!“, sagt David. „Armer, armer Teddy!“

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Mensch ärgere dich nicht!

Wenn Zwei träumen

Hui!!!

 

Märzerinnerungen

Heute ist es zwar ein kalter Tag, aber trotzdem lässt sich das Blau des Himmels zwischen ein paar Wolken ganz deutlich erkennen. Als ich diese Handyaufnahme mache, sind es gerade erst 2 Grad.

März 2021

Aber mir fällt noch etwas anderes auf. Die Anzahl meiner Fotos, die auf dem Handy gespeichert sind, beläuft sich auf stolze 16.333. Ich sollte mal meine externe Festplatte zu Hilfe ziehen. Okay, aber das interessiert mich momentan kein bisschen. Vielmehr will ich wissen, was wir so in den letzten Jahren im Monat März alles unternommen oder erlebt haben.

März 2020

 

Zu dieser Zeit konnte man noch in ein Cafe gehen, aber Corona war schon ein Thema. Auch im Berliner Zoo waren wir, aber auch damals achtete man schon auf Abstand und hielt sich an die Hygieneregeln.

 

 

Sogar unsere Flugreise nach Teneriffa konnten wir am 11.3.20 noch antreten. Allerdings wurde dann bereits am 16.3. auch auf dieser spanischen Insel der Lockdown ausgesprochen. Wir waren auf unser Apartment

(zum Glück mit sehr großem Balkon) beschränkt, durften weder die Poolanlage benutzen, noch durften wir in der Anlage oder außerhalb spazieren gehen. Lediglich zum Supermarkt, Arzt oder zur Apotheke war der Gang erlaubt.

Am 19.3. sind wir mit dem letzten regulären Flug der Fluggesellschaft vorzeitig wieder zurück nach Deutschland geflogen. Allerdings ging dieser Flug nicht nach Berlin, sondern nach Düsseldorf.

März 2019

Hier landete mein Mann nach seinem ersten Tandemflug mit einem Gleitschirm. Er war vom Paragliding total begeistert. Ich habe unten auf ihn gewartet, denn ich bin ein kleiner Angsthase und habe mich nicht getraut.

Auf Teneriffa haben wir auch ein „umhäkeltes“ Haus entdeckt. Ich kann mich leider nicht mehr erinnern, wo es stand.

Mein Mann meinte gerade: „Das Haus war in Puerto de la Cruz.“

 

 

Jedes Jahr im März kommt für Lottchen auch der Tag, an dem wir sie leider in ihren Transportkorb einsperren müssen. Sie mag das ganz und gar nicht und beginnt auch sofort zu jammern, nachdem der Motor unseres Autos gestartet wird. Unsere Fahrt geht dann zum Tierarzt, wo sie ihre jährliche Impfung bekommt.

März 2018

Ein Spaziergang im Branitzer Park ist zu allen Jahrzeiten lohnenswert, auch im März. Könnt ihr die Schneereste erkennen? Die Aufnahme entstand am 20.3. 2018.

Auch in diesem Jahr waren wir auf Teneriffa und haben dort den Karnevalsumzug erlebt.

Da der Ostersonntag 2018 auf den 1. April fiel, war im März drinnen und draußen alles österlich geschmückt.

Sogar einen Osterbrunnen haben wir in Hessen (Echzell) entdeckt.

 

 

 

 

 

 

In den Potsdamer Arkaden fand von März bis April eine wunderschöne Ausstellung mit riesigen Ostereiern statt.

 

 

 

 

 

 

 

Noch ist er März 2021 nicht vorbei. Wir beginnen erst die zweite Märzwoche. Wir hatten schon richtig herrliche Frühlingstage, aber auch der Winter will anscheinend noch einmal mit Schnee vorbeikommen. Lassen wir uns überraschen.

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Zuviel des Guten

Ein Tässchen Kaffee gefällig?

Das Sofa in der Küche

 

 

Himmelblau

Mir ist heute ein bisschen zum Plaudern.

Kommt mit, ich mache einen Spaziergang. Das Frühlingswetter lockt mich hinauf zum Spreedamm.

Einige Bäume haben wohl Wind- bzw. Schneebruch erlitten.

Ich atme die milde Frühlingsluft und erfreue mich an der Natur.

Hier bin nur ich mit meinen Gedanken. Corona hat hier nichts zu suchen 😉 .

Ich freue mich schon, wenn die kahlen Bäume endlich wieder ergrünen.

Auf der Koppel der Tierärztin steht ein Pferd, genießt ebenfalls die warme Luft und schaut kurz zu mir herüber, als ich ein Handyfoto schieße.

 

Ist das nicht ein traumhaftes Himmelblau?!!!

Sogar einen Frosch entdecke ich, der einen Baum erklommen hat, um nach dem Frühling Ausschau zu halten.

Überall höre ich es zwitschern.

Zuhause angekommen, bewundere ich die Krokusse in unserem Vorgarten.

Ganz liebe Grüße an Euch alle. Bleibt gesund und munter!

 

Vielleicht möchtet ihr das noch lesen:

Frühlingsgruß

Lieber Wettermacher!

Katzenalarm

 

 

 

 

Der Schalk

Heinz und Ute sind mit dem Auto unterwegs. Sie haben den Wocheneinkauf erledigt. Alle Einkäufe sind bereits im Kofferraum verstaut und Heinz startet den Motor, als ihm noch etwas einfällt.

„Ach!“, meint er und schlägt sich dabei gegen die Stirn. „Jetzt habe ich doch vergessen die Batterien für den Öffner unseres Garagentors zu besorgen. Oder hast du daran gedacht?“
„Nein, das stand nicht auf meinem Einkaufszettel“, erwidert Ute. „Ich habe auch keine Lust noch einmal reinzugehen. Ehrlich gesagt bin ich froh endlich ohne die Maske wieder frei atmen zu können.“
„Nachher ärgern wir uns, weil sich das Garagentor nicht mit dem Drücker automatisch öffnen lässt“, überlegt Heinz. „Ich geh noch mal schnell rein. In fünf Minuten bin ich zurück, warte einfach im Auto so lange.“
„Halt!“, ruft Ute ihm nach. „Du musst deinen Mund-Nasen-Schutz anziehen.“
Heinz dreht sich um und nimmt die Maske, die Ute ihm durch das Autofenster reicht.
Im Supermarkt geht er zielstrebig zu dem Regal, in dem die unterschiedlichsten Batterien angeboten werden. Schnell wird er fündig und marschiert in Richtung Kasse. Da sieht er sie. Sie steht bei den Drogerieartikeln und nimmt gerade ein Duschgel aus dem Regal. Sie hat ihn nicht gesehen, da sie Heinz mit dem Rücken zugewandt ist.
„Das ist doch Birgit, unsere Nachbarin“, denkt er und marschiert auf sie zu. „Jetzt mache ich mir einen Spaß!“, regt sich der Schalk in ihm. „Ich werde sie mal ein bisschen erschrecken. Noch hat sie mich ja nicht gesehen. Mal sehen, wie sie reagiert. Eigentlich ist Birgit immer für ein Späßchen zu haben.“
Heinz schleicht sich von hinten an die Frau heran.
„Buhhh!“, ruft er aus.
Die Frau dreht sich zu ihm um und schaut ihn mit großen Augen an. Mehr kann Heinz auch gar nicht erkennen, denn auch die Frau trägt eine Maske. So stehen sich die beiden Maskierten gegenüber und blicken sich schweigend in die Augen. 
Hinter der Stirn von Heinz arbeitet es auf Hochtouren. Gedanken und Fragen durchzucken seinen Kopf. 
„Ist das Brigit? Ja, das ist sie. Oder etwa nicht?“
Plötzlich ist sich Heinz nicht mehr so sicher. Irgendwie sieht sie aus wie die Nachbarin. Die Größe stimmt, die Frisur ist die gleiche, die Haarfarbe ist ebenfalls braun mit Strähnen und der Kleidungsstil könnte auch passen. Oder sieht sie ihr nur ähnlich? Heinz ist total verunsichert. Die Frau spricht kein Wort. So stehen sie sich eine gefühlte Ewigkeit wort- und auch irgendwie ratlos gegenüber. Doch plötzlich sieht Heinz verdächtige Fältchen um die Augen der Frau.
„Sie lächelt!“, denkt er und ist irgendwie erleichtert. Er lächelt zurück, soweit dies mit der Mund- und Nasenbedeckung möglich ist. Danach dreht sich sein Gegenüber wortlos um und wendet sich erneut den Produkten im Regal zu. Auch Heinz geht ohne ein Wort seines Weges.
„Seltsam! Birgit ist doch sonst nicht so stumm“, überlegt er beim Verlassen des Supermarktes. „Sie lacht so gerne und auch laut.“
„Ich glaube, dein Rätsel hat sich soeben von selbst gelöst“, meint seine Frau Ute, als sie daheim ankommen. Im gegenüberliegenden Garten steht Birgit, die Nachbarin und hackt die Erde rund um die sich langsam aus der Erde reckenden Krokusse. Ohne Maske winkt sie fröhlich lachend zu Ute und Heinz herüber.

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Tänzchen gefällig?

Der Geist des Weines

Gedankenverloren

 

 

Piep! Piep!

Opa Werner ist heute nicht so gut drauf. Besser gesagt, er hat ausgesprochen schlechte Laune. Der Ohrenarzt hat ihm Hörgeräte verschrieben und gestern hat er sie abgeholt. Heute Morgen soll er sie nun das erste Mal selbst einsetzen.

„Alle sind der Meinung, ich würde schwer hören. Was die sich einbilden, pah! Ich höre gut. Das habe ich ihnen auch schon tausendmal gesagt. Aber das glaubt mir ja niemand“, schimpft er im Bad vor sich hin. „Nur weil neulich der Ober im Restaurant so genuschelt hat. Fragt er mich doch, ob der Fisch recht ist . Ich habe ihm natürlich gleich gesagt, dass ich keinen Fisch bestellen will und erst mal in die Speisekarte schauen will. Hätte er eine deutliche Aussprache gehabt, hätte ich auch verstanden, dass er von dem Tisch geredet hat. Diese dumme Verwechslung hat dann den Ausschlag gegeben, dass sie mich zum Ohrenarzt geschleppt haben.“
Endlich hat er die Hörgeräte im Ohr und kann nach unten zum Frühstück.
„Guten Morgen, Opa Werner! Du bist aber heute spät dran!“, wird er von seinem Enkel Martin begrüßt.
„Guten Morgen!“, rufen ihm auch die anderen Familienmitglieder entgegen.
„Wieso brüllt ihr eigentlich so?“, will er wissen. „Ich bin doch nicht taub!“
„Ach, Entschuldigung“, meint seine Tochter. „Ich hatte ganz vergessen, dass du jetzt ein Hörgerät hast. Dann brauchen wir nicht mehr so laut zu sprechen.“
„Ihr habt doch sonst auch nicht so gebrüllt!“, empört sich der Großvater.
„Du wirst sehen, jetzt bekommst du viel mehr mit“, begeistert sich Oma Erika. „Als ich meine Hörgeräte bekommen habe, konnte ich endlich wieder das Vogelgezwitscher hören. Das macht richtig glücklich.“
„Ach Firlefanz!“, schüttelt der ältere Herr leicht verärgert seinen Kopf. „Wo ist denn meine Marmelade?“
„Warte Opa!“, sagt Martin. „Ich hole sie dir. Sie steht sicherlich noch im Kühlschrank.“
Der Enkelsohn springt auf, öffnet die Kühlschranktür und sucht. Es dauert eine ganze Weile bis er die Marmelade gefunden hat. Schnell stellt er diese vor dem Großvater auf den Tisch, der irritiert um sich schaut. Martin hat keine Ahnung warum, aber er will auch nicht nachfragen, sondern geht zurück zum Kühlschrank und schließt die Tür.
Fünf Minuten später schaut Opa Werner wieder irritiert. Dieses Mal schweift sein Blick in der ganzen Küche umher ohne sich irgendwo festzuhaften.
„Schade“, meint sein Schwiegersohn. „Gerade habe ich mir überlegt, dass ich mir noch einen Latte Macchiatto mache, da schaltet sich der Kaffeevollautomat ab.“
Martin bemerkt diesen irritierten Blick seines Großvaters über den Tag verteilt mehrere Male und irgendwie beunruhigt ihn das. Er nimmt sich vor, dieses seltsame Phänomen ganz genau zu beobachten und gegebenenfalls heute Abend mit den Eltern zu besprechen. 
„Vielleicht hat Opa Werner eine Krankheit, von der mir meine Eltern noch nichts erzählt haben,“ überlegt er.
Am Spätnachmittag kommt er allerdings der Sache näher. Als die Mutter in den Hauswirtschaftsraum eilt, verzieht Opa zum wiederholten Male das Gesicht. Endlich sagt er auch etwas:
„Habt ihr euch einen Vogel zugelegt?“
„Nein, wieso? Wie kommst du darauf? Wir haben doch eine Katze und da würde ein Vogel ziemlich gefährlich leben“, erwidert Martin.
„Aber den ganzen Tag piept es hier. Da muss ein Vogel sein. Ich bin doch nicht verrückt. Ich habe es ganz deutlich gehört. Das fing schon heute Morgen beim Frühstück an.“
„Opa, vielleicht hast du Tinnitus!“
„Was ist denn das nun schon wieder“, ärgert sich der Großvater. „Ich habe so einen neumodischen Kram nicht. Meine Ohren funktionieren bestens, aber das glaubt mir ja niemand.“
Gerade will Martin seinen Opa beruhigen, da ruft dieser aus:
„Hört ihr das denn nicht? Eben hat schon wieder ‚Piep!‘ gemacht!“
„Ach, Opa!“, freut sich Martin, denn nun ahnt er, was der Großvater meint. „Komm bitte mal mit!“
Der Enkel führt den älteren Herrn durch das ganze Haus. Er öffnet den Kühlschrank und lässt dessen Tür einen Moment offenstehen: 
„Piep!“
Er geht zur Kaffeemaschine und schaltet diese an:
„Piep!“
Im Hauswirtschaftsraum melden sich der Trockner und die Waschmaschine fast gleichzeitig:
„Piep! – Piep!“
Aus der Küche ertönt erneut ein 
„Piep!“,
weil der Kuchen im Backofen fertig ist.
Außerdem bereitet die Mutter gerade noch mit ihrer neuen Küchenmaschine die Schlagsahne zu. Und auch als diese fertig geschlagen ist, macht es wieder 
„Piep!“
„So was gab es letzte Woche noch nicht bei euch!“, meint Opa Werner.
„Oh doch!“, mischt sich die Mutter nun ein. „Du hast es nur nicht gehört!“
Der Großvater zuckt nur mit den Schultern und geht ins Wohnzimmer, um sich auf seinem Sessel ein wenig auszuruhen. Doch noch bevor er sich hinsetzen kann, ertönt ein erneutes 
‚Piep!’.“
„Was ist jetzt schon wieder los?“ So langsam wird er ärgerlich.
Jetzt schaut Martin leicht irritiert, denn zunächst kann er diesen Piepton nicht zuordnen. Dann allerdings muss er lachen.
„Piep!“
„Opa, das ist jetzt bei dir!“
„Jetzt werde aber nicht frech, mein Junge! Bei mir piept es nicht!“
„Oh doch!“ Martin muss sich vor Lachen  den Bauch halten. 
„Das ist dein Hörgerät. Du musst die Batterien wechseln.“

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Das Sofa in der Küche

Töpfe, die es in sich haben

Die kleinen Beißerchen

 

 

Oma Hildis nächster Streich (2)

Am Morgen versammelt sich die Familie gemeinsam rund um den Frühstückstisch. Oma Hildi sitzt ihrem Enkel gegenüber, der heute erst zur dritten Stunde Unterricht hat.

„Hast du gut geschlafen, Oma?“, erkundigt sich dieser.

„Danke der Nachfrage“, erwidert sie ohne wirklich eine Antwort zu geben.
„Ist irgendetwas nicht in Ordnung?“, will jetzt auch ihre Tochter wissen und der Schwiegersohn blickt von der Morgenlektüre der Tageszeitung auf.
„Ach“, erwidert Oma Hildi. „Anscheinend hat mich die gestrige Gutenachtgeschichte für meinen Enkel innerlich doch etwas aufgewühlt. Ich war heute Nacht weit in der Vergangenheit.“
Es herrscht Schweigen in der Runde, denn alle vermuten, dass sie sich wahrscheinlich in ihrer Kindheit befunden hat, die aber ab ihrem zehnten Lebensjahr leider vom Krieg begleitet war. 
„Aber eigentlich war es ein schöner Traum. Ich war nämlich bei meiner Schwester.“
Leicht irritiert schaut die Familie sie an. Oma Hildis Schwester verstarb bereits im Alter von zehn Jahren an Diphtherie, eine Krankheit gegen die heutzutage jeder geimpft wird. Und der Bruder wurde leider ein Opfer des Krieges. Deshalb können sie sich alle nicht vorstellen, dass dieser Traum schön war. Doch Oma Hildi klärt auf und betont, dass es sich tatsächlich damals so abgespielt hat:
„Meine Schwester ging bereits schon zur Schule, als ich noch ein kleines Kind war. Logisch, dass ich sie bewunderte. Es machte mich neugierig, was es mit der Schule auf sich hat und was dort so alles passiert.“
„Hat sie dir das nicht erzählt?“, will der Enkel wissen.
„Doch schon, aber ich wollte es sozusagen mit eigenen Augen sehen. Aber alle erklärten mir, dass ich noch nicht alt genug wäre, um in die Schule zu gehen. Ich sollte noch ein Weilchen warten, dann wäre ich auch dran.“
„Das konntest du aber nicht akzeptieren, oder?“, mutmaßt der Enkel.
„Nicht so recht“, bestätigt die Großmutter. „Und so kam es, dass ich meiner Schwester eines morgens von der Haustür aus hinterher sah, als sie sich auf den Schulweg machte. Ohne zu überlegen oder jemand Bescheid zu sagen, schlich ich ihr nach.“
„Oh, hat sie das nicht bemerkt?“, erstaunt sich der Enkelsohn.
„Zunächst einmal nicht, denn sie drehte sich nicht um, sondern ging immer weiter ihres Weges. Es war ziemlich weit und mir taten irgendwann die Füße weh. Auch kannte ich mich nicht mehr aus. So hätte ich gar nicht mehr umkehren und nach Hause gehen können, denn ich hätte mich sicherlich verlaufen.“
„Hast du geweint?“
„Das weiß ich nicht mehr, aber wahrscheinlich war mir mulmig zumute. Vielleicht habe ich ja doch ein bisschen gejammert oder meine Schwester gerufen. Auf jeden Fall hat sie mich plötzlich bemerkt. Inzwischen war es aber zu spät und zu weit, um wieder umzukehren und mich nach Hause zu bringen. Sie wäre keinesfalls noch rechtzeitig vor Schulbeginn wieder zurück gewesen. Also nahm sie mich mit in die Schule.“
„Bestimmt haben sie sofort deine Eltern verständigt!“, überlegt sich der Enkelsohn.
„Das ging doch nicht. Wir hatten weder Telefon noch Handy, so wie es heutzutage selbstverständlich ist.“
„Deine Eltern müssen wahnsinnig vor Angst um dich geworden sein, als sie dein Verschwinden bemerkt haben.“
„Darüber machen sich kleine Kinder anscheinend keine Gedanken. Die Lehrerin wusste sich auch nicht anders zu helfen, als mich am Unterricht teilhaben zu lassen. Ich musste mich ganz hinten in die letzte Reihe setzen und vollkommen still sein. Bitte fragt mich nicht, ob meine Schwester und ich schon früher heimgehen durften. An die ganzen Kleinigkeiten kann ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern. Auch nicht, ob meine Eltern mit mir geschimpft haben oder einfach nur froh waren, dass ich wieder da war, ist mir entfallen. Jedenfalls wusste ich jetzt, was es mit der Schule auf sich hatte und wollte so schnell wie möglich auch da hin. Besonders gut hat mir das Melden imponiert, nur das stillsitzen hat mir nicht so gefallen. Die Lehrerin war sehr nett und die Klassenkameraden meiner Schwester waren begeistert endlich mal einen Gast zu haben. Sie kümmerten sich in der Pause rührend um mich. Das konnte mir nur gefallen.“
„Wenn du dich doch in der Schule so wohlgefühlt hast“, meint der Enkel, „dann solltest du gleich mit mir dorthin marschieren. Hinten bei Markus ist nämlich noch ein Platz frei. Da kannst du dich hinsetzen und ihm beim Aufsatz helfen, den wir heute schreiben sollen. Du kannst doch so gut Geschichten erzählen.“

 

Vielleicht möchtet Ihr das auch noch lesen:

Die Christel von der Post

Der Lümmel aus der letzten Bank

Aus der Schulzeit meiner Mutter

 

Was hat Oma Hildi angestellt? (1)

Enkelkinder sind neugierig. So auch Oma Hildis Enkel. Er ist bereits ein Schulkind und möchte keine erfundene Gutenachtgeschichte hören, sondern eine aus dem wahren Leben. Deshalb versucht er mit einem kleinen Trick Oma Hildi Geschichten aus ihrer Kindheit zu entlocken. 

„Mama und Papa sagen, ich sei früher ein kleiner Schlingel gewesen, weil ich Papa mit der Zange in den Popo gezwickt habe, als er auf der Leiter stand. Warst du auch so ein Schlingel oder warst du immer brav?“
„Eigentlich war ich immer brav, soweit ich mich erinnern kann…,“, meint die Großmutter schmunzelnd. „Bis auf ein- oder zweimal vielleicht.“
Dieser letzte Satz lässt den Enkel aufhorchen. Er will das jetzt ganz genau wissen.
„Nun sag schon. Was hast du angestellt?“
„Ach, du weißt ja sicher, dass ich noch einen Bruder und eine Schwester hatte. Ich war die Jüngste von uns Dreien und somit das Nesthäkchen, wie man so schön sagt.“
„Dann bist du wohl genauso verwöhnt worden, wie ich als Einzelkind“, sagt der Enkel hoffnungsvoll.
„Naja, manchmal haben sie mich ein bisschen verwöhnt, aber es war ja Krieg damals und man kann das schwer mit heutzutage vergleichen. Meine Eltern haben schon sehr darauf geachtet, dass wir auch teilen gelernt haben. Naja, ich war ja noch klein und manchmal vergisst  man das auch…“
„Aha, ich ahne da etwas!“ Erwartungsvoll blickt der Enkelsohn seine Oma an, die auch gleich weitererzählt.
„Eigentlich waren die Beiden ja auch irgendwie selbst schuld. Ich war ja noch so klein, vielleicht drei Jahre. Aber das weiß ich nicht mehr so genau. Auf jeden Fall hatten sie ein bisschen Geld, das für uns alle bestimmt war. Nicht viel, nur ein paar Pfennige. Aber sie reichten aus, um sich etwas etwas zu kaufen, das es nicht alle Tage gab. Vielleicht kannst du dir denken, was das war?!“
„Ich weiß nicht. Mama sagt immer, man muss nicht jeden Tag Süßigkeiten haben.“
„Da liegst du gar nicht so falsch. Meine Geschwister haben mir das Geld in die Hand gedrückt und mich zum Bäcker um die Ecke geschickt. Dort sollte ich Schokolade kaufen.“
„Oh, oh! Und du hast das Geld verloren?“, fragt der Enkel.
„Aber nein!“, Oma schaut fast ein wenig entsetzt. „Das Geld habe ich ganz fest gehalten, als ich zum Laden gelaufen bin. Die Bäckersfrau hat mich gekannt und mir sogar etwas mehr Schokolade für mein Geld gegeben. Sie hat mich sogar daran erinnert, dass ich mich beeilen sollte, damit die Schokolade nicht in meiner Hand zerschmilzt. Auf dem Heimweg hatte ich es allerdings nicht mehr so eilig wie auf dem Hinweg. Ich habe mir nämlich überlegt, dass ich ja lieber meinen Anteil schon essen sollte, damit er nicht schmilzt. Die Schokolade hat so gut geschmeckt. Richtig lecker. Ich glaube fast, ich habe nie mehr wieder so köstliche Schokolade gegessen.“
„Weißt du noch welche Marke es war“, erkundigt sich ihr Zuhörer.
„Nein, ich konnte damals doch noch nicht lesen und sie war ja auch gar nicht eingepackt, sie lag nur lose in einer kleinen Papiertüte. Jedenfalls war mein Anteil sicher in meinem Bauch gelandet und weil die Bäckersfrau mir ja mehr gegeben hatte, dachte ich mir ich könnte sicherheitshalber diesen Teil auch noch essen. Davon wussten meine Geschwister ja nichts und so würden sie ihn auch nicht vermissen. Sicher ist Sicher, dachte ich mir und stopfte die Schokolade in mich hinein.“
„Hast du kein Bauchweh davon bekommen?“
„Das nicht, ich kann mich zumindest nicht daran erinnern. Im Gedächtnis ist mir etwas ganz anderes geblieben.“
„Und was?“
„Die entsetzten Gesichter meiner Geschwister als ich endlich nach einer Ewigkeit zu Hause ankam.“
„Wieso?“
„Naja, zum Einen, weil alles rund um meinen Mund total schokoladenverschmiert war…“
„Und zum anderen?“, will der Enkel wissen.
„… weil die Tüte vollkommen leer war.“
„Ohje, das hat wohl Ärger gegeben.“
„Das kannst du aber glauben“, bestätigt Oma Hildi. „Die Schokolade, die ich ein paar Wochen später von meiner Patentante zum Geburtstag geschenkt bekam, musste ich abgeben und bekam selbst nur ein winziges Stückchen davon ab.“
„Richtig so!“, schallt es von der Kinderzimmertür her. Dort steht nämlich Opa, der den letzten Teil der Geschichte mitgehört hat. „Das sollten wir auch einführen, denn Oma futtert mir immer die ganze Schokolade weg und ich finde dann nur noch die leere Verpackung. Leider verrät sie sich nicht mehr durch einen schokoladenverschmierten Mund.“

 

 

Vielleicht möchtet Ihr das auch noch lesen:

Gut gemeint

Kindheitserinnerungen

Babette und der Schneemann

 

Opa Rudi und das Sollen und Wollen

Heute Abend ist Opa Rudi wieder an der Reihe. Er muss die beiden Enkelkinder Mia und Basti ins Bett bringen. So ist es mit Oma ausgemacht,- immer schön abwechselnd. Gestern war Oma dran, also hat heute Opa die Ehre. Nur leider hat er überhaupt keine Lust, denn er will eigentlich gleich den Fernseher einschalten.

„Abgemacht ist abgemacht“, meint Oma Karla nur. „Ich wollte gestern auch erst mit meiner Freundin telefonieren und du warst nicht gewillt für mich einzuspringen.“
„Ja, ja ich weiß schon, – gleiches Recht für alle“, antwortet ihr Gatte und marschiert in Richtung Kinderzimmer.
Mia hat sich heute auf dem Spielplatz tüchtig ausgepowert und sie blickt dem Großvater schon ziemlich müde entgegen.
„Himpelchen und …“, beginnt der Opa und endet mit:
„und wackelten mit ihren Zipfelmützen…“, weil Mia nämlich bereits eingeschlafen ist.
Opa Rudi freut sich insgeheim und denkt:
„Das ging aber fix. Wenn Basti auch so schnell einschläft wie seine kleine Schwester, dann bin ich pünktlich zum Start der Fernsehsendung wieder im Wohnzimmer.“
Basti kommt gerade aus dem Badezimmer und kuschelt sich gemütlich unter die Bettdecke. Seine Augen blicken den Großvater hellwach und erwartungsvoll an. Er liebt Opa Rudis Geschichten und heute kann er gerne eine richtig lange Geschichte erzählen, denn Basti ist noch kein bisschen müde.
„Himpelch…“, beginnt der ältere Herr, in der Hoffnung, die Sache mit dem Einschlafen geht genauso flott wie bei Mia.
„Halt, stopp!“, ruft Basti sofort aus. „Ich bin doch schon ein Schulkind. Erinnerst du dich, ich bin letzten Sommer eingeschult worden. So ein Kinderkram ist nichts mehr für mich!“
Basti ist richtig entsetzt und Opa Rudi bleibt nichts anderes übrig, als sich eine andere Geschichte einfallen zu lassen:
„Okay, okay, aber Heinrich, den Rotzipfelmützenträger und Leo, den Blauzipfelmützenträger kennst du bestimmt noch nicht. Das sind zwar auch Zwerge, aber die wohnen in einem unbekannten Land mit dem welthöchsten Berg. Weil es den Beiden aber zu langweilig ist immer nur mit ihren Zipfelmützen zu wackeln, spielen sie Schach….“
„Opa, das glaubst du doch nicht wirklich?!“, fragt Basti leicht irritiert. „Das hab ich ja noch nie gehört, dass Zwerge Schach spielen. Außerdem ist Schachspielen genauso langweilig wie das Wackeln mit den Zipfelmützen.“
Erschrocken schaut der Großvater seinen Enkel an, räuspert sich und sagt:
„Eh,… ich meine,… sie denken sich den ganzen Tag über irgendeinen Schabernack aus.“
„Das hört sich schon besser an“, grinst Basti erwartungsvoll.
 „Sie haben ihrem Zwergenvolk zum Beispiel erzählt, dass sie den Berggeist gesehen haben. Er sei so groß wie ein Turm und mächtiger als ein König. Er wohne in einer Höhle unter der Erde und würde dort einen großen Schatz in einer riesigen Truhe hüten.“
„Und was ist das für ein Schatz?“, erkundigt sich der Enkelsohn neugierig.
„Der Schatz ist ein sehr kostbares und altes Schachspiel und deshalb wird er von den zwei weltbesten Schachspielern bewacht…“
„Halt, stopp!“, ertönt es dieses Mal nicht von Basti, sondern von Oma Karla, die in der Tür steht.
„Ich glaube, wir sollten an dieser Stelle den Geschichtenerzähler auswechseln. Bitte geh‘ in das Wohnzimmer, dort beginnt soeben die Sendung, die du nicht verpassen wolltest.“
Gesenkten Hauptes, aber innerlich frohlockend, verlässt Opa Rudi das Zimmer.
„Oma“, versucht Basti vorsichtig eine Frage zu stellen. „Ist Opa Rudi krank, ich meine, so wie alte Leute manchmal werden und dann wirre Sachen erzählen?“
„Nein, nein“, beteuert Oma Karla. „Dein Großvater ist nicht dement oder verwirrt, er erfreut sich bester geistiger Klarheit. Allerdings geht es ihm im Moment so wie dir, wenn du Hausaufgaben machen sollst, aber lieber Fußballspielen willst.“
„Dann mache ich viele Fehler, weil ich die ganze Zeit an mein Fußballspiel denke“, gesteht der Enkel.
„Ja und Opa Rudi möchte die Schachweltmeisterschaft im Fernsehen sehen, die jetzt beginnt. Deshalb waren seine Gedanken beim Schachspiel und nicht beim Geschichtenerzählen.“

 

Vielleicht möchtet Ihr das auch noch lesen:

Die Dreivasengeschichte

Tante Frieda

Tim’s Wunsch

 

Zwingend notwendig

Monatelang habe ich nicht an euch gedacht,

wer weiß, wo und wie ihr die Zeit habt verbracht.

Ich habe euch nicht gebraucht

und ihr wart einfach abgetaucht.

 

Darüber war ich auch überhaupt nicht traurig,

doch nun bin ich doch schon recht übellaunig.

Ich sehne euch echt herbei,

seid mir nicht mehr einerlei.

 

Meine Bitte an euch alle ist wirklich dringend,

eure Anwesenheit notwendig und zwingend.

Aus diesem einen Zwecke,

suche ich in jeder Ecke. 

 

Mit euch ist es gemütlich und auch warm,

ohne euch schlägt jetzt alles in mir Alarm.

Sollt mich nicht nur zieren,

sollt verhindern mein Frieren.

 

Ohne Handschuh, Mütze und auch Schal,

ist des Winters Frost und Kälte ziemlich fatal.

Mit euch ist in allen Lagen,

des Winters Kälte zu ertragen.

 

So dient ihr mir in der kalten Winterszeit,

wenn der warme Sommer ist noch weit.

Werdet verstaut dann wieder,

bis uns frieren erneut alle Glieder.

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Opa Heinrich

Eiskalt

Das sind wir

 

Liselotte, Heinrich und zwei Marzipanschweinchen

Er kennt sie nun schon sein ganzes Leben, denn sie war einst die beste Freundin seiner Mutter. Liselotte mag Heinrich schon immer, aber als er vor mehr als vierzig Jahren seine Berufswahl traf, geriet sie regelrecht ins Schwärmen. Diese Begeisterung hält bis zum heutigen Tag an.

„Sie freute sich immer, wenn sie mich während meiner Arbeit traf, das hat sich bis heute nicht geändert. Sie ist sozusagen mein größter Fan“, überlegt Heinrich und schmunzelt in sich hinein. 
„Wenn ich in meiner Arbeitsmontur durch das Dorf marschierte und von Haus zu Haus ging, öffneten sie mir alle gerne die Türen. Aber sah Liselotte mich zum Beispiel auf dem gegenüberliegenden Bürgersteig, so wechselte sie sofort die Straßenseite und ließ es sich nicht nehmen, mich wenigstens am Arm zu berühren.“
Als Heinrichs Mutter vor zwanzig Jahren starb, wurde Liselotte für ihn so etwas wie eine Ersatzmutter. Inzwischen ist er selbst schon im Rentenalter, aber ihre Bewunderung für ihn und seinen Berufsstand ist geblieben.
„Und heute ist nun ihr hundertster Geburtstag“, denkt Heinrich, als er seinen Arbeitsanzug aus dem Schrank holt. „Da muss ich unbedingt zu ihr. Sie wird sich sicherlich freuen, wenn ich in voller Montur vor ihr stehe.“
Mittlerweile lebt sie schon viele Jahre in einem Altenheim, erfreut sich aber noch recht guter Gesundheit und auch geistig ist sie noch auf der Höhe, nur ihre Beine wollen nicht mehr so, wie sie es gerne hätte. 
Heinrich schlüpft in seine „Uniform“, wie er selbst seine Arbeitskleidung nennt. Selbstverständlich gehört auch das Arbeitswerkzeug dazu. 
Im Altenheim, in dem Liselotte lebt, ist er allseits bekannt und jederzeit herzlich willkommen. Besonders die Frauen freuen sich ihn zu sehen. Heinrich muss schmunzeln, wenn er daran denkt.
„Ich weiß selbst, dass ich nicht der Frauenschwarm bin oder war. Der Grund, warum ich es Liselotte und ihren Gefährtinnen angetan habe, liegt wohl eher an meiner „Uniform“ und das was man dieser nachsagt.“
Bevor Heinrich das Haus verlässt nimmt er zwei Marzipanschweinchen aus der Schublade des Wohnzimmerschrankes. Außerdem holt er noch von der Hutablage der Flurgarderobe die passende Kopfbedeckung.
„Das ist heute ein unbedingtes Muss!“, sagt er zu seinem Spiegelbild.
Als er beim Altenheim ankommt, verlässt gerade der Bürgermeister das Gebäude.
„Grüß Gott, Heinrich! Da wird sich die Jubilarin aber tüchtig freuen Dich zu sehen! Sie ist heute ein bisschen aufgeregt, aber das ist an einem solchen Tag ja verständlich.“
Als Heinrich das Zimmer von Liselotte betritt, breitet die hochbetagte Frau die Arme weit aus.
„Ist das schön!“, ruft sie aus. „Das Glück kommt soeben zur Tür herein. Komm her, damit ich es auch zu fassen bekomme! Sogar mit Zylinder besuchst du mich heute, mein lieber Herr Schornsteinfeger! Da kann ja nichts mehr schiefgehen!“
„Liselotte glaubt fest daran, dass der Schornsteinfeger Glück bringt, man muss ihn nur berühren“, erklärte Heinrich der Reporterin, die über die Hundertjährige einen Artikel in der Tageszeitung schreiben will.
„Ja, das glaube ich schon mein Leben lang und das stimmt auch“, bestätigt die alte Dame. „Wäre ich sonst so alt geworden?! Also los, – einfach zugreifen!“, feuert sie die Umstehenden an.
„Schau mal, was ich Dir noch mitgebracht habe“, meint Heinrich und legt ihr zwei Marzipanschweinchen auf den Tisch.
„Stell eins davon gleich in das Regal und das andere werde ich dann verspeisen, wenn sich hier die ganze Aufregung gelegt hat“, sagt sie zu Heinrich.
Die Reporterin folgt Heinrich mit ihren Blicken, der das Glücksschwein ins Regal zu mindestens zwanzig anderen Marzipanschweinchen stellt. Als Liselotte ihren fragenden Blick sieht, erklärt sie schelmisch grinsend:
„Ein bisschen Aberglaube muss einfach sein. Die Marzipanschweinchen und Heinrich, der  als Schornsteinfeger das Glückbringen zu seinem Beruf gemacht hat, sind sozusagen mein Geheimrezept. Das können Sie ruhig schreiben. Beide bringen mir Glück und das gehört auf alle Fälle dazu, dass man hundert Jahre alt wird. Vielleicht schaffe ich so auch noch die einhundertzehn! Dann komme ich ins Buch der Rekorde, das wäre doch was, oder?!“

 

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Purzel

Glück gehabt

Ärger mit dem verflixten kleinen Ding

 

Annas Wunsch

Bea ist alleinerziehend und macht am Sonntagnachmittag mit ihrer kleinen Tochter Anna einen Spaziergang durch den Stadtpark. Viele Kinder sind mit ihren Familien unterwegs. Die junge Frau weiß, dass ihre Tochter ebenfalls gerne mit Opa Kurt und Oma Martha zusammen wäre, zumal dies ihre einzigen lebenden Großeltern sind. Leider ist das nicht so einfach, denn die Beiden wohnen mehrere hundert Kilometer entfernt und ein Treffen muss daher immer genau und von langer Hand geplant sein.

Im Vierwochenrhythmus klappt das zwar ganz gut, ist aber immer mit erheblichem Aufwand verbunden. Mal kommen die Großeltern zu Bea und Anna und mal fahren diese mit dem Zug zu Opa und Oma.
Anna hat große Sehnsucht nach ihnen. Die Vierjährige fragt oft, wann sie sich wiedersehen und ist jedesmal traurig, wenn es Abschiednehmen heißt. So wie heute. Gerade sind Kurt und Martha wieder gefahren. 
„Dieser Spaziergang sollte eigentlich zur Ablenkung dienen, aber der Anblick von anderen Familien macht uns Beide irgendwie traurig,“, denkt Bea. „Ja, ein bisschen Neid ist schon dabei“, gesteht sie sich ein, „aber an manchen Situationen lässt sich wohl nichts ändern.“
„Opa Kurt muss mir doch von dem Vögelchen erzählen“, sagt die Kleine traurig, „ob es fliegen lernt!“
„Das kann Opa dir morgen am Telefon berichten!“, versucht Bea ihre Tochter zu trösten.
„Ich will, dass Opa und Oma bei mir sind! Das ist schön!“
„Das verstehe ich, aber sie wohnen so weit weg und können nicht jeden Tag bei uns vorbeischauen“, versucht die Mutter zu erklären.
Zum Glück wird Anna gerade durch einen kleinen Hund abgelenkt, der um ihre Beine herum springt.
„Hallo Mäxchen!“, freut sich das Mädchen. „Wo ist dein Frauchen?“
„Hier bin ich!“, ruft Frau Meyer, die ihrem Hündchen hinterher hechtet. „Dieser kleine Schlingel ist mir abgehauen. Wahrscheinlich hat er dich gesehen!“
Anna freut sich und streichelt den Hund. Bea begrüßt Frau Meyer, die sie schon öfter zufällig getroffen haben und die immer gerne für ein Schwätzchen bereit ist. Die Seniorin lebt seit dem Tod ihres Mannes vor zwei Jahren alleine in einem kleinen Häuschen unweit von Bea und Anna.
„Bist du auch eine Oma?“, fragt Anna ganz unvermittelt.
„Oh, leider nein“, antwortet Frau Meyer.
„Warum?“
„Ach, weißt du, meine Tochter kann leider keine Kinder bekommen“, gibt die ältere Frau dem Mädchen zur Antwort.
„Ich brauch noch eine Oma und ich bin ein Kind!“, gibt Anna schlagfertig zurück.
Als Frau Meyer einen fragenden Blick zu Bea wirft, fühlt diese sich in Erklärungsnot. Die beiden Frauen unterhalten sich noch eine ganze Weile, während Anna sich mit Mäxchen beschäftigt.
„Jetzt müssen wir aber nach Hause, es ist schon bald Abendbrotzeit“, fordert Bea ihre Tochter auf. „Wir wollen Frau Meyer nicht länger aufhalten.“
„Ach, Sie halten mich nicht auf. Auf mich wartet niemand. Außerdem freue ich mich jedesmal, wenn ich Sie und Anna treffe. Wenn Sie nichts dagegen haben, dann können wir gemeinsam den Rückweg antreten. Immerhin wohnen wir ja nur eine Straßenecke entfernt von einander“, schlägt die Ältere von Beiden vor.
So hüpft Anna fröhlich zwischen ihrer Mutter und Frau Meyer, die Mäxchen an der Leine hält, nach Hause. Zum Abschied gibt sie artig die Hand, so wie es ihr die Mutter gelernt hat. 
„Tschüss Oma Meyer!“, ruft sie und winkt ihr nach, bis diese die Haustür hinter sich geschlossen hat.
An diesem Abend sitzt Frau Meyer noch lange in ihrem Lehnstuhl im Wohnzimmer und muss an das Gespräch im Stadtpark denken. Sie lächelt in sich hinein. Schon lange hat sie sich nicht mehr so glücklich gefühlt.
„Ich glaube, das habe ich der kleinen Anna zu verdanken. Sie ist so herzerfrischend“, sagt sie sich selbst. Als sie dann im Bett liegt, steht ihr Entschluss fest, den sie auch am nächsten Tag in die Tat umsetzt.
Am frühen Nachmittag greift sie zum Telefon und wählt die Nummer, die Annas Mutter ihr gegeben hat.
„Hallo, hier ist Ilse Meyer. Ich hoffe, ich störe nicht.“
„Nein, nein, gewiss nicht!“
„Es ist mir fast ein bisschen peinlich“, beginnt die ältere Dame und merkt, dass ihr Herz schneller und aufgeregt zu klopfen beginnt. Sie räuspert sich, bevor sie fortfährt.
„Ich wäre gerne Annas Oma, – ich meine natürlich Ersatzoma – und auch nur, wenn Sie damit einverstanden sind. Ich könnte mich um Anna kümmern, wenn Sie wichtige Termine haben oder auch nur mal ein wenig entspannen wollen. Ich mach das gerne…“
„Oh, daran habe ich auch schon gedacht. Ihnen würde ich meine Tochter  gerne anvertrauen, denn Anna und ich mögen Sie wirklich sehr“, gesteht Bea und gibt gleich zu bedenken: „Ich weiß aber nicht, ob ich mir das leisten kann.“
„Nein, nein“, protestiert Frau Meyer sofort. „Omas nehmen doch kein Geld! Außerdem würden Sie mich damit sehr glücklich machen!“

 

Das Glitzersternchen

Es war einmal ein kleines Glitzersternchen. Es lag mit vielen anderen Sternchen in einer Schachtel und diese stand in einem Schrank. Ganz hinten in der Ecke. Vor vielen Jahren hatte sie einst eine ältere Dame gekauft, dort abgestellt und vergessen. Niemand schenkte ihnen Beachtung. Manchmal wurden sie mitsamt der Schachtel ein bisschen nach links oder nach rechts verschoben. Kein Mensch hatte Interesse an ihnen, aber auch niemand entsorgte sie.

So verbrachten sie ihr ganzes Leben in Dunkelheit. Zwar waren sie alle beisammen, aber sie fühlten sich nutzlos. Sie waren dafür bestimmt gewesen Menschen durch ihre Anwesenheit Freude zu schenken. Sie wollten auf einem schön gedeckten Tisch erstrahlen, funkelnd auf Geschenken oder Karten kleben. Immer wenn sich die Schranktür öffnete, hatten sie die Hoffnung nun endlich ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt zu werden. Doch leider hatten sie die ältere Dame, die die Besitzerin des Schrankes zu sein schien, schon lange nicht mehr gesehen. Auch die Schranktür wurde seit geraumer Zeit nicht mehr geöffnet. 

Eines Tages jedoch leerten fremde Menschen den gesamten Schrankinhalt aus, doch die Packung mit den Sternchen hatten sie vergessen herauszunehmen.

Irgendwann begann der Schrank sich wie von Geisterhand zu bewegen und sie rutschten mitsamt der Packung im Inneren des Schrankes hin und her. Sie stießen aneinander und taten sich gegenseitig weh. Tumult brach unter ihnen aus, jeder beschimpfte den anderen, diese Schubserei mit Absicht zu machen. So zerstritten sich die Sternchen und waren alle sehr traurig. Und vor lauter Traurigkeit versanken sie in einen langen, tiefen, aber traumlosen Schlaf.

Eines Tages jedoch wurden sie durch eine Kinderstimme geweckt. Es war keine laute und schrille Stimme. Nein, sie klang fröhlich und freundlich. Sie gehörte einem etwa fünfjährigem Mädchen namens Lena. Nur so rief sie niemand. Jeder sagte einfach Lenchen zu ihr:

„Das ist aber ein hübscher Schrank, Mama.“

„Ja, ich bin froh, dass der freundliche Herr aus dem Haus gegenüber ihn uns geschenkt hat. Er wollte ihn schon morgen zum Sperrmüll stellen. Der Schrank hat seiner Mutter gehört, aber die ist nun leider gestorben. Weißt du, sie war schon sehr alt und krank.“

Lenchen nickte traurig, aber nach einer kleinen Weile sagte sie:

„Das war doch richtig nett von dem Mann, dass er uns den Schrank gegeben hat. Ja und geholfen hat er auch noch ihn in unsere Wohnung zu tragen. “

Lenchen war total begeistert und hüpfte aufgeregt um ihre Mutter herum.

„Lass uns den Schrank einräumen. Hilfst du mir dabei?“, fragte die Mutter.

Ja und so kam es, dass Lenchen plötzlich die Schachtel mit den Glitzersternchen entdeckte.

„Schau nur Mama, was ich gefunden habe. Darf ich die behalten?“

Und damit waren die Sternchen wieder aus ihrem tiefen Schlaf erwacht. Sie wurden aus der Schachtel geschüttet. Sie purzelten durcheinander und freuten sich endlich auf dem Holztisch zu liegen und ihn durch ihr Funkeln zu schmücken. Sie wussten, dass sie schon bald ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt werden würden und das machte sie froh. Doch ein einziges Sternchen wollte nicht aus der Schachtel heraus. Es hielt sich am Rand des Bodens fest. Erst als Lenchen es bemerkte, ließ es sich bereitwillig herausnehmen.

„Du bist aber ein besonders hübsches Sternchen“, meinte Lenchen und drehte den kleinen Stern behutsam zwischen ihren zarten Fingerchen. „Du glitzerst viel schöner als die anderen.“

Das Sternchen freute sich und gab sich alle Mühe besonders intensiv zu strahlen und zu funkeln. Lenchen legte es auf das Fensterbrett in ihrem Zimmer und immer wenn das Mondlicht oder ein Sonnenstrahl auf es fielen, dann glitzerte es so prächtig, wie es das Mädchen niemals zuvor gesehen hatte.

Lenchen beschloss dem Sternchen einen Ehrenplatz zu geben. Sie malte ein Bild, auf dem ein Mädchen, ein Mann, eine Frau und ein Hund zu sehen waren. Sie alle waren in einem Garten mit vielen bunten Blumen und Bäumen. Für Lena war dies der Inbegriff einer glücklichen Familie. Dem Hund schenkte sie den Glitzerstern für sein Halsband.

Das Bild hängte sie über ihr Bett an die Wand. Jeden Abend vor dem Schlafengehen betrachtete sie es stumm und schickte dem Herrgott die Bitte der Mutter einen guten Mann zu schenken. Denn dann wären sie wieder eine richtige Familie. So wie früher als Lenas Vater noch lebte.

Die Tage vergingen und das Jahr begann sich dem Ende zuzuneigen. Der Herrgott schien ihre Bitte nicht erhören zu wollen, denn immer noch gab es nur Mutter und Lenchen, die bescheiden in der kleinen Dachgeschosswohnung lebten. Die Mutter hatte es nicht leicht, sie musste alleine das Geld verdienen, das die Beiden zum Leben brauchten.

Am Silvesterabend brachte die Mutter eine Packung Wunderkerzen mit nach Hause. Feuerwerk, so wie es in vielen Familien üblich war, konnte und wollte sie sich nicht leisten. Die Raketen waren zu teuer und das Geld zu schade, um es einfach in den Himmel zu schießen. Doch Lenchen war ein genügsames und dankbares Kind. Sie freute sich als die Mutter sie kurz vor Mitternacht weckte, ihr die Wunderkerzen gab und mit ihr hinunter auf die Straße ging, wo sich die Menschen versammelten, um das neue Jahr mit einem großen Feuerwerk zu begrüßen.

„Schau nur Mama!“, rief sie begeistert aus. „Es schneit und gleich wird das Feuerwerk beginnen!“

Die Turmuhr schlug zur Mitternachtsstunde und noch bevor der letzte Glockenschlag verklungen war, stiegen die ersten Raketen in den Nachthimmel auf und erhellten ihn in den buntesten und prächtigsten Farben.

„Oh, ist das schön! Und dort drüber das ist noch viel schöner! Nein, das hier ist noch tausendmal schöner!“

Lenchen kam gar nicht aus dem Staunen heraus.

„Prosit Neujahr!“, rief sie mit den Menschen um die Wette, hüpfte und tanzte vor Freude im Schnee, der mittlerweile die gesamte Straße bedeckte.

„Hoppla, junge Dame! Nicht so wild, sonst fällst du noch hin!“, hörte sie plötzlich eine sympathische Männerstimme, die sie aufblicken ließ.

„Mama, das ist doch der nette Herr, der uns den wunderschönen Schrank geschenkt hat!“, rief Lenchen aus und sah, wie die Mutter und der Mann sich die Hände reichten und sich gegenseitig ein gutes neues Jahr wünschten. Das Mädchen bemerkte, wie dabei ein Strahlen über das Gesicht der Mutter huschte und sie fast ein wenig verlegen aussah. Und noch etwas bemerkte Lenchen: Der nette Herr hielt einen niedlichen Hund an der Leine, an dessen Halsband ein kleiner glitzernder Stern baumelte.

Da wusste Lenchen ganz sicher, dass das neue Jahr ein gutes Jahr werden würde.

 

Happy New Year!!!

Ich wünsche Euch allen ein gesundes neues Jahr!!!

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Ohje, das fängt ja gut an!

Die Entführung

Aus dem Leben meiner Küchenuhr

 

Seine letzte Tour

Vielleicht erinnert Ihr Euch noch an Weihnachtsmann Willi. Letztes Jahr hat der alte Weihnachtsmann doch tatsächlich verschlafen und es herrschte große Aufregung unter den Menschen auf der Erde, aber auch im Himmel bei den Engeln. Doch Willi konnte geweckt werden und alles ging gut aus. Er hat sogar einen Weihnachtsmannlehrling ernannt, der ihm ein wenig geholfen hat. Dieses Jahr soll dieser noch einmal mit Willi die Aufgaben eines Weihnachtsmannes erledigen und ab nächstem Jahr ist dieser Lehrling dann selbst der Weihnachtsmann.

Man sollte denken, dass jetzt alles in Ordnung sei und alles seinen geregelten Gang geht. Weit gefehlt, denn schon wieder ist im Himmel die größte Aufregung und alle Engel sind ratlos, was zu tun ist.
„Habt Ihr schon gehört?: Der Weihnachtsmannlehrling Rudi ist krank. Ihm geht es total schlecht“, sagt ein kleines Engelchen zu der restlichen Engelschar in der Himmelswerkstatt.
„Was hat er denn?“
„Wie können wir ihm helfen?“
„Ohje, er soll doch dem Weihnachtsmann helfen und ihn dann für die nächsten hundert Jahre ablösen.“
„Der Weihnachtsmann Willi schafft das nicht alleine und Weihnachten darf nicht ausfallen. Stellt Euch all die vielen traurigen Kinder vor, die schon sehnsüchtig auf den Weihnachtsmann warten!“
Alle reden plötzlich durcheinander und keiner weiß einen Rat, wie dieses schwerwiegende Problem zu lösen ist. Da meldet sich der kleine Engel wieder zu Wort:
„Rudis Bart ist schon ganz lang gewachsen, seine Engelsflügel sind verschwunden und er sieht auch sonst schon aus, wie ein richtiger Weihnachtsmann, aber er hat ganz starke Bauchweh. Er meint allerdings, dass er in drei Tagen bestimmt wieder fit ist und seine Arbeit machen kann.“
„Solange kann der Weihnachtsmann Willi aber nicht warten. Er schafft es sonst nicht die Geschenke zu allen Kindern zu bringen. Jetzt ist wirklich guter Rat teuer“, meint die Chefin der Himmelswerkstatt verzweifelt.
„Ich hätte da so eine Idee…“, mischt sich das kleine Engelchen wieder ein.
Alle Blicke richten sich auf diesen Engel.
„Ich könnte doch die drei Tage dem Weihnachtsmann helfen!“
„Du?“
„Du hast doch gar keine Ahnung und bist noch nicht einmal in die Lehre gegangen.“
„Du bist doch nur für das Binden der Geschenkbänder zuständig. Und jetzt willst Du dem Weihnachtsmann Willi helfen?“
„Nein, nein! Das ist keine gute Idee!“
„Wer traut sich denn diese schwierige Aufgabe zu?“, fragt die Chefin in die Runde.
Alle Engel senken ihre Blicke und schütteln den Kopf. Niemand traut es sich zu.
„Tja, dann muss wohl Weihnachten dieses Jahr doch ausfallen.“
Alle sehen ganz traurig aus, doch der kleine Engel meldet sich noch einmal zu Wort:
„Mir macht es wirklich nichts aus. Ich traue mich auch. Bitte, bitte, lasst mich doch dem Weihnachtsmann Willi helfen. Ich habe immer alles von hier oben beobachtet und weiß genau, was ich tun muss. Es ist doch nur für drei Tage und dann ist Rudi, der Weihnachtsmannlehrling bestimmt wieder fit. Bitte!“
„Na gut. Was bleibt uns denn sonst anderes übrig. Du bist zwar noch zu klein, aber besser ein kleiner Helfer, als gar kein Helfer“, sagt die Chefin der Himmelswerkstatt. „Wo bekomme ich nur so einen winzigen Weihnachtsmannanzug her, damit der kleine Kerl auf der Erde nicht friert?“, überlegt die Chefin weiter. „Ach ja, da gab es doch mal ein Püppchen, das einen solchen Anzug trug.“
Sie lässt diesen Anzug bringen, schneidet eigenhändig zwei Schlitze für die Engelsflügel hinein und reicht ihn dem winzigen Engel.
„Dann beeile Dich und wecke den Weihnachtsmann, sonst verschläft er auch dieses Jahr wieder. Er ist einfach schon zu alt und zu müde für diesen Job!“
Und so macht sich der Kleinste aller Engel auf den Weg zum Weihnachtsmann, der im Winterwald ganz versteckt hinter der dicken alten Eiche liegt. Sein Schnarchen ist so laut, dass sich die Äste des Eichenbaumes biegen. Zum Glück dämpft der Schnee die Schnarchgeräusche und verhindert damit, dass sie an das menschliche Ohr dringen.
„Hallo Weihnachtsmann Willi! Aufwachen! Es wird Zeit die Geschenke an die Kinder zu verteilen!“
„Was? Wie? Wo?“, fragt der Weihnachtsmann verwirrt und blickt den kleinen Engel an.
„Wer bist du denn?“, erkundigt er sich schlaftrunken und reibt sich die Augen.
„Dein Gehilfe!“
„Erzähl keinen Blödsinn oder bist du etwa der Weihnachtsmannlehrling Rudi? Dann sahst du aber letztes Jahr noch ganz anders aus. Vor allen Dingen warst du kein solcher Winzling. Und überhaupt, wo ist dein Bart und wieso hast du noch die Engelsflügel. Da kann doch etwas nicht stimmen.“
„Rudi ist krank. Deshalb soll ich ihn drei Tage oder so vertreten. Ich bin Klein-Herbert. Also, was soll ich zuerst machen?“
Willi, der Weihnachtsmann kratzt sich am Kopf und runzelt die Stirn. Er überlegt, was er mit diesem Winzling wohl anfangen kann, aber dann brummt er in seinen langen weißen Bart:
„Pack alle Geschenke auf den Schlitten, die die Engel bereits aus der Himmelswerkstatt herunter gebracht und dort hinten aufgestapelt haben! Ich spann schon mal die Renntiere vor den Schlitten!“
Klein-Herbert läuft so schnell los, um die Pakete zu holen, dass er gleich nach den ersten Schritten über seine eigenen Füße fällt, weil sein Weihnachtsmannanzug doch noch ein wenig zu groß ist. Bäuchlings landet er mit dem Gesicht im Schnee.
„Brrr!“, kichert er und wischt sich den Schnee aus dem Gesicht.
Weihnachtsmann Willi schüttelt den Kopf und denkt sich: „Das kann ja noch lustig werden mit diesem kleinen Kerl! Eine große Hilfe wird er wohl nicht sein!“
Nachdem sich Klein-Herbert aufgerappelt hat, schnappt er sich fröhlich das kleinste Päckchen. Es ist federleicht, deshalb wirft er es sogleich pfeifend in die Luft, um es wieder aufzufangen und wieder hochzuwerfen.
„Halt!“, ruft Weihnachtsmann Willi aus. „Was machst du denn da? Siehst du nicht den roten Punkt?“
„Wo? Ach ja, da!“, das Engelchen dreht das Paket hin und her und meint nur: „Ist wohl besonders eilig, oder?“
„Nein! Das bedeutet, dass man das Päckchen nicht werfen darf, weil etwas Zerbrechliches darin ist. Also pass gefälligst auf!“
Und wieder kann der Weihnachtsmann nur den Kopf schütteln über Klein-Herbert. Dieser versucht jetzt alles genau richtig zu machen und hält zuerst nach dem roten Punkt Ausschau, bevor er das nächste Päckchen in die Luft wirft.
„Hörst du jetzt bitte mit dem Unfug auf und konzentrierst dich auf deine Arbeit!“, ermahnt ihn Willi abermals.
„Entschuldigung, Entschuldigung! Soll nicht mehr vorkommen!“, beteuert das kleine tollpatschige Engelchen und versucht stöhnend, aber vergeblich ein riesiges Paket auf den Schlitten zu hieven. Das Gewicht drückt ihn dabei so tief in den Schnee, dass er bis zu den Schultern darin versinkt. Willi bleibt nichts anderes übrig, als ihm das Packet abzunehmen und den mit den Armen zappelnden Herbert aus dem Schnee zu ziehen.
„Pass mal auf, dort drüben sind kleine Säckchen mit Nüssen und Schokoladenweihnachtsmännern drin. Die sind nicht schwer, die schaffst du mit links“, schlägt Willi vor und in Gedanken schiebt er noch hinterher: „Wozu sonst könnte ich diesen kleinen Tollpatsch gebrauchen. Meine letzte Tour habe ich mir auch anders vorgestellt, – nicht so arbeitsintensiv für mich. Ich wollte sie richtig genießen und alles andere dem Weihnachtsmannlehrling überlassen.“
Klein Herbert läuft geschwind zu den Säckchen und nimmt sogleich zwei in jede Hand. Immer wieder rennt er hin und her und verrichtet seine Arbeit. Zufrieden lächelt Weihnachtsmann Willi in sich hinein, denn er glaubt nun die richtige Aufgabe für Klein-Herbert gefunden zu haben. Er selbst muss eben die schweren Pakete schleppen. Nachdem ihm von der harten Arbeit die Schweißtropfen auf der Stirn stehen und es verdächtig ruhig um ihn herum geworden ist, blickt er sich nach Klein-Herbert um. Diesen findet er schließlich in einer Ecke sitzend vor. Der Mund ist schokoladenverschmiert, seine Hand liegt auf seinem Bauch und seine Augen sind geschlossen.
„Ja, was ist denn hier los?“, ruft Willi entrüstet aus. „Du sollst die Schokolade doch nicht essen!“
„Schlagartig reißt Klein-Herbert die Augen auf und beginnt sich stotternd zu entschuldigen:
„Ich,.., ich hab doch nur… die waren alle schon ein bisschen kaputt…“ Und als er das fragende Gesicht von Willi sieht, fügt er mit gesenktem Blick noch hinzu: „…nachdem mir ein paar Säckchen runtergefallen sind.“
Weihnachtsmann Willi kann nicht anders, aber er muss sich ein Schmunzeln verkneifen.
„Komm her und setz dich hinten auf den Schlitten, unsere Fahrt geht los!“
Als sie dann so mit dem Schlitten dahingleiten und die Glöckchen der Rentiere klingeln, jauchzt Klein-Herbert vor Freude und ruft Willi zu:
„Darf ich hierbleiben, auch wenn der Weihnachtsmannlehrling Rudi keine Bauchschmerzen mehr hat und zu dir kommt? Das macht nämlich soooo viel Spaß mit dem Schlitten zu fahren!“
Weihnachtsmann Willi hat den kleinen Tollpatsch inzwischen schon so sehr ins Herz geschlossen, dass er ihm diese Bitte nicht verwehren kann.
„Wer weiß, vielleicht wächst Klein-Herbert ja noch ein bisschen und wird in hundert Jahren als Rudis Nachfolger ein fleißiger Weihnachtsmann“, denkt er schmunzelnd und schnalzt, damit die Rentiere ein bisschen schneller laufen.

Mit dieser Geschichte gehe ich nun an den Start für die letzten Vorbereitungen zum Weihnachtsfest. 
Ich bedanke mich bei allen meinen Lesern und Bloggerfreunden für die Treue und das Lesen meiner Geschichten. Die Kommentare von Euch haben immer mein Herz erfreut. 
Ich wünsche Euch ein schönes Weihnachtsfest. Mögen wir alle ein paar ruhige Stunden für ein gemütliches und friedliches Beisammensein im engsten Kreise finden. Die vergangenen Monate waren nicht einfach, aber sie haben uns gelehrt, dass Gesundheit, Familie und Freunde von größter Wichtigkeit sind. So wünsche ich Euch von Herzen: Bleibt alle gesund!!!!
Nach Weihnachten gibt es hier an dieser Stelle wieder neue Geschichten. Vielleicht habt Ihr aber Lust in der Zwischenzeit noch diese Geschichten zu lesen:

Weihnachtsmann Willi

Lieber Weihnachtsmann Willi!

Karl und Pingy