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Im Land der Affen

Neulich hat mir ein Bekannter einen Ausflugstipp gegeben, den wir am letzten Sonntag in die Tat umgesetzt haben. Er erzählte mir nämlich von einem Affengehege hier bei uns in der Nähe. Ich würde es schon fast als eine Art Geheimtipp bezeichnen. Wir hatten zwar zunächst unsere liebe Mühe den Ort Jocksdorf ausfindig zu machen und haben auch prompt erst einmal die Abzweigung verpasst, aber bekanntlich führen alle Wege nach Rom und so kamen auch wir schließlich ans Ziel.
Wir fuhren an wunderschönen gelben Sonnenblumenfeldern vorbei und stießen dann auch endlich auf ein Schild, das uns zumindest erkennen ließ, dass wir auf der richtigen Fährte waren.

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Kurz danach standen wir vor einem Privatgelände, das sich als Affenzoo entpuppte.

Schon am Eingang wurden wir von einem neugierigen Gesellen genauestens und etwas skeptisch beobachtet.

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Schon zu DDR-Zeiten gab es hier Tiere. 1976 hatte es mit zwei Zwergziegen aus dem Tierpark Cottbus begonnen und dann folgten immer mehr Tiere. „Bis 1980 vergrößerte sich der Bestand der unterschiedlichsten Tiere. Ziegen, Schafe, Esel, Krokodil, Leguan, Meerschweinchen, Schildkröten, Wildschweine, exotische Vögel und Affen tummelten sich auf dem Anwesen“*

Seit 1990 spezialisierten sich die Betreiber auf Affen und seit 2012 wird er als Affen-Zoo Jocksdorf e. V. geführt.

Man kann hier ca. 50 Affen aus 8 verschiedenen Arten antreffen.

So machte es uns viel Freude die Indischen Hutaffen zu beobachten.

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Bei den süßen kleinen Lisztäffchen hatte ich Pech. Sie waren so flink, dass ich sie einfach nicht mit der Kamera einfangen konnte. Immer wenn ich abdrückte, waren sie schon wieder in einer anderen Ecke oder hatten sich nach oben oder unten geschwungen.

Sehr fotogen waren allerdings die Katjas, die schön brav sitzen blieben und abwarteten, bis ich meine unzähligen Fotos  gemacht hatte.

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Der Schwarzköpfige Totenkopfaffe und der Weißschulterkapuziner teilten sich einen Käfig.

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Der Schwarzköpfige Totenkopfaffe war nicht sonderlich an uns interessiert,

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der Weißschulterkapuziner hingegen war sehr neugierig.

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Allerdings machte er mir zunächst das Fotografieren nicht so einfach, da er meinte Kunststückchen vorführen zu müssen. Dabei zerriss allerdings sein Kletternetz, das er sich dann auch genau ansehen musste und mir somit die Gelegenheit zum Fotografieren bot.

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Ganz niedlich war das drei Wochen alte Weißbüscheläffchen. Dieses muss allerdings per Hand aufgezogen werden, da die Mutter es nicht angenommen hat.  Nach einer Schwangerschaft von ca. 140 bis 146 Tagen werden bei dieser Affenart in der Regel Zwillinge geboren. In diesem Fall ist das eine Zwillingsbaby tot und an dem anderen hatte die Mutter kein Interesse.

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Es lag in einem Korb, eingewickelt in Decken und wurde mit einer Wärmedecke warm gehalten.

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Man erklärte uns, dass das Kleine in ca. einer Woche in einem Vogelkäfig in das Affengehege gestellt wird und man hofft, dass es von seinen Artgenossen dann angenommen wird.

Man sollte auch erwähnen, dass in diesem kleinen Zoo bei allen Affenarten ( Rhesusaffen, Lisztaffen, indische Hutaffen, Weißbüschelaffen, Schwarzpinseläffchen, Rotbauchtamarinen) Zucht betrieben wird. Mittlerweile wurden dort insgesamt über 100 Tiere (nicht nur Affen) geboren.

Neben den Affen konnten wir auch „Skippy“ und dessen Kängurufreunde antreffen.

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Aber auch andere Tiere kann man hier entdecken, wie z.B. Meerschweinchen oder Wasserschildkröten,

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den Goldfasan oder

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Natürlich gehört in einen solchen Zoo auch ein Insektenhotel mit seinen Bewohnern.

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Auch Hund und Katze gehören zu den Bewohnern des Anwesens.

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Von einer Katze wurde berichtet, dass sie sich gerne vor das Affengehege legt und die Affen durch die Gitterstäbe hindurch greifen, um sie zu streicheln. Wir gewannen den Eindruck, dass hier eine große Harmonie vorherrscht.

Im Dschungelimbiss gibt es Getränke, Speisen, Kaffee und Kuchen und selbstverständlich auch Eis. Der Gastraum ist wie ein Tropenhaus gestaltet und hier können auch Feierlichkeiten, wie z. B. Kindergeburtstage und Betriebsfeiern etc. ausgerichtet werden.  Weiterhin kann man hier auch Wellensittiche und Papageien bewundern.

Ob mit oder ohne Kinder, – ein Ausflug in diesen kleinen Affenzoo lohnt sich immer und macht richtig Spaß.

 

* Zitat aus: Infobroschüre des Affen-Zoo Jocksdorf e. V.

Im Internet ist dieser Affenzo unter folgender Adresse zu finden: www.affengehege.de

Wer will, kann diesen Affenzoo aktiv unterstützen oder eine Patenschaft für ein Tier für 1 Jahr übernehmen.

Spreewälder Kost

Heute möchte ich wieder einmal etwas über den Spreewald in diesen Blog stellen. Am Geburtstag meiner Mutter waren wir zum Spargel essen in einem Restaurant im Spreewald. Als mein Blick so im Raum umher schweifte, fiel er auf ein Bild an der Wand. Hierbei handelte es sich keinesfalls um ein Gemälde, sondern um ein Gedicht, das dort gerahmt an der Wand hing.

Der Dichter, Otto Lukas (1881 – 1956), war bislang meiner Aufmerksamkeit entgangen, aber dieses gerahmte Werk mit seinen Worten zog mich an. Ich hatte leider kein Papier dabei. Allerdings fand ich noch einen Kugelschreiber in meiner Handtasche, die ich als mein persönliches Bermudadreieck bezeichne, da man in ihr Alles und Nichts findet, aber irgendwann und unvorhergesehen alles wieder aus dem Nichts auftaucht.

Ich griff  mir also die nächstliegende Serviette und hielt das Gedicht so recht und schlecht in  Kritzelschrift  fest, damit ich es Euch hier und jetzt vorstellen kann:

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Spreewälder Kost

Was macht den Spreewälder stark?
Pellkartoffeln, Leinöl und Quark.

Was schmeckt am zur Sonntagsruh?
Kaffee und Plinse dazu.

Was werd er immer lieben?
Gritzwürscht und große Grieben.

Was gibt am Mut und Zorn?
Alter Cottbuser Korn.

Was klärt den Kopp bei Mann und Frau?
Saure Gurken aus Lübbenau.

„Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl“ ist hier in der Lausitz genauso ein regionales Gericht wie „Handkäs mit Musigg“ in Hessen. Da wir ja gebürtige Hessen sind, habe ich in „Deutsche Sprache, – schwere Sprache“ schon über diesen berühmten Handkäs mit Mussig berichtet. Jetzt leben wir schon fast 20 Jahre hier in Cottbus und somit sind uns auch Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl nicht fremd. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich noch keines der beiden genannten regionalen Gerichte gegessen habe, mein Mann jedoch schon. Aber obwohl wir schon so lange hier leben, liebt er den „Handkäs mit Mussig“ weitaus mehr. Nahezu bei jedem unserer Besuche in Hessen muss dieses auf dem Abendbrottisch stehen.

Doch nun zurück zur Spreewälder Kost:

Der Quark wird zuerst mit etwas Milch verrührt, mit Zwiebeln, Schnittlauch oder anderen Kräutern angemacht und auf dem Teller mit Pellkartoffeln angerichtet. Das Leinöl gibt man über den Quark und lässt sich dann alles schmecken.

Zum Leinöl gibt es eine kleine persönliche Anekdote:

Mein Mann nahm vor einigen Jahren eine Diplomprüfung ab, in welcher der Diplomand u.a. über alternative Brennstoffe geprüft wurde. Nach bestandener Prüfung kam er ins Sekretariat, wo ich gerade am Schreibtisch saß und bot mir in einem Schnapsglas einen „alternativen Brennstoff“ zum Anstoßen und Trinken an. Ich erklärte ihm, dass ich keinen Schnaps trinken würde und er wiederum erklärte mir, dass es sich um Leinöl handele. Er pries die gesundheitliche Wirkung an, ich ließ mich überzeugen und schluckte den „alternativen Brennstoff“ tapfer hinunter. Ich habe die Sache überlebt, aber ehrlich gesagt, war es mir den restlichen Tag schlecht. Es soll Menschen geben, die darauf schwören und dies täglich zu sich nehmen. So sind die Geschmäcker eben unterschiedlich.

Plinse ist ein Gericht, das ich sehr mag. Ich esse sie am liebsten einfach nur mit Zucker und Zimt, während Peter sie mit heißen Kirchen oder Himbeeren und Vanilleeis verzehrt. Manche ziehen es jedoch vor, sie mit Apfelmus zu kombinieren. Je nach Geschmack gibt es also verschiedene Varianten.

Grützwurst (Gritzwürscht) liebt man hier ebenso, wie die sauren Gurken aus dem Spreewald und den Cottbuser Korn.

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 Für uns gab es heute Abend aber weder ein hessisches Essen, noch typische Spreewälder Kost.

Wir haben uns über Lachs hergemacht,

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zu dem es allerdings echten Spreewälder Sahnemeerrettich gab.

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Ich sage nur: Mmmh lecker!!!

 

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Slawenburg Raddusch

Zeitreise

Im Märchenland

Es war einmal ein Junge mit braunen Haaren, der ging in die dritte Grundschulklasse…

So könnte die Einleitung zu der Geschichte beginnen, die ich Euch heute hier vorstellen möchte. Der Junge ist unser Sohn und er ging noch zur Grundschule. Ich habe damals in seiner Klasse eine Klassenzeitung ins Leben gerufen und gemeinsam mit den Schülern erstellt.

Der Name der Zeitung lautete:
„Klecksi und Klecksinchen“

und die den heutigen Beitrag betreffende Ausgabe hatte den Untertitel:

„im Märchenland“

 

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Damals haben die Kinder selbst Märchen erfunden und speziell für die Klassenzeitung aufgeschrieben. Außerdem gab es darin Fotos einer Märchenaufführung, ein Märchenrezept, verschiedene Rätsel, einen Bastelvorschlag, ein Brettspiel, einen Baum mit Märchensymbolen zum Raten, Witze, ein Leserätsel und einen gemalten Märchenanfang zum Weitererfinden als Vorschlag für einen Sonntagnachmittag mit den Eltern.

Heute möchte ich Euch das Märchen vorstellen, das unser Sohn damals erfunden und aufgeschrieben hat:

Der Drachenprinz

Es war einmal eine schöne Lichtung im Wald, wo ein Schloss stand. In dem Schloss wohnte eine Königsfamilie. Die Prinzessin hieß Prinzessin Tageslicht und der Prinz hieß Peter. Warum der Prinz den Namen „der Drachenprinz“ erhalten hat? Das erzähle ich euch jetzt:
Der Drache hauste in einer Höhle nicht weit vom Schloss entfernt. Deswegen wurde das Dorf und das Schloss mit Kanonen, Reitern und Bogenschützen bewacht.
Eines Tages feierte der Prinz seinen achtzehnten Geburtstag. Auf der Geburtstagstafel standen die besten Leckereien, die man sich nur erträumen konnte.
Der Drache roch die Geburtstagstorte. Er kam auch sogleich mit Riesenschritten angetapst und spie Feuer. Der Drache wollte das Schloss verbrennen, doch da roch er noch einmal die Torte und weinte riesengroße Tränen.
Durch die Tränen verwandelte sich der Drache in eine schöne Prinzessin. Prinz Peter verliebte sich in die Drachenprinzessin und sie verliebte sich in ihn. Beide heirateten am selben Tag. Von diesem Tag an wurde Peter der Drachenprinz genannt.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Drachenende

 

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Es sind ganz tolle Märchen bei der Erstellung dieser Klassenzeitung heraus gekommen. Während ich in der allerersten Ausgabe noch Schwungübungen für die Schüler abgedruckt hatte, wurde diese Klassenzeitung in der dritten Klasse nahezu vollständig von den Kindern unter meiner Leitung erstellt. Sie konnten jetzt schon ganze Geschichten schreiben, haben tatkräftig mitgearbeitet und waren mit Freude an der Erstellung ihrer Zeitung dabei. So schrieb ich damals auch in einem Schlusswort:

„… wir können alle recht stolz auf Euch sein!
Ein ganz, ganz großes Lob!!!
Vielleicht hat Carolin wirklich recht, wenn sie sagt, ‚Ich glaube wir werden alle noch Schriftsteller!‘ “

Ich hoffe Euch hat mein kleiner Ausflug in die Märchenwelt und zum Drachenprinz Peter gefallen.
Den Schülern und mir hat damals die Erstellung der Klassenzeitung sehr viel Spaß gemacht und ich bin froh, dass ich noch meine Exemplare von den verschiedenen Ausgaben aufgehoben habe. Bestimmt werde ich Euch irgendwann noch mehr über „Klecksi und Klecksinchen“ erzählen.

 

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Vater und Sohn

Wenn der Vater mit dem Sohn

Mmmmh lecker!!!

Neulich hatte unser Sohn seinen 26. Geburtstag und im Vorfeld fiel mir das Beitragsfoto zufällig in die Hände. Dies veranlasste mich dazu ihm aus Spaß einen Portionierer für Spagetti und eine Packung dieser dünnen langen Nudeln zu schenken und ihm das Foto zu zeigen. Außerdem brachte es mich auf die Idee diesen Beitrag zu schreiben:
Ich kann wohl mit Gewissheit sagen, dass es kaum ein Kind gibt, das nicht Spagetti mit Tomatensoße liebt. Unser Sohn jedenfalls war immer total begeistert, wenn dieses Gericht auf dem Speiseplan stand. Außerdem muss ich gestehen, dass auch ich dieser Nudel-Soße-Variante nicht abgeneigt gegenüberstehe beziehungsweise -sitze.
Wenn der Duft dieses Gerichts durch die Küche zog und mein Ruf erklang: „Spagetti mit Tomatensoße!“, wurden seine Ohren und Augen größer, das Wasser lief ihm schon im Mund zusammen und die Zunge fuhr genüsslich in der Vorfreude über die Lippen. Mein ansonsten schlechter Esser türmte sich die Spagetti auf den Teller und verteilte die Tomatensoße. Letzteres wohl nicht immer nur auf den langen dünnen Nudeln, wie man unschwer auf dem Bild sehen kann. Er genoss das Essen sozusagen mit allen Sinnen und sein Gehirn meldete den Gesamteindruck „Köstlich!“.
Tatsächlich ist es beim Essen so, dass die Haut, das Auge, die Zunge, die Nase und auch das Ohr an dieser Genussempfindung beteiligt sind. Die unterschiedlichen Reize dieser fünf Sinne werden an das Gehirn weitergeleitet und lassen dort einen Gesamteindruck entstehen.
Am besten lässt sich dies am Beispiel eines Apfels erklären:

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1200px-Apfel1.jpgWenn man diesen Apfel in die Hand nimmt, so ertasten die Finger über die Haut und deren kleine Sensoren schon die Form und die Beschaffenheit dieser Frucht, z.B. ein fester runder glatter Apfel. Vielleicht essen deshalb Kinder so gerne mit den Händen, hin und wieder auch Nudeln mit Tomatensoße. Aber auch die Lippen spielen hier eine große Rolle: „Die Lippe weist viele Nervenenden auf und reagiert als Teil des Tastsinns sehr empfindlich auf Berührungen, Wärme und Kälte.“* (Wikipedia)

Das Auge sieht den roten oder grünen Apfel und erkennt gleichzeitig, ob die Frucht reif ist. Auf unser Mittagessen bezogen: Der Anblick der langen, dünnen und durch den Kochvorgang weichen Nudeln mit der roten flüssigen Tomatensoße wird als angenehm erkannt.
Hat die Speise die Lippen passiert, so ist sie im verschlossenen Mund und trifft dort auf die Zunge. Zucker, Eiweiße, Säuren und Minerale aktivieren die Sinneszellen auf der Zunge. Die Zunge kann unterschiedliche Geschmacksrichtungen erkennen, nämlich süß und salzig, sauer und bitter, aber auch herzhaft (umami). Sie hilft uns auch genießbares Essen von ungenießbarem zu unterscheiden, sie erkennt also den faulen Apfel oder die versalzene Soße.
Auch die Nase ist, wie jeder weiß, beim Genießen der Nahrungsaufnahme beteiligt. Die 30 Millionen Riechsinneszellen in der Nase nehmen sozusagen den Essengeruch auf. „Denn dort, in der Riechschleimhaut, befinden sich Sinneszellen, die weitaus mehr Stoffe unterscheiden können als die Geschmackszellen auf der Zunge. Erst dadurch, dass wir unsere Nahrung riechen, offenbart sich deren facettenreiches Aroma… Denn Gerüche empfinden wir niemals als neutral, sie sind stets mit bestimmten Emotionen, Erinnerungen oder Assoziationen verknüpft- und daher äußerst individuelle Eindrücke.“ **. Vielleicht liegt es also an unserer Nase, wenn wir als Kind gerne Spagetti mit Tomatensoße oder lieber grüne anstelle von roten oder gelben Äpfeln gegessen haben und damit positive Erinnerungen verknüpfen, so dass wir diese Nahrungsmittel auch als Erwachsene noch gerne essen.
Neulich beobachtete ich eine Frau, welche die verschiedenen Apfelsorten im Supermarkt zuerst einer Geruchsprobe unterzog, bevor sie sich für eine Sorte entschied.
Auch das Ohr, man sollte es nicht meinen, ist an unserem Genuss beteiligt. Wir erzeugen ständig Vibrationen, die in der Luft umher schwirren. Nicht nur durch Sprechen oder Laufen werden diese erzeugt, sondern auch durch das Kauen. Beim Hineinbeißen in einen knackigen Apfel mag das vielleicht lauter und deutlicher sein, aber selbst Spagetti mit Tomatensoße können diese erzeugen und somit Höreindrücke entstehen lassen.

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Der Genuss beim Essen entsteht aber erst, wenn diese ganzen Sinneseindrücke über die Nervenbahnen zu unserem Gehirn weitergeleitet und dort miteinander vereint werden. „Das eigentliche Geschmackserlebnis, der Genuss beim Essen, beruht (…) immer auf einer Kombination sämtlicher Sinne – auf olfaktorischen, haptischen und visuellen Reizen.“***
Was für ein Glück, dass wir uns beim Essen darüber keine Gedanken machen, sondern einfach nur genießen.
In diesem Sinne wünsche ich Euch allzeit einen „Guten Appetit!“ und viel Genuss!

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*Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Lippe (Stand: 6.7.2015)

** Zitat aus: Sebastian Witte, Wie die Welt im Kopf entsteht,in: GEOkompakt Sinne und Wahrnehmung, Heft Nr.36, S. 58

*** Zitat aus: Sebastian Witte, Wie die Welt im Kopf entsteht,in: GEOkompakt Sinne und Wahrnehmung, Heft Nr.36, S. 56

Allerlei Tiere sorgen für Gesprächsstoff

Egal, wo man in diesen Tagen hinkommt, die hohen Temperaturen sind Thema Nummer Eins. So höre ich, wie sich Frau X gerade bei Hern Y beschwert, obwohl dieser arme Mensch ebenso wenig dafür kann wie die betreffenden Tiere.
„Ach“, meint sie, „das ist aber eine Affenhitze heute!“
„Ja,ja“, bestätigt er. „Nach der Schafkälte gleich wieder so eine Bullenhitze. Meine Frau verkraftet diese Hundstage auch ganz schlecht. Ihr Kreislauf, wissen Sie.“
Innerlich muss ich grinsen, denn das war jetzt eine ganze Tierschar, die die beiden innerhalb weniger Sätze zusammen getrieben haben. Gut, aber jetzt möchte ich erst recht der immer interessanter werdenden Unterhaltung von Frau X und Herrn Y folgen. Inzwischen geht es hier nämlich nicht mehr um das Wetter:
„Ach“ meint Herr Y. „wir hatten gestern Besuch von meinem Kumpel Franz und seiner Frau. Nachdem sich die beiden Damen schon zurück gezogen hatten, begann für uns eine sehr durstige Nacht. Deshalb hatten wir heute Morgen nur ein Katerfrühstück, und nach dem Katzenjammer und den Kopfschmerzen verspüre ich jetzt einen Bärenhunger. Da unser Kühlschrank ziemlich leer ist, hat mich meine Frau erst noch einkaufen geschickt.“
„Ich muss auch noch schnell und die Drogerieabteilung. Mich plagen meine Hühneraugen ungemein und ich muss mir ein Pflaster holen.“, klagt Frau X ihr Leid.
„Ob die wohl auch Tigerbalsam haben? Mein Rücken ist nämlich schon ganz verspannt von der ewigen Schreibtischarbeit.“
„Hallo Ernst, was machst Du denn hier?“, begrüßt Frau X ihren Mann ohne auf Herrn Y’s Frage einzugehen.
„Ich muss nur mal eben in den Baumarkt. Ich kann nämlich meinen Fuchsschwanz nicht finden.“
„Hast du ihn denn überhaupt richtig, so mit Adleraugen, gesucht?“, erkundigt sich seine Frau skeptisch.
„Das können sie vergessen“, mischt sich nun auch Herr Y ein. „Der Baumarkt hat schon geschlossen.
„Dann wirst du wohl morgen auf dem Flohmarkt Ausschau halten müssen“, schlägt seine Gattin vor. „Da kannst du auch gleich unser Patenkind, den kleinen Frechdachs mitnehmen. Dann kommst du aber bestimmt mit allen möglichen anderen Dingen, wie zum Beispiel einen Knallfrosch wieder zurück, wie ich den Kleinen kenne.“
„Unser Patenkind ist für ein paar Tage zu Besuch bei uns“,, erklärt der Gatte von Frau X Herrn Y. „Er sitzt gerade im Garten und malt mit Wasserfarben.
„Dann sieht jetzt bestimmt aus wie ein kleiner Schmierfink“, lacht Herr Y. „Das ist bei unserem Enkel dasselbe. Und hinterher folgt nur eine Katzenwäsche!“
„Apropo Wäsche!“, fährt Frau X auf das Stichwort ab. „Hast du meine Wäschespinne im Garten aufgebaut?“
„Ja!“, bestätigt ihr Gatte. „Ich musste aber erst noch ein paar Spinnen im Gartenhaus beseitigen. Ich weiß doch welcher Angsthase du bist. Du brichst doch bei jeder noch so kleinen Spinne gleich in Panik aus und die Krokodilstränen kullern.“
„Jetzt hör aber mit deinen Übertreibungen auf!“, schimpft Frau X ihren Göttergatten. An Herrn Y gerichtet, fragt sie:
„Wollen wir vier uns am Sonntagnachmittag zu Kuchen und Eis bei uns im Garten treffen?“
„Ja, da wird sich meine Frau aber freuen, denn sie ist ein kleine Naschkatze. Nur einen Gefallen sollten Sie mir tun. Bitte nicht den ganzen Nachmittag das Lied „Atemlos“ von Helene Fischer spielen. Ich hatte das letzte Mal einen richtigen Ohrwurm.“
Nachdem Frau und Herr X dies versichert haben, trennen sich für den heutigen Tag die Wege der mir fremden Gesprächspartner und in meinem Kopf schwirrt ein ganzer Bienenschwarm, –  das waren eindeutig zu viele Tiere auf einmal.

 

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Tierisch und menschlich

Brummbär Max und seine Freunde

Heute habe ich Euch eine Geschichte mitgebracht, die mir während einer langen Autofahrt einfiel. Zum Glück saß ich nicht am Steuer und so konnte ich sie gleich aufschreiben. Zunächst muss ich Euch allerdings eine Frage stellen: Kennt Ihr Brummbär Max? Nein? Das wundert mich aber, denn er ist stadtbekannt. Na dann will ich Euch von ihm erzählen:

Brummbär Max hat viele Freunde, denn er ist ein sehr netter Kerl, auch wenn er manchmal etwas brummig daher kommt. Er ist beispielsweise ein Freund von unserem Kätzchen Lottchen. Zumindest sitzen sie oft gemeinsam auf einem Bänkchen im oberen Stockwerk auf der Galerie. Max ist nicht gerade der dünnste Vertreter seiner Gattung. Deshalb gibt es hin und wieder auch Platzprobleme auf dem kleinen Bänkchen. Doch unser Lottchen hat so ihre eigene Methode dieses Problem zu lösen. Sie schmeißt den Brummbär einfach kurzerhand runter. Dann liegt er da und zappelt mit den Armen und Beinen. Das stört unser Lottchen jedoch wenig und Brummbär Max schläft nach einem Weilchen selig ein und krabbelt später wieder auf das Bänkchen.
Jetzt möchtet Ihr noch wissen, wer die anderen Freunde sind? Und natürlich, warum er in der ganzen Stadt bekannt ist. Ja also, das kam so:
Am Anfang hieß Max einfach und schlicht nur „Teddybär“. Er saß auf einem Regal in einem großen Kaufhaus in einer noch größeren Stadt. Den Namen der Stadt habe ich vergessen, aber es gab viele Menschen und viele Autos in dieser Stadt. Von seinem Regalbrett aus konnte Max durch das Schaufenster hindurch auf die Straße schauen. Wie gerne würde er auch einmal durch die Straßen laufen. Oder mit den Kindern, die sich die Nasen an der Scheibe plattdrückten, spielen. Vielleicht sogar einmal mit einem großen Hund um die Wette laufen.
Der Teddybär träumte Tag für Tag von seinen großen Abenteuern dort draußen in der großen weiten Welt. Aber so wie es aussah, würde er niemals hier wegkommen. Er war einfach zu groß, zu dick und zu schwer. Die Kinder, die noch mit Teddybären spielten, waren zu klein und zu schwach, um ihn hochzuheben und ihn festzuhalten. Auch waren ihre Arme zu kurz, um ihn zu umarmen. Die Großen hatten kein Interesse mehr an einem Teddybären. Sie wollten Rennbahnen, Eisenbahnen, Fahrräder oder Computer. So würde er wohl noch eine Weile hier sitzen müssen und dann würde er ins Lager kommen, wo er zwischen all den unverkauften Sachen einstauben würde.
Eines Tages oder besser gesagt, eines Nachts passierte es dann. Der Teddybär hatte schon seit einer Weile geschlafen und wurde durch ein lautes Klirren wach. Erschrocken riss er schlagartig beide Augen auf. Was er sah, konnte er sich zunächst nicht erklären. Doch dann erkannte er, dass diese Männer Diebe waren. Sie wollten das Kaufhaus ausrauben. Er bekam Angst und machte sich so klein, wie das für einen großen dicken Teddy nur möglich ist. Die Räuber hatten es sehr eilig und stießen ihn unachtsam in eine Ecke. Sie waren nur an den kostbaren Dingen, wie Uhren, Schmuck, Computer und Fernseher interessiert. Ein Teddybär war keine lohnende Beute für sie. Inzwischen waren alle Alarmanlagen an und ein ohrenbetäubender Lärm ging durch das gesamte Kaufhaus. Und schon waren auch die Sirenen der Polizeiautos zu hören. Die Räuber flüchteten mit allem, was sie zu ihren Fluchtautos tragen und darin verstauen konnten. Sie schafften es gerade noch bevor die Polizei eintraf. Diese nahm natürlich sofort die Verfolgungsjagd auf.
Ein Teil der Polizisten blieb allerdings im Kaufhaus und begann mit der Spurensicherung. In dem allgemeinen Durcheinander achtete niemand auf den großen Teddybär. Dieser ergriff die Gelegenheit und marschierte durch die eingeschlagene Scheibe in die dunkle Nacht hinaus.
Der Teddybär lief lange durch die Dunkelheit bis er in einen großen schönen Park kam. Dort suchte er sich als erstes einen herumliegenden stabilen Zweig, den er als Spazierstock benutzte. Überall waren Tiere unterwegs: Dort ein kleiner Fuchs, da eine zierliche Maus und hier ein rotbraunes Eichhörnchen. Die Eule oben auf dem Baum begrüßte ihn freundlich und der Specht hämmerte mit seinem Schnabel so laut, dass alle die Kunde über den nächtlichen Besucher hören konnten. Selbst der Maulwurf blinzelte verschlafen aus seinem Maulwurfshügel heraus und winkte dem Teddy zu. Die Schnecken krochen herbei, die Enten auf dem Teich begannen zu schnattern und die Frösche zu quaken. Sogar der Mond schien zu seiner Begrüßung heller als sonst. Alle liefen zusammen und freuten sich riesig über den Neuankömmling.
„Wie heißt du?“, wollten sie alle wissen.
Ja, wie hieß er eigentlich? Der Teddybär wollte wie gewöhnlich ein bisschen brummen. Aber plötzlich merkte er, dass seine Stimme versagte. Wahrscheinlich hing es mit dem Stoß zusammen, den ihm die Räuber versetzt hatten. Bestimmt war ihm ein Stimmband gerissen. Vielleicht war es aber auch nur eine Erkältung. Auf jeden Fall kam anstelle eines
„Brumm“
nur ein gedehntes
„Maa“
und ein noch längeres
„xsssss“
heraus.
Zunächst schauten sich alle verwundert an. Doch der Zaunkönig glaubte den Teddybär verstanden zu haben:
„Ahh, du heißt Max!“, rief er fröhlich aus.
Und so wurde aus dem Teddybär der „Brummbär Max“, den alle liebten und der dank der guten Pflege der Honigbienen seine richtige Stimme bald wieder erlangte.
Brummbär Max lebte den ganzen Sommer im Stadtpark mit den anderen Tieren zusammen. Er half dem Blumenelfchen morgens die Blüten der Blumen zu öffnen und abends wieder zu schließen. Er reparierte gemeinsam mit dem Maulwurf dessen Hügel, den irgendjemand einfach zusammengetreten hatte. Für die Mäuschen brachte er Käse und Speck, wenn Schulkinder achtlos ihr Schulbrot fallen ließen. Und gemeinsam mit den Singvögeln, Fröschen und Enten studierte er ein lustiges Liedchen ein. Alles wäre perfekt gewesen, wenn sich nicht bald der Winter angekündigt hätte. Es wurde kälter und kälter. Der Fuchs verkroch sich in seinem Bau, die Zugvögel flogen in den Süden, die Eichhörnchen bereiteten ihre Winterruhe vor und der Maulwurf zog sich in seinen Hügel zurück. Der Teddy begann zu frieren, denn er war ja kein richtiger Bär und schon gar kein Eisbär, der ganz gut die Kälte aushielt. Er war einfach nur ein Teddybär und diese Bärenart friert im Winter genauso wie wir Menschen. Regen, Eis und Schnee mögen diese Bären überhaupt nicht. Was sollte er also tun?
Eines wusste er ganz genau: In das große Kaufhaus würde er nicht wieder zurück gehen. Also musste er irgendwo Unterschlupf finden. Nur wo und wie?
Die Enten hatten es gut, sie hatten ein Haus. Vielleicht könnte er bei ihnen wohnen. Aber das Haus stand mitten auf dem Teich und Brummbär Max konnte nicht schwimmen. Außerdem war es kein allzu großes Haus. Es hätten nur entweder die Enten oder er darin Platz gehabt.
Die Entenmutter Katharina hatte allerdings eine Idee:
„Am Rande des Parks stehen einige Häuser. Schau dich doch einmal um, vielleicht findest du dort ein Schlafplätzchen.“
„Danke Katharina“, entgegnete Brummbär Max höflich. „Ich werde mein Glück versuchen!“
Nachdem die Entenmutter ihm die Richtung gezeigt hatte, ergriff er seinen Wanderstab und machte sich auf den Weg. Es war ein großer Park und er musste weit laufen. Doch irgendwann konnte er die Häuser sehen. Er setzte sich auf einen Stein und beobachtete das Treiben in der Straße. Es war eine ruhige Straße, denn es fuhren kaum Autos. Es gab dort Kinder, Hunde und Katzen und zu den Häusern gehörten schöne Gärten. Als er so überlegte, was er nun tun sollte, kam eines der Kätzchen über die Straße in den Park gelaufen.
„Hallo“, begrüßte sie kein bisschen scheu den lieben Teddybär. „Wer bist du denn? Dich habe ich hier noch nie gesehen.“
„Ich bin Brummbär Max“, kam sofort die Antwort. „Und wie heißt du?“
„Ich bin Lottchen und wohne dort drüben in dem weißen Haus mit dem grauen Dach!“
„Ach hast du es gut. Du hast ein Dach über dem Kopf.“ Max blickte das Kätzchen aus traurigen Augen an.
„Hast du denn kein Zuhause?“, erkundigte sich Lottchen.
Da begann der Teddybär seine ganze Geschichte zu erzählen und Lottchen hörte geduldig zu. Sie verstanden sich gut, die Beiden. Lottchen hatte den Brummbär Max in ihr Herz geschlossen und umgekehrt hatte der Bär das kleine Lottchen sofort lieb gewonnen. Deshalb machte das Kätzchen dem Teddybär auch einen Vorschlag.
Könnt Ihr Euch denken, was sie Brummbär Max vorgeschlagen hat?

Jedenfalls sind alle rundum glücklich und freuen sich ihres Lebens und überall, wo die Beiden hinkommen, werden sie freudig von den Tieren begrüßt. Die Geschichte von Brummbär Max hat sich nämlich inzwischen herum gesprochen.

 

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Jetzt fängt mein neues Leben an

 

Vater und Sohn

Heute möchte ich einmal eine etwas andere Geschichte einstellen. Sie stammt nicht von mir.  Ich habe mir zwar zunächst überlegt daraus eine eigene Kurzgeschichte zu machen, aber das wäre eigentlich schade, denn sie stammt aus der Feder unseres Sohnes. Ich habe sie auf einem Kalenderblatt gefunden. Als ich unseren inzwischen erwachsenen Sohn fragte, wann er sie denn geschrieben hat, erhielt ich nur die Antwort: „Im Mai!“

An das Jahr kann weder er noch ich mich erinnern, im Übrigen fehlt das Deckblatt des Kalenders mit der Jahreszahl. Schätzungsweise war er damals ungefähr elf, vielleicht 12 Jahre alt. Es war wohl ein Projekt im LER Unterricht (Lebensgestaltung – Ethik – Religion), an welchem er teilgenommen hatte. Allerdings kann ich auch das Thema nicht benennen, ich denke aber es ging um Redensarten, Weisheiten, Sprichwörter o.ä..

Diese Geschichte ist wie immer mitten aus dem Leben gegriffen und könnte sich noch heute in ähnlicher Form abspielen. Die Protagonisten dieser Geschichte stammen wohl aus unserem Familienkreis. Obwohl keine Namen genannt werden, kommt mir die Situation sehr bekannt vor. Deshalb gehe ich davon aus, dass es sich um meine beiden Männer handelt, nämlich um unseren Sohn Timo und um meinen Göttergatten Peter. Im Folgenden werde ich diese kleine Geschichte wörtlich wiedergeben:

Vaters Lieblingsfilm

„Hallo Papi! Dein Lieblingsfilm läuft in einer Stunde im Fernsehen. Wollen wir uns den gemeinsam ansehen?“, fragte der Sohn den Vater.

„Na klar!“, erwiderte dieser. „Sag mir Bescheid, wenn der Film beginnt.“

Mit diesen Worten verschwand er in seinem Zimmer und wurde zum ersten Mal gerufen, als der Film anfing.

„Ja, ja ich komme gleich!“

Nach fünf Minuten rief der Sohn zum zweiten Mal.

„Ehrlich, ich bin gleich da.“

Diese Szene wiederholte sich noch mehrere Male. Als der Vater endlich ins Wohnzimmer spaziert kam, meinte er zum Sohn: „So, jetzt schauen wir uns mal meinen Lieblingsfilm an!“

Aber da lief gerade der Abspann. – Es war zu spät! –

Wenn man sich etwas vornimmt, dann muss man es auch ausführen, denn:

„Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!“

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Wenn Ihr mich jetzt fragt, von welchem Lieblingsfilm meines Mannes unser Sohn sprach, so kann ich wieder nur raten. Auch die Befragung von Mann und Sohn führt zu keinem eindeutigen Ergebnis. Wir vermuten allerdings, dass es sich damals um einen Film von Louis de Funes handelte.

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Wenn der Vater mit dem Sohn…

Fürstlich

Wir haben am Samstag einen kleinen Ausflug gemacht, der sprichwörtlich ins Wasser fiel. Hätte es nicht angefangen zu regnen, wären wir sicherlich länger geblieben und hätten uns mehr Zeit genommen. So mussten wir allerdings nach einer relativ kurzen Besichtigung den Ausflugsort fluchtartig verlassen. Ihr wollt trotzdem wissen, wo wir waren und was wir dort gesehen haben? Dann schaut Euch diesen Beitrag weiter an:

Unser Ziel ist nur 60 km von unserem Haus entfernt und somit eigentlich von uns schnell und jederzeit erreichbar. Doch wir haben es in den vergangenen Jahren noch nicht geschafft diesen kleinen Ort im Landkreis Dahme-Speewald zu besuchen. Es handelt sich um einen Ortsteil der Stadt Luckau, welcher den Namen „Fürstlich Drehna“ trägt. Der Ort, der ehemals einfach nur Drehna hieß, wurde laut Wikipedia* 1807 von Graf Moritz von Lynar ebenso wie das Schloss in „Fürstlich Drehna“ umbenannt. Allerdings gab es nochmals zwischen 1950 bis 1990 die Umbenennung in „Drehna“, dem dann zum 1.1.1991 wieder das „Fürstlich“ vorangestellt wurde.

Der Ort ist klein und schmuck und sicherlich einen Ausflug wert.

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Der Himmel ließ schon erahnen, dass der Regen bald über uns hereinbrechen würde.

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Und schon war die Straße vor dem Cafe und der evangelischen Dorfkirche nass.

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Aber wir wollten das Schloss sehen und setzten unseren Weg fort.

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Und da stand es auch schon vor uns, umgeben von einem Wassergraben.

Laut einer Informationstafel gehen die Ursprünge des Schlosstandortes auf eine slawische Burganlage zurück.

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Diese Informationstafel gab auch noch über andere Fakten Auskunft:

Als 1521 der Ort Drehna von der Famlie von Minckwitz übernommen wurde, erbauten sie das Schloss neu und es entstanden auch der Wassergraben um das Schloss und die Wehrtürme.

Es erfolgten nun mehrere Besitzer und unterschiedliche Bauaktivitäten. So werden auf der Inffotafel die Familie von Promnitz (1697), Moritz Graf Lynar (1807) und die Bremer Reedereifamlie Wätjen (1877) als Schlossherren benannt.

„Nach dem Zweitenweltkrieg wurde das Schloss enteignet und zu DDR-Zeiten als Jugendwerkhof genutzt.“**

Heute gehören Schloss und Park der Brandenburgischen Schlössergesellschaft und im Schloss befindet sich ein Hotel.

Wir haben zunächst einen kleinen Rundgang um das Schloss gemacht.

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Mehr als dieser kleine Rundgang war leider nicht möglich, da uns der immer wieder einsetzende Regen einen Strich durch die Rechnung gemacht hat.

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Aber wir konnten uns gut vorstellen, wie schön es ist, hier unter blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein spazieren zu gehen.

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So konnten wir auch nur einen kurzen Eindruck von dem etwa 52 ha großen Landschaftspark erhaschen, welcher sich trotz trüber Wetterlage als äußerst reizvoll präsentierte.

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Wir erspähten hohe Baumgruppen

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und geheimnisumwitterte Ecken. Gerne hätten  wir in diesem von Peter Joseph Lenné gestalteten Landschaftspark den gusseisernen Pavillon gesehen,

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doch die Regentropfen ließen uns wieder ins Innere des Schlosses eilen. Wir müsen also noch einmal hierher kommen.

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Innen erwarteten uns 2 Ritter(rüstungen).

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Laut Wikipedia wurde das Schloss in den Jahren 2006 und 2007 saniert und als Hotel umgebaut.

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Im Innenhof, wo man sich auch bewirten lassen kann, entdeckten wir in der hinteren Ecke etwas Interessantes. Seht Ihr es auch?

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Eine Kutsche!

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Da Männer manchmal wie Kinder sind, musste mein Mann natürlich in dieser Kutsche Probe sitzen.

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Ein letzter Blick von innen nach außen und dann ging es zurück zum Auto, bevor der große Regenschauer einsetzte.

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Ich hoffe Euch hat dieser Ausflug gefallen und ich konnte Euch etwas zeigen, das Ihr noch nicht kanntet.

 

* vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Fürstlich_Drehna (Stand: 27.6.2015)

**Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Fürstlich_Drehna  (Stand 27.6.2015)

Anmerkung: Das Beitragsbild stellt ein Gemälde dar, das an der Rezeption des Schlosshotels zu sehen ist.

 

 

 

 

 

Götter- und Erlebniswelt

Neulich habe ich Berichte über die Slawenburg  und über die sorbischen Ostereier  geschrieben. Vielleicht erinnert Ihr Euch noch. Heute möchte ich Euch wieder in die Welt der damals auch hier ansässigen Slawen entführen. Die Slawen hatten ihre eigene Götterwelt, was bedeutet, dass sie nicht nur an einen Gott glaubten, wie dies z. B. im Christentum der Fall ist, sondern eine Vielzahl von Göttern verehrten. In diese Götterwelt bin ich gestern eingetaucht, als ich im Erlebnispark Teichland war, der nur ein paar Autominuten von uns entfernt ist.

Die Slawen beteten verschiedene Götter an, welche die Aspekte der Natur oder des menschlichen Lebens verkörperten. Sie verehrten ihre Götter auf Hügeln oder sogenannten Götterhainen und oftmals wurden diese auch in Orakeln befragt. In Sagen überlebten die kleinen Götter, wie z. B. der Wassermann oder die Mittagsgöttin, doch die großen Götter gerieten nahezu in Vergessenheit. Im Erlebnispark Teichland wurde als Kunstwerk ein Götterhain geschaffen, der diesem Vergessen entgegenwirken  und die Besucher über den Glauben der Slawen informieren soll. Kupferstiche von 1714 dienten als Vorlage für die dargestellten Götterfiguren.

Der Götterhain besteht aus 8 Götterfiguren aus der slawischen Mythologie und Sagenwelt. Sie sind aus Holz gefertigt und besitzen Überlebensgröße. Diese Götterfiguren bilden einen Kreis in deren Mitte sich der oberste Gott Swantewit befindet. Er kann mit seinen vier Köpfen in alle Himmelsrichtungen schauen und somit die Welt überblicken.

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Wenn man diesen Götterhain betritt und im Uhrzeigersinn den Kreis abschreitet, dann trifft man zunächst auf Porevith.  Er hat unter seinem großen Hut vier Gesichter und auf seiner Brust erkennt man noch ein fünftes Gesicht. Er gilt als der Beschützer der Schwangeren und der Lebenskraft. Die schwangeren slawischen Frauen wünschten sich starken männlichen Nachwuchs und beteten daher zu ihm.

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Prono ist der Gott des Rechts, ein kluger, aber auch strenger Richter. Vor seiner Brust prangt ein Schild und in der linken Hand hält er einen Speer oder Spieß mit einer Fahne. Die Krone oder der Kranz auf seinem Kopf wird sozusagen festgehalten durch seine übergroßen Ohren, als Zeichen, dass ihm nichts entgeht. Laut den Infotafeln durfte innerhalb seines Hains kein Blut vergossen werden und dort fanden auch Verfolgte Asyl. Weiterhin wurde dort jeden Montag in seinem Beisein Gericht gehalten.

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Neben ihm steht Siwa, die Göttin des Lebens und der Liebe. Mit ihren langen Haaren verkörpert sie selbstverständlich die Schönheit, aber auch die Stärke und die Kraft. In ihrer rechten Hand hält sie einen Apfel und in ihrer linken Weintrauben, welche die Fruchtbarkeit symbolisieren sollen. Der Kranz auf ihrem Kopf ist laut der Überlieferung ein Zeichen der Vollkommenheit.

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An ihrer Seite steht Radegast, der Gott des Krieges. Sein Wappenschild vor der Brust trägt den Kopf eines Büffels. Er ist ansonsten nackt dargestellt und sein ständiger Begleiter, ein Adler, sitzt auf seinem Kopf. Bevor die Slawen in eine Schlacht zogen, gingen sie in seinen Tempel und nach glücklicher Heimkehr brachten sie ihm dort Opfer.

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Der etwas kleiner anmutende Flyns sitzt als gekrönter Löwe auf einem Thron und ist der Gott des Todes. Er hält einen Stab in der Hand, an deren oberen Ende eine Flamme brennt. Diese soll seine Zerstörungskraft darstellen.

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Liuba bedeutet im Wendischen „die Liebevolle“ und deshalb gilt sie auch als die Göttin der Liebe. Laut Infotafeln wurde diese Figur nach einer Idee von W. Meschkank gestaltet. Er orientierte sich dabei an einer tschechischen Bibel aus dem 14. Jahrhundert, wo eine Abbildung existierte.

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Neben ihr gibt es die Figur eines alten Mannes, der mit nackten Füßen auf einem Fisch steht. Es ist Credo, der Gott auf dem Fisch. Durch seine breite Schärpe weht der Wind, er trägt einen Korb mit Blumen und Früchten in der einen Hand und in der anderen Hand hält er ein Rad, als Symbol für den Kreislauf der Natur und für die Sonne. Er verkörpert das Wetter, die Tier- und Pflanzenwelt.

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Nach diesem Rundgang durch den slawischen Götterhain1200px-DSC04397

ist unser Ziel der gegenüber stehende Aussichtsturm.

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Er ist über 50 Meter hoch und

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es gibt keinen Aufzug nach oben, – nur eine Treppe mit vielen, vielen Stufen.

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Es sind 272 an der Zahl. Ein Blick nach unten zeigt uns, dass wir sie bewältigt haben. Wir haben es geschafft und können jetzt einen Blick von oben auf die umliegende Landschaft werfen.

1200px-Blick von oben

Wir blicken auf Windkraftanlagen, die in der weiten Landschaft stehen,

1200px-Windkraft

auf Felder,

1200px-Felder

auf das Braunkohlekraftwerk ( aus den Kühltürmen steigt nur Wasserdampf und CO2 angereicherte Luft in den Himmel auf),1200px-Kraftwerk

auf die Peitzer Fischteiche,

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auf Wälder und Wiesen,

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auf den Tagebau (dies soll unsere zukünftige Ostsee werden),

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und noch einmal ein letzter Blick auf den Götterhain und dann geht es wieder die Treppen hinunter.

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Es war ein schöner und interessanter Ausflug und ich werde Euch irgendwann noch mehr von dem Erlebnispark Teichland, aber auch von den kleinen Göttern aus den Sagen und Mythen der Slawen erzählen.*

 

* Quelle: Mein Bericht basiert auf den Informationen, die man auf den Infotafeln im Erlebnispark Teichland lesen kann.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tim und Tom

Tim wohnt mit seinen Eltern im selben Haus wie die Großeltern. Es ist ein großes Haus, in dem zwei Familien ausreichend Patz haben. Unten ist die Wohnung von Opa und Oma. Oben leben Tim und seine Eltern. Der Gemüsegarten wird hauptsächlich von den Großeltern bewirtschaftet. Tims Vater allerdings kümmert sich um den Rasen, um die Obstbäume und die Sträucher. Tims Mutter pflügt die Erdbeeren, außerdem macht sie die Gurken und Bohnen ein. So hat jeder etwas zu tun. Und die Aufgaben rund um das Jahr sind verteilt.

Heute ist der vierjährige Tim ganz aufgeregt und hüpft von einem Bein auf das andere.
„Opa?“, fragt er. „Bekomme ich wirklich ganz alleine für mich ein eigenes Beet und darf ich da auch alles pflanzen, was ich möchte?“
„Ja, na klar, bekommst du ein eigenes Beet“; schmunzelt der Großvater. „Aber erst einmal müssen wir uns heute um Großmutters Blumenbeet kümmern. Schau mal, dort die schönen roten Knospen. Bald werden die Pfingstrosen blühen. Doch wir müssen sie auch tüchtig gießen, damit sie wachsen können und ihre Knospen aufspringen. Auch müssen wir die Erde ein wenig aufhacken.“
Der Großvater öffnet die Tür des Gartenhauses und stöbert im Regal so lange, bis er fündig wird. Er reicht Tim ein kleines buntes Gießkännchen und eine kleine Hacke.
„So nun bist du ein richtiger Gärtner und wir können uns gemeinsam an die Arbeit machen!“
Doch Tim hat in dem Regal etwas entdeckt, das seine Aufmerksamkeit erregt. Er zupft an Opas Hosenbein, deutet auf das zweite Regalbrett von unten und fragt:
„Darf ich den auch haben?“
Der Großvater weiß zunächst nicht, was Tim meint, doch dann entdeckt er den alten Gartenzwerg, der Pfeife rauchend auf dem Regalbrett steht.
„Na sicher kannst du den haben. Er ist nur schon ein wenig in die Jahre gekommen. Er stammt noch aus der Kindheit deines Vaters, als der etwa so alt war wie du jetzt.“
Irgendwie sieht er total lieb aus mit seiner grünen Gärtnerhose und der roten Zwergenmütze, findet Tim. Auch wenn die Farbe an manchen Stellen schon etwas gelitten hat, macht er insgesamt gesehen noch einen recht guten Eindruck. Und das Schönste an ihm ist sein weißer langer Bart, wie er eben zu einem richtigen Gartenzwerg gehört.
Tim holt den Zwerg aus dem Regal und bringt ihn zu Großmutters Blumenbeet. Dort stellt er ihn zwischen die Pfingstrosen und eine Pflanze, an der ganz viele kleine rote Herzen hängen. Oma hat ihm einmal erzählt, dass man diese Pflanze „das tränende Herz“ nennt, weil ihre herzförmigen kleinen Blüten so aussehen, als würde eine Träne von ihnen herunter fallen.
„So“, sagt Tim zu dem Gartenzwerg. „Du passt jetzt gut auf die Blumen auf und sagst mir sofort Bescheid, wenn irgendetwas nicht in Ordnung ist!“
„Mach ich doch glatt!“, antwortet der Gartenzwerg und zwinkert Tim mit einem Auge zu.
Erschrocken springt der Junge zur Seite und schüttelt den Kopf.
Nein, das hat er jetzt sicherlich geträumt, denn Gartenzwerge können gar nicht reden. Das ist doch total lächerlich, sie sind doch keine Menschen.
„Nur Menschen können reden“, überlegt sich Tim gerade, als der kleine Winzling munter weiter plappert:
„Ich heiße übrigens Tom!“
Der Junge reibt sich zuerst die Augen und dann zieht er vorsichtig an seinem rechten und an seinem linken Ohr. Irgendetwas scheint hier nicht zu stimmen.
„Und du bist der Tim, stimmt’s!?“
Vorsichtig beugt sich der Junge zu der Figur hinunter.
„Kannst du wirklich reden?“, fragt er leise, nachdem er sich nach allen Seiten hin vergewissert hat, dass ihn niemand sehen und hören kann.
„Ja“, kommt die Antwort des zarten Stimmchens. „Aber nur auserwählte Menschen können uns Gartenzwerge an ganz bestimmten Tagen hören. Du bist ein solches Menschenkind und heute ist es wieder einmal soweit.“
Der Zwerg zieht an seiner Pfeife und bläst Tim den Tabakrauch ins Gesicht. Dieser muss ein wenig husten, räuspert sich dann und richtet gleich zwei neue Fragen an den Winzling:
„Wo kommst du her und wo sind denn alle anderen Gartenzwerge aus deiner Familie?“
„Ach“, meint Tom. „Das ist eine lange Geschichte. Willst du sie hören?“
Und ob das der Junge will. Er nickt zur Bestätigung mehrmals kräftig mit dem Kopf.
„Alles fing kurz nach meiner Geburt vor genau dreihundertachtundsiebzig Jahren an“, erklärt Tom.
Tim setzt sich im Schneidersitz vor den Gartenzwerg. Auch in seinem Zimmer setzt er sich immer auf den Teppich, wenn ihm der Großvater etwas aus seiner eigenen Kindheit erzählt.
„Damals passte meine Mutter einen Moment lang nicht auf mich auf und schon war ich verschwunden. Eigentlich wollte ich nur mal ein paar Schritte um die Ecke laufen. Gartenzwerge können nämlich schon gleich nach der Geburt laufen“, erzählt der niedliche kleine Tom.
„Ja und dann habe ich mich ganz fürchterlich verlaufen. Ich wusste einfach nicht mehr, wie ich in meinen Heimatgarten zurück komme.“

Der kleine Zwerg Tom sieht plötzlich aus, als wolle er weinen. Aber er erzählt trotzdem weiter:
„Ich war sehr traurig. Rufen und Weinen half mir auch nicht weiter. Also blieb ich einfach stehen und hoffte, dass meine Mutter mich wieder finden würde.“
Tim hört gespannt der Erzählung des Gartenzwerges zu, dessen Erlebnis ihn ebenfalls total traurig macht. Er hätte auch Angst und würde weinen, wenn er seine Mutter nicht mehr finden könnte, das weiß Tim ganz sicher. Sanft streicht er mitfühlend über den kleinen Zwerg, der aber sofort weiter plappert:
„Als ich so wartete und wartete, sah ich plötzlich, dass jemand vor mir stand. Ich sah nach oben und blickte in ein grimmiges Gesicht. Es war der böse Gartenzwergzauberer, vor dem wir uns alle fürchten. Ich wollte flüchten, doch er hielt mich einfach fest.“
Tim schlägt vor Schreck seine Hand vor den Mund. Seine Augen sind weit aufgerissen. Er ist wie gebannt und blickt sich schnell um, ob auch der böse Gartenzwergzauberer nirgendwo in der Nähe ist.
„Und dann?“, fragt er ganz aufgeregt.
„Dann hat er das Zaubersalz über mich gestreut und es war um mich geschehen. Ich bin einfach erstarrt. Ich konnte nicht mehr weglaufen. Aber das Schlimmste ist, dass es seither allen Gartenzwergen ebenso ergeht. Deshalb stehen wir immer nur unbeweglich, stumm und still in den Vorgärten.“
Tim sitzt vor dem Gartenzwerg im Gras und fragt ihn:
„Bist du tatsächlich schon so alt?“
„Naja“, zwinkert ihm der Zwerg zu. „Ich habe heute sogar Geburtstag. Und als Geburtstagsgeschenk darf ich an diesem Tag für ein paar Minuten mit einem Menschenkind sprechen. Ich kann dir heute sogar einen Wunsch erfüllen. Du musst mir nur sagen, was du dir wünschst!“
Jetzt ist Tim an der Reihe sprachlos zu sein. Einen Wunsch! Vater sagt immer, dass Tim eine ganze Menge Wünsche hat. Aber komisch, jetzt im Moment fällt ihm kein einziger Wunsch ein. Tim zieht seine Stirn in Falten. Das hat er bei Großvater gesehen. Er macht es nämlich immer, wenn er ganz scharf nachdenkt. Also denkt jetzt Tim auch ganz angestrengt nach.
Und!? Halt! Da ist doch etwas, das er noch niemand verraten hat.
„Sag es mir ganz schnell“, ermahnt ihn der Gartenzwerg Tom. „Meine Kräfte lassen schon nach!“
Tom kann nur noch flüstern und auch seine kleine Pfeife raucht nur noch ein wenig.
„Schnell, schnell!“, flüstert der Gartenzwerg. „Sag es mir geschwind oder denk ganz fest daran, sonst klappt es nicht mehr!“
„Ich wünsche mir so sehr einen kleinen…“
Das Pfeifchen ist erloschen. Es raucht nicht mehr und auch Tom der Gartenzwerg lächelt ihn nur stumm an, als sei nichts geschehen.
Tim reibt sich seine Augen.
„Hat er das alles eben nur geträumt oder hat der Gartenzwerg tatsächlich mit ihm gesprochen?“, fragt er sich insgeheim.
Schade, er hat seinen Wunsch nicht mehr aussprechen können.
Was hat er sich wohl gewünscht? Ihr seid neugierig geworden? Soll ich es euch verraten? Nein! Das müsst ihr schon selbst heraus finden.
Schaut her, gerade nimmt Tim die kleine Figur mit der roten Zipfelmütze hoch, als ihn etwas winselnd an der Hand leckt…

 

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Knut Knopf

Mit Schaufel und Eimer

Was ist nur los? (Teil 2)

Bestimmt könnt Ihr Euch noch an die kleine Astrid erinnern, die in der Ferne ganz großes Heimweh bekommen hat. Ich habe erst neulich (Was ist nur los?) in einer meiner Kurzgeschichten davon erzählt. Bei meinem letzten Besuch bei meiner Mutter, suchte ich ein bisschen in meinen alten Schätzen aus meiner Kindheit herum. Ich habe viele schöne Dinge gefunden, über die ich Euch jedoch zu einem anderen Zeitpunkt berichten werde.
Aber stellt Euch vor, unter diesen ganzen Erinnerungsstücken fand ich einen Brief. Diesen habe ich vor sehr, sehr langer Zeit an meine Eltern geschrieben. Ich kann nicht anders, ich muss ihn Euch zeigen. Es ist nämlich der Brief, den ich damals von Nürnberg aus an meine Eltern geschickt habe. Ich ging zwar immer in der Annahme, ich hätte ihn niemals abgeschickt, aber Briefmarke und Stempel berichten mir etwas anderes.
Ich habe ihn natürlich sofort geöffnet und auch meiner Mutter vorgelesen. Sie meinte ganz mitleidig und mit sanfter Stimme:
„Och, da hat die kleine Astrid Heimweh gehabt!“
Ja, selbst mir sind beim Lesen ein paar Tränen gekommen. Das Heimweh war anscheinend noch viel schlimmer, als ich gedacht hatte. Aber lest selbst diesen herzergreifenden Brief:

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Anscheinend erreichte meine Eltern dieser Brief kurz bevor mein Anruf kam, jedoch am selben Tag. Meine Mutter hatte bereits meinen Vater in Kenntnis gesetzt und so konnte die Rettungsaktion „Astrid“ eingeleitet werden.
Ich denke, heute erübrigen sich viele Worte, denn dieser Brief spricht für sich selbst:

Heimweh tut ganz schrecklich weh!!! Das werde ich niemals vergessen.

 

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Was ist nur los? (Teil 1)

 

Meister Adebar

Wie unschwer an der Überschrift erkennbar ist, geht es heute bei mir um den Storch. Bei uns ist zur Zeit nämlich eine weltweit einmalige Ausstellung über diesen großen Vogel und dabei dreht es sich nicht nur um den Klapperstorch. Sie heißt „Störche der Erde“ und ist vom 1.5. bis 30.9. 2015 hier in Cottbus zu sehen. Leider ist bei dieser Ausstellung kein lebendes Exemplar dieser Vogelart zugegen, aber sie ist sehr interessant und anschaulich.

Die Bezeichnung Meister Adebar auf ihre Herkunft und Bedeutung hinterfragt, findet man bei Wiktionary folgende Erklärung:
„Herkunft:
germanisch auda Glück, Heil + bera tragen, gebären“
„Bedeutungen:
[1] Bezeichnung des Storches in Märchen und Fabeln bei den Germanen und Deutschen. Häufig wird die alte bürgerliche Anrede Meister (heute: Herr, vergleiche englisch: Mister) verwendet und der Storch wird als Meister Adebar angesprochen.“ (http://de.wiktionary.org/wiki/Adebar (Stand.12.6.15)
Manchmal spricht man auch von „Langbein“, was nicht sehr verwunderlich ist, denn mit langen und dünnen roten Beinen stolziert er auf der Suche nach Futter durch das hohe Gras oder sogar durch das Wasser. Erwähnenswert ist auch, dass die Füße der Störche keine Schwimmhäute besitzen. Das Gewicht variiert je nach Art zwischen 1Kilogramm (Klaffschnabel) und 9 Kilogramm (Marabu). Die meisten Störche bezeichnet man als Standvögel, die nur zur Nahrungssuche Flüge von geringer Entfernung unternehmen. Allerdings können einige Arten durch ihre große Spannweite auch Flüge über mehrere tausend Kilometer zurücklegen und sind sogenannte Zugvögel. Zu ihnen gehören der Weiß- und Schwarzstorch. Der Weißstorch ist ein imposanter Vogel mit einer Spannweite von 2m bis zu 2,20m.

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Zu der Familie der Störche gehören 6 Gattungen und 19 Arten, von denen die meisten Arten in Asien und Afrika leben.

Der Weißstorch wurde laut Wikipedia zweimal als Vogel des Jahres ausgezeichnet, nämlich 1984 und 1994.  Bekannt ist er auch unter dem Namen Klapperstorch, weil er zur Begrüßung des Nestpartners und zur Verteidigung mit seinem Schnabel klappert. Wie oft hat man nicht selbst als Kind im Tierpark vor diesen Tieren gestanden und in die Hände geklatscht, um sie zum Klappern zu animieren.
Aber es gibt ja nicht nur den Weißstorch,

1200px-Weissstorch

sondern auch den Schwarzstorch,

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aber die Artenvielfalt reicht noch weiter:

Auch der Marabu, der Riesenstorch, der Sattelstorch, der Argala Marabu und der Sunda Marabu, der Buntstorch,

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der Wollhalsstorch, der Milchstorch und der Mohrenklaffschnabel … gehören dazu.

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Diese Ausstellung zeigt aber nicht nur Störche, sondern informiert auch über viele andere Dinge, die mit diesen Vögeln in Verbindung stehen. So erfährt der Besucher, dass Störche generell gefährlich leben und unseres Schutzes bedürfen. Da oftmals Wiesen und Feuchtgebiete trocken gelegt werden, fehlt der nötige Lebensraum. Auch Stromleitungen, und Schädlingsbekämpfungsmittel gefährden den Storch. Der Klimawandel mit seiner zunehmenden Trockenheit tut sein Übriges dazu.

Informationen zum Vogelzug werden ebenso dargestellt wie einige Kuriositäten. So kann man lesen, dass 1822 ein Storch mit einem Pfeil im Hals gefunden wurde. Da es ein Pfeil eines zentralafrikanischen Jägers war, belegte dieser die aufgestellte Theorie, dass diese Vögel im Herbst ihre Reise nach Afrika antreten, um dort zu überwintern.

Ein Bericht der Lausitzer Rundschau vom 31.10.2001 wird erwähnt, in welchem von einer Begebenheit berichtet wird, die einen Storch in den Verdacht brachte, als Spion unterwegs zu sein. Man hatte nämlich einen Storch mit einem Satellitensender unter dem Bauch gefunden und zu einer Polizeistation in der Republik Burundi gebracht, wo man ihn hinter Gittern setzte.  Allerdings wurde er bald darauf wieder in die Freiheit entlassen, nachdem sich herausstellte, dass es ein Sender von der Universität Kapstadt war.

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Aber auch von Brauchtum und Aberglaube wird erzählt. So soll ein Storchennest auf dem Dach Glück bringen. Und da der Volksglaube besagte, dass sich die Seelen ungeborener Kinder in Teichen, Sümpfen oder Moore aufhielten und die Störche diese Gebiete bevorzugen, erzählte man, dass diese Vögel die Kinder bringen. Manche Neugeborenen haben einen roten Fleck im Nacken, was als Zeichen für den Transport des Babys im Schnabel des Storches  galt. (Unser Sohn scheint nicht vom Storch gebracht worden zu sein, denn ich erinnere mich an keinen roten Fleck im Nacken.) Auch der Biss des Storches ins Bein der werdenden Mutter ist überliefert.

Weiterhin wird über das Brauchtum und die Kulturgeschichte berichtet und natürlich gibt es Informationen zu den in der Lausitz vorkommenden Störchen und das Storchendorf Dissen. Ebenso kann man einen Film über den Internetstorch aus der Lausitz sehen.

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Zum Schluss fällt mir noch ein Spruch ein: „Da brat mir doch einer einen Storch“ und manchmal fügt man noch hinzu: „… aber die Beine recht knusprig“. Meist ist dies die Reaktion, wenn man etwas Unerhörtes erzählt bekommt, sieht oder erlebt. Eigentlich will man damit nur ausdrücken: „Das gibt es doch gar nicht!“ Schon im Alten Testament und zwar im 3. Buch Moses (11,19) wurde dem Volk Israel eine Liste mit Tieren genannt, die nicht gegessen werden durften. So wurde z.B. neben der Fledermaus auch der Storch genannt, da die aufgezählten Tiere als unrein galten.*

Bei den Germanen hingegen galt der Storch als Vogel des Donnergottes Thor als heiliger Vogel. Da Thor mit seinem Hammer Fruchtbarkeit schenkte, brachte man den Storch auch mit Kindersegen in Verbindung. Auch war er der Vogel der Fruchtbarkeitsgöttin Holda.

Ihr merkt: Diese Ausstellung ist sehr interessant und empfehlenswert. Ich hoffe Euch hat meine doch etwas länger geratene Zusammenfassung gefallen.

 

* vgl auch: http://www.wissen.de/redewendung/da-brat-mir-einer-einen-storch-2013-06-04

Was ist nur los?

Sie saß in dem Zimmer, das man ihr zugewiesen hatte. Es war kein großes Zimmer, aber ausreichend und gemütlich war es auch. Es hatte ein großes Fenster zum Garten hin, in dem allerdings ohnehin gerade nichts passierte. Wenn sie hinaus schaute, sah sie nur wie der Regen auf die Wiese platschte und sie in einen großen See verwandelte. Es sah aus, als ob der Himmel weinen würde.

Eine seltsame Stimmung breitet sich in ihrem Bauch aus. Ein Kribbeln, ein Ziehen und ein Zusammenkrampfen. Woran lag das? Und überhaupt, was war das? Noch nie hatte sie ein solches Gefühl verspürt. Es tat fast ein wenig weh. Nein, es tat ganz schrecklich weh.
Sie warf sich auf das Bett und starrte an die Zimmerdecke. Im Haus war alles ruhig, nur von unten aus der Küche klang das Klappern der Töpfe.
Seit drei Tagen war sie nun schon hier. Sie war ja selbst daran schuld. Man hatte sie auf die Situation ausdrücklich hingewiesen. Niemand außer ihr traf eine Schuld. Das war ihr klar. Und trotzdem hätte sie gerne jemand die Schuld dafür in die Schuhe geschoben. Leichter wäre es trotzdem nicht geworden, aber man hätte vielleicht auf eine andere Person sauer sein können. Aber so musste sie alles mit sich selbst ausmachen. Nur wie, das wusste sie jetzt und in diesem Moment auch noch nicht. Alles, was sie wusste war, dass sie sich nichts anmerken lassen durfte. Sie musste einfach nur so tun, als sei alles ganz normal und in bester Ordnung. Doch wie macht man das, wenn innerlich alles rebelliert und vibriert? Gute Miene zum bösen Spiel, so hatte sie neulich in einer Geschichte gelesen. Sie setzte sich auf und verschränkte die Arme vor der Brust. Dann atmete sie dreimal tief durch, so als gelte es Kraft zu schöpfen und sich selbst Mut zu machen. Danach stand sie auf, durchquerte das Zimmer und öffnete die Tür. Von unten drang Essengeruch nach oben. Sie lief die Treppe nach unten und sah ihre Tante am Herd stehen. Auf der untersten Stufe blieb sie stehen und setzte, wie sie meinte, ein fröhliches Gesicht auf. Doch anscheinend war sie keine gute Schauspielerin, die von einer Sekunde auf die andere in eine neue Rolle schlüpfen konnte. Ihre Tante, die sich zu ihr umdrehte, erkannte sofort, dass etwas nicht stimmte:
„Ist irgendetwas nicht in Ordnung mit dir?“
„Doch, doch!“, versuchte sie die Situation zu überspielen und lächelte gequält.
„Aber du siehst ganz blass aus. Geht es dir nicht gut? Tut dir etwas weh?“
„Nein, nein! Es ist schon alles in Ordnung.“
Tapfer schluckte sie, denn sie spürte, wie die Tränen aufsteigen wollten.
„Nur nicht weinen!“, dachte sie und schluckte noch einmal.
Jetzt stand die Tante direkt vor ihr und sah sie mitleidig an.
„Bist du traurig?“, fragte sie sanft.
Sie schluckte noch einmal, aber schon sackte sie zusammen und sank auf die Treppenstufe. Dort kauerte sie wie ein Häufchen Elend und verbarg das Gesicht hinter ihren Händen. Die Tante sollte es nicht sehen, denn ihr rannen die Tränen aus den Augen.
„Es tut so weh!“, presste sie dann aber doch heraus.
„Du hast Heimweh, stimmt es?“, fragte die Tante in einem ruhigen Ton und strich ihr über die Haare.
Sie nickte kaum sichtbar. Ja, sie hatte Heimweh, ganz schreckliches sogar.
„Wollen wir die Mutti anrufen?“
Die Tante nahm sie an der Hand und ging mit ihr ins Arbeitszimmer, in dem das einzige Telefon im ganzen Haus stand. Die Tante wählte eine lange Nummer und reichte den Hörer weiter an Astrid.

Ja, dieses traurige kleine Mädchen war ich. Es ist ziemlich lange her, fast wie aus einem anderen Leben. Deshalb habe ich auch in der dritten Person geschrieben. Vielleicht auch, um meine damaligen Gefühle besser darstellen zu können.
Ich war damals höchstens zehn Jahre alt. Meine Eltern und ich waren an einem Wochenende zu der Cousine meines Vaters und deren Familie gefahren, die in Nürnberg wohnten. Es waren von meinem Elternhaus aus etwas mehr als 250 Kilometer. Ein Katzensprung, würde man heute denken. Aber vor 40 Jahren war es noch eine Entfernung, die man nicht mal so spontan zurücklegte. Die Autos heutzutage fahren schneller und die Straßen und Autobahnen sind auch besser ausgebaut. So musste man damals mit guten drei Stunden Fahrtzeit rechnen. Für ein zehnjähriges Mädchen zu der damaligen Zeit bedeutete dies keine geringe Distanz.
Ich freute mich zu Tante Christel und Onkel Toni zu fahren, wie ich die beiden nannte. Auch freute ich mich auf deren Söhne, die in einem ähnlichen Alter waren, wie ich. Wir verstanden uns prima und ich war von deren Rennbahn, die im obersten Zimmer des Hauses aufgebaut war, begeistert. Kein Wunder also, dass ich am Abreisetag nicht nach Hause fahren wollte. Außerdem waren gerade Ferien.
Ich lag also meinen Eltern in den Ohren, sie mögen mich doch da lassen und erst am nächsten Wochenende wieder holen.
„Eine Woche kann ziemlich lange sein“, meinte meine Mutter, die mich sicherlich auch gerne wieder mit nach Hause genommen hätte. Zumal ich zum damaligen Zeitpunkt noch nie alleine weg war und schon gar nicht so lange und so weit.
„Die beiden Jungs fahren aber morgen schon zu ihrer Oma und Onkel Toni muss in einer anderen Stadt arbeiten und kommt auch erst am Freitag wieder. Du bist dann mit mir alleine. Wenn du dich nicht mit mir langweilst, darfst du gerne bleiben. Ich freue mich“, erklärte mir die Tante.
„Ich muss auch die ganze Woche arbeiten und kann dich wirklich erst am nächsten Wochenende wieder holen“, meinte mein Vater. „Wirst du auch kein Heimweh bekommen?“
„Ach Quatsch! Ich bin doch schon groß und bekomme kein Heimweh.“
Davon war ich in diesem Moment felsenfest überzeugt. Und anscheinend brachte ich dies so glaubhaft rüber, dass sie mich tatsächlich in Nürnberg ließen. Und es ging ja auch gut, bis dann am dritten Tag das Heimweh so groß wurde, dass ich es nicht mehr verbergen und auch nicht mehr aushalten konnte. Tante Christl hatte viel mit mir unternommen. Wir besuchten die Burg, waren in der Stadt und machten dies und das. Sie kochte nur das, was ich auch gerne aß, denn sie wusste, dass ich ein schlechter Esser war. Sie war total lieb zu mir.
Heute würde man über Festnetz oder Handy in telefonischer Verbindung bleiben, aber damals hatten meine Eltern noch kein Telefon. Also musste meine Tante bei den Nachbarn anrufen, die dann meine Mutter holten. So konnte ich ihre Stimme hören und sie mein herzzerreißendes Schluchzen.
Was war also das Ende vom Lied? Meine Eltern setzten sich noch am selben Abend, nachdem mein Vater Feierabend hatte, ins Auto und fuhren nach Nürnberg. Da mein Vater keinen Urlaub hatte und meine Mutter keinen Führerschein besaß, fuhr er mit uns also noch in dieser Nacht wieder nach Hause, um dann morgens um sieben wieder zur Arbeit zu fahren. Was man nicht alles so für sein Töchterchen tut. Danke Papa!
Ich weiß jetzt auf alle Fälle wie sich Heimweh anfühlt und dass es tatsächlich richtig weh tut. Da kann mir keiner mehr was vormachen!

* Das Beitragsfoto stammt von unserem Sohn, der es mir für diesen Beitrag zur Verfügung gestellt hat.

Hilfe!!!

Die Idee zu dieser Geschichte lieferte mir ein anderer eifriger Leser meines Blogs. Er berichtete mir von einer wahren Begebenheit, die allerdings schon einige Jahrzehnte zurückliegt. Da sowohl er als auch seine Gattin mit Humor gesegnet sind und beide dieses Ereignis mittlerweile auch mit Fassung tragen, erlaubten sie mir daraus eine Geschichte für meinen Blog zu machen, vermischt wiederum mit ein bisschen Fantasie. Nennen wir die Protagonisten einfach mal: Sabine, Klaus, Hartmut und Max und schon kann es losgehen:

Sabine und Klaus sind inzwischen in einem Alter, in dem man gerne einmal in Erinnerungen schwelgt. Vor einem Jahr haben sie ihre Silberhochzeit gefeiert und einen Enkelsohn, den fünfjährigen Max haben sie auch schon.
„Opa!“, ruft Max aus seiner Spielecke, die der Großvater für ihn im Gästezimmer eingerichtet hat. „Komm schnell! Meine Eisenbahn ist kaputt!“ Klaus begutachtet sogleich die Lokomotive, deren Kontakte sich nur ein wenig verbogen haben und schon kann sie wieder über die Gleise flitzen.
„Du bist ein richtiger Held!“, ruft Max aus, drückt seinen Opa ganz fest und gibt ihm einen Kuss auf die Wange. Noch bevor Großvater Klaus sich stolz seiner Heldentat rühmen kann, hört er Großmutter Sabine laut lachen. Klaus und Max sehen sie verwundert und fragend an:
„Ja, ja ich dachte auch einmal, dass Opa so ein Held ist wie Superman. Aber dann … naja, damals war er vielleicht einfach nur noch etwas zu jung.“
„Was war denn damals?“, will Max wissen.
„Warte mal!“, sagt Großmutter Sabine und geht zum Bücherregal. Sie zieht ein altes Fotoalbum hervor, setzt sich in einen Sessel und blättert darin herum, bis sie die entsprechenden Fotos gefunden hat.
Max schlüpft ganz schnell auf ihren Schoß und steckt seinen Kopf zwischen die Albumseiten.
„Wieso habt ihr einen Wäschekorb fotografiert und was liegt da auf der Schaufel?“
„Lass dir das mal von Opa erzählen, der kann sich bestimmt auch noch erinnern!“
„Bitte Opa! Erzähl!“, bettelt Max.
„Großvater Klaus kann seinem Enkel keinen Wunsch abschlagen und so beginnt er zu erzählen:
„Du kennst doch meinen Bruder Hartmut!“
„Na klar!“, bestätigt Max. „Der bringt mir doch immer was mit, wenn er zu Besuch kommt.“
„Hartmut war damals auch zu Besuch hier. Es war ein wunderschöner Samstagmorgen und wir hatten zu dritt auf der Terrasse gefrühstückt. Alles begann also ganz harmlos. Wir lachten und waren guter Dinge, aber das sollte sich bald ändern.
Nach dem Frühstück ging ich ins Badezimmer um mich zu rasieren und Hartmut wollte oben in seinem ehemaligen Kinderzimmer ein wenig lesen.“
„Und Oma? Was hast du gemacht?“, will Max wissen.
„Ich lief erst in den Garten, um die Wäsche, die ich schon am Abend zuvor aufgehängt hatte, wieder abzuhängen. Danach ging ich in die Küche, holte Bügelbrett und Bügeleisen und begann die Wäsche zu bügeln.“
„Alles war ganz friedlich doch plötzlich durchbrach ein Schrei die Stille im Haus“, erzählt Opa Klaus weiter.
„Ahh! Hilfe! Und sofort kam der nächste Aufschrei: Hilfe, eine Schlange!“
Max Augen werden immer größer und er hört dem Großvater gebannt zu.
„ Ich dachte erst, ich hätte mich getäuscht oder es käme aus dem Radio. Aber es war eindeutig Oma Sabines Stimme. Ich dachte mir allerdings, dass meine Sabine ganz schön schlau war und es ein netter Versuch sei mich aus dem Badezimmer zu locken.“
„Ich habe mir fast die Kehle aus dem Hals geschrien!“, ergänzt Großmutter Sabine.
„Zugegeben, die Hilfeschreie wurden immer lauter und schriller. Ich wurde dann doch etwas skeptisch. Also beschloss ich meine Morgentoilette zu beenden und den Schreien auf den Grund zu gehen. Da vernahm ich auch Schritte auf der Treppe. Das schien Hartmut, mein Bruder, zu sein. Anscheinend war auch er neugierig geworden.
Gemeinsam schlichen wir zur Küche, aus der recht deutliche Ansagen an uns zwei junge Männer kamen. Der genaue Wortlaut ist mir leider entfallen, doch ich glaube Oma Sabine erhoffte sich dringend Hilfe von uns.“
„Aber sicher!“, ereifert sich Großmutter Sabine. „Ich arme Frau sah mich plötzlich einer Schlange gegenüber. Was sollte ich denn anders machen, als die beiden starken Männer zu Hilfe zu rufen, die im Haus waren. Sie mussten mich doch erretten.“
„Und Opa?! Hast du das getan?“
„Naja, mit Schlangen und Männern ist das so eine Sache“, versucht der Großvater auszuweichen.
„Wenn da tatsächlich eine Schlange in der Küche ist, dann könnte sie auch irgendwo aus einem Terrarium ausgebüxt sein, dachte ich mir so und mein Bruder schien die gleichen Gedanken zu hegen.
Auf jeden Fall ließen wir zunächst einmal Vorsicht walten. Man kann ja nie wissen…“
Oma Sabine beginnt zu lachen: „Ich weiß nicht, wer sich hinter wem versteckte. Aber du kannst es dir so vorstellen, Max: Ich sah zwei Köpfe übereinander vorsichtig in die Küche spähen. Nur zu meiner Rettung kam keiner der beiden Superhelden zu mir in die Küche. Glaube mir, ich hatte richtig Angst, wagte mich kaum zu bewegen und mein Herz klopfte wie wild. Dein Opa und Hartmut konnten sich anscheinend aber auch nicht bewegen, denn sie standen die ganze Zeit über wie angewurzelt im Türrahmen.“
„Zunächst konnten wir keine Gefahr erkennen, doch dann sahen wir sie“, übernimmt Großvater Klaus wieder die Erzählung. „Hinter dem Wäschekorb kam sie hervor gekrochen. Tatsächlich, es war eine Schlange.“
Max schlägt sich die Hände vor den Mund und hält kurz die Luft an, so spannend findet er Opas und Omas Erzählung.
„Beim zweiten Blick erkannten wir dann allerdings, dass es sich lediglich um eine Blindschleiche handelte. Also eine ganz harmlose Schlange.“
„Gott sei Dank, denn jetzt konnten die beiden Männer getrost mutig sein“, erklärt Oma Sabine dem kleinen Max. „Ich wage mir nicht vorzustellen, was passiert wäre, wenn es eine Giftschlange gewesen wäre.“
Opa Klaus ignoriert diese letzte Bemerkung seiner Frau, die ohnehin gleich weiter erzählt:
„Wahrscheinlich war die Blindschleiche im Garten in den Korb und unter die Wäsche gekrochen. In den Garten hat sie Opa dann auch wieder befördert. Dafür hat er die Schaufel gebraucht. Und sein Bruder Hartmut hat den Wäschekorb und die Schaufel mit der Schlange darauf, schnell noch fotografiert. Und so kamen die beiden Fotos hier in das Album.“
Eigentlich hatte sich Sabine damals mit zwei Männern im Haus etwas mehr Heldentum erhofft. Und ein bisschen enttäuscht war sie auch gewesen, dass sich ihr Liebster nicht wie Superman zu ihrer sofortigen Rettung in die Küche geschwungen hatte. Doch davon sagte sie ihrem Enkelsohn nichts, sondern meinte nur:
„Ja, so ein kleiner Held war Opa damals ja vielleicht doch. Denn immerhin hat er mich im Endeffekt doch noch vor der harmlosen Schlange errettet und ihr auch noch das Leben geschenkt, indem er sie in die hinterste Ecke im Garten verbannte.“

 

Vielleicht interessiert Euch auch noch meine Bloggeschichte, die den Leser dazu veranlasste mir über dieses Schlangenerlebnis zu berichten:

Dreibein& Co