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Vom Winde verweht

Ich bin Laubinchen, ein Blatt. Vielleicht bist du mir schon einmal begegnet. Auf jeden Fall kennst du meine Schwestern und Brüder. Wir sind nämlich eine sehr große Familie. Wenn wir alle versammelt sind, nennt man uns Laub. Wir wohnen auf den Laubbäumen und sind im ganzen Land verteilt. Wenn der Baum groß und kräftig ist, also sozusagen schon ausgewachsen, dann hängen bestimmt 100 000 meiner Schwestern und Brüder an ihm. Obwohl es von uns so viele gibt, die sich auch noch alle ähneln, ist trotzdem jeder von uns einzigartig. 

Im Frühjahr, wenn es langsam wärmer wird und die Sonne ihre wärmenden Strahlen zur Erde schickt, dann brechen wir aus den Blatthöckern heraus und lassen den einst kahlen Baum ergrünen. Die Menschen freuen sich dann und sagen, dass die Natur wieder erwacht.
Im Herbst, wenn wir dann unser Grün gegen Gelb, Braun und Rot austauschen, erfreuen wir die Menschen wieder mit unserer Farbenpracht. Wenn wir unseren Farbstoff Chlorophyll abgebaut haben, dann dauert es nicht mehr lange und und wir fallen zu Boden. Der Baum ist dann kahl und im Frühjahr kommen wieder neue grüne Blätter, also weitere Geschwister von mir. Das ist ein ewiger Kreislauf.
Auch ich bin jetzt vom Baum gefallen und liege mit meinen Familienmitgliedern auf der Erde. Die ganze Wiese rund um den Baum haben wir inzwischen schon abgedeckt. Für die Käfer, Würmer, Igel, anderes kleines Getier und das Gras sind wir jetzt eine wärmende Schicht. Und gegenseitig halten wir uns natürlich auch warm, denn jetzt kann es schon ganz schön kalt werden in den Nächten und auch die Tage sind bereits kühler.
Gerade waren Kinder auf der Wiese. Sie sind durch das Laub gestampft und haben uns in die Höhe geworfen. Dabei sind wir Blätter ganz schön durcheinander gerüttelt und geschüttelt worden. Plötzlich ist kein Blatt mehr da, wo es vorher lag. Auch ich liege jetzt weit von meinem Baum entfernt. Ich brauche aber keine Angst zu haben, denn ich bin ja nicht allein. Es hat Spaß gemacht herumzuwirbeln und ich warte auf eine Kinderhand, die mich wieder hoch wirft. Aber die Kinder müssen nach Hause, denn es wird gleich dunkel.
Eigentlich fürchte ich die Dunkelheit nicht, weil ich ja schon immer Tag und Nacht draußen war.
Inzwischen ist es stockdunkel und kalt. Plötzlich höre ich ein Geräusch. Ich kenne es schon. Das ist der Wind. Als ich noch grün an dem Baum hing, da hat mich der Baum festgehalten. So konnte ich nicht hinunter fallen, wenn der Wind tüchtig geblasen hat. Manchmal kam sogar ein Sturm daher. An meinem Baum hat er einen Ast abgeknickt und der Baum konnte ihn nicht mehr versorgen. Ich war damals sehr traurig. Ich habe die Blätter dieses Astes sehr vermisst.
Der Wind ist inzwischen stärker geworden und kommt in Böen daher. Mit jedem Windstoß werde ich ein Stückchen weiter getragen. Mir ist schon ganz schwindelig von dem vielen Durcheinanderwirbeln. Ich schlage Purzelbäume, stecke auf einmal in den Zweigen eines Busches fest und werde kurz darauf wieder durch einen neuen Windstoß befreit. Er trägt mich zuerst hoch in die Luft, um mich dann neben einer Mauer fallen zu lassen. Links und rechts von mir liegen noch andere Blätter. Wir sind hier ein bisschen geschützt vor dem Wind, kuscheln zusammen und schlafen tatsächlich bis zum Morgengrauen ein.
Als ich wieder aufwache, ist ein lautes Getöse neben mir und ich spüre wieder einen Luftzug. Ich blinzele und erkenne einen Menschen mit einer Maschine in der Hand, an der ein großer Sack befestigt ist. Ich fühle, dass dies eine große Gefahr ist, denn viele der anderen Blätter verschwinden in dem Rohr und wandern in den großen Sack.
„Ich will da nicht hinein“, denke ich ängstlich. „Diese Maschine verschluckt uns alle.“
Immer mehr presse ich mich in den kleinen Spalt zwischen Erde und der Mauer.
„Vielleicht findet mich hier diese unheimliche Maschine nicht und saugt mich nicht auch noch auf“, so hoffe ich.
Ich verhalte mich ganz still, damit mich kein Mensch bemerkt.
Ich habe Glück, denn der Mensch mit seiner Maschine wandert weiter und entfernt sich immer mehr von mir.
Neben mir kauert auch noch ein kleines Blatt.
„Das war der Laubsauger“, sagt es zu mir.
„Was passiert mit unseren Geschwistern und Freunden, die der Laubsauger gefressen hat?“, will ich wissen.
„Ich habe die Igel sagen hören, dass die Blätter auf einen großen Haufen kommen und den Igeln und anderen kleinen Tieren Schutz bieten. Mit der Zeit werden die Blätter irgendwann zu Erde.“
Als ich traurig auf das Blatt neben mir schaue, versucht es mich zu trösten.
„Das ist nicht schlimm, denn wir werden alle zu Erde und wenn ein Samenkorn auf uns fällt, dann kann daraus wieder eine neue Pflanze wachsen und wir können ihr unsere Nährstoffe geben, damit sie groß und schön wird.“
Ich würde dem kleinen Blatt gerne noch weiter zuhören, aber ein Mädchen steht auf einmal vor mir.
„Schau mal!“, sagt es zu einem Jungen. „Das ist doch ein wunderschönes Blatt. Das nehme ich mit nach Hause.“
Sie hebt mich auf und legt mich in einen Korb, in dem noch andere Blätter liegen. Sie sehen zwar alle unterschiedlich aus, aber wir sind alle Blätter und gehören doch auch irgendwie zusammen. Deshalb fürchte ich mich nicht, denn ich bin ja nicht allein.
Zuhause angekommen legt das Mädchen mich auf ein Stück Zeitungspapier. Dann legt sie mich damit in ein Buch, deckt mich nochmals mit Zeitungspapier zu und dann klappt sie das Buch zu. Um mich herum ist es ganz dunkel. Zuerst ist mir ein bisschen unheimlich zumute, aber dann fühle ich mich eigentlich ganz wohl. Es ist warm, gemütlich und ganz still. Ich spüre, dass mir keinerlei Gefahr droht. Deshalb schlafe ich auch ganz beruhigt und lange ein.

Ich wache erst wieder auf als ich viele Kinderstimmen höre. Ich blinzele vorsichtig und blicke in staunende Kinderaugen. Das Mädchen, das mich in den Korb gelegt hatte, ist auch dabei.
„Was ist geschehen?“, frage ich mich und schaue mich um.
Die Kinder haben auf ein Stück Tapete einen großen prächtigen und kräftigen Baum gemalt. Jetzt darf jedes Kind die mitgebrachten Blätter an diesem Baum befestigen. Auch ich werde von dem Mädchen an einen Zweig, ganz oben in die Baumkrone gehängt.
Ich bin glücklich, denn ich hänge gemeinsam mit vielen anderen und unterschiedlich aussehenden Blättern wieder an einem Baum.
„Das habt ihr wirklich schön gemacht“, sagt eine Frau. „Das ist jetzt unser Klassenbaum und jeder darf seinen Namen neben ein Blatt schreiben.“
Neben mir steht der Name des Mädchens, das mich aufgehoben und in seinen Korb gelegt hat:

Bettina

Unter dem Blatt neben mir schreibt ein anderes Mädchen seinen Namen:

Zahira

 

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Herbstgedanken

Wetterprognosen

Hessischer Herbst

 

Des einen Freud, des anderen Leid

„Was kochst du, Oma?“, ruft Klein Anna in die Küche.

„Na, was gibt es heute wohl?“, fragt Kai-Uwe, den jeder den Professor nennt, weil er Klassenbester ist und alles weiß. „Heute ist doch…“

„Hab ich einen Bärenhunger!“, schneidet ihm Opa das Wort ab. „Was gibt es?“

„Schau doch auf dem Kalender nach“, schlägt Kai-Uwe vor.

Erstaunt blicken alle Augen auf ihn, während Oma eine Schüssel hereinträgt.

„Jippi, Nudeln!“, jubelt Anna. 

„Was sonst, am Tag der Internationalen Nudel“, erklärt Kai-Uwe. *

„Oh, nein!“, stöhnt Opa. „Nudeln! Die fallen mir ständig von der Gabel. Da isst man sich ja hungrig!“

 

 

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Ein Tässchen Kaffee gefällig?

 

*Der 6. Oktober gehört zu den kuriosen Feiertagen: International Noddle Day

siehe auch: https://www.kuriose-feiertage.de/international-noodle-day/

 

Was so alles passiert ;-)

Tina und Ina verbringen ein paar Tage am Mittelmeer. Am Abend sitzen sie gemütlich auf der Hotelterrasse. 

„Ich gehe zur Toilette. Bitte bestelle uns Rotwein“ fordert Tina ihre Schwester auf.

Als sie zurückkommt, hat sie Tränen in den Augen.

„Was ist passiert?“, fragt Ina erschrocken. „Warum weinst du und hältst Deinen Arm hinter dem Rücken versteckt?“

Tinas Antwort wird immer wieder von ihrem eigenen Lachen unterbrochen.

„Ich … wollte… die Bluse… 

Freudentränen kullern über Tinas Wangen.

„…mein Uhrenarmband… der Stoffgürtel… ich hänge fest!..“

„Was würdest du ohne mich machen?!“, lacht nun auch Ina und befreit ihre Schwester aus der misslichen Lage.

 

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Zwiegespräch

 

Das Erlebnis mit dem Schwein

Als die Mutter Tom nach dem Urlaub in den Kindergarten bringt, wird dieser freudig von der Erzieherin Liane begrüßt: 

„Schön, dass du wieder da bist. Nachher darfst du uns von deinen Erlebnissen berichten.“

„Ich hatte ein Schwein im Zimmer“, sprudelt es sofort begeistert aus dem Jungen heraus. „Beinahe wäre die Vase kaputt gegangen, aber das Schwein war ja da.“

„Urlaub auf dem Bauernhof?“, fragt Liane.

„Nö, Mallorca“, entgegnet Tom und vergrößert damit Lianes Verwirrung.

Jetzt muss die Mutter laut lachen.

„Tom hatte einfach nur Schwein, dass sein Ball nicht die Vase getroffen hat. Ein Glücksschwein sozusagen,“ klärt sie das Missverständnis.

Die Schiffsfahrt

Die vierjährigen Zwillinge, Ines und Jens, verbringen mit den Großeltern das Wochenende am See. Beide tragen Matrosen-T-Shirts, als alle an Bord eines Ausflugsschiffes gehen. Jauchzend beobachten sie vom Oberdeck die Wellen und die Möwen. Als sie das Schiff wieder verlassen, dürfen die Beiden ein kleines Dankeschön für dieses schöne Erlebnis in ein Kästchen werfen.

„Oma, was machen die Matrosen und der Kapitän mit dem Geld?“, fragt Ines.

„Sie kaufen Farbe, zum Streichen des Schiffes“, lautet die Antwort.

„Das denkst du“, flüstert Opa, denn sie hat nicht gehört, was er gehört hat:

„Das reicht bestimmt für einen Kasten Bier!“

Was ist das denn?

Ines und ihr Mann Hannes haben sich beide für heute Nachmittag frei genommen, weil sie einige Erledigungen in der Stadt machen müssen. Inzwischen ist fast alles abgearbeitet, nur noch der Hosenkauf von Hannes steht auf dem Plan. Da dieser gar keine Lust darauf hat, unterbreitet er Ines einen Vorschlag:

„Lass uns doch dort drüben in dem Cafe noch gemütlich einen Kaffee und ein Stückchen Kuchen genießen.“

„Du willst dich wohl um den Hosenkauf drücken?“

„Ich doch nicht“, zwinkert ihr Hannes zu.

Da Ines ansonsten nichts gegen eine kurze Pause einzuwenden hat, suchen sie sich im Außenbereich des Cafés ein gemütliches Plätzchen.
Gerade haben sie ihre erwählten Leckereien serviert bekommen, schaut Hannes seine Frau an und runzelt die Stirn.
Ines fasst sich instinktiv an die Nasenspitze.

„Habe ich einen Pickel auf der Nase oder warum schaust du mich so seltsam an?“

„Das nicht gerade, aber was ist das denn?“

„Was denn und wo überhaupt?“

„Dein Gesicht. Das fällt mir jetzt erst auf“, spricht Hannes immer noch in Rätseln.

„Ich sehe aus wie immer, habe mich geschminkt wie sonst auch und habe keinen Pickel auf der Nase… Also, was stört dich sonst an meinem Gesicht?“

„Irgendwie sieht du anders aus. Hast du vielleicht Rouge aufgelegt?“

„Nein, du weißt doch ich benutze nur Lidschatten oder Eyeliner, Mascara und Lippenstift.“

„Nein, nein, das ist es ja auch nicht, eher der Rest vom Gesicht.“

„Also Hannes, du machst mich total unsicher. Jetzt rück endlich mit der Sprache heraus!“, fordert Ines ihren Mann aufgelöst auf.

„Schau doch einfach mal in den Spiegel!“

„Ich habe keinen dabei, also nun rede endlich Klartext!“

„Naja, du siehst…“

„Oh nein!“, ruft Ines plötzlich erschrocken aus. „Dort ist Elene, du weißt schon, die aus unserer Straße, die immer alle Neuigkeiten weiß. Wenn sie mich so sieht, weiß morgen jeder, was ich im Gesicht habe…“

„Huhu!“, ruft es da schon und Elene marschiert schnurstracks auf den Tisch von Ines und Hannes zu.

„Ach, du grüne Neune!“, ruft sie auch sofort aus, als sie neben Ines steht. „Was ist das denn?“

Inzwischen ist Ines fast den Tränen nahe. Ihren Kuchen schiebt sie weit von sich, denn nun verspürt sich keinerlei Appetit mehr.

„Du bist ja total rot!“, kichert Elene, sieht irgendwie lustig aus. Ist das ein Ausschlag? Das ist bestimmt ansteckend!“

„Was ist denn mit mir? Vorhin als ich auf der Toilette war und mir vor dem Spiegel die Haare gekämmt habe, war doch alles noch in Ordnung.“ 

Ines versteht die Welt nicht mehr und sie kann kaum noch die Tränen zurückhalten.

„Jetzt reg dich mal nicht auf“, versucht Hannes seine Frau zu beruhigen. „Das ist bestimmt nichts Schlimmes. Wir sollten allerdings den Hosenkauf verschieben.“

„Ist das dein einziges Problem?“, gibt Ines bissig zurück.

„Ist doch gut, Ines! Komm wieder runter von der Palme!“, beschwichtigt nun auch Elene. „Ich war neulich auch in diesem Café und saß auf dem selben Platz wie du jetzt.“

„Na und! Das ist mir jetzt total egal!“, gibt Ines patzig zurück.

„Sollte es dir aber nicht sein!“, ruft Elene aus. „Pass mal auf!“

Mit diesen Worten schiebt Elene sich den Stuhl neben Ines zurecht und setzt sich unaufgefordert hin.

„So, und jetzt schaut mich mal an!“, fordert Ines die Beiden auf.

„Du bist total rot im Gesicht!“, rufen Hannes und Ines wie im Chor aus.

„So schnell ist diese Sache ansteckend“, lacht Elene und zeigt nach oben.

Das Ehepaar folgt ihrem Fingerzeig mit den Blicken und sieht die Sonne durch den roten Sonnenschirm schimmern.

„Komm!“, fordert Elene Ines auf, nimmt diese an der Hand und zieht sie von Tisch und Sonnenschirm weg auf den großen Platz. „Schau, und so schnell sind wir beide wieder geheilt!“

Die vorübereilenden Fußgänger sehen zwei Frauen, die sich in den Armen liegen und lachen, lachen, lachen.

Hat Astrid denn kein Schmuckkästchen?

Diese Frage stellte vor mehr als zwanzig Jahren die Tochter einer Bekannten. Das kleine Mädchen dachte, ich würde immer meinen gesamten Schmuck am Leibe tragen, denn das kannte sie von ihrer Mutter, die eher selten Schmuck trug, nicht. Ganz so schlimm war und ist es allerdings nicht, aber ich konnte und kann meine Liebe zu Schmuck nicht verleugnen. Und die begann schon im zarten Kindesalter.

Bei unseren alljährlichen Besuchen bei meiner Omaur (sprich: Uroma, von der ich schon an anderer Stelle berichtet habe) in Rottach – Egern, lernte ich mit ungefähr zwei oder drei Jahren auch deren Schwester kennen. Von ihr ging für mich eine derartige Faszination aus, dass ich sie nie mehr vergessen sollte. Diese Frau war über und über behangen mit Schmuck. An ihr glitzerte und klimperte sprichwörtlich alles. Sie trug an jedem Finger einen oder teilweise sogar mehrere Ringe, mehrere Armbänder und Ketten. Von den Ohrringen und der Uhr ganz zu schweigen. Ich konnte meinen Blick von dieser Frau gar nicht abwenden, dies fiel auch meinen Eltern auf. Von diesem Zeitpunkt an, war meine Freude über jedes einzelne Schmuckstück, das ich geschenkt bekam riesengroß, doch Ohrringe und Ringe liebe ich bis heute am allermeisten.

„Ohne Ohrringe gehe ich nie aus dem Haus“, erklärte ich einmal einer Bekannten. „Denn sonst würde ich mich irgendwie nackt fühlen.“

Man kann jetzt sagen, dass diese Leidenschaft vererbt sein mag oder vielleicht auch nur abgeschaut. Egal, ich mag einfach Schmuck, ob echt, ob unecht, ob aus Gold oder Silber oder einfach nur Modeschmuck.

Deshalb passe ich auch auf meinen Schmuck besonders gut auf. Doch als ich neulich im Internet den Aufruf von Stern TV las, in welchem die Besitzerin eines Eherings gesucht wurde, die diesen verloren hatte, musste ich doch der Tochter meiner Bekannten recht geben:

„Mit Schmuckkästchen wäre das nicht passiert!“ (Jedenfalls nicht, wenn sich das Schmuckstück darin befindet.)

Ich fragte mich allerdings auch: „Wie kann man seinen Ehering verlieren?“

„Wie kann man überhaupt einen Ring verlieren?“, grinste mich mein Mann an. „Oder weißt du, wie so was passieren kann?“

Da traf mich plötzlich der Schlag oder besser gesagt ein Geistesblitz, mit dem schlagartig meine Erinnerung einsetzte:

Es ist schon ein paar Jahre her. Ich weiß, dass es ein sehr stressiger Tag war, an dem ich viel zu erledigen hatte. Ich musste dort und hier hinfahren und dies und das erledigen. Zum Schluss war dann noch der Wocheneinkauf angesagt.

„Wollen wir heute in die Sauna gehen?“, fragte mich mein Mann dann auch noch am Abend.

„Ich bin total geschafft von diesem Tag heute“, meinte ich. „Aber warum nicht?“

Also wurden die beiden Sporttaschen für die Sauna gepackt, ich legte meinen Schmuck auf den Küchentisch und los ging es. Es war ein schöner und gemütlicher Abend. Und anschließend saßen wir mit Bekannten noch ein Weilchen in der „Saunabar“. Beim Abschied fiel mein Blick auf meine Hände. „Ich habe meinen Ring verloren!“ (Wohlgemerkt: Meine Ringe trage ich Tag und Nacht, die ziehe ich nie aus, ich wechsele sie höchstens.)

„Ach Quatsch!“, sagte mein Mann. „Welchen überhaupt? Sag jetzt nicht, dass es der ist, den du schon zweimal verloren hast!“

Ich nickte vorsichtig, denn genau um diesen Ring handelte es sich. Einmal hatte ich ihn im Urlaub verloren und ihn zwischen den schmutzigen Handtüchern gefunden und ein anderes Mal fiel er mir sogar in die Toilette. Ich konnte jetzt allerdings nur hoffen, dass alle guten Dinge drei sind, denn die beiden anderen Male hatte ich ihn ja wieder gefunden. Oder sollte ich besser Antonius von Padua anrufen, dieser Heilige gilt nämlich auch als Wiederbringer von verlorenen Sachen. Zunächst einmal beschloss ich allerdings selbst zu suchen, denn weit konnte der Ring meiner Meinung nach nicht sein.

Wir marschierten noch einmal in die inzwischen leeren Saunakabinen, in die Dusche und die Umkleide. In jeder Ritze schauten wir nach, konnten aber nichts finden. Frustriert beschrieb ich dem Saunabesitzer das Aussehen meines Ringes.

„Ich melde mich, wenn wir ihn finden!“, versprach er mir, doch ich glaubte nicht so recht daran, ihn in der Sauna verloren zu haben. Mein Mann hatte mich mittlerweile auch total verunsichert. Ich fragte mich insgeheim, ob ich ihn wirklich getragen hatte. Also fuhren wir nach Hause und suchten dort alles ab. Nichts! Der Ring blieb verschwunden. Ich war tieftraurig.

„Wo warst du denn heute überall?“, erkundigte sich Peter.

Ich berichtete von meinem Tag und fügte zum Schluss hinzu: „Als ich meine Jacke anzog, um noch einkaufen zu fahren, da hatte ich ihn noch, denn ich bemerkte, dass er rutschte!“

„Da haben wir es doch!“,stellte er fest. „Den hast du wahrscheinlich beim Einkaufen verloren! Dann liegt er irgendwo zwischen den Regalen.“

„Oder auf dem Parkplatz!“, überlegte ich weiter.

„Ruf einfach morgen im Markt an, vielleicht hat ihn ja jemand gefunden und abgegeben.“

Damit wollte ich mich jedoch nicht zufrieden geben und beschloss: „Ich fahre jetzt noch mal hin und suche auf dem Parkplatz.“

Der Blick meines Mannes auf unsere Küchenuhr sprach Bände. Er schien mich für total verrückt zu halten, denn die Uhr zeigte kurz vor Mitternacht an.

„Ich fahre. Kommst du mit?“

Da er mich um diese Zeit nicht alleine auf einem Parkplatz bei tiefster Finsternis herumlaufen lassen wollte, setzte er sich murrend hinter das Steuer und wir fuhren los.

„Wie willst du hier was finden?“

Peter leuchtete mit den Scheinwerfern des Autos den Parkplatz ab und ich lief suchend kreuz und quer. Selbst bei den Einkaufswagen, die brav in der Parkstation standen, suchte ich. Allerdings überall vergeblich.

„Lass uns endlich heimfahren! Der ist weg und bleibt weg!“

Männer, wie können die nur so gefühllos sein! Ich wollte einfach noch nicht aufgeben. Sicher, er konnte ebenso schon gefunden worden sein oder ich hatte ihn an einer anderen Stelle verloren.

„Nur noch ein Versuch! Bitte!“

Ich ging nochmals zu der Stelle, von der ich annahm, dass ich auf einem dieser 3 oder 4 Parkplätze geparkt hatte. Peter fuhr mir hinterher und erleuchtet wieder alles. Zentimeter für Zentimeter suchte ich alles mit meinen Augen ab.

„Lass doch endlich!“

„Nur noch hier drüben. Komm mal mit dem Auto ein Stückchen näher, damit ich mehr Licht habe!“

Widerwillig folgte Peter meinen Anweisungen: „Dann ist aber endgültig Schluss!“

„Ich weiß“, dachte ich noch, da sah ich im Scheinwerferlicht etwas glitzern.

„Das wird nur ein kleines Kieselsteinchen sein“, schoss es mir durch den Kopf. Ich ging aber doch zu der Stelle hin und bückte mich. Da lag er! Mein Ring! Ganz friedlich lag er in einer Fuge zwischen den Pflastersteinen. Vollkommen unbeschadet. Überglücklich hob ich ihn auf. Wahrscheinlich strahlte ich ebenso wie damals als Kind, als meine Puppe Rita wieder zu sprechen anfing (habe ich bereits in einer anderen Geschichte beschrieben.)

„Da hast du aber Glück gehabt!“, kommentierte Peter meine Freude. „Stell dir mal vor, er wäre dir in den Altglasbehälter oder in den Müll gefallen. Ich will mir gar nicht erst ausmalen, wie unsere Suche dann heute Nacht ausgesehen hätte.“

„Meinst du, es war wirklich nur Glück?“, fragte ich ihn. „Vielleicht war es aber auch Zauber, Magie oder doch einfach nur Zufall“, philosophierte ich strahlend.

„Das ist mir im Moment vollkommen egal, ich will jetzt einfach nur nach Hause und endlich in mein Bett.“

Da ich mich noch nicht dazu entschließen konnte diesen Ring verkleinern zu lassen, liegt er seither wohlbehütet in meinem Schmuckkästchen. Vielleicht sollte ich ihn jedoch als Glücksbringer an einer Kette um den Hals tragen. Das muss ich mir noch einmal durch den Kopf gehen lassen. Aber wofür habe ich dann ein Schmuckkästchen und wie war die Frage der Tochter meiner Bekannten noch einmal???

 

 

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Emma

Anton

Herzlichen Glückwunsch!

 

Hi, hi, … ;-)

„Wir verreisen nie ohne Paul“, erzählt der ältere Herr der Nachbarin. „Einmal stellten wir am Abend im Hotel fest, dass er noch im Auto war. Ich holte ihn, betrat mit ihm auf dem Arm den Aufzug und grüßte eine Fremde, die sich bereits dort befand. Sie fragte, in welche Etage ich wolle. Ich schaute Paul an und meinte: ‚Wir wollen in den zweiten Stock.‘ Ihren grinsenden Blick  erwiderte ich mit einem freundlichen Lächeln. Paul, den ich anstupste, nickte heftig.“

„Wer ist Paul?“

„Moment!“

Kurz darauf steht er mit Paul im Arm am Gartenzaun. Die Nachbarin streichelt lachend den grünen Krokodilshund.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Auf großer Fahrt

Mr. Stoneman’s friend

 

Er sieht rot

Während meines Studiums flog ich für einige Wochen nach England, um Land und Leute kennenzulernen. Am Londoner Bahnhof fragte ich einen jungen Mann, wo der Zug nach Bournemouth abfahren würde. Hilfsbereit nahm er mir sofort den Koffer ab und ging voraus. Ich fürchtete zwar er würde mit diesem flüchten, aber er führte mich zum betreffenden Gleis.  Schmunzelnd fragte er mich nach meiner Lieblingsfarbe. Meine Antwort hätte ich mir sparen können, denn ich stand mit rot gestreifter Bluse, roter Hose und roter Jacke vor ihm und meinen rotkarierten Koffer trug er in der Hand. Leider weiß ich nicht mehr, welche Schuhe ich trug. Rot?!

 

 

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Wie aus dem Malkasten

 

*Das Beitragsbild zeigt die Mecklenburgische Bäderbahn Molle, die zwischen Kühlungsborn und Bad Doberan fährt. 

Der Alte und der Neue

Es ist ein sonniger Tag, ich freue mich auf meine Arbeit. Doch plötzlich bringt die Hausherrin einen funkelnagelneuen Besen. „Jetzt hast du ausgedient“, sagt sie zu mir und stellt mich in die Ecke. „Der Neue ist viel schöner, so sauber. Mit ihm geht die Arbeit bestimmt viel flotter und besser.“
Ich muss zugeben, dass ich schmutzig, ziemlich abgenutzt und auch geschrumpft bin. Mit Eifer geht sie ans Werk. „Da macht die Arbeit richtig Spaß!“, ruft sie aus, doch nach einer Weile tauscht sie ihn gegen mich aus. Tja, denke ich, neue Besen kehren gut, aber die Alten kennen die Ecken.

 

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Ärger mit dem verflixten kleinen Ding

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Smiley

Ich bin Smiley und tauche an allen möglichen Orten, zu unterschiedlichen Gelegenheiten und Zeiten auf. Plötzlich bin ich da und verschenke mein strahlendstes Lächeln, weil das Leben dadurch viel schöner ist. Ich drücke Liebe, Dankbarkeit, Verbundenheit, Freude, Glück … aus und wecke Erinnerungen.
Heute erinnere ich Astrid daran, dass sie als Kind den Grießbrei schön fest wollte, so dass der Löffel darin stecken blieb. Als Mutter hat sie ihrem Sohn diesen Brei immer mit einem „Mandarinengesicht“ serviert. Weil sie sich daran erinnert, lächelt sie gedankenverloren vor sich hin und freut sich. Lächeln ist zwar ansteckend, aber gesund, darum lächelt einfach mit! 

 

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Aus der Schulzeit meiner Mutter

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Das Blau des Himmels

Die Idee zu dieser Geschichte wurde an einem schönen Sommertag geboren. Ich lag auf einem Liegestuhl und hatte die Augen geschlossen. Als ich sie öffnete, blickte ich zwischen zwei Sonnenschirmen hindurch direkt in den Himmel. Ich konnte meinen Blick nicht abwenden, denn dieses Himmelblau faszinierte mich und nahm mich in seinen Bann. Und plötzlich fielen sie mir ein, die vielen verschiedenen Redewendungen, die wir dem Himmel gewidmet haben. Dem Himmel sei Dank für unsere facettenreiche Sprache. Ihr kennt diese Redewendungen und Aussprüche alle und wahrscheinlich habt ihr sie im Laufe des Lebens auch schon selbst benutzt. „Also“, so dachte ich mir, „lass mich daraus eine kleine Geschichte basteln.“ Und hier ist sie:

Tina schwang sich auf ihr Rad und fuhr zu ihrer Freundin Suse. Die Beiden verband nicht nur eine lange und innige Freundschaft, immerhin nannten sie sich schon seit Schultagen Freundinnen, sondern sie hatten auch beruflich einen gemeinsamen Weg eingeschlagen. Seit einem Jahr hatten sie ein kleines Geschäft. Tina war Goldschmiedin und sie hatte schon immer davon geträumt sich selbständig zu machen. Doch alleine fehlte ihr der Mut. Suse war Schneiderin und unter ihren Händen entstanden die schönsten Kleider, die man sich nur denken konnte. Ihre schwingenden, rauschenden Abend- und Sommerkleider riefen immer und überall Begeisterung hervor. Gemeinsam mit Tinas ausgefallenen Schmuckkreationen waren sie einfach umwerfend. So wagten sie vor zwei Jahren den Schritt in die Selbständigkeit. Sie hatten Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um sich ihren Traum zu erfüllen. Der Anfang war schwer, manchmal waren sie himmelhoch jauchzend und dann wieder zu Tode tief betrübt. Doch jetzt lief der Laden. Sie verdienten keine Millionen, denn Geld und Erfolg regnet es bekanntlich nicht vom Himmel. Aber es reichte, um Beide zu ernähren und auch noch um monatlich eine Kleinigkeit zurückzulegen.

„Du, heute ist in der Stadt Flohmarkt. Lass uns mal hinfahren. Ich finde es himmlisch in alten Dingen zu kramen und in vergangenen Zeiten zu schwelgen. Diese alten Sachen erzählen soviel über ihre Besitzer“, schlug Tina ihrer Freundin vor.

Der Flohmarkt war recht groß, er führte durch die gesamte Innenstadt und zog viele Besucher an. Tina und Suse schlenderten von Stand zu Stand, bis Suse plötzlich einen kleinen Koffer entdeckte. Es war ein alter Lederkoffer und sah schon sehr mitgenommen aus. Sicherlich hatte er einst seinem Besitzer auf vielen Reisen gute Dienste geleistet. Kratzer und Narben zierten ihn und machten ihn erst interessant.

„Schau mal“, flüsterte Suse fast ehrfürchtig in Tinas Richtung. „Stell ihn dir in unserem Schaufenster vor: Ein Sommerkleid aus himmelblauem fließenden Stoff auf den geöffneten Koffer gelegt und davor einige Deiner Schmuckstücke drapiert, das müsste doch einfach nur himmlisch aussehen.“

„Ja, lass ihn uns kaufen!“, meinte Tina ebenfalls begeistert.

So wurden die beiden Frauen stolze Besitzer eines alten zerschlissenen und leeren Lederkoffers. Bewaffnet mit Schuhcreme und Tüchern gingen sie schon am nächsten Tag an die Arbeit, um das alte Stück wieder auf Vordermann zu bringen.

„Komm mal schnell her, Tina!“, rief Suse plötzlich aus. „Ich glaube hier ist ein doppelter Boden drin!“

Tatsächlich ließ sich der Boden an einer Ecke leicht anheben, doch mit den Jahren hatte er sich verzogen und verkantete sich nun. Ganz vorsichtig und behutsam schafften es die beiden Frauen jedoch, ihn zu lösen. Darunter verbarg sich eine Vertiefung von etwa zwanzig mal zwanzig Zentimetern. Und hierin lag ein kleines unscheinbares Buch. Die Blätter waren schon vergilbt und über und über mit einer zierlichen weibliche Handschrift bedeckt.

„Du ich glaube wir haben ein altes Tagebuch gefunden“, rief Tina aufgeregt aus.

„Kannst du diese alte Schrift denn lesen? So hat man noch zu Urgroßmutters Zeiten geschrieben.“

„Lass es uns einfach gemeinsam versuchen“, beschloss Tina und blätterte ehrfürchtig die Seiten um. An einem Eintrag aus dem Jahre 19… (die letzten beiden Ziffern waren nicht mehr zu erkennen) blieben sie hängen:

„Mein liebes Tagebuch“, lasen sie und stellten fest, dass es gar nicht so einfach war diese Schrift zu entziffern.

„Du bist mir in all den zurückliegenden Jahren immer ein treuer Begleiter gewesen. Ich habe mit dir gar manche glückliche Stunde geteilt, aber dir auch meinen Kummer anvertraut. So will ich mir auch heute alles von der Seele schreiben, was mich bewegt.

Bis vor ein paar Wochen hing für mich der Himmel noch voller Geigen. Karl und ich hatten uns gefunden und waren so glücklich miteinander. Wir schwebten den ganzen Sommer über im siebten Himmel. Unser Glück schien perfekt und wir machten schon Pläne für eine gemeinsame Zukunft. Er wollte mir den Himmel zu Füßen legen und mir die Sterne vom Himmel holen. Er versprach mir das Blaue vom Himmel. Doch dann änderte sich plötzlich alles. Karl ließ mich auf einmal links liegen. Er hatte nur noch Augen für die schöne Neue. Es hatte ihn wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen. Er sprach nur noch von ihr. Wenn wir die wenigen gemeinsamen und immer weniger werdenden Stunden miteinander verbrachten, lobte und hob er sie mit seinen Worten in den Himmel. Plötzlich hatte er kaum noch Zeit für mich. Immer wieder hatte er eine andere zum Himmel stinkende Ausrede, warum wir uns nicht treffen konnten. Und immer öfter traf ich ihn zufällig mit ihr an. Er strahlte dann jedesmal über das ganze Gesicht und man konnte seinen Stolz auf die Neue in seinen himmelblauen Augen lesen. Ich stand neben ihm und er streichelte und liebkoste sie zärtlich. Seine Augen leuchteten wie die Sterne am Himmelszelt. Während er mit ihr im siebten Himmel zu schweben schien, trübte sich für mich der Himmel ein. Es war eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit, so fand ich. Über mir stürzte der Himmel ein und ich ging durch die Hölle.“

An dieser Stelle hielt Tina mit dem Lesen inne und wischte sich eine die Wange herunter kullernde Träne weg.

„Typisch Mann!“, meinte sie. Sie versprechen Dir alles Mögliche und dann kommt die Nächste, dann lügen sie dir das Blaue vom Himmel herunter und plötzlich bist du Luft für sie.“

„Warte mal!“, sagte Suse. „Lies doch mal weiter, ich kann das gerade nicht richtig entziffern, es ist ein bisschen verwischt, gerade so als sei eine Träne darüber gelaufen. Wahrscheinlich hat die Verfasserin des Tagebuchs geweint.“

„Wundert dich das?“, fragte Tina und versuchte dann aber das zu entziffern, was nur noch als ein Hauch erkennbar war:

„Der Himmel weiß, was noch alles passiert wäre, hätte ich mich nicht mit den Tatsachen abgefunden und reagiert. ‚Um Himmels Willen, so sei es denn‘, dachte ich mir, streichelte sie ebenfalls und schwang mich mutig auf den Sitz hinter meinen Karl, um mit ihm und seiner geliebten Maschine davonzubrausen.“

„Ein Motorrad!“, Tina und Suse lachten erleichtert auf.

Gerade wollte Suse umblättern, um den nächsten Eintrag zu lesen, da ging die Türglocke, eine neue Kundin betrat das Geschäft und ließ die beiden Freundinnen sozusagen vom Himmel wieder auf die Erde fallen…

Kurzer Nachtrag:

Gerade als ich mir diese Geschichte auf meiner Sonnenliege ausgedacht hatte, hörte ich mit einem lauten Knall das Zusammenbrechen eines Liegestuhles und den Aufschrei meines Mannes:

„Himmel, A…. und Zwirn!“

 

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Herzlichen Glückwunsch!

Ein süßes Hörnchen und zwei kleine Diebe

 

Na so was!(2)

Susi hüpft die Stufen zum Erdgeschoss hinunter. Die Fünfjährige will zu ihrem Opa Werner, der gemeinsam mit Großmutter Wilhelmine bei ihnen im Haus wohnt. Sie bewohnen die untere Etage und Susi mit ihren Eltern leben in den beiden oberen Geschossen. 

„Opa langweilt sich doch so alleine, weil Oma Wilhelmine in der Kur ist. Ich leiste ihm ein bisschen Gesellschaft“, hat das Mädchen der Mutter beim Frühstück erklärt und den Opa begrüßt sie jetzt mit einem fröhlichen „Guten Morgen!“

„Hallo, meine Prinzessin, kannst du mir schnell mal beim Suchen helfen? Ich kann meinen Hut nicht finden. Du weißt ja, Oma räumt immer alles weg und ich finde dann nichts mehr.“

„Der liegt doch wie immer dort oben“, meint Susi und deutet auf die Hutablage der Garderobe. „Wozu brauchst du den denn?“

„Ich will Willi, meinen Bruder vom Bahnhof abholen, er hat auch Langeweile, weil seine Frau mit Oma an der Ostsee ist und deshalb will er solange bei mir bleiben.“

Das Mädchen klatscht vor Freude in die Hände. Willi ist nämlich Opas Zwillingsbruder und die beiden sehen sich zum Verwechseln ähnlich.

„Das wird ein Riesenspaß, wenn die Beiden gemeinsam hier wohnen“, denkt die Enkelin. Noch ahnt sie nicht, dass dieser Spaß schon in wenigen Minuten beginnt.

„Schnell, schnell, wir müssen los, – der Zug kommt in einer Viertelstunde an. – Ich zieh nur schnell noch meine Schuhe an“, erklärt ihr der ältere Herr und schlüpft in die bereitstehenden Slipper.

„Opa…“, meldet sich Susi zu Wort.

„Los, los! Wir dürfen keine Zeit verlieren!“

„Aber schau mal….“, versucht die Enkeltochter erneut dem Großvater etwas zu sagen.

„Jetzt nicht, später schauen wir uns das an“, antwortet dieser.

„Aber es ist wichtig…“

„Manchmal gibt es eben noch wichtigere Dinge“, Opa Werner ergreift die Hand des Mädchens und schon geht es in Richtung Bahnhof, wo sie völlig außer Atem am Gleis ankommen, als der Zug einfährt. Viele Menschen strömen aus allen Richtungen herbei. Susi bemerkt, dass die meisten den Großvater und sie mit einem Lächeln bedenken. 

„Die sind aber nett, sie lächeln uns alle zu“, sagt sie gerade in dem Moment als ein paar größere Jungs kichernd auf ihren Opa deuten. Jetzt fällt ihr wieder ein, was sie schon zu Hause dem Großvater sagen wollte.

„Du Opa…“, versucht sie einen erneuten Vorstoß. „Vorhin wollte ich…“

„Ach, schau nur …“, ruft Opa ganz aufgeregt aus. „Dort vorne steigt Willi aus!“

Jetzt sieht auch das Mädchen das Ebenbild seines Großvaters und vergisst, was sie sagen wollte. Willi, der ebenfalls einen Hut trägt, kommt winkend auf die Beiden zu. Susi stürmt ihm entgegen und wirft sich lachend in seine ausgebreiteten Arme. 

„Zur Begrüßung spendiere ich dir ein leckeres Eis“, schlägt Willi vor. 

Na, da lässt sich das Mädchen nicht lange bitten und zeigt gleich wo sich der nächste Eisstand befindet. Dort sucht sie sich ein leckeres Erdbeereis mit vielen bunten Perlchen aus. Beim Bezahlen fällt Willi ein Geldstück aus der Hand und Susi bückt sich sofort, um es aufzuheben. Da sieht sie es.
Kichernd reicht sie das Zwei-Cent-Stück der Frau hinter der Eistheke.

„Ach kleines Fräulein, du hast aber gute Laune! Naja, wenn man ein Eis bekommt…!“, sagt sie zwinkernd und reicht ihr den Eisbecher.

„Ihr seid doch Zwillinge“, meint das Mädchen, steckt sich ein Löffelchen mit der kühlen Köstlichkeit in den Mund und blickt kess zwischen Opa und Willi hin und her.

„Aber das weißt du doch“, sagt der Großvater und streicht ihr liebevoll über die blonden Locken.

„Mutti sagt, dass sich Zwillinge nicht nur äußerlich ähnlich sind. Sie haben auch die selben Angewohnheiten, selbst dann, wenn sie sich lange nicht gesehen haben.“

„Wie kommst du jetzt darauf?“, erkundigt sich Willi.

„Na, weil ihr anscheinend auch eine ganz bestimmte Angewohnheit habt.“

„Ja, ja“, gibt der Großvater zu. „Wir tragen gerne Hüte, das stimmt wohl.“

„Und noch mehr“, grinst die Kleine. „Die eine Angewohnheit sitzt oben, aber da unten gibt es noch eine andere …“

Sie deutet in Richtung Asphalt. Die Zwillingsbrüder folgen ihrem Zeigefinger und kurz darauf erschallt das fröhliche Lachen der Drei, das alle Vorübereilenden für einen kurzen Moment aufhorchen lässt.

„Na sowas!“, rufen die Zwillinge wie aus einem Munde.

„Ihr habt einen dunkelblauen und einen schwarzen Schuh an!“, trällert Susi und hüpft um die Beiden herum.
„Du hast den blauen Schuh am rechten Fuß“, richtet sie sich an Willi „und Opa am linken! Habt ihr euch abgesprochen oder macht ihr das immer so?“

 

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Der verflixte Tag

Nathalie liegt endlich im Bett. Es ist inzwischen schon zwei Uhr nachts. Ihre Gedanken lassen sie nicht los, denn in ihrem Kopf schwirrt es. Sie lässt die Ereignisse des vergangenen Tages Revue passieren:

„Der Tag war von Anfang an wie verhext“, denkt die junge Frau. „Nachdem Tom um kurz vor fünf Uhr zum Flughafen gefahren ist, habe ich dann total verschlafen. Um noch rechtzeitig im Büro zu sein, musste ich das Frühstück ausfallen lassen. Das wäre ja an sich kein Problem gewesen, wenn ich nicht auf die Idee gekommen wäre, mir beim Bäcker um die Ecke schnell einen Coffee to go zu holen. Den wollte ich auf dem Weg zum Büro trinken. Als ich dann stolperte, schwappte der Kaffee auf meine Bluse. Und ich habe es in der Hektik gar nicht mal bemerkt. Beim anschließenden Meeting machte mich allerdings eine Kollegin vor versammeltem Team auf den Fleck aufmerksam.“

Es war ausgerechnet die Kollegin, die sowieso ihre Schadenfreude niemals verbergen konnte und deshalb bei allen nicht besonders beliebt war. 
Zum Glück hatte Nathalie ein Tuch dabei, das sie sich derartig band, dass der Fleck verdeckt war.  Als wären das nicht schon genug schlechte Ereignisse für diesen Tag, trudelte sogleich die nächste unerwartete Nachricht per Telefon ein. 

„Es tut mir so leid, aber mein Flug von Paris nach Berlin wurde gecancelt und so kann ich erst morgen Früh den ersten Flieger nehmen“, hatte ihr Lebensgefährte Tom betrübt erklärt. „Das bedeutet, dass ich erst nach Hause komme, wenn du schon wieder im Büro bist. Dabei war eigentlich Hin- und Rückflug am selben Tag geplant.“

Das hat Nathalie zwar geärgert, aber es war nun mal nicht zu ändern. „Immerhin handelt es sich um eine Geschäftsreise, die von großer Wichtigkeit für Toms berufliche Karriere ist“, tröstet sich Nathalie auch jetzt noch mitten in der Nacht und sieht vor ihrem inneren Auge die weiteren Ereignisse des Tages vorüberziehen. 

Der Nachmittag im Büro verlief eigentlich recht normal und ohne kleine oder größere Ereignisse, so dass das Kopfkino sofort zu den Geschehnissen am  Abend sprang. Nathalie war zu ihrer besten Freundin Bea gefahren, die nach einer plötzlichen Trennung von ihrem Freund dringend seelischen Beistand brauchte. 

„Als ich das Knöllchen nach dem Besuch bei Bea an meiner Windschutzscheibe vorfand, ahnte ich nicht, dass die letzte Stunde des Tages noch eine weitere böse Überraschung für mich bereithielt“, gesteht sich Nathalie in Gedanken ein, als sie an die folgenden bangen Minuten denkt.

Sie war kurz nach dreiundzwanzig Uhr vor ihrem Haus eingetroffen, das sie gemeinsam mit Tom bewohnte. Ihr fiel zunächst nichts Ungewöhnliches auf. Doch als sie die Haustür öffnete, drangen seltsame Geräusche an ihr Ohr. Ihr Herz schien vor Schreck einen Moment auszusetzen. Geistesgegenwärtig schloss sie leise und vorsichtig wieder die Haustür. 

„Ich glaube bei mir sind Einbrecher im Haus“, hatte sie zu Bea gesagt, die schon beim zweiten Klingeln an ihr Handy gegangen war. 

„Ruf die Polizei und bring dich nicht in Gefahr, warte bis die Polizei da ist!“, hatte diese ihr eingeschärft. „Ich bin auch sofort bei dir!“

„Die beiden Polizeibeamten waren in Windeseile da und schlichen zuerst um das Haus herum. Auch sie hörten die Geräusche, die aus einem ganz bestimmten Zimmer zu kommen schienen. Es war Toms Büro“, erinnert sich Nathalie und beginnt zu frösteln. 

Weder in dem besagten Raum noch im gesamten Haus brannte Licht und Nathalie hatte den Polizisten glaubhaft versichert, dass ihr Lebensgefährte noch in Paris sei. Somit konnten es nur Einbrecher sein, zumal plötzlich auch ein leises Klirren zu hören war, als sei etwas umgefallen. 

Die Polizisten hatten Bea und Nathalie ins Auto geschickt und waren dann leise ins Haus geschlichen. Zunächst konnten die Freundinnen nichts Verdächtiges hören und auch nichts sehen, dann allerdings ging in jedem einzelnen Zimmer nacheinander plötzlich das Licht an und kurz darauf wieder aus. 

„Diese bangen Minuten, die mir wie Stunden erschienen, werde ich wohl so schnell nicht vergessen“, gesteht sich die immer noch hellwache Nathalie ein.

Tja und dann waren die beiden Polizeibeamten aus dem Haus gekommen und an ihr Auto herangetreten.

„Wir haben den vermeintlichen Einbrecher entdeckt“, hatte der Eine gesagt. Leider hat er die Bodenvase zerbrochen und die Blumen hat er ebenfalls zerstört.“

„Und wo ist er jetzt?“, hatte sie den netten Polizisten gefragt, der inzwischen ein verschmitztes Grinsen im Gesicht hatte und trocken meinte: „Dort, wo er hingehört!“

Auch der zweite Polizist hatte sich aus zunächst unerfindlichen Gründen sein Lachen nicht mehr verkneifen können und so ließ er die beiden verblüfften Frauen wissen:

„Wir haben ihn zur Station gebracht, er konnte sie anscheinend nicht mehr alleine finden konnte.“

„Wahrscheinlich haben Bea und ich ziemlich verdutzte Gesichter gemacht“, überlegt Nathalie, die nun langsam doch schläfrig wird.  Außerdem hat sie nun selbst ein Grinsen im Gesicht. „Gut, dass der eine Polizist uns dann alles genau erklärt und damit auch beruhigt hat.“

„Ihr Staubsaugerroboter war der Übeltäter. Er hatte sich selbstständig gemacht und fuhr im Zimmer hin und her. Nachdem er wohl beim Saugen hinter der Zimmertür diese zugeschlagen und sich somit selbst im Büro eingesperrt hatte, konnte er nicht mehr eigenständig zu der im Flur stehenden Aufladestation zurück. Jetzt ist er dort und schläft den Schlaf der Unschuldigen.“

 

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