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Opa Friedrich hat ein neues Auto gekauft.

„Warum hast du dir ein kleines Auto ausgesucht?“, fragt Jan nach der Spritztour, die er mit Opa  unternommen hat.

„Mit dem kleinen Auto findet man überall ein Plätzchen zum Parken“, meint der Großvater. „Geh du schon mal ins Haus, ich parke nur noch.“

Drinnen sitzt die Familie um den Kaffeetisch. „Wo bleibt denn Opa?“, will Jans Mutter wissen, als dieser sich einen Keks in den Mund steckt.

„Er sucht noch einen Park…Keks für sein Auto“, meint er beiläufig und sorgt damit für verdutzte Gesichter.

Park… Plätzchen!“, ruft der eintretende Großvater aus dem Hintergrund.

 

 

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Opas Geburtstagsgeschenk

Karlchen liegt im Bett. Eigentlich ist er kein Langschläfer, aber irgendwie scheint heute alles anders zu sein. Er schläft noch tief und fest als die Sonne schon vom Himmel lacht. Der kleine Junge erwacht erst aus seinen Träumen, als ein Sonnenstrahl ihn an der Nase kitzelt.

Doch dann ist er mit einem Schlag hellwach. Ihm ist es wieder eingefallen:

„Opa kommt heute aus der Kur zurück und er hat Geburtstag. Ich muss mich noch um sein Geschenk kümmern“, erklärt er der Mutter beim Frühstück.

„Hast du schon eine Idee, was du ihm schenken willst?“, erkundigt sie sich.

„Ja, ja, aber ich verrate es nicht. Das ist mein Geheimnis. Es soll eine Überraschung für Opa werden.“

„Opa kommt doch erst heute Nachmittag. Wenn du meine Hilfe beim Basteln oder so brauchst, dann sag es mir. Jetzt ist noch Zeit.“, schlägt sie ihrem Sohn vor.

„Nein, nein, das kann ich schon ganz alleine. „Ich weiß nämlich, was sich Opa schon lange wünscht.“

„Aha und was ist das?“

„Ich hab’ doch gesagt, dass ich es nicht verrate“, antwortet Karlchen. „Du erzählst es sonst Papa und Nina.“

Karlchen glaubt nicht, dass Papa und Mama etwas verraten würden, aber Nina ist noch klein. Sie geht noch nicht in den Kindergarten, aber plappert wie ein Wasserfall. Das sagt jedenfalls Opa immer. Sie würde bestimmt das Geheimnis ausplaudern und dann wäre es keine Überraschung mehr. 

„Du darfst mich nicht aufhalten, ich muss mich nämlich beeilen“, erklärt er der Mutter. „Sonst wird nicht alles rechtzeitig fertig.“

Aufgeregt läuft Karlchen in sein Zimmer und holt einen seiner zwei Teddybären vom Regal. Es ist der kleinere, denn den großen nimmt er immer mit ins Bett. Zuerst bürstet er den Teddy bis er wieder richtig flauschig ist. Danach kramt er in seiner Schublade, denn hier liegen alle seine gesammelten Schätze. Endlich hat er etwas gefunden, das er für sein Vorhaben als passend empfindet. Es ist eine rote Schleife an einem breiten roten Band. Diese Schleife bindet er dem Teddy um den Hals. 

„Chic siehst du aus“, flüstert er ihm zu. 

„So und jetzt kommt das Wichtigste. Uns darf niemand sehen, also sei schön still“, befiehlt er dem Bären.

Auf leisen Sohlen schleicht sich Karlchen mit dem Teddy, den er unter dem Pulli versteckt hat, in den Hauswirtschaftsraum. Dann geht alles ganz schnell. Zielsicher führt er seinen Plan aus. Allerdings hat er nicht mit seiner kleinen Schwester gerechnet, die ihn mit kleinen Trippelschritten verfolgt und alles beobachtet hat.

„Teddy!“, ruft sie laut. „Nina will Teddy!“

„Psst! Sei still!“

„Nina will Teddy!“, ruft seine kleine Schwester wieder. „Mama! Mama!“

„Nein, den kriegst du nicht!“, sagt Kerlchen ganz bestimmt.

„Mama! Ich will Teddy haben! Mama!!!!“

„Was ist denn hier los? Streitet ihr schon wieder?“, fragt der Vater, der gerade nach Hause gekommen ist und Ninas Geschrei vernommen hat.

Sofort ist Nina zur Stelle und zieht ihren Vater am Arm. „Komm mit!“, sagt sie und zieht ihn in den Hauswirtschaftsraum. 

„Hast du den Teddy versteckt?“, fragt der Vater seinen Sohn, der sich jetzt über seine Schwester ärgert.

„Nina macht die Überraschung für Opa kaputt!“, sagt er trotzig.

„Da! Teddy ist da!!“, ruft Nina und klopft gegen den Gefrierschrank.

„Du bist gemein!“ Karlchen gibt seiner Schwester einen Schubs. 

„Du bist gemein“, erklärt Nina und verzieht das Gesicht. „Teddy ist eingesperrt! Da!“, ruft Nina wieder und klopft abermals gegen den Gefrierschrank. „Teddy friert!“

„Ich glaube du solltest mir mal die ganze Sache erklären“, richtet sich der Vater nun an Karlchen und öffnet den Gefrierschrank, wo tatsächlich in einer der Schubladen der kleine Teddybär liegt.

Jetzt bleibt Karlchen nichts anderes mehr übrig, er muss nun mit der Sprache herausrücken:

„Opa hat mir erzählt, dass er sich als kleiner Junge einen Eisbären gewünscht hat, ihn aber nie bekommen hat. Und deshalb wollte ich ihm heute zum Geburtstag einen Eisbären schenken.“

 

 

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Am Haken

Ich gebe es zu und bin sogar stolz darauf: Du hast mich am Haken.

Früher hast du mich nicht beachtet, sogar ein wenig verachtet, mich regelrecht verschmäht. Aber ich habe gewusst, dass du eines Tages meine Qualitäten zu schätzen weißt.

Inzwischen hast du erkannt, dass ich dir gerne zur Seite stehe und du immer mit meiner bedingungslosen Hilfe rechnen kannst, auch wenn du diese nur hin und wieder in Anspruch nimmst.

Die Zeit wird kommen und du wirst mich nicht mehr missen wollen. Du wirst mich lieben.

Solange hänge ich geduldig an deinem Haken und bin dein treu ergebener 

 

 

Schuhlöffel.

 

 

 

 

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Ein paar Minuten früher

Ich kann mir nicht erklären, warum mir diese Begebenheit heute eingefallen ist. Möglicherweise habe ich etwas geträumt, das in mir Erinnerungen hervorgerufen hat, die ich im allerhintersten Stübchen meines Gedächtnisses in einer längst vergessenen Schublade herausgekramert habe. Keine Ahnung.

Vielleicht war es die Sendung gestern Abend, die von einem Tierheim berichtet hat. Möglich, aber irgendwie doch unwahrscheinlich. Allerdings frage ich mich, ob es in einem Zusammenhang mit den Weihnachtssachen steht, die gerade in einer Aufräumaktion verstaut werden und erst vor dem nächsten Weihnachtsfest wieder zum Vorschein kommen sollen. Es ist und bleibt ein Rätsel für mich und ich werde eventuell auch nie dahinterkommen, weshalb mir genau diese Begebenheit und ausgerechnet heute einfällt. 

Ich hoffe, ich habe Euch jetzt neugierig auf meine Erinnerung gemacht. Also, es handelt sich um eine Kindheitserinnerung, die mein Unterbewusstsein für so wichtig erachtet, dass es mir diese nun auf dem Präsentierteller serviert.

Ich glaube, ich war in der zweiten Grundschulklasse. Ausnahmsweise hatten wir schon eine Stunde früher Schulschluss. Mir ist entfallen, ob es möglicherweise hitzefrei gab oder der Ausfall durch einen anderen Umstand bedingt war. Zumindest kam ich unverhofft  ein paar Minuten früher nach Hause. Gut gelaunt bog ich in unsere Einfahrt ein. Das Auto meines Vaters stand mit geöffnetem Kofferraum vor der Garage. Meine Eltern waren nicht zu sehen.

„Was ist denn hier los?“, überlegte ich und trat näher.

Der Kofferraum war voll mit den unterschiedlichsten Dingen. Die meisten Sachen interessierten mich nicht. Doch was lag denn dort hinten rechts unter ein paar alten Stiefeln?

„Das sieht aus wie ein kleines rotes Rad!“, dachte ich. „Das kommt mir aber sehr bekannt vor.“

Meine Neugierde war geweckt, zumal ich einer plötzlichen Eingabe zufolge einen Verdacht hatte.

„Das wird doch nicht …?!“

Ich trat näher und begann im Kofferraum zu wühlen, bis einige Sachen verrutschten. Leider war mein Fund noch immer größtenteils verdeckt und meine Arme zu kurz, um bis in diese hintere Ecke zu gelangen. Also stellte ich mich auf die Zehenspitzen, reckte mich und lag nun mit dem Oberkörper förmlich im Kofferraum. Jetzt konnte ich eine rote Schnur zu fassen bekommen, an der meines Erachtens der von mir ersehnte Gegenstand hing. 

„Wo kommst du denn schon her?“, hörte ich plötzlich die Stimme meiner Mutter, die mich so kopfüber und mit den Beinen zappelnd vorfand.

„Was machst du denn da?“, war die zweite Frage, die jetzt allerdings von meinem Vater kam.

Überrascht ließ ich mich wieder auf die Füße fallen und schaute in zwei erstaunte Gesichter. Dummerweise hatte ich die besagte Schnur fallen gelassen und war meinem heißersehnten Gegenstand kein bisschen näher gekommen, aber jetzt waren meine Eltern ja da und konnten mir helfen.

„Wir dachten du kommst erst später und wir wollten jetzt noch schnell zum Müllhof“, erklärte mir mein Vater.

„Wollt ihr das alles wegwerfen?“, fragte ich überflüssigerweise, denn eigentlich war das Gesagte doch die logische Erklärung.

Auf das Nicken meiner Mutter hin, stellte ich eine mich brennend interessierende Frage: „Ist da was von mir dabei?“

„Nur Sachen, die kaputt sind und du nicht mehr gebrauchen kannst“, lautete ihre Antwort.

„Was denn?“ Ich gab nicht auf, denn ich wollte es genau wissen.

Sie zeigte mir einige Dinge und ich war mit allem einverstanden, es konnte entsorgt werden. Allerdings war immer noch die Frage nach dem Etwas im hinteren Teil des Kofferraums offen. 

„Kannst du mir mal das da hinten zeigen“, fragte ich meine Mutter. „Ist das auch was von mir?“

Hilfsbereit griff sie nach hinten und siehe da, der geheimnisvolle Gegenstand kam zum Vorschein.

„Oh!“, rief ich aus. „Das ist ja mein Hund!“

Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob er jemals einen Namen hatte.

„Den nimmst du doch gar nicht mehr, dafür bist du schon viel zu groß“, meinte nun mein Vater. „Außerdem ist er auch kaputt. Schau nur das eine Rad fehlt.“

Es stimmte, ich war aus dem Alter schon lange heraus, in dem man einen Hund auf vier Rädern hinter sich her zog oder sonst irgendetwas mit einem solchen Spielzeug hätte anfangen können. Dieser besagte Hund war schwarz, vollkommen unbeweglich und hatte ursprünglich unter seinen vier Pfoten je ein rotes Rad, von denen jetzt allerdings eines fehlte. Am Hals war als Leine eine Schnur befestigt.

„Was soll ein Schulmädchen mit einem Babyspielzeug?“, fragte ich mich insgeheim, schob aber diese Frage sofort wieder zur Seite.

Die Antwort auf diese Frage war mir in diesem Moment völlig egal. Es war mein Hund und anscheinend hatte ich ihn einmal sehr gemocht, deshalb konnte und durfte er nicht entsorgt werden.

„Der kommt aber nicht weg!“, entschied ich.

„Aber was willst du denn noch damit?“, fragte mich mein Vater. „Der steht doch schon seit langer Zeit auf dem Dachboden und du hast überhaupt nicht mehr an ihn gedacht.“

„Egal!“, sagte ich. „Den gebe ich nicht her? Der soll auf dem Dachboden bleiben. Das ist mein Hund! Bitte!!!“

Auch wenn diese Worte sehr bestimmend klingen sollten, kamen sie wohl mehr flehend heraus und mir standen inzwischen schon die Tränen in den Augen. Was sollten meine mich liebenden Eltern da tun? Genau, sie fuhren mit dem Auto ohne den schwarzen Hund auf drei Rollen, aber mit den restlichen Sachen zum Müllhof und der Hund landete wieder auf dem Dachboden, wo er vermutlich noch immer in einer Ecke steht.

 

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Am letzten Tag 

Gitte hat beim Aufräumen ihrer Schubladen im Wohnzimmer einen Fund gemacht, der sie an alte Zeiten denken lässt: Damals hat man noch Briefe auf schön verziertes Briefpapier geschrieben, – mit der eigenen Handschrift.

„Schade“, denkt sie „das war viel persönlicher als die heutigen E-mails oder Kurznachrichten auf dem Handy. Ich sollte mal wieder einen Brief schreiben.“

Und sie weiß auch sofort an wen. Ihre Freundin Kathi würde sicherlich freudig überrascht sein. Aber was sollte sie schreiben. Gute Wünsche zum Neuen Jahr,- ja sicher, aber damit füllte man keinen seitenlangen handgeschriebenen Brief.

„Was hat man denn früher so geschrieben?“, überlegt sie. „Genau, einfach irgendwelche Erlebnisse hat man sich mitgeteilt und damit den Empfänger am eigenen Leben teilhaben lassen.“

Da fällt ihr auch wieder die Begebenheit von neulich ein. Sie musste herzhaft lachen, als ihr Mann Werner ihr davon berichtet hatte und auch Gitte würde dies zum Schmunzeln bringen. Also suchte sie ihren alten Füllfederhalter heraus, legte eine Patrone ein, die hoffentlich noch nicht ausgetrocknet war und legte los. 

„Wie hat man eigentlich immer einen Brief angefangen? Ach, ja…“

Liebe Kathi,

ich hoffe, es geht Dir gut und Du bist fröhlich in das Neue Jahr gekommen. Wir wünschen Dir alles Liebe und Gute und vor allen Dingen Gesundheit für das Neue Jahr. 

Bei uns ist alles in Ordnung, wir sind gesund und munter. 

Vorgestern hatte ich mein Kaffeekränzchen bei mir zu Hause. Dieses Mal haben wir uns nicht nachmittags getroffen, sondern ich hatte alle für den Abend zum Raclette eingeladen. Am Vormittag schickte ich meinen Mann noch los, um Baguette zu kaufen. 

Du fragst Dich nun sicherlich, warum ich Dir eine solche Banalität schreibe. Naja, Du kennst doch meinen Werner, mit ihm erlebt man immer etwas und so war es auch an diesem Tag. Obwohl ich es nur aus der Berichterstattung meines lieben Mannes kenne, kann ich es mir sehr bildhaft vorstellen:

Mein Werner ging also zum Bäcker und kaufte das Baguette. Mit der Einkaufstüte schwenkend marschierte er die Straße entlang. Er wollte an diesem Tag zu Fuß gehen und nicht wie sonst die Einkaufstour mit dem Auto erledigen. 

Auf seinem Weg kam er an einem Metzgerladen vorbei, den wir sonst nur immer aus dem Auto herausgesehen hatten. In den über zwanzig Jahren, die wir nun schon hier in der Gegend wohnen, hatten wir uns oft vorgenommen dort einzukaufen. Allerdings befanden wir uns dann meist auf der Rückfahrt von unserer Einkaufstour oder hatten noch genügend Vorräte zu Hause. 

Doch diesmal ergriff Werner die Gelegenheit beim Schopfe und ging in Richtung Eingangstür. Im Augenwinkel nahm er ein Schild im Fenster wahr, aber das interessierte ihn nicht, denn ein Geruch von geräucherter Wurst stieg ihm in die Nase und entfachte seinen Appetit darauf.

„Einen wunderschönen Tag wünsche  ich Ihnen“, trällerte er der Verkäuferin fröhlich entgegen. (Du kennst ja meinen Mann, er ist immer guter Laune.)

„Was duftet denn hier so?“, fragte er und sah sich erstaunt im Laden um.

„Das ist unsere ‚berühmte‘ geräucherte Mettwurst, die schon zahlreiche Preise gewonnen hat. Auf vielfachen Wunsch unserer Kunden gibt es diese heute ausnahmslos und es ist fast alles schon vorbestellt“, erklärte die Verkäuferin.

Erst jetzt fiel Werner auf, dass im gesamten Laden überall nur Mettwürste hingen. Sonst gab es nichts.

Die Verkäuferin sah sein verdutztes Gesicht und zuckte mit den Schultern.

„Wir schließen gleich!“

„Oh!“, meinte Werner, „da habe ich ja Glück gehabt, dass ich vor der Mittagspause noch schnell hier herein gehuscht bin. Ich habe einfach die Gelegenheit ergriffen.“

„Ja“ antwortete die Frau wieder. „Aber wie gesagt, wir schließen.“

„Sie müssen wissen“, erklärte mein Mann. „Wir wohnen schon seit über 20 Jahren im Nachbardorf und haben uns immer vorgenommen mal hier einzukaufen. Hätte ich gewusst, wie köstlich es hier duftet, wäre ich schon viel früher gekommen.“

„Das hätte mich sehr gefreut, Sie als Kunde unseres langjährigen Familienunternehmens bedienen zu dürfen“, klang es von der anderen Seite der Verkaufstheke.

Erst jetzt fiel Werner das traurige Gesicht der Verkäuferin auf und er nahm mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit an, dass es nicht an seinen verspielten zwanzig Jahren lag. Allerdings wollte er nicht nachfragen, da dies neugierig und indiskret gewesen wäre. Leicht irritiert, bezahlte er, nahm seine Wursttüte verabschiedete sich freundlich und ging.

Als er vor dem Geschäft stand und nochmals durch die Scheibe in den Verkaufsraum blickte,  fiel ihm wiederum das große Schild im Fenster ins Auge. Jetzt verstand Werner plötzlich alles: Das traurige Gesicht der Verkäuferin und ihre Worte, aber auch das Missverständnis. Mit großen Buchstaben stand hier nämlich geschrieben:

„Nach 100 Jahren schließen wir am letzten Tag des Jahres, bedanken uns bei unseren Kunden und wünschen alles Gute!“

 

Tja, liebe Kathi, sicherlich musstest Du genau wie ich zunächst über diese Begebenheit lachen. Aber es gibt immer verschiedene Sichtweisen, – so ist eben das Leben. Nicht immer sind lustige Geschichten für alle Beteiligten lustig. 

….

….

Liebe Grüße

Deine  Gitte, die sich sehr über einen Brief von Dir freuen würde.

 

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Ohje, das fängt ja gut an!

Die Silvestergeschichte, die ich Euch heute erzählen möchte, liegt schon ein paar Jährchen zurück und stammt noch aus „Vor-Corona-Zeiten“:

Wir sind müde und schlafen am nächsten Morgen etwas länger. Dann sollten wir normalerweise wieder im Tritt und gut gerüstet für den Alltag sein. Seltsamerweise scheint dies bei uns nicht der Fall zu sein. Denn oftmals sind wir am nächsten Tag topfit und spüren die Müdigkeit erst am übernächsten Tag. So auch anscheinend in diesem Jahr:
Es ist der 2. Januar des neuen Jahres. Wir liegen noch im kuscheligen warmen Bett. Ich werde kurzzeitig wach und blinzele meinen Wecker an, der mir mit seinen Zeigern zu erkennen gibt, dass es gerade erst halb sieben ist. Durch die oberen Schlitze unseres Rolladens dringt noch kein helles Licht. Peters gleichmäßige Atemzüge signalisieren mir, dass auch er noch süß schlummert. Da für uns heute kein Arbeitstag ist, besteht auch keinerlei Veranlassung dieses warme Lager zu verlassen. Also drehe ich mich noch einmal um und schlafe auch sofort wieder ein.
Ich träume gerade so schön, – irgendetwas von New York. Keine Ahnung, warum ich gerade auf diese amerikanische Metropole komme, jedenfalls bin ich im Traum dort. Die einzige Erklärung, die ich hierfür habe, ist der plötzliche Tod von Udo Jürgens und damit verbunden sein Lied „Ich war noch niemals in New York“, das ich erst wenige Tage zuvor gehört habe. Auch ich war noch niemals dort, übrigens auch nicht auf Hawaii. Bevor ich in meinem Traum ergründen kann, was ich in New York will, wo genau ich mich dort befinde, und ob jemand bei mir ist, dringt eine Stimme an mein Ohr. Nein, ich höre nicht Udo Jürgens singen und auch niemand hat mich in der besagten Stadt angesprochen. Die Stimme kommt leider von außerhalb meines Traumes und entreißt mich diesem urplötzlich.
„Es hat geklingelt!“, lautet die frohe Botschaft, die mein Peter mir verkündet.
„Ich habe nichts gehört.“
„Doch, schon zweimal!“
Ich überlege gerade noch, dass es doch zu so früher Stunde gar nicht sein kann, da erkenne ich auf dem Zifferblatt des Weckers, dass es inzwischen schon zehn Uhr ist.
„Das wird unser Sohn sein“, erkläre ich Peter. „Ich habe gestern Abend den Schlüssel von innen an der Haustür stecken gelassen, als ich die Tür zugeschlossen habe. Jetzt kann er mit seinem Schlüssel nicht rein. Mach doch bitte mal auf!“

Ob das wirklich T. ist? Ich weiß es jedoch nicht so genau, denn unser Sohn hat nicht erwähnt, dass er heute vorbeikommt und außerdem besitzt er eine ganz bestimmte Angewohnheit. Wenn er mit seinem Schlüssel nicht aufschließen kann oder will, dann klopft er einfach an das Glas der Haustür. Ich habe jedoch kein Klopfen gehört, aber eigentlich auch kein Klingeln. Immerhin war ich ja gerade in New York. Über diese Gedanken, die mir so durch den Kopf blitzen, behalte ich allerdings Stillschweigen, – das könnte nur unnötig für Verwirrung sorgen.
Während Peter brav nach unten marschiert, ärgere ich mich. Da war ich anscheinend in den drei vergangenen Stunden das erste Mal in meinem Leben in New York und kann mich an nichts weiter als an den Namen dieser Stadt erinnern. Schade, denn ein kleines Sightseeing wäre schön gewesen. Überhaupt sollte man sich New York mal ansehen. Wenn es nur nicht so schrecklich weit weg wäre und der Flug nicht so lange dauern würde. Ich bin nämlich absolut kein Fan von Langstreckenflügen, – aber das sei nur mal ganz nebenbei bemerkt.
Auf meinem Weg ins Badezimmer, vernehme ich von unten das Umdrehen des Schlüssels und anschließend das Öffnen der Tür. Plötzlich halte ich inne, denn was ich sonst noch höre, überrascht mich jetzt doch und ich stelle mir bildlich die Situation an der Eingangstür vor:
Schlaftrunken und in Erwartung seines Sohnes öffnet Peter die Haustür. Wie ich meinen Göttergatten kenne, öffnet er diese jedoch nicht nur einen kleinen Spalt, um zunächst einmal vorsichtig hinaus zu spähen. Immerhin hätte er dann im äußersten Notfall die Tür noch schnell wieder schließen können. Nein, er reißt die Tür sofort sperrangelweit auf und steht in seinem grau und weiß gestreiften Schlafanzug mit wirren Haaren und Schlaf in den Augen vor dem Besucher. Dieser ist keinesfalls Sohnemann, der seinen Vater nicht zum ersten Mal im Schlafanzug gesehen hätte. Für den Mann allerdings, der vor unserer Tür steht, kommt der Anblick meines Mannes in seinem nächtlichen Outfit doch eher unverhofft. Dieser Besucher ist auch nicht der Postbote, der Gärtner oder der Gasableser, sondern es handelt sich um einen seiner Doktoranden. Mit Sicherheit ist jeder von den Beiden beim Anblick des anderen mehr als nur überrascht. Naja, Professoren sind eben auch nur Menschen wie du und ich.
„Ach, Sie habe ich ja vollkommen vergessen!“, vernehme ich Peters gefasste Stimme, denn meinen Mann kann so schnell nichts schocken, zumindest würde er es sich nicht anmerken lassen.
Während Peter den besagten Doktoranden, dem die Situation mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit äußerst peinlich ist, ins Haus bittet und ihn hoffentlich nicht einfach nur in das noch abgedunkelte Wohnzimmer setzt, fällt mir der Termin wieder ein. Gestern Abend habe ich Peter noch mitgeteilt, dass ich das Gefühl hätte, am darauffolgenden Tag würde irgendein Termin anstehen. Dieses Gefühl meinerseits zu bestätigen oder zu verneinen, wäre an sich kein Problem gewesen, aber keiner von uns machte sich jedoch die Mühe im jeweiligen Terminkalender nachzusehen. Wir beruhigten uns allerdings gegenseitig und fast wie aus einem Munde:
„Ich kann mich an nichts erinnern.“
Immerhin ist zwischen den Jahren, wie man so schön sagt, eine sogenannte Ruhephase angesagt, sprich ein bisschen Freizeit ohne ständigen Termindruck. Der Alltag und die damit verbundene Arbeit würde uns auch in diesem Jahr frühzeitig genug einholen, aber wer hätte denn geahnt, dass es schon heute soweit ist?!
„Ohje“, sage ich zu Peter, der inzwischen bei mir im Badezimmer erscheint. „Das fängt ja gut an!“
„Wieso? Denk doch mal an Griechenland und Kalabrien!“, wirft er noch in den Raum bevor er in unserer Ankleide verschwindet und ich erinnere mich an zwei Erlebnisse, die sich vor vielen Jahren ereigneten.
„Das ist wieder einmal typisch für meinen Peter, – er findet an allem etwas Gutes“, denke ich und beeile mich beim Ankleiden, um dann ebenfalls unseren Besucher begrüßen zu können und ihm ein gutes neues Jahr zu wünschen.

Auch Euch wünsche ich auf diesem Wege ein gutes, gesundes und erfolgreiches Jahr
2022.

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Das Glitzersternchen

Die Entführung

Eiskalt

 

Angela und Angelina

Der Weihnachtsmann hat also einen Zwilling als Schutzengel auf die Erde geschickt. Obwohl er eigentlich den Engel mit der einen Sommersprosse auf der Nasenspitze auserkoren hat, ist ihm ein Fehler unterlaufen und er hat genau den anderen Zwilling losgeschickt. So ist nun Angelina der Schutzengel von Luisa geworden.

Diese ehrenvolle Aufgabe hat allerdings auch ihre Schattenseiten und das merkt nun auch der Weihnachtsmann im Himmel.

„Angela, warum siehst du so traurig aus und bist gar nicht mehr mit deinem gewohnten Eifer bei der Sache?“, fragt er nun das kleine Engelchen.

„Ach, lieber Weihnachtsmann, ich vermisse meine Schwester Angelina so sehr!“, sagt das Engelchen traurig und eine dicke Träne kullert über die Wange.

„Daran hätte ich denken sollen“, überlegt der der gute alte Mann. „Zwillinge darf man nicht trennen. Sie gehören zusammen, ein Leben lang.“

Um den Kummer von Angela etwas zu mildern, lässt er sie durch das große Fernglas auf die Erde hinunter blicken.

„Da ist sie, meine Schwester Angelina!“, ruft Angela aus. Doch leider verfliegt diese anfängliche Freude sehr schnell und die Sehnsucht wird nur noch größer. Ein regelrechter Tränenstrom bricht aus. Angela kann gar nicht mehr aufhören zu weinen. Ihre Sehnsucht nach ihrer Zwillingsschwester ist so riesig, dass Angela krank wird. Sie hat an nichts mehr Spaß und blickt nur noch aus traurigen und verweinten Augen auf die Geschehnisse im himmlischen Weihnachtsland.

Unten auf der Erde ergeht es Angelina nicht viel besser. Sie nimmt ihre Aufgabe sehr ernst und führt sie auch gewissenhaft aus, doch sobald sie ein wenig Ruhe hat, muss sie an Angela denken. Kummer und Sehnsucht machen sich in ihrem Herzen breit. 

„Werde ich dich jemals wiedersehen und in die Arme schließen können, liebe Schwester?“, flüstert sie traurig in die Nacht.

Auch Luisa spürt, dass mit ihrem Schutzengel etwas nicht stimmt. Irgendwie scheint der Glanz des Glasengels verschwunden zu sein. 

„Ich glaube, mein Schutzengel ist krank“, meint sie zu ihrem Opa. „Schau nur, er sieht gar nicht mehr glänzend und strahlend aus.“

„Tja,“ überlegt der Großvater, „da muss man etwas tun. Ich glaube, da wird wohl nur der Weihnachtsmann deinem Engelchen helfen können. Male doch ein Bild von deinem Schutzengel und schicke es nach Himmelpfort zum Weihnachtsmann. Er wird sicherlich wissen, was zu tun ist.“

Sofort läuft Luisa die Treppe nach oben in ihr Zimmer. Dort holt sie ihren Zeichenblock und die Malstifte aus der Schublade. Vor ihr auf dem Tisch steht das gläserne Engelchen. Eine Stunde später schreibt die Großmutter die Anschrift auf einen Briefumschlag:

An den Weihnachtsmann

Weihnachtspostamt

16798 Himmelspfort

Was Luisa nicht ahnt, ist die Tatsache, dass der Weihnachtsmann alles durch sein großes Fernglas beobachtet und sich selbst bereits Gedanken macht, wie er den beiden Zwillingsengeln helfen kann. Dass etwas unternommen werden muss, steht außer Frage, denn die Beiden leiden wirklich sehr unter ihrer Trennung. Er muss für eine Zusammenführung sorgen. 

Entweder muss Angelina wieder nach hier oben ins Weihnachtsland kommen oder Angela muss auch hinunter zur Erde. Er überlegt hin und her, marschiert gedankenversunken immer auf und ab. Doch schon nach ein paar Minuten steht sein Entschluss fest.

In der kommenden Nacht wacht Luisa auf. Sie kann nicht wieder einschlafen und will ihren Teddy zu sich ins Bett holen. Dieser sitzt auf der Fensterbank und schaut zum Fenster hinaus. 

„Schaust du zu den Sternen dort oben und suchst den Weihnachtsmann?“, fragt Luisa ihren Teddy. Auch sie wirft einen Blick zum Himmel und da sieht sie plötzlich eine Sternschnuppe. Direkt vor ihrem Fenster scheint sie herniederzugehen. Sie öffnet das Fenster und da sieht sie es liegen. Sie nimmt das Glasengelchen vom äußeren Fensterbrett und stellt es neben ihren Schutzengel.

„Es sieht genauso aus wie Angelina“, flüstert Luisa ihrem Teddy zu. „Bestimmt sind es Zwillinge. Schau nur Teddy, nun strahlt Angelina wieder. Jetzt habe ich zwei Schutzengel.“

Mit einem Blick zum Sternenhimmel fügt sie noch mit leiser Stimme hinzu:

„Danke lieber Weihnachtsmann!“

 

 

MIT DIESER GESCHICHTE GEHE ICH NUN IN DIE FEIERTAGE UND WÜNSCHE EUCH ALLEN EIN SCHÖNES WEIHNACHTSFEST. KOMMT GUT IN DAS NEUE JAHR UND BLEIBT GESUND!!! 

LIEBE WEIHNACHTSGRÜßE SCHICKT EUCH 

ASTRID

 

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Opa und das Glasengelchen

Ganz aufgeregt erzählt Luisa ihren Traum, als alle gemeinsam beim Frühstück sitzen.
„Das war aber ein schöner Traum“, meint Opa Kurt, „und auch eine Erklärung, warum das Engelchen dort im Schnee gelandet ist.“

Da fällt Luisa ein, dass ja der Großvater ihr auch eine Geschichte erzählen wollte.

„Da wirst du dich noch bis heute Abend gedulden müssen“, erklärt dieser allerdings. „Ich habe Oma versprochen mit ihr einkaufen zu gehen. Sie möchte sich für Weihnachten ein neues Kleid kaufen und da braucht sie mich als Berater.“

„Och, bitte Opa, du kannst es doch jetzt beim Frühstück erzählen“, bettelt Luisa.

„Also, da hat Luisa recht und ehrlich gesagt, bin ich inzwischen auch neugierig geworden“, gesteht die Großmutter. „Die Geschäfte haben den ganzen Tag geöffnet, da können wir uns jetzt ruhig noch ein paar Minuten Zeit lassen.“

„Da bin ich wohl überstimmt“, willigt Opa Kurt ein, kratzt sich nachdenklich am  Kopf und beginnt zu erzählen:

„Ihr wisst ja alle, dass inzwischen die Vorbereitungen im himmlischen Weihnachtsland auf Hochtouren laufen. Es wird gebastelt, gemalt, verpackt, gebacken und gewerkelt. Aber es gibt auch noch andere Aufgaben, die Engel übernehmen…“

Oma und Enkeltochter sind gespannt, was der Großvater nun weiter berichten wird. Die Großmutter lässt sogar das benutzte Frühstücksgeschirr auf dem Tisch stehen und lauscht schweigend ihrem Mann.

„Die beiden Engelchen Angela und Angelina sind Schwestern, genauer gesagt, sie  sind eineiige Zwillinge. Sie sehen sich so ähnlich, dass jeder sie schon mal verwechselt hat. Dabei gibt es ein ganz winziges Merkmal, das die beiden unterscheidet, allerdings weiß das nur der Weihnachtsmann.“

„Weißt du es auch, Opa?“, will nun Luisa wissen.

„Naja, er hat es mir mal verraten“, grinst der Großvater. „Wenn ihr mir versprecht, es nicht weiterzuerzählen, dann kann ich es euch verraten.“

„Ehrenwort!“, ruft Luisa aus und auch die Großmutter erklärt, dass kein Sterbenswörtchen über ihre Lippen kommt.

„Auf der Nase von Angela befindet sich eine klitzekleine Sommersprosse, allerdings muss man schon sehr genau hinschauen, um das überhaupt zu sehen.“

„Ich habe sogar zwei Sommersprossen auf der Nase“, ruft Luisa stolz aus und deutet auf ihre Nasenspitze.

„Manchmal malt sich Angelina einen kleinen Punkt auf die Nase, damit sie den Weihnachtsmann ein bisschen ärgern kann. Heute allerdings nicht. Sie ist zusammen mit ihrer Zwillingsschwester in der Himmelswerkstatt und bastelt fleißig Weihnachtssterne, als der Weihnachtsmann herein kommt. Er blickt in die Runde und geht dann zielstrebig auf die Zwillinge zu, denn er braucht einen zuverlässigen Engel für eine ganz besondere Aufgabe. Sowohl auf Angela als auch auf Angelina ist trotz allen Unfugs immer Verlass, auf Angela vielleicht noch ein kleines bisschen mehr. Deshalb entscheidet er sich für Angela. Da der Weihnachtsmann schon ein bisschen schlecht sieht und nun zum Auseinanderhalten der Zwillinge nach der Sommersprosse suchen muss, setzt er nun seine Brille auf. Tja, und was soll ich sagen, mit diesem Hilfsmittel findet er den besagten Punkt sofort und ruft den betreffenden Zwilling zu sich.“

Der Großvater bittet nun erst einmal seine Frau um eine weitere Tasse Kaffee und legt eine kleine Pause ein. Luisa ist schon ganz ungeduldig und rutscht auf ihrem Stuhl hin und her.

„Was der Weihnachtsmann allerdings nicht bemerkt hat, ist die Tatsache, dass sich der Fleck nicht auf der Nasenspitze des Engels befindet, sondern auf seiner Brille. So kommt es, dass er den anderen Engel zur Erde schickt, um dort eine sehr wichtig Mission zu erfüllen.“

„Also hat er nun Angelina zur Erde geschickt“, folgert die Enkeltochter und der Großvater bestätigt es durch sein Nicken.

„Ihr könnt es Euch vorstellen, dass Angelina mächtig stolz ist, als der Weihnachtsmann sie zum Schutzengel erklärt. Sie soll ein ganz bestimmtes Mädchen beschützen und ihr immer zur Seite stehen. Allerdings kommt Angelina nicht dort an, denn sie hat sich irgendwie verflogen. Außerdem werden ihre Flügel langsam müde, sie kann kaum noch fliegen. So muss sie sich sozusagen zu einer Notlandung entscheiden und lässt sich in den Schnee fallen.“

„Ja, aber …“, beginnt Luisa, doch der Großvater deutet ihr an, dass sie einfach nur zuhören soll.

„Angelina weiß, dass sie nun warten muss, bis dieses Mädchen zu ihr kommt, sonst kann sie ihre Mission nicht erfüllen. Weil sie aber vermutlich bis dahin erfrieren würde, verwandelt sie sich in einen Glasengel.“

Luisa springt begeistert von ihrem Stuhl auf und holt den Glasengel aus ihrem Zimmer:

„Dann ist das Angelina und mein Schutzengel“, ruft sie voller Freude aus.

 

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Der Engel im Schnee

Klein-Luisa ist mit Oma Susanne spazieren. Sie stapfen durch den Winterwald. Unter ihren Füßen knirscht der Neuschnee. Es ist herrlich und die Kleine hat viel Freude an der weißen Pracht. Sie verlassen den Wald und gelangen auf eine Wiese.

„Schau mal Oma“, ruft Luisa aus. „Da liegt ein Engel im Schnee.“

„Ja, solche Engel haben wir früher auch immer gemacht“, erzählt die Großmutter. „Das geht ganz einfach. Wollen wir es versuchen?“

So kommt es, dass die Beiden sich auf den Rücken in den Schnee legen. Sie strecken die Arme links und rechts waagrecht im Schnee aus. Danach schieben sie mit den Armen den Schnee bogenförmig weg, so dass sich auf jeder Seite des Körpers ein Halbkreis bildet. Vorsichtig stehen sie wieder auf und vor ihnen liegen nun zwei Engel mit Flügeln. 
Luisa ist so begeistert, dass sie sofort wieder an einer anderen Stelle im Schnee liegt. Als sie gerade die Flügel „zaubern“ will, hält sie etwas in der Hand. Zunächst denkt sie, dass es ein Stein ist, aber bei näherer Betrachtung entpuppt sich diese Etwas als ein kleiner Engel. Er ist ganz aus Glas, hat zwei zarte Flügel, hält ein Herz in der Hand und über seinem Kopf schwebt ein Heiligenschein.

„Ist der schön!!!“, ruft das Mädchen aus. „Darf ich ihn mit nach Hause nehmen?“

„Wie er wohl hierher gekommen sein mag?“, überlegt Oma Susanne. „Hier ist niemand und uns ist auch niemand begegnet, der ihn verloren haben könnte.“

Luisa ist stolz auf ihren Fund und hat es plötzlich eilig nach Hause zu kommen. Das Engelchen hält sie fest umschlossen in ihrer kleinen Hand.

„Er ist sehr zerbrechlich“, sagt sie. Ich muss gut auf den Engel aufpassen.“

Vor lauter Aufregung, aber sicherlich auch aufgrund der winterlichen Temperaturen hat das Mädchen richtig rote Wangen. 

Eine halbe Stunde später sitzt sie in der warmen Stube vor einer Tasse heißer Schokolade und betrachtet strahlend den kleinen gläsernen Engel, der vor ihr auf dem Tisch steht. Die Großeltern sitzen ihr gegenüber und freuen sich mit der Enkeltochter.

„Wie er wohl dort in den Schnee gekommen ist?“, beginnt nun auch der Großvater zu überlegen.

„Oma meint, ihn hat jemand verloren“, gibt ihm Luisa zur Antwort. „Aber das glaube ich nicht.“

„Aha“, runzelt Opa Kurt die Stirn. „Welche Erklärung hast du denn?“

„Bestimmt ist er vom Himmel gefallen“, überlegt Luisa. „Er wollte zu uns Menschen auf die Erde.“

„Das hätte er auch gekonnt, wenn er an Weihnachten mit dem Christkind gekommen wäre. Ich glaube aber, dass es ganz anders passiert ist“, macht der Großvater das Mädchen neugierig.

„Wie denn? Bitte Opa, erzähl doch!“

„Das würde ich ja gerne, aber ich muss mich beeilen und noch schnell das Auto in die Werkstatt bringen. Dort holt mich Onkel Bernd ab. Ich soll ihm helfen den neuen Schrank im Wohnzimmer aufzubauen. Das wird sicher ein Weilchen dauern und ich werde erst am späten Abend zurück sein. Du wirst dann bestimmt schon schlafen.“

„Och!!! Bitte Opa!!! Es dauert doch gar nicht lange!!!“

Luisa ist enttäuscht, denn der Großvater schlüpft schon in seine Winterjacke, holt die Autoschlüssel und eilt zur Haustür hinaus.
Das kleine Mädchen nimmt ihren gläsernen Engel und geht in ihr Kinderzimmer, das die Großeltern extra für sie eingerichtet haben. Sie setzt sich auf ihr Bett und betrachtet das Engelchen.

„Kannst du mir nicht verraten, wie du auf die Erde gekommen bist?“, sagt sie und bewundert, das zarte Figürchen, das allerdings stumm bleibt.

Doch plötzlich vernimmt Luisa ein helles Stimmchen:

„Naja, du weißt doch, dass sich nicht nur die Menschen auf der Erde auf Weihnachten freuen. Auch wir Engel im Himmel sind fröhlich, tanzen und singen vor Freude. Ja und ich habe wohl zu nahe am Rand der Wolke getanzt und dann bin ich runtergefallen. Zum Glück bin ich im Schnee gelandet und habe mir nichts gebrochen. Allerdings bin ich zu Eis geworden. Da es geschneit hat, lag ich nun unter dem Schnee und erst du hast mich gefunden. Als du mich in die Hand genommen hast, habe ich mich in Glas verwandelt. So konntest du mich mit nach Hause nehmen. Dafür bin ich dir sehr dankbar. Schau nur ich habe dir aus Dankbarkeit ein Herz mitgebracht und will dir damit Liebe und Glück schenken.“

Danach verstummt das Stimmchen und Luisa schläft noch ein Weilchen traumlos weiter. 

 

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Besuch vom Nikolaus 

Fabi, der eigentlich Fabian heißt, kuschelt sich in sein Bettchen. Die Mutter erzählt ihm die Geschichte vom Nikolaus, dem Bischof von Myra. Das tut sie schon zum gefühlten 50sten Mal. Auch im Kindergarten sprechen alle vom Nikolaus, der nun bald kommen soll.

Der kleine Junge freut sich riesig und am Abend des 5. Dezembers stellt er seine Nikolausstiefel vor die Wohnungstür, in der Hoffnung, dass der gute alte Mann auch Gaben für ihn dabei hat. 
„Wenn ich groß bin, will ich auch Nikolaus werden und alle beschenken“, gesteht er der Mutter und zaubert ihr damit ein Lächeln ins Gesicht. Sie gibt ihm einen Gutenachtkuss und streichelt ihm zart über seine braunen Haare.
„Bestimmt träumt Fabi heute Nacht vom Nikolaus“, meint sie zu ihrem Mann. „Sein Berufswunsch ist es neuerdings nämlich auch Nikolaus zu werden.“ „Da hätte ich eine Idee“, erklärt dieser seiner etwas verwundert schauenden Frau. „Ich muss nur mal schnell noch meinen Bruder anrufen.“

Am nächsten Tag rennt Fabi ständig zur Tür, um nachzusehen, ob schon etwas in seinen Stiefeln steckt. 
„Nichts drin!“, sagt er dann immer wieder enttäuscht.
„Vielleicht solltest du nicht so oft nachsehen, du störst den Nikolaus sonst bei seiner Arbeit“, erklärt ihm seine Mutter. Sie sieht ihrem kleinen Sohn an, wie schwer ihm das Warten fällt, daher versucht sie ihn mit Plätzchenbacken ein wenig abzulenken.
„Aber jetzt ist bestimmt was drin“, sagt er nachdem die Mutter das erste Backblech in den Ofen geschoben hat.
„Warte mal noch ein Weilchen“, versucht diese ihn zu vertrösten. „Ich denke nicht, dass der Nikolaus schon in unserer Nähe ist. Er hat viel zu tun.“
Verständnisvoll nickt Fabi, aber in seiner Ungeduld hüpft er von einem Bein auf das andere. 
„Vielleicht denkt er, ich bin bei Opa und Oma und bringt mir gar nichts hierher“, überlegt er laut.
„Dann wird ihm Opa schon sagen, dass du zu Hause auf ihn wartest“, erklärt ihm der Vater, der gerade von der Arbeit gekommen ist.
„Dann schlaf ich vielleicht schon“, sagt der Junge mit trauriger Stimme.
Einen Atemzug später klopft es laut an der Eingangstür. Fabi rennt erschrocken zu seinen Eltern und nimmt beide an der Hand.
„Ist er das?“, fragt er mit großen Augen.
„Keine Ahnung“, meint der Vater. „Wollen wir mal nachsehen?“
Stumm nickt der Junge und umklammert die Hände der Eltern noch fester, denn ganz geheuer ist ihm nun doch nicht zumute. So gehen sie alle Drei zur Wohnungstür, an der es schon wieder laut klopft. Während der Vater Fabis Hand loslässt, dieser mit der Mutter ein paar Schritte weiter hinten stehen bleibt, öffnet der Vater die Tür.
„Hallo!“, sagt eine tiefe Stimme, die von einem Mann im roten Mantel, roter Mütze und einem weißem Bart stammt . 
„Das ist der Nikolaus“, flüstert Fabi seiner Mutter zu und drückt sich fest an sie.
„Wohnt hier Fabian?“, ertönt die tiefe Stimme, die aber jetzt nicht mehr furchteinlösend klingt.
Fabi nickt. 
„Und wo ist er?“, will der Nikolaus nun wissen.
„Hier!“, sagt der Junge zaghaft.
„Aha! Dann bist du wohl auch der Junge, der später einmal Nikolaus werden will?!“
„Ja!“
„Na, da musst du aber noch Einiges lernen.“
„Ich bin ja auch noch klein“, wagt Fabi forsch zu seiner eigenen Verteidigung zu sagen.
„Naja, das stimmt, aber früh übt sich, wer einmal ein richtiger Nikolaus werden will“, erhält er von dem alten Mann zur Antwort. „Zuerst einmal musst du mutig sein und in den großen Sack hineingreifen, der neben mir steht. Schaffst du das?“
Fabi nickt stumm und geht ein paar Schritte vor. Er zieht die Mutter mit, so dass beide nun vor dem Nikolaus stehen.
„Das musst du schon alleine machen, wenn du dir aus dem Sack etwas herausholen willst. Das klappt doch, oder?!“
Wieder nickt Fabi, geht einen Schritt vor und schaut in den geöffneten Sack hinein. Ganz viele Nüsse und Äpfel kann er darin erkennen und auch seine eigenen gefüllten Stiefel.
„Na, trau dich und hol dir deine Nikolausstiefel heraus! Und auch ein paar Nüsse und Äpfel.“
Fabi schaut dem Nikolaus ins Gesicht. Die Augen kommen ihm seltsamerweise irgendwie vertraut vor, aber es bleibt ihm keine Zeit darüber nachzudenken. Er fasst seinen ganzen Mut zusammen, um in den Sack zu greifen und die für ihn bestimmten Gaben herauszuholen.
„Das hast du sehr gut gemacht“, lobt ihn der alte Mann mit dem weißen Bart. 
„Meinst du, du hast noch mehr Mut?“
Fabi traut sich nun auch noch mehr zu und nickt.
„Ich möchte nicht nur die Kinder beschenken, sondern auch die Tiere. Wenn du willst darfst du mitkommen, aber du musst deine Eltern mitnehmen, denn alleine darfst du niemals mit jemand mitgehen. Aber das weißt du ja!“
Fabi nickt wieder und blickt von der Mutter zum Vater, die ihm dies auch noch einmal sagen und ihr Mitkommen bestätigen.
Eine halbe Stunde später stapft der Nikolaus mit den Dreien durch den Schnee. Sie legen in die vielen aufgestellten Vogelhäuschen Futter und hängen Meisenknödel auf. 
Was der kleine Fabian allerdings nicht weiß, ist dass der Nikolaus eigentlich sein Onkel ist und sie sich im hinteren Teil von dessen sehr großen Garten befinden. Dort hat er nämlich wie jedes Jahr viele Vogelhäuschen aufgestellt.

 

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Herbstbesuch

Klara möchte wieder einmal eine ganze Woche allein mit ihren Großeltern verbringen. Opa Werner und Oma Tina holen sie am Freitag mit dem Auto ab. Klara ist ganz aufgeregt, denn bei den Großeltern auf dem Land gibt es immer so viel zu entdecken und zu erleben. Das letzte Mal haben sie gemeinsam eine Kutschfahrt unternommen.

Doch jetzt schnappt sie erst einmal ihren großen Teddy und nimmt auf dem Rücksitz Platz, während Oma Tina die Reisetasche in den Kofferraum packt und Opa Werner sich hinter das Lenkrad setzt. Dann geht die zweistündige Fahrt los.

„Du wirst bald sehen, wie wunderschön und kunterbunt der Herbst auf dem Land ist“, meint Opa Werner kurz bevor die ersten Nebelschwaden auftauchen.

Noch ist Opa guter Dinge, denn er glaubt daran, dass sich der Nebel gleich wieder auflöst und sie die Herbstsonne am Himmel erstrahlen sehen. Leider hat er sich darin gründlich getäuscht. Je näher sie sich ihrem Heimatort nähern, umso dichter wird der Nebel. 

„Das ist ja wie in der Waschküche“, gibt der Großvater missmutig von sich und schaltet die Nebelscheinwerfer ein.

„Was ist eine Waschküche?“, will Klara wissen, die ihren Teddy fest im Arm hält.

„Die Mutter meiner Mutter ist meine Oma und damit deine Ururoma. Sie hatte eine Waschküche mit einem großen Waschkessel im Keller, als meine Mutter noch ein kleines Kind war“, erzählt Oma Tina.

Klara hört genau zu, denn sie liebt Geschichten von früher.

„In dem Waschkessel wurde die Wäsche sozusagen gekocht und weil das Wasser so heiß war, gab es ganz viel Dampf in dem Raum. Man konnte die Hand vor den eigenen Augen kaum sehen“, berichtet die Großmutter. „Meine Mutter ist deshalb nie gerne in die Waschküche gegangen. Als sie mir diese Geschichte in meiner Kindheit erzählte, habe mir schon damals geschworen, dass ich niemals die Wäsche in einem dampfenden Waschkessel waschen will.“

„Deshalb hast du ja auch darauf bestanden, noch vor unserer Hochzeit eine Waschmaschine zu bekommen. Ich vermute, du hättest meinen Heiratsantrag sonst gar nicht angenommen“, lacht Opa.

„Hättest du Opa sonst wirklich nicht geheiratet?“, schaltet sich Klara ein.

„Ich verrate dir jetzt ein Geheimnis“, flüstert Oma ihrer Enkeltochter zu. „Ich hätte Opa auf jeden Fall geheiratet, aber mit Waschmaschine noch viel lieber.“

„Wenn ich das gewusst hätte!“, meint Opa Werner. Er fügt aber sofort hinzu: „Ich hätte dir trotzdem eine Waschmaschine gekauft, denn so hattest du mehr Zeit für mich. Außerdem gab es diese Waschkessel zum Glück zu unserer Zeit gar nicht mehr.“

„Opa“, will Klara nun wissen, „wie kannst du bei so viel Nebel eigentlich sehen, wo die Straße ist? Ich erkenne nämlich gar nichts mehr.“

„Ein bisschen helfen mir außer den Nebelscheinwerfern noch die Leitpfosten links und rechts der Fahrbahn. Sie reflektieren das Licht der Scheinwerfer“, erklärt der Großvater. „Ich kann auch die Rücklichter des Wagens vor mir erkennen, da folge ich dem Auto einfach.“

„Wenn du ihm folgst, woher weißt du denn dass er zu Euch nach Hause fährt?“, kombiniert Klara in ihrer Logik.

Der Großvater muss ein wenig schmunzeln und antwortet dann:

„Das merke ich doch, wenn ich plötzlich in einer fremden Garage stehe.“

Darüber muss Klara erst einmal nachdenken, denn irgendwie spürt sie instinktiv, dass Opa Werner sich gerade einen Spaß mit ihr erlaubt. Bevor sie noch etwas sagen kann, macht Oma Tina einen Vorschlag:

„Ich glaube wir sollten eine kleine Pause in meinem Lieblingscafé einlegen. Es müsste doch hier irgendwo in der Nähe sein. Vielleicht hat sich der Nebel nach einem Stückchen Kuchen und einer heißen Schokolade wieder verzogen.“

So kommt es, dass sie wenige Minuten später das kleine Café „Sahnehäubchen“ betreten.

„Hihi!“, muss Klara lachen, als sie Opas beschlagene Brille sieht. „Du hast den Nebel jetzt auf deiner Brille!“

„Jetzt kann ich wirklich nichts mehr sehen“, antwortet der Großvater. „Apropos Brille, da fällt mir eine Begebenheit von früher ein.“

„Erzählen, erzählen!“, fordert ihn Klara auf und auch Oma ist gespannt, was ihr Gatte nun zum Besten geben will.

„Bestimmt erinnerst du dich auch noch, Tina!“

Die Großmutter ist noch völlig ahnungslos und zuckt mit den Schultern.

„Wir waren ungefähr so alt wie Klaras Eltern jetzt sind. Damals wurde irgendein Geburtstag bei meinen Eltern gefeiert, aber frag mich nicht, wer das Geburtstagskind war. Das ist mir nämlich entfallen. Allerdings erinnere ich mich noch an eine entfernte Verwandte, die über den Nebel klagte, als sie am Morgen mit dem Fahrrad zum Einkaufen fuhr und der sich aus ihrer Sicht immer noch nicht aufgelöst hatte.“

„Ach ja“, unterbricht Oma Tina ihren Mann. „Jetzt kann ich mich wieder erinnern. Es war ein wunderschöner Tag und von Nebel keine Spur.“

„Ja und ich bat sie dann mir doch einmal ihre Brille zu geben“, erzählt Opa Werner weiter. „Ich ging in die Küche und reinigte die Brillengläser, danach reichte ich ihr die Brille wieder.“

„Und?“, will Tina wissen. 

„Sie war begeistert, denn mit einem Schlag hatte sich der Nebel verzogen oder besser gesagt: Er war nie dagewesen, sondern die Brillengläser waren lediglich verschmiert gewesen.“

„Aber heute ist echter Nebel“, sagt Klara, die bei der Weiterfahrt vom Schlaf übermannt wird.

„Klara, aufwachen!“, weckt Oma Tina sie eine Dreiviertelstunde später vorsichtig. „Wir sind da.“

Die Enkeltochter öffnet die Augen und fragt schlaftrunken: „Bist du sicher, dass wir nicht in der Garage des Autofahrers sind, dem Opa nachgefahren ist? Bei dem Nebel hat er das bestimmt nicht bemerkt.“

 

 

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Zu alt!?

Sie stehen am Bahnhof, direkt am Gleis, wo die alten Züge sind. 

„Gerne sind wir damit gereist“, sagt der Eine.

Dieser kann seine Sehnsucht nicht verbergen. „Damals waren wir noch jünger und hübscher. Inzwischen haben wir Falten, Flecken und Kratzer.“

„Müde sind wir geworden, das Reisen ist zu beschwerlich“, meint der Andere.

Beide schweigen und hängen ihren Erinnerungen nach.

„Die gute alte Zeit, damals hat man Euch noch gebraucht“, sagt ein Spaziergänger, der vor den Beiden stehen bleibt.

„Euch will niemand mehr auf Reisen mitnehmen, aber ihr habt noch nicht ausgedient, wie man sieht. Die Blumen geben Euch neuen Glanz!“

 

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Hallo Goldener Herbst!

Ich muss dir sagen, genauso lieb ich dich:

Wenn die Sonnenstrahlen kitzeln mich,

dann muss ich spazieren in der schönen Natur.

Du bringst mich zum Staunen auf meiner Tour.

So wie du, beherrscht keiner das Farbenspiel:

Wenn alles gemischt und von nichts zuviel,

dann das richtige Quantum Schatten und Licht.

Du bist schöner und bunter als jedes Gedicht.

Gelb- und Rotgolden, so leuchtest nur du:

Wenn die Sonne kommt auch noch hinzu,

dann schmücken bunte Blätter Strauch und Baum.

Goldener Herbst, du bist wie ein schöner Traum.

Ich muss dir sagen, ich bin so traurig:

Wenn du gehst, wird das Wetter schaurig,

dann gibt es heftige Stürme und auch Regen.

Du begleitest uns nicht mehr auf unseren Wegen.

Dann muss ich dir sagen, lebe wohl und ade:

Wenn du gehst, ist kahl Wald und Allee,

dann beginnt die dunkle Jahreszeit.

Doch noch ist Goldene Herbsteszeit!!!

Ich danke für diese Farbenpracht Dir,

denn du bist wahrlich eine schöne Zier.

Du weckst in der Natur alle Lebensgeister,

Goldener Herbst, darin bist du ein Meister.

 

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Das ist ja zum Verrücktwerden

Es ist ein ganz normaler Tag. Nicht ganz, denn wir warten auf Handwerker, die uns wieder einmal versetzt zu haben scheinen. Mein Trockner ruft mich piepsend und ich öffne dessen Luke. Bis dahin ist meine Welt noch in Ordnung. Doch das soll sich schlagartig ändern. 

Ich will meine Wäsche aus dem Trockner ziehen und habe plötzlich nur noch ein einziges Knäul vor mir. Ich traute meinen Augen nicht, schließe sie und öffne sie wieder. Das Knäul liegt tatsächlich in der Maschine. Ich ziehe es heraus und es plumpst in meinen Wäschekorb.

„Oh nein!“, entfährt es mir verärgert und eindeutig zu laut.

„Was ist denn passiert?“, kommt die Frage meines Mannes aus dessen gegenüberliegenden Arbeitszimmer.

„Ein Bettbezug hat die gesamte andere Wäsche eingewickelt und verschlungen“, antwortet ich.

„Dann hast du wohl den Reißverschluss nicht zugemacht? Einfach alles ausschütteln, da muss man sich doch nicht aufregen.“

„Soweit die Theorie“, gebe ich schnippisch  zurück. „Der Reißverschluss ist geschlossen, aber der Bettbezug hat sich um alles herumgewickelt und sich dann mehrfach in alle möglichen Richtungen verdreht. Das ist der reinste Gordische Knoten!“

„Das schaffst du schon!“, ruft er mir aufmunternd zu. Mehr ist für die nächsten eineinhalb Stunden nicht von ihm zu hören. Ich bin mit meiner Aufgabe allein, die keineswegs ein Kinderspiel ist. 

Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, denn alles ist in sich mehrmals verdreht und verknotet und im unteren Teil scheint das Spannbetttuch in noch feuchtem Zustand wie in einem Sack zu liegen. 

„Einfach alles ausschütten“, klingen mir die Worte meines Mannes in den Ohren.

„Da passiert nichts. Es ist alles verwirrt, verdreht und verknotet!“, würde ich am liebsten brüllen. 

Ich halte mich zurück, aber ein Murren kann ich mir nicht verkneifen und versuche mit aller Kraft zu schütteln. Nichts. Überhaupt nichts. 
Ich zerre an einer Ecke des Bettbezugs, dann an einer anderen. Nichts. Ich versuche zu entwirren, zu drehen, zu ziehen. Mit der Hand dringe ich in die Tiefen des Knotens vor, aber weit komme ich nicht. Allerdings habe ich  etwas Feuchtes in der Hand. Wieder heißt es ziehen. Der Zipfel eines Gästehandtuchs wird sichtbar, doch je mehr ich daran ziehe, umso mehr zieht sich der Knoten wieder zu. Ich dehne, ziehe, zerre, stampfe mit dem Fuß auf, versuche Wut und Frustration durch Schütteln loszuwerden. Plötzlich mit einem Dreh kann ich das kleine Handtuch herausziehen. Mir tut schon alles weh, so sehr spanne ich mich an. Doch ich gebe nicht auf. Einen kleinen Erfolg habe ich ja schon. Irgendwie muss ich dieses Ding entwirren. Logik hilft hier nichts, denn es gibt weder einen Anfang noch ein Ende das man irgendwie entknoten könnte. Ich muss es schaffen und ich weiß, dass dies nur durch Versuch und Irrtum gelingen kann. Jedoch war bisher eher der Irrtum auf meiner Seite.
Erneutes und mehrmaliges Schütteln, Zerren, Ziehen, Drehen, Wenden und Eintauchen in irgendwelche Wicklungen folgen. Inzwischen steht mir der Schweiß auf der Stirn. Ich hole tief Luft und schüttele noch einmal tüchtig. Und da passiert es. Wie durch ein Wunder tut sich eine Öffnung auf und vor mir liegen eingewickelte Handtücher und das große Spannbetttuch. Schnell ziehe ich alles aus dieser Öffnung heraus, gerade so als sei es das Maul eines Krokodils, das sofort zuschnappen und alles wieder verschlingen könnte.
Man glaubt es kaum, aber nach nochmaligem Schütteln und Drehen ist alles entwirrt und der Bettbezug liegt mit den anderen Sachen friedlich in meinem Wäschekorb, so als sei nichts gewesen.
Völlig geschafft, aber sichtbar erleichtert lasse ich mich nach eineinhalb Stunden Plagerei und dem Gefühl fast verrückt geworden zu sein, auf einen Stuhl sinken. Und just in diesem Moment betritt mein Mann den Raum, schaut in den Wäschekorb und gibt seinen Kommentar ab:

„Na siehst du, ich wusste doch, dass du es schaffst. Mit ein bisschen Geduld ist das gar kein Problem.“

Meine Wortlosigkeit und die eintretende Stille wird durch ein Klappern hinter dem Rücken meines Mannes unterbrochen. Mit einem breiten Grinsen meint er:

„Ich dachte mir eine Packung mit vielen, vielen bunten S… als Nervennahrung tut dir jetzt bestimmt gut.“

 

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Piep! Piep!

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