Alle Artikel in: Kurzgeschichten

Große Aufregung in der Villa

Bei Herrn und Frau Konfusi und den anderen Bewohnern der Villa ist immer etwas los. Ihnen wird es nie langweilig. Auch heute herrscht in dem Haus wieder große Aufregung, dabei fing der Tag ganz friedlich und vielversprechend an.  Am Morgen ahnte noch niemand etwas von der bevorstehenden großen Aufregung. Die Frühlingssonne scheint zu den Fenstern herein und lockt Herrn und Frau Konfusi zu einem kleinen Spaziergang nach draußen. Gerade sind sie wieder auf dem Heimweg, da fährt ein Feuerwehrauto an ihnen vorbei und biegt in die Straße ein, an deren Ende die Villa steht, in der sie wohnen. „Nanu?! Da muss irgendetwas passiert sein!“, überlegt Frau Konfusi laut und dreht sich reflexartig um. „Du kannst ganz beruhigt sein“, erklärt ihr Professor Konfusi, der den Blick seiner Frau nach hinten wahrgenommen hat. „Dieses Mal wirst du von keinem Känguru verfolgt. So schnell kann Karl, das Känguru nicht mehr aus seinem Gehege entwischen. Sie haben den Zaun nämlich erneuert.“ Frau Konfusi geht nicht auf das Gesagte ein, sondern überlegt krampfhaft, was sich denn wohl Schlimmes in der …

Aus der Schulzeit meiner Mutter

Als unser Sohn in die dritte Grundschulklasse ging, sprachen sie im Sachunterricht über die Schule in früheren Zeiten. Sie sollten die Eltern und Großeltern zu diesem Thema befragen. Klar, dass ich ihm sofort über meine Schulzeit berichtet habe. Doch auch von seiner Oma wollte er wissen, wie es damals so in der Schule war. Da wir allerdings 600 Kilometer von den Großeltern entfernt wohnten, rief er meine Mutter an und stellte ihr Fragen. Sie notierte sich diese und schrieb ihm damals einen ausführlichen Brief, in welchem sie über ihre Schulzeit berichtete. Diesen Brief habe ich wieder gefunden, denn ich habe ihn die ganzen Jahre für unseren Sohn aufbewahrt. Dieses Jahr zu Weihnachten schenkte er seiner Oma ein Buch, in dem sie Fragen zu ihrem Leben beantworten soll. Der Brief und die Fotos von damals werden hierin einen Platz finden. Auch meine Mutter hat sich gefreut, als ich ihr diesen Brief neulich zeigte. Sie ist damit einverstanden, dass ich heute diesen Brief in meinem Blog vorstelle: Die Schule in früheren Zeiten „Ich bin am 27.6.1929 in …

Der Verfolger

Frau Konfusi hatte letzte Woche Geburtstag. Sie hatte die Hausgemeinschaft zu einem kleinen Kaffeeklatsch eingeladen und allen ausdrücklich gesagt, dass sie keine Geschenke möchte. Naja, wie das eben so ist, ab einem gewissen Alter hat man eigentlich schon alles und freut sich hauptsächlich über den lieben Besuch. Ja, das ist die eine Seite. Aber auf der anderen Seite stehen die Gäste und die wollen nicht mit leeren Händen kommen. Also hatte doch jeder eine Kleinigkeit mitgebracht. So standen am Abend ein Blumenstrauß, ein Alpenfeilchen, eine Schachtel Pralinen und eine Flasche Sekt auf der Wohnzimmeranrichte. Zwischen diesen Geschenken lagen noch zwei Gutscheine. Marco hatte im Auftrag der Hausgemeinschaft zwei Eintrittskarten für einen Tierparkbesuch beschafft und es Frau Konfusi feierlich mit den Glückwünschen überreicht. „Ich hoffe, Sie und Ihr Mann haben viel Spaß! Jetzt im Frühling ist es nämlich besonders schön im Tierpark!“, hatte er ihr gesagt. „Oh danke! Damit macht ihr uns eine ganz besondere Freude. Ich danke euch allen ganz herzlich!“ Frau Konfusi war sichtlich gerührt gewesen von dieser netten Geste. Zu diesem Zeitpunkt ahnte sie allerdings …

Goldglöckchen

Bestimmt denkt Ihr jetzt, dass Ihr Euch verlesen habt. Aber es hat schon alles seine Richtigkeit. Ich heiße nicht Goldlöckchen, sondern Goldglöckchen. Mein Name kommt von den beiden goldfarbenen Glöckchen auf meiner Oberseite. Ich bin nämlich ein Wecker. Funktionstüchtig bin ich zwar, aber doch schon ein wenig in die Jahre gekommen.  Abgesehen von den beiden Glöckchen, habe ich auch sonst schon ein fast nostalgisches Aussehen. Rundum goldig und manuell einstellbar mit analoger Anzeige, so würde ich mich beschreiben. Nichts mit dem modernen digitalen Schnickschnack und einfach nur einer Zahlenanzeige! Wenn man bei mir die Uhrzeit ablesen will, dann muss man noch genau nachsehen, was meine Zeiger anzeigen. Ich wette mit Euch, das kann heute nicht mehr jedermann. Zu meiner Zeit konnte jedes Kind mit Hilfe meiner Zeiger sehen, was die Stunde geschlagen hat. Weiße römische Ziffern, die jeweils schwarz hinterlegt sind, umrunden mein Zifferblatt, das ansonsten ebenfalls goldfarben ist und das den Aufdruck „Meister Anker“ trägt. Unter der Ziffer VI kann man lesen, dass ich in „West Germany“ hergestellt wurde. Über jeder Ziffer befindet sich …

Erinnerungen an die Schulzeit

An meine Schulzeit denke ich gerne zurück. Ich wurde am 1. Dezember 1966 eingeschult. Heute würde man denken, dass dies ein seltsamer Einschulungstermin ist. Dieses Datum ergab sich durch eine Umstellung, denn zuvor wurde immer zu Ostern eingeschult, außer in Bayern. Jetzt jedoch wollte man in ganz Deutschland, genauso wie in den europäischen Nachbarländern, den Schulanfang auf den Sommer verlegen. Deshalb führte man 1966 zwei Kurzschuljahre durch (erstmalig vom 01. 04. bis zum 30. 11. 1966). Ich machte also das zweite Kurzschuljahr noch mit, das am 1.12.1966 anfing und mit den Sommerferien am 31. Juli des Folgejahres endete. Ich kann mich noch genau an den Klassenraum der ersten Klasse erinnern. Er befand sich in einem sehr alten Gebäude, das auch heute noch steht. Man nennt es heute „Das Gelbe Haus“ und in seinem Inneren befindet sich die Stadtbibliothek und die Touristeninformation. Man musste zunächst einige wenige Treppenstufen hochgehen und im Erdgeschoss befand sich dann auch gleich unser Klassenzimmer. Wenn man es betrat, so stand rechts ein Ölofen. Auf diesem wärmten wir immer leicht unsere Schulmilch, beziehungsweise …

Die Dreivasengeschichte

Ich habe einen wunderschönen Blumenstrauß geschenkt bekommen und schon nimmt die Geschichte ihren Lauf. Was jetzt folgt kennt wahrscheinlich jeder und trotzdem ist es anders: Die Blumen sind eine Augenweide und das sollen sie auch noch lange bleiben. Also brauchen sie jetzt und sofort Wasser. Ich gehe zu meinem Schrank, um das passende Gefäß zu suchen. Vasen habe ich eigentlich genug, aber … Als erstes schiebe ich die große, schwere Glasvase zur Seite. „He!“, ruft sie mir entgegen. „Mich schiebst du immer nur zur Seite. Warum willst du mich nie?“ „Du bist zu groß“, antworte ich in Gedanken. „Nein, du magst mich einfach nicht. Dabei bin ich ein Erbstück und zwar von Tante Leni.“ „Genau“, denke ich. „Tante Leni!“ Ich schaue in eine andere Ecke meines Hauswirtschaftsraumes. Dort hängt ebenfalls ein Erbstück von ihr. Ein Bild, das einen Clown zeigt. Tante Leni gehörte zu der Familie meines Mannes. Sie war eine lustige Nudel, wie man so schön sagt. Untrennbar mit ihr verbunden ist der Clown August und der Ententanz, aber das ist eine andere Geschichte. …

Der April, der macht was er will

Kaum haben wir April, da macht er schon was er will. Das jedenfalls behauptet man und meint damit das Wetter in diesem Monat.  Aber wenn man nach diesem Spruch geht, dann hatten wir schon im März Aprilwetter. Mal schön, mal trüb, mal Sonne, mal Regen. Bedingt durch unseren Urlaub auf der Insel des ewigen Frühlings, haben wir uns diese Jahreszeit schon ein wenig vorverlegt. Aber nun ist er endlich auch in der Heimat angekommen und am Sonntag haben wir die Grillsaison auf unserer Terrasse eröffnet.  Ach, was wären wir nur ohne das Wetter! Immerhin ist es in aller Munde und Gesprächsstoff Nummer eins. Belauschen wir doch einmal ein Gespräch auf der Straße: Erna ist gerade unterwegs zum Einkaufen in der Stadt. In die Apotheke muss sie auch noch. Als sie das Auto auf dem Parkplatz vor dem Einkaufszentrum abstellt, trifft sie auf die beiden Freundinnen Else und Anna. Die Zwei strahlen über das ganze Gesicht und lachen wie zwei Teenager. „Hallo Ihr Beiden!“, begrüßt Erna die zwei Frauen. „Wir haben uns ja jetzt schon eine …

Zahlensalat

Manchmal habe ich den Eindruck, dass mein lieber Mann mich für ein wandelndes Telefonbuch oder einen Rechtschreibduden auf zwei Beinen hält. Auch das Merken von Zahlenkombinationen überlässt er vollkommen mir. Er ist überhaupt nicht gewillt sich diese Dinge zu merken. Braucht er diesbezüglich eine Auskunft, dann fragt er einfach mich. Anfangs dachte ich, er würde vielleicht kein Zahlengedächtnis besitzen. So etwas soll es ja geben. Also machte ich ihm folgenden Vorschlag: „Ich kann dir eine Eselsbrücke nennen, wie du dir beispielsweise diese Telefonnummer besser merken kannst!“ „Nur nicht!“, wehrte er sich dagegen. „Ich will sie mir nicht merken.“ Wann immer ich ihn darauf ansprach, warum er dies nicht möchte, erhielt ich dieselbe Antwort: „Ich will nicht unnötige Speicherkapazität in meinem Gehirn für das Merken von diesen Zahlen und PIN’s verschwenden. Damit blockiere ich nur mein Gehirn für andere wichtige Dinge, die ich mir merken will oder muss.“ Nun gut, über den Sinn und Unsinn solcher Zahlenkombinationen lässt sich streiten. Fakt ist allerdings, dass auch mein Göttergatte diese hin und wieder benötigt. „Aber für das Merken …

Katzenalarm

Meine heutige Geschichte stammt wie immer mitten aus dem Leben. Die Idee hierzu stammt im ersten Teil aus einem klitzekleinen Zeitungsbericht und im zweiten Teil kommt ein Erlebnis mit unserem Kätzchen Lottchen zur Sprache. Ich hoffe Ihr habt viel Spaß beim Lesen der Geschichte, die ich aus diesen beiden Begebenheiten kreiert habe. Es ist ein Frühlingsmorgen, wie aus dem Bilderbuch. Die Sonne scheint vom blauen Himmel und verspricht einen wunderschönen Tag. Da nicht das kleinste Wölkchen am Himmel zu erkennen ist, kann man davon ausgehen, dass dieses Versprechen auch eingehalten wird. Lottchen gähnt und reckt sich. Von ihrem etwas erhöhten Schlafplatz im Haus aus, hat sie eine hervorragende Sicht auf den Garten. Genauestens späht sie jede Ecke und jeden Winkel aus, um auch nichts zu übersehen. Im Grunde genommen, wartet sie nur noch auf Frauchen, die zur Kellertür herein kommt und ihr die Katzenklappe öffnen wird. Als sich Frauchen dann endlich blicken lässt, gibt es auch kein Halten mehr. Selbst die tägliche Milchration kann das kleine Kätzchen nicht mehr zum weiteren Verweilen im Haus veranlassen. …

Wo die Liebe hinfällt …

Diese Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit, von der ich neulich durch einen Bericht im Fernsehen erfahren habe. Ich war und bin so fasziniert, dass ich Euch hiervon in abgewandelter Form in der folgenden Kurzgeschichte erzählen möchte. Sie handelt von einer ungewöhnlichen Liebe und zeigt, dass Liebe nicht nur Berge zu versetzen vermag, sondern auch ungewöhnlich große Distanzen überwinden und ungeahnte Kräfte wachrufen kann. Fridolin* kann sich bis heute nicht mehr daran erinnern, wie es eigentlich passierte. Auf jeden Fall geriet er in eine fatale und im Grunde genommen ausweglose Situation. Irgendwo war aus ihm unbekannten Gründen eine große Menge Öl in das Meer gelaufen. Ein richtiger Ölteppich trieb im Meer und er war hineingeraten. Dabei wollte er nur ein bisschen im Meer herum schwimmen und plantschen, so wie es eben ein Pinguin gerne macht. Anscheinend war er auch zu weit hinaus geschwommen, aber das merkte er erst viel zu spät. Am Anfang machte das Schwimmen und Plantschen ja auch Spaß, doch dann fand er sich plötzlich inmitten des stark verunreinigten Wassers. Eigentlich war es …

Verdrehte Welt

„Irgendwie leben wir in einer verdrehten Welt“, meint mein Mann, als er vor einem Regal im Supermarkt steht. Ich schaue ihn verdutzt an, denn bei mir hat sich gerade nichts verdreht und ich finde meine kleine Welt auch ganz in Ordnung, so wie sie ist. Doch mein Peter scheint das irgendwie anders zu meinen. Er steht nämlich immer noch kopfschüttelnd vor dem besagten Regal. Da ich also momentan seine Gedankengänge nicht nachvollziehen kann, erkundige ich mich nach dem eigentlichen Grund seiner Aussage. „Was meinst du damit?“, frage ich ihn also und schaue ihn erwartungsvoll an. „Na, hier die Ostereier!“, entgegnet er und deutet auf die bunt bemalten und hart gekochten Eier, die es massenhaft in diesem Regal gibt. „Früher gab es das nur zu Ostern. Heutzutage kann man auch an Weihnachten Ostereier kaufen. Wenn das keine verdrehte Welt ist.“ Auch wenn man diese Eier nur zur Kennzeichnung und zur Unterscheidung von gekochten und rohen Eiern derartig bunt gefärbt hat, bleiben sie in unseren Augen und unserem Verständnis doch immer Ostereier. „Wahrscheinlich suchen wir sowieso dieses …

Unser märchenhaftes Erlebnis

„Möchtest du zu deinem Spiegelei auch gebratenen Schinkenspeck?“, fragt mich mein Mann beim Frühstück. „Ach nein“, antworte ich ihm und bin mit meinen Gedanken bereits woanders. Ich habe nämlich einen Gedankensprung in die Vergangenheit gemacht. Es war nur die Kombination der beiden Wörter, die in meinem Kopf allerdings nicht in deutscher, sondern aus irgendeinem Grund in englischer Sprache angekommen ist.  „Bacon and egg“ funkt es durch meine Gedankenkanäle und schon bin ich in England. Genauer gesagt in einer Ortschaft in der Nähe von London. Leider habe ich deren Namen vergessen, aber was sich dort ereignet hat, ist mir immer noch sehr lebhaft in Erinnerung. Unser Sohn war damals noch klein, so im Kindergartenalter und er war bereits schon einmal in England gewesen. Damals hatte er sich mit einem kleinen Mädchen angefreundet und ein paar englische Wörter gelernt. So begrüßte er uns noch eine ganze Weile nach unserer Rückreise morgens mit einem „Good morning!“. Vielleicht würde er dieses Mal noch mehr lernen. Wir hatten uns ganz spontan einen Flug gebucht und wollten uns dann im Land …

Frech wie Oskar

Heute möchte ich Euch wieder einmal zeigen, wie facettenreich die deutsche Sprache doch ist. Ich habe mich dieses Mal einfach nur den Vor- und Nachnamen gewidmet, die sich als Redewendungen in unserer Sprache schon fest verankert haben. Vielleicht kennt Ihr diese Aussprüche auch. Möglicherweise sind sie auch regional etwas unterschiedlich und eventuell kennt Ihr noch andere. Ich habe versucht einige der Aussprüche im folgenden Gespräch festzuhalten.  Emil und Karl sind Zwillinge im besten pubertierenden Alter. Sie befinden sich momentan im Zimmer von Karl, als deren Vater auf dem Weg ins Bad an der Zimmertür vorbei kommt. Zufällig wird er Zeuge eines Gesprächs, über das er sich wie Bolle amüsiert. Die Zwillinge verstehen sich hervorragend, aber sie lieben Wortgefechte. Da Herr Müller allerdings seine Pappenheimer kennt, weiß er dass es sich um kein ernst gemeintes Streitgespräch handelt, sondern alles mit einem Augenzwinkern betrachtet werden kann. Emil scheint auf der Suche nach irgendetwas zu sein, denn er durchsucht auf dem Schreibtisch seines Bruders alle möglichen Unterlagen. „Was suchst du da eigentlich?“, erkundigt sich Karl. „Übrigens finde ich, …

Die Christel von der Post

Manche von Euch werden sich an den gleichnamigen Heimatfilm Ende der Fünfziger Jahre erinnern. Als Kind der Sechziger kenne ich selbstverständlich diesen Film. Die Geschichte, die ich heute erzählen will, hat zwar damit nichts zu tun, sondern nur mit meiner Kindheit, aber Ihr werdet auch gleich verstehen, warum ich diesen Titel gewählt habe. Also folgt mir zunächst in das Jahr 1967. Ich, also Klein Astrid, bin jetzt schon in der zweiten Klasse. Mir bereitet die Schule große Freude und ich nehme mit vor Eifer hochroten Wangen am Unterricht teil. Unseren Klassenlehrer mögen wir alle, egal ob Mädchen oder Junge. Er ist ein guter Lehrer, der es versteht die Kinderherzen für das Lesen, Schreiben und Rechnen zu begeistern. Während wir in der ersten Klasse noch auf unsere Schiefertafeln geschrieben haben, dürfen wir jetzt in richtige Hefte schreiben, rechnen und malen. Wir sind ja nun schon groß und keine Schulanfänger mehr. Es ist der erste Schultag nach den großen Ferien. Vor dem Schulhaus haben wir uns in Zweierreihe aufgestellt und folgen nun dem Herrn Lehrer in den …