Erdachtes & Erzähltes, Kurzgeschichten
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Der April, der macht was er will

Kaum haben wir April, da macht er schon was er will. Das jedenfalls behauptet man und meint damit das Wetter in diesem Monat.  Aber wenn man nach diesem Spruch geht, dann hatten wir schon im März Aprilwetter. Mal schön, mal trüb, mal Sonne, mal Regen.
Bedingt durch unseren Urlaub auf der Insel des ewigen Frühlings, haben wir uns diese Jahreszeit schon ein wenig vorverlegt. Aber nun ist er endlich auch in der Heimat angekommen und am Sonntag haben wir die Grillsaison auf unserer Terrasse eröffnet. 
Ach, was wären wir nur ohne das Wetter! Immerhin ist es in aller Munde und Gesprächsstoff Nummer eins. Belauschen wir doch einmal ein Gespräch auf der Straße:
Erna ist gerade unterwegs zum Einkaufen in der Stadt. In die Apotheke muss sie auch noch. Als sie das Auto auf dem Parkplatz vor dem Einkaufszentrum abstellt, trifft sie auf die beiden Freundinnen Else und Anna. Die Zwei strahlen über das ganze Gesicht und lachen wie zwei Teenager.
„Hallo Ihr Beiden!“, begrüßt Erna die zwei Frauen. „Wir haben uns ja jetzt schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen. Wie geht es Euch denn so?“
„Wie soll es uns beiden denn gehen, bei solch einem schönen, warmen und sonnigen Wetter?“, antwortet Else fröhlich. „Einfach nur toll!“
„Ja“, bestätigt Anna. „Das Wetter ist heiter und so sind wir es auch!“
„Es wurde ja auch mal wieder Zeit. Der Frühling hat so lange auf sich warten lassen. Immer dieser Regen. Endlich ist es trocken und freundlich“, schnattert Else fröhlich drauf los.
„Ich fand es gar nicht so schlecht“, gesteht Erna. „Gut, ein bisschen regnerisch war es schon“, fügt sie ein wenig kleinlaut hinzu.
„Regnerisch ist gar kein Ausdruck“, protestiert Else. „ Es war kalt und nass, einfach nur hässlich!“
„Dieses feuchte Wetter schlägt mir immer nur auf das Gemüt“, erklärt Anna. “ Ich werde davon richtig depressiv. Aber endlich ist es morgens nicht mehr neblig und bewölkt, sondern die Sonne scheint durch die Rolladenschlitze und weckt mich freundlich auf. Da hüpft das Herz doch regelrecht vor Freude.“
„Und ich bekomme von dem feuchten Wetter immer Rheuma“, berichtet Else.  „Wenn es mild ist, so wie jetzt, dann bekommt es mir am besten. Ich bin einfach nur froh und könnte den ganzen Tag singen und tanzen vor lauter Freude über das sonnige Wetter.“
„Ja, ja“, meint Erna. „Das liebe Wetter…“
Weiter kommt sie nicht. Die beiden Freundinnen sind so begeistert vom Sonnenschein, dass sie ihnen die Freude nicht verderben will. Da sie allerdings kein sehr erfreutes Gesicht macht und auch sichtlich verquollen aus den Augen schaut, werden die beiden Frauen doch etwas skeptisch.
„Ist mit dir irgendetwas nicht in Ordnung?“, erkundigt sich Anna jetzt.
„Du siehst verweint aus, ist etwas passiert?“, will nun auch Else wissen.
„Nein, nein! Es ist nur der Frühling…“
„Wir sind doch alle froh, dass er endlich da ist, du etwa nicht? Das ist doch die beste Jahreszeit, nicht kalt, nicht heiß oder schwül. Einfach nur warm und sonnig!“
„Naja, ganz so froh bin ich nicht. Aber übermorgen soll es ja regnen, dann geht es mir wieder besser“, berichtet Erna den Freundinnen.
Die Beiden schauen sie mit großen verwunderten Augen an und scheinen die Welt nicht mehr zu verstehen. Doch als Erna plötzlich zu niesen beginnt und sich die Augen reibt, wird ihnen Einiges klar.
„Sag nur, du bist erkältet und hast die Grippe!? Oder hast du etwa…?“, erkundigt sich Else.
„Ja,  das Zweite trifft zu“, erläutert Erna den beiden Frauen. „Ich leide neuerdings an Heuschnupfen.“
„Ach herrje!“, rufen die Frauen wie aus einem Munde.
„Und gegen was bist du allergisch“, will Anna wissen.
„So ziemlich gegen alles, was im Frühling so blüht. Ich habe mich testen lassen.“
„Wir wollten dich gerade fragen, ob du morgen mit uns einen Spaziergang durch den großen Landschaftspark machen willst?!“, tastet sich Else vorsichtig vor.
„Ich würde gerne mitkommen, aber ich fürchte es wäre kein Vergnügen für mich. Morgen soll die Sonne ja wieder den ganzen Nachmittag scheinen und der Pollenflug soll auch ziemlich hoch sein. Übermorgen haben sie Regenschauer gemeldet, das würde mir dann besser passen.“
„Ach, im Regen macht ein Spaziergang doch keinen Spaß!“, erwidert Else. „Und mir fällt gerade ein, dass ich übermorgen auch auf einem Kaffeeklatsch eingeladen bin. Ich kann also nur morgen.“
„Bei mir geht es auch nur morgen, weil ich übermorgen zum Schuhkauf verabredet bin“, beeilt sich Anna zu sagen.
„Nehmt auf mich keine Rücksicht“, beteuert Erna, ist aber doch ein bisschen enttäuscht. „Ich wünsche euch viel Spaß bei eurem Spaziergang!“, fügt sie noch schnell hinzu und meint es sogar ehrlich.
„Jaja, das liebe Wetter. Nie ist es recht.“
„Da hast etwas Wahres gesagt, liebe Anna. Des einen Freud, des anderen Leid!“, sagt Else mitleidig. „Naja, und so hat man immer etwas worüber man sich unterhalten kann.“
Erna nickt und schnieft in ihr Taschentuch. Danach verabschiedet sie sich von den zwei Frauen, die eingehakt von dannen ziehen.

„Vielleicht treffen wir uns einfach mal zum Kaffee!“, ruft Anna und dreht sich noch einmal zu Erna um. Dann marschieren die zwei Freundinnen in Richtung Gartencenter, um dort die Frühlingspracht zu bestaunen. Erna jedoch geht in die Apotheke und deckt sich mit Nasenspray, Augentropfen und Tabletten gegen ihre Pollenallergie ein.

Als Erna zu Hause ankommt, stürmt ihr die Enkeltochter entgegen.

„Schau mal, was wir heute in der Schule geschrieben haben. Ganz viele Sätze über das Frühligswetter!“, ruft sie schon von weitem und hält ihr Schulheft hoch.

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*Als ich neulich die Osterhasengeschichte geschrieben habe, fand ich auch in meinem alten Schulheft diese Aufzeichnungen.

 

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