Gedichte
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Kleidersammlung

 

Heute möchte ich es einmal wagen
und sozusagen ein As im Ärmel haben.
Ob ich es kann aus dem Ärmel schütteln,
daran wage ich zu rütteln.

Alles unter einen Hut zu bringen,
wird mir dies in meinem Gedicht gelingen?
Es kann nicht mehr als in die Hose gehen,
so sag ich mir, ihr werdet es schon sehen.

Gut, ich gebe es ja schon zu,
ich bekomme Fracksausen im Nu.
Ich werde einfach darauf vertrauen,
dass mir niemand wird den Frack verhauen.

Auf die Socken mache ich mich,
zu betrachten unsere Sprache an sich.
Ihre Redewendungen sind hier zu nennen,
die wir wie aus der Westentasche kennen.

Nicht um Kopf und Kragen reden,
niemals jemand auf den Schlips zu treten,
nicht sein Mäntelchen hängen nach dem Wind,
so lernt es schon jedes Kind.

Niemand unter dem Pantoffel stehen will,
oder gar an Mutters Rockzipfel hängen will,
nicht aus den Puschen kippen oder sich ducken,
um nicht am Ende dumm aus der Wäsche zu gucken.

Sich in kein Korsett zwängen lassen,
etwas mit Samthandschuhen anfassen,
sich einfach nicht in die Hose machen,
auch keinen Fleck ins Hemd machen.

Weil in der Kasse kein Überschuss,
mancher den Gürtel enger schnallen muss.
Ein anderer greift tief in die Tasche hinein,
weil er ein Schürzenjäger will sein.

Pantoffelheld in Spendierhosen,
vielleicht ein Schürzenjäger mit roten Rosen,
eine Plaudertasche oder eine Schlafmütze,
Kleidung ist auch für Sprache nütze.

Dies ist ein alter Hut nur?
Geht ganz gewaltig über die Hutschnur?
Reißt niemand mehr von den Socken?
Unsere Sprache ist keineswegs trocken.

Unter die Haube kommen,
oder vielleicht eins auf den Hut bekommen,
jemand wie die eigene Westentasche kennen,
soll ich noch mehr Beispiele nennen?

Sprache kann lebendig sein,
man braucht keine Plaudertasche zu sein.
Doch jetzt möchte ich mich bequemen
und eine Mütze voll Schlaf nehmen.

 

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18 Kommentare

  1. Was für herrliche und tiefsinnige Wortspielereien, liebe Astrid: Chapeau!
    Ich wünsche dir einen passenden und bunten Tag,
    Anna-Lena

    • Astrid Berg sagt

      Oh, herzlichen Dank, liebe Anna-Lena. Dein Lob freut mich sehr.
      Ich liebe diese Wortspielereien, denn unsere Sprache ist so facettenreich.
      Hab einen guten Start in die neue Woche und sei herzlich gegrüßt
      Astrid

  2. Liebe Astrid,
    wie du das nur immer hinkriegst! – Du hast mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. 🙂

    Liebe Grüße
    Traudi

    • Astrid Berg sagt

      Danke, liebe Traudi,ich freue mich über Deine lieben Worte und wünsche Dir einen schönen Dienstag.
      LG
      Astrid

  3. Hallo liebe Astrid,
    weißte was, ich musste beim lesen die ganze Zeit schmunzeln…. einfach toll haste das geschrieben.
    Wie machst du das eigentlich? Deine Geschichten sind immer so toll und auch jetzt die Gedichte wieder…einfach Spitze!!!

    Liebe Grüße
    Biggi

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Biggi,
      danke für dieses große Lob. Es macht mir einfach immer wieder Freude mit unserer Sprache zu spielen und wenn es Euch dann auch noch gefällt, ist es doppelte Freude.
      Ich wünsche Dir einen schönen Dienstag. Bei uns ist heute leider gefrierender Nieselregen und die Wege sind daher glatt. Da wünscht man sich nur wieder die Wärme.
      LG
      Astrid

  4. Liebe Astrid,
    ich bin restlos begeistert.
    Ich hoffe, ich durfte mir diese Wortspielereien
    – nur für meine Sammlung – mitnehmen?
    Einen angenehmen Abend wünscht dir
    Irmi

    • Astrid Berg sagt

      Na klar,liebe Irmi.
      Ist am Neckarstrand auch so ein mieses Wetter? Wir haben heute Morgen gefrierenden Nieselregen, da muss man bei jedem Schritt aufpassen und auch beim Autofahren. Ich sehne mich wirklich nach dem Frühling mit seinen wärmenden Sonnenstrahlen.
      Hab einen angenehmen Tag.
      LG
      Astrid

  5. toll deine Wortspielereien liebe Astrid, damit fühle ich mich –
    sofort zuhaus!!°°
    ich liebe ja die Sprache ebenso, auch mit ihr hermzuspielen, sie zu drehen
    zu wenden
    zu verändern
    sich in ihr zu spiegeln
    sie lieben
    und hätscheln und tätscheln
    kurzum
    mit ihr zu spielen denn nichts kann
    deprimierender sein als mit Sprache nicht umgehen zu können…°°°
    Leider
    verlernen es unsere Kinder, Enkel und auch so manche fremde Tante…
    inmitten von smartphone und Co
    immer mehr und immer wieder…
    daraus kann man
    Rätsel gestalten
    andere zum nachdenken bringen
    man gebraucht sie zum lachen und
    mitmachen
    entdecken was Sprache kann…
    ist unvergleichlich mit anderem..
    herzlichst Angel…die sich in die Runde einreiht…
    Grüße aus dem dooofen Schnee!!!!::.wir sind nicht nur!°eingeschneit, sondern nun noch
    v e r e i s t—herzlichst Angelface

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Angelface,
      herrlich, Dein Kommentar! Du hast recht, leider verlernen manche tatsächlich unsere schöne Sprache. Viele Wörter aus anderen Sprachen kommen dazu, aber auch Verfremdungen und Ausdrücke, die kein Mensch (jedenfalls in unserer Generation) versteht. Ganz massiv leidet die schriftliche Form unserer Sprache. Aber vielleicht besinnt sich doch die nächste Generation wieder…
      Hier haben wir zwar nur noch Schneereste, aber dafür ist es jetzt bei uns ebenfalls glatt und ich habe jetzt den Winter eigentlich richtig satt.
      Pass gut auf Dich auf.
      LG
      Astrid

    • Astrid Berg sagt

      Oh danke,liebe Traude. Auf Vollständigkeit möchte ich allerdings nicht pochen.
      Auf die Idee mit dieser „Kleidersammlung“ kam ich eigentlich ganz spontan, als ich die Socken sah, die Regina neulich eingestellt hat. Schön, dass Dir meine kleine Dichterei gefallen hat.
      Ich schicke Dir herzliche Abendgrüße
      Astrid

  6. Also das ist ja mal ein cooles Gedicht. Jetzt war ich so lange nicht auf Deiner Seite und habe gleich beim ersten Wiedereinschauen einen tollen Text auf der Startseite. Alle Achtung. Gefällt mir richtig gut!!!! LG Tanja

    • Astrid Berg sagt

      Oh danke. Ich freue mich sehr!!! So ein Lob geht runter wie Öl :-).
      Ich wünsche Dir ein schönes und hoffentlich sonniges Wochenende.
      LG
      Astrid

  7. Hey, das Wortspiel ist witzig. Man muss nur nachdenken, dann fällt einem so was ein. Aber bei deiner Auswahl komme ich auf keine neuen Vorschläge. Du hast alle benutzt 🙂
    Liebe Grüße von Kerstin.

    • Astrid Berg sagt

      Na, das möchte ich nicht behaupten, bestimmt gibt es noch andere Redensarten. Allerdings waren mir die genannten geläufig. Auf jeden Fall hat es mir Spaß gemacht sie in einem Gedicht festzuhalten. Und ich freue mich, dass es so viel Anklang findet.
      Hab ein angenehmes Wochenende mit ein bisschen Sonne und viel Ruhe.
      Astrid

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