Kurzgeschichten
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Chilly

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Und nun zu meiner neuen Kurzgeschichte:

 

Ich bin schon ein bisschen in die Jahre gekommen und habe meine besten Zeiten hinter mir. Trotzdem bin ich noch nicht auf dem Abstellgleis gelandet. Gut, ich gebe es zu, dass mein Leben im Gegensatz zu früher inzwischen ruhiger geworden ist. 
Wenn ich mich erst einmal vorstellen darf: 
Mein Name ist Chilly. Nein, ich habe nichts mit diesem scharfen Gewürz zu tun, obwohl ich schon in meinen jungen Jahren recht scharf aussah. Aber Schönheit liegt sowieso im Auge des Betrachters und ändert sich mit den Jahren und auch mit der Mode. Chilly kommt von „chillen“, diesem neudeutschen Wort, das nichts anderes meint als „entspannen“. Wo ich bin, da entspannt man sich und ruht sich von den Strapazen des Alltags aus. Ich bringe Ruhe in das Leben und verführe gerne zum Träumen. Das ist sozusagen meine Profession, mein Beruf, meine Bestimmung und meine Lebensaufgabe und Erfüllung.
Ich strahle Fröhlichkeit aus, was an meiner Farbenfreudigkeit liegt. Gleichzeitig bewirkt meine mustergültige Regelmäßigkeit eine gewisse Ruhe. Diese beiden Eigenschaften kombiniert mit meiner Anschmiegsamkeit und Wärme bringen mir viel Dankbarkeit ein. 
Ich gebe es ja zu, dass ich mit den jungen Dingern von heutzutage nicht mehr so recht mithalten kann. Trotzdem habe ich noch meine Daseinsberechtigung und habe mir jetzt auch meine Ruhe auf dem Sofa verdient.
In der ersten Hälfte meines Lebens bin ich viel rumgekommen. Die Familie, in der ich auch heute noch meinen Platz habe, hat mich gut gepflegt und tut dies auch jetzt noch. Andere in meinem Alter hat man schon aussortiert und vergessen oder sie existieren gar nicht mehr.  
In der Familie, die mich vor vielen Jahren aufgenommen hatte, gab es damals ein kleines Mädchen mit Zöpfen und Schleifchen im Haar. Ihre Eltern riefen sie „Astrid“. Gerne habe ich sie bei ihren Unternehmungen begleitet. Ich war mit ihr im Schwimmbad, lag mit ihr gemeinsam auf der Wiese oder ging sogar mit auf Reisen. Ich kann mich erinnern, dass ich sie und ihre Eltern nach Bayern begleitet habe. Dort hatten wir unseren Spaß am Schliersee. Immer, wenn sie aus dem Wasser kam, schmiegte sie sich an mich und machte es sich mit mir gemütlich. Ist das nicht schön? Jedenfalls habe ich die Zeit mit ihr genossen.
Später nahm sie mich mit zum Zelten. Und stellt Euch vor, ich durfte sogar ihren Freund und späteren Mann kennenlernen. Die Beiden habe ich auf ihrer Hochzeitsreise nach Spanien begleitet und war dabei als sie eng umschlungen am Strand standen und auf das Meer hinaus blickten. Richtig romantisch.
Ich hätte es mir nie träumen lassen, dass ich einmal mein Leben im Internet erzählen darf und mich dadurch viele Menschen kennenlernen. Wenn ich Glück habe, dann kann sich sogar jemand an meine Geschwister erinnern, die mir angeblich ganz genau gleichen. Ansonsten gibt es überall auf der ganzen Welt eine Menge Artgenossen und jeder von ihnen hat seine eigene Geschichte und sein eigenes Schicksal.
So und nun lege ich mich wieder hin. Mein Stammplatz bei der Mutter der kleinen Astrid von damals ist für mich immer noch frei. Dort warte ich auf meinen Einsatz oder genieße einfach nur meinen Lebensabend. Auf alle Fälle bin ich glücklich, dass meine Farben  und mein Muster mich noch so schön schmücken.  Ich bin stolz darauf eine Decke zu sein, die noch immer seine Daseinsberechtigung hat und nun in schon fortgeschrittenem Alter fein säuberlich gefaltet auf dem Sofa die Gelegenheit zum Chillen hat.

 

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